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Und dann nach einer abermaligen, bernichtenden Bause: Else glüht wie ein Röslein, und sie weiß vor Verlegenheit nicht, was sie spricht.

,, Woher kennst du denn eigentlich diese schönen Verse?"

Ach, Papa, das ist doch ein ganz altes Gedicht." " So? Ein ganz altes? Und wenn ich dir nun sage, daß ich den großen Dichter persönlich kenne daß der Assessor Reinwald es gewissermaßen unter meinen Augen ge­macht hat?"

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Mit einem hellen Aufjauchzen wirft Fräulein Else sich plötzlich an seinen Hals:

,,, mein lieber, goldener Herzenspapa er hat sich dir also erklärt? Er hat dir gesagt, wie lieb wir uns haben?"

Der Kanzleirat ist so verblüfft, daß er nicht gleich eine Antwort findet. Aber wie er seinem Töchterchen in die Augen sieht, die so blau sind wie der Himmel an einem schönen, sonnigen Tage, da wird es mit einem Male auch ihm warm ums Herz, und etwas von dem Frühlingsahnen der anderen zittert auch durch seine Seele. Er möchte zürnen, aber er bringt es nicht fertig. Und er läßt es schweigend geschehen, daß sie ihm im Ueberschwang ihrer jungen Seligkeit alles berichtet: ihre erste Begegnung mit dem Regierungs­assessor, den sie in der Familie einer Freundin kennen ge­lernt, ihre unschuldigen Rendezvous auf der Eisbahn, ihre heimliche Korrespondenz, die fast ausschließlich in wunder­schönen Gedichten des Assessors bestanden und was so der süßen Verstohlenheiten einer ersten Liebe mehr sind.

Eben will er sich endlich aufraffen, ihr schweren Herzens eine ernste und eindringliche Standrede zu halten, da schlägt draußen die Glocke an, und eine Minute später meldet das Dienstmädchen:

,, Der Herr Regierungsassessor bittet um die Ehre, den Herrn Kanzleirat zu sprechen."

Fräulein Else flüchtet mit brennenden Wangen in ihr Schlafstübchen. Der Kanzleirat aber lächelt über das ganze Gesicht, als er des Assessors feierliche Miene sieht und den Frack, in den er sich nach seiner Heimkehr aus dem Ministerium sehr eilig geworfen haben muß.

Und nun fängt er an, wirklich daran zu glauben, daß dem ungebärdigen Märzsturm die geheimnisvolle Zauber macht innewohnt, Frühlingsahnen und Lenzgefühle in den Herzen der Menschen zu wecken.

Es müssen nur eben junge Herzen sein das ist das Geheimnis.

EINST UND JETZT

Ein kindliches Wort. Nachdem William Irland erobert hatte, entdeckte man eine Verschwörung zur Restauration der Herrschaft König Jakobs. An der Spitze der Verschworenen stand dessen ehemaliger Oberkammerherr Lord Preston, dessen Leben durch seine Tochter auf eine merkwürdige Weise gerettet wurde. Diese Tochter Lord Prestons, ein Mädchen von kaum elf Jahren, befand sich am Hofe in Kensington und als die Königin Marie ( die Tochter Jakobs) dieselbe eines Tages unverwandt ein Porträt bes vertriebenen Königs anblicken sah, fragte sie das Kind, warum es dies tue. Ich dachte eben", antwortete das Mädchen mit rührender Schlichtheit, ich dachte eben, wie hart es sei, daß mein Vater dafür hingerichtet werden soll, weil er den Eurigen liebte!" Prestons. Auf diese Bemerkung erklärte die Königin die Begnadigung

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Die rechte Mutter. Der berühmte französische Schriftsteller d'Alembert war ein Findelfind. Nachdem er durch seine litera­rischen Arbeiten und vor allem durch sein großartiges Rednertalent zu hohem Ansehen gelangt, stürzte cines Tages eine vornehme Dame Madame Tencin in sein Zimmer und rief ihm pathe= e tisch zu: Mein Sohn, komm' in meine Arme, ich bin deine Mutter!" Der berühmte Mann blickte sie einen Augenblick kalt und verächtlich an, ging ins Nebenzimmer und führte ein altes Mütterchen herein. Sehen Sie, Madame," sagte er, diese hat mich aufgenommen, gepflegt und erzogen, als Sie mich ausgesetzt und verlassen hatten; sie ist meine Mutter, sie liebe und verehre ich Sie, Madame, kenne ich nicht!"

