Ausgabe 
17.11.1906 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Bunte Tages- Chronik.

Berlin, 14. November. Das Automobil, das einem hiesigen Bankdirektor am Kurfürstendamm gestohlen worden war, ist wiedergefunden worden. Der noch nicht ermittelte Dieb hat von dem neuen Wagen verschiedene Teile abgebrochen und ihn dann auf Schöneberger Gebiet stehen lassen.

Halle a. d. Saale, 14. November. In der vorletzten Nacht wurde von einem Einbrecher die Kasse des Amts­gerichts Boerbig ausgeraubt. Der Einbrecher wurde heute mittag hier verhaftet. Von dem gestohlenen Gelde wurden 3200 Mart noch bei ihm vorgefunden. 88 Mark fehlen.

Gent, 14. November. Jm belgisch- luxemburgischen Grenz­dorf Bras wurde ein Arbeiter namens Brüll von seiner Ehe­frau nachts ermordet. Er war erst drei Monate mit seiner Frau verheiratet.

Reikjavik, 14. November. Auf Nord- Island brach eine Sturmflut mit Erdbeben ein. 38 ausgelaufene Boote mit über 100 Schiffern werden vermißt.

Vermischtes.

== Eine Dampfpfeife im Reichstage. An Stelle des bisher üblichen Klingelzeichens wird jezt, wie Graf Ballestrem im Seniorentonvent mitteilte, eine Dampfpfeife die Abgeordneten zu den Abstimmungen zusammenrufen. Die Dampfpfeife ist an zehn verschiedenen Stellen des Reichstages angebracht worden, und ihre Mahnung soll so deutlich sein, daß sie kaum überhört werden kann.

=

Mit der Zimmerdecke eingebrochen ist in Lutter am Barenberge die Familie des Knechtes Spinti. Eben im Begriff, sich schlafen zu legen, begann ein verdächtiges Knirschen der Zimmerbalken, und ehe man fich's versah, fand fich die ganze Familie in dem unter dem Zimmer befindlichen Stall wieder. Die aus legterem aufsteigenden feuchten Gase hatten das Gebält im Laufe der Jahre zum Faulen gebracht, sodaß sie nicht mehr widerstandsfähig genug waren. Leider soll ein Kind ernstlich verletzt worden sein.

=

Abgekürztes Chefcheidungsverfahren. In einer Wirt­schaft in Antwerpen hatten sich ein blondes Mädchen und ihr Liebhaber ein Stelldichein gegeben. Plötzlich betrat eine andere Dame das Lolal und stellte sich der Blondine als die

Gattin ihres Bräutigams" vor; sie fügte aber gleich die Bitte an, fich durchaus nicht stören zu lassen. Sie rief alle übrigen Gäste zu Zeugen dafür an, daß sie ihrer blonden Konkurrentin für immer ihren teuren Mann überlasse. Ehe sie das Lokal verließ, gab sie noch eine Runde Bier zum besten und gratulierte der Braut zu der gemachten Eroberung. Welchen Eindruck diese unverhoffte eheliche Verabschiedung auf die antwesenden Gäste machte, kann man sich denken.

Arbeitsvergebung.

Die nachstehenden bei der Erbauung der Bade­

==

Eine mysteriöse Sache ist die Ermordung der Frau Medizinairat Molitor in Baden- Baden. Hierzu werden jezt folgende Einzelheiten bekannt. Die Ermordete wurde vor einiger Zeit telegraphisch nach Paris zu einer dort wohnenden Tochter gerufen. Da sich später das Telegramm als gefälscht erwies, ließ Frau Molitor nach dem Aufgabeformular der Depesche amtlich recherchieren. Gestern wurde e nun tele phonisch benachrichtigt, daß dieses Formular beim Postamt in Baden- Baden eingetroffen sei. Es handelte fich aber wiederum um eine Mystifikation, da tatsächlich der Eingang des betreffenden Formulars nicht erfolgt war. Frau M. begab sich in Begleitung ihrer Tochter auf den Weg, offenbar gefolgt von dem Attentäter, welcher in der Kaiser Wilhelm­straße unmittelbar bei den sog. Lindenstaffeln aus allernächster Nähe hinterrüds einen Revolverschuß auf sein Opfer abs feuerte. Unter dem dringenden Verdacht, der Mörder der Frau M. zu sei, steht der Schwiegersohn der Grimordeten, der Rechsanwalt Karl Horn aus Berncastel bei Trier, ber bon der Karlsruher Staatsanwaltschaft steckbrieflich gesucht wird. Italienische Berbrechervanden. Eine Mailänder Ber­brechergesellschaft, die sich Scopola"( die Ohrfeige) nennt, hat ihr umfangreiches Schuldfonto durch eine neue Bluttat sawer belastet. Das Verbrecherkleeblatt, zwei Weiber und zwei Männer lockten den Milchhändler Lazzaroni in eine abgelegene Gegend, wo sie ihn dann ermordeten. Der Leich­nam wurde von den Mördern einige hundert Meter weit geschleppt, dann nahm man ihm Ringe, Uhr, Kette und das Geld bis auf wenige Lire ab. Eins der beiden Weiber holte einen Busch roter Relfen aus einem benachbarten Garter und legte ihn neben dem Kopf des Leichnams nieder, um dadurch an einen Selbstmord glauben zu machen. Nach vollendeter Tat fühlte sich die saubere Gesellschaft nicht im mindesten durch Gewissensbisse beschwert. Den ganzen folgenden Tag lagen die vier Verbrecher in einer Vorstadt­fneipe, schmausten, zechten und tanzten zu den Klängen eines Leierlastens, bis sie verhaftet wurden.

