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Auch dies erfuhren Vater und Tochter, aber auch hier­

Nr. 32.

onnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., 26 Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertel­fährlich Mr. 1.50.

Gratisbetlagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich).

Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Montag, den 8. Februar 1904.

Gießener

13. Jahrgang.

Jnsertionspreis: Die einspaltige Betttzelle für ganz O Hessen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

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Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Unabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weßlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Der ruffifcb- japanische Krieg beginnt!

Was man nach Bekanntwerden der russischen Antwort­note befürchtete, ist zur Wahrheit geworden: Japan hat die diplomatischen Beziehungen mit Rußland ab­gebroen, was einer formalen Kriegserklärung gleich­fommt. Während die Zeilen geschrieben werden, haben wahr­scheinlich die Feindseligkeiten bereits begonnen. In einer Birkulardepesche des russischen Minister des Aeußern an die Bertreter des Zarenreichs im Ausland, schiebt Rußland alle Schuld und damit die Verantwortung für die Folgen des Krieges auf Japan.

Bereits am Freitag wurde, wie russischerseits erst nach­träglich mitgeteilt wird, die russische Antwort an Japan von Petersburg aus dem russischen Statthalter in der Mandschurei, Admiral Alexejew, telegraphisch übermittelt. Alexejem gab die Note sofort ebenfalls telegraphisch an den russischen Gesandten in Tokio, Baron Rosen, weiter, der sie tags darauf dem japanischen Kabinett überreichte.

Wie schon gemeldet, sind auf geheime Anordnung der japanischen Regierung gegen Mitte und Ende der vorigen Woche alle in der Mandschurei anwesender. Japaner eiligst nach der Heimat zurückgekehrt. Hals über Kopf ging die Abreise vor sich; in Wladiwostok z. B. verkauften japanische Geschäftsleute im Laufe eines Tages ihre Waren im Werte Don Hunderttausenden von Rubeln aus, wobei sie Sachen, die sonst einen Rubel kosteten, für 10 oder sogar 5 Sopeken abgaben. Die Stadt ist ohne Friseure, Wäscherinnen und weibliche Dienstboten; einige Werfstätten sind geschlossen. Zwei Dampfer mit etwa 1500 Personen sind bereits abge­gangen. Zwei weitere Dampfer zur Aufnahme der noch zu­rüdgebliebenen Japaner werden erwartet.

Die Truppenmacht Rußlands in Ostasien be­giffert sich gegenwärtig auf etwa 320 000 Mann. Die früher genannten Ziffern, 390 000 und 350 000 Mann, sind zu hod) gegriffen.

n store a geht inzwischen alles drunter und drüber. 9000 undisziplinierte, aber vollbewaffnete niedere Kulis und koreanische Soldaten, die zum Schuße des Kaisers zu­fammengebracht wurden, marschieren Tag und Nacht mit auf­gepflanzten Bajonetten auf den Straßen Söuls umher. Sie bewachen beständig den kaiserlichen Palast; zwölf Wachtposten stehen an jeder Pforte, und eine starke Wache befindet sich dahinter. Jeder Zugang zur englischen Gesandtschaft ist auch von Koreanern besezt. Große Abteilungen dieser Sol­daten desertieren täglich mit Waffen und Munition; sie marschieren dann in regelrechten Formationen durch die Dörfer und verlangen Quartier. Nachts gehen sie dann auf Bünderungen aus. Die Gesandtschaften haben vergebens gegen die Anwesenheit dieser Soldaten protestiert und der foreanischen Regierung mitgeteilt, daß zum Schuße gegen piese Soldaten die Gesandtschaftswachen verstärkt seien.

Der Herero- Hufftand.

Die Liste der Opfer des Aufstandes ist schon vieder um zwei neue Namen vermehrt worden: Auf der on den Herero geplünderten Station Heusis wurde ein Be­mter der deutschen Kolonialgesellschaft für Südwestafrika, Banshorn, und in Spißkopjes der Beamte derselben Ge­ellschaft outsch ermordet worden.