AUS DEM REICHE

Doll DES WISSENS

Wie bestimmt man Bergeshöhen? Die Messung der Höhe eines Berges erfolgt auf dreifache Weise, einmal mittels des Barometers durch Beobachtung des Luftdrucks; ferner durch Messung des Siedepunktes des Wassers, und endlich durch Berechnung nach den Angaben genau abgelesener Instrumente, wozu die Trigonometrie die nötigen Formeln liefert. Das letztgenannte Verfahren, bekannt als Triangulation", ift das bei weitem genaueste. Die erste Metode gründet sich auf die Tatsache, daß die Atmosphäre an der Oberfläche der Erde ( eigentlich: des Meeres) am dichtesten ist, weil sie hier die ganze darüber befindliche Luftsäule zu tragen hat, und da die Abnahme des Luftdrucks mit der zunehmenden Höhe ihrem Betrage nach bekannt ist, kann man, unter Berücksichtigung der herrschenden Luftwärme, durch Vergleichung des Luftdrucks am Fuße und auf dem Gipfel des Berges die Höhe des letzteren wohl bestimmen. Die zweite Metode, die Beobachtung des Wasser- Stedepunktes mittels Thermometers beruht auf der längst bekannten Tatsache, daß das Wasser am Seestrande oder bei 760 mm.( Quecksilber-) Luftdruck bei 100° C. zu sieden beginnt, und da auch das Ver­hältnis zwischen dem Siedepunkte und dem Luftdrucke genau erforscht ist, kann die Höhe eines Beobachtungsortes auf diese Weise mehr oder weniger genau bestimmt werden. ,, Triangulation" ist der Name für das Verfahren, mehrere zu einem Dreieck gehörende Winkel und eine Seite des Dreiecks zu messen und danach alle übrigen Seiten und Winkel dieser geometrischen Figur zu berechnen. Die betr. Winkel werden dabei mittels Theodolits, eine Grund­linie aber, wo es angeht, unmittelbar gemessen und das übrige, wie gesagt, berechnet. Diese Metode ist entschieden die sicherste von allen. Ihn ähnlicher Weise ist man oft in der Lage, die Höhe eines Bauwerks( Turmes), Wasserstrahls u. dergl. ziemlich genau kennen zu lernen. Man schneidet sich dazu aus Karton ein rechtwinkliges und in diesen Schenkeln gleichseitiges Dreieck aus. Hält man dieses mit einer der gleichen Seiten, den rechten Winkel dem zu messenden Objekte zugekehrt, gut wagerecht( etwa mit Hilfe eines Senkbleies, das an der anderen gleichen Seite herabhängt), visiert man ferner längs der wagerechteu Grundlinie und der längeren Seite( der sog. Hypothenuse) des Dreiecks, und sucht man endlich den Punkt, wo letztere Linie dabei mit dem höchsten Punkte des Objekts zusammentrifft, so liegt dieser Punkt ebenso hoch über der Erde, wie die Entfernung groß ist, in der man sich dann von dem Objekte befindet plus der Höhe, in der man die Grundlinie des Dreiecks selbst über der Erde gehalt n hatte.

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Allerlei Wissenswertes.

Das Wort Mutter" in verschiedenen Sprachen. Es giebt 14 Varietäten des Wortes Mutter" mit auffallender Aehulich­keit; sie lauten: angelsächsisch, Modor; persisch, Madr; sans­kritisch, Matr; griechisch, Meter; italienisch, Madre: französisch, Mère; schwedisch und dänisch, Moder; holländisch, Moeder; eng­lisch, Mother; russisch, Mater; keltisch, Mathair; hebräisch, Em; arabisch, Am.

