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* Ulrichstein, 2. Mai. Man sagt in hiesiger Ge­gend: Wenn gegen Mai der Schlehdorn blüht, der Winter nochmals ins Land einzieht." Und richtig, heute Nacht kam er nochmals. Es hat fest geschneit. Allez Grün ist unter der Schneedede verschwunden. Ueberall, wohin man schaut, ein winterliches Bild.

* Ulrichst ein. Die an den schwarzen Blattern er­frantte Bolin wurde bekanntlich zusammen mit ihren beiden Landsleuten, welche sie hier verpflegten, in die Gießener Alinit eingeliefert. In der Klinit ist nunmehr auch eines der dort untergebrachten Kinder, welches mit der Polin hier auf dem Selgenhof zusammen war, erfrankt.

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* Hanau. Nach einer dem Magistrat zugegangenen amtlichen Mitteilung wird am 1. Juli das 2. Bataillon bes Infanterie- Regiments Nr. 88 von Mainz nach Hanau berlegt.

* Hanau. Die Arbeitgeber im Baugewerbe für Ha­nau und Umgegend beschlossen einstimmig, die Geschäfte den Beschlüssen des Bundesvorstandes gemäß auch weiter ge­schlossen zu halten. Insgesamt wurden in Hanau 638 Bau­arbeiter von der Aussperrung betroffen.

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* Berlin, 3. Mai. Nach einer dem deutschen Ar­beitgeberbund für das Baugewerbe zugegangenen Meldung hat sich die Zahl der entlassenen organisierten Bauarbeiter in den letzten Tagen der vergangenen Woche noch um 1000 vermehrt und beträgt also nun 187 000.

* Karlsruhe, 3. Mai. Bisher war die völlige Schließung der Baugeschäfte nur in Mannheim durchgeführt, während der badische Landesverband der baugewerblichen Arbeitgeber lediglich die organisierten Arbeiter aussperrte. Nun hat eine in Offenburg abgehaltene Delegierten- Ver­sammlung der Arbeitgeber beschlossen, daß die Aussperrung eine schärfere sein und vom 7. Mai ab sämtliche Neu­bauten stillgelegt und nur die dringendsten Reparatur- und Notstandsarbeiten ausgeführt werden sollen.

* Breslau. Der Arbeitgeberbund hat hier in einer start besuchten Versammlung einstimmig beschlossen, an dem bisherigen Vorgehen in Sachen der Aussperrung festzuhalten, nachdem die Beschlüsse des deutschen Arbeit geberbundes, die seinerzeit in Dresden gefaßt worden sind, von den Gewertschaften anerkannt waren.

wurde vom Schöffengericht wegen Körperverlegung zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Die von ihm eingelegte Be­rufung wurde verworfen.

Der Gutsinspektor Schmahlbach in innig erhielt, als er noch in Gießen studierte, die Nachricht, der Pfarrer Walter in seinem Heimatsort Trainfeld habe in der Religionstunde ihn als abschreckendes Beispiel hingestellt, da er an einem Feiertage während des Kirchläutens mit seiner Braut einen Ppaziergang nach dem Wald gemacht habe. Schmahlbach schrieb hierauf an den Pfarrer, daß frivol und gemein" einen Geistlichen entehrten; man beiegt einen gewöhnlichen Menschen mit Schurke und Schuft. Der Pfarrer erhob Anzeige und Schmahlbach wurde wegen Be­leidigung zu 20 Mr. Geldstrafe verurteilt. Beide Teile fechten das Urteil an; das Berufungsgericht bestätigte das Urteil mit der Maßgabe, daß dem Beleidigten die Publi fationsbefugnis zuerkannt wurde.

Der Installateur Bernhard Steuernagel 1 von Bad= Nauheim hat in einem Prozeß einen Vertrag vorge legt, von dem man annahm, er habe eine Unterschrift er­schlichen. Er wurde wegen Urkundenfälschung angeklagt und

In Duderstadt hat sich der Dachdecker Emil Mann­höser unter dem Namen August Schmill aburteilen lassen, wodurch falsche Einträge in die Gefangenenregister bewirkt wurden. Außerdem ist er beschuldigt, seinem Meister zu Gießen eine Hose und einen Hammer gestohlen zu ha­ben. Wegen Urfundenfälschung erfolgte Freisprechung und wegen Diebstahls bekam er 4 Monate Gefängnis.

