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April 1910.

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Zweites Blatt 51.

Oeffentlicher Sprechsaal.

Eine Zigarrenfabrik aus Gießen schreibt:

Gießener Zeitung

Aus dem Regen in die Tranfe. gekommen ist um einen landläufigen Ausdruck zu ge brauchen die Zigarrenindustrie.

Nachdem dieselbe in dem kampfreichen Sommer 1909 ihre ganze Straft zur Abwehr gegen das drohende Schred­gespenst der Banderole- Steuer zusammen gefaßt hatte, fonnte sie am Entscheidungstage ausrufen:, eh! Ich habe gewonnen!"

Denn der industriefeindlichen, reaktionären Mehrheit der Bollsvertretung war es im Verein mit einer weisen Staats regierung getungen, die sich heftig sträubende Nährmutter hunderttausender von Existenzen im weiten deutschen Lande wenn auch unter Verzicht auf die verhaßte Banderole so doch mit einer anderen noch peinlicheren Zwangsjacke zu beglücken, welche sich Wertsteuer schreibt.

" Hoffnungslos weicht der Mensch der Götterstärke, müßig steht er seine Werke und bedauernd untergehen" Doch halt! Ein süßer Trost ist ihm geblieben". Wir be­finden uns zwar noch auf dem Schmerzenslager, aber wir sind doch wenigstens endlich vom Operationstisch herunter. Ja, endlich! Und mit jener urwüchsigen Kraft, die uns schon früher, als ebenfalls die gierigen Augen des Reichs­molochs auf uns gerichtet waren, über ähnliche Aderlässe hinweg geholfen hat, suchen wir auch jeßt wieder Herr unseres eigenen Organismus zu werden. Jeßt heißt es allerdings mehr, wie je, alle Sinne anspannen, denn die Wunde ist tief und kann leicht tödlich werden.

Alle Einzelheiten des Betriebs müssen jetzt auf ihre Berbesserungsfähigkeit geprüft werden; auch alle technischen Hilfsmittel, müssen Revue passieren. Nichts ist zu unwich tig, wenn es gilt die Tücke des Objekts zu überwinden. Hier wird ein neuer Preßtasten angeboten; heran da= mit! Es kommt zwar selten was besseres nach, sagt das Sprichwort, welches damit ausdrücken will, daß Neuerun gen nicht immer Verbesserungen sind.

Indessen der in diesem Erfahrungssaße zugelassene sel­tene Fall ist als eingetreten zu betrachten in Bezug auf die neue Darbietung der Firma Hch. Kümmel 3. in Wieseck bei Gießen.

Seit langem schon ist diese Firma durch Konstruktion äußerst handlicher Preßfästen bekannt und es ist wohl an­zuerkennen, daß sie nicht auf den bereits errungenen Lor­beeren ausruhte, sondern unausgesetzt über weitere Ver­besserungen ihrer Erzeugnisse nachdachte. Und daß auch hier dem Streben der Erfolg nicht versagt war, belehrt uns der neueste, als hervorragend prattisch zu bezeichnende

Preßrasten D. R. G. M. Nr. 390 263, dessen besondere Vorzüge in einer tadellos egalen Pressung bei leichter Handhabung und gänzlichem Fortfall rampo­nierter Zigarren besteht.

Die Gefachbreite der bisherigen Preßfästen pflegte mei­stens durch Einsatzbretter zwischen einer festen Kastenwand und der zugehörigen Druckleiste- und die Gefachhöhe durch Bodenbretter geregelt zu werden.

Das vorliegende Modell kennzeichnet sich demgegenüber durch Einführung von zwischen die Druckleisten zweier be­nachbarter Gefache einsetzbarer Paßstücke, welche mit Maß­angabe der jeweilig durch sie einzustellenden Gefachbreite versehen sind, zur Regelung der Gefachbreiten. Die Kasten­höhe dagegen wird durch auf die Kanten der Kastenwände aufsetzbare Leisten reguliert.

Es ist einleuchtend, daß dies im Verein mit Billig­feit und leichter Anpaßbarkeit an die verschiedenen, gebräuch lichen Zigarrenbundformen einen wesentlichen Fortschritt gegen seither bedeutet.

Wünschen wir also der praktischen Neuerung die ver­diente Verbreitung.

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Expedition: Gießen, Seltersweg 83.

März 30. Taglöhner Philipp Appel eine Tochter, Marga­rete Eleonore.

