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hat zugenommen. Smmer mehr gewinnt es den Anschein, als ob die Frau, die heut zum zweitenmal vor den Ge­schworenen steht, tatsächlich unschuldig das schwere Ungemach erdulden mußte. Wenn man sich das Ergebnis der bisherigen Beugenaussagen ins Gedächtnis zurüdruft, so muß man sagen: die Angeklagte von Heusler ist wohl nicht eine Stiftsoberin, wie sie sein soll, sie ist nicht das Muster von Sanftmut und Güte, als das sie erscheinen will, aber einer so schweren Schuld darf man sie wohl kaum zeihen. Die Wagner, die es in dem ersten Prozeß verstand, fich die Krone der Märtyrerin aufzusehen, ist dieses Schmuckes ganz und gar unwürdig. Wer so verlogen und rach- und räntefüchtig ist, wer so im Banne der niedersten Leidenschaften steht, demgegenüber ist dieses Uebermaß von Sympathien, das man der Wagner, der armen Dulderin", entgegenbrachte, wohl taum am Plage. Die Volksmeinung hat ihr Urteil diesmal schon gesprochen, der Spruch der Geschworenen dürfte wohl auch, wenn die Vernehmung der legten Zeugen feine Sensationen bringt, auf Freisprechung lauten.

Bon Interesse ist die Aussage der Zeugin Rosa Maier, welche erklärt, sie habe im ersten Prozeß deshalb so mit ihrer Aussage zurückgehalten, weil der Untersuchungsrichter ihr gesagt habe:" Sie fönnen als Zeugin der Heusler doch nicht helfen, die ist so gut wie überführt." Die Behauptung der Wagner, die Heusler habe versucht, als sie in das Krankenhaus ging, ihr das Fläschchen mit dem Kaffee, dem Salzsäure bei­gemengt war, zu entreißen, wird in heutiger Verhandlung als eine grobe unwahrheit hingestellt. Die Angeklagte Heusler hat zu jener Zeit das Zimmer der Wagner über­haupt nicht betreten, sondern nur einen Boten zur W. ge­schickt, der ihr das Fläschchen mit dem Kaffee bringen sollte. Heiterkeit erregte es, als die Angellagte erklärte, sie wisse genau, daß ihr Stift im Voltsmunde den Namen Drachen­oder Eulenburg" führt. Die Aussagen weiterer Zeugen stellen der Wagner das denkbar schlechteste Zeugnis aus. Sie hat in einem Hotel die unglaublichsten Klatschereien auf­gebracht, sie horchte an allen Türen und log dann das Blaue vom Himmel herunter, deshalb nannte man sie auch Hotel­reporter". Unter großer Spannung wird der praktische Arzt Dr. Decker- München als Zeuge aufgerufen, der den ersten Wieder-. aufnahmeantrag gestellt hat. Dr. Decker hat während der ganzen Zeit, in welcher er die Wagner behandelte, die Gewißheit gehabt, daß sie eine Simulantin sei und sich kränker stelle als sie ist. An manchen Beispielen konnte er die Wahrnehmung machen, daß die Wagner sehr lügenhaft sei, und als er dies fest­gestellt hatte, tauchte ihm der Gedanke auf, ob sie nicht auch bor Gericht einen Meineid geleistet hätte und ob Minna Wagner nicht das Opfer der Heusler, sondern die Heusler ein Opfer der Wagner set. Der Zeuge fährt fort: Als ich aber die Vorfälle bei Lippmann erfuhr, das Oeffnen der Gas­hähne und die Petroleumaffäre, da war mir das letzte Glied der Beweiskette geschlossen, daß Minna Wagner eine ganz andere sei, als sie in der vorigen Verhandlung erschienen war. Eine weitere Reihe Beweisgründe dafür lieferte mir der Journalist Fischer. Deshalb habe ich am 19. Dezember 1904 unter Darstellung aller dieser Umstände dem Staats­anwalt persönlich den Antrag auf Einleitung des Wieder­aufnahmeverfahrens unterbreitet. Dr. Decker schließt seine Aussage mit der Erklärung: Minna Wagner war eine alkoholische, zäntische, flatschsüchtige und rachsüchtige Person, welche vor nichts zurückschreckte.

