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Er warf sich auf das Lager. Er dachte an Moriz. ,, Lange halte ich das nicht aus, mit dem Erbfeinde meines Hauses unter einem Dache zu wohnen," sagte er sich. Aber das Geleise, auf welchem sich nun seine Vorstellungen be­wegten, führte ihn in ein anderes Land. Er war wieder der smart fellow jenseit des großen Grabens", wie die Ameri­faner den Ozean nennen. Er kannte als Farmer einiges vom Getreidehandel. Er wußte, daß die soeben der Voll­endung entgegengehende Inlandbahnen in den Staaten un endliche Vorräte aus dem Innern des gewaltigen Kontinents an die Küste befördern und daß diese Vorräte sich stauen würden eine furchtbare Waffe in der Hand eines unter­nehmenden Mannes. Ueberraschend muß es kommen! Bal­tische Abladungen in Mark- Lane einen Schilling höher- höher" er lachte schon halb im Traume, und dann gar nicht mehr." Er schlief.

Sechstes Kapitel.

Am Morgen schon früh, als die Vögel im Nußbaum die ersten Singversuche anstellten, war Erich wieder für die Auf­gaben des Tages gerüstet. Sogar der Hausdiener, ein junger Mensch von eigentümlicher Rührigkeit, welcher in Hemds­ärmeln sich am Fenster zu schaffen machte und seinen Kraus­kopf dort spähend zur Schau stellte, fand den Steuermann" schon auf. Er klopfte und bat um die Stiefel, welche er mit der Miene des Fachmannes betrachtete und mit hochgradiger Politur versah.

Scheinen patentierte zu sein," meinte er, als er dieselben zurückbrachte, ganz neumodsches Leder, Kamaikan oder Arri­gator mit' nem Stempel Umstaw Broadway, New- York; Herr Stü'rmann. Sie sind schwierig zu puken."

Sir,"

Erich betrachtete den Dienstbeflissenen mit Interesse. Sie haben hier einen schönen Wirkungskreis, sagte er. Sind Sie beim Justizrat oder bei Herrn Moriz?" Der Hausdiener machte große Augen, richtete die Blicke nach dem Obergeschoß empor und antwortete:

,, Bei dem da oben? Wenn der hier das Kommando hätte, dann wäre ich nicht hier, Herr Stü'rmann, und"- diese Worte fügte er zutraulich blinzelnd hinzu Sie vermut­licherment auch nicht."

Wieso nicht?" fragte Erich und legte mit einiger Um­ständlichkeit einen Dollar auf den Tisch.

,, Nun, ich nicht, denn, sehn Sie, ich bin gleichsam nur auf'n Frachtbrief hier... und Sie nicht, denn der Herr da oben würde Ihnen diese schöne Stube nicht umsonst geben. Bei dem heißt's zahlen!"

,, Auf einen Frachtbrief... wie meinen Sie das?"

... das ist so' ne Redensart, wenn man was ausge­fressen hat... und sie lassen einen dann... ich bin eine offene Seele, obwohl sie mir ein Jahr Festung aufgebrummt haben, ich mache feine Mördergrube aus meinem Herzen. Sehn Sie, der Herr Justizrat hat sich für mich verwendet, weil ich was schwach auf der Brust bin... sonst müßte ich..." Er machte die Pantomime des Karrenschiebers und fügte hinzu:

Hast du mich gesehen!"

Dann winkte er schlau mit der Hand und stahl sich hinweg. Gin unermeßlich gutherziger Mensch, dieser Justizrat," dachte Erich, und er beschloß, sofort an die Erforschung der Verhältnisse zu gehen, die hier obzuwalten schienen.

Schnell beendete er seine Toilette und beauftragte den zum Stiefelpuzen begnadigten Sträfling, der Herrschaft zu sagen, daß Geschäfte an Bord der City of Washington ihn aenötigt hätten, das Haus so früh zu verlassen.

Der so Beehrte nickte.

,, Wollt', ich könnt' auch mit nach Washington. Aber so." Nun so?"

" Sehn Sie, ich habe dem Justizrat die Hand darauf ge­geben, nicht zu echappieren; er hat sich hier für mich ver­bürgt und für den Justizrat laß ich mein Leben und für das gnädige Fräulein auch, und wenn ich' ne Kaze wäre, dann alle sieben!"

