Nab und fern.
† Von der Cholera. Erkrankungs- und Todesfälle werden nur aus dem eigentlichen Choleragebiet gemeldet. In Burg im Spreewalde sind viele Erkrankungen an Brechdurchfall vorgekommen, die beobachtet werden. Für die östlichen Vororte Berlins ist eine Polizeiverordnung, betreffend die Desinfektion erlassen. Allseitig wird davor gewarnt, Flußwasser zum Trinken oder zu wirtschaftlichen Zwecken zu benußen. In Rußland ist die ärztliche Aufsicht über die auf den Grenzbahnen aus Preußen kommenden Personen angeordnet. Im preußischen Kultusministerium fand eine Sigung statt, in der festgestellt wurde, daß es sich nicht um eine Epidemie, sondern nur um vereinzelte Cholerafälle handeln, die natürlich besondere Vorsichtsmaßregeln auch auf Seiten des Publikums erheischen.
† Verwüstungen durch Sturm. In Niederwilt in Luremburg hat ein etwa 1,5 Minuten währender Wirbelwind furchtbare Verwüstung angerichtet. Die Obsternte ist vernichtet, die Kirche und der größte Teil der Häuser sind beschädigt. Zwei Gebäude sind eingestürzt, zwei Personen lebensgefährlich verletzt.
† Ein vierjähriger Mörder. In Kempfeld wurde der vierjährige Sohn eines Achatschleifers von seinen Eltern damit betraut, während deren Abwesenheit auf das zweijährige Brüderchen acht zu geben. Als die Eltern wieder nach Hause kamen, fanden sie den Kleinen mit zertrümmerter Schädeldecke tot daliegend. Der vierjährige Bruder hatte ihn mit einer Kartoffelhacke erschlagen.
† Mit der Gattin ertrunken. Im Nordseebad Kampen au Sylt ertrank beim Baden der Rechtsanwalt Reinshagen aus Leipzig mit seiner Gattin. Gegen Ende der Badezeit, als andere Badegäste nicht mehr anwesend waren, hatte der Rechtsanwalt mit seiner Frau im Damenbade gebadet, um dieser das Schwimmen zu zeigen. Um diese Zeit tritt die Flut ein, und beide Badenden sind vom Rückstrom fortgerissen und in der Brandung einer Buhne sofort ertrunken. † Eine Schwarze als Berliner Buffet- Mamsell. In einem Restaurant der Friedrichstadt in Berlin sieht man jetzt auc die erste schwarze Buffet- Mamsell. Das adrette Persönchen versteht mit Hilfe der Toilettenkünste sich recht zur Geltung zu bringen, und die kleine Negerin weiß recht gut, daß sie besonders hübsch aussieht, wenn sie ihre Zähne zeigt. Das Lokal wird besonders von Artisten viel besucht, die mit Vorliebe bei der„ kleinen Schwarzen" eine große Weiße" be stellen.
† Absturz in einer Burg- Ruine. Ein vierzehnjähriger Missionsschüler bestieg mit einigen Kollegen die Burgruine Ehrenstein. Von der Höhe des Warthturmes stürzte er 20 Meter tief ab. Unter großen Schwierigkeiten brachte man ihn herauf, doch starb der Verunglückte bald im nahe geTegenen Kloster.
† Durch Dampf verbrüht. In Elberfeld fand ein Restau rateur auf schreckliche Weise seinen Tod. Er wollte in seiner Brennerei eine Reparatur an einem Dampfkessel vornenh men. Dabei wurde er durch ausströmende Dämpfe schrecklich verbrüht.
† Bau- Unglücksfälle. Auf dem Neubau der städtischen Gasanstalt in Oelde stürzte infolge des Bruches eines provisorischen Holz- Unterbaues der Gasometer auf drei Arbeiter. Einem wurde buchstäblich der Kopf vom Rumpf geschlagen. Die beiden anderen wurden tödlich verletzt. In Aachen stürzten bei dem Neubau der Maschinenbauschule zwei Dachdecker ab. Sie hatten es unterlassen, die Sicherheitsgürtel anzulegen. Einer der Dachdecker blieb sofort tot, der andere trug tödliche Verletzungen davon.
