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Aus dem Reiche der Technit.

Automobillinien durch die Wüste Gobi. Die öde. san­Mige Steppe im Innern Chinas, die als Wüste Gobi be­fannt ist. foll fünftig regelmäßig von großen Lastautomobi­len durchzogen werden. Die chinesische Regierung hat nach bem Globus beschlossen, von Uraa nach Kalgan einen Auto­mobildienst einzurichten, der bestimmt ist, die großen Tee­transporte zu bewerkstelligen, die bisher nur durch Kamel­farawanen bewirkt wurden. Binnen furzem wird auch Kal­gan mit dem nach der chinesischen Hauptstadt führenden Schienenstrang verbunden sein, damit schafft die chinesische Regierung nicht nur bedeutsame Handelserleichterungen, sondern sie gewinnt zugleich eine wesentliche Stärkung ihrer Strategischen und politischen Stellung in der Monoolei.

Vermischtes

Der Schorschel und der Heiner. Für das gemütvolle Verhältnis, das der bürgerlich- einfache Großherzog von Hessen zu seinen Landeskindern unterhält, mag folgendes Vorkommnis, das uns einer unserer Leser erzählt, als neuer Beleg dienen. Kommt da vor etlichen Tagen bei dem großherzoglichen Jagdschloß Wolfsgarten ein kleiner Darmstädter ,, Heiner" vorber- Heiner( Heinrich) ist der Sammelname der Darmstädter Straßenjugend- und sieht auf der Gartenmauer den reizenden dreijährigen Erbgroß­herzog Georg siben, den die Hand des Vaters hinter ihm festhält. Fröhlich begrüßt der fleine Darmstädter das na­mentlich bei der Jugend äußerst beliebte Prinzchen mit dem Da raunt der Schmeichelruf: Schorschel! Schorschel!" Vater seinem Söhnchen zu: Ruf wieder: Heiner!" Und tapfer ruft der Prinz: Heiner! Heiner! Und nun geht es: Schorschel!" Heiner! ,, Schorschel!"- ,, Heiner" Bis um die Ecke.

Der Weihnachtspaketverkehr in der Reichshanntstadt weist zum erstenmal wieder seit einer Reihe von Jahren in allen Beziehungen eine Zunahme auf. Den Bostpäckerei­berkehr während der Weihnachtszeit rechnet die Bost für die 14 Tage vom 12. bis einschließlich 25. Dezember. In Berlin betrug in dieser Zeit die Zahl der ausgegebenen und eingegangenen Pakete insgesamt 2 689 832 Stück. Gegen das Vorjahr bedeutet dies eine Zunahme von 159 336 Stück. Von dem Gesamtverkehr kommen diesmal auf die aufgegebenen Patete 1 734 089 auf die eingegangenen 955 743. Bei der Aufgabe betrug die Steigerung 112 210. Zur Bewältigung dieses Verkehrs waren in ienen vier­zehn Tagen bei den Postanstalten insgesamt 12771 Bivilpersonen beschäftigt. Davon waren 2975 Beamte, 5547 Unterbeamte, 3083 Postboten und 1266 Hilfsmann­schaften.

Ein neuer Raubmord in Belgien. Noch hält die Ermordung einer ganzen Familie alle Gemüter in Brüssel in Erregung, da wird schon wieder ein neuer Raubmord in der belgischen Hauptstadt entdeckt. Das Opfer ist eine etwa 60 Jahre alte Schullehrerin, die von der Regierung eine kleine Pension bezieht. Sie bewohnte eine kleine, möblierte Wohnung, lebte anscheinend in guten Verhält nissen und kleidete sich sogar etwas gar zu jugendlich. Sie erhielt sehr viel Besuch von jungen Leuten. Als gestern abend um 9 Uhr ihr Flurnachbar nach Hause tam, fand er die gemeinsame Flurtür offen und in seinem Zinimer alle Schränke und Behälter erbrochen. Als er zum Neben­zimmer eilte, fand er dort alles in unbeschreiblicher Un­ordnung und die Lehrerin selbst in der Nähe des Bettes erdrosselt liegen. Es wird angenommen, daß einer ihrer jungen Freunde der Täter ist, der vermutete, viel Geld bei ihr zu finden.

