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Mr. 146.
Erstes Blatt.
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Redaktion u. Saupterpebition: Gießen, Seltersweg 88. Fernsprechanschluk Nr. 362.
Samstag, den 24. Juni 1905.
Gießener
14. Jahrgang.
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Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
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für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
Der Krieg in Oftafien.
Ueber die Vorgänge in der Mandschurei lätt sich auch heute noch kein klares Bild gewinnen, obwohl es sehr wahrfcheinlich ist, daß die bisherigen Zusammenstöße die Einleitung zu der großen Schlacht bei Kirin bilden, von deren Musgang das Schicksal der Armeen Generals Linewitsch und wohl des ganzen Feldzuges abhängt.
Die Umzingelung der Russen,
tie mit der Hauptmacht bei Gundschulin stehen, durch Flanfemmärsche der Japaner in der Richtung Kirin erscheint in mer wahrscheinlicher. Marschall Oyama soll stark genug cin, um ohne Hilfe von Nogi und Hasegawa das russische Gros einige Wochen lang beschäftigen zu können. Anfang Suli würden gleichzeitig Nogi nach Passierung mongolischen Gebietes in Huaidensian im Nordwesten der Russen und basegawa in Omoso crsayeinen, so daß die beiden japanischen Armeechefs die zwischen ihnen liegenden russischen Hauptpofitionen Gundschulin und Kirin umflammern könnten. Binewitsch kann sich nicht so sehr schwächen, um durch Entfendung der ganzen Armee des General Kaulbars die Umflammerung zu verhindern.
General Nogi bedroht bereits die Rückzugslinie. Ghe er diese erreichen könnte, müßte er zuerst noch den Uebergang über den Sungarifluß erzwingen, und es ist anzunehmen, daß General Linewitsch diesen sehr energisch und urn jeden Preis verteidigen, wird. Auffällig erscheint die Untätigkeit der Heere Nodzus und Okus, die aber wahr= scheinlich nach den Plänen des Marschalls Oyama den Hercrimarsch des General Hasegawa gegen den Tjumenfluß abwarten, um dann zu einem konzentrischen Angriff vorzuachen. Die unter Befehl Hasegawas stehende seckite javanische Armee ist 100 000 Mann stark und hat die Aufgabe, Wladiwostok abzuschneiden, um später die Beherrscherin des Ostens" mit der noch nicht auf dem Kriegstheater ersdienenen siebenten Armee zu belagern und zur Uebergabe 311 zwingen. Gelingt es Hasegawa, den Uebergang über den Tjumen zu forcieren und die entgegenstehenden Russen zu werfen, so wäre Linewitsch von seinem natürlichen Stüßpunkte Wladivostok abgeschnitten und dürfte kaum dem vereinigten Ansturm der japanischen Heeresinassen unter Nogi, Oku und Nodzi widerstehen können. Während so die Dinge an der Front auf des Messers Schneide stehen, haben
die Friedensverhandlungen
noch feine bestimmte Gestalt angenommen. Aus Tokio wird allerdings gemeldet, daß die Präliminar interhandlungen fortgesezt werden und einen befriedigenden Verlauf nehmen. Auch Präsident Roosevelt soll sich neuerdings wieder sehr bringend beim 3aren für alsbaldige Einstellung der FeindSeligkeiten verwandt haben. Ein Londoner Blatt will erfahren haben, Präsident Roosevelt habe den Kaiser von Rußland mit großem Nachdruck aufgefordert, die japanische Regierung um einen Waffenstillstand zu ersuchen. Präsident Roosevelt hat den Kaiser von Rußland aufmerksam gemacht, daß ein Waffenstillstand für Rußland eine Wohltat wäre, rachdem eine neue Schlacht nur eine neue Niederlage, ja eine Katastrophe für das russische Heer herbeiführen könne. Bräsident Roosevelt teilte dem Zaren zum Schlusse mit, daß bie japanische Regierung bereit wäre, unter gewissen Bebingungen einen Waffenstillstand zu gewähren, aber nur, wenn Rußland darum ersucht. Selbstverständlich würde Sapan unter feinen Umständen einen Waffenstillstand anregen. Rußland als die unterliegende Kriegspartei müsse diesen Schritt unternehmen. Ob man in Petersburg endlich daran denken wird, die Konsequenzen aus dem Zwang der Notwendigkeit zu ziehen? Oder noch einmal die Kriegspartei die Oberhand behält und weitere zehntausende von Menschen mußlos an die Schlachtbank liefert? Denn daß man in Rußland heute noch ernsthaft daran denken dürfte, Japan den Siegespreis und die bisherigen Erfolge aus der Hand zu nehmen, kann nicht gut angenommen werden.