=

Ein Jrrenhaus für Millionäre. In Newyork macht ein eben erschienenes Buch Die Bastille der oberen Vier­hundert" viel Aufsehen. Der Autor, der Millionär Chandler, war mit der Schriftstellerin Amelia Rives verheiratet, die seit langem von ihm geschieden ist und die Gattin des russischen Fürsten Troubeztoi wurde. Chandler war auf Veranlassung seiner Verwandten furz nach seiner Scheidung in das Blomingdale Jrrenhaus gebracht worden, wo cr widerrechtlich jahrelang festgehalten wurde. Es gelang ihm jedoch später zu entfliehen, und eine große Anzahl der her­vorragendsten Psychiater Amerifas begutachteten, daß Chandler völlig normal sei. Chandler behauptet in seinem Buche, daß in einer ganzen Anzahl ähnlicher Fälle Angehörige der reichen Newyorker Familien ins Irrenhaus gesperrt worden seien, damit den Verwandten die Verfügung über das Ber­mögen der er nicht entginge.

häuser IX und X vorkommenden Arbeiten werden hier- re mit auf Grund des Ministerial- Eclasses vom 16. Juni 1893 zur Vergebung öffentlich ausgeschrieben:

1. Betonarbeiten Los I: 1650 qm Eisenbeton­decken, 450 qm Monierwände, 320 qm Rabißgewölbe 2c. 208 II: 1800 qm Eisenbeton, 400 qm Monterwände, 260 qm Rabiggewölbe usw.

2. Zimmerarbeiten 208 I: 85 cbm Tannenholz zu liefern, 1700 m Holz zu bearbeiten, etwa 65 Ifd. m Hauptgefims, 130 qm Dachschalung, ferner fleinere Ge­simse, Gauben u. a. m. Los II: 290 cbm Tannenholz zu liefern, 14500 m Holz zu bearbeiten, ferner Gesimse, Dachgauben, Dachreiter u. a. m. 208 III: 300 cbm Tannenholz zu liefern, 15000 m Holz zu bearbeiten, sonst wie Los II.

3. Eisenlieferung 208 I: 24700 kg Profileisen zu liefern. Los II: 38000 kg wie vor.

4. Dachdeckerarbeiten Los I: 450 qm Ziegel­deckung( Kronendach) mit Nebenarbeiten. Los II: 2900 qm Dachdeckung wie vor. Los III: 2400 qm mte vor. 5. Grobschlosserarbeit Los I: 3400 kg bernictete Stüßen, 1700 kg Kleineisenzeug, 6000 kg Träger zu be­arbeiten. Los II: 3100 kg bernietete Stüßen, 1700 kg Kleineisenzeug.

Hus dem Gerichtsfaal.