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24. Wagner Otto Faber ein Sohn, Ludwig Ernst Friedrich.

Aufgebote.

März 29. Karl Heinrich Schalch, Lokomotivheizer in Gießen, mit Maria Jakobine Marianne Albertine Schild in Braunfels.

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29. Ludwig Vogt, Mezgermeister, mit Karoline Mei­ster, beide in Gießen. 30. Erich

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Wipper, Telegraphenleitungsaufseher Worms, mit Wilhelmine Eidmann in Gießen. 30. Engel Eisbach, Schirrmann in Betzdorf- Bruche, mit Katharine Helene Schardt in Gießen. 30. Johann Franz Verhey, Werkmeister in Gießen, mit Franzista Wilhelmine Paegert in Emmerich. 30. Heinrich Rüster, Diensttnecht in Gießen, mit Ma­ria Rahn in Elbenrod.

Eheschließungen.

März 26. Ludwig Stecker, Arbeiter, mit Elise Seldner, beide in Gießen.

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26. Heinrich Heß, Kaufmann, mit Lina Schmidt, beide in Gießen.

26. Friedrich Becker, Stellmacher in Fraßkfurt a. M., mit Luise Schneucker in Gießen.

26. Karl Schäfer, Anstreicher, mit Elisabethe Gerbig, beide in Gießen.

" 26. Johann Adam, Kaufmann in Frankfurt a. M., mit Karoline Schufft in Gießen.

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30. Robert Stuhl, Kaufmann, mit Luise Berger, beide in Gießen.

Gestorbene.

März 25. Jettchen Rosenbaum, geb. Vogel, 63 Jahre alt. 25. Elise Müller, geb. Schimmel, 44 Jahre alt.

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25. Karoline Nietau, geb. Jahn, 52 Jahre alt.

28. Sebastian Kuhnimhof, Schriftseßer, 26 Jahre alt.

29. Susanne Häuser, geb. Häuser, 59 Jahre alt.

Kirchliche Nachrichten für Gießen. Evangelische Gemeinde. Samstag, den 2. April. In der Stadtkirche. Nachmittags 2 Uhr: Beichte. Pfarrer Schwabe. In der Johanneskirche. Nachmittags 2 Uhr: Beichte. Pfarrer Bechtolsheimer. Quasimodogeniti, den 3. April. In der Stadtkirche. Vormittags Uhr: Konfirmation der Kinder aus der Markus- und Militärgemeinde. Feier des heiligen Abendmahls. Pfarrer Schwabe.

Abends 6 Uhr: Pfarrer D. Schlosser."

In der Johanneskirch e. Vormittags Uhr: Konfirmation der Kinder aus der Lukasgemeinde. Feier des heiligen Abendmahls. Pfarrer Bechtolsheimer. Abends 6 Uhr: Pfarrer Ausfeld.

Batholische Gemeinde Samstag, den 2. April. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heiligen Beicht.

Sonntag, den 3. April.

Weißer Sonntag. Vormittags um Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht. Vormittags 7 Uhr: Die erste Heil. Messe. Vormittags 8 Uhr: Austeilung der heiligen Kommunion.

Standesamt- Nachrichten der Stadt Gießen. Vormittags 9 Uhr: Hochamt mit Predigt.

Geborene.

März 22. Bäcker Julius Graeser eine Tochter.

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22. Erdarbeiter Konrad Rockel ein Sohn, Johann Konrad.

25. Arbeiter Wilhelm Wieth ein Sohn, Martin.

25. Bahnschaffner, Johann Hahn eine Tochter, Pau­line Theodora.

26. Schlosser Heinrich Göbel eine Tochter, Elisabeth.

27. Bahnarbeiter Ludwig Binz eine Tochter, Marie Elisabethe.

27. Schneider Meier Harth ein Sohn, Ludwig.

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29. Mechaniker Franz Reinschmidt eine Tochter.

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30. Eisendreher Ludwig Babel eine Tochter, Elisabeth.

Die Freundinnen.

Originalroman von Irene v. Hellmuth. ( Nachdruck verboten.)

Sylvia hatte das alles in heftiger Erregung hervor vorgestoßen. Jetzt zog sie die Freundin fest an sich und füßte sie leidenschaftlich.