Die Politik.
Bedrohliche Nachrichten kommen aus dem BismardArchipel. Der Dampfer„ Sigismund" hat aus FriedrichWilhelmshafen die Meldung gebracht, daß die dort lebenden Europäer in jedem Augenblick einer bewaffneten Erhebung der Eingeborenen entgegensehen.
*
brauchsanw. 2 Mk. Post Sperre der Bergwerke wurde in der Berggesegfommission des
er Nachn. exkl. Porto.
Hyglenisches Instit Franz Steiner&
Der Gesetzentwurf über die zeitweilige MutungsHerrenhauses angenommen in der Fassung des Abgeordnetenhamjes. Nur die Abänderung wurde vorgenommen, daß der Tag der Verkündigung des Gesetzes die Frist bilden
rlin 365, Königgrätzers foll, bis zu welcher Mutungen noch angelegt werden dürfen.
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1 Lany 6-10 PS.
1 Stahlschmidt 12-15
illigft abzugeben.
abrik, Herba
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In der Marokkoangelegenheit verlautet, daß die endgültige Beilegung der deutsch- französischen Meinungsverschiedenheiten unmittelbar bevorstehe. Der Botschafter Cambon reiste nach London ab mit dem Auftrage, England zur
Teilnahme an der Marokkokonferenz zu bewegen. Der Botschafter Bihourd wird auf seinem Berliner Posten verbleiben. Die Note, die der Ministerpräsident Rouvier dem deutschen Botschafter über die Marokkofrage überreicht hat, bildet eine förmliche vöfferrechtliche Abhandlung, die beweisen soll, daß Frankreich als Nachbar Marokkos ein Recht auf besondere Ueberwachung besitzt, aber nicht gesonnen ist, die Unabhängigkeit des Sultans anzutasten. Die Note schlägt einen durchaus versöhnlichen Ton an.
In Tanger rechnet man mit der Möglichkeit, daß der Sultan seiner Einladung an die Mächte eine Zusaynote merde folgen lassen, in der die Hoffnungen Ausdruck finden sollen, die Marokko auf die Wirksamkeit der Konferenz setzt.
Wie unser Berliner CB- Mitarbeiter erfährt, besteht nicht die Absicht, wegen der Unruhen in Deutsch- Südwestafrifa weitere Truppen- Verstärkungen an die Grenzen des Schußgebietes und der Kapkolonie zu entsenden. Die leitenden Kreise sind der Ansicht, daß es nicht leicht sei, die Banden an der Südostgrenze niederzuhalten, zumal es diesen ermöglicht ist, zeitweilig auf englischen Boden zu flüchten und dann unvermutet zurückkehren. Man hofft darauf, daß die Kulturnationen sich bei dem Anschvellen der schwarzen Gefahr zu gemeinsamer Abwehr vereinigen werden.
Oefterreich- Ungarn
Z Das Schicksal des Kabinetts Fejerbarn soll noh nicht feststehen. Der Ministerrat beschloß wohl, nicht zu demissionieren, doch wird es als nicht ganz ausgeschlossen bezeichnet, daß die Stellung Fejervarys durch die Mißtrauenstundgebungen der beiden Barlamente unhaltbas geworden set.
Italien.
Die Encyklika des Papstes über die politische Vetä tigung der Katholiken soll in Berlin und Wien mit Befrie digung aufgenommen worden sein, weil sie zur Stärkung der italienischen Monarchie beitrage. Weniger zufrieder zeige man sich in Paris, da man von einer Annäherung zvi schen Batikon und Quirinal die Schädigung französischei Interessen et.varte.
frankreich.
In Baris ist der internationale Kongreß für Acker bau in den Kolonien zusammengetreten. England, Deutsch land, Holland, Italien und die Vereinigten Staaten sind vertreten. Der Kongreß beschloß die Bildung eines inter nationalen wissenschaftlichen Ausschusses, der die Aufgabe hat, alle den Ackerbau und die Industrie in den Kolonien berührenden Fragen zu studieren. Der Ausschuß wird in Paris in diesem Sommer tagen.
