Rundschau vom Cage.
Politisches.
Ordensverleihungen. Der„ Reichsanzeiger" gibt die Verleihung der Rettungsmedaille am Bande an den Prinzen Heinrich der Niederlande und die Verleihung des Kronenordens erster Klasse an den Reichsbankpräsidenten Havenstein bekannt,
Keine Novelle zum Talonstenergefeß. Eine Novelle zum Talonsteuergesetz wird dem Reichstage nicht zugehen, da alle Gesellschaften, die sich im Sommer der Talonsteuer entzogen haben, sich bereit erklärt haben, die hinterzogenen Summen an den Fiskus nachträglich abzuführen.
Politische Friedensarbeit. Nach Berichten Berliner Blätter hat der Reichsverband gegen die Sozialdemokratie im Herzogtum Altenburg und in der Ortsgruppe Düben des Kreises Halle Versammlungen abgehalten, wobei Refolutionen angenommen wurden, die sich für Beilegung der 8wiftigkeiten unter den bürgerlichen Parteien aussprechen.
Ernteurlaub für Soldaten. Der Reichstagsabgeordnete Pauli- Cochem( Zentrum) hat im Reichstag einen Antrag eingebracht, bei der Militärbehörde zu erwirken, daß den Söhnen von Landwirten und hauptsächlich von Winzern, bie bei der Fahne weilen, ein Teil ihres Urlaubs während der Ernte, den Winzern zur Zeit der Traubenlese erteilt wird.
Die diesjährige Tagung des preußischen Lehrervereins wurde dieser Tage in Magdeburg abgehalten. Sie war von etwa 300 Delegierten besucht. Es wurde davon Kenntnis genommen, daß das preußische Staatsministerium um zeitgemäße Aenderung des Disziplinargesebes von 1852 ersucht wurde. Weiter wurde ein Antrag angenommen, wonach ber preußische Lehrerverein dte Staatsregierung ersucht, zu den Vorberatungen für die Verwaltungsreform auch Vertreter der Lehrerschaft zuzuziehen. Hierauf beschäftigte man lich mit dem Leherbesoldungsgesetz, das insbesondere im Tarife für die Mietsentschädigung verschiedene Mängel aufweise.
Ueber die Lage im Ruhrkohlenrevier erklärte der christliche Bergarbeiterführer Effert einem Vertreter der Rhetnisch- Westfälischen Zeitung", daß die Bergarbeiterschaft einen für den Ausstand günstigen Augenblick abwarten werde. Es sei nicht ausgeschlossen, daß man eine Bett wählen werde, in der die politischen Wogen hoch gingen und den Arbettern Belegenheit gegeben wäre, thren Groll auch politisch zu be= funden. Ein solcher Moment stehe in zwei Jahren bei den Reichstagswahlen bevor.
Die Vertenerung der Lebensverhältnisse hat den Verband deutscher Handlungsgehilfen zu Leipzig veranlaßt, fich mit einem Rundschreiben an die Prinzipale und Diref= Honen der Handelshäuser zu wenden und unter Bezugnahme auf die Berteuerung der Lebensmittel um die Gewährung einer außerordentlichen Teuerungszulage für das faufmännische Personal zu bitten. Dem Rundschreiben sind mehrere statistische Tabellen beigegeben, die nachweisen, daß die Gehaltssteigerungen mit der Teuerung bisher keineswegs mitgegangen, teilweise sogar erheblich dahinter zurückgeblieben sind.
Eine offizielle Erklärung. Zur Beschlagnahme russischer Depots bei dem Berliner Bankhaus Mendelssohn& Co. schreibt die Nordd. Allg. 3tg. offiziös: Auf Antrag des Hauptmanns a. D. von Hellfeld ist vom Amtsgericht Berlin Mitte auf Grund eines Urteils des fatferlichen Gerichts in Tsingtau die Pfändung eines Guthabens der russischen Regierung bet dem hiesigen Bankhause Mendelssohn& Co. verfügt worden. Die russische Regierung hat gegen dieses von ihr als völkerrechtswidrig angesehene Verfahren Beschwerde erhoben. Vom Ministerium der Auswärtigen Angelegenheiten ist darauf, wie bereits früher in ähnlichen Fällen gegen den Pfändungsbeschluß der Kompetenzfonflikt bei dem hierfür zuständigen Gerichtshof erhoben worden. Uebrigens hat sich die russische Regierung bereit erklärt, die Ansprüche des Herrn von Hellfeld durch ein Schiedsgericht feststellen zu lassen.
