Der hier und da gegen die Reichsregierung erhobene Vorwurf, sie habe das Budgetrecht des Reichstags verlegt, indem sie ohne vorgängige Geldbewilligung neuerlich eine Truppenfendung nach Deutsch- Südwestafrika abgeschickt habe, wird jetzt allseitig als unzutreffend anerkannt. Es ist überhaupt keine Truppenverstärkung in die Kolonie abgegangen, sondern ein zur Ergänzung der eingetretenen Lücken notwendiger Nachschub. Es kann sogar fraglich sein, ob hierfür Indemnität wird nachgesucht werden müssen. Jedenfalls braucht deswegen der Reichstag nicht in Permanenz erklärt oder immer wieder berufen zu werden. Eine andere Auffassung vom Budgetrecht würde nur dazu führen, daß die Meichsregierung sich Bewilligungen auf Vorrat machen läßt. Die Meldungen von bevorstehenden Truppentransporten nach den Kolonien sind mit erster Vorsicht aufzunehmen. Italien.
** Die jüngste Enzyklika des Papstes ist vielfach dahin mißverstanden worden, als ob sie die frühere päpstliche Verordnung gegen die Teilnahme an den politischen Wahlen in Italien aufheben sollte. Der Papst tritt in einem an die Führer der sozialen katholischen Propaganda in Italien gerichteten, vom„ Osservatore Romano" veröffentlichten Schreiben diesem Mißverständnis entgegen. Zwar könnten durch besondere Fälle Ausnahmen notwendig werden, aber von den glorreichen Ueberlieferungen der Vergangenheit werde er nicht abweichen, auf die Rechte der Kirche und die Rückgabe der dem päpstlichen Stuhl entzogenen Gebietsteile werde er nicht verzichten. Bei dieser Gelegenheit spricht der Papst seine Freude aus, daß die Katholiken seine Ratschläge bezüglich der sozialen Organisation befolgt haben; er ermahnt sie, darin weiter fortzufahren.
England.
** Die Aufnahme der französischen Flotte in England ist überaus herzlich gewesen. An der Küste von Southsea und Cowes war am Montag eine große Menschenmenge versammelt, die mit Hurrarufen und während die Geschütze der englischen Schiffe und der Landbatterien donnerten, das französische Geschwader begrüßten. Achtzehn Panzerschiffe unter dem Befehl des Admirals Caillard fuhren den Solent herauf. Sie salutierten den König, als sie dessen Jacht passierten. Das Geschwader ging an hunderten von Jachten serves unter denen auch die deutsche Kaiserjacht„ Metcor" ieci, über und über mit Flaggen bedeckt. Nach dem Ankerperjen begab sich Admiral Caillard auf die Jacht des Königs, der den höheren französischen Offizieren Orden ver. lich und sie zum Diner einlud, an dem auch die königliche Familie und der französische Botschafter teilnahmen. Der König richtete in einem Trinkspruch freundliche Worte an die französischen Gäste, deren Besuch in den englischen Gewässern das gute Einvernehmen Frankreichs und Englands bercise. Sein hauptsächlichster Vorteil werde die Aufrecht. erhaltung des Friedens sein. Die guten Beziehungen zwischen den beiden engen Nachbarn würden hoffentlich noch verstärkt werden. Er trinke auf die Gesundheit des Präsi denten der Republik und wünsche der französischen Flotte cine glückliche Entwickelung. Der französische Botschafter erwiderte mit einem Trinkspruch auf den König und die fönigliche Familie. Auf die französisch- englische Annäherung habe der König in bekannter und nie zu vergessender Gefinnung für Frankreich den größten Einfluß gehabt. Admiral Caillard dankte namens der französischen Flotte und erinnerte an die Tage von Brest.
frankreich.
daß man bei der Regierung den Verdacht gehegt habe, die Semstwovertreter hätten mit den Radikalen gemeinschaftliche Sache gemacht. In Wirklichkeit ist der Semstwokongres überaus zahm gewesen. Beinahe ebenso zahm geht es in Helsingfors zu, wo am Montag auf dem Senatsplatz 20 000 Arbeiter und Angehörige der gebildeten Stände gegen die Einführung der friegsgerichtlichen Verurteilung politischer Verbrecher protestierten und die Einberufung eines außerordentlichen Landtags verlangten, der die Einführung des allgemeinen Wahlrechts beraten solle. Die Polizei war flug genug, die Demonstration nicht zu stören, die darum auch ganz ruhig vorüberging. Türkei.
