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der Sonnenglüt entfernen. Uebers Jahr, nein, früher schon, dann würde ein gleichgiltiges, fremdes Gesicht dort auf tauchen, eine fremde Hand die eingelaufenen Briefe über­bringen, kalt ging es hin über Friz Nordens Herz.

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,, Nun, Vater? Da wäre ich heil und gesund, die Sonne hat mir nichts getan, du brauchst mich nicht so besorgt an­zusehen! Den jungen Merker aus unserem Geschäft las ich unterwegs auf, er ging gleichfalls zum Dampfer, sich Nachrichten von seiner Mutter und seiner Braut zu holen. Der arme Kerl! Ich glaube, er hat ein schreckliches Heim­weh,' s ist sein erstes Jahr in Yokohama. Wollen ihn schnell zu etwas kommen lassen, damit er ein Stück Geld beiseite tun und so rasch als möglich machen kann, daß er wieder nach Hause kommt, ja Vater?"

" Der junge Merker ist gar kein tüchtiger Geschäftsmann, lieber Hellmuth!"

,, Weiß ich! Er ist zu verträumt, zerstreut, weltentrückt, mit einem Wort, er ist verliebt, und das können wir bei Frederic Norden and Son" nun absolut' mal nicht ge­brauchen, bis vielleicht der Sohn der Firma sich selbst einmal verliebt... aber was dann?? Lassen wir diese große Zukunftsfrage in der Luft stehen und beschäftigen wir uns mit der gegenwärtigen, zunächst also Merker! Er arbeitet zu viel unter deiner Aufsicht, das verwirrt ihn, du biſt ſelbſt ein ſo brillanter Kaufmann, da fühlt er seine eigene Unzulänglichkeit doppelt, das drückt ihn nieder und macht ihn mutlos. Gib ihn mir und dem alten Koßmann, wir werden eher mit ihm fertig. Ein schlechter Korrespondent ist er nicht, ich helfe ein bißchen nach."

Frizz Norden drohte lächelnd mit dem Finger. Nur nicht zu sehr, mein Sohn! Du tätest damit dem jungen Menschen, der doch in Zukunft auf eigenen Füßen zu stehen hat, keinen Gefallen. Aber meinethalben denn! Du weißt es, dir kann ich deine Bitten niemals abschlagen! Nimm also den ver­liebten Bräutigam zu dir hinüber, und sei ihm ein ver­ständiger Lehrmeister. Doch nun zu unserem Hauptge­schäft! Du hast Hendrichs Brief noch nicht gelesen?"

Unterwegs und in Merkers Gegenwart- wie sollte ich? Er freilich fing beim Gehen an, die Epistel seiner Braut zu studieren, ich denke, einige dreißig Seiten hatte ihm das fleine Mädchen geschrieben; verdenke ihr's, wer kann! Ich danke dir übrigens herzlich für die Uebergabe von Merkur und sehe ihn als ein selbst erbetenes, wenn schon nicht ganz be­quemes Geschenk von dir an. Meine berechtigte Neugier auf Hendrichs' Brief habe ich künstlich bis jetzt hingehalten, aber nun wird sich Firma Norden" auch ernstlich drüber herſtürzen!"

Er hatte sich in einen Sessel sinken lassen und zog ein dickes Briefpaket aus der Brusttasche. Vater und Sohn ahen zusammen in die eng beschriebenen Bogen.

William Hendrichs schrieb seinem jungen Freunde sehr musführlich und liebenswürdig, er teilte ihm viel von seinem abwechslungsreichen Dasein, seinem Familienleben, den Hamburger Kaufmannskreisen, mit, schrieb seine Ansichten über den gegenwärtigen Stand des Handels und der Börse, erlangte Aufschluß über verschiedene zwischen den Japanern ind Engländern schwebende Unterhandlungen und kam dann auf den Hauptpunkt, die Bitte der beiden Nordens, zu sprechen, dem er einen ganz selbständigen Abschnitt widmete.