Ein scharfes englisches Dementt. Zu den in der Presse auftauchenden Meldungen über ein angebliches deutsch- enalisches Abkommen über die Rüstungseinschränkungen erfolgt seitens der englischen Regierung ein scharfes Dementi, in dem es heißt: Weder an die britische Renierung noch an
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Irrungen.
Roman von Karl v. Malden.
( Nachdruck verboten.)
The er etwas weiteres sagen konnte, betrat Paula mit schwankenden Schritten und weitaufgerissenen Augen das Bimmer. Sie hatte alles mit angehört. Zuerst hatte sie bei der Kunde von Hermanna's gewaltsamem Tode mit der Anwandlung einer Ohnmacht kämpfen müssen. Endlich vermochte sie doch ihre Schwäche zu besiegen und die wenigen Schritte in das Nebenzimmer zu tun. Die Gerichtsbeamten erschrafen vor dem Anblick des tödlich bleichen und da= bei bräutlich geschmückten Mädchens. Der Amtsgerichtsrat eilte der Schwankenden entgegen und führte sie zu einem Stuble. Was geht hier vor?" fragte er betroffen. ,, Wer find Sie, mein Fräulein?"
Ich bin Paula von Roketoff!" erwiderte das junge Mädchen, sich ängstlich an einen Stuhl flammernd. ,, Schüßen Sie mich vor ienem Menschen, der durch einen un= geheueren Betrug den Fürstentitel erschlichen hat und
Ein heftiger Knall unterbrach Paula's Enthüllungen. Michaelowitsch der auf keine Rettung mehr hoffen konnte, hatte unbemerkt seinen Revolver hervorgezogen und gegen seine Brust abgedrückt. Laut stöhnend krümmte er sich nun in seinem Blute.
Der Amtsgerichtsrat schickte sogleich nach einem Arzte: Inzwischen sette er sich neben Michaelowitsch, der sich bei vollem Bewußtsein befand.
Seien Sie wahr in dieser ernsten Stunde!" sagte der Amtsgerichtsrat in einem sanft emahnenden Tone. ,, Das Verbrechen an Hermanna belastet nicht als einzige Schuld Ihr Gewissen. Professor Nieburg ist durch Sie erschossen worden wir alle wissen es. Bestätigen Sie unsere Ueberzeugung durch Ihr Geständnis, und geben Sie einem fälschlich Angeklagten die Freiheit wieder!"
Man hat den Geh. Kabinettsrat des Mordes angeflagt, nicht wahr?" stieß der Verwundete mühsam hervor. Frieden mit ihm! Ich pflegte nie Rücksichten zu nehmen, sobald es sich um Befriedigung meiner Wünsche handelte. Ich ging meine Wege ohne mich zu befümmern, wie viele Insekten dabei mein Fuß zertrat. Ich raubte und mordete, um zu genießen, nicht um den Anderen Schaden zuzufügen. Das war meine Lebensphilosophie, und meine letzte Handlung mag dieselbe bestätigen. Her mit dem Schreiber dort, ber Papierrolle so fest im Arme hält es gibt zu tun für ihn. Ich scheue mich nicht, laut auszusprechen, was: ich zu tun für gut befunden habe
"
Und der Sekretär war auch hurtig bei der Hand, um das Geständnis des Sterbenden niederzuschreiben. Zwei Stunden später war ein Verbrecher weniger auf Erden. Paula trat mit den Kriminalbeamten die Rückreise nach W. an. Im Hause der Baronin wartete ein friedliches Asyl auf die vor Schmerz um ihren Pflegling Hermanna fast Sinnlose. Aler wurde in das Gefängnis geführt. XXV.
