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Posten, ohne angerufen zu werden, zu passieren. Als ich die Feldwachen hörte, warf ich mich zu Boden und troch wie eine Schlange weiter. Und doch wäre ich beinahe erwischt worden. Ein deutscher Offizier lehnte an einem Baum, und fast hätte ich ihn angestoßen. Eine ganze Zeit lang, wie lange, vermag ich nicht zu sagen, lag ich unbeweglich, und kaum wagte ich es, Atem zu holen, bis der Offizier endlich weiter ging. Als ich aber erst glücklich innerhalb der feindlichen Linien war, erhob ich mich und suchte nach der Wohnung des Kronprinzen zu gelangen. Dort endlich angekommen, nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und schritt auf die Türe zu. So sehr zitterte ich, daß ich kaum sprechen konnte. Zum Glück bemerkte jedoch der wachthabende Offizier meine Aufregung nicht.
Führen Sie mich sofort zu Seiner königlichen Hoheit", bat ich in meinem besten Deutsch. Ich überbringe wichtige Depeschen."
Von wem?" fragte der Offizier.
Wichtige Depeschen für Seine königliche Hoheit", wieder holte ich fühn. Dabei fühlte ich, wie mir die Knie schlotterten. In dem trüben Licht fixierte er mich scharf, und ich mußte alle meine Kräfte zusammennehmen, um nicht in Ohnmacht zu fallen. Ohne noch ein Wort zu sagen, geleitete er mich sodann in das Zimmer des Kronprinzen, indem er meldete: ,, Wichtige Depeschen!"
Von wem?" fragte der Kronprinz.
" In Privatangelegenheiten, wenn königliche Hohheit gestatten", stammelte ich. In meinem Innern fühlte ich, daß ich beim Verlassen dieses Zimers entweder Felix Begnadigung erwirkt, oder oder ein anderes Leben für ihn zum Opfer gebracht haben würde.
Lassen Sie uns, bitte, allein, lieber Weißhausen!" rief der Kronprinz dem Offizier zu, der sich salutierend zurückzog und hinter sich die Tür schloß.
,, Und was führt Sie also hierher?" wandte sich der Prinz Wie heißen Sie?" freundlich zu mir.„ Sie sehen blaß und angegriffen aus.
Der Schlüssel steckte in der Tür und ich drehte ihn raſch um. Im nächsten Augenblick hatte ich meinen Revolver hervorgeholt und zielte damit dem Prinzen ins Gesicht. In diesem erhabenen Moment aber zitterte meine Hand nicht. Königliche Hoheit!" rief ich ihm zu, sobald Sie rufen, sind Sie ein Kind des Todes!"
brave war er. Nicht einmal mit den Wimpern zuckte er, er sah Oh! Er war ja ein Deutscher, aber auch un brave, un mich nur fest an und lachte.
,, Eine kleine Kriegslist also!" bemerkte er in einem nachlässigen Tone: Wer sind Sie und was wollen Sie?"
Herr Kronpring!" antwortete ich ihm. Ich bin die Tochter des Müllers von Pench. Mein Schatz, Felix Larondie, ist heute Abend von Ihren Leuten als Fraktireur ergriffen worden. Wenn er nicht bereits erschossen ist, ist er zum Tode verurteilt. Sein Leben will ich, oder- königliche Hoheit, ich nehme dafür das Ihrige."
Das nenne ich ein Weib!" rief er.„ Bravo!" Dabei lachte er, und mir, die ich gerade an Felix denken mußte, wäre der Revolver beinahe aus der Hand gefallen. Davon weiß ich garnichts, liebes Kind. Nein! Doch halt! Hier sind verschiedene Papiere, die mir zum Unterzeichnen gebracht worden sind. Ah, das hier ist es, Felix Larondie, Bauer, mit den Waffen in der Hand ergriffen. Soll morgen früh um 5 Uhr erschossen werden."
Er wird nicht sterben, königliche Hoheit oder..." Mit Worten konnte ich nicht drohen, aber meinen Revolver hielt ich in Bereitschaft.
„ Er ist ein Mörder und
Nein", schrie ich, er ist Soldat, wenn er auch keine Uniform trägt. Können königliche Hoheit glauben, daß ich um eines Mörders willen so viel gewagt haben würde?"
