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Deutfcher Reichstag.

( 122. Sigung.)

CB. Berlin, 20. November.

Vor schwach besetzten Bänken und noch schwächer be ezten Tribünen wurde heute im Reichstage die gestern be gonnene zweite Beratung der Abänderungen der Gewerbe ordnung, welche die

Einführung eines Befähigungsnachweises für das Baugewerbe bezweden, weitergeführt. Die Regierung war dabei wie gestern durch den Staatssekretär des Reichsamts des Innern, Grafen von Posadowsky, vertreten. Die Mitteilung des Staatssekretärs, daß dem Hause in diesen Tagen ein Gesez­entwurf zugehen werde, der für den Titel Baumeister" oder Baugewerksmeister" Schußbestimmungen enthält und gleich zeitig vorschreibt, daß in Zukunft nur solche, die den Titel Meister" erworben haben, Lehrlinge halten dürfen, wurde bon den Konservativen, in deren Namen Abgeordneter Maltewiz sprach, freudig und dankbar begrüßt. Herr Mallemiz betonte dabei, daß der Schuß des Handwerks einer der Hauptpunkte des tonservativen Programms sei. Danach stimmte der Redner der Vorlage nachdrücklich zu. Dasselbe taten die Nationalliberalen, in deren Namen Abg. Böttcher bemerkte, die Vorlage werde hoffentlich dazu beitragen, etwas mehr Solidität in das Baugewerbe hinein­zubringen. Von sozialdemokratischer Seite bemängelte Abg. Frohme den Inhalt der Vorlage als nicht bestimmt und flar genug. Diese Ausführungen gaben dem Abg. Gamp von der Reichspartei Anlaß zu der Bemerkung: Die Rede Frohmes sei ein neuer Beweis dafür, daß die Sozial demokraten dem Handwerk nicht helfen wollten.

Staatssekretär Graf Posadowsty trat für die un­beränderte Annahme der Vorlage ein, indem er darauf hin­wies, daß der Befähigungsnachweis, der durch den ange fündigten Entwurf eingeführt werden solle, nicht technischer, sondern moralischer Natur sei. Lehrlinge solle nur derjenige halten und erziehen dürfen, der selber eine ordentliche Er ziehung genoffen habe. Gleichzeitig nahm der Staatssekretär Beranlassung, fich über den allgemeinen

obligatorischen Fortbildungsunterricht auszusprechen, dessen Einführung Abg. Trimborn bom Bentrum gestern begehrt hatte. Graf Posadowsky bezeichnete diese Forberung als zu weitgehend. Die finanziellen Auf­wendungen, die sie zur Folge haben würde, ließen sich nicht übersehen. Außerdem seien in vielen Orten die Vorbereitungen für einen solchen Unterricht nicht vorhanden.

Die weitere Debatte zog sich noch lange hin. E2 beteiligten sich an ihr der Antisemit Werner und der Zentrumsabgeordnete Euler, die in breiten Ausführungen auf das Entschiedenste für den umfassenden Schuß des Hand­werks und damit für die Vorlagen eintraten, und der Sozial demotrat melburg, der die von seiner Partei gestellten Anträge, die einen größeren Schutz der Bauhandwerker fanden, begründete. In später Stunde tam noch der Konservative Pauly zum Wort, der unter Bekämpfung der sozial demokratischen Anträge für einen entschiedenen Schuß des Handwerks eintrat.

Soziales Leben.

X Deutscher Arbeitgeberverband. Die Hauptstelle der deutschen Arbeitgeberverbände hält am 4. Dezember in Berlin ihre Hauptversammlung ab. Auf der Tagesordnung stehen folgende Beratungsgegenstände: Schußverband gegen Streif­schäden; neuere Ausstandstaktik der Arbeiterorganisationen; Streifstatistik.

