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Jufestionspreid: Die einspaltige Betitzelle für ganz Ober­en, bie Kretse Weglar amb Marburg 10 Bfg. fonft 15 Pfg. Reklamen ble Betitzeile 30 refp. 40 Bfg.

Redaktion u. Haupterpebition: teßen, Geltersweg 88. Fernsprechanfchluk Nr. 362.

Mittwoch, den 5. April 1905.

Gießener

14. Jahrgang

Abonnementspreis: abgeholt monatlich 50 Pfg., In's Hous gebracht 60 Bfg., durch die Poft bezogen vierteljährl. M. 1.50. Contbellagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an ollen Werktagen nachmittags.

Neueste Nachrichten

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( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Ein Marokko- Kongrefs. Kaiser Wilhelm ist am Dienstag in Neapel eingetroffen, den König Viktor Emanuel zu begrüßen. Der italienische Minister des Auswärtigen Tittoni hat sich zu der Monarchen­zusammenkunft begeben, die dadurch auch äußerlich mit dem Stempel politischer Bedeutung versehen worden ist. Man würde übrigens ohnehin gewußt haben, daß die diesmalige Mittelmeerfahrt des Kaisers, die mit der Bremer Abschieds­rede begann, zu der Fahrt nach) Tanger und den dortigen Aussprachen, darnach zu der Begegnung mit dem König bon Italien führte, im französischen Senat und in der eng­lischen Presse so lebhaften Widerball fand, weit mehr eine politische als eine Erholungsreise ist. Die Reise galt von Anbeginn der Marokkofrage, die damit zur öffentlichen Er­örterung gestellt, aber nicht zur Erledigung gebracht ist.

An dem Handelsverkehr mit Marokko ist Deutschland in hervorragendem Maße, doch keineswegs allein beteiligt. Deutschland ist nur der einzige unter den beteiligten Staaten, der die Macht und den Willen hat, die Anerkennung seines Interesses zur Geltung zu bringen und dadurch zugleich das Interesse der minder mächtigen Staaten zu wahren. Bel gien, Holland, Spanien und nicht zuletzt Stalien haben ein marokkanisches Interesse so gut wie Deutschland. Das In­teresse Staliens in politischer Beziehung ist sogar noch größer als das deutsche. Selbstverständlich sympathisieren alle diese Staaten mit dem Vorgehen Deutschlands von ganzem Herzen. Ob sie der Sympathie auch lauten Ausdruc zu geben wagen werden, ist eine andere Frage.

Das ist

England natürlich ist auf Frankreichs Seite. der Fall, nicht bloß weil England ohne Auftrag und lediglich fraft eigenen Mandats Frankreich zum Wortführer Europas in Marokko gemacht hat, oder vielmehr, hat machen wollen, son dern weil England bei Abschluß des Marokkoabkommens mit Frankreich von vornherein die Absicht gehabt hat, Frank­reich in einen Gegensatz zu den übrigen europäischen Eater narnentlich zu Deutschland, zu bringen. Aus dieser Absicht, die der klugen traditionellen Politik Englands entspricht, die Einigkeit auf dem Kontinent Europas nicht allzu groß ben und zwar werden zu lassen, erklärt sich auch die Haltung der englischen ngefertigt werde Presse, die zum weit überwiegenden Teil den vatriotischen Meter lang un Grundsatz befolgt, in Angelegenheiten der auswärtigen esteht aus Bronze Politik, ohne Rücksicht auf Recht oder Unrecht, unter allen piralig zusammen Umständen der englischen Regierung beizustehen. Es wäre aus 15 cinzelnen unbillig, der englischen Presse hieraus einen Vorwurf zu machen; man sollte sich eher angelegen sein lassen, ihr auf uffällig, wie dies Industrieerzeugnis diesem Gebiet nicht unrühmliches Beispiel nachzuahmen. Seil wahrscheinlich Was England gewollt hat, ist in Deutschland kein Ge­inden worden sind. heimnis geblieben. Doch auch ein durchschauter Plan kan reht, die in einem glücken, wenn nicht fester Wille und überlegene Klugheit au rrt waren und dort der anderen Seite es zu hindern wissen. Für Deutschland Die Trommel wand war ein dreifaches Ziel zu verfolgen: die Wahrung der un­jezt in Pompeji ae mittelbaren eigenen Handelsinteressen in Marokko- die Wahrung seines allgemeinen Ansehens, mit dem es unverein­bar war, daß dritte Mächte von sich aus und ohne die er= betene Zustimmung Deutschlands über eine Frage bestim­men konnten, an der Deutschland irgendwie beteiligt war endlich die Vereitelung der allerdings nicht ausgesprochenen, aber erkennbaren Absicht, durch Erregung einer schweren Mißstimmung zwischen Frankreich und Deutschland, Frank­reich mehr und mehr in die Arme Englands zu treiben, nach­dem durch den ostasiatischen Krieg und seine Begleit- und Folgeerscheinungest das französisch russische Bündnis eine tatsächliche Lockerung erfahren hat.

ersand kommt. ungsschreiben be wer Waren.