Maja war ganz bestürzt. So aufgeregt hatte sie Syl­via noch nie gesehen; sie gab sich alle Mühe, etwas aus­zusinnen, was das Mädchen zerstreuen oder beruhigen tönnte; aber es wollte ihr gar nichts einfallen.--

Es war fr lich ein großes Unglück gewesen, das die Familie betroen. Sylvias Mutter, eine schöne, sanfte Frau hatte dem Gatten ein großes Vermögen zugebracht. Sie machten ein großes Haus, gaben Gesellschaften und wurden überall gern gesehen. Die Ehe war eine sehr glückliche und als Hauptmann v. Schmettwiß seinen Erst­geborenen auf den Armen halten durfte, da hätte er mit feinem Fürsten getauscht.

,, Ein Sohn, ein strammer Junge!" jubelte er im­mer wieder. Das gibt einmal einen tüchtigen Soldaten, er soll, gleich seinem Vater, des Königs Rock in Ehren tragen!"

Als ihm dann zehn Jahre später ein Töchterchen ge­boren wurde, bedauerte er von Herzen, daß es nicht eben­falls ein Sohn war.

Der König braucht tapfere Soldaten," pflegte er zu fagen, was soll ich mit dem Mädel anfangen?"

Fest behielt er das Biel im Auge, das er seinem Kna­ben schon bei der Geburt gesteckt. Er erzog thn mit militärischer Strenge. Doch der Junge zeigte sich, ie alter er wurde, desto halsstarriger und troßiger und ver weigerte in verschiedenen Fällen den Gehorsam. Als er aber dem Vater rundweg erklärte, er würde auf keinen Fall Soldat werden, geriet dieser außer sich vor Wut. Troß aller Abmahnungen seiner sanften Frau und deren anderen Anverwandten beschloß er, den troßigen Jungen Bu zwingen. Er übergab ihn einer Anstalt und von dort traf eines Tages die niederschmetternde Kunde ein, daß Der Kadett Beon v. Schmettwiß heimlich auf und davon gegangen sei. Er hatte nach einem wohlerwogenen, längst

Feier der ersten heiligen Lommunion der Kinder. Vormittags 11 Uhr: Hl. Messe. Nachmittags 3 Uhr: Fest- Andacht mit Segen.

Methodisten- Gemeinde. Wilhelmstraße 45. Sonntag, den 3. April.

Vormittag ½ 10 Uhr: Predigt.

Nachmittags 2-3 Uhr: Sonntagsschule. Abends 8 Uhr: Predigt.

Donnerstag, den 7. April. Abends ½ 9 Whr: Bibel- und Gebetstunde.

vorbereiteten Plan gehandelt, sonst wäre ihm der Streich bei der strengen Aufsicht nicht gelungen. Er war als ein schlauer, geriebener Bursche in der ganzen Anstalt bekannt, hatte sich von einem vermögenden Kameraden Geld geborgt, sich heimlich Zivilkleider angeschafft und die Uniformen zurückgelassen. Spurlos war er verſchwun­den, als hätte der Erdboden ihn verschlungen.

Ob der Vater auch tobte und sich in den lebhaftesten Verwünschungen gegen den ungearteten Sohn erging, ob er ihn auch verfluchte wegen der Schmach, die er ihm angetan, der Sohn kam deshalb doch nicht zurück. Der tönigstreue Soldat vermochte wohl niemals den Schlag ganz zu verwinden. Wenn sich mit der Zeit auch der wilde Grimm legte, der ihn anfangs beherrschte, so ließ der Streich doch seinen Stachel zurück. Und damals fing das Unglück an. Frau v. Schmettwih fränkelte, ein heftiges Nervenfiber kam zum Ausbruch, von dem sie nie mehr ganz genas. 8war erholte sie sich körperlich wieder, aber ihr Geist blieb umnachtet. Jahrelang lebte sie still und in sich gekehrt dahin, aber schließlich stellten sich hef­tige Tobsuchtsfälle ein, so daß der tiefgebeugte Gatte sich entschließen mußte, die geliebte Frau einer Nervenheilan­stalt zu übergeben. Dort wurde sie nach einigen Jahren durch den Tod erlöst.