Die Polizei vor der Wohnung des Geh. Kabinettsrates Feldbach war verschwunden. Statt der finstern, bewaffneten Männer belagerten elegant gefleideteDamen und vor
irgend eines threr Departements ist auch nur ein Schim mer von irgendeiner Anregung fettens der deutschen Regierung in dieser Angelegenheit herangetreten. Und es scheint auch keine offizielle Neigung vorhanden zu sein, diese Anregung" als irgendwie wichtig anzusehen. In Londoner Re gierungsfreisen wird angenommen, daß die Berliner Nachricht vermutlich keine überflüssige Erregung in den Kanzleten Europas erregt haben wird."
Der Wiederansbruch des marokkanischen Krieges. Als Ursache der neuerlichen Gärung unter den Küstenkabylen um Alhucemas wird die Einsetzung eines maurischen Gouverneurs, die durch den Sultan geplant war, angenommen. Die Kabylen hielten die Spanter für die Anstifter dieser thnen mißliebigen Maßnahme. Der Vorfall berührt in Madrid äußerst peinlich, da man den Wiederausbruch des Krieges befürchtet.
Gegen den Zopf. Der Bruder des Regenten in China Thai Tao hat den Regenten ersucht, den Zopf und die chinefische Kleidung abzuschaffen. Der Regent hat dies fedoch mit der Begründung abgelehnt, daß der Zopf eine patriotische Mandschuinstitution ist. Die Mutter des Regenten hat nun thren Sohn überredet, wenigstens bet der Armee und der Gendarmerte mit der Abschaffung zu beginnen.
Politisches Attentat in der Türkei. Aus Yemen gelangt die neue Schreckensnachricht nach Konstantinopel, der General und Gouverneur dieser Provinz, Hassan Tahsim, wäre ermordet worden. Nähere Nachrichten fehlen noch; auch wird in den offiziellen Kreisen der Mord noch nicht bestätigt. Die Tat wäre vollbracht worden, einige Stunden nachdem Hassan Tahsim die Hauptstadt Sanaa verlassen, auf dem Wege zur Küste des Roten Meeres, als er seinen Urlaub antreten wollte.
Kleine Nachrichten.
Die Kaiserdeputation der Halloren ist in Berlin eingetroffen, um, altem Brauche gemäß, dem Kaiserpaar, dem Kronprinzenpaar, sowie den Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses die Neujahrsglückwünsche der Salzwirker Brüderschaft im Tal zu Halle a. S. zu überbringen.
Ein halbes Jahrtausend im Besitz derselben Familie be= findet sich ein rund 70 Hektar großer Bauernhof im Dorfe Borstel bei Pinneberg. Seit ca. 1400, wo ihn Eler Bahrensteker als Lehen erhielt, deffen Familienname später in Bornholdt umgewandelt wurde, ist er stets in den Händen von Nachkommen eines Eler geblieben und noch heute verwaltet ihn die Witwe des lebten Besitzers namens Bornholdt. Die vorhandenen Urkunden über den Besitz gehen bis 1400 zurück.
1 Millionen Kilogramm Karpfen. Die diesjährigen Zufuhren an Silvesterkarpfen, die aus Schlesien, der Laufit, Galizien, Frankreich usw. in Berlin eingetroffen sind, werden auf 1% Millionen Kilogramm geschäßt.
Eine französische Zeitung in Berlin. Unter dem Titel Journal d'Allemagne" erscheint vom 1. Januar ab in Ber Iin eine französische Zeitung, von der die erste Probenummer erschienen ist. Das Blatt hat keine politische, sondern nur wirtschaftliche Tendenz. Das„ Journal d'Allemagne" ist die erste französische Zeitung in Deutschland.
Ein englisches Zeppelin- Luftschiff. In den Werken von Vickers in London geht das erste von der britischen Marine bestellte Luftschiff seiner Vollendung entgegen. Es soll dem Zeppelinballon nachgebildet fein.
Wieder ein falscher Sternidel. Die Meldung von der Verhaftung des Mörders August Sternickel, die gestern aus Neuwied gemeldet wurde, bestätigt sich auch diesmal nicht. Die als Sternickel verhaftete Persönlichkeit ist bereits gestern abend wieder ans der Haft entlassen worden. Schon unzählige Male glaubte man des Sternickel habhaft zu sein, aber immer vergeblich.
Der tote Großfirst. Der russische Kreuzer Bogatyr mit der Reiche des Großfürsten Michael an Bord, hat mit Erlaubnis des Sultans den Bosporus passiert. Der Sultan ließ durch einen Vertreter dem die Leiche begleitenden Großfürsten Nikolaus Nikolajewitsch sein Beileid aussprechen.