§ Strafbarer Lärm im Hause. Das Landgericht I Berlin hat in einem Falle entschieden, daß unter Umständen ein Mieter wegen Lärmes, der aus einer anderen Wohnung in die feinige dringt und ihn in der Arbeit und im Schlafe stört, vom Mietsvertrage zurüdtreten kann. Diesem wichtigen Erkenntnis lag folgender Tatbestand zu Grunde: Der Mieter, der zu Hause geistigen Arbeiten oblag, wurde durch über mäßigen Lärm in der über ihm befindlichen Wohnung fast zur Verzweiflung gebracht. Noch nach 11 Uhr nachts tönte Getrampel und Türschmeißen herunter; es wurde viel Klavier gespielt auch noch nach 12 Uhr nachts und beim Bubettgehen schienen sich die Oberwohner ein Vergnügen daraus zu machen, die Stiefel mit aller Bucht auf die Erde zu werfen. Der gemarterte Mieter wandte fich um Abhilfe an den Hauswirt, stellte ihm eine Frist zur Abstellung des Uebels, und als er damit feinen Erfolg erzielte, fündigte er das Mietsverhältnis ohne Ein. haltung einer Kündigungsfrist. Das Gericht gab dem Mieter Necht, da das Eindringen von Geräuschen, welche die Be nuzung der Wohnräume zum geifigen Arbeiten und zum Ruben in übermäßiger Weise beeinträchtigen, sich als die Ent ziehung eines erheblichen Teiles des vertragsmäßigen Ge brauchs der Mietwohnung im Sinne des§ 542 B. G. darstellt. Man wird also, wenn der Wirt in solchen Fällen auf Ersuchen nicht für Abhilfe sorgt, ihn auch schadensersat pflichtig machen fönnen, da er den Vertrag dann schuldhaft berlegt Der Hauptmann von Ripenid" wird fich voraussicht lich noch in der diesjährigen Schwurgerichtsperiode zu ver antworten haben. Die Voruntersuchung gegen Voigt nähert fich ihrem Ende und wird vor Ablauf dieser Woche bereits abgeschlossen sein. Zur Hauptverhandlung wird ein gewaltiges Beugenmaterial aufgeboten werden, so daß der Prozeß mehrere Tage in Anspruch nehmen wird. Voigt ist jezt von jemner Krankheit gänzlich wiederhergestellt.

§ Der photographierte Dicb. Während des Stehlens photographiert wurde der Handlungslehrling Mar Gläsel aus Adorf. Der junge Mann fam mit seinem Taschengelde nicht aus. Um diesem Mangel abzuhelfen, bergriff er sich an der Kasse des Prinzipals, indem er mittels Nachschlüssels das Arbeitspult desselben öffnete und daraus nach und nach gegen 100 Mart entwendete. Um den Dieb in flagranti zu erwischen, bediente fich der Bestohlene eines eigenartigen Mittels. Er brachte den Pultdedel mit einem wenige Meter davon aufgestellten Photographieapparat elektrisch in Ver bindung. Als der Deckel des Pultes gehoben wurde, löste sich der Verschluß des Apparates, und das Bild des Diebes befand sich im Nu auf der Platte. Auf diese Weise wurde der Lehrling überführt, als er eines Tages wiederum der Kasse feines Prinzipals einen unvermuteten Besuch abstattete. Die Straffammer in Plauen verurteilte den Leichtsinnigen zu drei Monaten Gefängnis.

FÜRSTLICHE BRAUEREL KÖSTRITZHÜRINGEN

TRADE

AND

LIVERPOOL

200

FRINZ FE

WIEN

EXHIBITAN FOR HYC

QUEEN

LONDON IES LONDON

Gegründet 1696

VENEDI

VICTORIA

AL MERITY

50852

Jt

RUNGSMITTE

NAHR

MAGDEBURG 1993

HERNATIONALS

URS

GENDE

SEN

MAGDEBURG

INGIN

DER

TENTOON

DAM 183

AMSTERDAM

BRAT

LEIPZIG

Gegründet 1696

Köftriker Schwarzbier.

WAAREN

ZEICHEN

Dieses altberühmte Bier, welches infolge seines großen Malz- und Würze- Extrattes und geringen Alkoholes besonders Kindern, Bintarmen, Wöchnerinnen, nährenden Müttern und Refonvalescenten jeder Art von hohen medizinischen Autoritäten empfohlen wird, ist zu haben in Giessen bei Fr. Kühnhold, Bier- Depot, Ludwigstraße 55. Man verlange ausdrücklich nur das echte

, Köstritzer Schwarzbier".

LocomobileN

( fahrbar m. Wanderconzession.)

Kopfläuse

Flöhe, Wanzen

s. deren

6. Spenglerarbeiten Los I: 480 m Rinnen aus Kupfer, 65 m desgl. in 3ink, 210 m Abfallrohre in 1 Std. v. Lanz 89 erbet. fein hergerichtet 7-9 P. S. Brut befeit ohne Gefahr f. Gesundh. Kupfer, 35 m in Zink u. a. m., ferner 3 Dachreiter in 1 Kupfer. Los II: 325 m Rinnen in Stupfer, 90 m desgl. 1

90

"

"

"

" 1

97

"

"

"

"

in Zint, 180 m Abfallrohre in Kupfer, 30 m desgl. in billig" abzugeben. Zink, sonst wie Los I.

7. Bligableiteranlage Los I: 5 Auffangstangen 25 Spizen, 400 m Leitungsdraht usw. Los II: 4 Auf­fangstangen, 24 Spißen, 350 m Leitungsdraht usw.

