Ausgabe 
8.12.1906 Zweites Blatt
 
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Die Eröffnung des nenen Sanptbahnhofes in Hamburg fand gestern vormittag statt. An der im Empfangsgebäude abgehaltenen Feier nahmen teil der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten Breitenbach mit mehreren Herren des Ministeriums, der preußische Gesandte Frhr. v. Heyfing, der Kommandierende General des IX. Armeeforps v. Bock und Polach, die Generalität, die Mitglieder der Eisenbahndirektion Altona mit dem Präsidenten Jungnickel, der Bürgermeister von Hamburg Dr. Burchard mit dem gesamten Senat, die Mitglieder der Bürgerschaft mit ihrem Präsidenten Engel an der Spize, der hanseatische Gesandte Klucgmann, Vertreter der Handels- und Gewerbekammer, der Schiffahrtsgesellschaften, der Kaufmannschaft und der städtischen Behörden usw. Die Gesamtzahl der Geladenen belief sich auf über vierhundert. Präsident Jungnidel wies in seiner Eröffnungsrede auf die Bedeutung des Werkes hin und dankte denen, die an ihm mitgearbeitet hatten. Minister Breitenbach erwiderte und brachte das Hoch auf den Kaiser aus. Zahlreiche Orden und Auszeichnungen sind verliehen worden. Zum Schluß der Feier unternahmen sämtliche Festteilnehmer einen Rundgang durch den Neubau und nahmen dann in den Wartesälen das Frühstück ein. Später befuhren die Gäste in Sonderzügen die neue Bahnstrecke nach Ohlsdorf. Die Verkehrsübergabe findet heute statt.

Ans Scham. In Hof ertränkte sich die 24 jährige Schwester des Doppelmörders Lehrer Müller aus Scham über die Schande der Familie; der ältere Bruder Müllers, gleichfalls Lehrer, erlitt einen Schlaganfall bei der Kunde bom Tode der Schwester.

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Vermischtes.

En Zahnarzt für einen Elefanten gesucht. Die Direktion des gegenwärtig in Barmen gastierenden Zirkus Sarasani be findet sich in großer Verlegenheit. Der größte von seinen neun Elefanten rannte sich fürzlich bei einer Balgerei mit einem meiblichen Elefanten, an einer steinernen Mauer den linken, mächtigen Stoßzahn aus; der zurückgebliebene Stummel so nuv, da er zu faulen anfängt, plombiert werden, während der rechte Stoßzahn abgesägt werden soll. Obwohl der Elefant an Kopf und Füßen derart gefesselt werden wird, daß der betreffende Zahnarzt ungehindert arbeiten kann, hat die Zirkusdirektion noch feinen Dentisten gefunden, der die Operatior übernehmen will.

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Weibliche Schutzleute in Paris. In einem großen Modewarenlager in Paris waren die Angestellten oft be­stohlen worden. Da andere Mittel nichts halfen, gründeten fie einen eigenen Sicherheitsdienst, und bald glückte es einer der jungen Damen, einen Mann dabei zu ertappen, wie er die Taschen der Ueberkleider der Verkäuferinnen in der Garderobe durchsuchte. Sie alarmierte ihre sämtlichen Kolleginnen, fünfzehn an der Zahl. Sofort spielten sie mit biel Schneid und Energie den Schußmann, nahmen den Dieb in ihre Mitte und brachten ihn, trotz verzweifelter Gegenwehr nach dem nächsten Polizeirevier. Dort fand man bei dem auf frischer Tat Ertapoten aestohlene Pelzwaren im Werte von

1000 Frank und zehn Portemonnaies, die den Verkäuferinnen des Geschäftes gehörten.

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Vier Jahre um sein Leben gekämpft hat der Newyorker Rechtsanwalt Patrid, der vor mehr als vier Jahren wegen Ermordung eines seiner Klienten zum Tode verurteilt worden war. Batrid war bereits in das" Totenhaus" des Ge fängnisses zu Sing- Sing, den Flügel, in dem die Mörder untergebracht werden, eingeliefert worden, und seine Hin­richtung stand unmittelbar bevor, als es ihm gelang, ein Wiederaufnahmeverfahren durchzusetzen. Vier Jahre lang tämpfte er so um sein Leben, bis er endlich, als alle Hilfs. mittel erschöpft waren, sich an den Gouverneur mit der Bitte um Begnadigung wandte. Einflußreiche Freunde unterstützten das Gnadengesuch, und Gouverneur Higgins schenkte dem zum Tode Verurteilten das Leben.

Wegen Beleidigung des Prensischen Abgeordnetenhauses stehen die beiden Redakteure der sozialdemokratischen ,, Tribüne", Louis Stange und Richard Dornheim, vor der Straffammer des Erfurter Landgerichts. Inkriminiert sind vier Artikel, welche vor einiger Zeit in der Tribüne" erschienen, und be­titelt waren: Ohne Scham!"," Die Pfaffeninsel", Die Tribüne im preußischen Abgeordnetenhause" und Hilf, Staatsanwalt!" In diesen Artikeln werden schwere Vor­würse gegen das Preußische Abgeordnetenhaus erhoben und Ausdrücke gebraucht wie entartetes und verderbtes Parla­ment" c. c. 8u der Verhandlung find der Vizepräsident des Preußischen Landtages, Dr. Porsch, und eine große Anzahl bon Abgeordneten als Zeugen geladen worden. Auch von feiten der Verteidigung find mehrere Reichstagsabgeordnete geladen worden.

