rufene Stelomalansstenung oure) den Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg eröffnet.
Belgien.
Das Urteil gegen die Lütticher Dynamitarden hat die belgische Regierung in eine eigenartige Verlegenheit gebracht. Wie erinnerlich, hat das Schwurgericht zu Lüttich zwrot Anarchisten, die die jüngsten Dynamitanschläge hervorgerufen hatten, zum Tode verurteilt. Nun hat aber König Leopold jeit seinem Regierungsantritt niemals ein Todesurteil vollstrecken lassen, sondern die Verbrecher immer begnadigt, so daß Belgien nicht einmal eine Guillotine besitzt. In der Bevölkerung zirkuliert zwar eine Bittschrift, die den König ersucht, diesmal die Verbrecher hinrichten zu lassen, damit ein abschreckendes Beispiel gegeben werde. Allein man fürchtet, daß die Bittschrift. trotzdem sie viele Tausend Unterschriften trägt, feinen Erfolg haben werde, so daß die Anarchisten dem wohlverdienten Tode entgehen werden.
Afien.
Zu einem neuen Gefecht zwischen Tibetanern und Engländern ist es, wie jetzt bekannt wird, in der Nähe des britischen Lagers bei Gyangtse gekommen. Nach einer in London eingegangenen Meldung aus Chumbi wurde am 26. d. Mts. ein Angriff auf ein dem britischen Lager bei Gyangtse nahe liegendes, von den Tibetanern befestigtes Dorf gemacht, bei welchen Leutnant Garstin und drei Sepoys fielen, 3 Offiziere und 9 Mann verwundet wurden. Das Dorf wurde nach 11stündigem Kampfe genommen; die Tibetaner hatten schwere Verluste, 37 Mann wurden gefangen genommen. Der Erfolg dieses Gefechtes für die Briten war, daß die Tibetaner sich aus dem Rücken des englischen Lagers zurückzogen, die Verbindungen zwischen der Expedition und den nachrückenden Entsatztruppen sind infolgedessen wieder affen.
Hof und Gesellschaft.
Der Kaiser nahm gestern die Frühjahrsparade über die Potsdamer Garnison ab. Morgens um 8 Uhr begrüßte der Monarch auf der Mopke beim Neuen Palais das Regiment Gardes- du- Corps und übergab diesem nach einer Ansprache neue Behänge zu den Kesselpaufen. Der Kaiser ritt hierauf an der Spitze des Regiments durch Sanssouci nach Potsdam, wo um 9 Uhr im Lustgarten die Parade begann. Die Kaiserin, sowie die Prinzessin Victoria Luise und die anwesenden Prinzessinnen sahen dem Schauspiel von den Fenstern des Stadtschlosses aus zu. Nachdem der Kaiser, der Gardes- du- Corps- Uniform mit dem schwarzen Küraß trug, zunächst die Fronten abgeritten hatte, fand ein zwei maliger Parademarsch statt. Bei beiden Vorbeimärschen führte der Kaiser das Regiment Gardes- du- Corps der Kaiserin vor. Der Kronprinz nahm an der Parade als Kompagnie. hef teil. Nach der Parade fand im Marmorsaale des Stadtschlosses ein Frühstück statt.
Grofsberzog Friedrich Wilhelm.
Neustrelit, 30. Mai. Der Großherzog Friedrich Wilhelm von Mecklenburg ist heute at 12 Uhr 34 Min. nach längerem Leiden verschieden.
und zurück ging. Eine unzählbare Wenschenmenge wohnte unter Aeußerungen patriotischer Begeisterung dem Schau. spiel bei. Als erster traf der Soldat Girard vom 149. In: fanterieregiment ein. Er hatte die 45 Kilometer in 5 Stun den 19 Wřinuten 48 Sekunden zurückgelegt. Bald sollte die laute Fröhlichkeit jedoch in das Gegenteil umschlagen. Zahl reiche Unfälle infolge von Sonnenstich und Ueberanstrengung kamen vor. Ein Korporal starb abends in einem Krankenhause, ein anderer Soldat soll in einem Nachbarorte gestorben sein. Das Befinden einer Anzahl von erkrankten Teil. nehmern wird als höchst beunruhigend bezeichnet. Verschie dene Blätter greifen den Kriegsminister in schärfster Weise an, weil er die Erlaubnis zum Wettmarsch, der lediglich zu Reklamezwecken vom„ Matin" veranstaltet sei, erteilt habe. Die Opposition brachte in der Kammer eine Interpellation über den Gegenstand ein. Die armen Soldaten haben die ihnen von vatriotischen Armeeschwärmern ausgesetzten Preise teuer conug bezahlen müs
Der entschlafene Großherzog, der an einem Blasenleiden litt, war schon viele Monate bettlägerig. Am Sonntag Nachmittag verschlimmerte sich plötzlich sein Zustand, und es trat ein rapider Kräftever fall ein. Von ungefähr 7 Uhr an war der Großherzog bewußtlos. Von 9 Uhr an bis zum Eintreten des Todes hatten der Erbgroßherzog und die Erbgroßherzogin das Sterbezimmer nicht mehr verlassen. Die Großherzogin weilte nicht am Sterbelager ihres Gemahls; sie befand sich im Buckinghampalast in London, von wo sie erst heute die Reise nach Deutschland antrat.
