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Annen, 29. November. Es ist anzunehmen, daß sich unter den Toten wenig oder gar feine Arbeiter dec Roburit­fabrik befinden, da zu der Zeit, als die erste Explosion erfolgte, nur der wachhabende Beamte in der Fabrik selbst weilte. Die Roburitfabrik ist bis auf die Grundmauern vollständig vernichtet, alle Häuser im Umkreise von 50 Metern sind zerstört und niedergebrannt, die Einwohner schwer verletzt. Sämtliche hiesigen Wohnungen wurden polizeilich geräumt. Durch die Explosionen der Roburitfabrik sind noch vernichtet die Dampf­tesselfabriken von Kappmann und Lindner und die Ziegelei Edardt. Alle Werke stehen still.

Witten, 29. November, nachmittags. Feuerwehren und Sanitätsfolonnen verlassen den Schauplatz der Katastrophe, da die Firma jede Verantwortung für weiteres Unheil ab­lehnt. In den Gebäuden lagern noch große Mengen Roburit, die jeden Augenblid explodieren fönnen. Diese Explosion dürfte die vorhergegangenen an Heftigkeit übertreffen. Auf den Straßen bewegt sich eine folossale Menschenmenge. Die Krantenhäuser sind gefüllt mit Verwundeten, Toten und Sterbenden. Witten und Annen sind schrecklich zerstört.

Witten, 29. November, 4 Uhr nachmittags. Durch die Roburitexplosion find, wie bisher feststehen soll, 300 Personen getötet oder verlegt worden. Acht Fabriken mußten den Be­trieb einstellen. Bis jetzt sind 34 Leichen geborgen; es werden och 20 Personen vermißt.

Hessischer Landtag.

Zweite Kammer.

dem Boden der bestehenden Gesetzgebung nnd unter Beachtung der verfassungsmäßigen Gleichheit der Staats­angehöigen vor dem Gesetz in Pflichten, wie in Rechten. Soweit es sich hierbei speziell um die Handhabung der Vorschrift der Städteordnung über die Bestätigung der Bürgermeister und Beigeordneten handelt, darf nicht berkannt werden, daß deren Berufung zum Amt zu­nächst auf der Wahl beruht und daß die Städteordnung selbst vorschreibt, welche Personen von der Wählbarkeit ausgeschlossen sind. Einen Ausschluß lediglich wegen der Zugehörigkeit zu einer politischen Partei fennt das Gesetz nicht. Diese Auffassung der Großh. Regierung wird als richtig von den Herren Interpallanten selbst ausdrücklich anerkannt. Die Sozialdemokratie aber als politische Partei nicht gelten zu lassen, weil sie sich selbst außerhalb der gegebenen Staats- und Gesellschafs ordnung stellt, scheint der Regierung insoweit und in­solange nicht angängig, als die Sozialdemokratie ihre Ziele innerhalb der durch die bestehende Gesetzgebung gezogenen Grenzen sowie auf parlamentarischem Wege verfolgt. Nach der dermaligen Rechtslage fann somit einem Wahlergebnis nicht in jedem Falle und blos darum die Bestätigung bersagt werden, weil der Ge­wählte der genannten Partei angehört. Bei der Hand, habung des Bestätigungsrechtes ist in jedem Einzelfall zu prüfen, ob der Gewählte geeignet sei, bei der Ver­waltung der städtischen Geschäfte mit einer das Ge­meindewohl fördernden und zugleich dem Staatswohl nicht zuwiderlaufenden Weise mitzuwirken. Im vor­liegenden Falle ist bei dieser Prüfung die Regierung unbeschadet ihrer grundsäglichen Stellung gegenüber der Sozialdemokratie hauptsächlich aus zwei Erwägungen zu Gunsten des Vollzuges der Bestätigung schlüssig ge­worden. Einmal war auf Artikel 1 des Gesetzes vom 26. Mai 1894 Rücksicht zu nehmen, wonach in erster Linie die Stellvertretung des Bürgermeisters den be­soldeten Betgeordneten zusteht und Art und Maß der Mitwirkung der unbesoldeten Beigeordneten zunächst von dem Bürgermeister zu regeln ist. Dazu kam abgesehen von der an sich gegebenen Möglichkeit einer Hebertragung der Polizei bei Eintritt von Schwierig keiten an die staatlichen Behörden- weiter die Tat sache, daß nach Auskunft von den berufenen Seiten gegen die Person des Gewählten eben nur seine Partei­ftellung eingewendet werden könnte, sowie die auf amtliches Befragen von ihm unter anderem abgegebene Erklärung, daß er sein Amt nach dem bestehenden Ge­ſeze führen und dieses Amt niederlegen werde, falls er hierbei mit seiner Ueberzeugung in Widerspruch gerate. Unter diesen Umständen glaubte die Regierung, daß Unter diesen Umständen glaubte die Regierung, daß fein unzureichender Grund mehr vorgelegen habe, aus dem der Bestätigung hätte widerraten fönnen. Für diese übernimmt daher die Regierung die ihr zufallende diese übernimmt daher die Regierung die ihr zufallende Verantwortlichkeit. Zu der Annahme der Inter­pellanten, daß die Bestätigung eine prinzipielle Aende­rung in der seitherigigen Stellungnahme bedeute, weise ich darauf hin, daß sich sett Erlaß der Städteordnung überhaupt noch kein Anlaß ergeben habe, einer nach deren Vorschriften vollzogenen Wahl die Bestätigung zu versagen( Sehr richtig! bei den Sozialdemofcaten.) Zum Schlusse betone ich ausdrücklich, daß die Be­Ministerial- stätigung des Herrn Eißnert ohne jedes Präjudiz für