* Kopenhagen, 3. Mai. Erpräsident Roosevelt zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt. * Mainz. Ein Schuhmacher hatte dieser Tage die ist gestern nachmittag mit seiner Familie hier eingetroffen und vom Kronprinzen, dem amerikanischen Gesandten und einem seiner Kunden ein paar Stiefel abzuliefern. Da der dem Minister des Auswärtigen empfangen worden. Er Runde die ganze Summe nicht bar bezahlen konnte, beglich nahm mit feiner Familie auf Einladung des Königs im er den Rest von zwei Mart mit zwei Pferdelosen. Meister Schloß Wohnung. Crispinus hatte das nicht zu bereuen, denn eins wurde anit 200 Mart Wert gezogen.

* Darmstadt. Bei der Bewertung der in der Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes ausgestellten Werke erhielt den Preis für Malerei Otto Hoyer- Weimar mit allen Stimmen der Jury. Von den Bildhauern erhielt den Preis Karl Albifer- Ettlingen. Da der Künstlerbund in diesem Jahre eine besondere Ausstellung für Graphit in Hamburg hat, tamen für Darmstadt hauptsächlich Malerei und Pla­stit in Betracht. Es waren etwa 1200 Werte eingeliefert worden, unter ihnen vieles Gute und Interessante.

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* Darmstadt, 2. Mai. Der Landesverein Hessi­scher Zeitungsredakteure hielt hier eine außer­ordentliche Mitgliederversammlung unter dem Vorsitz des Redakteurs Dr. Waldaestel ab. Die Versammlung beschäf= tigte sich mit dem am 22. d. M. in Hannover stattfinden den Delegiertentag des Bundes Deutscher Redakteure. Als Delegierter wurde Redakteur Fr. Hannemann gewählt. Ver­schiedene Anträge, die sich besonders mit der Besserung der sozialen Lage der Redakteure befassen und dem Delegier­tentage unterbreitet werden sollen, wurden nach längeren, sehr anregenden Debatten angenommen.

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)( In Zehlendorf eroberte O. Sykora auf Bren­nabor am 1. Mai im Hauptfahren sowohl wie im Vor­gabefahren den ersten Platz und behauptete sich im Stun­den- Rennen als Zweiter.

* Wiesbaden, 1. Mai. Der konservative Par­teitag der Provinz Hessen- Nassau, der heute hier unter dem Vorsitz des Oberleutnants a. D. Wilhelmi tagte, nahm folgende Resolution an: Die Provinzialversammlung der fonservativen Partei von Hessen- Nassau spricht dem Vor­stand der deutsch- fonservativen Partei ihr vollstes Vertrau­en und ihren Dank für die erfolgreiche Arbeit der letzten Jahre aus. Sie hofft, daß es gelingen Dird, die staats­erhaltenden Parteien zu einer fruchtbringenden Tätigkeit für unser Vaterland wieder zu einigen."

)( Den Prix du printemps( 20 Kilometer) und den grand prix de La Louviere gewann J. Bäschlin am 1. Mai in La Louviere. Böschlin fährt die bekannte Marke Brennabor.

* Wiesbaden. Der Strafprozeß gegen den frei­religiösen Georg Welter wegen Gotteslästerung, der vor der Straffammer gestern verhandelt werden sollte, wurde vertagt, da Professor Harnack- Berlin das Sachverständigen Gutachten in der Sache noch nicht beendet hat.

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Auf Privatklage der Christine Müller in Schmal= heim wurde ihre Schwester, Frau Margarete Schmidt, wegen Beleidigung zu 5 Mart Geldstrafe verurteilt. Die Angeklagte legte Berufung ein, indem sie behauptete, sie habe die Klägerin bei ihrem Schimpfen nicht gemeint. Das Urteil wurde jedoch bestätigt.