Auf der Kanzel gestorben ist in Sächsisch- Haugsdorf bei Lauban der Ortsgeistliche, Pastor Hoffmann. Der Geistliche befand sich mitten in seiner Festpredigt, als er plötzlich wankte und zu Boden fiel: er war von einem Schlagfluß betroffen worden, der den Tod zur Folge hatte.
Der verunglückte„ Teufelssprung". Ein schreckliches Unglück ereignete sich in einem Hamburger Vergnügungsetablissement. Dort vollführt seit einiger Zeit allabendlich der Meisterschaftstaucher Karl Dertel den sogenannten Teufelssprung von der 90 Fuß hohen Turmgalerie in ein Fleines Wasserbassin von 4 Meter Länge, 2 Meter Breite und 1 Meter Tiefe. Dieses an und für sich im Vergleich zu der Höhe des Sprunges minimale Wasserverhältnis war nun durch Nachlässigkeit um 30 Centimeter Wassertiefe verringert worden. Der herabsausende Körper des jungen, erst 22 Jahre alten Artisten schlug infolgedessen mit tolossaler Gewalt in dem Bassin auf. Dertel verschwand in dem Bassin und kam nicht wieder zum Vorschein. Angestellte eilten herbei, leisteten dem Verunglückten Hilfe und zogen ihn besinnungslos und anscheinend völlig gelähmt aus dem Wasser. Ein anwesender Arzt konstatierte schwere innere Rerlekungen.
Am 17. Oktober 1819 als der Sohn des Großherzogs Georg geboren, erhielt der verstorbene Großherzog seinegrundlegende Borbildung in der väterlichen Residenz durch Lehrer des Strelizer Gymnasiums und studierte dann in Bonn die Rechts- und Staatswissenschaften. Am 28. Juni 1843 vermählte er sich mit Prinzessin Auguste, der Tochter des Herzogs von Cambridge. Am 6. September 1860 berschied Großherzog Georg, und in einer bewegten Zeit tiefgehender Gärung bestieg Friedrich Wilhelm den Thron seiner Väter. Schwere Leiden trübten den Abend seines Lebens; er war völlig erblindet, und die Leiden zwangen ihn, fern von der Heimat Heilung oder doch wenigstens Linderung zu suchen. So mußte er denn den wesentlichsten Teil seiner Herrscheraufgaben auf des einzigen Sohnes Schultern wälzen, dem nun auch die altehrwürdige Krone zufällt. Der bisherige Erbgroßherzog und jeßige neue Landesherr von Mecklenburg- Streliz Adolf Friedrich ist am 22. Juli 1848 geboren und seit dem 17. April 1877 mit Prinzeß Elisabeth von Anhalt vermählt. Der Ehe ist der jetzt 22 Jahre alte Herzog Adolf Friedrich entsprossen. Eine Tochter des neuen Großherzogs, Prinzessin Jutta, ist mit dem Erbprinzen Danilo von Montenegro vermählt. Prinzessin Marie, die älteste Tochter, ist die Gattin des Grafen Jametel in London. Gestern vormittag 11 Uhr fand in Neu- Strelik die Vereidigung der Truppen auf den neuen Großherzog statt.
Nan und Form
Katastrophe bei einem Wettrennen. Bei dem ZweiradStundenrennen um den großen Preis von Breslau ereignete sich ein schwerer Unglücksfall. Ein Kellner überstieg, in beiden Händen Bier fragend, die Schranke und wurde von dem Schrittmacher- Motorrad des Rennfahrers Robl erfaßt, überfahren und schwer verletzt. Robl wollte ausweichen, fam auch zu Fall und wurde am Bein verletzt. Der Führer des Motorrades verstauchte sich den Oberarm. Das Rennen um den Preis von Breslau fiel aus.
