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Rt. 295.
Zweites Blatt.
baltion u. Hauptegpedition: Gießen, Seltersweg 89. Fernsprechanfchlak Nr. 362.
Samstag, den 15. Dezember 1906
Gießener
15. Jahrgang
6.
Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Sießener Seifenblasen( wöchentlich).
Neueste Nachrichten
( Gießener Bagsßfaff)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeitung)
für Oberhoffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
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Referieren, sachlich bleiben, allem Guten und Rüglichen dienen, das sind die Haupt
wel che bestens in borliegender Zeitung gewahrt werden. Gerade in letzter Zeit haben sich innerhalb der engeren Heimat wie des deutschen Vaterlandes die wirtschaftlichen und politischen Partei- Verhältnisse eigenartig geftalitet, die Ausdrucksweise ist vielfach eine nicht zusagende, so daß es jetzt doppelt notwendig ist, daß die Bewohner bon Stadt und Land, ganz gleich wessen Standes und Berufes sie sind, eine Zeitung lesen, die objektiv bes richtet. In der Erfüllung dieser Vorsäge bemüht, laden wir zum Abonnement höft. ein.
Unsere Leserzahl ist in letzter Zeit wesentlich geftiegen, was die verehrl. Geschäftswelt veranlassen möge alle ihre Inserate uns mit zu überschreiben; die Preise stellen wir äußerst billig.
Abonnements- Bestellungen nehmen entgegen alle unsere Austräger und Agenten, alle Postanstalten und Briefträger sowie die Haupt Expedition
Gießen, Seltersweg 85.
Bekanntmachung.
betreffend den Verkehr mit Feuerwerkskörpern. Wir sehen uns veranlaßt, die nachstehenden Befimmungen zur allgemeinen Kenntnis zu bringen mit dem Anfügen, daß die Schußmannschaft angewiesen ist, Jutviderhandlungen unnachfichtlich zur Anzeige zu bringen. 1. Wer Feuerwerkskörper Frösche, Crafers, Sd wärmer usw.- lagern und vertreiben will, hat dazu die Genehmigung der Polizeibehörde einzuholen. Das Gesuch muß schriftlich eingereicht werden und die Namen und Sorten der betreffenden Feuerwerksförper sowie die Angabe der größten Gewichtsmenge, bis zu welcher die gleichzeitige Lagerung bezw. Verwendung der Feuerwerkskörper beabsichtigt wird, ebenso die Bezeichnung des Orts der Lagerung enthalten.
Die Abgabe von Feuerwerkskörpern an Bersonen, von denen ein Mißbrauch derselben zu be schten ist, insbesondere an Personen unter 16 Jahren ist verboten.
Vermischtes.
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Die Hochzeit eines Hundertjährigen. In Aujezd in Mähren führte dieser Tage der 101jährige Joseph Koppner der 100jährige Rosa Waldner zum Traualtar. Das„ junge" Ehepaar lebte bereits seit dreißig Jahren in gemeinsamem Haushalt.
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Ein Honorar von 150 000 kronen verspricht der be fannte griechische Bankier Pesmazoglu dem Arzt, der ihn von seinem Leiden( Weißblütigkeit) heilt. Die Athener Aerzte haben erklärt, daß er rettungslos verloren sei. Auf Wunsch der Angehörigen haben jedoch die Aerzte an Prof. Noorden in Wien einen ausführlichen Kranheitsbericht gedrahtet und ihn ersucht, sofort nach Athen abzureisen. Das Telegramm foftete nicht weniger als 1000 Kronen. Professor Noorden hat die Einladung abgelehnt, weil er den Zustand des Patienten als hoffnungslos anfieht. Ein Pariser Kliniker lehnte ebenfalls ab. Ein Lyoner Professor jedoch ist sofort nach Athen abgereift, und die Angehörigen des Bankiers haben einen besonderen Dampfer gemietet, der den Hoffnungbringer von Brindisi abholen soll.
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Kleider aus Holz das ist das neueste der Saison. In den großen Walddistrikten des nördlichen Kaliforniens tragen die in den Holzsägewerken und Holzbearbeitungsfabriken Die Herstellung beschäftigten Arbeiter Kleider aus Holz. dieser lederähnlichen und nahezu unzerstörbaren Kleider ist einfach und billig. Holzspäne und Abfallholz wird zermahlen und aufgeweicht, bis eine Art Teig entsteht. Dieser Teig wird getrocknet und zu Fäden ausgedreht, die so fein wie Barn und so dauerhaft wie die besten Wollfäden sind. Das [ o gewonnene Garn wird zu Stoffen verwebt, die sich im Aussehen in nichts von dem gebräuchlichen Corderoh unterscheiden. Bis jetzt haben sich diese Holzfleider so dauerhaft gezeigt, daß fie sich, auch schon wegen des geringen Preises, allgemein unter den Arbeitern und Werkführern eingebürgert jaben. Der Gipfel der Frechheit. In Lorient ist ein hoc mderbarer Diebstahl vorgekommen. Aus einer Wachtstube er von einer Abteilung des 62. Regiments bezogenen Hauptache wurden die für 24 Stunden berechneten Nahrungsittel gestohlen. Die Wache hatte infolgedessen den ganzen ag nichts zu essen.
