Ausgabe 
22.7.1905 Zweites Blatt
 
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untergebracht werden mußte. Nun streiten sich die beiden Städte Leipzig und Eisenach darüber, wem die Sorge für die Unterhaltung des unglücklichen Menschen obliegt.

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= Die Schädlichkeit der Ueberkragen. In einer der neuc­sten Nummern einer Londoner medizinischen Zeitschrift macht ein Professor der Medizin darauf aufmerksam, daß die überhohen Kragen, wie sie jetzt vielfach von Herren getragen werden, direkt gesundheitsschädlich sind. Das Tragen dieser modernen Ueberfragen ruft mit der Zeit ein Gefühl von Luftmangel und Benommenheit im Kopf hervor, ja es trägt dazu bei, den Hals in abnormer Weise zu verlängern und zu verf: immen. Ob alle solche Hinweise aber dazu führen wer­den, einer Modetorheit den Garaus zu machen, ist doch wohl fraglich.

- Aus Miß Roosevelts Leben. Zu einer der am meisten beschäftigten jungen Damen in Amerika gehört die Tochter des Präsidenten der Vereinigten Staaten. Nach einer Auf­stellung, die Mis Alice selber als richtig bestätigte, hat sie in den letzten 15 Monaten 408 Diners mitgemacht, 350 große Bälle besucht und an 300 Tanzunterhaltungen teilgenommen. Außerdem hat sie 680 five o'clock- Tees beigewohnt und 1700 Besuche gemacht. Ferner mußte sie mit 32 000 Per­sonen den Handschlag wechseln. In dieser Zeit hat sie sechs­mal als Brautjungfer fungiert. Was die junge Dame bei dieser anstrengenden gesellschaftlichen Tätigkeit elastisch; er­hält, ist die Pflege des Sports. Ihr Vater äußerte einmal von ihr: Meine Tochter nimmt es beim Gehen mit mir auf und hält das ziemlich scharfe Tempo, das ich einzuschlagen gewöhnt bin, viele Kilometer weit aus."

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Ein gutes Geschäft ausgeschlagen. Um zu erweisen, wie mißtrauisch die Menschen sind, hatte dieser Tage ein Repor­ter in Washington gewettet, daß er auf öffentlicher Straße Silberdollars für 25 Cents verkaufen wolle, ohne daß er dafür viele Abnehmer finden werde. Er hat seine Wette glänzend gewonnen. Während eines ganzen Tages bot er in den belebtesten Straßen seine Dollars für die paar Pfen­nige an, und nur drei Personen gingen auf den Handel ein. Es waren das ein Beamter, cin Briefträger und ein Student. Der letztere gestand offen, daß er der Meinung war, in eine Falle gegangen zu sein, daß er aber den Spaß eben mit­machen wollte. Der Beamte erklärte, er habe die Geschichte von der Wette des englischen Lord gekannt, der auf der Lon­doner Brücke vor einem Tische voller Goldstücke stand und einen Gold Sovereign für einen Kupfer- Penny anbot, ohne daß jemand auf den Handel einging. Nur der Briefträger betrachtete die Sache vom geschäftsr..äßigen Standpunkte, er hatte die Tollars genau untersucht und für echt befunden. Alle die vielen Hunderte, denen der Reporter sonst noch seine Dollars für den vierten Teil des Wertes anbot, wollten von dem Handel nichts wissen, die meisten betrachteten ihn als Schn indler und bedrohten ihn zum Teil.

= Liebe nach dem Tode. Ein rührendes Erlebnis schil­dert ein Sommergast, der die Kirche und den Friedhof von St. Wolgang in Salzkammergut besuchte. Dort steht ein Beinhaus, in dem hunderte von Schädeln in Reih und Glied aufgeschichtet sind, jeder mit Namen und Todesjahr auf der Stirn. Die Frau, die das Beinhaus zeigte, aber gab fol­gende Erklärung dazu: Sengen's, gnä' Herr, unser Fried­hof is so klein, daß er alle zehn Jahre umgrab'n wird. Ta macht der Totengräber dann die Schädel für die Verwandt­schaft so zurecht. Sengen's, das sind Bruder und Schwester, der Vater und die Mutter leben noch. Der da hat da unten einen Laden gehabt, seine Frau führt ihn jetzt." Und so wußte sie von jedem eine Geschichte. Dann deutete sie noch auf einen großen Schädel, streichelte zärtlich die Stirn und sagte, mit einer Träne im Auge: Und das war mei Mann!"