Erich gab ihm für diese Aeußerung den bereits in ver­lockender Weise enthüllten Dollar.

Der Sträfling besah die transatlantische Münze. ,, Wechseln kann ich sie leider nicht, man würde denken, ich hätt' sie gestohlen, aber ich werde sie behalten als Andenken. Ich werde sie dem Herrn Justizrat geben zum Aufbewahren."

unwillkürlich

betrossen.

Sind Ste toll?" fragte Erich " Je nun, ich darf kein Geld bei mir haben, von wegen des Ausreißens." ,, Was haben Sie denn eigentlich verbrochen?"

" Insubordination, Herr Stü'rmann. Das ist in der Gar­nison ärger als an Bord."

"

Wenn Sie das wissen, warum meutern Sie?"

,, Ach... Gotte doch man... man meint's ja gar nicht so." Sehn Sie, man ist doch auch Mensch, und wenn man ' ne schwache Brust hat..."

,, Und eine lose Zunge.

" Ja, und ein schwaches Gedächtnis.

,, Haben Sie Ihren Unteroffizier beleidigt?"

Beleidigt nicht... bloß er verstand keinen Spaß.. und ich kann doch nicht dafür, daß ich so in den Schultern hänge."

,, Haben Sie denn wirklich die Schwindsucht?

Ich bin ja nicht' mal eingesegnet worden, weil meine Stiefmutter, die geborene Riesoppen, immer sagte, es lohnt sich nicht, er stirbt ja doch über Winter und das kostet unnütz einen schwarzen Anzug."

,, Ach, Sie haben eine Stiefmutter? Eine geborene Riesop­pen?" fragte Erich amüsiert und zugleich nachdenklich.

" sa, und ich mußte ja dann erst nachträglich beim Militär eingesegnet werden," fuhr der Sträfling eifrig fort. Sehn Sie, es machte mir einen höllischen Spaß, daß sie mich nah­nen. Meine Stiefmutter, die sagte immer, ich wäre zu nichts nütze und nun bin ich sogar auf Festung.". Der junge Mann grinste vor Vergnügen.

Beneidenswerter Sieg über stiefmütterliche Vorurteile," lachte Erich, aber vielleicht stellt sich nachträglich Ihre Dienst­unfähigkeit heraus."

Der junge Mann winkte energisch ab.

,, Will ich ja gar nicht, sie lebt ja noch, und beim Militär ist es immer noch besser als zu Hause. Ich wäre ja auch schon lange gestorben, bloß um sie zu ärgern, darum lebe ich noch und mache solche Suiten."

Ihre Stiefmutter zu ärgern?"

Nun, natürlich doch. Man muß den festen Willen haben zu leben, dann hält man alles aus."

,, Müssen Sie denn durchaus nach Hause zurück, wenn Sie nicht beim Militär find?" fragte Erich, den die Offenherzigkeit des jungen Menschen immer mehr anheimelte.

Ich werde doch das Haus und die einträgliche Schenke nicht im Stiche lassen in dieser nämlichen Stadt, worin ich geboren bin und als Erstgeborener obenein. Meine Stief­mutter..."

Ihre Stiefmutter! Das ist ja zum Ausderhautfahren!" lachte Erich. Also Gott befohlen, Herr..." ,, Anton Köberlein, Herr Stü'rmann."

Herr Köberlein... und den Dollar... den werde ich selbst Ihnen aufheben, damit Sie Herrn Justizrat nicht damit zu behelligen brauchen."

Der Herr Justizrat hat schon mehr für mich," lachte der Sträfling; aber wenn Sie erlauben wollen, dann werd' ich ihn der Johanna geben, Herr Stü'rmann. Bei der hab' ich auch schon was ausstehen. Das ist nämlich das hiesige Haus­mädchen."

Nicht doch... bringen Sie mich doch nicht gar bei den Weibern ins Gerede, Sie Unglücksmensch," lachte Erich; dann winkte er Herrn Köberlein vertraulich: Es soll's feiner wissen."

,, Ah so... der Herr haben Gründe."

,, Können Sie schweigen?"

Köberlein legte den Finger an den Mund und pfiff mit verschmitter Miene.

" Ich auch," sagte Erich, machte dieselbe Pantomime und nahm dem pukigen Menschen den Dollar wieder aus der Hand.