Tönende Sonnenstrahlen. Man hat die wunderbare Ent­deckung gemacht, daß ein Sonnenstrahl unter gewissen Bedingungen einen Ton erzeugen kann. Man läßt den Strahl in ein Glas­gefäß fallen, welches Lampenschwarz, farbige Seide oder Wolle oder andere Substanzen enthält. Bringt man nun eine mit Ein­schnitten versehene, metallene, in schnellen Drehungen befindliche Scheibe so an, daß sie den Sonnenstrahl durchschneidet und ab­wechselnd Schatten und Lichtblizze in das Glasgefäß fallen läßt, so wird man, wenn man das Ohr an dasselbe legt, seltsame Töne im Innern desselben vernehmen, sobald ein Lichtblitz hin­einfällt. Noch interessanter ist das Experiment, wenn man den Sonnenstrahl durch ein Prisma, welches oberhalb der Scheibe angebracht ist, als Lichtblitze in den Farben des Regenbogens in das Glasgefäß fallen läßt. Hält man das Ohr an letzteres, so wird man ebenfalls Töne vernehmen, doch immer nur von ein­zelnen Teilen des farbigen Strahles ausgehend, während die anderen Teile stumm bleiben.

Juhot of du!?

Nr. 37.

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Dienstag, den 16. Februar

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Cägliche Unterhaltungs- Beilage

Familienzeitung.

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sanal momal nid( bi poom Gießener Neueste Nachrichten.

Sand and Bering ber Chebener Berlagsdrufferet, vorm. With. Reller'sche Buchbruceret( gegs. 1788);: Ibis lett

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Der Goldmarder.

Erstes Kapitel.

Original Roman von M. Behold.

,, Bleibt mir mit den Spangenbergs vom Leibe, sie taugen Alle nichts!" rief der kleine, hagere Mann, der als fremder Gast zum ersten Mal am Stammtisch saß. Ich weiß, sie ſizen hier, in der kleinen fürstlichen Residenz, Alle recht warm in der Wolle, aber wen kann das wundern? Hier treibt ja die Vetterschaft ihre üppigsten Blüten, bin ich beim Für ften gut angeschrieben, dann ist es Kinderspiel, meine ganze Familie zu versorgen!"

,, Oho!" meinte cin jüngerer Herr, dessen männlich schönes Gesicht ein frauser, brauner Vollbart umrahmte ,,, was fennen denn Sie von den Verhältnissen in unserer Residenzstadt?"

Ein sarkastisches Lächeln umzuckte die schmalen Lippen des Andern, der ziemlich schäbig und altmodisch gekleidet war, und dessen kahles Haupt nur noch einen schmalen Kranz grauen Haares zeigte.

" Genug," erwiederte er, um meine Behauptungen be­weisen zu können! Ich weiß auch, daß Sie der Herr Hof­juwelier Martin Kassel sind, und daß der junge Herr, der Ihnen gegenübersißt, der Maler Ottokar v. Weisweiler ist; sein Vater ist Hofrat bei Seiner Durchlaucht, also gehören Sie naturgemäß Beide zur Hofpartei, gleichwohl nehme ich fein Jota von meiner Behauptung zurück."

Es fragt sich nur, ob Sie auch den Mut haben, mit Ihrem Namen dafür einzutreten!" spottete der Maler, ein hoch elegant gekleideter Herr, dessen blasses Gesicht ein sorg­sam gepflegter, tiefschwarzer Knebelbart schmückte. Ob Sie uns fennen, ist uns gleichgiltig, wir aber sehen Sie heute zum ersten Mal

,, Mein Name ist Peter Schönbach," unterbrach ihn der Alte, während er die zerbissene Zigarre in den Aschenbecher warf und mit den mageren Händen über den borstigen grauen Bart strich, Sie werden meinen Namen schon auf manchem Kupferstich gelesen haben."

,, Sie sind der Kupferstecher Schönbach?" rief der Maler überrascht. Ihr Name hat in unseren Kreisen einen guten Klang, darum freut es mich, Sie kennen zu lernen."

Dieses lobende Zeugnis schien für die übrigen Stamm­gäste maßgebend zu sein, sie betrachteten den Fremden mit freundlicheren Mienen.

,, Sind Sie mit dem Kustos unseres Museums, Heinrich Schönbach, verwandt?" fragte der Hofjuwelier.

,, Er ist mein Bruder," antwortete Schönbach, während er sein Glas wieder füllte.