Zunächst betonte er, wie vollkommen er die Wichtigkeit eines solchen Schrittes einsehe und wie schwer er die Ver­antwortlichkeit fühle, einem Vater seinen Sohn, wenn auch nur in geschäftlicher Hinsicht, ersetzen zu sollen. Er sei des­megen lange mit sich zu Rat gegangen, habe erwogen, wie der verworfen, bewährte Freunde befragt, endlich habe ihm ein überaus glücklicher Zufall geholfen. Ein noch junger Mann, den er gewissermaßen habe aufwachsen sehen, der Sohn eines verstorbenen Freundes, sei, lediglich aus pri­vaten Gründen, die anzuführen zu weitläufig sein würden, außerdem auch indiskret, plöglich frei geworden. Walter Ermshagen sei ein ganz vorzüglicher Geschäftsmann, sprach­gewandt, begabt in jeder Beziehung, voll hohen Interesses für seinen Beruf, er besize eine geradezu staunenswerte Sicherheit im Disponieren, habe längere Zeit in London und San Franzisko zugebracht und schon seit geraumer Frist großes Verlangen, nach Japan zu kommen, dem er eine be­btende Zukunft prophezeie. Die Abschrift der Zeugnisse

jungen Mannes lag bei, und es waren lauter Zeugnisse ten Ranges, das beste aber tat die persönliche Em­pfehlung eines Mannes, wie William Hendrichs!

Der junge Ermshagen würde in Begleitung

seiner

Schwester kommen, die seit Jahren seinem Haushalt vorstehe und ihn auch nach London und San Franzisko begleitet habe. Es ließ sich gegen diesen Brief nicht das mindeste sagen, und die beiden Norden taten das auch nicht. Hellmuth war fest überzeugt, das, was sein hochgeschätzter, erfahrener Freund vorschlage, sei allezeit das Richtige, und der Mann, den er empfehle, müsse ein Juwel sein. Friz Norden traute seinem Sohn genug Urteil zu, um dem beizustimmen, ab­gesehen davon, daß die ganze kaufmännische Welt William Hendrichs lobte und pries. So wurde denn beschlossen, daß Hellmuth, sobald er gebadet und geruht haben würde, den Brief beantworten und mit der nächsten Gelegenheit, einem Teeschiff, das nach Hongkong ging, absenden sollte; selbst­verständlich würde er schreiben, der junge Ermshagen möge herkommen, sobald es ihm irgend möglich sei.

,, Vielleicht gewinne ich einen guten Freund an ihm," ſagte Hellmuth im Hinausgehen, er hat bei mir die aller­besten Chancen dadurch, daß ihn gerade Hendrichs an uns empfiehlt. Und eine Schwester bringt er sich mit,... wie die wohl sein wird? Vermutlich eine ältere, sehr wirtschaft­liche Dame! Hoffentlich ist sie ein gebildetes Frauenzimmer, mit dem man ein Wort reden kann!"

Der Märzmonat ging zu Ende. Man hatte in Yoko­hama sehr unbeständiges Wetter während des dortigen Winters gehabt. Der Januar war schön und beständig ge­wesen, aber der Februar suchte in wilder Schadenfreude alles zu verderben, was sein Vorgänger den Menschen Gutes erwiesen, und der März gab ihm darin nichts nach. Es kamen wütende Nord- und Nordoststürme, es kam ein tage­langer Schneefall, der die Tropengegned nahezu in eine nordische Winterlandschaft verwandelte; das Thermometer sank des Nachts bis auf zwei Grad Wärme und stieg am Tage höchstens bis zu acht Grad, frösteln schauerten die Zedern und Palmen zusammen unter dem ungewohnten weißen Kristallschmuck, die japanischen Handwerker fauerten stumpfsinnig in ihren Hütten über den Kohlen­becken, zitternd und frierend, ihre dürftigen Gewänder fester um die Glieder ziehend. Nur die äußerste Not zwang ſie, zu arbeiten... im übrigen konnten sie weder durch Bitten noch durch Vorstellungen oder Drohungen dazu bewogen werden, ihre Kohlenbecken zu verlassen, um ihr Handwerk auszu­üben. Sie krochen und winselten vor den Europäern, füßten ihnen demütig den Fuß und den Saum des Gewandes, ver­sprachen alles, was man von ihnen haben wollte, in den feierlichsten Tönen, um völlig ungerührt zu ihrem un­tätigen Kauern und Wärmen zurückzukehren und tagelang dabei zu verharren, als ob nichts geschehen wäre.