Hauptmann von Schmettwiß war ein gebrochener Mann. Er nahm den Abschied und zog sich von aller Welt zurück. Vielleicht hätte er sich, da seine heranwachsende Tochter ihn mit liebender Fürsorge umgab, nach und nach wieder aufgerichtet, wäre der lebte entscheidende Schlag ihm erspart geblieben. Er hatte sein bedeutendes Ver­mögen einer der angesehensten Gesellschaften, der Kredit­bank anvertraut. Der Direktor derselben genoß im wei­ten Umkreise das höchste Ansehen. Niemand ahnte, daß er sich in gewagte Spekulationen eingelassen hatte. Lange Beit hindurch verstand er es, die riesigen Verluste ge­schickt zu verdecken, und als das nicht mehr möglich war, entfloh er unter Mitnahme aller flüssigen Geldmittel. Es stellte sich bald heraus, daß alles verloren war.

Was half es, daß man den ungetreuen Direktor und seine Helfershelfer nach eifrigem Suchen dingfest machen fonnte? Bu hoffen blieb den Betrogenen deshalb absolut nichts mehr.

Samstag, den 2. April 1910.

Literarisches.

Die Schaubühne", Wochenschrift für die ge­samten Interessen des Theaters, herausgegeben von Sieg fried Jacobsohn, enthält in der elsten Nummer ihres sech­sten Jahrganges u. a.: Goethe. Von Peter Altenberg. Lindaus Shakespeare( Der Widerspenstigen Zähmung). Von S. J. Brahms Jbsen. Von Berthold Viertel.- Theater auf dem Meere. Von Rudolf Johannes Schmied. Die Begegnung. Von Benno Geiger. Der gute Ton hinter Die Schaubühne" erscheint den Kulissen. Von Adolar. wöchentlich im Umfang von 32 Seiten und kostet: 40 Pig. die Nummer, 3.50 Mt. vierteljährlich, 12 Mart jährlich). Probenummern gratis durch alle Buchhandlungen, Postan stalten sowie durch den Verlag Erich Reiß, Berlin- Westend, Kaiserdamm 26.

Das elfte Heft der Entscheidungen höh erer Gerichtshöfe in hess. Steuersa che.n", gesammelt von Geheimrat Dr. Becker in Darmstadt( Ver­lag J. Diemer in Mainz, Preis 3. Mr.), ist soeben er schienen. Dasselbe enthält u. a.: Nicht drei nach Belieben der Veranlagungsbehörde zu bestimmende oder auszuwäh lende Geschäftsjahre, sondern die drei letzten zur Zeit der Veranlagung abgeschlossen vorliegenden Geschäftsjahre sol len gesetzlich die Grundlage für die Veranschlagung des schwankenden Einkommens bilden.

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August Graf von Platens Leben und Schaffen. Mit zwei Bildnissen und einem Briefe als Hand­schriftprobe. Von Prof. Dr. Mar Koch. Leipzig, Max Hesses Verlag. Mt. 2.50. Diese weitaus umfang reichste aller bisherigen Platen- Biographien bildet einen Sonderabdruck aus der demnächst bei Hesse erscheinenden gro­ßen historisch- kritischen Platen- Ausgabe, die gemeinschaft lich von Prof. Dr. May Koch und Bibliothekar Dr. Erich Pezet herausgegeben wird, und die zum ersten Male auch den gesamten handschriftlichen Nachlaß des Dichters berück­sichtigt!

" Die Herren der Erde, Roman aus dem Bergmannsleben", ist der Titel des neuesten Werkes des wohlbekannten Schriftstellers Paul Grabein, der soeben vom Deutschen Verlagshaus Vong u. Co., Berlin W. 57, ver­öffentlicht wird. Monatelang hat Grabein das Leben der Bergleute mit all seiner Mühseligkeit geteilt, ihre Gefahren und Mühsal tief drunten in der Grube und ihr färgliches Leben über Tag wie einer der ihrigen. So hat er ihre Freuden und Leiden, ihr Lieben und Hassen, ihr Fürchten und Sehnen kennen gelernt. Aber auch die schweren Sor­gen, die drückende Last großer Verantwortlichkeit, die oft den Außenstehenden gar nicht erkennbaren großen Ziele der Bergherren, die von komplizierten internationalen Verhält nissen abhängen, hat er eingehend studiert, und vorurteils­frei ein Chronist und doch ein Poet- läßt er die wi­derstrebenden Geister auf der bunten Bühne des Lebens spielen. Dadurch wird sein Werk zu dem großen Sozialroman unserer Zeit, in welchem die gewaltigen wirtschaftlichen und sozialen Kämpfe, die sich rings um uns abspielen, in über­aus packender Weise zur Darstellung gebracht werden.

