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Donnerstag, den 13. September 1906
15. Jahrgang
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baltion u.Haupterpebition: Gießen, Seltersweg 88.
Fernsprechanfchlak Nr. 362.
Gießener
Contibellagons Oberhoffische Familienzeitung( und bie Gießener Seifenblasen( wöchentlich).
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( Gießener Tageblatt)
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für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weglar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Volizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberheisen
Prinz Albrecht von Preussen+
CB. Berlin, 13. Septbr., 10 Uhr 45 Min., vormittags.( Telegramm) Prinz Albrecht von Preußen ist heute früh 5 Uhr 20 Minuten gestorben.
Mit ihm ist wieder einer der wenigen noch lebenden großen Führer aus den letzten beiden Feldzügen zur großen Armee abberufen worden. Er wurde geboren am 8. Mai 1837. Sein Vater war der 4. Sohn des Königs Friedrich Wilhelm von Preußen, mithin war er ein Enkel desselben und Neffe von Kaiser Wilhelm I. In den Kriegen 1866 und 1870/71 hat der Verstorbene biel mit dazu beigetragen, daß die deutschen Armeen trotz der sehr oft an Zahl geringeren Streitkräfte siegreich blieben. Seine Ernennung zum Generalfeldmarschall geschah durch Kaiser Wilhelm II. Seit dem 21. Oktober 1885 war er Regent von Braunschweig. Das Land wird durch den Tod vor eine neue Thronfolgefrage gestellt. Der nachstehende Artikel besagt näheres.
Die unvermutet über den Regenten von Braunschweig, Prinz Albrecht von Preußen, hereingebrochene Katastrophe hat die Thronfolgefrage des Herzogtums aufgerollt. Der Thron des Herzogtums Braunschweig ist seit vielen Jahren berwaist. Herzog Wilhelm hat bis zur Stunde keinen Nachfolger. Prinz Albrecht von Preußen hat als Regent bisher das Herzogtum verwaltet. Das war vorher so vereinbart werden. Die gesetzgebenden Faktoren des Landes und der Bundesrat hatten in solchem Provisorium, das keiner späteren Entscheidung präjudiziert, die beste Einrichtung gesehen, die zwar nicht alle Schwierigkeiten beseitigte, aber ihnen ausbog. Das Land hat sich dabei recht wohl befunden. Seine Selbftändigteit blieb bestehen, seine Eigenart blieb unangetastet, und der Bevölkerung war freigestellt, ihre Wünsche für die Sufunft nach eigenen Gefallen in die eine oder andere Richtung zu lenken. Davon machten die Braunschweiger aud in aller Friedlichkeit Gebrauch. Es gab in Braunschweig eine preußische Partei, die den Anschluß an Preußen ganz gern gesehen hätte. Es gab ferner eine Partei der unpolitischen Braunschweiger, die der Meinung waren, es lebe sich braunschweigisch gesondert ganz gut, es sei unter einem Herzog oder unter einem Regenten, und es liege kein Grund vor, eine Aenderung anzustreben. Es gab endlich eine welfische Partei, die in dem Herzog von Cumberland, dem Sohn des weiland Königs von Hannover, den einzig berechtigten Erben des letzten Herzogs Wilhelm von Braunschweig betrachtete und dessen Thronbesteigung als eine Forderung der Gerechtigkeit ansah. Die braunschweigischen Belfen aber unterschieden sich der Mehrzahl nach von den hannöverschen Welfen durch den sanfteren Charakter ihrer Opposition. Nicht ihre Gesinnung war weniger welfisch, aber ihr Temperament war milder und konnte es sein, weil fe bessere Hoffnung hatten. Die welfische Geschichte von bannover ist abgeschlossen, unwiderruflich abgeschlossen die welfische Geschichte von Braunschweig fann wenigstens noch eine Fortsetzung finden. Das gegenwärtige Haupt ber welfischen Familie, der Herzog von Cumberland, war schon einmal nach der Meinung der Leute dicht baran, seinen Frieden mit dem Reich zu machen und den Thron von Braunschweig zu besteigen. Man war ihm von Reichswegen weit entgegengeformen. Nicht blos durch die Aushändigung des Welfenfonds, die zu den ersten Amtshandlungen des Reichskanzlers Grafen Caprivi gehörte. Es