,, Er hat als Franktireur und nicht als Soldat gekämpft." ,, Was macht das aus?" und hätte er für Frankreich in der Stunde der Gefahr nicht die Waffen ergriffen, so würde ich ihn keines Blickes mehr gewürdigt haben. Wenn Ihnen Abr Leben lieb ist, Hoheit, müssen Sie ihn frei geben." Mein Leben steht in Gottes Hand", entgegnete er, mir, ins Gesicht sehend." Drohungen schüchtern mich nicht ein. Sie sind aber ein tapferes Mädchen, Mademoiselle."
Und dann verließ mich mein Mut, Monsieur. Ich ließ den Revolver fallen, warf mich zu seinen Füßen und bat und flehte ihn an. Und er, Monsieur, hob mich auf, gab mir Wein zu trinken und ließ sich die ganze Geschichte erzählen. Th, was für ein guter und freundlicher Herr war das doch!
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MIS ich ihm alles erzählt haffe, fffeinte er lachend:" Ihm muf berziehen werden, denn es wäre ja zu Schade, wenn folch treu liebendes Mädchen ohne Mann bleiben sollte." Und da mußte ich von neuem zu weinen anfangen, füßte ihm die Hand und versuchte es, ihm mit Worten zu danken. Und jetzt brachte er mich zu Felix, dem er seine Begnadigung anfündigte. Ich warf mich auf Felix und ich selber habe seine Fesseln durchschnitten. Zusammen dankten wir dann dem Prinzen." Ihrem Manne einen verstohlenen Seitenblick zu. werfend, fuhr sie fort: Freilich, ob die Männer alles das wert sind, finden wir Frauen erst später heraus. Drei Tage später überbrachte mir eine Ordonnanz ein Armband von Seiner königlichen Hoheit. In demselben war eingraviert:„ Einer tapferen und treuen Französin!" Sehen Sie, ich trage es noch.
Ja, Monsieur, als dieser edle Fürst starb und alle Aerzte der Welt ihm nicht helfen konnten, da haben wir bitterlich geweint. Auch haben wir für seinen Sarg einen Kranz geschickt, und ich wagte es, an die Kaiserin zu schreiben. Sie war die würdige Tochter ihrer Königin, Monsieur. Sie hat meinen Brief eigenhändig beantwortet und gar oft sprechen wir von dem edlen Fürsten und seiner hingebenden Gattin, die sich auch in Feindesland ein gutes, dauerndes Andenken gesichert hat.
AUS FERNEN ZONEN
Indischer Fanatismus.
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Der Aeltere der berühmten brüderlichen Weltreisenden Schlagintweit erzählt folgendes: Auf meiner Reise durch Asien hatte ich Gelegenheit, eine Probe von religiöser Aufopferung zu beobachten, die an Wahnsinn grenzte. Ein sehr andächtiger Fakir hatte sich, um einen Platz im Paradies zu gewinnen, noch sehr jung die Marter auferlegt, durch zwölf Jahre weder zu liegen, noch zu sitzen, sondern immer zu stehen. Um, vom Schlaf überwältigt, nicht umzufallen, band er sich an einen Baum, so daß die Schlingen ihn unter den Armen durchgingen. Als die zwölf Jahre vorüber waren, tat er ein zweites Gelübde: seine gefalteten Hände zwölf Jahre lang unbeweglich über den Kopf zu halten. Am Ende dieser Zeit fand es sich, daß das Blut in seinen Armen nicht mehr zirkulierte; sie waren auss gedorrt, steif und unempfindlich. Nach dieser vierundzwanzigjährigen grausamen Kasteiung, die er sich selbst auferlegt, hielt man ihn des Titels Pogis"( Heiliger) noch nicht würdig, sondern legte ihm noch zwei Prüfungen auf, bei welchen ich eben gegenwärtig war. Man band den Fanatiker bei den Füßen an eine Art Galgen, zündete unter ihm ein großes Feuer an und schwenkte ihn etwa eine Viertelstunde lang durch die Flammen, aber so schnell, daß sein Haare nicht davon ergriffen werden konnten. Als man ihn losband, war er beinahe tot. Nichtsdestoweniger schritt man zur zweiten Probe. Man grub ihn in frische Erde und ließ ihn nahezu zwei Stunden in diesem Grabe. Nach Verlauf dieser Zeit grub man ihn aus und, wer hätte es geglaubt, der Mann atmete noch. Nun wurde er als Pogis ausgerufen. Da hatte der arme Fakir noch die Kraft, seine Augen zu öffnen, als wolle er dem Himmel danken, und verschied. Was ist hier mehr anzustaunen, die Schwäche des geistigen oder die Stärke des physischen Lebens?"