** Der nationalistische Deputierte Jalnzot, der den Zuckerfrach herbeigeführt und anvertraute Gelder in Höhe von vielen Millionen verschwinden gemacht hat, ist dabei so geschickt verfahren, daß es schwer ist, ihn gerichtlich zur Verantwortung zu ziehen. Es wird behauptet, daß Jaluzot furz vor der Einstellung der Darlehns- Rückzahlungen an die kleinen Sparer recht große Beträge an seine Freunde und Verwandten habe auszahlen lassen. Kann das bewiesen werden, so wird die Staatsanwaltschaft die Sache wohl verfolgen. Justizminister Chaumié hat seinen Urlaub unterbrochen, um die Angelegenheit zu prüfen und womöglich die Strafverfolgung einzuleiten.
Niederlande:
** Die Hehe Pforte hat an die Schweiz auf diplomatischem Weg das Ersuchen gerichtet, sechs Personen, die sich im Hotel Viktoria in Luzern aufhalten, wegen Teilnahme an Sem Bombenattentat auf den Sultan festzunehmen und auszuliefern. Die sechs Personen nennen sich( meist mit falschem Namen) Lipa und Sofia Rips, Silvio Ricci, Sammuel und Regina Fayu und Frau Jores. Die wirklichen Namen hat die Türkei mit dem Signalement mitgeteilt. Bis auf Frau Jores haben die Beschuldigten alle falsche Bässe. Sie sind Slaven und Armenier. Der Ehemann der Frau Jores ist im Wildis- Kiosk in Haft und hat durch sein Geständnis die übrigen Teilnehmer angegeben.
** Nach Kuypers Rüftritt hat das neue niederländische Ministerium folgende Zusammensetzung: de Marens vom Swindernn, bisher Gesandter in Washington( arswärtige Angelegenheiten), van Hamel, bisher Professor an der Universität Amsterdam( Justiz und Vorsitz); Riek, bisher Abgeordneter( Inneres), Kapitänleutnant Cohen Stuart( Marine), de Meester, bisher Vizepräsident des Rates von Niederländisch- Indien( Finanzen), General Staal( Krieg), Kraus, bisher Direktor der Technischen Hochschule( öffentliche Arbeiten, Industrie und Handel), Veegens, früherer Abgeordneter( Ackerbau), Fock, bisher Abgeordneter,( Kolo. nien). Was das neue Ministerium neues bedeutet, wird sich erst zeigen müssen.
Skandinavien.
Hof und Gesellschaft.
*** Der Kaiser traf am Dienstag früh 6 Uhr 50 Min. im Automobil von Posen über Naramowice im Barackenlager des Truppenübungsplates Posen ein und stieg zu Pferde. Er trug die Uniform des 2. Leib- Husarenregiments. Zehn Kavallerieregimenter, zu einer Division zusammengezogen, wurden vom Generalmajor von Tresckow- Stettin geführt. Die Maschinengewehrabteilung griff in das Gefecht ein, das in der Gegend von Chludowo endigte. Um 9 Uhr begann das Divisionsererzieren. Um 10 Uhr erfolgte der Vorbeimarsch vor dem Kaiser. Heute Abend reist der Kaiser nach Wilhelmshöhe ab. Der Kaiser wird auf Einladung des Prinzregenten von Bayern der Enthüllung des KaiserWilhelm- Denkmals in Nürnberg beiwohnen.
** Die neuerliche Einsetzung des Kronprinzen von Schweden zum Regenten ist vom König Oskar mit dem Rat der Aerzte begründet worden, die dem 76jährigen Monarchen Ruhe, frische Luft und Badekur empfohlen haben. König Oskar spricht in seinem Abschiedswort die Hoffnung aus, daß er nach den Sorgen der jüngsten Monate Kräftigung finden werde, und sagt dem schwedischen Volk für seine Liebe innigen Dank. Diese Liebe sei ihm ein Trost nach dem Abfall des norwegischen Volkes, dem er immer aus innersten Herzen zugetan gewesen und das er mit dem schwedischen Volf brüderlich zu vereinen gedacht hatte. Es ist vielleicht gestattet, aus der abermaligen zeitweiligen Entfernung König Oskars von den Regierungsgeschäften zu schließen, doß die Entscheidung über die Besetzung des Throns von Norwegen ohne Rücksicht auf die persönlichen Gefühle des Königs erfolgen soll. Man braucht, wenn man dies voraussett, noch feineswegs die Gesundheitsrücksichten als nicht ernstlich und dringlich, als bloß vorgeschützt anzusehen. Jedenfalls scheinen die Aussichten des Prinzen Karl Bernadette auf den norwegischen Thron besser als zuvor. Rufeland.