Indessen brausten endlose Regengüsse herab, langsam er­wärmte sich die Luft und füllte sich mit einer lauen Feuch­tigkeit. Die Japaner krochen allgemach aus ihren Schlupf­winkeln hervor, ihre engen und schmutzigen Straßen wurden vom Regen ausgespült, allerlei weggeworfene Ueberreste stauten sich vor den Türen in der gurgelnden Flut. In der Unterstadt, deren makadamisierte Straßen, geschmackvolle neue Anlagen und hohe, im europäischen Stil erbaute Häuſer auf das vorteilhafteste von der japanischen Stadt abſtachen, traten die Beamten und Kaufleute auf die Veranda heraus, atmeten die seltsam schwere, durchfeuchtete Luft ein und sagten vor sich hin: Nun wird es Frühling!"- Auf der Hügelniederlassung beginnt es jetzt bereits schön zu werden. Die Ulmen und Buchen, mit denen die Koniferen vielfach durchsetzt sind, fangen an, sich leise zu übergrünen, sie geben der fremartigen Landschaft, in der sie stehen, ein hei­matliches Gepräge, und der frische Duft, den die ersten jungen Triebe aushauchen, weckt ein weiches Sehnsuchtsgefühl in den Herzen der eingewanderten Deutschen.

So wenigstens empfand Hellmut Norden, der, eine Ziga­rette zwischen den Lippen, in einem leichten Schaukelstuhl lag und von der zu seiner Privatwohnung gehörenden lufti­gen Veranda nachdenklich zu den noch ganz durchsichtigen Baumkronen emporblickte, wie sie sich gegen den dunkelblauen Himmel abhoben. Soeben war ein starker Regen gefallen, jetzt zog noch ein leises Getröpfel nach, aber die Wolken waren so rasch verflogen, wie sie gekommen waren, und in satter Azurfarbe lachte der tropische Himmel. Hellmut Norden seufzte tief auf, bald, in einem halben Jahr vielleicht schon, wenn sein Nachfolger sich gut anstellte, würde er wieder einen europäischen Himmel über sich haben, und das sollte ihm außerordentlich lieb sein. Er hatte über nichts zu klagen,

fort

aber er strebte von Japan, je lânger, fe turchr; er fühlte das ganz deutlich, und wenn ihm nicht der Vater den Abschied schwer machte... sonst hielt ihn hier nichts! Er hatte es satt, dies Volk, das die Fremden mit inner tichem Unmut, mit verzehrender, heimlicher Eifersucht duldet hund ihnen dennoch huldigt und schmeichelt, weil es sie braucht,

dies Volk, das seine angeborene Intelligenz einzig benützt, hum den verhaßten Eindringlingen alles abzusehen, abzu Hernen, was ihm zum eigenen Vorteil dient, um es alsdann unverhohlen als Waffe gegen die Europäer zu benützen, die es als seine Gegner ansieht und bekämpft, mit welchen Mitteln immer es sei. Mit welch schönen, humanen Ideen, mit welch beglückenden Plänen hatte sich der sanguinische Hellmut in früheren Jahren getragen! Der Japaner und der Europäer sollten sich zum festen Bund die Hände reichen, jeder sollte dem anderen freiwillig das geben, was ihm fehlte, und dafür entgegennehmen, was dieser ihm von seinem Scharfsinn, seinen Erfahrungen bot; dem liebenswürdigen jungen Mann schien das alles so leicht, so einfach, es lag ja klar auf der Hand, daß beide Parteien daraus Vorteil zogen, nun, und wo der Vorteil einzog, mußten sich ge­Sunder Sinn und gutes Einvernehmen von selbst finden. Hellmut hatte eine spezielle Vorliebe für Deutschland, ihm stand sein Volk überaus hoch, er fand es zu großen Dingen berufen und war stolz, dazu zu gehören, im übrigen aber war er ganz Weltbürger und bereit, jedem strebsamen, ge­bildeten Mann, gleichviel, welcher Nation er angehörte, brüderlich helfend und fördernd die Hand zu reichen, er hielt dies, namentlich unter Kaufleuten, für die selbstverständlichste Sache von der Welt; von dem tiefgewurzelten Nationalhaß, der die Völker entfremdet und das Mißtrauen ſchürt, wußte seine Seele nichts. Sein Vater ließ ihn gewähren, er wollte dem Sohn seine Illusionen nicht rauben und dachte in seiner grenzenlosen Liebe zu Hellmut: Wenn ein Mensch imstande ist, eine Annäherung, Ausgleichung so verschiedener Elemente zu vollbringen, so ist dieser eine sicher Hellmut Norden!"