Zu dem Familiendrama in Köln das sich gestern nacht in der Wohnung des Prokuristen Schmiß in der Lang­gasse abgespielt hat und dem das Ehepaar und ein 14­fähriger Sohn zum Opfer fielen, werden noch folgende Ein­Belheiten bekannt: Um 2 Uhr hörten die Bewohner des unteren Stockwerkes einen erregten Wortwechsel zwischen Schmiß und seiner Frau, aus dem die Worte der Frau: Ach Gott, laß es doch sein" gehört wurden. Daraus schließt man, daß dlie Frau ursprünglich mit dem Plan ihres Mannes einverstanden oder wenigstens darin vorher eingeweiht worden war. Später wurde es in der Wohnung wieder ruhig. Als gestern morgen dort alles noch ruhig blieb, rief man die Polizei, die die Wohnung öffnen ließ und die Tat entdeckte. Aus dem Revolver, den Schmit in der rechten Hand hatte, während er in der linken Hand eine elektrische Taschenlampe hielt, waren vier Schüsse ab­gegeben worden. Der Sohn schien von der Tat überrascht worden zu sein. Die Annahme, daß Schmit in geistiger Umnachtung gehandelt habe, läßt sich darnach nicht auf­recht erhalten. Obgleich er ein Gehalt von etwa 8000 Mt. bezog, scheint er den Haushalt nicht damit haben bestreiten zu können. In der Wohnung fanden sich nur 3 Mark Geld und ein Pfandschein über ein verseßtes goldenes Armband, Die Staatsanwaltschaft hat eine Ortsbesichtigung vorge­

nommen.

Der Marathon- Pianist". Aus Amerika wird die Nach­richt von einem neuen Sport gedrahtet, der mit echt ame­rikanischem Waschmad Marathon- Klavierspielen" genannt wird und fieberhaften Enthusiasmus in den Vereinigten Staaten erregt. Der Champion ist ein junger Kentuckiec, Student der Medizin, namens Harding, der sich vor einigen Tagen daran machte, alle bisher aufgestellten Rekorde im Dauerpianospielen zu schlagen. Die bisher größte Leistung dieser Art hatte 36 Stunden und 32 Minuten gedauert. Mr. Harding setzte sich in einen bequemen Lehnstuhl, der reichlich mit Kissen ausgepolstert war und begann mit einem Ragtine", wie in den Vereinigten Staaten die Gassenhauer genannt werden. Dann spielte er Auszüge aus dem Trou­badour und dann gabs wieder Ragtine. Ohne die geringste Pause zu machen, spielte er mit fräftigem Fingerschlag 36 Stunden und 36 Minuten, den bisherigen Rekord um vier Minuten schlagend. Als er aufhörte, waren seine Finger­frißen braun und blau und seine Arme waren derart ange­schwollen, daß sie das Doppelte ihres natürlichen Umfangs eingenommen hatten.

Das Denkmal für Vort Arthur. Mit großer Feierlich­feit ist nunmehr in Port Arthur das Denkmal enthüllt worden, das bestimmt ist, der Nachwelt Kunde zu geben von den tapferen Söhnen Japans, die in dem Kampf um die feindliche Feste für das Vaterland ihr Leben opferten. Das Denkmal erhebt sich auf dem berühmten Vorwerk von Pehjuschan; es hat eine Höhe von 218 Fuß, so daß der Gipfel des Denkmals 626 Fuß über den Meeresspiegel emporragt. Es führt den Namen Hyechu- to, der Gedächtnis­turm der Treue, und hat den Japanern rund 430 000 M gekostet. Im Innern sind von General Nogi und Admiral Togo geschriebene Dokumente niedergelegt, die die genaue Zahl der vor Port Arthur gefallenen japanischen Krieger feststellen, 20 861 Mann des Landheeres und 1858 Manu der Marine. Bei der Einweihung verlasen General Nogi und Admiral Togo Adressen; beide Feldherren sprachen mit Bewunderung und Rührung von den Opfern, die die ge­fallenen Söhne Japans freudig ihrem Vaterlande darge­bracht hätten.