Verschiedene Tafelfreuden. Die Bewohner der MaldaviInseln essen allein. Sie begeben sich zu diesem Zweck in den hintersten Teil ihrer Häuser und ziehen die Tücher, welche als Fenstervorhänge dienen, zu, um ihre Mahlzeit völlig ungestört halten zu können. Die Bewohner der Philippinen dagegen sind sehr gesellig. So oft einer von ihnen keinen Genossen hat, der seine Mahlzeit teilt, läuft er herum, bis er einen findet, und wie groß auch sein eigener Appetit sein möge, wagt er doch nicht, denselben zu befriedigen, so lange er keinen Gaft hat.
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Speisetafeln der reichen Chinesen sind wunderschön lackiert und mit sehr kunstreich gearbeiteten seidenen Teppichen bedeckt. Von Tellern, Messern und Gabeln machen die Chinesen keinen Gebrauch, sondern man bedient sich zweier elfenbeinernen Stäbchen, die der Sohn des Reiches der Mitte ebenso geschickt handhaben ver: steht, wie nur irgend ein europäischer Eßtünfter" Messer und Gabel. Ein Kamtschadale kniet vor seinem Gat nieder, schneidel ein riesiges Stück Seekalbfleisch ab und stopft es ihm unter dem wütenden Rufe:„ Taga!"(" da!") in den Mund. Was an dem selben hängen bleibt, schneidet er ab und verschlingt es selbst,
Nr. 74.
Dienstag, den 5. April.
1904
Oberbessische Familienzeitung.
Tägliche Unterhaltungs- Beilage
der
Gießener Neueste Nachrichten.
Band und Bering ber Olofener Bering@ braderet, verm. Wilh. Reller'sche Bucheruderet( gegs. 1788); sent: Ibis Riots
( 8. Fortseßung.)]
Gewissensqualen.
Kriminal Roman von Robert Buchanan.
Abermals dankte sie mir, und indem sie vom Sopha aufstand, wünschte sie mir Gute Nacht" und ging hinaus. Jezt, da ich über die Vorfälle des Abends nachdenken konnte, war es mir sehr lieb, daß ich nochmals Gelegenheit haben würde, das Fräulein zu sehen. Wäre es wirklich möglich, so fragte ich mich, daß ich hierher auf dieses Schloß hatte tommen müssen, um dem Hilfeschrei Folge zu leisten, den ich im Traume gehört?
Obwohl die Dame des Hauses sich zurückgezogen und mich mir selbst überlassen hatte, so merkte ich doch bald, daß sie im Geiste der alten irischen Gastfreundschaft für meine Bequemlichkeit gesorgt hatte. Das Mädchen, das mich ins Haus eingelassen, kam bald wieder ins Zimmer und bat mich, ihr noch einmal zu folgen. Sie führte mich eine Treppe höher in ein gemütliches Schlafzimmer, wohin ein paar Minuten später mein Kutscher auch das Reisegepäck brachte. Befriedigt erzählte er mir, daß er gut versorgt sei, und daß auch sein ,, armer Gaul" es sich im Stalle bequem gemacht habe.
Kaum hatte ich mich gewaschen und meinen Anzug in Stand gesetzt, als das Mädchen abermals klopfte, um mir mitzuteilen, daß das Abendbrot unten bereit stände. Ich folgte ihr in das Wohnzimmer. Ein kräftiges Feuer flackerte im Kamin, und auf dem Tische stand eine Mahlzeit bereit, wie sie sich ein hungriger Reisender nicht besser wünschen konnte: Tee, Milch, Hausbrot, frische Eier und in Scheiben geschnittener, gebratener Lachs, der ganz frisch aus der See gekommen war. Ich war gerade im Begriffe, darüber herzufallen, als Bridget ins Zimmer trat.
Das Fräulein läßt sich dem Herrn Doktor bestens empfehlen", sagte sie, und ob Ihnen vielleicht Wein lieber ist. Wir haben Rotwein da, auch Burgunder, von dem unser Herr, Gott hab' ihn selig immer getrunken hat."
Ich dankte und sagte ihr, daß ich Tee vorziehe. Auch nach dem Befinden meiner Patientin erkundigte ich mich.