Aigungen.

Gegr.

1846.

Underberg- Boonekamp.

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Anerkannt bester Bitterlikör!

Man verlange

ausdrücklic

Wie sehr Deutschland auf die Erreichung der ersten beiden Ziele bedacht ist, hat die Bremer Rede des Kaisers gezeigt, haben des Kaisers Aeußerungen in Tanger erkennbar_ge macht. Die Zusammenkunft in Neapel deutet auf die Art. wie das dritte Ziel erreicht werden soll. Jene beiden Ziele gingen Deutschland allein an, waren ausschließlich Deutsch­lands Sache. Darum begann der Kaiser nach der Versiche= rung seiner Friedensliebe mit der Betonung des Rechtes Deutschlands am der Aufrechterhaltung des status quo in Marokko, und mit der Betonung des Willens Deutsch­lands, daß an der Selbständigkeit Marokkos nicht gerüttelt werden sole. Das dritte Ziel dagegen ist eine Angelegen beit nicht bloß Deutschlands. Daß Frankreich aus dem Konzert der kontinentalen europäischen Mächte nicht hinaus­geärgert und nicht herausgelockt werde, ist ein gemeinsames Interesse, zum mindesten des Dreibundes. Die entsprechenden Beratungen haben in Neapel begon­nen, sie werden sicher in Wien einen Nachhall finden. Wahr­scheinlich wird man zur Berufung eines Kongresses kommen, der die marokkanische Frage zu allseitiger Befriedigung zum Abschluß führt.

Der Krieg in Oftafien.

In Petersburg ist jede Anwandlung von Friedenssehn­sucht wieder völlig geschwunden. Man ist fest entschlossen, den Krieg bis aufs äußerste fortzusetzen, und hofft zuber­sichtlich, daß die Japaner schließlich ermatten und sich ver­bluten werden.

Von diesen Gesichtspunkten aus wird man es wahrschein­lich an der Newa mit einer gewissen ingrimmigen Freude

begrüßen, daß die Japaner die versprengten russischen Truppen weiter vor sich herjagen, wie es in der folgenden Meldung aus dem Hauptquartier über

die Fortschritte der Japaner

von neuem berichtet wird:

Am Sonntag trieb ein Teil der Streitkräfte, die Kaiyuan besetzt hatten, den Feind weiter nach Norden. Die Russen machten in Aischenko, 26 Meilen nordöstlich von Kaiyuan, Halt.

Nach der Lesart, die jetzt am grünen Tisch in Petersburg sich breitmacht, würde das bedeuten, daß die Japaner sich wieder weiter von ihrer Basis entfernt haben und dem sicheren Untergang entgegenziehen. General Liniewitsch aber, dem die flinken Verfolger so übel mitspielen, möchte über diesem Punkt doch wohl einer ganz anderen Ansicht sein. Große Hoffnung setzt man jetzt in Rußland auf die Flotte Roschdjestwenskys,

die im Gegensatz zu den früher über sie verbreiteten herab­segenden Urteilen jetzt mit einmal als völlig auf der Höhe moderner seemännischer Anforderungen stehend geschildert wird. Wo sich die Flotte befindet, weiß man ebensowenig, mie man den Punkt kennt, wo sie sich mit den nachgesandten Geschwadern, von denen eins unter Admiral Nabogatow Dschibuti passiert hat, vereinigen soll. Die Wahrscheinlich­feit spricht dafür, daß dies in der Gegend der Tschagosinseln vor sich gehen wird. Der von diesen Inseln ausgehende südliche Weg durch die Sundastraße oder das Gewirr der maleiisch- australischen Inseln ist der einzige, der den Russen einigermaßen gestattet, ihr Vorrücken zu verschleiern.

Die Politik.