Wie alt werden die Geschäftsreisenden? Der Verband reisender Kaufleute Deutschlands hat ein die Reifenden aller Branchen umfassende Statistik der Todesfälle ver­öffentlicht, die sich über einen Zeitraum von 24 Jahren erstreckt Danach beträgt das Durchschnittsalter der kauf­männischen Reisenden nur 43,87 Jahre. Berücksichtigt man, bak die mit dem Geschäft verknüpften Trinkunfiten beson­ders in der Lebens- und Genußmittel- und verwandten Branchen vorherrschen, so dürfte sich für diese sicher ein noch geringeres Durchschnittsalter ergeben. In der Unfitte der Trinkaeschäfte" nämlich erkennt der Verband die

Fauptursache dieser ungünstigen Gesundheitsverhältnisse. Er verbreitet daher neuerdings eine Flugschrift Trink­unfitten beim Handeln", in der er sich energisch gegen jene Unfitte wendet, die für alle Beteiligten nur von Nachteil ist, indem sie nicht nur die Gesundheit der Reisenden schä­digt, sondern auch naturgemäß den Preis der Ware für den Käufer wesentlich erhöht. Auch eine Reform der üb­lichen table d'hote mit ihrem lästigen Weinzwang wird ge= fordert.

575 Erdstöße in einem Jahre. Die Geodynamische Zen­tralmarte" veröffentlicht einen Bericht über die Erdbeben, die Messina in den letzten 12 Monaten heimaesucht haben. Am 28. Dezember 1908 wurden 139 Erdstöße registriert, am 29. 35, darunter die heftigen Stöße, die die Stadt gänz= lich zerstörten. Am 30. Dezember folgten 31 Stöße und am Silvestertage 17. Im Januar wurden noch 142 Stöße ver­spürt, dagegen nahmen die Erderschütterungen in den fol= genden Monaten ab. Im letzten Monat wurden nur 7 Stöße verzeichnet. Im ganzen sind seit dem 28. Dezember 1908 575 Stöße registriert worden.

Ein glücklicher Spieler. Gestern war das Casino von Monte Carlo in der hellsten Aufrequng. Ein Kanadier na­mens Creuzter gewann 464 000 Mark in einer Sibung. Er setzte regelmäßig das Maximum von 2000 Frank auf die Dußende Er hatte bereits seinen gesamten Gewinn und noch 20 000 Frank mehr wieder verloren, als sein Bech plöh= lich in das Gegenteil umschlug und er eine Serie nach der andern gewann. Viermal sprengte er an verschiedenen Tischen die Bank.