† Merkwürdiges von dem Lemgoer Briefprozesse. Alle Nachrichten, die in letzter Zeit über die angeblich bevorstehende Wiederaufnahme des Prozesses der zu Zuchthausstrafe verurteilten Frau Kracht umliefen, werden jetzt als völlig erfunden bezeichnet. Die aufs neue in ganz rätselhafter Weise aufgetauchten anonymen Briefe sind, wie versichert wird, noch gar nicht vom Gericht den Sachverständigen zur Prüfung übergeben, von einer Entscheidung der Letzteren kann demnach gar keine Rede sein, ebensowenig von einer Entscheidung des Gerichtes über die Wiedereröffnung des Verfahrens.
† Das Erdbeben in Italien. Immer schlimmer stellen sich die Folgen heraus, die das Erdbeben im südlichen Italien mit sich gebracht hat. Es handelt sich um eine Katastrophe, die weite Landstriche in Mitleidenschaft zieht. Von allen Seiten fommen Meldungen über Verwüstungen. Ganze Dörfer sind zerstört. Ueber 2000 Menschen sind getötet, mehr denn 10 000 sind verwundet. Ueberall trifft man auf Leichen- und Trümmerhaufen. Auch viele Bahnhöfe sind zerstört oder drohen einzustürzen und haben deshalb geräumt werden müssen. In ganz Calabrien verkehren die Züge wegen der Beschädigungen, die die Schienenwege erTitten haben, mit Verspätungen. Eine Anzahl Brücken sind in Gefahr, einzustürzen, und die telegraphischen Verbindungen sind weithin unterbrochen. Von allen Seiten drängen sich die Menschen zu den Eisenbahnstationen und flehen um Hilfe. Tausende sind obdachlos. Das Elend ist sehr groß. Der König hat sofort 100 000 Lire gespendet und begiebt sich auf den Schauplatz der Katastrophe. Ministerpräsident Fortis stellte den Präfekten von Catanzaro und Cosenza je 20 000 Lire zur Verfügung, und ordnete an, daß schnellstens Truppen und Zelte gesandt und alle Maßregeln zur Hilfeleistung ergriffen werden sollten. Die Blätter beranstalten Sammlungen zugunsten der Opfer der Katastrophe.
Die furcht vor dem Choleragefpenft.
Von Dr. Theodor 3locisti, Berlin. Darüber kann heut kaum noch Unklarheit bestehen: wir haben die asiatische Cholera in Deutschland. Wenn man die undeutlichen Schilderungen früherer Jahrhunderte beiseite läßt, so müssen wir das Jahr 1817 als das Geburtsjahr der gefährlichen Seuche für Europa betrachten. Die Niederungen des Ganges und Bramaputra mit ihrem wasserreichen Gelände sind ihre Heimat. Von hier verbreitete sich die Krankheit mit unheimlicher Geschwindigkeit über Persien, Rußland nach den Ländern des Westens. 1831während der zweiten Epidemie- traf sie Deutschland und in rascher Folge war sie 1848, 1853, mo besonders Bayern heimgesucht wurde, 1865, 1871 unser unheimlicher Gast. Die fünfte Pandemie von 1882-1885 verschonte uns; die sechste aber, die vom Jahre 1892, steht noch voll Schrecken in unser aller Gedächtnis. Hamburg wurde betroffen, und in den Tagen vom 25. August bis 7. September erkrankten mehr als 16 000 Personen an der Seuche, von denen die Hälfte,
etwa 8000 Menschenleben, vernichtet wurden. In der Crinnerung an diese verheerende Wirkung könnte man fast das Gruseln lernen. Allein diese Furcht wäre geradezu verhängnisvoll, wollte sie unsere Widerstandskraft lähmen. Wir sind aus den Beiten glücklich herausgekommen, da wir Krankheit und Elend als eine Schickung geduldig hinnahmen.
