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- Von den letzten dreizehn Millionen Rubel, die zum Bau neuer Kriegsschiffe ausgeworfen wurden, sind bereits drei Millionen Rubel gestohlen.

Türkei.

** Wieder hat eine bulgarische Bande U.theil angerichtet. Nach Angaben der Pforte hat eine bulgarische Sarafow­Bande in Dorran im Wilajet Saloniki 32 Mohammedaner und eine zweite Sarafow- Bande sieben Mohammedaner, ge­tötet.

Afrika.

Kaiser Menelik von Abessyrien hat eine Münzreform für sein Land angeordnet. Bisher gilt als Zahlungsmittel ausschließlich der Marien- Theresientaler und Würfel aus Steinsalz als Scheidemünze. Anstelle des Maria- Theresien­Talers soll ein neuer Taler mit Unterabteilungen in halbe, viertel und achtel Taler, versehen mit dem Bilde des Kaisers Menelik und der Inschrift in amarischer Sprache, eingeführt werden. Die neuen Münzen wurden in Paris geprägt. Amerika.

Im Kurhaus vergiftet. Im Sommerfurort Hohe Geiß im Braunschweigischen erkrankten dieser Tage bald nach dem Mittagessen an vierzig Personen. Die Mehrzahl liegt unter schweren Vergiftungserscheinungen darnieder.

Raub auf der Eisenbahn. Als der St. Gotthard- Zug an einem der letzten Abende in Mailand einlief, wollte der Direktor der italienischen Oper im Haag das Kupee erster Klasse verlassen, in dem er die Fahrt gemacht hatte. In diesem Augenblick wurde er von einem Mitreisenden ge­würgt und seines Portefeuilles mit 6000 Francs beraubt. Als der Ueberfallene dem Räuber nacheilen wollte, wurde ihm von zwei eleganten Herren unter der Maske der Teil­nahme der Weg vertreten. Man hatte indessen die Nummer der Droschke gemerkt, in der der Räuber entflohen war, und so gelang es, diesen zu fassen. Es ist ein Staliener namens Corsi, der mit seinen beiden Komplizen in Basel den Zug bestiegen hatte.

** Die verschiedentlichen Bestechungsaffären unter der Beamtenherrschaft der Vereinigten Staaten ziehen weitere Kreise. Nicht allein im Baumwollhandel, sondern auch in der Tabakverwaltung sollen für Geld Aufklärungen und Mittei­Jungen von Beamten an die interessierten Kreise abgegeben worden sein. Der Sekretär des Ackerbau- Departements Wilson hat angeordnet, daß Gerüchte, denen zufolge die Be­richte über die Tabakernte im Interesse des Tabakstrust zu­rechtgeschnitten worden wären, gründlich untersucht werden sollen. Der Tabaksbericht für Juli, der sonst stets in den Ernteberichten des Departements veröffentlicht wird, ist noch zurückgehalten worden. Es ist ausgerechnet worden, daß die Makler, denen die Baumwoll- Ernteberichte verraten wurden, Millionen eingeheimst hätten. Der Bundessenator Mitchell wurde zu tausend Dollar Geldstrafe und sechs Mo­naten Gefängnis verurteilt, weil er seine Stellung als Se­nator dazu mißbraucht hatte, die Geschäfte seiner Advokatur zu fördern.

Heer und flotte.

Ein neues Artillerie- Schulschiff. Das Reichsmarineant bestimmte den großen Kreuzer Vineta", zuletzt Flaggschiff auf der ostamerikanischen Station, zum Artillerie- Schulschiff. Umbau und Modernisierung erfolgen kommenden Winter. Die Wiederbesetzung der ostamerikanischen Station wird frühestens im Frühjahr 1906 erwartet.

Hof und Gesellschaft.

Die höchste Eisenbahn. Unter Beteiligung zahlreicher Touristen aus aller Herren Länder ist vorgern die Strecke Eigerwand- Eismeer der Jungfraubahn in Betrieb genom­men. Die Bahn wird elektrisch geführt, und die Anlagen funktionieren tadellos. Von dem Endpunkt Eismeer hat man einen großartigen Blick auf die Belt der Hochalpen. Man befindet sich dort in nächster Nähe zahlreicher Firnen­kuppen und steht unmittelbar über dem gewaltigen Fischer­horn- Gletscher. Es ist beabsichtigt, die Bahn späterhin auw höher hinauf zu führen.