X Lohnerhöhung im amerikanischen Textilgewerbe. Die Baumwollfabrikanten in Massachusetts bewilligten 25 000 Ar­beitern eine fünfprozentige Lohnerhöhung, welche am 26. d. M. in Kraft treten soll. Damit beträgt die Lohnsteigerung in den letzten 13 Monaten insgesamt 20 Prozent. Es ist noch nicht bekannt, ob die Arbeiter auf der ganzen von ihnen ver­lasgten Lohnerhöhung von 10 Prozent bestehen werden.

Nab und fern.

S0

Schweinefleisch wird billiger. Ein Rüdgang der Preise für lebende Schweine macht sich in den letzten zehn Wochen auf dem städtischen Viehhofe in Berlin bemerkbar. wurden am 8. resp. 12. September für lebende Schweine mit 20 v. H. tara 134 bis 144 Marf für 100 Kilogramm Schlacht­gewicht notiert, jetzt nur noch 114 bis 128 Mart. Jm Klein berfehr haben die Preise bisher noch nicht nachgelassen.

Das Fleisch wird billiger! In Frankfurt a. M. fand eine Sigung der Preiskommission der Fleischerinnung statt, in der beschlossen wurde, für Schweinefleisch und Wurstwaren einen Abschlag eintreten zu lassen, dessen Höhe och fest­gesetzt wird.

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Wetterschäden. Wiederum haben gewaltige Stürme und Wolkenbrüche an verschiedenen Orten großen Schaden angerichtet. Folgende Meldungen liegen vor:

Marburg, 19. November. Jm ganzen nördlichen Teil der Provinz Hessen- Nassau und den angrenzenden Gebieten tobten gestern abend orfanartige Stürme mit Gewittern und starten Regengüssen; nachts trat vereinzelt Schneefall ein.

Cughaven, 18. November. In der verflossenen Nacht ist auf der Nordsee und an der Elbmündung ein schweres Sturmwetter ausgebrochen. Der Wasserstand erreichte hier fast Sturmfluthöhe. Auf der Unterelbe strandete die deutsche Viermastbart Hans". In bedenkliche Lage geriet das Lotsenboot vom Elbfeuerschiff 4, das mit der Besagung vertrieben wurde. Doch erhielt es recht­zeitig Rettung.

Frankfurt a. M., 19. November. Jm Rhöngebiete ist starter Schneefall eingetreten. Der Taunus ist bis zur 300- Meter- Höhengrenze herab in eine Winterlandschaft ver wandelt. Im badischen Schwarzwald hat es zum ersten­male geschneit, und der Harz ist in Schnee gehüllt. Auch die Kälte hat ihr erstes Opfer gefordert. Bei Trier wurde der Bergmann Zahler auf der Landstraße erfroren auf­gefunden.

Menghis( Tenessee) 19. November. Während eines Sturmes, der Teile von Alabama, Mississippi und Tenessee heimgesucht hat, find acht Personen ums Leben gekommen und eine große Anzahl verlegt worden; viel Eigentum und die Saaten haben schweren Schaden gelitten, viele Häuser find vom Erdboden verschwunden oder teilweise zerstört. Einige Teile des Landes find überschwemmt und die Eisen­bahn- und Telegraphen- Verbindungen vielfach zerstört. Es ist wohl möglich, daß die Zahl der Todesfälle sich später als größer herausstellen wird.

Köpenid in Stuttgart. Vor der Schloßwache in Stutt­gart erschien gestern abend ein Mann in Majorsuniform und befahl, die Wache herauszurufen. Dem Befehl wurde Folge geleistet. Als jedoch die Wache antrat, lief der Major, offen­bar ein Schüler des Köpenider Hauptmanns, davon. Die Patrouille konnte ihn nicht einholen.

Stoff zu einem Kriminalroman. In Pforzheim wurden im September der Tagelöhner Enghofer und seine Söhne Friedrich und Josef in ihrer Wohnung aufgefunden, an scheinend erkrankt infolge von Vergiftung. Die Söhne er. holten sich wieder, der alte Enghofer mußte jedoch nach dem Krankenhause gebracht werden. Nach seiner Entlassung aus diesem wurde eine Untersuchung gegen ihn eröffnet, diese aber wieder niedergeschlagen. Sonntag fand man den Alten und Friedrich Enghofer auf dem Fußboden liegend vor. Die ärztliche Untersuchung ergab, daß sie an Vergiftung gestorben seien. Das weitere werden die gerichtlichen Ermittelungen ergeben.