Einiges Befremden hat in Berliner Kolonialkreisen die Rachricht des Habicht"-Kommandanten erregt, daß Gouber­teur Leutwein sich nicht, wie man nach den bisherigen Depeschen annehmen mußte, an Bord des eben von Port colloth in Swakopmund eingetroffenen Wörmann- Dampfers efand. Bekanntlich hatte der Kapstädter deutsche General­onsil v. Lindequist die Einschiffung Leutweins in Port Colloth als unmittelbar bevorstehend z. 3t. nach Berlin ge­heldet, und Korenfapitän Gudewill vom Habicht" hatte einem weiteren Telegramm bereits von Leutweins Ab­eise aus Port Nolloth gesprochen. Jegt meldet er, Leutwein abe den Dampfer verpaßt, er sei erst nach dessen Abfahrt, m Freitag, in Port Nolloth eingetroffen. Dieser Wider­bruch in den Depeschen des Kapitäns Gudewill erklärt sich ndessen daher einfach: Gudewills erste Meldung von der ereits erfolgten Einschiffung Leutweins beruhte auf dem­ben, die unmittelbar bevorstehende Abreise des Gouver= eurs meldenden Telegramm Lindequists, das auch das Kolo­lulamt erhielt. Zugleich mit dem Telegramm an das Kolo­ialamt hatte der Kapstädter Generalkonsul ein gleichlauten­es Telegramm an Gudewill nach Swakopmund geschickt. udewill mußte annehmen, daß Leutwein bereits an Bord und telegraphierte in diesem Sinne nach Berlin. Selbstverständlich wird durch die Verzögerung der An­ft Leutweins im Aufstandsgebiete das militärische Vor­hen unserer Truppen nicht im geringsten beeinträchtigt. Leutivein in Swakopmund eintrifft, führt Gudewill das mmando, und daß er energisch und umsichtig zu operieren teht, haben die rühmlichen Erfolge der letzten Tage lagend erwiesen.

Die militärischen Operationen

in der Kolonie verfolgen augenblicklich einen mehrfachen Zweck. Die Kompagnie Franke, die Windhuk und Oka­handja entsetzt hat, ist am 3. Februar auf Omaruru ab­marschiert, um dort Hilfe zu bringen. Die Entfernung zwischen beiden Punkten beträgt in der Luftlinie etwa 110 Kilometer, so daß die berittene Schußtruppe troß der Schwierigkeiten des Geländes wohl am 6. in Omaruru angelangt sein dürfte. Dann läßt sich auch die Verbindung mit Outio herſtellen, wo die vierte Kompagnie steht, und von wo eine Heliographen­linie nach Süden geht. Man kann dann auch übersehen, wie sich die Dinge im Norden gestaltet haben. Unterdessen wird die Eisenbahn von Karibib nach Osten durch das Landungs­korps des Habicht", das auf Okahandja in Marsch gesetzt ist, gesichert und jedenfalls, soweit es die vorhandenen Arbeits­fräfte ermöglichen, wieder hergestellt. Auf demselben Weg folgt dann der Ersatztransport der Schutztruppe, der mit 5 Offizieren und 226 Mann unter Oberleutnant v. Wink­Ier am 3. Februar in Swakopmund eingetroffen ist. Als die Eisenbahn noch nicht bestand, ist Premierleutnant von François 1893 die 360 Kilometer lange Strecke von Walfischbai bis Windhuk mit einer Ersatzkompagnie in zwölf Tagen marschiert, und ähnliche Leistungen lassen sich jetzt auch erwarten, so daß spätestens eine Woche nach dem Ab­marsch von Karibib die Truppe in Windhuf eintreffen dürfte.

Sonst liegen Nachrichten über neuere Ereignisse in Süd­westafrika nicht vor. Dafür treffen nach und nach nähere Schilderungen der bisherigen Vorgänge ein. Zunächst scheint danach festzustehen, daß der Aufstand der Herero von Water­berg ausging und am 12. Januar überall in der Kolonie gleichzeitig begann. Daraus, daß der Herd des Aufruhrs die Gegend um Waterberg war, läßt sich schließen, daß die dortigen Hererohorden sich sofort nach Süden auf die Far­men geworfen haben. Die Zahl der in Waterberg befind­lichen Weißen scheint zu gering gewesen zu sein, als daß sie erfolgreichen Widerstand hätten leisten können. Anders ging es in Omaruru, das am 14. Januar angegriffen wurde. Die dort befindlichen etwa 50 Deutschen vermochten sich gegen die Angreifer zu behaupten. Inzwischen wird ihnen die - wie schon erwähnt nach Omaruru abgegangene Kom­pagnie Franke wohl völligen Entsatz gebracht haben. Der zweite Entsatztransport

ist bereits auf hoher See. Die Truppen trafen am 6. von Berlin und Kiel in Hamburg ein, wurden in Infanterie, Kavallerie, Artillerie, Seefoldaten und Eisenbahntruppen abgeteilt, dann zu drei Kompagnien formiert und hierauf an Bord der Lucie Wörmann" gebracht, wo ihnen ein Früh­stück gereicht wurde. Der Stab des Expeditionskorps traf mittags in Hamburg ein. Die Abfahrt erfolgte nachmittags.

