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Jelpwurst
Leberkäse
erschiedene Sorten
Wurstobstdiv. deutsche, franz,
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kalte
rschiedene Brate Fleischgelee
mit u. ohne Einlage
verschieden
Sülze Art
Refleisch
Ifleisch
Nr. 300.
Jufertion@ preis: Die einspaltige Betitzelle für ganz Oberben, die Kreise Weglar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Pfg. Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Bfg.
Bebattion u. Haupterpedition: teßen, Seltersweg 88. Fernsprechenschink Kr. 362.
Donnerstag, den 21. Dezember 1905
Gießener
14. Jahrgang
Abonnementspreis: abgeholt monatlich 50 Pfg., tn's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährl. Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberbeffische Familienzeitung( tägli) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.
Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeitung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhelfen.
Die Zeitungsbestellung nicht vergessen!
In diesen Tagen, so nche vor dem Fest, von anderen Dingen als Weihnachtsangelegenheiten an dieser Stelle zu reden, ist eigentlich vergebliche ühe, aber wir haben doch barauf hinzuweisen, daß die Poft in diesen Tagen ihre Beamten mit den Beitungs. Quittungen für das erste Duartal 1906 aussendet, und daß es sich empfi hlt für unsere Post Abonnenten, von dieser zu ihrer B quemlichkeit getroffenen Enrichtung Gebrauch zu machen und den Briefträgern den Betrag mitzugeben.
Im Weihnachtstrubel
wird's leicht sonst vergessen, und von Weihnachten bis Nujahr sind es heuer bei der feiertagsreichen Festzeit nur vier Arbeitstage, an denen die Postämter für den ganzen Tag geöffnet sind. Und auch dabei ist der Andrang groß. Die Bedeutung des Zeitungs- Abonnements braucht zum Schlusse bon 1905 nicht weiter begründet zu werden, die harmlose Gemütlichkeit ist aus der Beitgeschichte geschwunden, es geht in der Belt, wie wir aus der Reichstage: Thronrede und den wiederholten Kanzlerreden vernommen haben, recht ernst zu. Wir brauchen feine Besorgnis für uns zu hegen, aber wir haben aufzupassen! Darum wird das neue Jahr für deutsche Entwickelung und für deutsches wirtschaftliches Leben, sür bie Steuer- und Flottenpläne von der allergrößten Bedeutung sein. Zudem treten die neuen Handelsverträge in Krat und bereiten sich außerdem noch wichtige Angelegenheiten vor. Jum Ausland ist der Trubel bekanntermaßen groß. Was aus Rußland werden wird, weiß fein Mensch, möglich ist alles und jedes. In Paris findet im Februar die N uwah! eimes Präsidenten der Republik statt, und es kann uns bei ber Lage nicht egal sein, ob ein Chauvinist oder ein ruhiger Mann der Nachfolger von Loubet wird, der genug von der Ehre hat, der erste Mann in Frankreich zu sein. In Englamb bringen die Parlamentswahlen möglicherweise den uns nur zu gut bekannten Chamberlain ans Ruder, und i denfalls fällt die Entscheidung über die fünftige britische Handelspolitif. In Defterreich Ungarn herrscht die Verworrenheit des Parteihaders und Nationalitätenstreites weiter, im Daient rauchte, furzum, es fann mehr wie zuviel auf 1906
tommen.
Politifche Rundschau.
Deutsches Reich.
Allem Anschein nach wird die Maroffofonferenz nun doch in Algeciras abgehalten zu werden. Die spanische Regierung soll mit dem Plan der Verlegung nach Madrid leine besondere Geneigtheit in Paris und Berlin gefunder: haben. Die Unterbringung der Konferenzmitglieder in Algeciras soll bereits gesichert sein. Die noch schwebenden Borfragen nähern sich dem Abschlusse.
* Durch eine offiziöse Veröffentlichung wird die Herausgabe eines deutschen Weißbuches über Marokko jezt bestimmt angekündigt. Das Weißbuch wird gegenüber dem französischen Gelbbuch eine Darstellung vom Standpunkte der deutschen Politik aus geben.