Der Kaiser hat sich bei dem König von Dänemari zu einem Besuch angesagt. Auf seiner Ostseefahrt ist der Kaiser vor Wisby auf der Insel Gotland eingetroffen.-- Heute trifft der Kaiser anläßlich des Geburtstages des Prinzen Oskar in Cadinen ein und fährt Freitag von dor nach Danzig, um sich dort wieder an Bord der Hohenzollern" zu begeben.

Soziales Leben.

Das gelbe Fieber. Nach der Bekanntmachung des Ge­sundheitsamts in New- Orleans sind dort seit dem 13. Juni bis jetzt 154 Fälle von gelbem Fieber vorgekommen, und 34 Todesfälle sind festgestellt.

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dg Die Heuernte. Das Mähen der Wiesen wird vielfach noch an bestimmten Kalenderlagen borgenommen, und doch ist für den Zeitpunkt, wo die Wiese gemäht werden soll, nicht der Kalender bestimmend, sondern die Beschaffenheit der auf den Wiesen stehenden Pflanzen. Im allgemeinen soll man beim Beginn der Blüte mähen. Nun ist aber auf einer Wiese nie nur eine bestimmte Pflanze anwesend, son. dern stets ein Gemisch von Kräutern und Gräsern, deren Blütezeit sehr verschieden ist und oft weit auseinanderliegt. Daher soll man das Mähen sofort dann vornehmen, wenn die Pflanzen zu blühen beginnen, welche am meisten auf der Wiese vertreten sind. Immer aber muß man dabei be achten, daß es bei dem Mähen der Wiesen mehr auf die Güte der Ernte, als auf deren Menge ankommen soll. Wie sen, welche mehr als einmal gemäht werden, müssen schon deshalb recht früh dieser Maßnahme unterzogen werden, da mit sich die Pflanzen wieder erholen können, und der zweite Schnitt ebenfalls gut ausfällt.

Ritter Blaubart in Amerika. Schon wieder steht in Newyork ein Prozeß bevor, der einem Frauenmörder gilt. Ein gewisser Carlton steht unter dem Verdacht, einen Freund, dem er Geld schuldete, und mindestens zwei Frauen, die beide an Kinnbackenkrampf starben, vergiftet zu haben. Auch einem stark versicherten Onkel soll er den Weg aus dem Dasein erleichtert haben, und in seinem Besitz befanden sich Adressen von jungen Mädchen aus allen Teilen des Landes. Ob er diese alle der Reihe nach heiraten und ins Jenseits befördern wollte, mag sein Prozeß enthüllen. Der Verhaf­tetz hat Medizin studiert und sich besonders eingehend mit Giften beschäftigt. Er ging bei seinen Mordtaten höchst raffiniert vor. So hat er seiner Kage gewisse Gifte ein­geimpft in der Hoffnung, daß das Tier scine zweite Frau anstecken und vergiften würde.

Bergarbeiterstreif auf den staatlichen Kohlengruben in Hannover. Die Verhandlungen sind bisher resultatlos ver­laufen. Die Bergbehörde lehnt die Lohnforderungen ent­schieden ab und will nur zusagen, in eine Prüfung der übrigen Beschwerden wegen schlechter Behandlung, Unsauberkeit in der Grube usw. einzutreten. Für Mittwoch früh hat die Bergbehörde selbst eine Versammlung der Bergleute ins Zechenhaus einberufen, die aber unter strengstem Ausschluß der Deffentlichkeit stattfinden soll. Gleichzeitig macht die Berginspektion bekannt, daß, wer bis Donnerstag die Arbeit nicht wieder aufgenommen hat, die Abkehr erhält. Zehn Mann sollen bereits entlassen sein.

Nab und fern.

Eine Familie vom Blik getroffen. In Marksdorf bei Fürstenwalde schlug bei einem der letzten heftigen Gemitter der Blizz in das Haus des Bauerngutsbesitzers Große. Dieser und sein neunzehnjähriger Sohn waren auf der Stelle tot. Au ein jüngerer Sohn wurde schwer verlegt, dagegen kami die Ehefrau mit unerheblichen Verwundungen davon.

Post- Diebstähle. Im südlichen Oberbayern treibt zur zeit eine Bande ihr Wesen, die es besonders auf die Post­gehäude abgesehen hat. Im Zeitraum weniger Wochen wur den in fünf Postgebäuden Einbruchsdiebstähle verübt, wobei die Einbrecher besonders ansehnliche Mengen Briefmarken, daneben aber auch bares Geld erbeuteten.