Die Politik.

Einen eigenartigen Schritt haben die Kölner Kranken­fossen unternommen: Sie haben beschlossen, ein Telegramm an den Kaiser zu senden, worin er gebeten wird, die etwa 100 000 Kölner Kassenmitglieder, welche durch die Regie­rungsverfügung mit ihren Familien den Aerzten auf Gnade oder Ungnade ausgeliefert seien, zu schüßen. Der Kaiser fann in dieser Sache nichts hin. Das Gesetz schreibt vor, daß die Kassen ihren Mitgliedern die nötige Zahl Aerzte zur Ver­fügung zu stellen haben. Tun sie das nicht, so ist die Auf­sichtsbehörde, also die Regierung, verpflichtet, die Kassen­vorstände dazu anzuhalten, und erforderlichenfalls selbst die nötigen Aerzte auf Kosten der Kassen zu engagieren. Darcu, daß die Aerzte ihren Streif durchsetzen, sobald sie solidarisch bleiben und Zuzug von außen fernhalten, tann niemand etwas ändern. In der Versammlung, die die Absendung des Telegramme beschloß, wurde u. a. mitgeteilt, daß den Kölner Aerzten zur Abfindung der von auswärts gekommenen Kol­legen angeblich 750 000 Marf zur Verfügung ständen. Die fremden Aerzte seien indessen gegenüber den von den Be­hörden ergangenen Aufforderungen, ihre Tätigkeit cinzu­stllen, entschlossen, an ihren kontraktlichen Verpflichtungen festzuhalten. Während der Diskussion wurden die anwesen­den Aerzte aus dem Saale getoiesen. Bald darauf verlicẞen auch die Vertreter der städtischen und staatlichen Behörden den Versammlungsraum. Die Kölner Krankenkassen werden gleichviel ob sie nun recht oder recht haben- es bald völlig mit den maßgebenden Instanzen verschütten.

Zum Nachfolger des Bischofs Anzer in China soll ein Pater Picper ausersehen sein. Pater Picper ist bislang eine in den weitesten Kreisen unbekannte Größe.

Die Erklärungen, die der preußische Minister des In­nern v. Hammerstein im Abgeordnetenhause zu der Frage der Aenderung des preußischen Wahlrechts abgab, stellen, wie jetzt bekannt wird, nicht die persönliche Auffassung des gesamten Staatsministeriums dar. Die preußische Re­gierung ist, wie aus sicherer Quelle verlautet, von der Not­wendigkeit durchdrungen, das preußische Wahlrecht im we­fentlichen unverändert aufrecht zu erhalten. Bekannt­lich hat die Regierung Erhebungen darüber angestellt, inwie­fern sich bei den letzten Wahlen die geltenden Bestimmungen als verbesserungsbedürftig erwiesen haben. Das Ergebnis dieser Erhebungen iſt die Anschauung des Miniſteriums, daß die geltenden Vorschriften sich im allgemeinen als durchaus zweckmäßig erwiesen haben. Dies gilt insbesondere von dem

Wahlreglement von 1903. Tur einige unwesentliche Aen­derungen sollen vorgenommen werden. Eine dahingehende Vorlage wird dem Landtage aber erst in der nächsten Tagung zugehen.

Oefterreich- Ungarn.

In dem Olmützer kirchlichen Hader scheinen die Gegner des Fürsterzbischofs Dr. Kohn den fürzeren gezogen zu haben. Dr. Kohn hat jetzt dem ihm unterstellten Klerus mit­geteilt, daß das heilige Offizium in Rom bereits Anfang De­zember 1903 die Nachrichten von einer angeblich durch ihn begangenen Verletzung des Beichtgeheimnisses als Ver­leuni dung bezeichnet habe und daß Payst Pius selbst hierüber eine Kundgebung veröffentlichen werde.

Dänemark.

