Nr. 158
Rebattion u.Haupterpedition: Gießen, Seltersweg 83, Fernſprechauschluß Nr. 362.
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Montag, den 9. Juli 1906
Gießener
15. Jahrgang
Gratisbeilagen: Oberbeffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich).
Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblaff)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeitung)
für Oberhessen und die Kreise Marburg und Weglar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhessen
Der politifche Maffenftreik.
Von einem bürgerlichen Sozialpolitiker wird der Deutschen Reform- Korresponden;" geschrieben:
Gegenwärtig werden über die Frage des politischen Massenstreits" lebhafte Erörterungen in der mehr oder minder interessierten politischen Parte dresse gepflogen. Die Frage des Mafienstreits ist aber durchaus nicht zum ersten Male aufgetaucht, sondern der Massenstreik ist ein altes Inventar, in allen Ländern mit größeren sozialistischen Parteien. Inzählige Broschüren und Artikel sind schon harüber geschrieben worden, auf den Kongreffen der einzelnen Landesparteien und auf den internationalen Zusammenfünften find schon die längsten Reden darüber gehalten worden und ein paar Mal, so in Solland, Belgien, Italien und Schweden wurde so eine Art Generalstreif auch schon praktisch durchzuführen gesucht. Aber Erfolge wurden damit nicht erzielt.
& fam nicht so, wie es sich die Anhänger und die Be= teiligten dieser Massenstreifbewegungen vorgeftelt hatten; die Vertreter des Staates, od r auch nur die Vertreter der großen in die Streifs einbezogenen Industrieunternehmungen fonnten nicht gezwungen werden, die Streifenden um Aufnahme der" rbeit zu bitten. Im Gegenteil erwiesen sich die staatlichen Organisationen und die sonstigen befämpften Einrichtungen als so fest gefügt, da den Streifenden nicht nur nicht entgegen gefommen zu werden brauchte, sondern vielfach noch die Gesetzgebung verschärft wurde. Im Gegenteil mußten die streifenden Massen nur zu oft Sunger leiden und so endete gewöhnlich der Massenstreit gar bald durch Wiederaufnahme der Arbeit. Ueberall, wo der Massenstreif proflamiert wurde, stellte es sich heraus, da; genug Arbeitswillige vorbanden waren, welche die Einstellung der Arbeit nicht mitmachten. Und der stärkste Wille muß erlahmen, wenn dem Körper, zu dem er gehört, infolge des Verdienstausfalls feine oder eine unzulängliche Nahrung zugeführt wird. Bis vor wenigen Jahren hatte der politische Massenstreif in Deutschland nur wenige Anhänger. Von den in Frage kommenden Kreisen wurde der Generalstreit oder der politische Massenstreit als eine Ange= legenheit betrachtet, über die man ernstlich nicht zu sprechen brauche. Das ging so bis zu den letzten Reichstagswaslen. Diese brachten wieder eine bedeutende Zunahme der radikalfozialen Stimmen und Mandate. Aber innerhalb der sozialistischen Partei zeigte sich mehr und mehr die Herausbildung von zwei Flügeln, die nicht im besten Einvernehmen stehen. Selbstverständlich gewannen die linksstehenden Männer Anhang, die in der Durchführung eines politischen Massenstreits ein Mittel sehen, um dem Staate wesentliche Zugeständnisse abzutrogen. Auch Bebel hat zu benen gehört, die energisch für den Massenstreit eingetreten find. Er scheint aber doch in der letzten Zeit seine Ansicht in dieser Sache geändert zu haben, denn jetzt wird ihm der Vorwurf gemacht, daß er gebremst" hätte, daß er nur noch ein recht lauer Anhänger des politischen Massenstreits sei. So dürfte wohl noch manches Jahr vergehen, ehe für uns ein richtiger Generalstreif von prattischer Bedeutung wird."
Politifche Rundschau.
Deutfches Reich.
