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+ Defraudationen in einer Stadtkasse. Am Freitag waren in der Leipziger Stadtkasse Unregelmäßigkeiten entdeckt worden, deren Ursache fich zunächst nicht feststellen ließ. Am andern Morgen stellte sich der Staatsanwaltschaft der Stadtkassierer Brüßmann mit der Selbstbezichtigung, große Beträge aus der Stadtkasse unterschlagen zu haben. Es soll sich um den trag von etwa 100 000 Mark handeln.

Bunte Cages- Chroník.

Berlin, 3. November. Das unter der Firma Löwenthal in der Dorotheenstraße betriebene Wettbureau ist gestern durch

die Kriminalpolizei aufgehoben worden. Es wurde eine große Anzahl von Wettzetteln und bares Geld im Betrage von etwa 2000 Mart beschlagnahmt.

Berlin, 3. November. Ein Schadenfeuer äscherte heute nacht die Holzscheibenfabrik von R. Hinz in Groß- Lichter, felde ein. Der Betrieb ist unterbrochen, etwa 100 Arbeiter werden brotlos. Der Schaden beträgt etwa 200 000 Mart und ist nur teilweise durch Versicherung gedeckt.

Lüdenscheid, 3. November. Die hiesige Metzger- Innung ermäßigte den Preis des Schweinefleisches von 1 M. auj 75 Pf. für das Pfund.

München, 3. November. Der Hotelportier Foertsch in München hat in Abwesenheit seiner Frau seine 6- und 8jährigen Mädchen und fich erschossen. Das Motiv der furchtbaren Tat ist unbekannt.

Budapest, 2. November. In Miskolcz wurden bei einem Zusammenstoß zweier Güterzüge 6 Waggons zertrümmert; zwei Bahnbeamte wurden getötet, einer schwer verletzt.

Chicago, 3. November. Hier wurde ein Mann verhaftet, welcher eines Postdiebstahls in Höhe von zwei Millionen Dollars verdächtig war. Die Summe wurde größtenteils bei ihm vorgefunden.

Kunst und Wiffenfchaft.

M. Die internationale Konferenz für drahtlose Telegraphie hat in einmonatlichen Beratungen in Berlin einen Vertrag festgelegt, der von folgenden Staaten unterzeichnet wurde: Deutschland, Vereinigte Staaten von Amerika, Argentinien, Desterreich, Ungarn, Belgien, Brasilien, Bulgarien, Chile, Dänemark, Spanien, Frankreich, Großbritannien, Griechenland, Italien, Japan, Mexiko, Monaco, Norwegen, Niederlande, Berfien, Portugal, Rumänien, Rußland, Schweden, Türkei und Uruguay. Das Abkommen sanktioniert im wesent­lichen die von dem einladenden Staat Deutschland der Konferenz unterbreiteten Vorschläge. Der Schwerpunkt liegt in der Bestimmung, wonach der Austausch funken­telegraphischer Nachrichten zwischen Küstenstation und Schiff ohne Rücksicht auf das jeweilig angewendete funfentelegraphische System obligatorisch gemacht wird. Nach dem Schlußprotokoll zu dem Abkommen sollen die Vertragsstaaten das Recht haben, einzelne Küstenstationen von der Interkommunikationspflicht auszunehmen, jedoch nur unter der Bedingung, daß an Stelle der auszunehmenden Station eine andere den Be­dürfnissen des allgemeinen Verkehrs genügende Station für den uneingeschränkten Nachrichtenaustausch bereitgestellt wird. Italien und Montenegro sowie England haben sich Vorbehalte reserviert, weil für fie Kontrafte mit Marconi bestehen, die möglicherweise erst abgekauft werden müssen. Das Ab­tommen tritt vom 1. Juli 1908 ab in Kraft.

R. Pearys Nordpolexpedition ist auf dem Rückwege be= griffen. Es ist dem kühnen Forscher gelungen, bis zu 87 Grad 6 Minuten nördliche Breite vorzubringen, dem nördlichsten Punkt, der bisher von einem Nordpolfahrer erreicht worden ift. Das Ziel seiner Sehnsucht, den Nordpol, fonnte Beary, der bereits zum achten Mal die arktische Zone bereist, nicht erreichen. Der Forscher sandte an den Polarforschungsflub in Newyork folgendes Telegramm: Der Dampfer Roosevelt" ( das Schiff der Expedition) überwinterte an der Nordküste bon Grant- Land. Im Februar wurde eine Schlittenexpedition nordwärts angetreten, und trotz ungünstigen Wetters gelangte Beary über das Eis bis 87 Grad 6 Minuten nördliche Breite. Nach vielen Mühsalen kehrte die Expedition zu dem Schiff zurüd. In einer zweiten Expedition, die nach Westen ging, und auf der die ganze Nordküste von Grant- Land bereist wurde, entdeckte Peary beim 100. Meridian neues Land.