Mondsommer. Um vier Uhr schon ist der kurze, bleiche Tag der Wintersonnenwende verblaßt. Doch bald wird die tiefe Dämmerung von einer neuen Helle abgelöst. Groß und dunkelrot hebt sich der Mond langsam über die Nebel empor, die lange lange Nacht einzuhüllen suchen, als woll­ten sie die Erde dem Blick des nächsten Morgens entziehen. Aber scheu müssen sie sich in ihre Winkel verfriechen vor den Strahlen des Mondes, der jetzt erst seine volle Kraft erlangt zu haben scheint. Bescheiden hat er sich das ganze Jahr mit der Rolle eines Knechts begnügt, der seinem Herrn die schwach leuchtende Laterne voranträgt. Langsam, im gleichen Verhältnis wie die Sonne in ihrem Höhenflug er­mattete, ist er am Himmel immer mehr emporgestiegen, um jetzt in den heiligen Nächten fast vom Zenith herab sein stärkstes Licht leuchten zu lassen. Viel kleiner zwar sieht er aus, wie wenn er mit der Höhe auch eine größere Entfer= rung erreicht hätte, aber um so heller, fast blendend strahlt er vom dunklen Firmament, dessen Sterne ganz eigentüm­lich glibern und flimmern. Denn nicht Wärme sendet er herab wie das glühende Tagesgestirn. Kalt ist er und der strenge Frost sein erwünschtester Gefelle. Am liebsten ist es ihm, wenn sich sein Antlitz in starrem Eis und festgeftttetem Schnee wiederspiegelt und die Blumen an den Fenstern sei­nen Strahlen den Eintritt in die Wohnungen der Menschen wehren. Leider ist seiner Herrlichkeit nur kurze Dauer be­schieden, nur wenige Tage darf er sich seiner Erhabenheit freuen. Mit dem neuen Jahre beginnt sein Niedergang, der so lange dauert wie das Steigen der Sonne, das Wachsen des Tages. So hat sein nächtliches Reich gleichfalls vier Jahreszeiten, die nur darum so wenig beachtet vorüber­gehen, weil sie zu unscheinbar sind gegenüber den gewalti= gen Wandlungen, die unsere Sonne im Wechsel ihres Stan= des hervorbringt, und weil es dem Mond nicht vergönnt ist, alle vierundzwanzig Stunden in gleicher Gestalt am Him­mel zu erscheinen. Um seine Jahreszeiten zu erkennen, ist man auf die nur zu oft durch Wolfen getrübten settenen Nächte beschränkt, wo er, von der Sonne voll beschienen, seine Bahn dahinzieht. Doch undankbar wäre es, wollte man vergessen, daß auch der Mond seinen Sommer hat, in allem der Widerpart des Herrschers in unserem Planeten­reich.

Franenrechte im hohen Norden. Für die isländischen Frauen bedeutet der Beginn des neuen Jahres einen gro= ßen Fortschritt. Am 1. Januar 1910 tritt nämlich das Gesetz vom 15. April d. J. in Kraft, wonach die Frauen Islands fünftighin zu allen öffentlichen Stellungen und Betätigun­gen berechtigt sind, ausgenommen das Recht, im Parlament zu sitzen. Schon jetzt besitzen die isländischen Frauen Cit in der Stadtverwaltung zweier Orte sowie in den Ge= meinderäten der Insel. In Zukunft können sie überall in Gemeindeverwaltungen, Armenverwaltungen usw. ge= wählt werden.

Gine nette Jagdgeschichte erzählt ein Pariser Blatt. Ein Bauer namens Redon hatte am verflossenen Samstag auf dem Markt in Laval für 180 Francs Stroh und Heu verkauft und die Goldmünzen, wie es die Bauern zu tun pflegen, in einen Zipfel seines Taschentuches gebunden. Mit dem Tuch in der Tasche ging er dann aufs Feld. um zu arbeiten. Plötzlich entdeckte er in einer Ackerfurche einen schlafenden oder halb erfrorenen Hasen, den er durch einen Schlag auf den Kopf vollends betäubte. Er schickte sich an, dem Tier mit dem Taschentuch die Hinterbeine festzubinden und mit der leicht errungenen Beute im Triumph nach Hause zurückzukehren, als der Hase plötzlich aus der Be­täubung erwachte, mit einem gewaltigen Satz aus der Hand des Bauern schlüpfte und mit dem Taschentuch und den Goldstücken am Bein das Beite fugie. Das Bnetletn wartet noch auf ihn.

Allerlei Punsch- Geschichten.

