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ändert, hauptsächlich wurden jüngere Schuhmacher- und Schneidergesellen gesucht. Bei der Bürsten- u. Kamm­fabritation war der Arbeitsmartt sehr gut; es waren zahlreiche offene Stellen gemeldet, die auch besetzt werden tonnten. Im Nahrungsmittelgewerbe ließ der Arbeitsmarkt gegen Dezember natürlich etwas nach; bei Eintritt kälterer Witterung wird in der Wurstfabrikation voraussichtlich grö­ßerer Bedarf an Gesellen sein. Im Buchdruckerge­werbe bessert sich der Geschäftsgang nur langsam. Der Arbeitsmartt im Buchbindergewerbe war im Be­richtsmonat im allgemeinen befriedigend. Auf dem landw. Arbeitsmarkte war es im Berichtsmonat, der Jahreszeit entsprechend, noch sehr ruhig. Auf dem Dienstboten­marfte hält die seit Monaten beobachtete Steigung der Arbeitsuchenden an.

Vermischtes.

!! Ueber den Halleyschen Kometen veröffent­licht die belgische astronomische Gesellschaft die interessante Mitteilung, daß, da die Erde in der Nacht des 18. Mai durch einen Teil des Kometenschweiss hindurchgeht, der Ko­met mehrere Morgen vor dem genannten Tage und mehrere Abende danach einen großartigen Anblick bieten wird. Wäh­rend 78 Tage, vom 11. März bis 29. Mai, wird sich der Romet innerhalb der Erdbahn bewegen und während des längsten Teils dieses Zeitraumes von der Erde aus sichtbar sein.

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!! Er fontrollierte. Die Zeitungen meldeten dieser Tage den Tod des bekannten Zigarrenfabrikanten G. Bock in Havanna und fügten hinzu: Bock, der vor Jahren als armer Deutscher nach Stuba tam, kontrollierte 23 der größten Zigarrenfabriken". Dieses Kontrollieren wäre ein taum erwähnenswerter Gegensatz zu dem armen Deutschen" gewesen. Es handelte sich aber um die Gedan­tenlose Uebernahme eines englischen Ausdrucks, der besagt, daß Bock 23 der größten Zigarrenfabriken finanziell be­herrschte, d. h. daß sie ihm in Wirklichkeit gehörten.

199

Wie das Schwabenlied" entstand.

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Verdingung.

giere feststellen, daß die Dampfheizungsrohre bis zur Hälfte der Strecke talt waren. Wer gezwungen ist, zu so früher Stunde die Bahn zu benutzen, der wird das Nichtheizen der Wagen außerordentlich unangenehm empfinden. Falls der vorhandene Dampf zur Fortbewegung des Zuges er zu Gießen soll die Lieferung von forderlich ist, muß die Heizung der Wagen auf andere Art erfolgen, und zwar so, daß die Wagen bei Abfahrt des Zuges genügend erwärmt sind.

Für die Brovinzial Siechenauftalt Oberhessen

Landwirtschaftliches.

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Die Kopfdüngung der Wintersaaten soll frühzeitig ausgeführt werden, weil dann bei Beginn des Wachstums den jungen Saaten sofort genügende Nahrung, besonders Stichstoff zur Verfügung steht, sodaß sie sogleich fräftig em­porwachsen tönnen. Solche Pflanzen widerstehen dann besser dem Befall und neigen auch weniger zum Lagern als Saa­ten, die erst spät im Frühjahr eine Kopfdüngung erhalten. Für die frühe Kopfdüngung, die etwa Februar- März aus­geführt wird, wendet man schwefels. Ammoniat an gibt 50-100 Pfund auf den Morgen in einer Gabe. Ir­gendwelche Verluste an Stickstoff sind auch bei dem frühe­sten Ausstreuen des Ammoniats, das vom Boden festgehal­ten wird, nicht zu befürchten.

Verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

Hämorrhoidalleiden

und

sind sehr lästig und vielfach mit großen Schmerzen verbun­den und können schließlich sehr gefährlich werden. Nach vie­

ca. 450 3tr. guten Speisekartoffela bergeben werden. Die näheren Bedingungen liegen auf dem Verwaltungsbureau an den Wochentagen von 3 bis 5 Uhr nachm. offen, woselbst Angebote mit der Aufschrift " Lieferung von Kartoffeln für die Provinzial- Siechenan­stalt Oberheffen" versehen, bis zum Eröffnungstermin Mittwoch, den 16. März 1910, nachm 3 Uhr einzureichen sind.

Gießen, den 1. März 1910. Berwaltung der Prov. Siechenanstalt Oberhessen.

Bürgerverein Gießen.

Mittwoch, den 9 März cr., abends Uhr im Saale des Hotel Einhorn

Allgemeine Bürger versammlung

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hervorragendes Mittel bei diesen Leiden, um Linderung und Heilung zu bringen. Es ist wichtig, daß die Ursache der Hämorrhoiden beseitigt wird und dieses ist speziell die Auf gabe dieses Tees. Preis Mt. 1.50, in allen Apotheken zu haben, wenn nicht, wende man sich an die Ferromanganin gesellschaft, Frankfurt a. M., Kronprinzenstraße 55.

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Franz Abt, der unvergeßliche Tonsetzer der Weisen: Wenn die Schwalben heimwärts ziehen und Gute Nacht, Du mein herziges Kind!", war längere Zeit wohlbestallter Kapellmeister beim Hoftheater in Braunschweig. Aber war, wie es anderen und noch größeren Genies auch ge= gangen ist, immer in Geldnöten. Wie er sich einmal groß­artig aus einer soichen Klemme herauszog, darüber schreibt der Nordd. Allg. 3tg." ein alter Braunschweiger: Der Meister saß eines Tages in seinem Zimmer beim Früh­stück. Da wurde er unliebsam gestört. Sein Schneider mel­dete sich bei ihm und konnte durch kein Mittel abgehalten werden, ihm direkt lästig zu fallen. Er kam zu ihm ins Zimmer und bat um die Begleichung der schon auf etwa 300 Mark angeschwollenen Schuldigkeit. Abt zeigte sich an­gesichts seiner augenblicklichen Insolvenz vollständig abge­neigt. Dann versuchte er den unangenehmen Menschen durch Vertröstungen auf die nahe Zukunft los zu werden. Aber seine große Liebenswürdigkeit, seine schönen Worte prallten ab an dem Panzer des unerbittlichen Schneiders, der nach und nach sehr erregt geworden war. Da erhob sich plötzlich der Meister, gebot mit einer Herrschergeberde dem häßlichen Besuch Ruhe und setzte sich ans Klavier. Dann ließ er turze Zeit einige Töne steigen, summte leise dazu und über­siedelte dann an den Schreibtisch. Ein Notenblatt war zur des Hand, Feder und Tinte standen bereit und nach kaum einer Viertelstunde überreichte der Herr Kapellmeister dem harren­den Schneider sein Manuskript. So", sagte er, gehen Sie damit zu meinem Musikverlag Littolf in der Schuhstraße. Ihr kleines Guthaben bitte ziehen Sie sich ab

den gro

ßen anderen Betrag bringen Sie, seien Sie so gütig, mir zurück." Der Schneider war baff, schüttelte den Kopf, ging aber doch nach Geheiß in die Schwhstraße. Littolf prüfte das Manuskript als gewiegter Kenner und zahlte an den geldbedürftigen Handwerksmann für diesen und den armen Kapellmeister eine Summe von über tausend Mark aus. Das tat beiden gut; und die Tondichtung, die das bewirkte, war Wenn die Schwalben heimwärts ziehn".

Oeffentlicher Sprechsaal.

Am Sonntag benutzte ich den Zug 5.47 vormittags ab Gießen nach Fulda und mußte zum Leidwesen aller Passa­

37)

Der Fall Welshofen.

Kriminalroman von M. Kossak.