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Feine Kunden. Die Amerikaner find gute Kunden Europas. Sie faufen jährlich hier allein an Diamanten und Automobilen für 200 Millionen Mark, an anderen Luxus. sachen 500 Millionen Mark. Boll für Spizen, Borten, Bänder und Stidereien im Werte von 160 Millionen Mari ist an die amerikanischen Zollbehörden entrichtet worden; für natürliche und fünstliche Federn im Werte von 28 Millionen, für Champagner im Werte von 24 Millionen. Seit dem 1. Januar 1906 hat Amerika in Europa 1204 Automobile gekauft und dafür 23 Millionen Mark bezahlt, wozu noch 2 Millionen Steuern lommen.

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Ein erlebtes Drama. Der Buchhalter Alberto Olivo in Mailand hatte seine Frau vor einigen Jahren in einem Anfall von Jähzorn erstochen. Um sein Verbrechen zu ber bergen, zerstückelte er den Leichnam und brachte ihn unauffällig nach Genua, wo er eine Barfe mietete, um ihn außerhalb des Hafens ins Meer zu versenfen. Der Mörder wurde frei gesprochen. Jetzt hat er ein von ihm verfaßtes Drama ver öffentlicht, das den Titel Vom Gipfel in den Abgrund" trägt und worin er seine Lat psychologisch zu rechtfertigen sucht. In drei Aften und einem Nachspiele schildert er die Geschichte seiner Liebe und Ehe und seines Verbrechens. Das Trauerspiel, das ein geistig nicht unbedeutender Mensch nicht ohne Geschick niedergeschrieben hat, ist jedenfalls ein interessantes menschliches Dokument.

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Der Hauptmann" von Köpenid wird Rentier! nach der Veru.teilung Voigts ist ihm das warme Inter jeiner Mitbürger nicht nur erhalten geblieben, im Gegenz 3 hat sich noch gesteigert. Eine sehr vermögende Berlize Dame hat sich an die Verteidigung Voigts gewandt und Abficht fundgegeben, ihm eine lebenslängliche Rente zu stifter o daß er den Rest seines Lebens nach der Entlassung as em Gefängnis, gegen Sorgen geschüßt, verleben kann. Bog ber hiervon benachrichtigt wurde, hat erklärt, daß er Schenkung mit innigem Dant annehme. Im übrigen iste ehr zufrieden mit dem Urteil der Straffammer. Die rie Jahre Gefängnis hofft er bei guter Gesundheit zu übersteher Ein französischer Graf als Indianerhäuptling.t Dakota ist vor furzem der Liourhäuptling Wachsame Schlange" gestorben. Hinter diesem echt indianischen Name erbarg fich ein altfranzösischer Adliger, der Graf Loizeau da Ballon. Der Graf war nach einem an Abenteuern reichen Reben nach dem wilden Westen verschlagen worden, wo uch bald eine Sioux- Indianerin ehelichte. Eines Tages e jielt der in die Stammesgemeinschaft der Sioux aufgenommene Braf die Nachricht, daß er in Frankreich die Erbschaft vor 30 000 Frants gemacht habe. Der neugebadene Indiane ieß sich durch einen Notar in Dakota die Erbschaft au jändigen. Mit ihr gab er seinem Stamme ein solennes Fest. Sechs Wochen währte das Schmausen und Zechen und er Whisky floß ohne Ende. Voll Bewunderung beeilten die kothäute sich, den Grafen zum Häuptling zu wählen.

Der Landwirt.

mn. Nenbelebung des Flachsbaues in Deutschland. Ta preußische Minister für Landwirtschaft hat den Landw schaftskammern zwei Berichte zugehen lassen, welche du Möglichkeit und Zweckmäßigkeit einer Neubelebung des heimischen Flachsbaues sowie die Maßnahmen zu einer den Zeitverhältnissen entsprechenden Förderung dieser Kulturart erörtern. In der Denkschrift wird der Schwerpunkt auf den Anbau von Flachs zwecks Abgabe des Rohprodukts( Stro Flachses) an die Industrie gelegt. Es wird empfohlen, Flacht in größerem oder fleinerem Umfange gewissermaßen a Handelsgewächs zur industriellen Verwertung anzubauen. Da ländliche Hausfleiß verdient gewiß weitgehende Beachtung und Unterstüßung. Demnach wird auch durch Beihilfen aus Fords der landwirtschaftlichen Verwaltung die Erhaltung des Flachs baues und damit der Hausweberei zu fördern gesucht. Na der andern Seite wird eingehend zu prüfen sein, ob der An bau von Flachs als Handelsgewächs dem Landwirt zurzeit empfohlen werden kann und ob die Verwertung des Ernte produkts als Strohflachs zweckmäßig erscheint. Für die ganze Frage der Wiederbelebung des Flachsbaues wird die Berü fichtigung der wirtschaftlichen Momente( Rentabilitätsfrage bon wesentlicher Bedeutung sein. Hierbei wird nicht un berücksichtigt bleiben dürfen, ob die zurzeit infolge des Nieder ganges des Flachsbaues in Rußland geschaffenen günstigeren Konjunkturen für den Flachsbau in Deutschland eine längere Dauer versprechen.

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Wütend dem Bemerken verkaufte, chiveine aus eſpielten Streiches gab fich der Räder trieb diefelben vor eines reichen oder geizigen Bäders Haus, niemals ins Wasser getrieben werden Trotzdem tat dies der Bäcker, die Schweine verschwanden und nur Strohwische schwammen oben auf dem Wasser. mit bem ex fie wohfeil Schweine

Samstag, ben 8. Dezember

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Familienz

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