' A[ Ein übereifriger Theaterbesucher] verursachte zu Dessau bei der Aufführung von Beyerleins Zapfenstreich" eine eigenartige Störung. In dem Augenblicke, als am Ende des Stückes der Wachtmeister Volkhardt seine Tochter niederschießen will, stieß ein Besucher der Gallerie, der die Sache offenbar ernst nahm, einen furchtbaren Angstschrei aus.„ Tu's nit, tu's nit!" rief er dem Wachtmeister zu. Im Publikum machte sich eine große Bestürzung bemerkbar und auch auf der Bühne entstand eine lebhafte Unruhe, da man hier annahm, der Revolver sei vielleicht aus Versehen scharf geladen worden. Erst nach einigen Minuten wurde es wieder einigermaßen ruhig, so daß die Vorstellung zum Schluß gelangen konnte.
* Ein Riesenbrand wütete auf dem Newyorker Güterbahnhof der Delaware und Lackawannabahn, durch den eine S00 Fuß lange Mole, auf der eine große Menge Waren aufgestapelt waren, sowie mehrere Segelboote und Schleppdampfer, sowie 6 andere Güter-, bezw. Sohlenmolen vernichtet wurden; der Schaden wird auf fünf Millionen Dollar geschätzt. Die Landungsanlagen der Hamburg- AmerikaLinie erschienen eine Zeit lang von den Flammen bedroht.
A Gräfin Luise Montignoso, die ehemalige Kronprinzessin bon Sachsen, hat mit ihrem Töchterchen Anna Monica Schloß Ventnor auf der Insel Wight verlassen, um Sommeraufenthalt auf dem Schlosse Wartegg am Bodensee zu nehmen. In Southampton wurde sie von der Gräfin Saint- Victor erwartet, mit der sie gemeinsam das Schiff bestieg. Prinzessin Luise wird unterwegs in Paris auf kurze Zeit ihre Reise unterbrechen und im Hause der Gräfin absteigen. Die Gräfin fährt dann mit der Prinzessin bis Wartegg, woselbst die Prinzessin eine Hofdame zugesellt erhält.
Verhängnisvoller Wettmarsch. Einen traurigen Ausgang nahm ein Wettmarsch, den das Pariser Sensationsblatt Matin" mit Ermächtigung und Unterstützung der Militärbehörde für Soldaten der ganzen französischen Armee veranstaltete. 2000 Soldaten aller Truppengattungen, in Uniform, aber ohne Waffe, nahmen teil an dem Marsch, der über 45 Kilometer vom Hause des„ Matin" bis St. Germain
Bunte Chronik. In Langfuhr wurde bei einer Schlägerei zwischen Mannschaften des 1. Leib- Husarenregiments und des 17. Trainbataillons sechs Soldaten schwer und 21 leicht durch Säbelhiebe verlegt.
regate und Jahresrenten, vor allem für eine Anzahl vo Dienstmädchen, die nicht einmal durch längere Zeit, sonder mur gelegentlich bei dem Testator kleine Arbeiten verrichte hatten. Einige von ihnen sind mit einmaligen Geldge schenken von 400 Kronen und darüber, andere jedoch mit Jahresrenten von mehreren hundert Kronen bedacht. Dant waren Privatlehrerinnen, darunter Klavierlehrerinnen, ge nannt, die der Erblasser ebenso flüchtig gekannt hatte, mie jene Dienstmädchen, von denen er nur wußte, daß sie in ärmlichen Verhältnissen lebten. Ferner aber hatte er Legate für Personen ausgeworfen, die er, wie man annehmen muß, überhaupt nie gekannt und deren Namen er in Zeitunger als Opfer von Unfällen gelesen hat. Für solche Verunglückte find Gldgeschenke bis zu 1000 kronen festgesetzt. Die Legate und Renten dieser Kategorie absorbieren ungefähr 350 000 Kronen, ein Drittel des Nachlasses. Bei der Durchführung dieses Teiles der Willensbestimmungen des Verblichenen hat sich nun die Schwierigkeit ergeben, daß manche von den in Testament namhaft gemachten Dienstboten und Privatlehre rinnen, besonders jedoch von den Verunglückten, nicht aus geforscht nerden können. Einige von ihnen sind so gut wie verschoffen, vermutlich in der Zwischenzeit schon gestorben. Auperordentliche Mühe verursacht es, diese Umstände ge richtsordnungsmäßig festzustellen. Menninger hat eben jene Namen schon vor einer langen Reihe von Jahren niederge schrieben.
In Reinickendorf bei Berlin wurde der Italiener Enrico Baldi von zwei Brüdern Treschinsky erstochen. Auch in Düsseldorf forderte das Messer zwei Ipfer.