( Nachdruck verboten.) ,, Neumültig aber, pie ich mich fühlte, versprach ich dem James, soviel in meinen Kräften stand für die Hinter­bliebenen des Gefallenen zu tun. Ich blieb noch mehrere Tage in der Hütte, dann verließ ich sie und floh aus Italien. Unter falschen Namen zog ich in der Welt um­her und verschaffte mir bei Varieteebühnen als Sänger und-Rezitator meinen Unterhalt. Es war gar nicht so wenig was ich verdiente, und ich hätte ganz gut davon leben können, wenn ich mich nicht verpflichtet gefühlt hät­te, reichlich die Hälfte von allem an James Todd erst für die Hinterbliebenen des Vatrouillenführers zu schicken und dann für ihn selbst. Denn wie James mir_schrieb, war er, nachdem er lange zwischen Leben und Tod ge­schwebt hatte, von seinem Krankentager aufgestanden, frei­lich als ein fiecher Mann.

Um ihn zu hindern, noch nachträglich Anzeige gegen mich zu erstatten, mußte er in den Stand gesetzt werden, einigermaßen sorgenfrei zu leben. Ach, es hätte dieser Verführung gar nicht bedurft, um mir mein Geld aus der Tasche zu locken, da meine Sünde mich ohnehin fast zu Boden drückte. Ich gab, um mein mahnendes Ge­wissen zu beschwichtigen, nicht aus Angst und Strafe. Denn vor der fürchte ich mich nicht. Wer fannte denn dort, wo ich weilte, meinen wahren Namen? Ich hatte mir gefälschte Papiere besorgt und niemand vermutete in mir den Schmuggler aus den Abruzzen.

Als ich bei Todd einmal brieflich anfragte, ob die übri­gen Schmuggler, die dazumal mit den Gendarmen das Gefecht gehabt, bestraft seien, schrieb er mir, daß bei der Untersuchung nichts herausgekommen sei, da die Schmugg­fer sämtlich geschwärzte Gesichter gehabt hätten und von den Gendarmen nicht erkannt worden seien. Erkannt wäre ich allein von dem Patrouillenführer, weil wir uns eben früher täglich gesehen und meine Züge, Bewegungen und meine Gestalt gerade diesem Manne vertraut gewesen seien. Ich bezweifelte diese sämtlichen Angaben nicht im mindesten wenn das eigene Gewissen einen Menschen

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Die Deutsche Ammoniak- Verkaufs- Vereinigung in Bo­chum hat der heutigen Ausgabe einen Prospett bei­legen lassen, der für Landwirte besonders von großem In­teresse ist.

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Heute Dienstag, den 1. März 1910: Grosse Gala- Premiere

Tagesordnung:

Die Arbeitsschule, die Schule der Zukunft. Referent: Herr Schulrat Scheerer, Büdingen. Freie Aussprache.

Wir laden die gesammte Bürgerschaft, insbesondere unsere Mitglieder hierzu freundlichst ein. Damen will­fommen.

Der Borstand.

Versteigerung. Städt. Wohnungsnach­

Mittwoch, den 2. März d. J., nachmittags 2 Uhr, werden im Saale Neustadt 55( 3um Pfau) versteigert:

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Gastspiel Otto Reutter

so drückt wie mich, läßt es sich in dieser Richtung leicht täuschen.

,, Ich fühlte mich namenlos unglücklich dazumal, denn zu allem übrigen, was ich litt, kam noch die Sehnsucht nach der Anita, die wahnsinnige Eifersucht auf Todd, der beständig das Glück ihrer Nähe genoß ein Glück, für das ich meiner Seele Seligkeit hingegeben hätte. Ich schrieb ihr öfter und hie und da antwortete sie mir auch, aber immer nur mit ein paar flüchtigen Zeilen, die mich zwar mächtig aufregten, im übrigen aber mehr verlebten als erfreuten, weil ich aus ihrer oberflächlich tändelnden: Art sah, wie gleichgültig ich ihr im Grunde war. Am Ende hielt michs nicht länger fern von ihr. Ich mußte sie sehen, wenn die Sehnsucht mich nicht verzehren sollte.