Ein Jubilar in buntem Talar macht unserer Redaktion heute seine Aufwartung. Es ist die tau­sendste Nummer der allbeliebten Münchener Zeitschrift für Humor und Kunst Meggendorfer- Blätter", die als Jubi­läumsnummer in prachtvoller Ausstattung soeben zur Auß­gabe gelangt ist. Wir sagen es gleich, die Redaktion hat im Verein mit dem rühmlichst bekannten Verlag( J. F. Schreiber in Eßlingen und München) mit dieser Nummer ein Merkmal deutscher Buchkunst geschaffen. Den Reigen er­öffnet ein buntes Vollbild von Leo Kainradl, einen Schalt darstellend, der in ovalem Rahmen all die Typen vom Leutnant, dem Backfisch, dem Liebespaar bis zum tranten Alkoholiker 2c. vor Augen führt, die in dem trefflichen Witz­blatt neben den bekannten aktuellen Wißen und Gedichten in so gelungener, nie verleßender Weise ironisiert werden. Der übrige Inhalt ist geradezu meisterhaft. Um diese in allen Erdteilen, wo immer Deutsche wohnen, verbreitete Zeitschrift noch immer weiteren Kreisen zugängig zu ma chen, hat sich der Verlag entschlossen, allen ab 1. April dieses Jahres neu hinzutretenden Jahresobonennten diese prachtvoll ausgestattete Jubiläums- und alle bis April noch erscheinenden Nummern tostenlos zu liefern.( Interessenten belieben sich in dieser Sache direkt an den Verlag oder an ihre Buchhandlung zu wenden).

Die Deutsche Ammoniat- Verkaufs- Vereinigung in Bo­chum hat der heutigen Ausgabe einen Prospert bei­légen lassen, der für Landwirte besonders von großem In­teresse ist.

Verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

Hauptmann v. Schmettwiß wollte die unfaßbare Nach­richt zuerst nicht glauben. Als er aber die Bestätigung des namenlosen Unglücks erhielt da fluchte er nicht und tobte nicht, er saß nur ganz starr und stumm, ohne sich zu rühren, in einer Ecke. Er kümmerte sich um nichts und wenn Sylvia, die damals gerade aus der Pension kam, angstvoll fragte, was nun werden solle, so brummte er mürrisch: Mache, was du willst, mir ist alles gleich nur laß mich in Ruhe!"

In ihrer Not wandte sich das geängstigte Mädchen an den Bruder ihres Vaters, den Gutsbesizer von Schmett­wiß auf Neunlinden. Dieser kam und wollte dem unglück­lichen Bruder Vorwürfe machen, daß er leichtsinnig und unverantwortlich gehandelt hätte. Doch Sylvia, die in wenigen Tagen aus einem spielenden, tändelnden Kinde eine zielbewußte, sorgende Tochter geworden war, wehrte dem Onkel ernst und bestimmt: Mit Vorwürfen ist uns nicht gedient," rief sie ihm zu. Wenn du keinen Rat weißt, dann tut es mir leid, dich bemüht zu haben. Siehst du denn nicht, wie schwer mein armer Vater ohnehin an dem Unglück trägt? Ich dulde es nicht, daß du ihn quälst!" Dem Onkel imponierte das sichere Auftreten der Nichte ungemein. Nach kurzem Zögern bot der im Grunde gut­mütige Mann den Verwandten ein Asyl in seinem Hause an; denn daß sie von der Pension allein nicht leben fonnten, das jah er ein. Er wuße es wohl, es würdte einen harten Kampf mit seiner Frau geben, denn Frau von Schmettwiß auf Neunlinden war als sehr geizig über­all bekannt, aber schließlich mußte man ihr eben zei­gen, wer der Herr im Hause war. Sie fügte sich, wenn auch nur widerwillig, in die Anordnungen ihres Gebieters.

Für Sylvia kam nun eine schwere Zeit. Sie mußte alles Ueberflüssige verkaufen, es blieb ihr die ganze Last der Sorge für den Haushalt allein, denn der Vater küm­merte sich um nichts. Ob er in der Stadt blieb oder nach Neunlinden hinausging, war ihm gleichgiltig. it schwerem Herzen trennte sich Sylvia von manchem wertvollem Stück der Einrichtung, das ihr lieb und vertraut war wie ein alter Freund. Doch die Tante bestand darauf, daß alles Entbehrliche verkauft wurde und das junge Mädchen fügte sich feufzend in das Unvermeidliche.( Fortseßung folgt.)