Nach den vorläufigen Dispositionen ist Mitte Mai als Termin für den Sessionsschluß des preußischen Landtags in Aussicht genommen. In der zweiten Hälfte der kommen­den Woche sollen nach mehreren Initiativanträgen das Be­amtenwohnungsgesez, die Jagdgesegnovelle und das Seu­chengesetz zur Beratung gelangen. Nach den Osterferien, die bis zum 2. Mai dauern, sollen die beiden Berggeseknovellen in 2. und 3. Lesung erledigt werden. Der Bericht der Kommission wird während der Osterferien angefertigt. Wenn das Herrenhaus an den Berggefeßnovellen keine Aenderung vornimmt, also keine wiederholte Beratung im Abgeord­netenhaus notwendig wird, kann der Sessionsschluß noch vor dem 15. Mai eintreten.

*

* Der japanische Prinz Arisugawa, der auf dem Wege nach Europa ist und auch dem Berliner Hof einen Besuch abzustatten gedenkt wie man sagt: um dem anerkennenden Dant Japans für die korrekte Neutralität Deutschlands Aus­druck zu geben, wird in Berlin im Königlichen Schloß Wohnung nehmen. Dem japanischen Prinzen wird nach seinem Rang und gemäß der auszeichnenden Aufnahme, die Mitglieder des preußischen Königshauses wiederholt in Tokio fanden, jede Aufmerksamkeit erwiesen werden.

Oefterreich- Ungarn.

Nach 35jähriger Geltung des betreffenden Gesetzes hat am vorigen Sonntag in Innsbruck die erste Ziviltranung stattgefunden. Die Ehe wurde zwischen einem Israeliten und einer konfessionslos gewordenen Katholikin geschlossen. Seit dem 9. April 1870 hat das Institut der Notzivilehe theoretisch bestanden, praktisch ist sie erst jetzt geworden

Die ungarische Ministerkrisis schleppt sich weiter hin. Graf Tisza muß noch immer die Ministerialgeschäfte füh­ren. Kaiser Franz Josef verläßt Budapest Ende dieser Woche, wahrscheinlich, ohne dem Provisorium ein Ende ge­macht zu haben. Inzwischen will das Abgeordnetenhaus den Beschluß vom 18. November, der eine interimistische Geschäftsordnung einführte, umstoßen und in einer Adresse an den Monarchen die Ernennung eines Ministers auf Grund des Koalitionsprogramms erbitten.

Rufsland.

Der Prozeß gegen den Mörder des Großfürsten Ser­gius soll in naher Zeit beginnen. Er wird in Moskau_ge­führt werden, wohin sich eine Abordnung des Senats be­gibt, aus dem Präsidenten Daier und sechs Senatoren be­stehend. Die Anklage vertritt Oberprofurator Schtschego­lotow. Die Person des Mörders ist angeblich noch nicht fest­gestellt, so daß er als namenlos verurteilt werden muß. Das Gerücht erhält sich, daß der Mörder der hohen Aristo­fratie angehöre.

In Warschau haben am Dienstag wieder einige Atten­tate auf Polizeibeamte stattgefunden. In der Delujastraße murde ein Revieraufseher durch einen Schuß leicht verwun­det. Der Täter entfam. In der Wolskastraße wurde ein Stadtwächter überfallen. Er erhielt einen Messerstich ins Herz. Der Täter entfam.

Balkan- Staaten.

Nachdem die Gesamtmächte den Anschluß Kretas an Griechenland verboten haben, beeilt sich die griechische Regie­rung, den Garantiemächten mitzuteilen, daß sie die kreten­

sische Bewegung verwerfe. Das Vorgehen erinnert an den Fuchs, der die zu hoch hängenden Trauben für sauer er­flärt.

Amerika.

Nichts ist so ansteckend wie Steuern. Sie mag Namen und Art wie immer haben sie verbreitet sich unbedingt. Jetzt hat der Senat des Staates Newyork einen Gefeßentwurf angenommen, der auf Effektenumsäße eine Steuer legt. Der Entwurf wird wahrscheinlich Gesetz werden.

frankreich.

Ein nationalistischer Deputierter, Auchdacon, will durchaus die Marokkofrage vor die Deputiertenkammer bringen, Delcasse aber verharrt dabei, Auskunft zu verwei­gern. Er sei berechtigt, die Beantwortung von Interpella­tionen, die die auswärtige Politik betreffen, auf unbestimmte Zeit zu vertagen. Diese Berechtigung ist in der Tat vor­handen; doch hat Delcaffés Politik so viele Feinde, nicht bloß bei den Nationalisten, daß er auf schwere Angriffe ge­faßt sein muß

England.