( Fortsetzung folgt.)

Nur eine Negerin.

Egyptisches Erlebnis von Robert Kraft. ( Nachdruck verboten.) ( Fortsetzung.) Das Mädchen hat den Teufel im Leibe, ich werde ihn aber noch austreiben," sagte die Herrin, und dann ging's los. Topsy war kein Mensch. Darüber waren nicht nur alle, welche in Philippis Hause verkehrten, einig, sondern selbst die Araber dachten so und glaubten ein Recht zu haben, Topsy mit Fußtritten behandeln zu dürfen, wenn sie ihnen nicht aus dem Wege ging. Die häßlichste Araberin spie vor ihr aus und vermied ihre Berührung, als wäre sie aussäßig.

Aber Topsy war dennoch glücklich. Die Schläge schüttelte sie wie ein Pudelhund ab, in der nächsten Minute tanzte sie wieder, lachte und sann auf neue Streiche.

Signor Philippi schlug sie nie, in seiner Gegenwart durfte sich auch seine Frau nicht an ihr vergreifen, nicht etwa, weil er mildherziger dachte, sondern nur, weil er in seinem Hause Ruhe haben wollte.

Wie in Fum- el- Bagger die allgemeine Umgangssprache arabisch war, so lebte man auch auf arabische Weise, selbst die Europäer, meist Griechen und Italiener. Also saßen die Dienstboten beim Essen auch am gemeinsamen Tische, und jeden Abend, wenn mir von der Signora das Abendbrot serviert wurde, hockte Topsy mit heraufgezogenen Beinen auf dem Stuhle mir gegenüber, mechanisch und verwen­dete keinen Blick ihrer großen schwarzen Augen vor mir. Was ihr eigentlich an mir so komisch vorkam, weiß ich nicht, aber ich konnte tun, was ich wollte, alles erregte Topsys unbändige Lachlust. Fiel mir mein Messer auf die Erde, so schüttelte sie sich vor Lachen, stieß ich etwa mein Glas um, so wollte sie vor Lachen bersten, und öffnete ich nun gar den Mund, um in meinem Kauderwelsch mit der Signora zu sprechen, so wurde sie von einem wahren Lachkrampf be­fallen. Einmal schlug sie dabei mit ihrem Stuhl rücklings zu Boden, und die Folge davon war, daß Topsy wohl eine Stunde lang vor Lachen förmlich mit dem Tode rang.

Anfangs wollte die Signora sie, weil ein Verbieten ganz zwecklos gewesen wäre, vom Tisch entfernen, aber mein Veto fesselte sie an ihren Stuhl. Ich muß bemerken, daß ich näm

lich, obgleich nur Heizer, in Fum- el- Bagger eine ganz be­deutende Rolle spielte. Ich war eine Autorität. Die den Brückenbau leitenden Ingenieure waren Engländer, da­runter nur ein Deutscher; diese wohnten in Schubra, zum Teil sogar in eigenen, schnell erbauten Villen, und hielten sich von Griechen, Italienern und Arabern in unnahbarer Entfernung. Viele hatten auch ihre Familien bei sich. Die zweite Gesellschaftsklasse bildeten die Griechen und Italiener, auch einige Spanier und Malteser, meist Heizer, Maschinisten und Aufseher. Diese standen weit unter den Engländern und weit über den Arabern, welche sie schon nicht mehr als Menschen betrachteten. Die beiden lezteren Klassen be­wohnten Fum- el- Bagger, einige aus Bretterhäuschen, ver­kehrten aber des abends alle in den Wirtshäusern des Dorfes.