Im Jahre 1695 wurde zum ersten Male das neue Jahr bei einer Punschbowle von einem Engländer begrüßt. Fret­lich geschah das nicht in England selbst, sondern in Cadiz, wo der englische Admiral Russel einen Riesenpunsch am Weihnachtstage veranstaltete, der dort noch als Beginn des neuen Jahres galt, wie auch heute noch die Engländer ihre Glückwunschkarten zum neuen Jahr am Weihnachts­abend versenden. Ueber diesen Riesenpunsch berichtet ein Teilnehmer: Mitten in einem Garten von Limonen und Orangen befand sich eine Fontäne, die sauber mit holländi­schen Ziegeln ausgelegt war. In diese wurden am Christ­tage sechs Kufen Wasser gegossen, ein halbes Orthof echten Bergmalagas, 200 Gallonen Branntwein, 600 Pfund Zucker, 12 000 Limonen und genügend Muskaten. Admiral Russel, lud alle englische Kaufleute und das ganze Offizierkorps zu Tisch, nach dem Essen geleitete er die Geladenen zu der Rie­senbowle. In dem Punschbassin befand sich ein Boot, in dem sich ein Knabe mit Bechern befand, mit denen er die Ge­sellschaft bediente.

Eine andere Punschgeschichte knüpfte sich an den Na­men des englischen Seehelden Rodney. Im Februar 1781 eroberte er eine Anzahl französischer Kolonien und ge­wann endlich am 12. April 1782 auf der Höhe von San Do­mingo einen glänzenden Sieg über die französische Flotte. Zur Belohnung für diesen Sieg spendete Rodney den Offi­zieren seiner Flotte einen Riesenpunsch, wie er weder nach wie vorher gebraut worden ist. Dieser Punsch bestand aus 4 Tonnen Waffer, 1200 Flaschen Malaga, 600 Flaschen Rum, 600 Flaschen Kognat, 600 Pfund Zucker, 200 Muskatnussen und 2600 Zitronen. Als Punschbowle diente ein Bassin aus Marmor, in dem ebenfalls ein Knabe, als Hebe gekleidet, in einem Kahn aus Acajouholz herumruderte und den Punsch schöpfte. Um den Rand dieser marmornen Riesen= Punschbowle saß Rodney mit seinen Offizieren herum und labte sich an dem Getränk.

Schließlich sei noch einer anderen reizenden Punschge­schichte Erwähnung getan, die Charlotte Niese in einer ihrer Heimatnovellen mitteilt. Der dänische König Friedrich VII. war nach Flensburg gekomemn und hatte die schleswiger Ständemitglieder zu Tisch befohlen. Da er die tiefgekränkte mittel- und südschleswigsche Bevölkerung gern versöhnen wollte, sandte der leutseliae Monarch nach Tisch den Hof­

marschall zu den großbäuerlichen Standeveputterten mit der Frage, ob sie denn auch mit der Bewirtung ganz zufrieden feien? Die Befragten waren dies, schienen jedoch einen ge­wissen Vorbehalt zu machen; der nach Tisch gereichte Bunsch hatte ihnen nicht gefallen, und ein stattlicher alter Dorf­magnat meinte:" Bei dem Getränk kann der Mann doch un­möglich gesund sein!" Die Bauern hatten das am Tafel­schluß gereichte gewärmte und parfümierte Fingerspül­wasser als Punsch getrunken.

Neujahr in Japan.