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M. Der Internationalen Erdbebenvereinigung ist nunmehr auch die Großbritannische Regierung, zunächst auf die Dauer bon vier Jahren, beigetreten. Da England ein umfassendes Netz von Erdbebenstationen in Europa und den ausländischen Kolonien besitzt, so hat die von Deutschland angeregte inter­nationale Organisation die gewünschte Vervollständigung und Abrundung nunmehr erreicht.

Cokales.

** W gen des Ablebens des Erzherzogs Otto von Desterreich ist am Darmstädter Hofe eine Hoftrauer vom 2. bis 8. November einschließlich angeordnet worden.

*

Uebertragen wurde am 31. Oftober dem Lehrer Friedrich Schön zu Unter Seibertenrod eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ulrichstein. ** Ein Veteran von 1848, Amtsgerichtsbiener i. P. Soseph Seis, ift vergangene Woche verstorben. Der Siegerv.rein gab seinem langjährigen Mitgliede das letzte Beleite.

* Meisterkurse für Schuhmacher, Schneider, Sattler, Bagner, Echreiner, Glaser, Maler, Lackierer, Weißbinder, Buchbinder, Portefeuillers une Tapezierer werden auch diesen

Vermittelungsstelle

ben An- und Verkauf von Buchtvieh im Anschluß an die schäftsstelle des landw. Vereins für die Provinz Oberhessen

zn Alsfeld.

Winter über vom Landesgewerbeverein in Darmstadt ab­gehalten. Doch fann dies auch an anderen Orten geschehen und auch für oben nicht bezeichnete Gewerbe, wenn sich an anderen Orten eine genügende Anzahl Teilnehmer zusammen­finden. Alles nähere ist von den Ortsgewerbevereinen oder von der Zentralstelle zu erfahren, der es selbst auch erwünscht ift, wenn die fich Meldenden etwaige Wünsche wegen der Beit des Unterrichts usw. vorbringen.

G. H. Rembrandt- Feier. Wie tief das Kunst­bedürfnis in unser Volf eingedrungen ist, zeigte der rege Besuch der gestern vom Evangelischen Arbeiterverein Gießen im Konfirmandensaal( Liebigstraße) arrangierten Rembrandt­Ausstellung. Dieser Bug ist so erfreulich, weil er uns fagt, daß unser Volk noch auf gesundem, sittlichem Boden steht, denn nur einem solchen vermag er zu entsprießen. Den Volksfreund aber macht er zum Gärtner, der ihn zu hegen und zu pflegen hat. Vou dieser hohen Aufgabe war auch Professor Dr. Sauer durchdrungen, der am Nachmittage mit einem fesselnden populären Vortrage die Erschienenen in das Verständnis des großen holländischen und in letter Be­ziehung deutschen Meisters einführte. Rembrandt ist vor

300 Jahren( am 6. Juli 1906) geboren. Mitten in sein Leben fällt der 30jährige Krieg, von dem Holland aber verschont blieb. Die Niederlande hatten vielmehr bereits die härtesten Rämpfe hinter sich. Mit niederdeutschem Troß und niederdeutscher Bähigkeit hatten sie sich von Spanien und der katholischen Kirche loggerissen und bauten jetzt ihren Staat aus; Handel und Gewerbefleiß blühten mächtig empor. Und diese mächtige Welle kräftigen Voltstums trug auch Rembrandt in die Höhe. Kein Fürst bezahlte die holländischen Meister, niemand anders als das Volk unterhielt sie, denn

das starke Bürgertum hatte ein ausgeprägtes Kunstbedürfnis. Es war fräftig und gesund, sodaß sein Boden die Kunst tragen fonnte. Besonders entfaltete die Malerei sich zur herrlichsten Blüte und zwar war sie, wie sie ja auch nicht anders sein konnte, eine protestantische Kunst, die Haupt­

quelle ihrer Motive war den Künstlern die Bibel.

