Nr. 39.
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Mir verwirrten sich die Gedanken! Ich habe oft gelesen, daß solche Beichten, wie ich sie dir machen muß, niedergeschrieben wurden und dann nach dem Tode des Betreffenden dem, für den sie bestimmt waren, in die Hände fielen. Ich habe das auch so machen wollen, fing immer von neuem an, aber es ging nicht, ich konnte nichts ordnen, nichts sichten, und die brennende Sehnsucht, dich einmal noch wiederzusehen, trieb mich her. So muß ich es dir denn sagen!"
Du mußt nicht, mein lieber Vater! Wenn du freiwillig den Bann, der über meiner sonst so glücklichen Ehe liegt, lösen willst, werde ich dir das aufrichtig danken; aber wie könnte ich dich zwingen wollen? Sieh, verseze dich in meine Lage! Es ist mir unendlich schmerzvoll, daß ihr, meine beiden liebsten Menschen, du und Hilda, ein Geheimnis miteinander habt, ein wichtiges, ernstes Geheimnis, und ich stehe ausgeschlossen da! Es betrifft dich, ich weiß das, Hilda kann dies auch nicht leugnen, aber, zart und schwach, wie sie ist, schweigt sie konsequent, und sie hat mir neulich gesagt, keine Macht der Welt würde sie, solange sie noch ihre Besinnung habe, dazu bringen, sich selbst ihren Schwur des Schweigens zu brechen, auch dein Tod, Vater, vermöchte dies nicht! Abgesehen davon, daß es das Glück, die volle Harmonie der Ehe untergräbt, wenn ein Teil dem andern ein schweres Geheimnis verbirgt, daß das Mißtrauen geschürt, der Zweifel, das Bedenken erregt, hunderte von Stimmen wach werden, die in meinem Herzen bis dahin geschlummert hatten... so sehe ich auch, daß dieser Eid, den Hilda sich selbst geleistet, sie namenlos quält, daß dies Geheimnis ihre Seele belastet und sie fast zu Boden drückt. Denn in ihrem Herzen gibt sie, das weiß ich, mir tauſendmal recht, daß hingebendes Vertrauen die Hauptſtüße einer glücklichen Ehe ist, ihr Verstand aber weist sie unerbittlich auf ihr Gelübde des Schweigens hin, und dieser Zwiespalt macht sie elend! Als sie körperlich gesund war, konnte ſie den auf sie einstürmenden Gedanken wenigstens einigen Widerstand leisten, jezt, angegriffen, wie sie ist, von jedem geselligen Verkehre ausgeschlossen, verbringt sie ihre Tage mit qualvollem Grübeln, und der Arzt, der bis vor einiger Zeit immer noch guten Trost für mich wußte, ist jetzt auch ratlos und bedenklich. Er fürchtet, eine so zarte Natur könne möglicherweise unter fortgesetzten Erschütterungen"
Hellmuts Stimme versagte, und er sah trübe vor sich hin. Der Senior war dicht neben den Sohn gerückt und hielt dessen Rechte in seinen beiden abgezehrten Händen. Als sein Blick sich von Hellmut losmachte und zufällig in den Spigel traf, eine große prahlerische Fläche in einem schönen Barockrahmen, wie die neuen, luxuriösen Hotels sie oft auf weisen, sah er sich selbst neben seinem Sohn ſizen, eine hinfällige, gebeugte Gestalt mit silberweißem Haupt- und Barthaar, faum mehr ein Schatten seines früheren Selbst- und Hellmut, obwohl schon etwas sorgenvoll und bleich, doch so kraftvoll und schön Vergangenheit und Zunkunft!" dachte er bei sich.„ Vermutlich hat er ein langes Leben vor sich, und Gott wolle es ihm gnädig gewähren und geben, daß es ein glückliches, gesegnetes sei! Ich aber habe aus dem Dasein zu scheiden, sehr bald, wie ich hoffe, daher steht die Partie unglech ich habe zu büßen für das, was ich begangen! Freilich ist es die härteste Buße, die es für mich geben kann, aber da Gott meinen Tod früher nicht gewollt hat, so muß ich sie auf mich nehmen!" Mit lauter Stimme begann er dann:
,, Ehe ich zu dir rede, Hellmut- und es ist zu deinem Glück unbedingt notwendig, daß ich dies tue, ich sehe es ein! sprich du zu mir! Wie stehen deine geschäftlichen Angelegenheiten? Hendrichs hat mir nur Günstiges darüber gesagt, aber ich möchte es von dir bestätigen hören. Bist du meinem Rat gefolgt, hast du die Verbindung mit Wien angefnüpft, und welches Resultat hast du bis jetzt erzielt? Sag' mir ausführlich von allem, wir haben später keine Gelegenheit mehr, mit einander zu sprechen!"