* Die Bestrebungen zu einer Verbesserung der Beziehungen zwischen England und Deutschland gewinnen bei uns an Boden. In mehreren größeren Städten Westdeutschlands finden in den nächsten Tagen Versammlungen fatt, die sich mit der Frage beschäftigen werden. In Köln fo eine auf Betreiben der Handelskammer und der Handelshochschule einberufene Versammlung am 14. Januar abgehalten werden.
* In beteiligten Kreisen finden zahlreiche Protestverjammlungen gegen die geplanten neuen Reichssteuern tatt. Der Zentralausschuß Berliner faufmännischer Vereine bat nach zwei Vollversammlungen beschlossen, dem Reichstage die schweren Bedenen, die gegen die von der Reichsregierung borgeschlagenen Steuern auf Bier, Tabat und Zigaretten jowie die Verkehrssteuern seitens des Berliner Handels und der Berliner Industrie erhoben werden, in einer eingehend begründeten Eingabe zur Kenntnis zu bringen.- Eine Verfamrnlung von sächsischen Gastwirten protestierte gegen die geplante Reichsbrausteuer und erk ärte sich mit den BrauereiBeigern für solidarisch. Diese Sondersteuer würde schließlich
das Publifum abgewälzt werden. Die Stabiverordneien beschossen, den Magistrat zu veranlassen, er solle gegen die beabsichtigte Besteuerung der Straßenbahnabonnements beim Reichstag vorstellig werden.
In der badischen Kammer trat der Finanzminister Dr. Becker sehr warm für die Reichsfinanzreform ein. Der Minister sagte, es sei dringend erwünscht, daß der erneute Versuch der Regierungen gelingt, eine Verbesserung der Reichsfinanzen herbeizuführen; welche Gestaltung diese aber auch annehmen werden, in jedem Falle würden sie von den süddeutschen Staaten namhafte finanzielle Opfer erheischen. Um so berechtigter sei das Verlangen, daß ganze Arbeit gemacht werde unter grundsätzlicher Abgrenzung der Steuergebiete zwischen dem Reiche und den Bundesstaaten, und daß dem ersteren neue Einnahmequellen von solcher Ergiebigkeit und Steigerungsfähigkeit eröffnet würden, daß sie für eine Reihe von Jahren ausreichen.
Oefterreich- Ungarn.
** Die Stellung des Kabinetts Fejervary ist ziemlich zweifelhaft geworden. Infolge der im Reichstage gegen die Regierung erfolgten einstimmigen Kundgebung haben der erst fürzlich ernannte Gouverneur von Fiume, Graf Paul Szapary, mehrere Obergespäne, ebenso der Unterrichtsminister Lukacs und Honvedminister Bihar ihre Demission angeboten. Ministerpräsident Baron Fejervary ist nach Wien gereist, um dem Monarchen über die Lage zu berichten. Belgien.
** Da der von den türkischen Gerichten in Konstantinopel wegen des Mordanschlages auf den Sultan zum Tode verurteilte Attentäter Joris belgischer Staatsangehöriger ist, hat die belgische Regierung seine Auslieferung verlangt. Tiese Forderung wird von französischer Seite unterstützt. frankreich.
** Die im Januar bevorstehende Präsidentenwahl be= schäftigt das öffentliche Interesse in hohem Maße. Die Meldung, daß Ministerpräsident Rouvier nach dem Erfolge seiner Erklärungen über die Maroffopolitik der Regierung die meisten Aussich en habe, als Nachfolger Loubets das Elysee zu beziehen, soll nach zuverlässigen Nachrichten feine Beachtung verdienen. Als Kandidaten kommen nur Fallières und Doumer ernstlich inbetracht. Nach dem angeblichen Stand der Dinge zu schließen, scheint die Wahl Fallières mit mindestens 100 Stimmen Mehrheit gesichert zu sein.
England.