Tages- Chronik. Eine Typhus- Epidemie ist in Preez in Pommern ausgebrochen.

Bei Henkenhagen an der pommerschen Küste ist der dänische Dreimastschoner Johann Friedrich" gestrandet.

Im Schwarzwald kam ein Ingenieur bei einem Zu­sammenstoß seines Motorrades mit einem französischen Automobilfahrer ums Leben.

Las Fahrrad als Todesursache. Auf der Dorfstraße in Delsa bei Löbau i. S. wurde ein zwölfjähriges Kind von Angst erfaßt, als es einen Radfahrer kommen sah, troy dem die Mutter es beruhigte. Als aber nun gar der Rad­fahrer vom Rade stieg und an das Kind die Frage richtete, warum es stehen geblieben sei, übte dieser harmlose Vorfall eine schreckliche Wirkung auf die Kleine. Sie wankte, fiei um und war auf der Stelle vor Schrecken tot.

Kunft und Wiffenfchaft.

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Vermischtes.

Mangel an Heringen. Ueber die Fangergebnisse der Herings- Logger in der Nordsee sind zurzeit wenig erfreuliche Mitteilungen an den Küsten eingelaufen. In sieben Wochen haben die von Glückstadt ausgegangenen Logger der dortigen Fischereigesellschaft nur je 50 bis 60 Tonnen gefangen. Auch die übrigen Fischerei- Gesellschaften haben über sehr geringe Fänge zu klagen. In Elsfleth ist dieser Tage der Logger " Oberrege" mit 284½ Tonnen heimgekehrt; er hatte in Ler­bik den Fang von mehreren Loggern übernommen. In Hol land sind die ersten beiden Logger mit einem Gesamtfang von 200 Tonnen angekommen.

MK Ein weiblicher Professor. Dr. Florence R. Sabin ist zum Professor der Anatomie an der Johns Hopkins- Univer­sität in Baltimore ernannt worden. Die Dame gilt als eine Autorität in Nervenleiden.

+ Ein Riesen- Saal. Der Magistrat von Frankfurt a. M. plant für den im Jahre 1907 dort stattfindenden Sänger­wettstreit die Erbauung einer Festhalle mit 25 000 Sig plätzen und 14 000 Geviertmetern bebauter Fläche. E wird das der größte Saal Deutschlands. Die Kosten wer­den drei bis vier Millionen betragen.

MR Mittel gegen die Genickstarre. Der italienische Gelehrte Guido Baccelli wendet gegen die Genickstarre mit großem Erfolg Sublimateinspritzungen in die Venen an. In allen von ihm behandelten 15 Fällen wurden die Kraufen gerettet.

Hingerichtete Mörderin. In Schneidemühl wurde vor einigen Tagen das Dienstmädchen Michalina Urbiniak, das das zweijährige Kind des Distriktskommissars Hartung in Kreuz ermordet hatte, hingerichtet.

Hus dem Gerichtsfaal.

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Vornehme Automobil- Sünder. In Bamberg wurde bor kurzem ein Automobil polizeilich angehalten. Es ge schah das auf eine telegraphische Requisition aus Oberfran­fen, wo das Automobil eine Chaise überfahren hatte. Als Schnellfahrer wurde in Bamberg der Fürst Ferdinand von Bulgarien festgestellt. Auch die Kieler Polizei hatte eine ähnliche Aufgabe zu erfüllen. Ein dortiger Schußmann er­schien auf der Jacht des amerikanischen Milliardars Vander­bilt, der in der Düsterbrooker Allee mit seinem Automobil zu rasch gefahren war. Der Amerikaner entzog sich den Weite­rungen dadurch, daß er mit seiner Jacht alsbald in See ging.

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Der ehemalige Rhein- Lauf. Bei den Ausschachtungen und Baggerungen im neuen Hafengebiet zu Meiderich hat man seit einiger Zeit Funde von eichenen Planken, Resten alter Fahrzeuge, von Schiffsgerät mittelalterlichen Ur­sprungs, Ankern, Münzen u. dergl. zu Tage gefördert, durch die die archivalisch bereits aufgestellte Behauptung hand­greiflich erwiesen wird, daß der Rhein ehemals nördlich von Duisburg, am Schwanentor vorbei gen Meiderich geflossen ist. Die Fundstelle weist darauf hin, daß der Rhein durch Mittelmeiderich bezt. Lacum( Lacum- Lac- heim d. h. Wohn­stätten an den sumpfigen Niederungen des ehemaligen Rhein­bettes) geflossen ist und bei Laar sein heuiges Bett erreichte, Ruhrort links liegen lassend.