In Stuttgart war fürzlich die Jahres- Versammlung des württembergischen Journalisten- und Schriftstellervereins, den der König von Württemberg dadurch ehrte, daß dem Vorsitzenden Redakteur Heller das Ritterkreuz 1. Klasse des Friedrich- Ordens verlieh und durch den Minister­präsidenten Dr. Weizsäcker der Versammlung seine besten Wünsche und Grüße übermitteln ließ. Ministerpräsident, der zugleich im Namen des württember gischen Staatsministeriums sprach, knüpfte daran einige Be­merkungen über die Bedeutung der Presse und ihr Verhältnis zur Regierung. Wenn man sich, so sagte er, die außerordentlich große Verantwortlich­keit des Journalisten gegenüber dem öffentlichen Wohl ver­gegenwärtigt, wie könnte es da anders sein, als daß man denen, die sich dieser Verantwortung bewußt bleiben, ge= bührende Anerkennung und Wertschätzung entgegenbringt. Das ist vielleicht selbstverständlich, aber die geehrten Herren werden mir aus ihrer Erfahrung heraus zugestehen, daß es Fälle gibt, wo es notwendig ist, auch das Selbstver= ständliche zu sagen. Wir sind uns auch bewußt, welche außerordentliche Mühe und Anstrengung die Herstellung die­ser Zeitungen bedingt, dieser Leistungen, die gerade, wenn sie gut sind, einfach und selbstverständlich erscheinen. Wir wissen, welche Fülle von Kenntnissen und Talent, von Fleiß und Gewissenhaftigkeit erforderlich ist, um in der Presse das zu leisten, was sie leisten will. Ich begrüße es aber ganz besonders, daß uns heute die Gelegenheit gegeben ist, per­sönlich, und ich möchte sagen, ohne daß ein Blatt Papier Bei zwischen uns ist, mit Ihnen zusammenzukommen.

* Wiesbaden, 1. Mai. Um 5.45 Uhr trafen der Kaiser, die Kaiserin, die Prinzessin Viktoria Luise und das Gefolge im Sonderzug, von Straßburg fommend, hier ein und begaben sich nach dem königlichen Schloß. zahlreiches Publifum begrüßte die Majestäten auf dem gan­zen Wege mit Hochrufen. Nach ihrer Ankunft im Schloß erschienen die Majestäten und die Prinzessin auf dem Ec ballon und wurden von der tausendföpsigen, vor dem Schloß versammelten Menge stürmisch begrüßt.

* Marburg. Am nächsten Sonntag findet die Taufe des vom furhessischen Verein für Luftschiffahrt er­worbenen Ballons Marburg" und anschließend ein Aufstieg ftatt. * Marburg. Auf dem Transport zur Landes= heilanstalt entsprang ein Sträfling und entkam in die Lahn­berge.

* Kassel, 2. Mai. Der diesjährige 6. Deutsch= nationale Handlungsgehilfentag für Hessen- Nassau, Waldeck und Großherzogtum Hessen wurde hier abgehalten. Die Zahl der Ortsgruppen stieg von 49 auf 51. Die größeren Ortsgruppen zählten an Mitgliedern: Frankfurt 1270, Ras­fel 449, Wiesbaden 507, Darmstadt 259, Hanau 245, Gie­ßen 211, Offenbach 179, Höchst 100, Biebrich 99, Marburg 66, Fulda 68, Limburg 57, Eschwege 62, Homburg 55.

Aus aller Welt.

* Heidelberg, 2. Mai. Wie der hiesigen Stern­warte aus London gemeldet wird, haben die neuesten in Greenwich auf Grund der leßten Beobachtungen ausgeführ­ten Berechnungen über die Bahn des Halleyschen Kometen ergeben, daß die Erde nicht durch den Schweif des Kome­ten gehen wird.

Geschäftliches.