Das Schlußglied in der Kette der Beweise gegen die Wagner war der Sektionsbefund: der Magen der Wagner wies auch nicht die geringsten Spuren von irgend einer Ein­wirkung von Salzsäure auf. Der letztvernommene Zeuge Amtsschreiber Philipp Dümler hat auf Veranlassung des Verteidigers die Wagner zu einem Geständnis zu veranlassen gesucht. Doch blieben alle ſeine Bemühungen vergeblich. Unmittelbar ehe fie das Bewußtsein verlor, sei sie unruhig geworden und habe noch etwas sagen wollen, aber nicht mehr fönnen. Es sei ja möglich, daß sie da etwas besonderes habe sagen wollen.

Nab und Fern.

Turch Gas vergiftet. In dem Hause Kurfürsten. traße 112 in Berlin erstickte nachts infolge Ausströmens von Bas das Hausmädchen Anna Fathge, während das Haus­mädchen Anna Lipke an einer Gasvergiftung bedenklich darniederliegt. Auch die übrigen Bewohner befanden sich in Gefahr, das gleiche Schicksal zu teilen. In einem kleinen Kellerzimmer, in dem die Fathge geschlafen hatte, befindet sich ein Gaskochherd, von dem zu einer Lampe ein Gummischlauch führt. Dieser Schlauch hatte sich losgelöst. Das Gas fonnte in großen Mengen herausströmen.

Jm Heu verbrannt. Ein Kutscher, der einen Heu­wagen auf der Tegeler Chaussee fuhr, rauchte seine Pfeife. Plöglich flog ein Funke aus der glühenden Pfeife ins Heu, so daß der Wagen in Brand geriet. Der Kutscher konnte fich vor den Flammen, die über ihm zusammenschlugen, nicht mehr retten und mußte verbrennen.

+ Ende eines Defraudanten. In Magdeburg erschoß sich der Kommis Walter Becker, der in Quedlinburg in einer Fabrit angestellt war und dort 600 Mark bar und einen Sched von 2328 Mart unterschlagen hatte. Es wurde bei ihm nichts mehr vorgefunden.

20 000 Mark gestohlen. Die Leipziger Polizei ber­haftete einen älteren Mann, als er bei Leipziger Banker Staatspapiere veräußern wollte. Man fand bei ihm über 20 000 Mart in Wertpapieren, über deren Besitz er sich nicht auszuweisen vermochte. Ein Teil der Wertpapiere rührt aus dem Nachlaß eines dortigen Arztes her.

+ In selbstmörderischer Absicht warf sich die 48 jährige Helene Silberstein, die Ehefrau eines Kaufmannes aus Berlin, im Mannheimer Hauptbahnhofe vor einem nach Ludwigs= hafen abgehenden Personenzug auf das Gleise. Hierbei wurden ihr beide Beine unterhalb der Knie abgefahren; die Unglückliche wurde sofort in das Allgemeine Krankenhaus geschafft, ihr Zustand ist trog der schweren Verlegungen nicht ganz hoffnungslos. Frau Silberstein hielt sich seit einiger Zeit in einer Nervenheilanstalt in Mannheim auf und dürfte die unselige Tat in einem Apfalle von geistiger Verwirrung verübt haben.

Die Eisenbahnkatastrophe bei Pleasantville hat noch mehr Opfer gefordert, als man anfangs annahm. Von 91 Reisenden, die sich im Zuge befanden, sind nur 25 Personen gerettet worden; es sollen ganze Familien dabei umgekommen sein. Unter den Verunglückten werden auch folgende Deutsche genannt: Dr. Paul Felsberg und Frau, John Zimmer­mann, Marta Heisch, Albert Kessel, Ella Ritterhofer und Tochter.

1. Eine falsche Prinzessin. Die geistestrante Witwe Ahner, die ich auf der Hauptschloßwache in Königsberg als Prinzessin von Oldenburg vorstellte, hat schon im vergangenen Jahre viel von sich reden gemacht. Während des Aufent­haltes der faiserlichen Familie in Cadinen versuchte die Jrre, zu der Kaiserin gelangen. Sie gab dabei an, sie wäre zur Auszahlung erner Summe von 20 000 Mark nach der laiserlichen Befizany befohlen worden. Auch gelegentlich der Turz darauf erfolgten Denkmalsenthüllung in Elbing folgte Frau Ahner der Kaiserin in dortige Stadt nach.. Man war jedoch von ihrer Anwesenheit verständigt worden und hielt fie während des Enthüllungsaktes in der Wohnung des Auf­sehers des Polizeigefängnisses fest, wobei fie zweimal durch das Fenster die Flucht ergreifen wollte. Auf dem Rüd­transport nach Königsberg zu ihren Verwandten glaubte die Unglüdliche fortwährend das Anklingeln des Telephons zu hören, durch das sie, wie sie sagte, zur Kaiserin nach Cadinen berufen werde. Frau Ahner ist inzwischen einer Heilanstalt überwiefer worden.