Befremdet blickte Hellmut auf.„ Was soll das heißen,
Bater?"
„ Nach dem, was ich dir sagen muß, werden wir uns niemals wiedersehen, es sei denn, ich möchte dich in meiner Todesstunde noch einmal sehen. Du selbst wirst es nicht wünschen, wenn du mein Bekenntnis vernommen hast, mit mir zusammenzutreffen... und tätest du es auch, ich müßte es verweigern, ich könnte es nicht ertragen, und dies soll meine Strafe sein!"
Frizz Norden sprach ziemlich ruhig, aber seinem Sohn
stieg wieder, diesmal
deutlicher denn je zuvor, die Ahnung auf, die ihm von Zeit zu Zeit unbestimmt vorgeschwebt war und die er, zornig über sich selbst, sofort in sich zu ersticken getrachtet hatte: es müsse im Vorleben seines Vaters eine dunkle, sehr dunkle Stelle geben, die ihm, dem Sohn, unbekannt sei und für ewige Zeiten geblieben sein würde, hätte nicht Hilda, seine Gattin, durch irgend eine unglückselige Schicksalsfügung davon Kenntnis gewonnen. Die letzten Worte seines Vaters: nach seiner Beichte dürfe und wolle er den Sohn nie mehr wiedersehen, und er betrachte dies als seine Strafe, machten ihm seine Ahnung fast zur Gewißheit. Er fühlte, wie seine Stirn feucht wurde, und ein eisiges Gefühl lähmend durch seine Glieder schlich.
Also deine geschäftlichen Angelegenheiten, Hellmut! Wie steht es mit Wien?"
Der Sohn räusperte sich heftig, ihm war die Kehle wie zugeschnürt; er mußte seine ganze Kraft zusammennehmen, um den Sinn der letzten Frage zu fassen und eine Antwort darauf zu geben. Zum Glück waren es nur ein paar Tatsachen, und zwar günstige, die er anzuführen hatte, aber die Stimme, mit der er das tat, klang heiser, und ihm war, als ob ein weſenloses Etwas rießengroß vor ihm emporwüchse, mit eiskalten Klammern sein Herz packte und zuſammendrückte und es so feſthielt!
Er hatte geantwortet und es trat nun Stille ein. Eine große, kostbare Uhr lärmte monoton und geschwäßig in ihrem geschnitzten Gehäuſe.
Da zog Norden senior seine Hand plößlich von der seines Sohnes fort, und wie dieser unwillkürlich wieder darnach griff, rückte er von ihm weg.„ Du darfst es nicht mehr, Hellnut, es iſt vorbei! Sag' deiner Gattin, ich dankte ihr für die Energie und Konsequenz, mit der sie schwieg, und ich wünschte ihr, sie möge nun frei aufatmen und dich glücklich machen. Aber dies spreche ich zu dir- ich wünsche, sie wäre niemals in mein Leben getreten, denn, ob mein böses Gewissen mich auch oft verfolgte und ruhelos umtrieb, sie ist vor mich getreten wie die verkörperte Rache, und der Rest meines Lebens, fern von dir, wird mir eine Qual, der Tod ein willkommener Erlöser sein! Denn ich, dein Vater, der in aller Augen, auch in den deinigen, für einen makellojen Ehrenmann gilt, bin ein Mörder gewesen, und dein Weib wußte darum!"