Jene Leute nun hatten von Deutschland gar keine Ahnung, höchstens von Berlin und Bismarck hatten sie ein­mal gehört, und die Gebildetsten wußten, daß Bismarck der mächtigste Mann der Prussiani" sei. Ein arabischer Scheich erklärte mir einmal, daß Berlin eine ottomanische Provinz wäre, und ich ließ ihn in den Glauben.

Da ich der einzige Bewohner von Fum- el- Bagger war, der von den englischen Ingenieuren nicht nur der Unter­haltung gewürdigt wurde, sondern der sogar manchmal in ihren Familien verkehrte, so hielt man auch mich für einen Anglesi", und da sie meine Widerrede, ich sei ein Deutscher, nicht verstanden, so ließ ich mich auch ferner für einen An­glesi" gelten. Ein im Dorf wohnender Engländer war aber eine Ehre für alle. Die arabischen Obstweiber ver­neigten sich bis an die Erde, wenn ich in meinem schmierigen Arbeitsanzug an ihnen vorüberging, die Verkäufer ließen die besten Kunden warten, wenn ich für einen Piaster Ta­bak erhandelte, und in Philippis Hause war mein Wunsch Befehl. Als ich nach einigen Wochen zum Maschinisten mit zehn Pfund Sterling befördert wurde, war ich der best­bezahlte Unterbeamte, und die Ehrfurcht der Dorfbewohner fannte keine Grenzen mehr. Dies kam Topsy zu gute.

Eines Abends überraschte ich Signora Philippi, wie sie Topsys Rücken unbarmherzig mit einem Schüreisen be­arbeitete. Ich nahm ihr das Instrument aus der Hand und erklärte, wenn ich noch einmal solch eine Grausamkeit sähe, würde ich das Haus verlassen, wahrscheinlich aber nicht eher, als bis ich Gleiches mit Gleichem vergolten hätte.

Verständnislos schaute mich das Weib, wahrhaft er­schrocken aber Topſy an.

,, Warum denn in aller Welt? Was ist denn dabei? Es iſt ja nur eine elende Schwarze, ein miserables, ränke süchtiges, diebiſches Geschöpf; es ist ja nur die Topsy!"

Es ist ein Mensch, ebenso gut wie ich und wie Sie, Signora, und ich dulde nicht, daß sie so behandelt wird. Keinen Hund lasse ich so schlagen," entgegnete ich.

Die Signora schüttelte den Kopf, murmelte eine Ent­schuldigung und versprach mir, es solle nicht wieder vorkom­men, da ich es wünsche. Topsy dagegen sah mich noch lange mit erschrockenen Augen an, dann brach sie plötzlich in ihr gewöhnliches Lachen aus und begann um mich herumzu­tanzen. Sie konnte nicht begreifen, daß ich sie für einen Menschen hielt. Ein Leben ohne Schläge war für Topsy unbegreiflich.

Dankbar war Topsy allerdings, aber nicht dadurch, daß sie mich nun nicht mehr bestahl. Dies tat sie nach wie vor, wenn auch nicht mehr heimlich, sie betrachtete mein Eigen­tum fortan einfach als das ihrige. Mit meiner Früh­stücksbutter salbte sie sich Haut und Haare, und was ihr nicht zugänglich war, das suchte sie sich durch Betteln anzu­eignen. Dabei war Topsy von solch unwiderstehlicher Liebenswürdigkeit, daß ihr mein Tabaksbeutel immer zur Verfügung stand, und manchen Piaſter hat sie mir abgelockt, den sie sofort in Zuckerzeug anlegte.

Ob sie an Kleptomanie litt, wie manche feine europäische Dame, weiß ich nicht, jedenfalls aber hielt sie das Stehlen für erlaubt, nur durfte man sich dabei nicht erwischen lassen; und wurde sie auf frischer Tat ertappt, so wurde sie nicht verlegen, sondern sie lachte und ließ die Schläge geduldig über sich ergehen. Topsy stahl alles, was sie sah, wenn es für sie auch ganz wertlos war. Kaufte sie sich für einen Biaster Zuderzeug, so stahl sie für drei Piaster dazu, und da die Verkäufer ihre Leidenschaft kannten, so wurde sie vor dem Weggehen stets untersucht. Dennoch gelang es ihr häufig genug, etwas beiseite zu bringen. Aber sie stahl

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