• Der in Südwestafrika operierenden Chußtrubhen ist gelungen, eine Hottentottenbande über die pritische Brenze zu treiben. Bei der Verfolgung der am 20. und 21. Sun zurückgeworfenen Hottentotten wurde eine Abteilung der Aufständischen gezwungen, nördlich von Violsdrift die englische Grenze zu überschreiten. Tie englische Grenz polizei nahm unverzüglich in Steinkopf eine Bande von 33 Röpfen beim Biebverkauf fest, gab das Vieh an die deutschen Truppen zurück und führte die Hottentotten noch Springbod ab. Unter diesen befindet sich der Unterfonitän Josef Christian, ein Neffe des Häuptlings Jobannes Christian, der nach Morengas Gefangennahme die Hottentotten führt. * Die so überaus großem Intereffe begegnende Reichstags- Erfagwahl im Wahlkreise Altena- ferlohn bat nunmebr auch einen bei dem Bureau des Reichstages eingegangenen Wahlproteft qezeitigt. In dem Kroteft wird hervorgehoben, daß grobe Verstöße gegen die gefeßlichen Vorschriften vor= fommen seien. Nicht wahlfähige Personen hätten gewählt, in einem Wahilofel sei, als die amtlichen Kouverts aufgebraucht geweien, ohne solche gewählt worden. Die Stich wahl zwischen dem sozialdemokratischen und dem Zentrumstandidaten findet Dienstag, 10. Juli, statt.
* Der preußische Minister des Innern hat eine bemerkenswerte Verfügung über die Reform des Strafvollzuges erlaten. Der Minister weist darauf hin, daß nach der lebten statistischen Uebersicht in einigen Strafanstalten die Kahl der mit Disziplinarstrafen belegten Gefangenen zur Durchschnittszahl sehr hoch fei, während die Riffern anderer Anstalten zeigten, daß auch bei seltenerer Verhängung von Strafen die Disziplin aufrechterhalten werden fönne. Es müffe bei fachgemäßer Behandlung der Gefangenen vermieden werden können, daß mehr als die Hälfte der durchschnittlichen Gefangenenzahl im Jahre bestraft erscheine. Nicht jeder geringfügiae Verstoß aeaen die Hausordnuna erfordere Strafe:
häufig genüge Belehrung und zurechtweisung. Auch auf die Beobachtung des Geisteszustandes der Internierten müsse vermehrte Sorgfalt gelegt werden.
Schweiz.
** Die Unterzeichnung der Genfer Konvention hat stattgefunden. In der vom 6. Juli datierten Konvention ist bezüglich der Schiedsgerichte der Wunsch zum Ausdruck gebracht worden, daß, um zu einer möglichst genauen Interpretation und Handhabung der Genfer Konvention zu gelangen, die vertragschließenden Mächte dem ständigen Schiedsgerichtshofe im Haag die Differenzen, die in Friedenszeiten hinsichtlich der Auslegung der Genfer Konvention fich ergeben fönnten, unterbreiten." Dieser Wunsch wurde von allen Staaten angenommen, außer Japan, Korea und Großbritannien.
Oefterreich- Ungarn.
** Zwischen den beiden Reichshälften ist ein neuer Greit ausgebrochen. Es handelt sich um das Bestreben der ungarischen Regierung, die wirtschaftliche Selbständigkeit des Königreichs durch einseitige Afte vorzubereiten oder gar schon als vorhanden nach außen hin zu dofitmentieren. Die ungarische Regierung will den Handelsvertrag mit der Schweiz selbständig abschließen. Gegen dieses Verfahren protestierte der österreichliche Ministerpräsident Freiherr von Beck energisch im Abgeordnetenhause und erklärte, die Regierung ziehe die dem Hause noch vorliegenden( Gefeßentwürfe über den wirticha tlichen Ausgleich mit Ungarn angesichts einer solchen Sachlage zurück.
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Rufsland.
Gebeimnisvolle Gerüchte wissen von einem ver= dächtigen Schiffe zu melden, das im Finischen Meerbusen länns der Küste Minen gelegt habe, um den Zaren auf emer Yacht in die Lust zu brengen, wenn er, wie alljährlich im Sommer eine Kreuzfahrt unternimmt. Es iſt 10car schon die Rede davon, daß der Zar die Seefahrt aufgeben werde.