Der stattliche Portier, der in der Vorhalle des„ Hotel International", auf seinen vergoldeten Stab gelehnt, die feuchte Luft einsog seit einer Stunde hatte es aufgehört zu regnen, und der Augusthimmel lachte blau und wolfenlos herab- wandte sich um und setzte sich in Positur, als er den jungen, schönen Mann herankommen sah, der vor etiva zweieinhalb bis drei Stunden in vollem Guß hier vorgefahren war. Er toollte ihn mit einem Gruß vorüberlassen - aber als er ihn dabei ansah, stuzzte er.
Um Verzeihung, mein Herr sind Sie krank?" Der junge Mann schüttelte den Kopf und wollte vorbeigehen, ihm schien ein Einfall zu kommen, und er blieb stehen.
In der Tat, ich bin nicht ganz wohl, wollen Sie mir einen Wagen besorgen?"
Sehr gern, mein Herr!" Der Portier zog sein Pfeifchen hervor und setzte es an die Lippen. Gleich wird der Wagen hier halten."
Schön! Und wäre es Ihnen möglich, ein paar zeilen besorgen zu lassen hier in Hamburg zu Herrn Hendrichs, Firma Hendrichs u. Kompagnie, am Jungfernstieg?" Der Mann verbeugte sich ehrerbietig.
Die Firma ist mir sehr wohl bekannt. In fünf Minuten kann einer von unseren Dienstleuten bereit sein, um hinzugehen. Soll er auf Antwort warten?" Antwort? Nein!"
Hellmut riß ein Platt aus seinem Taschenbuch und schrieb ſtehenden Fußes mit Bleistift ein paar zeilen:
Ich kann Sie nicht wiedersehen, lieber Freund, ich reise sofort ab zu meiner Frau, senden Sie mir meine wenigen Sachen dorthin nach. Und, ich bitte Sie, fragen Sie mich nicht, was es gegeben hat, ich könnte es Ihnen niemals sagen! Dank für alles Gute, was Sie mir getan! Ich hoffe, wir sehen uns wieder. Ob ich das Leben werde ertragen können?"
Den legten Satz strich Hellmut rasch durch, er blieb aber noch leserlich. Die Hand zitterte ihm, und er war so aufgeregt, daß er die Münzen aus seinem Portemonnaie ver
schüttete, als er den Wagen und den Portier bezahlen wollte. Mit einer ungeduldigen Handbewegung wies er das von der Erde aufgesammelte Geld zurück, klebte eine Briefmarke über den zusammengefalteten Zettel, sprang in den Wagen und fuhr davon.
Es war Abend, als Hellmut in seiner Villa anlangte, ein milder, wonniger Sommerabend, der mit leuchtendem Pinsel die Abendröte an den Himmel malte und mit Purpur und Gold eine sorglose Verschwendung trieb. Etwas von all dem Licht- und Glanzgewoge schlüpfte auch zwischen den zugezogenen tiefblauen Vorhängen durch, die Hildas Fenster verhüllten, und zitterte als irrende Goldfünkchen über das schwarzbraune Haar weg, das ohne Regung auf dem Kissen lag. Schneeweiß und müde war das schöne Antlitz anzusehen, aber die Augen darin waren groß aufgeschlagen und wanderten unablässig von der seidebehangenen Wiege zur Thür... kam er denn immer noch nicht?
Endlich... ein leiser, vorsichtig nahender Schritt, ein unterdrücktes Aufschluchzen, und ein Mann, der neben dem Bett kniet und sein Gesicht auf die schmale Hand preßt, die sich mühsam erhebt, um ihm über das blonde Haar zu streicheln.
Dann kommt Hildas schwache Stimme:
" Du warst in Hamburg, Hellmut? Sag' mir die volle Wahrheit, sie ist mir hundertmal besser als die quälende Ungewißheit. Du weißt alles?"
" Ja!" Zitternd erringt es sich seinen Lippen. „ Mein armer, geliebter Mann!" „ Hilda! Mein Herz! Was Du gelitten haben mußt!" Ja, es war eine große und tiefe, eine echte und erprobte Liebe, die diese beiden verband!