Spanien.
Das neue Kabinett ist jetzt gebildet. Der König hai folgende Liste des Ministeriums bestätigt: Präsidium Montero Rios, Jnneres Garcia Prieto, Auswärtiges Saint Roman, Finanzen Urzaiz, Krieg Weyler, Marine Villanueva, Ackerbau Romanones, Justiz Pena, Unterricht Mellado. Russland.
+ Die allgemeine Bewegung im Innern des Zarenreiches hat auch den südöstlichen Teil des Kaukasus ergriffen. Das Militär ist machtlos gegenüber dem explosibeln Aufflackern der Volksleidenschaft, die sich einstweilen in erbitterten Kämpfen zwischen mohammedanischen Kurden und Tataren und christlichen Armeniern äußent. Namentlich der Aufstand im Gouvernement Griman hat große Dimenfionen angenommen. Die Zahl der Aufständischen wird auf etwa 40 000 geschätzt. Im Kreise Scharuchanski überfiel eine Bande Aufständischer vier armenische Dörfer unter Nauben und Brennen. Es fand eine regelrechte Schlacht statt, wobei es über 100 Tote gab. In der Nacht warfen sich die herbeigeeilten Truppen auf die Rebellen, nahmen 870 gefangen und töteten den Anführer. Der Aufstand geht auch auf die benachbarten Gouvernements über. In Sunhulari fand ein Gefecht zwischen Kurden, Tataren und Militär statt. Die Soldaten mußten das Bajonett gebrauchen. Zwei Dörfer wurden bei diesem Kampfe eingeäschert. Von offizieller Seite wird der Aufstand als unwesentlich hingestellt.
Ein neuer Landesverteidigungsrat ist errichtet worden. Zum Vorsigenden wurde der Großfürst Nikolaus Nifolajewitsch ernannt. Der Landesverteidigungsrat hat über Maßnahmen bezüglich der Entwickelung der Militärmacht entsprechend den gegebenen politischen Aufgaben RußTands sowie über Vorschläge des Kriegsministers und des Marineministers für den Fall eines Krieges zu beraten, ferner die Durchführung der für die Landesverteidigung angeordneten Maßnahmen zu beaufsichtigen und über Meinungsverschiedenheiten in Fragen der Landesverteidigung zu entscheiden. Der Minister des Innern hat das Erscheinen der Zeitung Rusi" für einen Monat verboten.
Amerika.
W Der famose Präsident Castro von Venezuela macht wieder von sich reden. In einem Defret vom 22. Mai hat
er bestimmt, daß in Carenero, 75 Weilen östuch von La Die Nachricht Guayra ein Zollhaus errichtet werden soll. hat lebhaftes Interesse erregt in Anbetracht der Tatsache, daß durch die Errichtung dieses Zollhauses die den Gläubigermächten verpfändeten Zölle von La Guayra wesentlich herabgesetzt werden.
* Für Beschleunigung der Flottenbauten der Vereinigten Staaten sprach sich Präsident Roosevelt in einer Rede zu Williamstown aus. Roosevelt sagte, er würde lieber sehen, daß die Nation die Monroe- Doktrin und den Panamakanal aufgebe, als daß sie zwar auf der Monroe- Doktrin und dem Bau des Panamakanals beharre, sich aber weigere, für die einzigen Mittel zu sorgen, die ein Volk der Achtung der übrigen Völker würdig machen. Amerika müsse mit dem Bau bon Schiffen fortfahren und die Flotte auf dem höchsten Punkte der Leistungsfähigkeit erhalten oder es müsse aufhören, danach zu streben, eine große Nation zu sein
Heer und flotte.
Neue deutsche Dampferlinie nach Nordafrika. In Ham burg wird eine neue, regelmäßige Dampferlinie nach nord afrikanischen Häfen, zunächst besonders nach Aegypten, eingerichtet, und zwar unter Aufnahme einer in Belgica schon bestehenden Reederei. Man bringt das neue Unternehmen mit der nach Abessinien entsandten außerordentliche: Gesandtschaft zusammen.