** Die russische Regierung, die gute Lust hatte, die Teilnehmer am Semstwofongreß strafrechtlich zu verfolgen, hat diese Absicht wieder aufgegeben. Senator Postowski, der bon Petersburg nach Mosfan geschickt worden ist, um eine Art mohlwollender Untersuchung anzustellen, hat erzählt,
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Das Gerücht von einer bevorstehenden Verlobung des Erbgroßherzogs von MecklenburgStrelit mit der englischen Prinzessin Victoria von Connaught wird von der Landeszeitung in Neustrelitz als absolut unrichtig bezeichnet.
Soziales Leben.
Die Bewegung im sächsisch- thüringischen Textilgewerbe Eine in Meerane abgehaltene Versammlung der Färberei arbeiter beschloß, den Kampf fortzuführen. Der Führer der Tertilarbeiter, Reichel, legte den Arbeiter- Ausschüssen nahe, neue Verhandlungen anzubahnen und unter Umständen auf die Mitwirkung der Verbandsvertreter zu verzichten. Man betrachtet einen derartigen Weg als das Mittel zum Frieden. In den Betrieben des Verbandes der boigtländischen Strichgarnfärbereien wurde die Aussperrung vollzogen.
Der Ausstand im rheinisch- westfälischen Baugewerbe. Nach der Feststellung der Sechserkommission der Bauarbeiter sind im Industriebezirk in 34 Orten insgesamt 10 145 Bauarbeiter ausgesperrt. Davon entfallen auf den christlichen Verband 4342 Maurer, auf den freien Verband 3879 Maurer. Ferner sind noch ausgesperrt 764 Zimmerer und 914 Bauhilfsarbeiter. Gestern traten bei 16 Essener Bauunternehmern sämtliche Arbeiter in den Ausstand.
Nab und Fern.
† Segelsport. Die Wettfahrt Travemünde- Kiel, am Montag vom kaiserlichen Jachtklub veranstaltet, brachte dem ... Komet" den ersten Preis der Kreuzerjachten der B- Klasse, der Kreuzerjacht„ Commodore" den ersten Preis der 1. Klasse, der Rennjacht„ Hertha" den ersten Preis der Rennjachten der 2. Klasse, der Kreuzerjacht Olga" den ersten Preis der Kreuzerjachten 2. Klasse, der Rennjacht Carla" den zweiten Preis, der Kreuzerjacht ,, Kai- teng" den ersten Preis der Kreuzerjachten 3. Klasse, der Rennjacht Freiheit" den ersten Preis der Rennjachten 4. Klasse und den zweiten Preis der Rennjacht„ Glückauf III.".
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Die
† Wasserfatastrophen. In der Dienstagnacht wurden infolge wolfenbruchartigen Regens das obere Triebachetal und das Saubachtal bei Meißen heimgesucht. Stellenweise wurde die Höhe der Wasserflut von 1897 überschritten. Das Wasser stieg innerhalb fünf Minuten um einen Meter. Der Schaden ist beträchtlich. Menschen sind nicht umgekommen. beiden Flüsse Flöha und Zschopau in Sachsen sind derart angeschwollen, daß sämtliche Straßen und Wege am Zusammenfluß der Flüsse überschwemmt sind. Teilweise sind in den Niederungen gelegene Wohnungen und Ställe geräumt. Aus den oberen Flußgebieten gehen fortwährend Meldungen über steigendes Hochwasser ein. Die wogenden und brausenden Gewässer führen Unmengen von Holz- und Baumteilen mit sich.
† Neues von der Gräfin Montignoso. Die Affäre der ehemaligen sächsischen Kronprinzessin scheint trotz des abgeschlossenen Vertrages noch nicht beendet zu sein. Eine Herausgabe der Prinzessin Pia Monica kann nur durch ein ordentliches Verfahren vor italienischen Gerichten herbeigeführt werden, wenn die Gräfin sich am 1. Mai 1906 weigern sollte, ihr jüngstes Kind dem König Friedrich August von Sachsen auszuliefern. Daß die Gräfin zu dem festgesetzten Termin das Kind nicht herausgibt, soll feststehen. Die Gräfin soll an die Auslieferung des Kindes nur dann denken, wenn ihr hinsichtlich des Wiedersehens mit allen ihren Kindern besondere Konzessionen gemacht werden.
† Reiche Schenkung. Ein ungenannter Wohltäter hat der Stadt Görlitz einen Betrag von 270 000 Mark zur Vergrößerung des Stadtparks geschenkt. Mit dem Gelde soll ein größeres Terrain an der Promenade angekauft werden. † Pilzvergiftung. Die Familie des Stellenbesitzers Kurzydyen in Rogac erfranften nach dem Genuß giftiger Pilze. Kurzydyen nebst einem achtjährigen Sohne und einem zweijährigen Enkelfinde sind bereits gestorben; die anderen Familienmitglieder liegen schwer darnieder.