Wenn heut wieder das Gespenst der Cholera drohend erscheint, so findet es uns nicht mehr wie einst schlaff und resigniert. Wir haben das Wesen der Krankheit erkannt und damit zugleich eine gesunde Operationsbasis für Abwehrund Verteidigungsbestrebungen gefunden. Man denke einen Augenblick an den furchtbaren Feind der Wochenstube: an das Kindbettfieber. Noch vor vierzig Jahren stand vor jedem Zimmer, in dem ein junges Menschenleben dem Lichte entgegenstrebte, der blasse Tod. Da lehrte Semmelweis die Ursachen des Kindbettfiebers in gewissen bakteriellen Reimen kennen. Und bald gab es ein besseres Heilmittel gegen ihre Schädigungen, als gute Sprüche, Gebete und Besprechungen weiser Frauen nämlich die Reinlichkeit; die Reinlichkeit in der hehren Form der Desinfektion, die alle unheilbringenden Keime unschädlich macht. Waren in Deutschland in den letzten 25 Jahren vor Einführung der Antiseptis in die Geburtshilfe noch etwa 300 000 Todesfälle an Kindbettfieber, so ist ihre Zahl jezt auf wenige Taufend herabgesunken. Und ähnlich liegen die Verhältnisse auf anderen Gebieten. Viele Krankheiten sind, weil ihre Erreger erkannt und zweckdienliche Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung erfunden wurden, gänzlich verschwunden. Man denke an den gefürchteten Hospitalbrand"; man denke an die schweren Allgemeinvergiftungen im Gefolge tiefgreifender Operationen, die früher 20-30 Proz. der Betroffenen hinraffien, während heute auf viele Zehntausende erst ein solcher Fall kommt. Und andere Krankheiten, wie die Diphtherie, haben durch die Serumbehandlung ihre Schrecken wesentlich verloren: nur eine Folge der Erkenntnis des durch ein bestimmtes Bafterium erzeugten Giftes.
Nicht anders steht es mit der Cholera. Im Jahre 1884 hat der geniale Robert Koch in den Kommabazillen den Urheber der Seuche erkannt und tausendfältige Untersuchungen haben die Richtigkeit dieser Entdeckung bestätigt. Eine Zeitlang wurde in wissenschaftlichen Kreisen darüber gestritten, ob dieser Bazillus die Krankheit errege oder ob nicht die Verhältnisse des Bodens, das Grundwasser die Seuche bedingen. Man nennt die Anhänger der letzten, von Bettenkofer leidenschaftlich und geschickt verteidigten Anschauung: die Lokalisten, weil sie die Natur des Ortes, der Lokalität für die Entstehung der Cholera anschuldigen. Die Jünger Kochs nennen wir Contagionisten, weil sie in der Ansteckung( Contagion) mit den spezifischen Bazillus die lette Ursache sehen. Dieser Streit war feine müßige Gelehrtenbalgerei, sondern von entscheidender Bedeutung für die Abwehrmaßregeln. Die Mehrheit der Forscher hat sich allmählich der Lehre Kochs angeschlossen, wenn auch die Sesondere Eigenart der Bodenbeschaffenheit als nicht unwichtig erkannt wurde. Der Kommabazillus hält sich fast ausschließlich im Tarm des Menschen auf. Von hier kommt er in das Wasser, das er verseucht. Mit dieser Einsicht war denn auch die Ursache und der unheilvolle Siegeszug der Cholera erklärt. Mit dieser Einsicht aber auch die Möglichfeit einer erfolgsicheren Bekämpfung der Seuche gegeben!
In Hamburg hat die Cholera überall da gehaust, wo die Abwässer in der Nähe des Nußungswassers lagen und wo in das für menschlichen Gebrauch nötige Wasser die Kommabazillen hineingelangt waren. Das Geschick Hamburgs, dessen Handel für Monate darniederlag, und das eine Einbuße von vielen hunderten Millionen Mark hatte, nur weil es die Kosten von 6 Millionen für eine gesunde Wasserversorgung nicht aufbrachte, hat das eine Gute gezeitigt, daß es wieder lehrte: Gesundheit und Leben jedes Einzelnen und wäre er selbst ein Krösus, hängt von der Gesundheit der Gesamtbevölkerung ab. Die Hygiene des Individuums, so wichtig sie ist, erhält ihren Wert erst durch die Hygiene der sozialen Gruppe, in deren Mitte wir leben. Erst die Sozialhygiene in all ihren Abstufungen, in all ihren Einzelforderungen: Städtereinigung, Wasserversorgung, Bauhygiene u. s. w. gibt einen Schutz gegen Seuchen.