Köpenider Nachflänge. Die Schuhmacher find stolz auf thren Kollegen" Voigt. In einer Versammlung in Berlin äußerte ein Redner:" Die Schuhmacher seien schon seit den Zeiten von Hans Sachs als die intelligentesten aller Hand­werfer bekannt. Ein schlagender Beweis für diese Intelligenz sei auch der Streich des Hauptmanns von Köpenid. Als alter flappriger Greis, ohne Soldat gewesen zu sein, mit nicht vorschriftsmäßiger Uniform, eine ganze Stadt zu über­rumpeln, das fonnte nur einem Schuster gelingen. Diesen Ruhm würden sich die Schuhmacher nicht nehmen lassen, wenn fie auch leineswegs das begangene Verbrechen billigten." Uebrigens beträgt der Verlust, den die Stadt Köpenick durch den Hauptmann" erleidet, nur 286 Mt. 62 Pf. Bei seinem Ueberfall hatte der Räuber 3557 Mr. 62 Pf. erbeutet. Bei seiner Verhaftung waren der Kriminal Polizei zunächst 2400 Mt. von der geraubten Summe in die Hände gefallen. Später famen noch 388 ML. und sodann 483 Mt. zutage, die der Kasse wieder zugestellt wurden.

Ein ingendlicher Weltreisender ist in Hamburg an gehalten worden. Es ist der 17jährige Sohn feines Konsuls in München, der Mitte dieses Monats heimlich das elterliche Haus verlassen hatte. Er wurde in einem Hamburger Hotel in dem Augenblide ergriffen, als er sich zu einer Reise nach Konstantinopel anschickte. In seinem Besitz wurde noch ein Barbetrag von 100 Mart vorgefunden. Nach seiner Angabe hat er sich seinerzeit von München über Triest, Neapel und Rom nach der Riviera begeben. Von dort reiste er über Hamburg nach Berlin. Nachdem er sich einige Tage in der Reichshauptstadt aufgehalten hatte, fehrte er nach Hamburg zurüd, wo er trotz der Beilegung eines falschen Namens erkannt wurde.

Bunte Cages- Chronik.

Berlin, 30. Oktober. Die Sperre auf dem städtischen Bentralviehhof ist mit dem heutigen Tage offiziell aufgehoben worden, und das Vieh darf nunmehr nicht nur eingeführt, sondern auch lebend vom Viehhof ausgeführt werden.

Posen, 30. Oktober. In Dreidorf bet Lohvens entstand ein Streit über politische Fragen zwischen dem Deutschen Klawitter und dem Polen Czymny, der dahin ausartete, daß Klawitter den Polen erschlug. Er wurde verhaftet.

Breslau, 30. Oktober. In der Enderschen Dampfbrennerei in Bobten erfolgte eine Reffelerplosion. Dabei wurde der Heizer Rohrbach getötet. Er hinterläßt eine Frau und sieben Kinder. Die Unglücksstelle ist in einen Trümmerhaufen ver­wandelt.

Krumbach i. Od., 30. Dftober. In der Gemeindekasse wurden umfangreiche Unterschlagungen entdeckt. Der Rendant Martin, der verdächtig ist, die Defraudation begangen zu haben, wurde verhaftet.

München- Gladbach, 30. Oftober. Der Kaufmannslehrling Cönen, der in einer hiesigen Spinnerei 28 000 Mart unter schlug, wurde in London verhaftet.

Augsburg, 30. Oktober. In der Villa des Fürsten Fugger in Banatet sind durch Einbruch 5000 Mart in bar und 20 000 Mart in Schmucksachen entwendet worden.

Lauffen, 30. Oktober. Bei Deridenwald fiel infolge Zu­sammenbruches der baufälligen Birsbrücke ein beladenes Fuhr­werk in den Fluß. Drei Fabrikarbeiter, welche die Brücke passierten, ertranfen, ebenso der Fuhrmann mit seinen Pferden.

Annweiler, 30. Oftober. Hier brach ein Gerüst beim Schulhausneubau zusammen. Zwei verheiratete Dachdecker wurden unter den Trümmern begraben und getötet.

Lissabon, 30. Oftober. Der englische Dampfer Baron Huntley" ging auf hoher See in der Nähe der portugiesischen Küste unter. Vierzehn Matrosen der Mannschaft ertranfen.