** Zum ersten Male sind im Rerchspostgebiet die amtlichen Verzeichnisse der Teilnehmer an den Fern­sprechneßen zu Insertions 3 we cen freigegeben. Es ist damit den Inserentenkreisen Gelegenheit geboten, ihre Ankündigungen einem nur gut und bestsituiertem Publikum vor Augen zu führen. Die bedeutenden Auflagen und die ständige Benußung der amtlichen Verzeichnisse, besonders auch an den öffentlichen Fernsprechstellen sichern den in die­sen Büchern aufgenommenen Anzeigen die größte Beacht­ung. Das Reichspostamt hat der ältesten Annoncen- Erpe­dition Haasenstein u. Vogler A.-G., Berlin W. 8, Leipziger­straße 31 t. 32, die alleinige Anzeigen Annahme für alle Verzeichnisse übertragen. Aufträge nehmen alle Filialen und Agenturen der Haasenstein u. Vogler A.-G.( in Gießen die Firma Albin Klein, Verlagsdruckerei) entgegen. Kirchliche Nachrichten für Gießen. Evangelische Gemeinde.

dem Festmahl, das den Verhandlungen folgte, erklärte der Minister des Innern Dr. v. Pische f: Er könne sagen, daß derjenige, der einen Ministerposten bekleide, tag= täglich ganz besonders Gelegenheit habe, zu erkennen und zu beurteilen, wie wohltätig und nüßlich eine gute und ihren Aufgaben gewachsene Presse wirken könne. Daraus tönne man sehen, daß die Presse im allgemeinen in der Re gierung einen wahren Freund, habe, womit allerdings nicht gesagt sein solle, daß die Männer der Regierung in all­weg und unbedingt der Presse für seine Person sehe er von der Kritik in der Presse ab, da ein alter Politifer gegen so etwas allmählich hartschlägig werde mit Freude gegenüberstehen. Schon die Lektüre der Zeitungen sei, wenn sie berufs- oder gewerbsmäßig betrieben werden müsse, eben auch ein Stück Arbeit, und hie und da ein recht unangenehmes, so daß man sich auf die Ferien auch deshalb freue, weil man dann keine Zeitungen zu lesen brauche, aber schon nach einigen Tagen stelle sich das Ver­langen nach den alten lieben Bekannten wieder ein und man greise mit Vergnügen danach. So wisse die Regier­ung die Arbeit des Journalisten, seine Treue und sein Pflichtgefühl, das ihn oft hinter die Interessen der Allge meinheit zurücktreten lasse, sehr wohl zu würdigen und zu schätzen. Ein Journalist, der diesen Ansprüchen genüge, habe seinen Beruf nicht verfehlt, sondern einen Beruf er= griffen, in dem er Höheres zu leisten vermöge als die Trä­ger anderer geistiger Berufe.

Aus dem Gerichtssaal.

Straffammer.

Donnerstag, den 5. Mai, Himmelfahrtsfest In der Stadtkirche. Bormittags Uhr: Pfarrer D. Schlosser.

In der Johanneskirche. Vormittags 9% Uhr: Pfarrer Ausfeld.

Gießen, den 3. Mai 1910. Gegen den Fuhrknecht Adolf Krab aus Dudenho­

In der alten Friedhofskapelle. Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.

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Mittwoch, den 4. Mai. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heiligen Beicht.

* Berlin, 3. Mai. Auf Anregung der medizini schen Fakultät der Universität Jena haben fast alle medi­zinischen Fakultäten Deutschlands eine Eingabe an die Reichsregierung gerichtet, die auf die Gefahren der neuen Reichsversicherungsordnung aufmerksam macht und die So- fen, der wegen Diebstahls angeklagt ist, und zum Termin lidarität der akademischen Lehrer mit den Wünschen der Aerzteschaft, wie sie der Berliner Aerztetag und Sanitäts­rat Dr. Mugdan im Reichstag ausgesprochen haben, auf= merksam macht. Die Eingabe enthält 150 Unterschriften.

nicht erschien, wurde Vorführungsbefehl erlassen.

Im 3uchthaus Marienschloß tamen die Sträflinge Simon und Fleckenstein in Streit, wobei ersterer dem letteren mit einem Messer in den Arm stach. Simon

Donnerstag, den 5. Mai.

Fest Christi Himmelfahrt. Vormittags Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht. Vormittags 7 Uhr: Die erste heilige Messe. Vormittags 8 Uhr: Austeilung der heiligen Kommunion. Vormittags 9 Uhr: Hochamt mit Predigt.

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Vormittags 11 Uhr: hl. Messe mit Predigt. Militärgottes­dienst.

Nachmittags 2 Uhr: Feierliche Vesper mit Segen.

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Donnerstag, den 5. Mai.

Abends 9 Uhr: Bibel- und Gebetstunde.

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