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ollte ihm auch sonst möglichst leicht gemacht werden, den Bruch mit der Vergangenheit zu vollziehen. Alle Verhandlungen hierüber find jedoch gescheitert. Man weiß nicht, ob an dem Troß und Eigenwillen der welfischen Seite, oder peil es den Unterhändlern an der nötigen Geschicklichkeit fehlte, oder weil von dritter Seite Einreden und Abmahnungen fich geltend machten. Ob jezt eine andere Auffassung im Welfenhause die Oberhand gewonnen hat, dafür liegen Anzeichen, die für die Deffentlichkeit bemerklich und verständlich wären, nicht vor. Das schließt nicht aus, das ein Umschwung stattgefunden hat. Unzweifelhaft ist nur eines: Auf den Thron von Braunweig fann fein Fürst kommen, dessen offen bekannte Anprüche mit den Grundlagen des Deutschen Reiches nicht verinbar find, nicht vereinbar auch mit der Bundestreue gegenAber allen den Staaten, deren Gesamtheit das Deutsche Reich bildet. Von dieser Voraussetzung fann garnicht abgewichen verden. Der nächstbeteiligte Fürst selbst würde es nicht vünschen können, denn damit wäre für ihn ein unerträglicher. Broiespalt gegeben. Er müßte auf seine Ansprüche verzichten oder er würde auf dem Thron unmöglich sein. Solche Experimente macht man aber nicht, das Deutsche Reich tut es gewiß nicht.
An Anwärtern für die Regentschaft in Braunschweig fehlt 23 nicht. Man hat früher schon den Prinzen Adolf von Schaumburg- Lippe genannt, den Schwager unseres Kaisers. DB diese Vermutung zutrifft, wird die Zukunft lehren. Andere Kandidaturen, wenn man so sagen darf, präsentieren fich in den Söhnen des Prinzen Albrecht. Die Wahl liegt bei dem braunschweigischen Landtag, der darin ganz selb=
ständig ist. Bis diese Wahl vollzogen ist, wird im Falle einer Erledigung die Regentschaft von dem Landtagspräsiden ten, dem Präsidenten des braunschweigischen Verwaltungsgerichts und den aktiven braunschweigischen Ministern geführt. Von dieser Regentschaft ist der Landtag zur Wahl eines neuen Regenten zu berufen. Alles das ist landesgesetzlich unter Zustimmung des Bundesrats festgelegt.
Barrikadenkämpfe in Rußland.
Die Bemühungen der russischen Regierung, durch Landberteilung und verhältnismäßig liberale Reformen der Revolution den Boden zu entziehen, bleiben nach wie vor erfolglos. Ueberall werden Attentate verübt und Straßen. schlachten und Barrikadenkämpfe lassen erkennen, daß an geordnete, friedliche Zustände im russischen Reich noch lange nicht zu denken ist. So benutzten in der Stadt Kamyschin ( Gouvernement Saratow) die Revolutionäre die Abwesenheit der Truppen, die zur Unterdrückung von Unruhen nach der Ortschaft Nikolajewski gesandt waren, um in einer Straße Barrikaden zu errichten.
Der Kampf zwischen den Polizeimannschaften und den Revolutionären dauerte bis zum Abend und endete mit einem bollen Mißerfolge der Aufrührer. Diese hatten dabei 6 Tote und 40 Verwundete. Verhaftet wurden 11 Mann, in der lutherischen Kirche wurde eine Bombe gefunden. Nach anderen Meldungen blieben die Revolutionäre Herren der Stadt.
In Siedlce, wo nach tagelangem Vernichtungskampf endlich Ruhe eingetreten war, brach der Pogrom vorübergehend noch einmal los, da man die Salve am Grabe eines Soldaten für den Wiederbeginn der Judenverfolgung hielt. Eine furchtbare Panik entstand. Grauenhafte Szenen spielten sich in den überfüllten Zimmern eines Krankenhauses, in die Kugeln drangen, ab. Soviel steht fest, daß Terroristen die Unruhen mit Attentaten auf Soldaten und Polizisten be= gannen. Es läßt sich aber nicht leugnen, daß sich betrunkene Soldaten gleichzeitig Ausschreitungen zu Schulden kommen ließen, Unschuldige ermordeten und Läden plünderten. Von den Verhafteten in Siedlce wurden bereits 42 Personen vor ein Feldgericht gestellt. Auch wurden noch einmal 12 Kanonenschüsse gegen die Häuser abgefeuert, als die zur Auslieferung der Revolutionäre gestellte Frist abgelaufen war. Viele Juden wurden in ihren Häusern ermordet.