Zwei ernste Glückliche waren es, das sah Jeder, der tiefer blickte; so William Hendrichs, der oft bei ihnen war, ein wahrer Freund, der nie mit Wort oder Blick ihren wun den Herzen weh tat! Von Hellmuts Antlitz war der Sonnenschein von einer harten, erbarmungslosen Hand fortgewischt, er war ein stiller Mann geworden; sein Lächeln gehörte seinem Weib, das er vergötterte, und seinem liebreizenden Töchterchen, das ihn aus seiner Mutter blauen Augen anlachte. Im Verkehr mit Fremden und Bekannten war der bis dahin so lebensfrohe Bankier Norden schweigsam und scheu, die Geselligkeit schien ihm oft eine Last, und man fragte sich verwundert untereinander, was ihm wohl fehlen könne, da er gesund, gut ſituiert und im Besitz einer so reizenden, zärtlich geliebten Frau, eines lieblichen Kindes sei. Schrankenlos gütig waren sie beide, er wie Hilda, im Wohl= tunes war, als vermöchten sie sich niemals Genüge zu tun in unerschöpflichen Spenden, man lobte aber nicht nur ihre großartige Freigebigkeit, sondern mehr fast noch den rein menschlichen, zarten Sinn, der es verstand, die Armen und Bedürftigen leicht anzufassen, daß die empfangene reiche Wohltat sie kein hingeworfenes Almosen dünkte. Von Hilda hieß es, sie habe ein wahrhaft goldenes Herz, und Hellmut konnte aufleben und mitteilsa und liebenswürdig sein wie früher, sobald man ihm Gelegenheit gab, Tränen zu trocknen und Not zu lindern.—
Später, als er es selbst geglaubt, fand Friz Norden die ersehnte Ruhe. Wo der Tod als ein Erlöser heiß herbeigesehnt wird, da zögert er unglaublich oft und lange, zu kommen. Wer vermag dieses Rätsel zu lösen? Die Jungen und Glücklichen ruft er ab in vollem Leben, die Müden und Hoffnungslosen läßt er zurück!
Frik Norden hat seine Strafe erduldet, er hat seinen Sohn Hellmut nicht mehr auf Erden wiedergesehen, auch in seiner Todesstunde nicht. Dieselbe kam unerwartet über ihn, mitten in einer lauen, dunkeln Frühlingsnacht, als niemand um ihn war. Eine kurze Agonie... und er mußte den geheimnisvollen Weg betreten, den wir alle einmal wandeln müssen, ob schuldbeladen, ob frei von schwerer
Sünde.
Als die Todesnachricht in die Oeffentlichkeit gelangte, bernahm man in Berlin staunend, daß die ganze große Hinterlassenschaft des Toten von dessen Sohn und Schwiegertochter wohltätigen Zwecken überwiesen wurde; sie rührten keinen Pfennig davon an, sie lebten lediglich davon, was Hellmuth durch seine eigene Arbeit und Ümsicht verdiente.
Das Geschäft in Yokohama wurde Walter Ermshagen übertragen und nahm, wie vorauszusehen gewesen war, unter seiner Leitung einen neuen Aufschwung.
Und die Zeit des Unglücks ist unvergessen bei Hellmut und Hilda, aber in ihrer Liebe zu einander, in ihrer Sorge für ihre Kinder haben sie es gelernt, diese Schicksalsprüfung zu überwinden.
Die Bakterien
im Haushalt des Menschen.
Von Dr. med. A. Heilborn.