Kohlenoxydgas- Vergiftung.

Zwei Monteur,

der 27 jährige Mar Tomaschte und der 24 jährige Flormann hatten Nachtwache in dem Keller eines großen Berliner Handelshauses, wo ein großer Kessel montiert wurde. Als die Arbeitskollegen der Wächter am anderen Morgen den Keller betraten, fanden sie die beiden Monteure durch Kohlen­orydgas vergiftet, am Boden liegend vor. Mit Hilfe des Sauerstoffapparates gelang es den F. wieder ins Leben zurückzurufen. Dagegen waren bei T. alle Bemühungen ver geblich. Er war den Wirkungen der Orydgase bereits erlegen.

Im Bett verbrannt. Der Tischlergeselle Brosemann in Rixdorf war ein leidenschaftlicher Raucher, der jedoch so fahrlässig war, im Bett noch weiter zu rauchen. Nun ist Brosemann ein Opfer seines Leichtsinns geworden, er hatte sich wieder mit brennender Tabatspfeife ins Bett gelegt. Ein Funken entzündete seine Liegestatt, und am andern Morgen fanden die Wirtsleute des Br. seine stark angefohlte Leiche.

Ein moderner Othello. In Magdeburg hat der 25 Jahre alte Instrumentenmacher Anton Schreiner, ein Witwer, die 38 Jahre alte Witwe Anna Preißig, geb. Heise, Mutter vor vier Kindern, bei der er wohnte, aus Eifersucht erschossen; dann hat er sich auf gleiche Weise selbst den Tod gegeben Er unterhielt mit der Getöteten ein Liebesverhältnis und wollte sie heiraten.

Explosion im Krankenhaus. Im Krankenhaus von Czenstochau explodierten 3600 Gramm Aether. Der Operationssaal ist stark beschädigt. Die Wände drohen ein­zustürzen. Zwei Spitalarbeiter haben schwere Brandwunden erlitten. Ein Hospitalarzt hat eine Gehirnerschütterung

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Brand eines Hotelrestaurants. Im Hotelrestaurant Zum Ratskeller" in Köln brach Feuer aus, wobei ein Amerikaner namens Mathias Gildenbach derartige Brand wunden erlitt, daß er alsbald verstarb. Die zahlreichen übrigen Hotelinsassen wurden durch die sofort auj genommenen Rettungsarbeiten der Kölner Feuerwehr vor Schaden bewahrt.

+ Eisenbahnzusammenstoß. Auf dem Bahnhof Dieden, hofen fuhr der Schnellzug 10 auf stehengebliebene Wagen des Buges 6637. Der Lokomotivführer wurde schwer verletzt. Zwei leichtverletzte Reisende haben nach ärztlicher Behandlung die Meise fortacfest. Der Rotish it mid art.

Ein historischer Tag. Die 250. Wiederkehr des Tages, an dem in dem Ordensschlosse von Labiau der Vertrag bon Labiau geschlossen und damit die Souveränität des Großen Kurfürsten über das Herzogtum Preußen von Schweden an erkannt wurde, wurde unter allgemeiner Beteiligung auf Stadt und Kreis Labiau festlich begangen. Den Mittelpunt der Feier bildete die Enthüllung des Kriegerdenkmals mil den Bildnissen Kaiser Wilhelms des Großen und des Großen Kurfürsten.