Feberath in Dobera hatte Chemie und eine Zeitlang Fab Schriftitellen widme naturwiffenibaftlide Tetten und Bolfsftud art. 3m Jahre 187 er eine erstaunliche Tinifde Elembürgerl das Spießbürgertu Achtung, aber fein Die Figur der.. Dor budhhändlerijd einer ganzen Anza Tider Wiederkehr lichen Redewendun haltend. Stinde nicht höhnisch, fie feit auch bei denen
† Dynamit- Attentat. In Budapest wurde gestern Nacht gegen die Schiffswerft Danubius und gegen die Lederfabrik der Gebrüder Mautner zwei Dynamitbomben geworfen. Die Bomben verursachten nur geringen Schaden, Menschen wurden nicht aetroffen.
Streik der Fuhrleute. In M.- Gladbach sind sämtliche Speditionsfuhrleute ohne Kündigung wegen Lohnstreits in den Ausstand getreten, so daß der Güterverkehr vollständig ruht.
Aussperrung in Reichenbach. Gestern erfolgte die Aus sperrung von 2000 Arbeitern der voigtländischen Streich garnfärbereien als Folge des Glauchau- Meeraner Färber streiks.
+ Vorsicht bei dem Genuß von Pilzen. Mehr als in an deren Jahren hört man in diesem Sommer von der Lergif tung ganzer Familien durch Pilzgenuß. Das einzige Mit tel, sich dagegen zu schützen, ist eine sichere Kenntnis der Pilze. Die Hausmittel, wie das Mitkochen einer Zwiebel oder die Probe, ob ein mitgefochter silberner Löffel schwarz wird, sind wertlos. Der Zwiebelsaft hat auf keinen Fall die Fähigkeit, Pilzgifte unschädlich zu machen. Das Schwarz werden eines silbernen Löffels beweist für die Giftigkeit eines Pilzgerichts nicht das mindeste, sondern nur, daß zwischen den Pilzen einige faulige waren. Nur die Have frau, die die eßbaren Pilze durch ihr Aussehen sicher vo den giftigen unterscheiden kann, sollte sich auf die Zuberei tung von Pilzgerichten einlassen; und wenn sie sie kennt, dann sollte sie nie alte Pilze kaufen, denn einmal enthalten junge Pilze weit mehr Eiweißstoffe als alte, und dann geben alte Schwämme cher zu Verwechselungen Anlaß zu junge; überhaupt lasse man Pilze nach dem Einsammeln nicht lange liegen, da sie leicht verderben.
† Feuerschäden. Ein großes Feuer hat in Bremen die Wagen lackieranſtalt von Balfe mit 23 Wagen eingeäschert. Auch zwei benachbarte Etablissements wurden zerstört. Die Bahnstation Belowo auf der Strecke Sofia- Philippopel ist niedergebrannt; gleichzeitig ging eine belgische Zündhölzchenfabrik in der weiter südlich gelegenen Bahnstation Bania Kostenz in Flammen auf, wodurch ein Schaden von über einer Million Francs verursacht wurde. In Ungarn wütete bei Wallendorf ein ungeheurer Waldbrand. Mehrere tausend Joch Waldungen sind niedergebrannt.
† In der Kiste erstickt. Das 5½ Jahre alte Söhnchen der Familie Schumacher in Mülheim- Broich spielte mit Altersgenossen Verstecken und stieg im Stall in eine Kleiderfiste. Der Kleine konnte den Deckel nicht mehr öffnen und erstickte. Als die Eltern und Geschwister nach dem Kleinen suchten, fand ein Bruder diesen in der Kiste als Leiche vor.
den. Die Berline
Wilhelmine Budbal
NO Thomas Ro mit der nächtlichen Volkslieder und Mar unter großen Grunge
17
= Was der Zufall mit nächtlichen Bache Garmus betraute Dien angeheitert vom Wege to er am anderen Mo in diefer Gruft herrli Ptolemäerzeit. Seit folchem Werte in Neg Ein riesiger Nature" veröffentli die ein Forschungsr Fluffe Lom und Sa unterscheidet fich von durch seine riesige G Meter, und der aufre cines stehenden Eing Duejjou, ccm Soupt gehörte zu einer Gam man deutlich unterid Brust und auf dem B tern und feine Schent waren. Die Schulter rechte Hand wog all nicht weniger als acht daber des Riesen zu Ailogramm.