,, Sowie meine Verpflichtungen meinem Varietee- Di rektor gegenüber es zuließen, reiste ich nach Neapel und verschaffte mir bei der Tänzertruppe, bei der Todd und Anita waren, ein Engagement. Es war erbärmlich ge­nug, denn die Leute gebrauchten gar keinen zweiten Re­zitator, Todd, der Clown, genügte völlig zur Ausführung der Pausen, aber da ich mit der denkbar niedrigsten Gage mich einverstanden erklärte, so behielen sie mich am Ende doch. Hatte ich früher schon Eifersuchtsqualen erlitten, so war das jetzt doppelt der Fall.

Ich konnte mich nicht länger der Erkenntnis ver­schließen, daß Anita, meine schöne Anita, die holder war; als die Houris des morgenländischen Paradieses, dieses elle Gewurm, den Todd, mir vorzog. Er nahm sich Ver­traulichkeiten gegen sie heraus, die nur dem Geliebten oder Gatten eines Weibes erlaubt sind und die sie doch duldete. Es waren ja Augenblicke, in denen sie auch gegen mich zärtlich war, aber im allgemeinen behandelte fie mich mit Spott und Geringschäßung. Wie kannst Du Ansprüche auf mich erheben?" fragte sie mich, wenn ich mich über ihre Stälte beklagte. Du bist ja arm wie ein Bettler. Was soll ich mit Dir?" Aber Du hast mir versprochen mein Weib zu werden," erwiderte ich mit leidenschaftlichem Vorwurf. Ja, wenn Du reich bist," lautete ihre Antwort, unter der ich mich wie ein Wurm wand. Sie hatte ia recht, ich konnte ihr nichts

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,, Dann ereignete sich jener Vorfall, von dem Sie ja Kenntnis haben. Ich geriet während einer Vorstellung in einen cifersüchtigen Streit mit Todd, der damit endete, daß ich ihn niederstach. Ich wurde verhaftet, erhielt aber nur geringe Strafe, weil die Richter in dem eifersüchtigen Zustand, in dem ich mich befand, einen Milderungsgrund fahen.

,, Todd wurde freigesprochen, weil er sich in der Not­wehr befunden. Meines oder vielmehr unseres Bleibens in Neapel aber war nicht länger, denn wir hatten durch jenen Vorfall zu sehr die öffentliche Aufmerksamkeit er­regt, als daß der Maestro der Truppe uns behalten mochte. Vielleicht fürchtete er auch die Wiederkehr ähnlicher Szenen. Ich ging fort, nachdem ich meine Strafe abgebüßt, aus Italien fort und nahm in Paris unter dem Namen meiner Mutter, Lanzani, ein Engagement.

,, Meine Bemühungen, Anita zu überreden, mit mir zu gehen, scheiterten, sie behauptete, es vor Heimweh fern von Neapel nicht aushalten zu können. Die Wahrheit aber war, daß sie ohne Todd nicht gehen wollte, denn, als er von seinem Krantenlager aufgestanden war, folgten mir beide. Zwischen mir und Todd kam eine Versöhnung zustande, zu der die ersten Schritte von ihm ausgingen. Der Hund wollte mich eben nicht aus seinen Händen las­sen, denn es zeigte sich, daß ich in Paris viel Erfolg hatte und er sah in mir ein Objekt, das seine Geldgier gut ausnüßen konnte. Hätte das Publikum mich ausgepfiffen, so würde er sicher fein weiteres Verlangen nach meiner Freundschaft getragen haben.

Ich sah das selbst auch so ziemlich ein, aber was sollte ich machen? Anita war unzertrennlich von Todd, und wollte ich an ihrer Seite bleiben, so mußte ich ihn als Zugabe nehmen. Ich weiß nicht, wie es zuging, daß Anita anfänglich nicht recht gefiel. Sie trat auch in Paris als Tarantellatänzerin auf, und Tarantellatänzer­innen gabs dazumal genug in der Seinestadt. Dieser Umstand hatte dann zur Folge, daß sie sich wieder enger an mich anschloß. demith( fl) ortfehung folgt.)

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