Anton Köberlein stand da und riß den Mund auf.

Es soll Ihr Schaden nicht sein," flüsterte Erich, ihn mit dem Ellenbogen berührend, sagen Sie allen Leuten, die es hören wollen, ich der Stür'mann wäre Ihnen einen Taler zehn Groschen schuldig. Das können Sie, ohne zu lügen." ( Fortsetzung folgt.)

1. Wenn

sich

das

Kind der Welt des Lebens flug erfreut, So ist der Mensch von Herz ein Dulder allezeit; Er fühlt in seiner Brust der andern Leid und Plagen Und ist geboren, um sich selbst ans Kreuz zu schlagen!

Die Erholungsreise.

Gine Humoreske von Berthold A. Baer. ( Nachdruck verboten.))

I.

,, Wie ich mich auf diese Reise freue," sagte Mr. Weaver zu seiner eben eintretenden Gemahlin. Seit vier Jahren die ersten Wochen Erholung! Und diese in Fairview ver­bringen zu können es ist herrlich! Donnerstag reisen wir, my dear."

,, Gerade deshalb kam ich zu dir..." Du bist also schon fertig, famos!"

... um dir zu sagen," fuhr Mrs. Weaver fort ,,, daß wir die Reise nicht machen können."

Nicht machen können?" fuhr Weaver auf. Die Reise nicht machen können?" wiederholte er erstaunt. Und warum denn nicht, wenn ich fragen darf?"

" Du weißt doch, daß Mr. Frank Wills seit zwei Jahren mit unserer Else geht..."

,, Was hat das mit meiner Erholungsreise zu tun?" Er hat gestern um Elses Hand angehalten, und ich be­grüßte ihn als zukünftigen Schwiegersohn."

,, Du nahmst also die Bewerbung an." ,, Gewiß; er ist aus guter Familie, hat Vermögen, eine einträgliche Stellung, Else liebt ihn, er..."

Und ich werde bei der ganzen Sache nicht gefragt?" warf Mr. Weaver ein.

Was braucht es da vieler Fragen! Frank wird heute kommen, um dich formell um Elſes Hand zu bitten, die ich ihm tatsächlich schon zugesagt."

So, hat er ſie ſchon?! Formell wird er mich bitten, for­mell! Sehr gut! Und dieser Formalität halber soll ich wohl meine Ferienreise aufgeben, die erste Erholung, die ich mir seit vier Jahren gestatten kann!"

" Da ist doch weiter nichts dabei. Wir besprachen die An­gelegenheit gestern und beschlossen, die Hochzeit in zwei Monaten zu feiern."

Ihr beschlosset das," sagte Weaver ironisch.

" Yes, my dear, und da die Vorbereitungen die volle Zeit in Anspruch nehmen, müssen wir eben auf die Reise ver­zichten."

Müssen wir! Well, und wann gedenkt Mr. Wills formell zu mir zu kommen?"

Ein Klopfen an der Türe unterbrach das Gespräch. ,, Come in!" rief Mr. Weaver.

Frank Wills trat ein.

,, How do you do, Frank?" begrüßte Mrs. Weaver den Eingetretenen. Nimm Platz, du entschuldigst mich ein Weil­chen, ich habe draußen zu tun. Ich lasse dich bei Mr. Weaver und den Zigarren. Bis später."

Mr. Weaver hatte noch kein Wort gesprochen. Wills be­gann die Unterhaltung und kam nach einigen alltäglichen Redensarten auf den eigentümlichen Zweck seines Besuches.

Und so, Mr. Weaver," schloß er ,,, bitte ich Sie um die Hand Ihrer einzigen Tochter Else."

Die ich Ihnen verweigere," entgegnete Weaver prompt. Wills sprang vom Stuhle.

Bleiben Sie ruhig sitzen, junger Mann, wir können besser usammen reden."

Wills nahm wieder Platz.

Dürfte ich um eine Erklärung Ihrer Weigerung bitten?" fragte cr.

Ich fühle mich nicht veranlaßt, Ihnen eine solche zu geben"

.Wenn meine Person...".

h verstehe Sie nicht, Mr. Weaver," sagte Frank Wills. Rad er indes mit Mr. Weaver eine Zigarre geraucht, fden cr ihn besser zu verstehen. Als die beiden von einander teben, schüttelten sie sich herzlich die Hände. Weaver schien febr vergnügt, Wills dagegen sehr ernst. Else wartete im Salon.