Buenos Aires, 30. Oktober. Während eines Zyklons ist das Mercedes- Spital vollständig eingestürzt. Viele Kranke wurden unter den Trümmern begraben.

Lokales.

** Erledigt: Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrer stelle an der Gemeindeschule zu Oppenrod. Mit der Stelle ist Organisten- und Leftor­dienst verbunden.

§ Die Schwurgerichtssigunaen für 4. Quartal 1. J. nehmen Montag, den 3. Dezbr. 1906 unter dem Vor­fiz des Landgerichtsrats Schmidt- Gießen ihren Anfang.

*** In Gießen sind 12000 Mt. gesammelt worden, die der Verein für Armen- und Krankenpflege zur Errichtung einer Milchküche, in der eine gute Kindernahrung der abfolgt werden soll, verwenden will

r Der neue Wartesa al 3. und 4. Klasse im Bahnhof Gießen, in dem sich bisher der Wartesaal 1. und 2. Klasse befand, ist am heutigen Tage in Betrieb genommen worden. Mit dem Abbruch des alten Wartesaals 3. und 4 Klasse wird in den nächsten Tagen begonnen werden. P. Gin von der Staatsanwaltschaft Landau ge­suchter Arbeiter wurde hier verhaftet.

P. Verhaft t wurde gestern ein Hausbursche eines Gießener Bäckermeisters, der die vereinnahmten Gelder der Kunden in Damentneipen berpraßte.

P Ein ehrlicher Dienstbote. Ein Dienstmädchen, das vor 8 Tagen von einer Gießener Herrschaft auf eine Zeitungs- Annorce gemietet wurde und auch einen guten Eindruck machte, zeigte sich bald in ihrer wirklichen Eigen

schaft. Sie beobachtete ihre Herrin, wo sie ihr Geld auf bewahrte und verstand es, sie in der kurzen Zeit um 60 M zu bestehlen. Sie hat überdies schon mehr Betrügereien berübt und wurde von den Behörden gesucht.

R Am 12. Nov. wird in Rigdorf eine vom Reichs bant- Direktorium abhängige Reichsbanfnebenstelle mit Rasseneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden.

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* Feuerversicherung und Landwirtschaft Der erste Antrag, den die neue Landwirtschaftskammer zu beraten haben wird, ist ein Antrag des Mitgliedes Köhler Langsdorf, den dieser einreichen wird, um entgegen der Ringbildung der Feuerversicherungsgesellschaften und der unbilligen Höhe der Versicherungsprämien der Feldscheunen die Bildung eines Feuerversicherungsverbandes der Land

wirte im Großherzogtum Hessen unter staatlicher Oberleitung ftorium aus provin

anzuftreben.

e Eine Landesversammlung der national liberalen Partei des Großherzotums Hessen findet am Sonntag, dem 4. Novbr., nachmittags 21 Uhr,

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T.

in dem Saal der Turngemeinde in Darmstadt statt. Auf tein: direkte Berb der Tagesordnung steht u. a. die Bestätigung des sozialmberg hergestellt

demokratischen Beigeordneten in Offenbach a. M. Bei der Bichtigteit dieser Frage sollen Einladungen an alle Bartei angehörigen und Parteifreunde ergangen sein und dürfte eine

Hessens am 3. und 4. Nov. in Darmstadt schreibt man

über Stangenrob Sungen, 30. Off.

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große Beteiligung an dieser Versammlung zu erwarten sein. des Lotomotioperfor -u- 8um Parteitag der Freisinnigen Partei tation ein Unglüd uns: Die Freifinnige Partei Hessens ist zu neuem, fräftig den noch einige Ba pulfierenden Leben erwacht. Ueberall werden neue Vereine henfteller wurde das gegründet und mit Macht setzt in allen Orten die Agitation diger Erkennung der ein, um dem entschieden liberalen Gebanken zum Siege zu motivführer die Luftb

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verhelfen. Da ist es die höchste Pflicht eines jeden, der ob wohl im Herzen echt liberal, noch säumig zur Seite steht, sich anzuschließen an die Organisation, die eine Ver einigung aller wirklich liberalen Männer darstellt. Nur iter Flies in Düffeld Einigkeit fann hier zum Ziele führen, von rechts und links inberg mit Buftimmun