,, Dann erzeigen Sie ihm keinen Dienst, wenn Sie auf die Familie Spangenberg schimpfen," sagte ein alter Herr warnend. Joachim Spangenberg ist der Direktor unseres Museums, ein Wort von ihm genügt, Ihren Bruder um sein Brod zu bringen."

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" Geschähe meinem Bruder ganz recht," brummte der Kupferstecher, er hätte sich erinnern sollen, daß ein Schön­bach keinem Spangenberg dienen darf. Ich kenne die Macht und den Hochmut dieser ganzen Sippe sehr genau! Was war dieser Joachim Spangenberg vor etwa zehn Jahren? Einfacher Zeichenlehrer am hiesigen Gymnasium, weiter nichts!

( Nachdruck verboten.)

Durch welche Dienste er später der Günstling des Fürsten wurde, daß weiß außer ihm und Setner Durchlaucht wohl niemand. Genug, er wurde es, er legte sein Amt nieder und erhielt den Posten eines Museumsdirektors. Damit hätte er zufrieden sein können, aber kaum im Amte, zwang er seine älteste Tochter, den Polizeirat Appel zu heiraten, der mindestens zwanzig Jahre älter ist, als sie. Damit hat er auch seinen verbummelten Sohn versorgt, der sich jetzt im Bureau des Schwagers auf die Ministerkarriere vorbereitet-" Ein schallendes Gelächter unterbrach ihn, sein Gesicht ver­zog sich zu einem höhnischen Grinsen.

Sie glauben das nicht, meine Herren?" fuhr er fort. " Dann kennen Sie noch nicht die Macht dieses Mannes, aber Sie werden sich meiner Worte erinnern, wenn der neuge­adelte Minister v. Spangenberg Ihnen den Daumen aufs Auge drückt! Hat Joachim Spangenberg nicht seinem Bruder Franz die gut dotierte Rektorstelle an der hiesigen höheren Bürgerschule verschafft? Der Sohn des Rektors studierte Medizin, er hat sich auch als Arzt hier niedergelassen und natürlich durch die Vetterschaft gleich eine gute Praxis ge­funden. Geben Sie Acht, es wird nicht lange dauern, dann ist er Leibarzt Seiner Durchlaucht!"

,, Wenn er es würde, so hätte er es verdient," sagte der Hofjuwelier Kassel, er ist ein tüchtiger Arzt und durch und durch ein Ehrenmann! Aus Ihren Worten aber, mein Herr, spricht nur Haß gegen die Familie Spangenberg, und wenn Sie hier sich niederlassen oder auch nur vorübergehend woh­nen wollen, dann rate auch ich Ihnen, Ihre Ausfälle gegen diese Familie zu unterlassen."

Haß?" erwiederte Peter Schönbach, und ein Zornesblitz zuckte aus seinen dunklen, tiefliegenden Augen. Ich habe feine Ursache, ihn zu leugnen, denn er ist begründet. Der Vater dieser Brüder Spangenberg hat meinen Vater betrogen, nichts ist uns geblieben, nicht einmal so viel, daß uns Kin­dern eine gute Erziehung gegeben werden konnte."

,, Na ja, das hört man!" flüsterte Ottokar v. Weisweiler dem Hofjuwelier zu, ich wollte nur, Adolph wäre hier, er würde ihn schon zum Schweigen bringen, meinst Du nicht auch?"

Bah, laß ihn schwätzen!" erwiederte Martin Kassel, er wird schon zahm werden, wenn er sich hier niederlassen will!" ,, Still!" warnte der Maler, da kommt der Direktor Spangenberg selbst; nun wirds gut werden!"

Die Tür hatte sich geöffnet, ein großer, stattlicher Mann war, das graue Haupt hoch erhoben, mit würdevoller Miene eingetreten.

Unter der scharf gebogenen Adlernase schmückte ein grauer, buschiger Vollbart das rote Gesicht, das mit seinen wulstigen Lippen und den wasserblauen, begehrlichen Augen den Genuß­menschen berriet.

Sein Anzug war der eines reichen Mannes, an der Hand, in der er ein spanisches Rohr mit goldenem Knopf trug, blitten ein breiter Siegelring und ein Solitär von hohem Werte, eine Rosette von Brillanten funkelte auf der Busen­nadel, und eine schwere goldene Uhrkette mit vielen glänzenden Breloques hing an der Weste.

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