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Eine Erbschaft mit Hindernissen. In Berlin starb vor einiger Zeit ein wohlhabender Herr, der in seinem Testament die Summe von 15 000 Mark der Stadt Lauenburg in Pont­mern bermachte unter der Bedinguna. daß die Stadt das

auf dem dortigen Friedhofe befindliche Erbbegräbnis der Familie des ehemaligen Bürgermeisters Höne, eines Ver­wandten des Erblassers, in Stand halte. Nun ist aber vor drei Jahren der Teil des Friedhofes, auf dem das Hönesche Erbbegräbnis stand, planiert und dabei dieses abgerissen. Die Lauenburger möchten die Erbschaft gern haben, werden sie aber wohl verlieren, weil sie nicht mehr im stande sind, die ihnen auferlegt: Bedingung zu erfüllen.

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Denkmal für der Entdecker der Tabakspfeife. In diesen Tagen wird in Saint- Malo ein Denkmal für den Seefahrer Jacques Cartier enthüllt. Er war im Jahre 1491 in Saint- Malo geboren, und er entdeckte die einstigen französischen Besitzungen in Nordamerika. Von dorther brachte er auch die Kunde von dem merkwürdigen Gebrauc der Eingeborenen, die Kraut anzündeten, den Rauch ein­sogen und ihn wieder von sich gaben, wobei, wie er sich aus. drückte, die Nase die Bedeutung habe, wie der Schornstein der Häuser.

Kunft und Wiffenfchaft.

TG Ein Kongreß für die Naturheilmethode. Vom 12. bis 15. August findet in Lüttich der Erste Internationale Kongreß für Physiotherapie statt. Wie in allen großen Staaten ist auch in Deutschland ein Komitee gebildet, zu dessen Präsident Herr Geheimrat v. Leyden und Sekretär Herr Dr. Immelmann- Berlin vom Ausschuß des Kongresses ernannt ist. Der Kongreß umfaßt alle Zweige der Natur heilmethode: die Elektrotherapie, die Mechanotherapie und Massage, die Radiotherapie, die Thermo-, Aero- und Hydro­therapie. Eine fritische Zusammenfassung dieser neusten für die Medizin hochbedeutenden Wissenszweige im Rahmen eines Kongresses ist um so wünschenswerter, da die einzelnen Disziplinen der physikalischen Heilmethoden für den Prak tiker kaum noch) übersehen werden können, während er ihrer doch nicht mehr entraten kann. Der Kongreß soll auch dazu berufen sein, manche mit den erwähnten Disziplinen zu­sammenhängenden Fragen sozialer Natur durch internatio­nale Vereinbarungen einer Lösung zuzuführen, die geeignet ist, die Fachgenossen und auch das hilfesuchende Publikum vor Schaden zu bewahren, den ablehnende Unwissenheit und übertreibendes Kurpfuschertum bereits allerorten verursacht haben.

Moderne Sommerkleide

( on unserer ständigen Korrespondentin.)

Frau X. will die Sommerreise antreten, aber sie wird nicht fertig mit dem Packen. Schon sechsmal hat sie ein­und ausgepackt. Ein Kleid nach dem andern hat sie einer wiederholten Brüfung unterzogen, ob sie es wohl entbeh­ren könnte. Sie kann es nicht über sich gewinnen, eines der duftigen Gewänder daheim zu lassen. Da ist vor allem das reizend Morgenkleid! Es ist so allerliebst gemacht. Aus hellent gemusterten Mousseline besteht es und ist mit einem Fichi Marie- Antoinette, das ein Volant mit hellblauen Bändchen einsäumte, verziert. Sie legt dieses Morgenkleid auf die Chaiselongue in ihrem Ankleidezimmer, in dem das Einpacken sich vollzieht. Es kommt in Berührung mit einem Frack aus Spiken, der auf Taffet aufgearbeitet ist. Er ist bestimmt, einen weißen Tuchrock zu verschönen. Dieser Frack, der tatsächlich einem Herrenfrack gleicht, ist erst vor wenigen Stunden von der Schneiderin geschickt worden. Er gilt als neueste Neuheit der Saison. Ihn zurücklassen ist unmöglich. Frau X. überlegt, daß dieser Frack doch ein überaus prak­tischer Toilettengegenstand sei. Er soll die Bluse für elegante 3mede ersetzen. Man kann ihn daher ebensogut zu einem schwarzen Rock tragen. Auch zu einem hellen Seidenrock ist or passend. Frau X. meint, sie könne vielleicht auf die duftige rosa Seidenmulltoilette verzichten. Wie diese aber so da­liegt, einem Hauche, einem Zephir gleich, mit all den Ein­fägen aus Valenciennesviken, den flatternden Volants, mit