Verjüngung im Marine- Offizierkorps. Im Anschluß ar die diesjährigen großen Flottenmanöver im Herbst sollen eine Anzahl der ältesten Admiräle der deutschen Flotte au dem Frontdienst scheiden. Die Verjüngung wird sich in die höchsten Kommandostellen erstreden.
Soziales Leben.
[] Der Volksheilstätten- Verein vom Roten Kreuz kann auf eine zehnjährige Tätigkeit zurückblicken. Er hat eine große Reihe von Anstalten und Einrichtungen zur Befämpfung der Tuberkulose ins Leben gerufen, und ein starfer Prozentsatz der Pfleglinge ist aus den Heilstätten als boll erwerbsfähig entlassen. Auch auf dem Gebiete der Familienfürsorge und Arbeitsvermittlung wurden im Zufammenarbeiten mit den betreffenden Behörden erfreuliche Erfolge erzielt.
Der Hrzt auf dem Kriegsfchauplatz. Russischer und japanischer Sanitätsdienst.
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Die Münchener Medizinische Wochenschrift erwirbt sich ein Verdienst durch die Veröffentlichung eines Auffazes von Dr. v. Pezold, worin ein Auszug aus militärärztlichen Berichten vom Kriegsschauplatz gegeben wird. Das Rote Kreuz arbeitet im Felde mit reichen Mitteln, während die staatlichen Militärärzte nur färglich ausgestattet sind und überhaupt auch nur etwa ein Viertel der gesamten sanitären Arbeit auf dem Kriegsschauplatz leisten. Das Rote Kr, dem also drei Viertel dieser Arbeit zufallen, verfügte im borigen Herbst auf russischer Seite über 166 Kolonnen mit 22400 Betten und 455 Aerzten und hatte in den ersten sieben Monaten des Kriegs durch freiwillige Spenden 15 Millionen Rubel vereinnahmt, von denen 10% Millionen verbraucht wurden. Allerdings zehrt die Organisation sehr stark an den Mitteln des Roten Kreuzes, zumal nachweislich erhebliche Unterschlagungen vorgekommen sind. Dr. Köcher erwähnt eine geradezu operettenhafte Veranstaltung eines russischen Oberstallmeisters, der auf eigene Kosten
eine brittene Kolonne von 5 Aerzten und 50 Kranfenbetten ausgerüet hatte, dafür aber auch selbst mit vier Pferden, zwei Köchen, zwei Dienern und dreizehn Riesenkoffern reiſte, in einem Purpurzelt wohnte und große Feste gab. In eine ernste Tätigkeit trat dics Unternehmen überhaupt nicht ein, da dem Herrn Oberstallmeister seine Aerzte und Krankenpfleger eines Tages auf und davongingen. Ueber die inilitärärztliche Organisation auf russischer Seite werden von den verschiedenen Aerzten lel hafte lagen geführt. Dr.Köcher tadelt daran so ziemlich alles, sowohl bezüglich der Einric tung, Gliederung und Instruktion, wie namentlich in dem Punkt, daß das Personal garnicht die Ziffern erreichte, die ihm nach der Etatsaufstellung zutämen. Die Zeitung sei keine einheitliche, die Chefärzte seien nicht selbständig, der Krankentransport, die erste Hilfeleistung und die Verwaltung der Hospitaler nicht genügend geregelt. n den Hospilälern wird mit der größten Rücksichslosigkeit P für die Ausnahme neuer Verwundeter geschaffen. Bis zum 1. Januar wurden etwa 140 000 Nchtgeheilte aus den Spitäle herausgenommen, bei denen sich nun auch ganz besonders der Mangel an guter Bekleidung geltend mac Ein Stabsarzt, der 30 Ruhrkranke meldete, erhielt emen Rüffel, weil es Ruhr in der Armee nicht geben dürfe, und der Hinweis auf das mit dicker Schimmelfruste bedeckte Brot blieb unbeachtet. Immerhin wird hervorgehoben, daß in Anbetracht all dieser Unzulänglichkeiten die russische Militärärzte das Menschenmögliche geleistet haben. Die Krankenwagen der Russen haben auf den ch chten Wegen in der Mandschurei völlig versagt. Die Sua fenzüge sind oft aufs Aeußerste überfüllt gewesen, und die Verwundeten