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Wann hat Berlin 6 Millionen Einwohner? Nach iner Berechnung dürfte dies in 30 Jahren der Fall sein. Die Bevölkerung des ganzen Deutschen Reiches weift in letzter Zeit durchschnittlich einen jährlichen Zuwachs von 800 000 bis 900 000 Köpfen auf; da nun dieser Zuwachs fich auf die Städte verteilt das platte Land gibt seinen Ueberschuß an die Städte ab und Berlin etwa den 10. Teil der städtischen Bevölkerung in seinen Mauern aufweist, so entfallen auf Berlin jährlich 80 000 bis 90 000 Menschen, was genau der durch die Zählungen festgestellten Vermehrung entspricht. Nach alledem ist es eine durchaus vorsichtige Annahme, daß Groß- Berlin nach abermals 30 Jahren nicht wieder eine Vers breifachung, aber doch die Verdoppelung seiner heutigen Bes völkerung erreicht haben, also über 6 Millionen Einwohner zählen wird.
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Schon wieder die Seeschlange. Diesmal hat man fie ganz in der Nähe von Stockholm gesehen und zwar hat der Oberhofjägermeister des Königs von Schweden, Viktor Ankarcrona sie benbachtet. Es war vor wenigen Tagen belm ,, Salzseebad" in unmittelbarer Nähe der Hauptstadt. Er und seine Begleiter saben ein großes Tier im Wasser vor dem Bade. Die Seeschlange war nur etwa 200 Meter entfernt, und sie durchfurchie die Wellen mit der Geschwindigkeit etwa eines Motorbootes, so daß die Wellen an den Strand schlugen. Die Länge des Tieres meint man mit 15 bis 20 Meter angeben zu können. Es hat eine graubraune Farbe und strecte einen Kopf aus dem Wasser, der dem einer Schildkröte glich. Nachdem das Ungeheuer etwa eine halbe Minute lang ge geschwommen war, hielt es inne, sant unter die Oberfläche des Wassers und verschwand, um sich bisher nicht wieder zu zeigen. So lautet der Bericht des Oberhofjägermeisters, der in Stockholm eine ungeheure Sensation erwedt hat. Es gilt abzuwarten, was die Wissenschaft dazu sagen wird.
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Auf einen groben Klok... Ein bayerischer Gemeindeförster erhielt vom Magistrat der Stadt N. eine dienst. liche Anweisung auf gedrucktem Formular. Das der Anrede vorgedruckte ,, Herr" war durchgestrichen. Auf seine Anfrage nach dem Grunde der sonderbaren Maßnahme wird dem Förster die bündige Antwort, alles Durchgestrichene sei anzusehen, als hätte es nicht dagestanden. Der Förster zahlte mit gleicher Münze heim. Seine nächste schriftliche Eingabe lautete: An den naseweisen Magistrat der Stadt N." Die
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Zuwiderhandlungen gegen diese Bestimmungen berden nach§ 367 3iffer 5 des Reichsstrafgesetzbuches mit Geldstrafe bis zu 150 Wt. oder mit Haft betcaft, soweit nicht höhere Strafen Gefängnis vou drei Monaten bis zu zwei Jahren nach§ 9 des Reichsgesetzes vom 9. Juni 1884 verwirkt sind. 2. An bewohnten oder von Menschen besuchten Orten ist das Abbrennen von Feuerwerkskörpern berboten. Zuwiderhandlungen werden nach§ 367 3iffer 8 des Reichsstrafgesetzbuches mit Geldstrafe bis zu 150 Mt. der mit Haft bis zu 6 Wochen bestraft Wenn Eltern, Vormünder oder andere Personen denen Obhut Kinder unter 12 Jahren oder sonstige unzu rechnungsfähige Personen anvertraut find, es an der er- Telefon 165 fouderlichen Aufsicht haben fehlen lassen und diese Personen während der Zeit, wo sie ohne solche Aussicht waren, time derartige Nebertretung begangen haben, so werden nach Artikel 44 des Hess. Polizeistrafgesetzes die June Braufsichtigung verpflichteten Bersonen beim crften Falle polizeilich verwarnt, im Wiederholungs. faille bis zu einem Dritteil der auf die Uebertretung jellbst gefeßten Strafe belegt.
Gießen, den 10. Dezember 1906. Großh. Bolizeiant Gießen. Herberg.
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