Hast du Papa gesprochen, Frank?" " sa, und er hat mir deine Hand verweigert."

,, Nicht möglich!" Wie ich dir sage, rundweg verweigert.

Frank!"

,, und sagte mir gleichzeitig, daß er mich nicht mehr in sei­nem Hause zu sehen wünsche."

"

aus.

Schrecklich! Frank!" rief Else und brach in Weinen

,, Was ist geschehen?" fragte die Mutter eintretend.

Ach Mama"( Else fiel ihrer Mutter um den Hals), ,, Papa verbot Frank das Haus."

,, Unmöglich! Das muß ein Irrtum, ein Mißverständnis

sein."

,, Es ist, wie Else sagt," bestätigte Frank. Mr. Weaver schlug mir Elses Hand rundweg ab und sagte, daß ich unter feinen Umständen seine Einwilligung erhielte, seine Tochter in zwei Monaten zu heiraten."

Mrs. Weaver schien entsetzt.

Ich werde selbst mit Papa sprechen," sagte sie; dies muß ein Mißverständnis sein und es wird sich aufklären."

Bald indes fand sie auch, daß kein Mißverständnis oblag. ,, Die Sache ist für mich erledigt," schloß das Familien­oberhaupt seine Erklärung, und ich will nichts mehr davon hören."

Auch Else gegenüber, der er nie einen Wunsch abgeſchla­gen, blieb Papa diesmal unerbittlich. Seine Entscheidung

blieb dieselbe.

,, Außerdem wünsche ich, daß du alles bereit hast, nächsten Donnerstag mit nach Fairview zu reisen. Die Landschaft dorten ist so wunderschön, daß du alles andere vergessen wirst."

Vergessen, nie, Papa! O, das bricht mein Herz! Unsinn, so was bricht sich nicht so leicht." Papa, darf Frank nicht..."

,, Nein! Ich will seinen Namne überhaupt nicht mehr hören! Geh zu Bett und vergiß nicht, Donnerstag reisefertig zu sein.

Größte Niedergeschlagenheit herrschte in dem kleinen Kreise im Salon. Die Mutter zog sich bald zurück und ließ die beiden unglücklich Liebenden allein.

,, Was sollen wir tun, Frank?" fragte Else schluchzend. ,, Dein Papa hat kein Recht, unser beider Leben unglücklich zu machen," entgegnete der Gefragte.

,, Vielleicht, wenn du nochmals mit ihm sprichst..." ,, Er wird seinen Entschluß nie ändern."

" Frank, wie soll das enden?"

,, Mit der Hochzeit, Elſe.

Aber wie, Frank, wie?"

" Laß uns zum Priester gehen und ohne Papas Erlaubnis heiraten. Wir sind beide volljährig... Schrecklich!"

" Was ist daran schrecklich? Das kommt heute täglich vor, sogar in den allerbesten Kreisen, und erspart zudem Geld und Zeit."

Aber was würdest du von mir denken?"

" Daß du das süßeste Geschöpf auf Erden biſt." ,, Es geht nicht, Frank."

,, Warum nicht? Liebst du mich nicht, Else?"

Frank, das weißt du doch."

Du kennst mich, meine Familie, meine Einkünfte, meine guten und meine schlechten Seiten..."

Aber Papa--

Der wird sich schon zufrieden geben. Er hat kein Herz von Stein und kann seinem einzigen Kinde gewiß nicht lange grollen."

Sollen wir Mama fragen..."

,, Unter keinen Umständen! Laß uns morgen heiraten und alles wird glücklich enden."

Wie du willst, Frank," sagte Else, ihr Köpfchen an des Geliebten Brust legend.

Mein tapferes Mädchen und morgen.... mein Weibchen."

Ein Gute Nacht" unter Tränen und Küssen, und ball schwebte der Traumgott über dem Weavers hen Hause,

II.

Beim Frühstückstisch ward nichts von den Vorgängen des vorigen Abends erwähnt. Mrs. Weaver trug eine Mie beleidigter Hoheit; Elses Augen schienen verweint und zergien deutlich von einer schlaflosen Nacht. Nur der Herr des Hause schien vergnügt und zufrieden. Er sprach von Fairvlein un.

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