** Eine Aufsehen erregende Aeußerung ist in der Duma anläßlich der Beratung des Berichtes über die Vorgänge in Bjeloftof gefallen. Einer der Medner, Professor Schtschepfin bezeichnete es auf Grund des Berichtes, der die Mitwirkung von Truppen und Polizei an den Bluttaten behauptet, als Pflicht der Duma, eine Miliz zu organisieren, um weitere Pogroms zu verhindern und ein Gesetz zu be= schließen, das den Soldaten gestatten soll, offenbar ungefezlichen Befehlen ihrer Befehlshaber den Gehorsam zu verweigern. Damit wären die ersten Schritte ze Bildung eines Parlamentsheeres getan.
Amerika.
** Die Regierung der Vereinigten Staaten hat nach Santo Domingo zehn fleinere Kriegsschiffe abgesandt, die verhüten sollen, daß in Domingo eine Revolution ausbreche.
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Hof und Gefellfchaft.
Das Befinden der deutschen Kronprinzessin Cäcilie und des neugeborenen Prinzen ist andauernd ein so gutes, day e Ausgabe ärztlicher Bulletins bereits eingestellt werden konnte.
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Es ist wieder von der Verlobung des Großherzogs Wilhelm Ernst von Sachsen- Weimar die Rede. Wie es heist, wird sich der Großherzog mit der Prinzessin Hermine von Reuß ä. L., einer Schwester der verstorbenen Großherzogin.
Hus den Darlamenten. Württembergischer Landtag. Die Kammer der Abgeordneten hat das Landtagswahlgefeß unter Zustimmung zu den Beschlüssen des anderen Hauses mit 45 gegen eine Stimme angenommen. Bei der folgenden Beratung der Gemeindeordnung hat die Kammer den Beschlüssen der ersten Kammer zugestimmt und die Gemeindeordnung einstimmig angenommen.
Die badische Schulvorlage angenommen. Dbadische erfle Kammer hat die Schulvorlage nach den Beschlüssen der zweiten Kammer angenommen. Die orlage wird somit Gesez.
Deer und flotte.
Ein englisches Geschwader ver Lübeck. Das große englische Kanalgeschwader, bestehend aus 97 Kriegsschiffen, wird nach amtlicher Mitteilung aus London am 23. August vor Lübeck eintreffen.
Vermehrung der französischen Flotte. Marineminister Thomson erklärt in der Marinefommission, daß gemäß dem Beschluß der Kammer vor Ende des Jahres sechs Panzerschiffe auf Stapel gelegt werden sollten. Der Minister betonie zum Schluß, daß Frankreich sich anstrengen müsse, um nicht vom Ausland überflügelt zu werden, und um den in Bezug auf den Bau von Unterseebooten erreichten Vorsprung nicht wieder einzubüßen.
Preußischer Landtag.
( 25. Sitzung.)
Herrenhaus.
RK. Berlin, 7. Juli. Die endgültige Annahme der Schulvorlage. Die letzte Sigung des Hauses galt der Erledigung der Schulvorlage. Zwar brachte Herr v. Klizing die im andern Hause gestrichenen Anträge von neuem ein, das Haus aber lehnte sie diesmal ab und nahm schließlich das Gesez unverändert an, das somit seine parlamentarische Laufbahn beendigt hat. Dagegen stimmte etwa ein Dugend fonservativer Mitglieder( wegen der Ablehnung der obigen Anträge) und einige Oberbürgermeister. Haus der Abgeordneten.
( 81. Sigung.) RK. Berlin, 7. Suli. Da die Wahlprüfungskommission beantragt hatte, aus formalen Gründen die Wahl des Abg. Dr. J derhoff( irf.) für ungültig zu erklären, legte dieser heute sein Mandat nieder. Dann erledigte das Haus noch einige Petitionen. Um 4 Uhr versammelten sich die Mitglieder der beiden Häuser im Abgeordnetenhause zu der
gemeinsamen Schlußßigung.
Der Vizepräñdent des Staatsministeriums Graf Rosadowsky verlas die fönigliche Verordnung und er flärte die Seffion des Landtags für geschlossen. Mit einem Hoch auf den König, das Fürst Knyphausen ausbrachte, schloß die Sitzung.
Jordys freisprechung.