† Tod infolge Nachgießens von Spiritus. In Eibau büßte die junge, erst 14 Tage verheiratete Frau eines Fabrifarbeiters ihr Leben dadurch ein, daß sie Spiritus auf Sie Kochmaschine nachgoß, ohne vorher die Flammen zu löschen Die Flasche explodierte, und die Frau stand sofort in hellen Flammen. Sie erlag alsbald ihren schweren Brandwunden.
† Zwei Menschen erstochen. Ein blutiges Renkontre ereignete sich in Misburg bei Hannover, wo in den Zementfabriken polnische und kroatische Arbeiter beschäftigt werden. Ohne jeden Grund wurden in einer Wirtschaft zwei Kroaten von Polen angegriffen. Der Kampf setzte sich auf der Straße fort. Ein Kroate verlegte mit einem Stilet zwei polnische Arbeiter so, daß sie bald darauf starben. Ferner wurden zwei Arbeiter schwer und zwei leicht verletzt.
† Ausschreitung eines russischen Grenzsoldaten. In der Angelegenheit des russischen Grenzsoldaten, der auf preußi schem Gebiete ein achtjähriges Mädchen erschoß, fand ein Lofaltermin statt. Der verhaftete Grenzsoldat wurde vorgeführt und mußte der Sezierung der Leiche beiwohnen. Die russische Regierung hat dem Vater des erschossenen Kindes sechshundert Rubel als Entschädigung angeboten, doch hat dieser das Angebot nicht angenommen.
† Sicherheit vor Automobilen. Das Ministerium des Innern hat das Polizeipräsidium in Berlin mit der Vorbe reitung einer neuen Automobilordnung betraut. Die Sicherheitsbeamten sollen zu schärferer Bewachung der Lenfer angehalten werden. Jede Verlegung der Fahrvorschriften soll unmachsichtig angezeigt werden. Die Führer werden scharf geprüft. Angeblich ist auch die Sperrung derjenigen Straßen, die für den Zweiradverkehr nicht freigegeben sind, in Aussicht genommen.
† Unwetter in Tirol. Auf den Bergen um Innsbruck liegt tiefer Schnee. Am Montag gab es dort RegenNiederschläge( 67,8 Millimeter), wie seit vielen Jahren nicht. Das vom Kasbach mitgeführte Geröll war so stark, daß die sonbacher Werke, Hüttenwerk, Mühlen, Brauerei und Sensenwerk, den Betrieb einstellen mußten.
† Kampf zwischen Soldaten und Bauern. In dem Dorse Eger bei Edlau in Ungarn kam es bei einem Tanzfest zu Schlägereien zwischen Soldaten und Bauernburschen. Polizei konnte nichts ausrichten. Darauf erschien eine Kompagnie Soldaten, die schließlich Feuer gab. Sieben Burschen blieben sofort tot; 18 wurden verwundet. Ein Kind, welches Wasser vom Brunnen holte, wurde gleichfalls erschossen. In dem Orte herrscht große Erregung.
† Brand im Newyorker Hafen. Ein Teil der Fähr. anlagen in Hoboken, Hafen von Newyork, ist durch Feuer zerstört worden. Die Pieranlagen und die Schiffe des Norddeutschen Lloyd blieben unbeschädigt.
Kunft und Wiffenfchaft.
LM Paul von Schönthan 7. In Wien ist im Alter von 52 Jahren der Schriftsteller Paul von Schönthan gestorben Gleich seinem Bruder Franz war er für die militärische Laufbahn bestimmt, wurde dann aber Journalist und wirkte meist in Berlin und Wien. Mit seinem Bruder Franz zusammen verfaßte er den viel aufgeführten Schwank Der Raub der Sabinerinnen".
ON Ein neuer Planet. Auf der Sternwarte Königsstuhl bei Heidelberg ist ein neuer kleiner Planet entdeckt. Der ziemlich helle Planetoid ist 9,5. Größenklasse und befindet sich in der Konstellation des Wassermanns, nicht weit vom Sternbilde des Delphin.
SG Einer der bekanntesten humoristyden deutschen Schriftsteller der Gegenwart, Julius Stinde, ist am Montag gestorben. Er war am 28. August 1841 in KirchNüchel im östlichen Holstein geboren, hat also ein Alter von noch nicht ganz 64 Jahren erreicht. Nach der Rüstigkeit seiner äußeren Erscheinung, nach seiner unberührten geistigen Frische hätte man ihn für viel jünger halten können und ihm die Erreichung hohen Alters vorausgesagt. Ein Herzschlag hat seinem Leben plögliches und schmerzloses Ende bereitet, während er bei dem ibm befreundeten Landrat
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