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Die Flucht aus dem Irrenhause. Großes Aufsehen er­regt zurzeit die Flucht der schönen Mrs. Wilson aus dem Irrenhause in Poupkeepsie im Staate Newyork. Die Dame berſtand es, den jungen Sohn des Direktors der Anstalt für sich zu gewinnen, der mit ihr durchbrannte. In einem fashio­nablen Hotel in Connecticut entdeckte man das Paar. Dort berlangte der Vater des Jünglings Rückkehr beider in seine Anstalt. Aber dieser warf sich zum Ritter der verfolgten Unschuld auf und erklärte, die schöne Frau sei ebenso wenig verrückt, wie er selber. Das Pärchen fand auch Mittel und Wege, die Flucht fortzusehen. Nach geltendem Recht kann die Entflohene nicht wieder in die Anstalt zurückgebracht wer. den, wenn sie binnen dreißig Tagen nach ihrer Flucht den Staat Newyork nicht wieder betritt.

§ Die Lipper Diesseits"-Depesche. An die lippesche Thronfolgefrage erinnert der Prozeß, der zurzeit vor dem Schöffengericht zu Lage in Lippe zur Verhandlung steht. Er richtet sich gegen den Redakteur der Lippeschen Landes: zeitung", Emil Neumann, und zwar wegen Beleidigung des Vizepräsidenten des lippeschen Landtags, Stärkefabrikanten Hoffmann in Salzuflen. Die Landeszeitung" hatte auj Grund einer Depesche des Kammerherrn Kekulé von Stra­donit in Groß- Lichterfelde an Hoffmann, in der es als diesseits" wünschenswert bezeichnet wurde, daß bei der Be­handlung der Lippeschen Thronfolgefrage der Reichstag aus: geschaltet werde, Hoffmann bezichtigt, daß er gegen sein eigenes Fürstenhaus mit dessen Gegnern konspiriert und von diesen Instruktionen entgegengenommen habe, so daß sein Verhalten an Hochverrat grenze. Hoffmann behauptet, daß er an dem ganzen Shahzuge des Herrn von Stradonitz un schuldig sei. Der angeklagte Nedakteur will beweisen, daß Hoffmann sogar die Personen kenne, die hinter der Dies seits- Depesche" ständen. Auf Antrag des Verteidigers des Angeklagten wurde die vom Privatkläger Hoffmann bei Ge­richt eingereichte Verteidigungsschrift verlesen, in der gegen den angeklagten Redakteur der schwere Vorwurf erhoben wurde, daß er nicht aus ideellen, sondern aus materiellen Gründen gehandelt habe und sein Verhalten durch die Sucht nach klingender Münze diftiert gewesen sei. Der als Zeuge geladene Mirister Gevekot ist vom persönlichen Erscheinen entbunden und in seiner Wohnung kommissarisch vernommen worden. Er erklärte, daß er die Diesseits- Depesche" ale gegen die Interessen der lippeschen Staatsregierung und des Regentenhauses gerichtet betrachte, und daß er der An­sicht sei, daß in der Depesche das Ansinnen oder die Auf­forderung des Herrn Kekulé, v. Stradonitz an den Privat fläger liege, im lippeschen Landtage dahin zu wirken, daß die Reichsgesetzgebung zur Schaffung eines Gerichtshofes über die Thronfolgefrage ausgeschaltet werde.

Wider die Schleppe. Ein Verbot des Tragens von Schleppen an Damenkleidern hat neuerdings der Magistrat der Stadt Laibach erlassen. Jede Dame, die auf öffent­Tichen Straßen und Plätzen eine Schleppe trägt, wird danach miil Strafe bedroht.

Die Pocken in Paris. Die schwarzen Bocken treten zur zeit in Paris epidemisch auf. Gegen fünfzig Fälle wurde:: feitgestellt. Die Gesundheitsbehörden haben umfassende Vor­fichtsmaßregeln getroffen, um die Ausbreitung der Epidemic zu verhindern.