** Für die Annäherung Englands an Deutschland treten mehr und mehr einflußreiche Männer auf den Plan. Auf einer Versammlung in Penrith, die sich mit der Materie beschäftigte, wurde ein Telegramm des Lord Lonsdale verlesen, in dem er sagt:„ Alles, was dazu beiträgt, freundschaftliche Gesinnung zwischen Deutschland und England herbeizuführen, bereitet mir die aufrichtigste Freude. Niemand weiß besser als ich, daß in Deutschland tatsächlich fein Gefühl der Animosität gegen England besteht. Die darüber um= laufenden Redereien sind lediglich das Resultat falscher Zeitungsdarstellungen; und es gibt niemanden, der ein lebhafteres Gefühl der Freundschaft für das Reich Seiner Majestät Eduards VII. hat, als Kaiser Wilhelm und Fürst Bülow. Es erscheint verhängnisvoll für das Interesse unserer Nation, daß Flunkereien, die jeder tatsächlichen Be
gründung entbehren, mit der Absicht in Umlauf gesetzt werden, Feindschaft zwischen zwei Ländern gleichen Stammes und gleicher Religion, wie Deutschland und England, zn erregen." Ralkan- Staaten.
Verfassung gewählte erste montenegrinische Stupschtina ist ** Die auf Grund der vom Fürsten freiwillig gewährten mit einer Thronrede in Cettinje eröffnet worden. Die vom Fürsten Nikita verlesene Thronrede betont das zwischen Fürst und Volk seit Generationen bestehende gegenseitige Vertrauen, dessen Ergebnis die Gründung eines festen, seit hundert Jahren von der ganzen Welt als unabhängig anerkannten Staates gewesen sei. Obwohl die Entwicklung und das Gedeihen des Landes durch die Autofratie nicht behindert worden seien, habe der Fürst doch beschlossen, an deren Stelle ein anderes Regime zu setzen, welches Montenegro auf dem Wege des Fortschrittes weiter bringen werde. Die Verfassung, die der Fürst seinem Volfe gegeben habe, sei ein Erbe seiner liberalen Vorfahren, die das Freiheitsgefühl in den Herzen ihrer Untertanen am eifrigsten gefördert hätten. Die Thronrede kündigt sodann an, daß der Stupschtina ein Verfassungs-, gesetz sowie ein Gesetz über die Organisation Montenegros in militärischer, finanzieller und religiöser Beziehung zugehen werden. Nach dem Verlesen der Rede legte der Fürst den Eid auf die Verfassung ab.
Russland.
** Die Hamburg- Amerika- Linie hat mit der russischen Regierung Verträge über Rückbeförderung der russischen Truppen aus Ostafien abgeschlossen. Die Dampfer ,, Rugia", ,, Rhaetia", ,, Arcadia" und" Andalusia" sind bereits von Nagasaki nach Wladivostok abgegangen, um Truppen an Bord zu nehmen.
Afrika. ** Die aufständische Bewegung im Innern von Marokko macht sich wieder stärker bemerkbar. Etwa 2000 Mann Sultanstruppen sind bei Sidimussa versammelt, um einem angeblich bevorstehenden Angriff des Prätendenten auf Udjida entgegenzutreten.
Hlien.
** Das deutsche Kanonenboot" Tiger" ist in Shanghai eingetroffen und hat 75 Mann an Land gesetzt. Amerikanische, französische und japanische Kriegsschiffe treffen ebenfalls ein. Die Unruhen sind noch nicht ganz gedämpft, wiederholt wurden Europäer angegriffen und verletzt. Das deutsche Landungskorps bewacht das deutsche Konsulat. Nachrichten über Ausschreitungen des Pöbels sind auch aus anderen Städten eingelaufen. Die Vorgänge werden als symptomatisch angesehen und mit den Zuständen vor Ausbruch des BorerAufstandes verglichen. Wegen des Angriffs auf den deutschen Generalfonsul, der bei den Unruhen mit Steinen be= worfen wurde, hat die chinesische Regierung amtlich um Entschuldigung bitten lassen.
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Hof und Gesellschaft.
Der deutsche Kronprinz ist in Begleitung des Prinzen Joachim Albrecht in Königsberg i. P. eingetroffen, um an den dort stattfindenden Feierlichkeiten aus Anlaß des 250 jährigen Bestehens des Grenadierregiments Konprinz ( 1. Ostpreußisches) Nr. 1 teilzunehmen. Die Prinzen nahmen an dem Festgottesdienst in der Schloßkapelle teil. Dann fand auf dem Herzogsacker die Enthüllung des vor der Kaserne des Regiments gefallenen Kriegskameraden errichteten Denkmals statt.