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die Wähler heranzuziehen, die vorher aus mancherlei Gründen nicht mehr zur Freifinnigen Partei sich rechneten. Der 3. und 4. November müssen ein Denkstein in der Geschichte des echten und unverfälschten Liberalismus Hessens sein. Jeder tue seine Pflicht aufs äußerste und helfe att an der Arbeit. Keiner darf fehlen, der es ernst mit unserer Sache meint! Zeigen wir der Deffentlichkeit die machtvolle Ent schlossenheit einer mit vollem Vertrauen in die Zukunft blickenden Partei. Niemals war der Augenblick günstiger als jeßt, wo sich in allen Gauen Deutschlands die Eckenntnis durchringt, daß nur ein Zusammenschluß aller wirklich liberalen Parteien zu einem gemeinsamen Ganzen unseren elenden politischen Zuständen Besserung bringen fann. Darum nochmals, auf zum Parteitage am 3. und 4. November nach Darmstadt. Dort wird sich zeigen, daß wir einer blühenden Bukunft entgegengehen und daß wir auch die Jugend auf unserer Seite haben. Bei den Verhandlungen sind die Gallerien für andere Personen, auch Gegner, reserviert. Zum Schluß der Tagung wird eine große Boltsversammlung veranstaltet, in der Landtagsabgeordneter Funck- Frankfurt und Pfarrer Korell- Königstädten, der Kandidat des Reichsbereichung der Kaise tagswahlkreises Darmstadt- Groß- Gerau, sprechen werden. Die ganze Tagung verspricht hochinteressant zu werden. Eine start besuchte Bersammlung in Bad Nauheim beschloß, an den Reichstagsabgeordneten Grafen Oriola eine Resolution betr. Grenzöffnung zur Linderung der Fleisch,

not zu richten.

1. Im Kreise Alsfeld sind troß des Lehrermangels nur zwei Lehrerftellen unbefest.

* Bum Lehrermangel wird geschrieben: Gerade jeßt, wo wieder ein größerer Prozentsaz junger Lehrer zum Dienst beim Militär als Einjährige eingerückt ist, macht fich ein empfindlicher Lehrermangel in allen Teilen des Landes bemerkbar. In einzelnen Kreisen, wie z. B. Mainz, Offer bach u. a. ist eine ganze Reihe Schulstellen unbes zt, und es bleibt den Lehrern der betreffenden Gemeinden nichts anderes übrig, als neben ihrer im Winter doppelt an strengenden Arbeit in den eigenen oft recht überfüllten Klassen auch noch den Unterricht in einer becwaisten Klasse zu versehen.

*** In leger Zeit wurden in unserer weiteren Umgebung verschiedentlich Luftballons bemerkt.

* Fürsorgekasse für Gemeindebeamte. Ja Ausschuß der Zweiten hessischen Kammer für die Ver waltungsreform wurde mitgeteilt, daß die Vorstellung der Orts- und Polizeidiener, die am 11. Februar zu Darmstadt beschlossen wurde, von der Regierung in der allernächster Beit beantwortet und wahrscheinlich durch eine in Aussicht stehende Regierungsvorlage betr. die Bildung einer Fürsorge tasse für Gemeindebeamte im Sinne der Drts- und Polizei diener erledigt werden soll.

* Die Viehseuchen sind in der Provinz Oberhesjet fortges gt im Abnehmen begriffen. In den letzten Wocher trat die Schweinefeuche oder Schweinepest, die den Sommet über in den Kreisen Alsfeld und Lauterbach herrschte, nut noch in Burg- Gemünden auf, mehr verbreitet ist noch det Schweinerotlauf.

Die gute alte Zeit. Beim Durchblätte: unserer alten Hausbelege ist uns auch ein Abzug eine Polizei- Tore in die Hand gefallen, die pro 1848 für Buzbac die Fleischpreise feftfeßt. Da es gerade in unserer Beit der Fleischteuerung interessant ist, die früheren Breise den jezigen gegenüberzuhalten, so geben wir die Feffeßung im folgenden wieder. Es foftete im genannten Jahre das Pfund Ochses flis 12 Kreuzer, Kübfleisch, gemästetes, 10 Streuzer, Stübfleisch, ungewäftetes 10 Kreuzer, Rindfleisch, gemästetes 8 Kreuzer 2 Pfg., Rindfles, ungemästetes, 8 r., Kalb fleisch 6, Schweinefleisch 13, Sammelfleisch 9, echaaffleisch 7, Wurst blos von Schweinen 15, Bratwuch 18, Schwarten magen 28, geräucherter Sp& 28, Schinfen 20, Dörfleisch 21, Schweineschmalz, ausgelassen, 27, Schweineschmalz, un ausgelassen, 24, Nierenfett 24 und Hammelfeit 18 Kreuzer.

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