Amerikanische Dampfer- Preise. Aus Newyork form! focben eine Meldung, derzufolge dreizehn Dampferlinier bereinbart hätten, daß der Zwischendeckpreis von Newyor! 1.at cem Mittelmeerhafen mindestens 26 Dollars betragen 10ll.

Der Landwirt.

Die Girondiften Russlands. ( Eig. Bericht.)

Moskau, 25. Juli.

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Von dem Semstwofongreß, der jetzt zu Ende gegangen ist, wird wahrscheinlich in der Geschichte Rußlands eine neue Epoche datieren, seine Forderungen mögen erfüllt werden oder nicht. Im Falle der Nichterfüllung werden an ihre Stelle viel weitergehende Forderungen treten, und diese wird man nicht abweisen können, wie die der Semstwo- Kongreß männer, der russischen Girondisten, die in Wirklichkeit weit weniger schlimm sind, als sie scheinen. Sie nennen sich De­mokraten und werden so genannt, aber demokratisch ist an ihnen einzig das Verlangen nach einer aus allgemeinen Wahlen hervorgehende Volksvertretung. Zu diesem Ver­langen sehen sie sich aus Furcht vor dem bestechlichen Beam­tentum gedrängt, das jede andere Wahlform fälschen und feine unabhängigen Männer in die Volksvertretung gelan­gen lassen würde. Zu den Semstwo- Demokraten gehören Männer, die sogar mit einer gemäßigter Autokratie ganz gut sich vertragen, die vollständig zufrieden sein würden, renn die Volksvertretung nur ein beratendes Votum hätte. Breßfreiheit wollen sie haben, um sich des Beamtentums er­wehren und seine Korruption aufdecken zu können, Rechts­gleichheit und strenge Gesetzmäßigkeit im übrigen mag der Bar nach seinem Gefallen regieren. Das sind etwa die An­schauungen des kaiserlichen Kammerherrn Scho pow, des Führers aller Gemäßigten im Semstwo- Kongreß. Ihn hat vor drei Jahren Plehwe gemaßregelt. Er gehörte zu den Mitgliedern und der Deputation, die am 19. Juni in Peter­hof vom Zaren empfangen wurde. Mehr als geniaßregelt, verbannt und unter Polizeiaufsicht gestellt, war ein anderer Kongreßführer Jwan Petruntiewitsch aus Twer. Ein drittes hervorragendes Mitglied, Fedor Roditschew, war im Jahre 1895 mit dem Verbot jeder Teilnahme an öffentlicher Tätigkeit belegt worden, weil er sich unterstan­den, in der Gouvernements- Semitwoversammlung an der eben zum Thron gelangten Zaren Nikolaus II. eine sehr ge­mäßigt konstitutionelle Adresse vorzuschlagen. Roditschem war eben der Meinung gewesen, und allem Anschein nach hat er sie noch nicht aufgegeben, daß er für sich und die anderen Russen einen Bruchteil der Freiheiten beanspruchen dürfe, bie er 1876/77 unter Billigung des Zaren für die Serben hatte erkämpfen helfen. Die Brüder Fürsten Paul und Peter Dolgorukow, Fürst Schachowskoi, Fürst Georg Lebow, der Großgrundbesitzer Nikolai Levom, dem die aufgeregten Bauern jüngst die Wälder verwüstet haben, Adelsmarschall NowoBilzew, Professor Fürst Sergius Trubeßkoi und Graf Peter Heyden, der Präsident des Kongresses, gehören mit zu den zahmen russi­schen Girondisten, denen hoffentlich das Schicksal der fran­zösischen Vorbilder erspart bleibt.

pk Ausstellung der deutschen Landwirtschafts- Gesellschaft. Die Ausstellung wurde Donnerstag mittag in Gegenwart des Prinzregenten, sämtlicher Prinzen und Prinzessinnen des bayerischen Königshauses, des diplomatischen Korps, der Minister und zahlreicher Landwirte eröffnet. Anwesend war auch der preußische Landwirtschaftsminister v. Podbielski. Prinz Ludwig von Bayern eröffnete die Ausstellung mit einer längeren Rede, in der er des allgemeinen Interesses gedachte, welches sowohl der Prinzregent wie der Kaiser der Landwirtschaft stets entgegenbringen, und schloß mit einem Hoch auf den Prinzregenten und den Kaiser. Nach weiteren Ansprachen folgte die Vorführung von Remonten und Militärpferden sowie von anderen Pferden. Prachtvolles Wetter begünstigte die Feier.

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