Und diese Erkenntnis charakterisiert so recht eigentlich erst den Fortschritt unserer Zeit. Sie hat der Gesamtheit das Verantwortungsgefühl für den Einzelnen gegeben. Und dem Einzelwein die Verpflichtung gefeßt, nichts zu tun, was der Gesamtheit von Schaden ist. Ein cholerakranker Flößer, der das Weichselwasser infizierte, hat das ganze Stromgebiet verseucht. Sind wir auch vorläufig machtlos, das Vorkommen bon vereinzelten Erkrankungen zu verhüten- eine Verschleppung der Seuche werden unsere vorgeschrittenen Methoden verhindern können. Statt darum den Kopf hängen lassen, heißt es, tätig mitarbeiten. In den Zeiten der Seuchengefahr kann jeder Anteil nehmen.„ Hüte das Wasser!" so lautet das Mahnwort in den Cholerazeiten. Hüte dich vor dem Genuß von Wasser, das nicht einwandfrei ist, und sorge dafür, daß nicht durch Leichtsinn andere in Gefahr kommen. Durch populäre Aufklärungen über das Wesen der Cholera, durch Isolierung von Krankheitsverdächtigen, durch Schiffquarantänen, durch die Desinfektion der Aborte der Eisenbahnen, durch sorgfältige Untersuchung der Kläranlagen kann vieles erreicht werden. Und bei der Energie, mit der die Behörden, unterstützt von einer besonnenen Bevölkerung zum Kampfe rüsten, braucht feinem Mutlosigkeit beschleichen.
1777
Nicht alle, die in Cholerabezirken wohnen, erkranken, das ist eine tröstliche Tatsache. Warum aber selbst in einer Familie manche Glieder verschont werden, ist noch ein Geheimnis. Wir müssen annehmen, daß sie eben durch den Bau ihres Organismus, durch die natürlichen Schußkräfte der Menschen, durch verständiges Leben, das alle Ausschweifungen im Genuß schlechter Nahrungsmittel vermeidet, weniger empfänglich oder widerstandsfähiger gegen das ChoTeragift sind. Und eines kommt noch hinzu: Gründliche Forscher machen darauf aufmerksam, daß ängstliche Naturen während einer CholeraEpidemie leichter befallen werden. Das ist eine alte Wahrheit. Deshalb sind ruhige Sicherheit des Gemüts und vorsichtiges Leben, Vermeidung aller Unreinlichkeit und aller Ausschweifungen die besten Mittel gegen eine Erfrankung.
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Vermischtes.
Arbeiter und Staatsschulden- Tilger. Ein früherer Arbeiter hat sich erboten, die ganze Staatsschuld von Meriko zu bezahlen. Er hatte als Minenarbeiter Glück gehabt und in furzer Zeit ein Vermögen erworben. Jekt ist er Besizer
einer Goldmine, die ihm einen Jahrlichen Gewinn von 50 Millionen einbringt. Daraufhin will er sich dem Lande, dem er den Reichtum verdankt, erkenntlich erweisen, und so hat er sich erboten, die 70 Millionen zu bezahlen, die die merikanische Staatsschuld ausmachen.
= Der Papst und die Jugendspiele. Welchen Wert Papst Pius X. den gymnastischen Uebungen für die Jugend beilegt, geht aus der Tatsache hervor, daß er für die turnerischen Spiele, die vom 5. bis 8. Oftober in den vatikanischen Gärten abgehalten werden, 200 Gold- und Silbermedaillen als Preise für die besten Einzel- und Gesamtleistungen gespendet hat.
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Die älteste Zeitung der Welt. Ein einzigartiges Jubiläum kann die chinesische Zeitung Tsing Pao" begehen, nämlich das ihrer vor 1400 Jahren erfolgten Begründung.
Die Homburger Kaisertage.