Bugzusammenstoß. Auf dem Rangierbahnhof in Gletmit stießen zwei Güterzüge zusammen, wodurch mehrere Wagen aus dem Gleise geworfen und zertrümmert wurden. Ein Bremser wurde schwer verletzt. Der Materialschaden
nehme Herren den Eingang zu dem traulichen Daheim des glücklichen Baares. Jeder wollte der Erste sein, der dem Geh. Kabinettsrat und seiner schönen Gattin zu ihrer vollständigen Rehabilitierung in der Gesellschaft gratulierte und versicherte, er habe nie daran gezweifelt, daß die Unschuld der fälschlich Angeklagten endlich doch an den Tag tommen müsse. Feldbach und Elisabeth hörten alle die überschwänglichen Komplimente mit einem heiteren, zufriedenen Lächeln an. Sie wußten am besten, daß selbst ihre nächsten Bekannten fest an ihre Schuld geglaubt hatten.-
Zwei Tage nach der feierlichen Freisprechung Feldbachs und Elisabeths fuhr blößlich eine königliche Equipage vor dem Hause des Schwergeprüften vor. Feldbach hatte vom Fenster aus seinen föniglichen Herrn erkannt; er eilte ihm entgegen und führte ihn ehrerbietig in seine Wohnung. Ich hätte meinem gnädigen Gebieter schon meine Aufwartung gemacht, wenn ich sicher gewesen wäre, empfangen zu werden!"
,, Eben von dieser Unsicherheit wollte ich Sie befreien, mein lieber Geheimrat!" erwiderte der König gütig. Meine Richter haben sich geirrt in Ihnen, und ich muß bekennen, daß auch mich der böse Schein zum Zweifler an Ihnen machte. Ich habe also viel zu sühnen an Ihnen. Sie müssen entsetzlich gelitten haben, und noch mehr diese heldenmütige kleine Frau! Ich habe Ihnen eine Kleinigkeit mitgebracht, welche Sie an meine Bewunderung und Verehrung erinnern soll. Ihr König dankt Ihnen, daß Sie ihn vor einer ewigen Gewissenspein bewahrt haben!"
O, Majestät- ich verdiene von niemandem Dank!" stammelte Elisabeth, als ihr der König einen Brillantring von unschätzbarem Werte an den Finger steckte. Ich habe mir ja meinen Gatten, mein Glück erhalten."
Feldbach mußte dem König noch über die Details jenes verhängnisvollen Mordabends und seiner Haft Ausfunft geben, und auch Elisabeth hatte so manche Frage über ihre Gedanken und Empfindungen während ihres unverschuldeten Kerkerlebens zu beantworten. Hierauf nahm der Monarch Abschied.
,, Wir bleiben doch die Alten in bezug auf Ihren Dienst bei mir, lieber Geheimrat?" Der König sagte es lächelnd, und lächelnd erwiderte der Geheimrat: Ich werde meinem gnädigen Gebieter niemals meine geringen Fähig feiten vorenthalten. Aber Euer Majestät muß mir auch etwas Zeit für den Dienst dieser kleinen Frau übrig lassen. Ich muß sie ja vergessen lassen, was sie durch mich gelitten hat, und es ist mehr, als Eure Majestät zu ahnen bermag!"
*
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Das Geständnis des sterbenden Michaelowitsch hatte nicht nur dem Geh. Kabinettsrat Feldbach Freiheit und Ehre wiedergegeben, es bezeugte auch, daß Baula die Tochter und nun allein noch lebende Erbin des verstorbenen Fürsten Jwan v. Roketoff war. Alle die ausgedehnten Besizungen ihres Vaters in Rußland fielen demnach samt einem ungeheueren Barvermögen der jungen Waise anheim. Aber Paula, in einfachen, ja ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, fühlte sich durch diesen unübersehbaren Reichtum eher beängstigt als beglückt. Namentlich gewährten ihr die Befizungen in Rußland nicht die geringste Befriedigung.
tft bedentend. Die Ursache des Unfalles war falsche Signals stellung.