In Japan ist das Neujahrsfest das größte und wichtigste aller Feite des ganzen Jahres. Es wird offiziell an drei Tagen, dem 1., 3. und 5. Januar, gefeiert, aber im Volt beginnt die Fe er eigentlich schon am 13. Dezember, und selbst die Behörden gehen über die wirklichen Feiertage weit hinaus. Die Festlust erklärt sich daraus, daß nicht nur der Beginn eines neuen wichtigen Zeitabschnittes, son­dern auch der Anfang des heiteren, alles neu belebenden Frühlings gefeiert wird. Es ist das eigentliche Frühlings­fest Japans und reißt darum alt und jung mit sich. Aus diefem alten und volkstümlichen Jubel heraus ist es auch ein Fest des Schenkens, das es vor 200 Jahren noch bei uns war. Und zwar ist das Schenken im fernen Often noch viel weitgehender als bei uns zu Weihnachten. Das Neujahrsfest zeigt in Japan ein auffallendes und eigena artiges äußeres Gepräge. Auf den Straßen läßt die liebe Jugend an zahllosen Fäden zahllose Drachen steigen; zu beiden Seiten des Hauses steht ja nur dichte und nur Bambus, und diese grünen Säulen werden durch ein Stroh­feil verbunden, so daß das Ganze eine Art besonderen Eingangstores bildet. Der letzte Tag im Jahr ist in der Regel ein äußerst fritischer Moment für den Japaner, da alle Schuld in bar beglichen werden muß. An keinem Tag im Jahr hört man wohl mehr über Mangel an Geld stöh= nen als am letzten Tage. Zwischen Gläubiger und Schuld­ner entsteht oft eine förmliche Jagd die bis zur zwölften Stunde mährt. Oft weiß der Schuldner mit großer Vir­tuosität, fich dent drängenden Manichäer zu entziehen. Gelingt es ihm, sich bis nach zwölf Uhr unsichtbar zu machen, so ist er gerettet. Nach dieser Zeit wird selbst der Gläubiger dem Gehetzten frendetrunken seinen Glückwunsch darbrin­gen, gleichviel, ob er bezahlt wird oder nicht. Ein scherz­haftes Sprichwort hierüber lautet: Am ersten Tage im neuen Jahre fommt der gestrige Teufel zum Glückwunsch." Die Hauptbeschäftigung dieser Tage sind die Neujahrsara­tulationen. Die Straßen wimmeln von Menschen, die sämt­lich auf dem Besuchspfade wandeln. Da der Japaner feine bestimmten Besuchsstunden fennt, so überfällt er auch wohl einmal einen harmlos schlummernden Europäer frühmor gens um fünf und glaubt dabei noch, daß er ihm eine große Aufmerksamkeit erwiesen hat. Der Neujahrsglückwunsch lautet zumeist: Ich wünsche Ihnen Glück zum neuen Jahr, und haben Sie beften Dank für Ihre Güte, die Sie mir im vorigen Jahre erwiesen haben." Die Kaufleute danken für ihre Kundschaft im alten und bitten um ferneres Wohl­wollen im neuen Jahr. Am ersten Tage des neuen Jahres darf man nach altem Brauch zur Hausreinigung nicht nach dem Besen greifen da man sonst das Glück hinausfegt. Beim ersten Morgengrauen holt man nach altem Brauch das gilt aus dem Hausbrunnen Wasser und trinkt es als heilbringend. Zur Feter gehört unbedingt ein Reis­kuchen, der in Form und Farbe etwa einem großen Schwel­zerfäfe ähnelt.

Drabtnachrichten und Deaestes.

Ein chinesischer Prinz in Berlin.

Berlin, 31. Dezember. Am 7. Januar trifft der chine­fische Prinz Tschaksin, ein Bruder des Prinzregenten und ein Onkel des jungen Kaisers. Hier etn. Sein Gefolge bildet die zum Studium der europäischen Marineeinrich= tungen entsandte Kommission, mit der sich der Prinz nach furzem Aufenthalt in Berlin nach Kiel begeben wird.

Schwerer Straßenbahnunfall in Berlin. Berlin, 31. Dezember. Bei dem Zusammenstoß eine? Straßenbahnwagens, einer Automobildroschke und eines Lastwagens, der, gestern abend erfolgte, wurde der Anhänge­wagen des Straßenbahnwagens aus den Schienen geschleu­dert, der Lastwagen umgeworfen und die Automobildroschke wie eine Riehharmonika zusammengeschoben. Glücklicher­weise sind Personen nicht verletzt. Der Feuerwehr gelang es, nach halbstündiger Tätigkeit, die Straße für den Ver­fehr wieder frei zu machen.