Während in vielen Städten der Kampf zwischen Revolutionären und den Organen der Regierung offen geführt wird, werden in Warschau die Haussuchungen und die Durchsuchung der Passanten fortgesetzt. Bei dem geringsten Widerstande werden völlig Unschuldige erbarmungslos niedergeschossen oder verhaftet. Als bei einem Zusammenstoß ein Offizier getötet wurde, ging Militär gegen das Publikum vor, wobei zwei Personen pötet und zehn verwundet wurden.
Daß politische Verbrecher und Revolutionäre sofort dem Feldgericht übergeben werden, wird aus vielen Gouvernements gemeldet. Zu dieser strengen Maßregel ist die Regierung im Interesse des Schutzes der Polizisten und Soldaten gezwungen worden. Wie verlautet, dauert die friedfertige Stimmung ber Regierung an, auf besonderen Wunsch des Zaren ist die Verfolgung der Unterzeichner des Wyborger Protestes eingestellt worden.
Außerdem liegen folgende Nachrichten vor:
Warschau, 12. September. Der Chef der Militärbewachung in Siedlce ist gestern nachmittag von zwei Rebolutionären erschossen worden.
Petersburg, 12. September. Aus Regierungskreisen in Siedlce wird bekannt, daß das dortige Ostrolensky- Regiment erklärte, es würde auf die Plünderer schießen. Das Regiment wurde daher aus der Stadt entfernt und durch ein Libausches Regiment ersetzt.
Politische Rundschau.
Deutfches Reich.
* Demnächst wird eine marokkanische Gesandtschaft in Berlin eintreffen. Als Beweis seiner Dankbarkeit für den im bergangenen Jahre vom Deutschen Kaiser in Tanger abgestatteten Besuch hat der Sultan beschlossen, zur Erwiderung des kaiserlichen Besuches noch vor Ende dieses Jahres eine außerordentliche Gesandtschaft nach Berlin zu entsenden. Als Mitglieder dieser Sondergesandtschaft wurden der ehemalige Pascha von Tanger, Ben Hima, und der Oheim des Sultans Mouley Abd- el- Malek bestimmt. Die Gesandtschaft soll im November in Berlin eintreffen.
* Der stellvertretende Kolonialdirektor Dernburg ist vom) Kaiser zum Bevollmächtigten beim Bundesrat ernannt worden. Die Ernennung erfolgte auf Grund des§ 6 der Reichsberfassung.
* Erhebliche Fortschritte macht die industrielle Aufschließung der deutschen Kolonien in Südwestafrika. In der Nähe von Kubas ist bei Herstellung eines Einschnittes für die Bahn Marmor bloßgelegt worden, der als Baumaterial für bas Bahnhofsgebäude von Kubas gedient hat. Der Befiber
der Farm Kubas hat sich nun daran gemacht, das Vorhandensein von Marmor auf seinem Plaze industriell zu verwerten. Er hat italienische Marmorarbeiter angenommen, und verschiedentlich sind Erzeugnisse aus einheimischem Rohstoff schon zur Verwendung gelangt.
* Die gestrige Schlußfihung des Verbandstages deutscher Gewerbevereine brachte eine längere Debatte über die Meisterturse, deren Förderung Direktor Romberg im Interesse des Gewerbes empfahl. Eine bezügliche Resolution wurde ohne wesentlichen Widerspruch angenommen. Die nächste Tagung wird in Mannheim stattfinden.
Schweden.
** König Friedrich von Dänemark ist in Stockholm zum Besuch eingetroffen. Bei dem veranstalteten Festmahl tauschten der dänische Monarch und König Oskar von Schweden Trint sprüche aus, welche die Fortdauer der freundlichen Beziehungen zwischen Dänemark und Schweden entschieden betonten. Obwohl die Trennung Norwegens von Schweden nicht erwähnt wurde, war es doch offensichtlich, daß es in der Absicht lag, dieses Ereignis als unwesentlich für die dänisch- norwegische Freundschaft hinzustellen..
Italien.