Verhaftete Falschmünzerbande. Die Effener Polizet bob eine aus sechs Personen bestehende Einbrecher- und Falschmünzerbande aus. Bei ihrer Verhaftung tam es zu einem harten Kampf zwischen Beamten und Verbrechern.
Die Leiden eines Deserteurs. Gestern morgen fanden Notstandsarbetter in Straßburg in einem Abort einen Soldaten der 11. Kompanie des württembergischen Infanterieregiments 126 halb verhungert und erfroren auf. Er gab an, sich am Dienstag von seinem Truppenteil entfernt zu haben in der Abficht, sich das Leben zu nehmen. Der Soldat ist gebürtig aus Zuffenhausen bei Stuttgast.
Einbruch in ein Gefängnis. Im Ruhrorter Amtsgericht wurde in der vergangenen Nacht ein verwegener Einbruch verübt. Die Diebe gelangten nach Uebersteigen des Eisenzauns durch das Klosettfenster im Frauenabteil in das Gebäude und öffneten mit einem Dietrich das Zimmer des Gefängnisinspektors. Hier stahlen sie eine Kaffette mit 280 M Inhalt und zwei Taschenuhren. Von den Tätern fehlt jede Spur.
28 Personen ertrunken. In einer Ortschaft in der Nähe von Karlowit in Böhmen wollten, wie jebt bekannt wird, am Weihnachtstage 35 junge Leute zur Weihnachtsmette gehen, wobei sie über einen Fluß seben mußten. Der Kahn geriet ins Schwanken, lief voll Wasser und fant. 23 Personen fanden den Tod in den Wellen, die übrigen wurden gerettet.
Wissenschaft, Kunst und Literatur.
Die Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes in Darmstadt 1910 ist gesichert, nachdem sich der Großherzog bereit erklärt hat, die von dem Künstlerbund vesiongte Soufgarantie von 25 000 M zu übernehmen. Die Ausstellung wird voraussichtlich Mitte Mat eröffnet werden und bis Ende Oktober dauern. Sie wird ausschließlich Gemälde und Plastiken umfaffen, da zu gleicher Bett eine Ausstellung von Graphiken in Hamburg stattfindet. Die Ausstellungsraume auf der Mathildenhöhe sollen durch Prof. Albin Müller hergerichtet werden. Mährend der Dauer der Ausstellung find intime gesellschaftlich- musikalische Unterhaltun gen geplant. Der Jury der Ausstellung gehören u. a folaende Künstler an: Graf Kalkreuth, Habermann ühde Stuck, Slevogt, Liebermann, Klinger.
Aus den Gerichtssälen.
Ein wahrer Musterfall von Korrumpierung durch Schundliteratur hat sich in Beuthen zugetragen. Den verbrecherischen Einfluß der Schundlektüre hat sich der wiederholt vorbestrafte Bergarbeiter Slomka in Beuthen zunuze gemacht, um eine Art Diebesbande zu bilden und dadurch ein sorgenfreies Leben zu führen. Er machte sich an den Lehrling Guzy heran, der erst 15 Jahre alt war, und schenkte ihm eine Anzahl der Nick Carter- Geschichten, die die Phantaste des jungen Burschen aufregten, so daß er bald so weit war, es den Helden dieser Geschichten gleich tun zu wollen. Slomka leitete ihn nun regelrecht an, Einbruchsdiebstähle zu begehen, von deren Erlös beide etn fröhliches Leben führen könnten. Der junge Mensch beging denn auch einen Einbruchsdiebstahl, bei dem ihm eine ganze Reihe von Gegenständen in die Hände fiel. Die gestohlenen Gegen stände wurden verschärft" und Guzy erhielt von Slomfa das Lob, daß er es noch einmal zu einem tüchtigen Räuberhauptmann bringen werde. Inzwischen hatte Guzy die Schundbücher zweien seiner Freunde, einem Wagenbauer und einem Gärtnerlehrling geborgt und sich diesem gegen= über mit dem Lobe des Slomka gebrüstet. Infolgedessen wurden nun auch diese beiden vom Ehrgeiz gepackt, es Guzy gleich zu tun. Beide organisierten zusammen mit Guzy verschiedene Einbrüche, deren Erlös wieder zu Slom fa wanderte. Die Verhandlung ergab die Schuld der Angeklagten. Slomka erhielt als Anstifter 3 Jahre Zuchthaus, die drei jungen Leute 5 bezm 3 Monate Gefängnis. Außerdem erhielten noch zwet Hehler 1 bezw. 2 Monate Gefängnis. Die verführten jungen Leute wurden vorläufig ihren Eltern übergeben.