( Sonder- Bericht.) § Berin, 7. Juli. Fünf Monate hinter Gitterstäben als Untersuchungs, gefangener, drei Tage das Martyrium der Schwurnerichtss berhandlung und dann, nach eine unbe banden Harvent? völlig frei das alles mußte der Sächter Sordy durch kosten, den man des Mordes seiner leiblichen Mutter angeflagt hatte.
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Die Geschworenen find zu einem Nichtschuldig" gefommen, So hatte man es auch erwartet. Kein gelehrter und fein Laienrichter hätte es wohl vermocht, den Angetlagten schuldig zu sprechen, nach einer Verhandlung, die bei ibrer Länge und Weitschweifig feit wohl Verdach:@momente bot, jedoch keine so oravierenden, daß man mit ruhigem Gewissen Jordy als Muttermörder verurteilen durfte. Die Beugen, waren es nun Entlastungs- oder Belastungszeugen, verwickelten fich oft in Widersprüche, odaß in feiner eise ein flares Bild zu Tage treten fonnte. Der eine hatte Jordy am Tage der Eat oder furze Reit vorher nur gefeben, der andere will ibn fonar gesprochen haben, andere Reugen baben den früheren ingeklagten zu gleicher Zeit emem ganz anderen Dit netronen, diesen Widerspruch? Wir müssen mit der Möglichteit rechnen, daß Fordy, den wir in als von dem Verdacht des Mordes geläutert ansehen müssen, nur deshalb sich mit seinem Alibibeweis so auserordentliche Mühe gab, weil er fürchten mußte, es fönne ibm beim Forschen nach bestimmten Verdachtsgründen zwar nicht der Mord an seiner Mutter, wohl aber irgend eine andere strafeheifchende Tat nachnewiesen werden. Man kann auch in Betracht ziehen, daß Jordy einen und Doppelgänger bat daß ein Teil der Reugen Fordy selbst gesprochen, die andern nur seinen Doppelgänger gesehen haben. Es wäre falsch, wollte man den Verfuch des Angeklagten, die schwere Blutfchuld auf se nen eigenen Vater zu wälzen, ungünstig für Jordy beurteilen. In einer Familie, in der man sich oft schlägt und rauit, in der die Schwiegertochter ihre S wiegermutter zu Boden schlägt und da: auch feelenrubin zuoibt, da darf man sich über eine der= artige Gefühlsiohheit" nicht wundern. Wer der Gerichtsverhandlung. beiwohnte, die e nen fo unberiedigenden Abschluß fand unbefriedigend, meil man den wahren Mörder nicht gefunden hat dem wird sich die Frage aufdrängen: wäre es nicht vielleicht ge= helungen. des Täters bald habbaitig zu werden, wenn nicht der Zuständigkeit der einzelnen Beamten so strenge Grenzen cezonen wären? Der vorüßende Richter cab mehrmals seiner Verwunderung Ausdruck, daß bei der Untersuchung die Zuständigkeitsfragen eine große Rolle gespielt haben. Doch nnn ist der Vorbang über dem blutiger Schauspiel in Reinickendorf- Rosental einstweilen gefallen. Vielleicht hebt er fich nod mals um, uns dann das Schauspiel der Sühne für die grausige Bluutat zu zeigen, die Verurteilung des Mr. C. Th.
Nab und Fern.
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† Bekämpfung der Volkskrankheiten. Auf der im Kieler Hafen liegenden Hult Prinz Adalbert" wurde die oom Geh. Kommerzienrat Lingner aus Dresden veranstaltete Ausstellung über die Volkskrankheiten und ihre Bekämpfung pom Protektor der Ausstellung, dem Prinzen Heinrich von Preußen eröffnet.
,, Leider Automobil gekommen?" auf Ihrer ,, Wie weit sind Sie
Hochzeitsreise per denn
Summarisch.
nur bis Verona.
Was fnistert denn da? brauchte, trappte der alte Heinz wieder davon. tag sehen wir den alten Heinz in seine Tasche fassen. er nun heute au nichts Außergetvöhnliches mehr zu denken Weitere paar Tage darauf es war an, einem MonEr holt einen Brief hergus
An dem
schöne Einrichtung der Trichinose, die ihm einen so hübschen über einer tersuchung und freute sich über d
darauf frat di Verdienst verschaffte.
Da fuhr ein Wäglein vor, und gleich nghof, so schnell als es