** Der Zwischenfall bei den jüngsten Manövern der österreichischen Flotte vor einer italienischen Festung hat noch ein Nachspiel gezeitigt. Auf der Festung San Felice Chioggia ist ein österreichischer Offizier als Spion verhaftet und interniert worden, nachdem man ihn überrascht hatte, wie er Festungswerke photographierte und abzeichnete. Amerika.
** Die Tatsache, daß der Aufstand auf Kuba immer weitere Kreise ergreift und angesehene Männer in das Lager der Aufständischen übergehen läßt, hat die Regierung in Washington veranlaßt, der Kreuzer, Des Moines" nach den tubanischen Gewässern zu entsenden um ein energisches Eingreifen im Falle noch weiterer Ausdehnung der Revolution vorzubereiten. Präsident Palma hat das Standrecht verfünden lassen und dadurch große Aufregung hervorgerufen.
** Jm merikanischen Bergwerksbezirk war seit langem für den 16. September die Vernichtung der Ausländer ange kündigt worden. Jedenfalls erscheinen die Nordamerikaner gefährdet, sodaß sich die Regierung entschlossen hat, an der merikanischen Grenze Kavallerie zu sammeln.
Kleine politifche Nachrichten.
London, 12. September. Der Arbeitsminister John Burns hat sich über Brüssel nach Berlin begeben, um die deutschen sozialpolitischen Organisationen zu studieren.
Konstantinopel, 12. September. Ein Frade des Sultane verfügte den Ankauf von fünfzig Maximgeschützen in Deutschland und Abbestellung des beabsichtigten Kaufes von fünfzig Hotchkiß- Geschützen.
Konstantinopel, 12. September. Eine 150 Mann starte griechische Bande überfiel das bulgarische Dorf Smilevo bei Monastir. Die Konsuln der Ententemächte haben festgestellt, daß 12 Personen getötet und 8 Häuser niedergebrannt worden sind.
Tanger, 12. September. Raisuli hat die Pfähle, welche den für das Denkmal des ermordeten Franzosen Charbonnier eingeräumten Blaz bezeichnen, entfernen lassen. Die fran zösische Gesandtschaft hat eine Untersuchung beantragt. Der Berberhäuptling Anfloos verließ die von ihm eingenommene Stadt Mogador wieder.
Beting, 12. September. Die chinesische Regierung hat amtlich bekannt gegeben, daß Tieling, Tungchiangtse und Fatumen für den internationalen Handel geöffnet worden sind.
Heer und flotte.
Manöverunfall. Bei Eschwege find während der Manöver zwei Reservisten des 82. Infanterie- Regiments infolge von Hizschlag gestorben.
Meuterei im französischen Heere. In Bourg de Péages ( Dep. Drôme) hielten 500 Reservisten vom 75. InfanterieRegiment, welche infolge eines Erlasses des Kriegsministers um acht Tage früher heimkehren zu fönnen glaubten, trog des Verbotes der Behörde auf offener Straße eine Versamm Lung ab, zogen sodann in Begleitung zahlreicher Zivillisten, unter antimilitaristischen Rufen durch die Stadt und mißhandelten zwei Unteroffiziere, welche von den Rädelsführern die Angabe ihrer Namen verlangt hatten. Es war ein starkes Aufgebot von Gendarmerie nötig, um die Ruhe wieder her. zustellen.
Kaifermanöver 1906. ( Sonderbericht unseres militärischen Mitarbeiters.) Wahlstatt, 12. September früh. Die Infanteriemassen der roten und blauen Armee stießen gestern zum erstenmale mit voller Wucht aufeinander. Das Treffen gestaltete sich zu einem Schauspiel von imponierender Eindrucksfähigkeit. Die Infanterie der blauen Partei
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Bestürzajeben baben
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Die Extech wirklich," sagte er, um fo
folche' Bermutung Ausbrud.
auftommen läßt." eine Gehässigkeit
Jeinex
des Herrn Assessors ben heben
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mich oder
meine Tochter nicht
Bersoniletean,
ban ble elften
einen
oben bon
Fehler au berbogefteltten
ganz wie die Frau seinen natürlichen Haarscht per dodat wärtigen, weshalb in Frantinteressant, fich zu beraten. exfonnen wurben. männliche Geschle
tragen. Vor dem Jahre 1000 banner Furgegen
Iang iſt mis i