Sie wollte die Baronin nie wieder verlassen, in der sie eine schüßende Freundin, ia eine zweite Mutter gefunden hatte. Die Sympathie des Schmerzes vereinte die im Alter so ungleichen Frauen. Beide hatten ja einen herben, einen unerseßlichen Verlust zu beweinen. Einem großmütigen Gefühle folgend und auf die Genehmigung gestüßt, die der Familienrat zum voraus ausgesprochen hatte, schenkte Paula ihre russischen Besitzungen an den Fürsten Arnold und dessen minderjährigen Bruder. Fürst Arnold sollte auch das fürstliche Majorat übernehmen damit der Name der Rofetoffs nichtausstarb. Fürst Arnold erinnerte sich mit Rührung an das kleine bleiche Mädchen, welches ihm einst das falsche Brillantkreuz in die Hand gedrückt hatte, als ihm die überraschend freigebige Schenkung zu seinen Gunsten kund wurde. Er wollte der großmütigen Verwandten persönlich seinen Dank aussprechen. Kaum hatte er das Majorat angetreten und auch die Angelegenheiten seines jüngeren Bruders geordnet, als er in Begleitung seiner Mutter die Reise nach Deutschland antrat.
Paula empfing ihre Verwandten im Hause der Baronin mit Herzlichkeit. Als der Fürst Arnold, feine Rechte als Vetter benüßend, sie feurig auf Mund und Wangen füßte, überzog sich ihr reizendes Antlik mit einer hohen Purpurröte, und ihr Herz schlug mit einem seltsamen, ungewohnten Ungestüm. Aber auch in dem jungen Fürsten brachten diese reinen verwandtschaftlichen Küsse eine bedeutungsvolle Revolution aller seiner Empfindungen hervor. Er fühlte, daß er das Mädchen, welches für ihn geboren war, gefunden hatte, und daß sein Schicksal ihn hieß, an ihr festzuhalten fürs ganze Leben. Und che er nach fast zweimonatlichem Aufenthalt in Deutschland die Rückreise antrat, da war er schon vertraut genug mit Paula, um ihr ins Ohr flüstern zu können: ,, Ich gehe, mir meine Sporen und eine ehrenvolle Stellung als Soldat zu era ringen, denn etwas mag ich doch aus eigenen Kräften tun und nicht alles deiner Großmut verdanken, Kusine! In einem Jahre aber komme ich wieder. Und wenn du mir treu geblieben bist und mich noch lieb hast, dann werden wir Mann und Frau!"
Und ob ihn Paula noch lieb hatte, als er schon nach zehn Monaten als junger und mit einem Orden ausgezeichneter Oberoffizier wiederfam! Sie wartete diesmal nicht ab, bis er sie füßte sie lief ihm errötend_entgegen und schlang ihre Arme liebkosend um seinen Hals. Drei Monate später folgte sie ihm als Neuvermählte in die russische Heimat. Als Paula mit ihrem Gatten auf der nordwärts führenden Landstraße dahinfuhr, sah sie Galeerensträffinge an der Vertiefung des Ablaufsgrabens ar= beiten. Mit einem tiefen Schauder erkannte sie unter ihnen Alex, ihren Kerkermeister in dem Walddorf N., Hermannas unfreiwilligen Mörder. So büßte der Bursche ein Verbrechen ab, zu dem ihm sein Herr durch eine ungeheuere Versuchung aufgestachelt hatte. Vielleicht dachte er an Annuschka- die er nimmer wiedersehen sollte, als er mit finsteren Blicken unter seinen Unglücksgefährten die schwere Grabschaufel führte. Paula schmiegte sich scheu an die Schulter ihres Gatten. Der finstere Schatten der Ver gangenheit war zum letzten Male mahnend vor die Sonne ihres Glückes getreten. Von da ab gab es nur mehr Licht und Segen für sie im Leben. Ende.
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