Bei der Paradetafel brachte der Kaiser folgenden Trinkspruch aus, indem er sich an den Korpskommandeur Generalleutnant v. Eichhorn wandte:
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,, Sie haben seit der Neuformierung des 18. Korps zum erstenmal heute Gelegenheit gehabt, in der großen Nevue sich vor mir zu zeigen. Ich spreche Eurer Exzellenz nochmals meine volle Anerkennung aus über den Zustand, in dem Sie mir das Korps borgeführt haben. Ich erinnere mich gern und dankbar der Vorarbeiten, die General von Lindequist und Sie bei der Zusammenschweißung des Korps erledigt haben. Es ist gewissermaßen heute das Korps militärisch aus der Taufe gehoben worden, unter Assistenz hoher Paten. Bayerische und badische Kontingente sind dabet gewesen und haben die Schönheit des militärischen Bildes und den Stolz des heutigen Tages erheben helfen. Ehe ich das Glas auf das Wohl des Korps erhebe, möchte ich aber nicht vergeffen, daran zu erinnern, daß seit dem Jahre 1897, wo dieselben Truppenteile vor mir in Parade standen, manches Auge sich geschlossen hat, das damals noch Meine hoch aus den Reihen des Korps leuchtete. selige Frau Mutter ist heimgegangen, und die Chefstelle des Füfilter- Regiments b. Gersdorff ist in die Hand der Tochter übergegangen. Der von unserem Heere so hochgeehrte und geliebte Monarch, der treue Verbündete, König Humbert von Italien, ist auch heimgegangen. Aber seit diesen Tagen haben sich die Reihen des Korps in tadelloser Ordnung erhalten, und die angestrengte und emfige Friedensarbeit hat andauernd Gutes geschaffen. Ich erhebe mein Glas auf das Wohl des Korps, indem ich gleichzeitig die anderen Kontingente und sämtliche Kontingentsherren, die anwesenden und die abwesenden, in diesem Wohl mit einschließe, mit dem Nufe: Es lebe das 18. Armeeforps! Hurra, hurra, hurra!"
Generalleutnant von Eichhorn erwiederte darauf
folgendes:
Eurer Majestät spreche ich den untertänigsten Dank für die gnädigen Worte aus, die Eure Majestät an das 18. Korps gerichtet haben. Wenn das Armeekorps vom Rhein und Main heute die Zu. friedenheit Eurer Majestät sich erworben hat, so fann Eure Majestät sich versichert halten, daß es ein Sporn für uns alle sein wird, vom General bis zum letzten Musketier und Spielmann, ihr Bestes zu tun und herzugeben, damit Eure Majestät an dem 18. Korps immer eine friegstüchtige Waffe in der Hand hat. Eure Majestät, ich bin Soldat, und als solcher darf ich aussprechen, daß kein brennenderer Wunsch in unseren Herzen ist, fein sehnenderes Verlangen in unseren Seelen glüht, als Eurer Majestät und unseren Kameraden in Afrika zu zeigen, wie wir für Eure Majestät und für des Vaterlandes Ehre und Ruhm auf dem Schlachtfelde zu sterben wissen. In diesem Geiste rufe ich: Seine Majestät, unser allergnädigster Kaiser, König und Kriegsherr, Wilhelm II. dreimal hurra!"
Homburg, 9. September.
Gin flarblauer Himmel wölbt sich im flachen Bogen über die prachtvollen Anlagen des Kurparks und das Getriebe der zahlreichen Menschen, die herbetgeetlt find, der Enthüllung des Denkmals Kaiser Wilhelms I. beizuwohnen. Von Minute zu Minute nimmt das Bild an Farbe und Abwechslung zu, die Tribünen werden besetzt und die Schuljugend rückt unter flingendem Spiel an. Um 11 Uhr heben Hoch- und Hurrarufe an, die sich wie eine Woge donnernd fortpflanzen und einen Augenblick später fährt der Wagen mit dem Kaiser und der Kaiserin vor, gefolgt von den übrigen Fürstlichkeiten. Die Wagen halten vor dem Kaiserzelt, das kunstvoll aus Blätter, Blüten und Grün gebildet ist. Hinter dem berhüllten Denkmal stand eine Ehrenfompagnie des 80. Regiments, hinter dieser an der Front des Badehauses eine Star weißgekleideter Mäd chen. Stadtverordnetenvorsteher Dr. Rüdiger hielt die Festansprache. Er gab zunächst der Dankespflicht Homburgs gegenüber dem Herrscher, der Deutschland geeinigt habe, Ausdruck und fügte daran eine Schilderung der Charaktereigenschaften Kaiser Wilhelms I., seiner Milde, seines Mutes, seiner Entschlossenheit und seiner Pflichttreue., Er hat uns hinterlassen, ein einiges deutsches Vaterland, schloß Redner, frei durch Vernunft stark durch Gesetz und an dieses heilige Vermächtnis soll uns und unsere Nachkommenschaft das zu enthüllende Standbild erinnern." Die Hülle fiel, die Truppen präsentierten, der Sängerchor trug Dahn ,, Macte senex imperator" bor. Sodann nahm Bürgermeister Maß das Denkmal in die Obhut der Stadt und schloß mit dreifachem Hurra auf Kaiser, König und Landgraf. Der Kaiser trat nicht aus dem Zelt zum Denkmal heran;
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