Der Freiburger Bakteriologe Schottelius veröffentlichte vor einiger Zeit Untersuchungen über die Bedeutung der Bakterien für die Ernährung, die angetan sind, das Interesse weitester Kreise zu erregen. Es ist seit langem bekannt, daß sich in unserem Verdauungstraktus fast regelmäßig eine Reihe Bakterien finden, über deren Wesen und Bedeutung man nichts anderes wußte, als daß sie harmlos, unschädlich sind. Diese Bakterien verwandte nun Schottelius zu seinen Experimenten und zwar in folgender Weise: Soeben ausgeschlüpfte Hühnchen wurden„ keimfrei" ernährt, d. h. mit einem Futter, das von allen Bakterien befreit war, und in einem eigens konstruierten gleichfalls feimfreien Käfig gesperrt. Trotz ausgesprochener Freßlust und guter Verdauung wuchsen die Hühnchen aber nicht nur nicht, sondern nahmen ständig an Körpergewicht und Kräften ab. Nach etwa einer Woche wurde ein Teil der Versuchshühnchen aus dem Käfig genommen und hinfort mit gewöhnlichem Hühnerhoffutter, das reichlich Batterien enthielt, weiter ernährt. Sie erholten sich überraschend ſchnell, die vorher struppigen Federn wurden blank und glatt, die Bewegungen kräftiger, ruhiger und sicherer, und in kurzer Zeit erreichten die Tiere die Größe und das Aussehen gleichaltriger im Hühnerhof frei erzogener Küken. Die anderen noch weiter keimfrei ernährten Hühnchen aber starben in wenigen Tagen an Entkräftung. Die Versuche bewiesen also klärlich, daß zu gedeihlicher Entwicklung gewisse Bakterien in der Nahrung unerläßlich seien. Zu ganz ähnlichen Resultaten war übrigens vorher schon Metschnikoff gelangt, der seine Versuche an Kaulquappen( Froſchlarven) angestellt hatte.
Wir sind gewöhnt, in den Bakterien unsere ärgsten Feinde zu sehen, und diese Anschauung hat insofern eine gewisse Berechtigung, als wir die Bakterien zunächst als Krankheitserreger kennen gelernt haben, und die von Bakterien erzeugten Krankheiten, die sogenannten Infektionskrankheiten ( wie Tuberkulose, Typhus, Diphtherie, Krebs u.s.f.), zu den verheerendsten gehören. Wenn wir aber vorurteilslos die Rolle betrachten, welche die Bakterien im Haushalt der Natur und des Menschen spielen, so müssen wir unsere Ansicht doch wesentlich modifizieren. Die Bakterien sind Mikroorganismen ( Kleinlebewesen"), die zur Gruppe der niederen Pilze gehören. Hier werden sie als Spaltpilze von den Schimmelund Sproßpilzen unterschieden. Schon Leuwenhoek( 1675) hatte mit seinem verbesserten Mikroskop in gährenden oder faulenden Aufgüssen das Vorkommen solcher niederer Pilze nachgewiesen, aber geglaubt, diese Kleinlebewesen entständen ( durch„ Urzeugung") in der gärenden oder faulenden Maſſe. Erst Pasteur hat zweihundert Jahre später den Beweis erbracht, daß umgekehrt durch Bakterien und andere niedere Pilze Gärung und Fäulnis entstehe, daß ohne ihre Tätigkeit die Oberfläche unserer Erde bald so völlig mit den Ueberresten gestorbener Tiere und Pflanzen bedeckt wäre, Luft und Wasser so verpestet wären, daß weder Mensch noch Tier und
Pflanze weiter darauf leben könnte. Mit anderen Worten: Die Bakterien führen die durch den Tod der Individuen abgeschiedenen Stoffe, wie namentlich Kohlensäure und Stickstoff, zum Nutzen der Lebenden wieder in den Kreislauf des Daseins zurück. Das ist ihre vornehmlichste Aufgabe. Einzelne freilich sind entartet und dieser Aufgabe untreu ge worden; sie begnügen sich nicht mehr mit dem toten Körper sondern dringen in den lebenden ein und rufen hier Zersetzungsprozesse hervor, die schließlich zum Tode führen können. Gleichwohl überwiegt aber der Nutzen der niederen Pilze den von ihnen verursachten Schaden bedeutend.
Werfen wir zunächst einen Blick auf die Schimmel- und Sproßpilze. Schimmelpilze sind von ihrem weißlichen, graugrünen oder auch bunten„ Rasen" auf schimmelnden" Resten ( feuchtes Brot, Obst u. s. f.) jedem bekannt. Sollen sie gedeihen, bedarf es immer eines gewissen Grades von Feuchtig
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