+ Der Eisenbahnattentäter Rüder, welchem vor kurzem der Zahnarzt Claussen zum Opfer fiel, ist dringend verdächtig vor einigen Monaten auch das Dienstmädchen Dora Bur meister ermordet zu haben. In einem Koffer, welcher bei einer früheren Logiswirtin als Mietepfand blieb, wurden blutbefleckte Kleidungsstüde gefunden, welche die Logiswirtia als Eigentum Rüders anerkannte. Außerdem erkannte ful auch das bei der ermordeten Burmeister gefundene Messa als das Rückers an.

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§ Die bekannte Frauenrechtlerin Dr. jur. Anita Angs Durg hatte sich in Hamburg megen Beleidigung der dortigen Polizeibehörde und ihrer ausübenden Organe zu verantworten, Frl. Augspurg soll bei Gelegenheit der Hamburger Wahl rechtskrawalle am 17. Januar d. J. einigen Sajuz.euten au offener Straße zugerufen haben: Diese Gesellen glauben fi heute alles erlauben zu können. Seht euch bloß die Kon stabler an, nicht für fünf Pfennige Anstand besitzen die Gesellen. Die gemeinen Kerls fallen wie Wölfe über die Menschen her und üben ihre Wut aus!" Am Tage nach der Krawallen am Schoppensichl und vor dem Rathause ver öffentlichte die Angeklagte in dem Hamburger General anzeiger" einen Artikel, den sie mit dem Titel: Aus schreitungen der Hamburger Polizei" überschrieb und in dem fie erzählte, daß die Schußleute auch sie und ihre Begleiterinnen mit dem Säbel bedroht haben. Sie sprach dann von Un taten der Polizei", die nicht beziusdit" werden dürften, und davon, daß die Polizeiverwaltung durch ihre unkluge En blößung des Kaschemmenviertels von aller Aufsicht die un mittelbare Ursache zu den Tumulten gegeben habe. Alles, was sonst an anderen Stellen vorgekommen sei, habe nicht in Ruhestörungen oder Exzessen seitens des Publikums be standen, sondern in kopflosen Ausschreitungen der Polizisten, die in sinnloser Wut über die ahnungslosen Passanten her fielen." Die Anklage gegen Fräulein Dr. Augspurg laute auf Vergehen gegen§§ 185, 186, 73 und 74 Str.G.B. unt § 20 des Preßgesezes. Als Zeugen find u. a. mehrere bei dem Straßenkampfe beteiligte Schuhleute und Verwundet geladen, nachdem die Angeklagte sich zur Führung de Die Angeklagte stellt in Wahrheitsbeweises erboten hat. Laufe ihrer verantwortlichen Vernehmung entschieden in Abrede, den Schuhleuten gegenüber die ihr zur Last gelegte beleidigenden Aeußerungen geton zu haben.

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§ Der Raubmörder Hennig hat durch seinen Verteidige das Wiederaufnahmeverfahren beantragt und dadurch erzielt daß die Volstreckung des über Hennig verhängten Tods urteils aufgeschoben wird, bis die Entscheidung über den Er trag auf Wiederaufnahme gefällt ist. Hennig hofft, daß e bei einer zweiten Verhandlung nicht mit dem Tode bestre werden, sondern mit lebenslänglichem Zuchthause dava

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71 92 412( 500) 47 90 7 ( 600) 188011 107 60 4 17071 209 25( 6 94 17 2011 74 131( 6 69( 500) 403 48 501 866 991( 500) 96 176004 774 862 967 88 94( 100

18038 64 377( 10 3000) 448 707 802 ( 3000) 385 959 18 804 429 683 791 803 8 190207 55 380

45 322 492 827 822 92

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75 84 97 20423 30 3 713 978 207182 710 500) 409 941

210247 71 420 5 237 316( 600) 29( 3000 91208 310 27 448 6 149 78 270 81 312 4

813 23 41 217243 4 508( 500) 9 40 219 220428 32 514 878 22325 59 2025 82 225284 6 3 701 16 69 83 88 ( 500) 88 193 268( 500

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258051 499 689 260061( 500) 262102 386 485 95

( 500) 96 257 83 2

209 447 71 806 876 250 92 300 962 2 270012 213 35 272416 372 617 5

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