Darmstadt, 29. November. Die Sigung wird um 10 Uhr durch den ersten Präsidenten Haas eröffnet, der zunächst der Geburt des Erbgroßherzogs gedenkt. Er bringt den Wunsch zum Ausdruck, daß dem jungen Prinzen eine auf ein gehender Kenntnis des Landes beruhende Erziehung zuteil werden möchte, und schließt mit einem Hoch auf die Großherzogliche Familie. Zur Beantwortung der an die Stammer gerichteten Botschaft des Großherzogs über die Geburt des Erbprinzen schlägt der Vorstand eine Adresse vor. Abg. Dr. David erklärt namens der sozialdemokratischen Fraktion: Wenn wir diesmal einer Adresse zustimmen, so geschieht das nicht, weil wir unseren prinzipiellen Standpunkt gegenüber der­artigen Adressen geändert haben, sondern wir wollen damit zum Ausdruck bringen, das auch wir uns freuen, daß dem Großherzog nach den schweren Schicksals schlägen ein neues Familienglück erblüht ist. In diesem Sinne schließen wir uns der Adresse an. Eine Bes sprechung wird nicht verlangt und die Zustimmung ein­stimmig erteilt. Der Präsident gedenkt sodann der Verluste, die die Kammer seit der letzten Sizung er­litten hat. Zu Ehren der verstorbenen Abgeordneten Häusel und Müller erheben sich die Anwesenden von den Sigen. Hierauf werden die neu eingetretenen Mit­glieder Dr. Osann und Büchner bereidigt.

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Weiter folgt die Beratung der Interpellation der Abgg. Reinhart und Gen. über die

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Bestätigung des Sozialdemokraten Eisnert zum Beigeordneten der Stadt. Offenbach. präsident Braun nimmt das Wort zu folgender Er­flärung: Die Regierung verfennt feineswegs den Gegensatz zwischen dem heutigen Staat und der Sozial­demokratie, als der politischen Partei, welche die von ihr geforderte Aufhebung des Privateigentums an den Produktionsmitteln und die Umwandlung der bestehenden in eine sozialistische Gesellschaftsordnung im Wege des Klassenkampfes und der Eroberung der politischen Macht für die arbeitende Klasse anstrebt. Die Regierung der­urteilt durchaus den verwerflichen Charakter der von der Sozialdemokratie zur Förderung ihrer Bestrebungen angewandten Mittel und ist sich voll bewußt ihrer Pflicht in Wahrung des monarchischen Staatsgedankens und zum Schuße der bestehenden Staats- und Gesell­schaftsordnung auch zu ihrem Teil die diesem Stand punkt znwiderlaufenden Tendenzen und das Vorgeben der sozialdemokratischen Partei zu befämpfen. Mit Aussicht auf Erfolg will dieser Kampf der Großh. Regierung aber nur möglich und zulässig erscheinen, auf

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die Zukunft erfolgt ist, und daß in etwaigen fünftigen Fällen die freie Entschließung der zuständigen Stelle Fällen die freie Entschließung der zuständigen Stelle nur unter der selbstverständlichen Beachtung größter Vorsicht und auf Grund der Erfahrungen im vor­liegenden Falle ergehen wird. liegenden Falle ergehen wird.

griffe betreffe, die gegen die Regierung gerichtet wo seter, so halte lettere eine gedeihliche Fortführung Geschäfte nur dann für möglich, wenn die Star bereit ist, unbeschadet des vorliegenden Falles mt Ministern die gemeinsame Arbeit fortzusetzen.