Ferromanganin,

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Kreuzpunkt der Haupt- und Kleinbahn hat einen un­* Abeudstern, 4. Nov. Die Station Abendstern am geahnten Aufschwung genommen, wozu ganz besonders die eröffnete Güterber ladestelle beigetragen hat. Aber auch für die Biebertalbahn ist nun endlich der

lang begehrte Anschluß durch Geleisanschluß und Schütt­werk geschaffen worden. Letzteres, hinter dem Gabriel­schen Kalkwerk gelegen, hat die Firma Faber.Betzdorf geschaffen. Der gesteigerte Verkehr hatte auch eine Ver­mehrung des Dienstpersonals zur Folge. Für legteres werden im nächsten Jahre hierselbst entsprechende Dienst­wohnungeu erbaut.

§ Langsdorf, 3. Nov. Unser neuer Bürger meister Schiel hat die Amtsgeschäfte übernommen. -1- Grünberg. Einbruch. Hier wurde in die Apotheke eingebrochen. Den Dieben ist nicht allzuviel in die Hände gefallen.

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* Wetzlar, 2. November. Das Schöffengericht berhandelte laut Beßl. Anz." u. a. über nachstehende Fälle: befehl, weil er im August vorigen Jahres aus der Lahn Der Unternehmer K. R. von Gießen erhielt einen Straf­haben sollte. In einer Schöffengerichtssigung vorigen Jahres bei Launsbach ohne schriftliche Erlaubnis Kies entnommen wurde die Angelegenheit zweds weiterer Feststellung vertagt. Da die Sache inzwischen verjährt ist, wird der Angeklagte freigesprochen. Die Verhandlung gegen den Unternehmer K. R. von Gießen und den Tagelöhner G. H. von Baunsbach, die angeklagt sind, in der Gemarkung Launsbach in der Lahn ohne Erlaubnis gebaggert zu haben, wird, da über die Grenze dortselbst Zweifel bestehen, vertagt.

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K Nieder Ohmen, 4. Nov. Ein Doppelfeft fand heute in unserem Dorfe statt, die Gemeinde feierte verbunden mit dem diesjährigen Kirchweih fest die Einweihung des Anlaß prangte das Dorf in schönstem Festschmuck. Um neu erbauten prächtigen Schulhauses. Aus diesem 2 Uhr wurde am Bahnhof ein stattlicher Festzug aufgestellt, an dem die Schulklassen, die Ortsvorstände, die Vereine, der Kreisrat Hölzinger Alsfeld, Kreisbauinspektor Fischer, Kreisschulinspektor Ed, Defan Wagner- Grün­Un den beiden berg und zahlreiche Lehrer teilnahmen. Dunkelberger Abschiedsreben. Vor dem neuen Schul­alten Schulhäusern hielten die Lehrer Schäfer und hause fang der Gesangverein:" Die Himmel rühmen des Ewigen Güte". Pfarrer Becker hielt die Weiherede, Kreis­

neue

Rembrandts Leben ist ein sehr bewegtes gewesen: zuerst steigt es ais leuchtendes Gestirn auf, das immer mehr er­glänzt, bis es vom Zenith aus überall seine Strahlen hin­schießt, und sinkt dann jäh in die Vergessenheit hinab- der einst so gefeierte Amsterdamer Porträtmaler stirbt einsam und verlassen in bitterer Not. Der Höhepunkt seines Schaffens fällt mit seinem Eheglück zusammen, in dem er das berühmte Champagnerfrühstüc malte. 1642 tritt die Wendung ein. Die Schüßengilde hatte ihn beauftragt, ein Gemälde zu schaffen, in dem 17 Einzelporträts vorkommen sollten. Rem­brandt faste die Aufgabe aber in seiner eigenen Weise auf und als das Bild, von dem er sich so viel versprochen hatte, fertig war, befriedigte es die liebe Eitelkeit der Auftraggeber nicht. Man wandte si ab von ihm und der Modemaler Rembrandt war vom Brett abgesetzt. Das hatte ihm die Treue gegen sich selbst eingetragen und dadurch bekommt fein Leben einen tieftragischen Bug. Rembrandt hat nie um den Beifall der Menge gemalt, er ging vielmehr nach feinem eigenen fünstlerischen Empfinden, das ihn bestimmte, alles mit Leben auzufüllen und auf das Nebensächliche zu verzichten, um das Große mit voller Kraft herauszubringen. Sein Geheimnis liegt aber in dem Helldunkel, in dem Durch bringen von Licht und Schatten, das er geschaffen hat und mit dem er die Linie beseelt. Aber nicht nur ein Meisterschulinspektor Ed gedachte der hohen Bedeutung eines neuen des Pinsels war er, sondern auch ein Künstler der Radier­zadel, in deren Führung er unübertroffen dasteht. Er war überhaupt ungemein vielseitig, doch hat er sich freiwillig Grenzen gezogen.- Lebhafter Beifall lohute die Ausführungen des Vortragenden. Eingerahmt wurde sein Vortrag von musikalischen Aufführungen, die von Rentamtmann Schäfer und Musiklehrer Bernhardt am Klavier und Harmonium Die Ausstellung selbst bestand aus einer Reihe guter Reproduktionen, die von der Lesehalle gesammelt sind, und einigen Mappen. Zum Schlusse dankte Ober­bibliothekar Dr. Heuser den Versammelten für ihr Er­seinen und den Ausführenden für ihre Mühe.