Das Befinden des Prinzen von Wales soll sehr zu wünschen übrig lassen. Der englische Thronfolger, der im 40. Lebensjahr steht, hat, wie es heißt, ein Krebsleiden. Hoffentlich ist das nicht zutreffend. Wenn eine prominente Persönlichkeit von einer nicht benannten Krankheit befallen wird, so erzählt man immer, daß Krebsleiden vorliege. Der älteste Sohn des Prinzen von Wales und präsumptive zweite Thronerbe ist Prinz Ednard Albert, der im 11. Lebensjahr steht und noch drei Brüder hat.

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Türkei.

Eine Serbenbande von 50 Mann stieß am Dienstag bei der Bahnstation Tabanowie, Bezirk Kumanowo, auf türkische Truppen, die nach kurzem Kampf- je 4 Lote auf beiden Seiten die Bande gefangen nahm und nach Kumanovo brachte. Die serbische Bande stanimte zur Hälfte aus dem Königreich Serbien, zur Hälfte aus der Türkei. Alien.

Der chinesischen Regierung in Pefing ist von dem englischen Bolldirektor Sir Robert Hart ein Steuerreform­plan vorgelegt worden, der eine Erhöhung der Staatsein­nahmen von 56 auf 200 Millionen Tollars verspricht. Vcn diesem heidenmäßig vielen Geld jolien 20 Schlachtschiffe, 20 Kreuzer, 120 Torpedoboote und Torpedojäger gebaut und ein Landheer von 200 000 Mann mit 7340 Offizieren unterhalten werden. Bau der Flotte und Ausbildung des Heeres wollen die Japaner freundlichst übernehmen. Huftralien.

Die Orient- Pazifische Gesellschaft hat sich erboten, einen 14tägigen Postdienst zwischen Australien und England einzu­richten, wenn sie dafür mit 120 000 Pfund Sterling ( 2 400 000 Mark) jährlich unterstützt wird. Das bundes­staatliche Nabinet hat den Generalpostmeister Smith ermäch­tigt, das Anerbieten vorbehaltlich der Zustimmung des Par­laments anzunehmen.

Hof und Gefellschaft.

Zur Abfahrt des Kaisers von Port Mahon nach Neapel hatte sich eine große Menschenmenge am Ufer einge­funden. Zur Verabschiedung hatten sich Bertreter der Zivil­und Militärbehörden und der deutsche Konsul an Bord be­geben. Während die Hamburg", geleitet von den spani­schen Kriegsschiffen Kardinal Cisneros" und Numancia" die Hafeneinfahrt durchfuhr, stand der Kaiser auf der Brücke, von wo sich ein herrlicher Blick auf den Hafen bot. Auf einer Rundfahrt zu Wagen, die der Kaiser durch die hochliegende Stadt unternommen hatte, deren Häuser mit Teppichen und Seidenstoffen reich geschmückt waren, wurde er überall vom Volke aufs herzlichste begrüßt. Am Grabe des Kapitän­leutnants von Bunsen legte der Kaiser einen Kranz nieder und durchfuhr dann die französische Vorstadt St. Louis und die englische Vorstadt Villacarlos.

*** Zum Besuch der kaiserlichen Familie ist der junge Herzog von Sachsen- Koburg in Taormina auf Sizilien eingetroffen. Er wurde auf dem Bahnhof von den Prinzen Eitel- Friedrich und Oskar empfangen.

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Wie aus Petersburg gemeldet wird, sind Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen zum Besuch in 3arskoje Selo beim Zarenpaar eingetroffen. Dieses war zum Empfang der Gäste auf dem Bahnhof er­schienen. Nachdem die hohen Herrschaften sich herzlichst begrüßt und das gegenseitige Gefolge vorgestellt war, zog ber Prinz den deutschen Botschafter Grafen von Alvensleben in ein längeres Gespräch. Sodann fuhren der Zar mit dem Prinzen und die Zarin mit der Prinzessin nach dem Aleran­ber- Palais, wo die Gäste Wohnung nehmen. Um den Cha­rafter eines Familienbesuches zu wahren, wurde dem Wunsche bes Prinzen entsprechend von jedem offiziellen Empfang ab­gesehen. Die Dauer des Besuches ist bis Ende dieser Woche ' n Aussicht genommen, worauf der Prinz nach Kiel zurück­hrt, während die Prinzessin ihre Schwester Großfürstin gius nach Moskau begleiten wird.