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dem weißen Medicigürtel, schießen ihr die Tränen in die Augen bei dem Gedanken, dieses echte Sommerkleid nicht im Sonnenglanz auf der Promenade den bewundernden Blicken ihrer Mitschwestern preisgeben zu sollen. Ob der hellgraue Stufenrod aus Tuch mit der gleichfarbigen Crèpe de Chine. Bluse und dem passenden grauen Tuchjäckchen wohl weniger vermißt würde? fragte sich die Besizerin so vieler Herrlich­feiten. Oder der fußfreie neue dunkelblaue Faltenrock mit der blauen Sohlnaht- Seidenbluse? Bedeutsam schweifen ihre Blicke über die verschiedenen umberliegenden weißen Patisi und einenkleider, über die hellen Foulardine- Toi­Totten, über die unzähligen durchsichtigen Blusen. Sinnend steht sie vor all dieser Pracht. Der heimkehrende Gatte weckt Fran X. aus ihren Gedankengängen. Schnell fließen ihr die Worte von den Lippen. froh, sich endlich aussprechen zu fönnen. Sie erzählt, daß in diesem Sommer die Toi­leiten zu viel Plak im Koffer einnehmen, weil sie einen über­retchen Svikenbejat; haben, weil sie fast alle aus leichten zar­ten Gespinsten bestehen, die sich so leicht verdrücken. Der Mann der Frau X. scheint ein ganz außergewöhnlich Kluger Mann zu sein. Ohne sich viel zu besinnen, schlägt er seiner Fran vor, die wertvollen, besonders schönen Kleider in ver­faiedene Kartons 311 packen und sie ver Post voraus zu sen den Am Nachmittag entfaltet Frau X. eine fieberhafte Tätigkei Um sie her knittert und knistert das Seidenpapier, und sie zabit vor Freude, als es ihr auf die angegebene Weise gelegen ist, alle ihre Kleider einzupacken. Emma Reichen.

Standesamt- Nachrichten der Stadt Gießen.

Geborene.

Am 10. Juli. Dem Fuhrknecht August Krag ein Sohn, Heinrich; 13. Raufmann Johannes Cüfters ein Sohn, Hans August Ludwig. 14. Tapezier Ludwig Offenbacher eine Tochter Raroline; Taglöhner Heinrich Pit ein Sohn, Heinrich Adolf; 16. Raufmann Ernst Müller 2. ein Sohn, Helmut Ernst Karl; 17. Tapezier Friedrich Julius Bohling eine Tochter, Johanna; 20. Universitätsprofessor Dr. Samuel Adalbert Eck eine Tochter, Lilly.

Aufgebote.

Am 13. Juli. Wilhelm Johann Karl Alfred Deifer, Kaufmann in Düsseldorf mit Elisabeth Wilhelmine Friederike Vittoria Dörr dahier. 14. Adolf Louis Trümpert, Gerichts­assessor in Butzbach mit Augufte Margarete Ida Hedwig Röhler dahier. 15 Karl Ludwig Emil Friedrich Traber, Gerichtsassessor dahier mit Wilhelmine Sophie Emilie Schneider in Lauterbach. 18. Ludwig Steinhäuser, Kauf­mann dahier mit Elsa Seuling hierselbst. 19. Adam Hoh­meier, Schneider dahier mit Karoline Busch hierselbst.

Eheschließungen.

Am 15. Juli. Karl Ludwig Philipp Ziegler, Kauf­mann in Höchst a. M. mit Amalie Luise Mecke dahier. 16. Franz Bauer, Brauer dahier mit Eisabethe Koch hierse.bst. 20. Johannes Philipp Duchardt, Meggermeister in Alsfeld mit Lina Feußer dahier.

Gestorbene.

Am 16. Juli. Peter Richard Urmersbach, 2 Mte. alt, Sohn des Gaftwirts Johann Richard Urmersbach dahier. 17. Magdalene Schimpf, geb. Müller, 74 Jahre alt, ohne Beruf dahier. 18. Konrad Jung, 72 Jahre alt, Kaufmann dahier.

Verantwortlich: für die Politik und den Inseratentei!: Ibin Klein, für den übrigen Inhalt: Georg Horn, belbe in Gießen.

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bieſent tollen Unfug ein Ende.

Volksweisheit. Stiftet und Schaden

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169.

Samstag, ben 22. Juli

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1906.