Ausgehobenes Falschmünzernest. Leipzin, 31. Dezember. In einem verlassenen Wein­bergshäuschen zwischen Kösen und Schulpforta wurde eine Falschmünzerwerfstätte entdeckt. Außer verschiedenem Ma terial fand man im Ofen Gusformen und Gipsabdrücke von 3meimarkstücken mit dem Bildnis Kaiser Wilhelms. der Jahreszahl 1907 und dem Münzzeichen A. Die Falsch­münzer fonnten noch nicht ermittelt werden.

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Magdeburg, 31. Dezember. In der Schuhfabrik von Grüneberg und Co. wurde infolge Konkurses über 200 Arbeitern gekündigt.

Der Dank für Messina Neapel, 31. Dezember. In Anwesenheit der Behör­den wurden gestern abend den Konsuln Deutschlands, Eng­lands, Frankreichs, Rußlands, Spaniens und der Verei­nigten Staaten fünstlerisch ausgeführte Plafetten, die für die an der Hilfeleistung in Messina und Reggio betei­ligten auswärtigen Schiffe bestimmt sind, feierlich über­reicht.

Brudermord um eine Grbichaft.

Rom, 31. Dezember. In Chefallet bei Aosta erschoß gestern der Landwirt Vitturino seinen Bruder, den Alpen­fägerleutnant Otavio im Streit um die Erbschaft und machte dann seinem Leben ein Ende.

Vom Kalisyndikat, Neuhort, 31. Dezember. Die hiesigen Vertreter des Kalisyndikats erzielten eine Einigung mit den Amerikanern, die nunmehr dem Syndikat beigetreten sind.

Große Kälte in Amerika. Neuhork, 31. Dezember. Die ganze östliche Hälfte der Vereinigten Staaten befindet sich im Banne eisiger Kälte. In einzelnen Gegenden sank das Thermometer bis 36 Grad unter Null. In Alabama fanden vier Personen durch Er­frieren den Tod. Florida hat sechs Grad unter Null. Man befürchtet die Vernichtung der Orangeindustrie.

Handel und Verkehr.

Frankfurt, 30 Dezember, Viehmarktbreise vom 30. De­gember. 1 Rentner: Rälber: feinste Maft( Vollm- Mast) und befte Saunfälber( Lebendaewicht) 50-56 m.,( Schlachtaemicht) 83-93 Mt., 2. mittlere Maft- und gute Saugfälber( Lebend­gewicht) 44-48 Mt.,( Schlachtgewicht) 74-82 Mt., 3. geringe Sauofälber( Lebendgewicht) 40-43 Mt.,( Schlachtgewicht) 70 bis 74 f., Schafe: 1. ältere Masthaminel und aut genährte Schafe( Lebendaewicht) 00--31 Mt.,( Schlachtgewicht) 70-72 Marf 2. ältere Maftbämmel und out genährte Schafe( Lebend­bis 66 gewicht) 22 bis 26 Mart,( Schlachtgewicht) 60 Mart, 3. mäkia genährte Sammel und Schafe( Merzicbafe) ( Lebendaewicht) 00-00 mt.,( Schlachtgewicht) 00-00 Mart, 1. vollfleischine Schweine über 2 Zentner( Lebandaewicht) 58 bis 60 Mark,( Schlachtgewicht) 73-74 Marf, 2. vollfleischiae Schweine bis 31 2 Bentner( Lebendgewicht) 58 50-60 mark ( Schlachtgewicht) 73-76 m., 3. fleifchige Schweine( Lebend gewicht) 57-59 Mt.,( Schlachtaemicbt) 71-77 Me