- Der Becuiner zugeweiler Karl Leipner suchte mil seinen beiden kleinen Söhnchen den Tod in der Spree.
Hus dem Gerichtsfaal.
§ Die einzigen deutschen Worte, die er kennt. In Wien hatte sich ein Schlächtergeselle wegen Beleidigung eines Wach. postens zu verantworten. Er hatte den bosnischen Infanleristen Mate Topicz in der Trunkenheit einen„ dummen Kerl" genannt. Für Topicz, der der deutschen Sprache nicht mächtig ist, machte sein Zugführer den Dolmetsch. Verteidiger: Wenn der Zeuge doch kein Deutsch versteht, wie kommt es, daß er beschwören will, diese Worte gehört zu haben? Zugführer( zögernd): Er sagt, dummer Ker!" weil... die Offipersteht er ganz gut, weil.. ziere, sagt er, beim Eyerzieren zu ihm auch immer Summer Kerl" sagen.( Schallende Heiterfeit.) Der Richter war nunmehr von des Zeugen Glaubwürdigkeit überzeugt und verurteilte den Schlächter zu 20 Kronen Geldſtrafe.
Ein wunderlicher Wohltäter.
RO. Wien, 30. Mai.
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Der nach seinem Tode zu so origineller Berühmtheit gelangte Erblasser muß übrigens, wie jetzt bekannt wird, aud schon in seinen jungen Jahren ein recht wunderlicher Kauz gewesen sein. Menninger hatte Jura studiert, die Richter prüfung abgelegt und war hierauf in ein Minsterium ein getreten, wo er in einem Rechnungsdepartement zu arbeiten begann. Eines Tages heiratete nun einer seiner Bureau follegen, und als der junge Ehemann Urlaub nahm, um in der Umgebung von Wien seine Flitterwochen zu verleben. verließ auch Gustav v. Menninger das Bureau, um in der Nähe des Ehepares weilen zu können, freilich, ohne vor schriftsmäßig Urlaub genommen zu haben. Als er dann in sein Bureau zurückkehrte, wurde er zum Vorstande zitiert und gefragt, wie er ohne Urlaubsbewilligung seine Arbeit habe im Stiche lassen können. Ganz naiv entgegnete der junge Beamte, er habe so viele Kollegen bei der Arbeit ge wußt, daß er sich für überflüssig halten durfte und ausbleiben zu können glaubte. Wenn er sich selbst als überflüssig an sehe, erwiderte ihm der Bureauvorstand scharf, so sei er auch für ihn, den Bureauvorstand, überflüssig und in der selben Stunde ward Gustav v. Menninger aus dem Amte entlassen. Ein vielversprechender Anfang zum Sonderlingsleben, dent ein ebenso originelles Ende gefolgt ist.
Sollte man's für möglich halten? In Wien, der großen Kleinstadt, wo ein jeder, der irgendwie auf einen Schimmer bon Originalität Anspruch erheben kann, nach kurzer Zeit zu lokaler Berühmtheit gelangt, hat lange Jahre hindurch ein Mann gelebt, der still und unbemerkt der Deffentlichkeit entschlüpft ist, trotzdem er eines der größten Originale gewesen sein muß, die je mit Donauwasser getauft wurden. Darauf läßt vor allem sein Testament schließen, das soeben eröffnet wurde und dessen wunderliche Bestimmungen jetzt in allen Cafés und Bierhäusern das Gespräch sämtlicher Stammtische bilden.
Der vielgenannte Testator ist ein Herr v. Menninger, früher Ministerialbeamter, aber seit langen Jahren im Ruhestande. Er führte viele Dezennien hindurch ein überaus stilles Dasein. Der Tag, einer wie der andere, erschöpfte sich bei ihm in Spaziergängen und Lektüre. Auf den Umgang mit den Menschen, selbst mit früheren Freunden und Befannten, hatte Menninger, ein alter Hagestolz, immer mehr und mehr verzichtet. Als er nun starb, war man nicht wenig überrascht, ein Nachlaßvermögen von mehr als einer Million Kronen in seinem Heim vorzufinden, einem Heim, das recht ärmlich ausgestattet war. Menninger, der aus seinem Vermögen eine Jahresrente von ungefähr 50 000 Stronen bezog, verbrauchte für seine Lebensbedürfnisse jährlich kaum mehr als 1000 kronen. Er soll einmal einen Haupttreffer gemacht und mit Wertpapieren glücklich spekuliert haben. Noch verwunderter als über das Vermögen, war man aber über das Teſtament des Verstorbenen. Man fand da nämlich
Vermischtes.