geboten wurden.

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** Die Contentia- Gießen hielt Samstag Abend im Neuen Saalbau" ein über alles Erwarten gut verlaufenes Wintervergnügen ab. Es waren angenehme und anregende Stunden, die geboten wurden. Die Mufit spielte flotte Meisen, Kouplets und Theater sorgten für fortwährende Steigerung der guten Stimmung und die Festleitung war unermüdlich auf ein geschlosses Abwickeln des Programms bedacht. Der Vorsitzende, Herr Bed, htelt eine furze Be­grüßungs- Ansprache und überreichte im Verlaufe des Abends dem früheren verdienten Vorsitzenden, Herra Carl Wagner, anfäßlich seiner 25jährigen Mitgliedschaft ein Diplom, das ihm die Ehrenmitg edshaft verleiht. Die ausgezeichnet vor. getragenen Kouplets fanden ungeteilten Beifall, namentlich bestach aber Deutschlands jüngste Größe", der Räuberhaupt­mann von Röpenit den Saal. Nicht minder Beifall erzielte der Einafter Des Herrn Referendars Antritts- Visitte", der durchweg recht flott durchgespielt wurde. So griff alles in. einander, den Abend zu einem recht genußreichen zu machen. Den Schluk bildete der Ball, der die Festteilnehmer big an den hellen Morgen zusammenhielt. Am Sonntag- Nach­mittag unternahm die Contentia" einen Ausflug nach dem Windhof, der bei guter Beteiligung gleichfalls zu allgemeiner Zufriedenheit verlief.

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Kreisrat Schulhauses für Erziehung und Unterricht. Hölzinger dankt der Gemeinde für das Entgegenkommen einem Hoch auf den Großherzog. Der Sängerchor sang: bei dem Neubau. Bürgermeister Neeb schloß seine Ansprache mit ,, Lobe den Herren". An die Feier schloß sich die Besichtigung des Schulhauses, das mit seinen zwei Stockwerken einen sehr gefälligen Anblick bietet. Die Kosten betragen ca. 55 800 f. ? Hochweisel. Das Ehepaar Jung feierte am Sonntag die goldene Hochzeit und zugleich ein Entel des Jubel­paares sein Hochzeitsfeft.

* Bad- Nauheim, 4. Nov. Die Eisensteingruben in Langenhain sind jezt wieder in Betrieb gesetzt worden, nachdem sie in den Besitz der Firma Haniel über­gegangen sind. Die Gruben bieten jezt wieder zahl­reichen Arbeitern lohnende Beschäftigung.

Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Dienstag, den 6. November. Veränderliche Bewöltung, leichte Regenfälle, etwas fühler, starke westliche Winde.

( Näheres durch die Gießener Wetterfarte.)

Verantwortlich: für die Politik und den Inseratenteil Albin Klein; für den übrigen Inhalt: Georg Horn, beide in Gießen.

Manche Mütter glauben, ihren Säuglingen eine fräftige Nahrung zuzuführen, wenn sie ihnen schon im frühen alter unverdünnte oder nur wenig verdünnte Milch geben, ohne zu bedenken, daß dieselbe so von den Kindern nicht verbaut werden fann, also nicht fräftigend, sondern als Ballast wirkt und dadurch den Appetit beeinträchtigt. Will man die Kuhmilch kräftiger machen, so muß man ihren Nährwert erhöben und dieses erreicht man, wenn man zu der dem Alter des Kindes entsprechend verdünnten Kuhmilch Kufetes Kindermehl hinzugibt, das durch seinen Gehalt erhöht, sondern auch die Kuhmilch durch Herbeiführung einer fein­an Eiweiß- und Mineralstoffen nicht nur den Näbiwert der Milch flockigen Gerinnung im Magen des Kindes leichter verdaulich macht.

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