8. Weigbinderarbeit Los I: 500 m Gesimse zu streichen. Los II: 550 m wie bor.

Zeichnungen, Bedingungen und sonstige Unterlagen sind auf unserem Amt zur Einsicht aufgelegt. Angebots­bordrucke werden zum Selbstkostenpreis( so weit der Vor­rat reicht) abgegeben. Zeichnungen fönnen nicht ver­schickt werden, ausgenommen diejenigen für die Beton­arbeiten.

Die Angebote sind verschlossen, porto- und bestell­geldfrei und mit der Aufschrift Verdingung Bade­haus IX und X Angebot auf.... Loos..." an die unterzeichnete Behörde bis spätestens Dienstag, den 4. Dezember, vormittags 11 1hr einzureichen. Eröffnung der Angebote erfolgt zur selben Zeit in Anwesenheit etwa erschienener Bewerber.

Zuschlagsfrist 4 Wochen, für die Eisenlieferung

8 Tage.

Der Zuschlag soll möglichst nach Losen getrennt, fanx aber auch auf mehrere Lose eines Gewerkes erteilt werden.

Bad Nauheim, 10. November 1906.

Großh. Baubehörde für die Neubauten

ia Bad Nauheim.

Jost.

Parasiten- Seife

Feuerbüchse neu 12-17

"

"

Ausziehkessel 20-30

" 1

"

b. Hahn& Hasselbach, Dresden

à St. 50 Bfg., Georg Wallenfele.

Herborner Pumpenfabrif, Herborn.

Die höchste Auszeichnung

der Grand Prix wurde den auf der Weltausstellung Mailand 1906 ausgestellten

Gritzner­Nähmaschinen

zuerkannt. Ein neuer Beweis der Ueberlegenheit dieses Fabrikats.

1 Millionen im Gebrauch!

Generalvertretung:

Wilhelm Jung VIII.

Klein- Linden- Giessen.

Spazier Stöcke

bon einfachsten bis feinften führen wir in einer Aus:

mahl die dem verwöhntesten Geschmack Rechnung trägt auch in Silbergriff n sowie

Gold und Silber eingelegt. Anerkant billige Preise.

Casseler Schirmfabrik

Sießen, Selter8wrg 9.

Kartoffeln

für den Winterbedarf prima Ware liefert zu den billigsten Tagespreisen frei Keller.

H. Trechsler, Giessen, Steinstraße 48.

Telephon 581

Bettnässen

( auch Hosennässen) beseitigt unt. Garantie sofort! Alter, Ge­schlechtsangabe. Retourmarke erbeten! Auskunft erteilt um­sonst: Institut> Sanitas<, Stadt­amhof 112 in Bavern.

Für Leute aller Stände.

Glänzende Einnahmen. Jahre hindurch sichert sich, wer schnell den Orts- oder Bezirksalleinverkauf eines grossartigen Patent­Massenartikels übernimmt, Riesen- Absatz. Laden und Kapital unnötig. Ein durchaus reeller Artikel, dessen Ver­trieb keinen Verdruss, sondern hohe Befriedigung bringt. Keine Uebertreibung! Ein Versuch beweist. Prospekte u. Alleinverkaufs- Konditionen gratis. Man schreibe Postkarte an Karl Frische in Kaldenkirchen( Rheinl.).

Römerbrunnen

Mineralquellen bei Echzell, Oberhessen, von altersher rühmlichst befannte ineralquelle der Wetterau, seit 1823 gefaßt und zu ausgedehntem Versandt benutzt, ist infolge bohen, natürlichen Kohlen: fäuregehalte ein unübertroffenes Tafelgetränk.

Eine glückliche Konzentration von Salzen unter denen Chloruatrium an erfter Stelle, verleihen ihm den Charakter einer vorzüglichen Heilquenle bei allen Katarchen der Luftwege und des Verdauungs- Traktus, bei Nieren- und Blasenleiden Rheumatismus, Bicht und Harzbeschwerden. Ein furgemäßes Trinken des Wassers ist hierbei nach Angabe ärztl. Autoritäten von durchgreifender Wirkung. Niederlage: Joh. Georg Bender in Ettingshausen; Jean Böhm, Hotel Solmser Hof in Laubach; Ferdinand Heinz in Sellnrod; H. Weinel in Hungen.

dedor

zu Beit

bie Saube

S

Romponist Lulli war der ceste, der

Dirigietstoce

einen

Der franzöfifch

eltvas umständlichen

bereitete und sich zum Dirigieren

be: Taltsted" ist eigentlich nicht das

richtige Wort, denn es handelte sich um einen zwei Meter langen Stab, mit dem er den Taft schlug, indem er den Fuß boden bearbeitete": aus diesem unheimlichen Stabe aber

Rr. 135.

Samstag, ben 17. November

906

Oberbeflische Familienzeitung.