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Die Hochzeit des Prinzen Eitel Friedrich von Preußen mit der Herzogin Sophie Charlotte von Oldenburg findet neueren Bestimmungen zufolge nicht am Tage der filbernen Hochzeit des Kaiserpaares, sondern erst Anfang März statt. Das neuvermählte Paar wird dann in der Villa Liegnitz in Potsdam Wohnung nehmen.
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* Der Kaiser hat dem Fürsten von Pleß zu Pleß, bei dem der Kaiser vor kurzem zur Jagd weilte, die Herzogs= Würde für seine Person verliehen.
Neuer Generalftreik.
Die Katastrophe beginnt. Zum letzten entscheidenden Kampfe holen beide Teile aus. Die sozial- revolutionäre Partei beginnt wieder mit dem Generalstreif, der diesmal nur ein Vorspiel für die blutige Entscheidung bildet. Denn die Regierung zeigt sich entschlossen, nunmehr entschieden Widerstand zu leisten.
Den unmittelbaren Anlaß zum Ausbruch, den man erst im Januar erwartete, hat die Verhaftung des Vorsitzenden des Warschauer Eisenbahnverbandes gegeben. Auf die Weisung des Rates der Arbeiter- Deputierten sind nun alle Arbeiter, eingeschlossen die Verkehrsbeamten, zum Streif entschlossen.
Die Revolutionäre an die Armee.
Man rechnet diesmal schon ganz offen auf die Armee. Aus Petersburg wird darüber gemeldet:
In einem Aufruf des allrussischen Zentralverbandes von Militärpersonen werden alle Offiziere und Soldaten von Heer und Flotte aufgefordert, einen allrussischen Armeestreit zu inszenieren, nicht gegen die Freiheitsfämpfer mit den Waffen vorzugehen, die Bürger vor Gewalttätig= keit zu schützen und eine neue Staatsordnung mit dem allgemeinen Wahlrecht herbeiführen zu helfen.
In der Wirkung dieses Aufrufes ist die Entscheidung enthalten.
Die Republik Rußland. Inzwischen haben die Revolutionäre es an der Zeit ge= halten, die Maske fallen zu lassen und offen ihre letzten Ziele zu enthüllen. Aus Moskau wird darüber berichtet:
Die Vertreter der revolutionären Parteien erließen ein Manifest, das die Arbeiter und die Truppen zur Gründung einer demokratischen Republik aufruft. Der Ton dieses Manifestes soll derartig herausfordernd sein, daß selbst radikale Blätter sich ententschlossen, es nicht zu veröffentlichen.
Vorbereitet ist diese Wendung bereits durch die Aufrichtung der revolutionären Herrschaft in einzelnen Städten und Länderteilen. Was in den Ostseeprovinzen begann, ist im Süden des Zarenreiches fortgesetzt. Es wird darüber aus Petersburg gemeldet:
Chartow ist in den Händen der Revolutionäre. Sie haben eine neue Stadtvertretung gewählt, die aus dem Stadtvermögen 10 000 Rubel für die Ausständigen bewilligte. In Tiflis sind neue Kämpfe zwischen Armeniern und Tataren ausgebrochen.
Ganz offen treten kommunistische Bestrebungen hervor. So haben in Jaroslawl 600 bewaffnete Arbeiter sich der Korfintinschen Fabrik bemächtigt und sie als Eigentum des Proletariats erklärt.
Flüchtige Deutsche.
Wer fann, rettet sich noch vor Toresschluß über die Grenze. Die letzten aus Rußland gekommenen Züge haben Hunderte von Flüchtlingen nach Eydikuhnen gebracht, die dort feine Unterkunft finden konnten und nach Stallupönen ge= schafft wurden. Für die Deutschen in den Ostseeprovinzen gehen weitere Dampfer ab. Dorthin ist auch ein englischer Kreuzer unterwegs.