[ Eine Ansichtskarte vom Kaiser] erhielt die Tochter eines Badearztes in einem bekannten westdeutschen Kurort. Dort funktioniert als Kurkommissar der ehemalige Turnlehrer des Kaisers, ein alter Militär, den der Kaiser zur Teilnahme an der Mittelmeerreise eingeladen hatte. Die oben erwähnte junge Dame bat den alten Herrn dringend, ihr doch eine Ansichtskarte zu senden, die vom Kaiser mit unterschrieben" sein müsse, als Schmuck und wertvollstes Stück ihrer Sammlung. Der Gast des Kaisers stellte die Erfüllung dieser Bitte als sehr unwahrscheinlich hin. Aber der Zufall kam der jungen Dame zu Hilfe. Beim Lunch in Gibraltar rief der Kaiser seinen alten Turnlehrer an seine Seite und plauderte mit ihm von vergangenen Zeiten. Nach Beendigung des Mahls ließ sich der Kaiser ein paar Ansichtskarten von Gibraltar kommen und schrieb, wie sehr häufig auf seiner Reise, eine davon an sein Töchterchen, das, wie er erzählte, eine cifrige Sammlerin sei. Die Karte gab er, ganz modern, wie der richtige Ansichtskartenschreiber verfährt, um die Karte besonders interessant zu machen, vor der Absendung einer Anzahl Herren zur Unterschrift. Diesen Moment benutzte der Gast des Kaisers, um die Bitte der kleinen Doktors: tochter anzubringen, und der Kaiser ging in bester Laune darauf ein. Er versah eine Karte mit seiner vollen Unter schrift und ließ sie zugleich mit der für sein Töchterchen be stimmten Starte absenden. Die Freude der Empfängerin war groß.
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[ Schnelle Bevölkerungszunahme.] Gelegentlich der Anwesenheit des Kaisers auf Schloß Liebenberg i. Mark zur Teilnahme an der Hochzeit des ältesten Sohnes des früheren Botschafters Fürsten zu Eulenburg zeichnete der Monarch während des Konzertes im Park viele der Anwesen den durch Ansprachen aus. Unter anderem äußerte der Kai ser zu dem Bürgermeister Mann aus Zehdenick, daß er sich dieses Städtchens von seinen Jagdausflügen als Kronprins her noch lebhaft erinnere und knüpfte daran die Frage, unter Hinweis auf die sich in Zehdenick entwickelnde Industrie, nach dem Wachsen der dortigen Bevölkerung. Der Bürgermeister erlaubte sich, scherzend zu erwidern: In einer Nacht um 1000 Seelen!"„ Doch nicht durch Geburten?" entgegnete Tächelnd der Kaiser.„ Nein, Majestät! Durch die 1900 er folgte Eingemeindung der Nachbarorte!" Der Monarch lachte herzlich und wünschte der Stadt Zehdenick weitere Ent wickelung seiner Industrie.
A[ Politisches Spielzeug.] Für die bevorstehende ameri kanische Wahlkampagne werden sonderbare Vorkehrungen getroffen. Ein gewisser Wieland in Duluth stellte zum Massenabsatz ein mechanisches politisches Spielzeug her. Gin Elefant, das Symbol der republikanischen Partei, mit der Inschrift: G. D. P.( Grand Old Party), hat im Nacken eine leine Deffnung, auf die man einen kleinen Rauhreiter sett der, mag man noch so heftig durch den Rüssel oder den Schwanz des Elefanten blasen, nicht abzuwerfen ist. Im Gegenteil: je stärker man bläst, desto fester sitzt der Nanb reiter. Ein Exemplar des Spielzeugs wurde dem Präsi denten Roosevelt selbst überreicht.
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*[ Bier toner um veive. Im letzten Hefte einer Londoner Modezeitschrift ist eine Photographie der ameri kanischen Milliardärsgattin Mrs. George Gould, die mit Juwelen im Werte von ungefähr 4 Millionen Mark ge schmückt ist, wiedergegeben. Ihr Diamanthalsband ist allein wenigstens 400 000 Mt. wert und der Kopfschmuck, der auf Bestellung in Paris gemacht wurde, noch kostbarer. Auf die sem Bilde trägt Mrs. Gould noch nicht die Hälfte ihrer Edel steine, sie besiẞt mehrere solcher Halsbänder und Diademe Als Gegenstück zu dem bisher einzig dastehenden Brustschmud der Mrs. Astor schmückt sie sich bei passenden Gelegenheiten mit einem Paradiesvogel aus Diamanten, Rubinen, Sma ragden und Saphiren. Von ihren 50 kostbaren Ringen trägt sie nur wenige in den verschiedensten. Zusammenstel lungen auf einmal.
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