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* An den am 4. Dezember im Großherzogli brigens jetzt sch

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Hause stattfindenden Tauffeierlichkeiten me außer einem Vertreter des Deutschen Kaisers und Vertreter des Königs von England nur die nad Verwandten der Allerhöchsten Herrschaften, ferner Diplomatie, die Spitzen der Behörden und der staat teilnehmen. Nach Beendigung der Taufhand findet im Neuen Palais eine Frühstückstafel statt. * Die hessischen Handelskammern beschlo als ihren Vertreter in die Zentralstelle für Band Fattfindenden Ku statistik den Syndikus Schloßmacher in Offenbad den ältesten geschäftsführenden Beamten der heffi Handelskammern vorzuschlagen. Der von der Hand fammer Mainz vorgeschlagene Entwurf eines statisti Jahrbuches wurde gutgeheißen. Es soll für 1906 ersten Mal erscheinen.

-e Die Freiwillige Sanitätstolone in Gemeinschaft mit der Eisenbahn- Sanitätsmannid auf der Staße zwischen Lollar und Daubring eine Uebung abhalten. Es wird angenommen, daga Eisenbahnzug dort entgleist ist und die Sanitätsman schaften haben die Aufgabe, die Verwundeten mittels eines Sanitätshalbzuges nach Gießen zu bringen.

* Dem Landesverband der militärischen Be im Großherzogtum ist aus dem Präsidium ein Anta zugegangen, der eine Einschränkung der Gli wünsche und Huldigungstelegramme und Schce an den Kaiser und an den Großherzog seitens militärischen Vereine bezweckt. Der Antrag berlo die Herbeiführung eines bindenden Beschlusses darü ob weiterhin außer durch den Landesverband a durch sämtliche Einzelvereine bei fürstlichen Feſten anderen Gelegenheiten besondere Telegramme und schriften an die beiden Souveräne abgehen sollen.

* Die Leiche im Koffer. Wie aus Kaffel richtet wird, beginnt dort am 5. Dezember bor Schwurgericht die Verhandlung gegen den Mi händler Wilhelm Meyer aus Meschede. Meyer it Raubmords an der Frau Vogel in Bad- Wildungen geklagt. Für die Verhandlung find vorläufig 3 vorgesehen. Die Zahl der Zeugen und Sachverständi beträgt etwa 50. Meyer, der bon einem Kölner Red M auwalt verteidigt wird, bestreitet entschieden, den verübt zu haben

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*** Viehmarkt zu Gießen. Bei dem a 27. und 28 November stattgefundenen Markte ma aufgetrieben 1058 Stück Rindvieh, 263 Schwein Der nächste Markt findet um 11. und 12. Dezem statt; am letzteren Tage auch Krämermarkt.

§ Aus der Wetterau, 29. Nobbr. Unsere Fe werden von Schnecken und Mäusen arg heimge Das milde Herbstwetter war ihrer Entwicklung gemein günstig. Viele Gemeinden haben einen m mlt Gift gegen die Schädlinge unternommen, doch spricht der Erfolg nicht den Erwartungen, da die M sehr vorsichtig in der Wahl ihrer Nahrung fiud.

Auf Antrag des Abg. Reinhardt wird die r. Ruttershaus u, 28 Nov. Am 8. Dezember abends 8 Uhr wird Lehrer Volk zu Schadenbad, Besprechung der Interpellation beschlossen, diese aber bis nach Drudlegung der Regierungserflärung bertagt. hiesigen Kriegerverein über unsere stolonien in Staatsminister Ewald führte noch aus, die Regierung und am 9. Dezember, nachmittags 3 Uhr, im Scie verstehe das Bedauern, daß die Bestätigung des berein zu Mainzlar über große Männer det Sozialdemokraten bei vielen Abgeordneten hervorgeheitskriege sprechen, wozu die Nachbarvereine und for rufen habe, und gebe auch zu, daß die Bestätigung zu Ortsangehörige eingeladen find. dem Mißverständnis Anlaß geben fonnte, als stehe die Regierung der Sozialdemokratie gleichgiltig gegenüber. Die Regierung sei nicht frei in ihren Entschließungen, Die Regierung sei nicht fret in ihren Entschließungen, wie die Parteien, sie müsse sich auf den gesetzlichen Boden stellen. Sie habe pflichtgemäß geprüft, ob die Persönlichkeit des Betreffenden sich zu diesem Amt eigne, und habe nichts auszuseßen gefunden. Was die An­

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× Schadenbach, 28. Nov. Den Hauptn von Röpenick scheint gestern Nacht ein Dient von hier gespielt zu haben; denn er kam abends 11 Uhr auf die hiesige Bürgermeisteret und zeige daß er auf dem Heimwege von Deckenbach im E beim sogenannten Bornföppel von einem Unbeli überfallen worden sei. Er habe sich aber fräftg Stübchen mit Bet

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