Den Beschwerdeführern über das Treiben der eng­lischen Fischdampfer in den nordeuropäischen Gewässern reiht sich jetzt auch Dänemark an. Nachdem die deutschen Fischerei­kreuzer den englischen Fischdampfern die Unverschämtheit, mit der sie sich in der Nordsee benahmen, gehörig angestrichen und dem Unfug in der Nordsee ein Ende gemacht haben, treiben die britischen Fischer jetzt in der Nähe der schottischen Küste ihr Spizbubenhandwerk. Neuerdings sind sie mit ganz besonderer Roheit an der Isländischen Küste aufgetreten. Seit der dänische Kreuzer Hefla" von dort abberufen ist, haben die Engländer nicht nur in den isländischen Fjorden selbst gefischt, sondern der wehrlosen und fast ganz auf den Fischfang angewiesenen Bevölkerung sogar ihre Fischerei= geräte geraubt. Dänemark wird jetzt unverzüglich einen Kreuzer nach den isländischen Gewässern entienden, um den englischen Piraten das unsaubere Handwerk gründ­lich zu legen.

Balkan- Staaten.

Sonderbare Dinge werden aus Montenegro berichtet gerade in dem Augenblick, wo der Vertreter des Königs Peter von Serbien mit dessen eigenhändigem Schreiben dort­hin kommt. Ein gewisser Drago Lakitsch war fürzlich in Belgrad und wurde als ein alter Bekannter vom König Peter empfangen. Sobald er nach Cettinje zurückkam, wurde er verhaftet und in Ketten gelegt. Sein Bruder, der Wojwode Lakitsch, verlor die angesehene Stelle eines Brigadiers und ist im Begriff, Montenegro zu verlassen. Jakob Nenadowitsch, ein Verwandter des Königs Peter, der jahrelang in Montenegro als Emigrant lebte, hier mit einer Nichte des Fürsten verheiratet und am montenegrinischen Hofe persona grata war, fiel ebenfalls in Ungnade und mußte vorige Woche Montenegro verlassen. Er befindet sich jetzt in Belgrad. Im allgemeinen wird hier jeder ungern gesehen, der irgendwie zu Serbien Beziehungen unterhält. Und der Grund dieser ungnädigen Praktiken Nifitas? Sicher­lich ist es die Enttäuschung darüber, daß nicht an Stelle eines Karageorgiewitsch ein Njegosch, ein Sohn des montenegri­nischen Fürstenhauses, auf den serbischen Thron berufen wurde.

Hus den Parlamenten.

Zwei völlig aussichtslose Anträge sind von sozialdemo fratischer Seite im Reichstage eingebracht worden. Der eine ersucht den Reichskanzler um Vorlegung eines Gefeßent­wurfes, wonach der Betrieb und die Verwaltung der deut­Der schen Eisenbahnen dem Reiche übertragen wird. andere verlangt einen Gesezentwurf, in dem ein Arbeit­geber mit Gefängnis bis zu drei Monaten bedroht wird, menn er mit einem anderen Arbeitgeber vereinbart, Arbeitern die Arbeitsgelegenheit zu erschweren, die an Vereini­gungen behufs Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbe­dingungen teilgenommen haben. Der letztgenannte Antrag ist, wie man sieht, das Gegenstück zu der vom vorigen Reichs­tag begrabenen Zuchthausvorlage".

Deutfcher Reichstag.

( 26. Sigung.)

CB. Berlin, 6. Februas. Das Haus ist wieder einmal so schwach besetzt, daß an seiner Beschlußunfähigkeit kein Zweifel auftauchen kann. Der erste der heutigen Redner meinte u. a.: Die einzigen Leute, die umsonst arbeiteten, seien die Mitglieder des Reichs­tags; die täten es allerdings ad majorem patriae gloriam. Er hätte hinzufügen sollen: in absentia. Aber die Be­schlußunfähigkeit bleibt ohne jede Wirkung; sie mag noch so augenfällig sein, juristisch eriſtiert sie nicht, so lange sie nicht formell festgestellt ist. Die

Verlängerung des Friedenspräsenzgesetzes von 1899 auf nur ein Jahr, die von etwo 30 Abgeordneten in dritter Lesung endgültig genehmigt wurde, ist somit rechts­gültig. Eine Debatte entstand dabei nicht. Dafür sleß der Redestrom uneingedämmt weiter, der durch das Vedürfnis nach

sozialpolitischen Auseinandersetzungen beim Titel Staatssekretär des Etats des Reichsants des Innern entfesselt worden ist.

Abg. Rügenberg( Bentr.) trat für die Forderungen der Aerzte in deren Streit mit den Krankenkassen ein, also