Es geht ihr besser, aber ich glaube, vollkommen wohl wird sie sich in dieser Welt nicht mehr fühlen." Und bevor ich noch etwas sagen konnte, hatte sie das Zimmer verlassen. Während ich aß, betrat das Fräulein noch mehrere Male das Zimmer. Es gelang mir jedoch nicht, sie in eine Unterhaltung zu verwickeln. Sie gab mir nur einsilbige Antworten und ich konnte nichts aus ihr herausbekommen. Ich war jedoch bequem untergebracht, hatte gut gegessen und um mein Glück vollständig zu machen, brachte mir das Mädchen noch alles nötige, um einen heißen Punsch zu machen. Ich braute mir ein großes Glas voll, das mir so gut schmeckte, daß ich ein zweites folgen ließ, und ging schließlich in der denkbar besten Laune zu Bett und schlief tief und fest bis zum anderen Morgen.
Keine Erscheinung erschreckte mich in dieser Nacht, ja nicht einmal ein Traum störte mich. Als ich aufwachte, war es bereits heller Tag, neun zeigte meine Uhr. Ich sprang aus dem Bett, zog die Fenstervorhänge zurück und blickte hinaus. Die Sonne schien hell, und vor mir, keine hundert Meter entfernt, breitete sich der mit silbernem Sand bedeckte Strand und die ruhige See aus.
( Nachdrud verboten.)) Eine halbe Stunde später war ich bereits unten am Meeresufer und betrachtete mir von dort aus das Schloß.
Die Wahrheit zu gestehen, war es doch wohl kein Schloß. Wohl mag in früheren Zeiten an seiner Stelle ein Gebäude gestanden haben, das diesen Namen verdiente; aber von dem ursprünglichen Bau war nur wenig übrig geblieben, und das aus Sandstein erbaute Wohnhaus machte durchaus feinen Anspruch auf architektonische Schönheit. Aber auch in seiner jezigen Gestalt beherrschte es die Gegend; fast genau nach Westen gelegen, war von ihm aus ein großer Meeresarm des atlantischen Ozeans zu übersehen. Nach dem Lande zu erstreckten sich einsame Moore und mit Heidekraut bewachsene Hügel- den Namen Berge verdienten sie nicht ihnen strömte in vielen Windungen und Fällen ein kleiner Fluß herunter, der, einen Steinwurf vom Schlosse entfernt, sein Wasser in die See ergoß.
und von
In das Schloß zurückgekehrt, fand ich dort ein prächtiges Frühstück vor, und kaum hatte ich demselben Gerechtigkeit wiederfahren lassen, als meine Wirtin erschien und mich mit liebenswürdigem Lächeln begrüßte. Sie erzählte mir, daß sie dank dem Schlaftrunke, den ich ihr gegeben hatte, die Nacht in ruhigem Schlummer verbracht habe. Obgleich sie noch blaß und bekümmert aussah, war doch der seltsame Zug um ihre Augen, der mir bei der ersten Begegnung so aufgefallen war, jetzt geschwunden. Mit kindlicher Harmlosigkeit streckte sie mir die Hand entgegen, und lächelnd meinte sie, daß die Vorgänge des vergangenen Abends mich hoffentlich nicht glauben machen würden, daß ich unter Wilde geraten sei. Sie habe vor der jetzigen Begegnung mit mir Angst gehabt, weil sie fürchte, ich würde mich sofort von ihr verabschieden.
Ich weiß nicht, wie es zugeht, Herr Doktor," fügte sie noch hinzu, seit den wenigen Stunden, die Sie in diesem Hause verbracht haben, ist ein Gefühl der Ruhe über mich gekommen, wie ich mich dessen noch nie zu erfreuen hatte, seitdem mich mein großes Unglück heimgesucht hat. Ich danke Gott, daß er Sie hierher gesandt hat, um mir in dieser schrecklichen Zeit beizustehen. Verzeihen Sie, wenn ich Ihnen kindlich erscheinen mag, aber mir ist es so, als wenn ich im Begriff stände, im Meere zu ertrinken und jemanden zur Hilfe herbeigerufen hätte, der mir die rettende Hand reichte."
Während sie so sprach, war es mir, als ob ich dieselbe Stimme hörte, die in dem so weit entfernten London zu mir gesprochen hätte. Voll Erstaunen und keines Wortes mächtig, sah ich ihr in die tränenvollen Augen, und erst Bridgets Eintreten ins Zimmer erinnerte mich daran, daß ich nicht träumte, und daß die Dame die vor mir stand, ein Wesen aus Fleisch und Blut mar.
" Entschuldigen Euer Gnaden," wandte sich Bridget zu mir, der Andreas möchte gern wissen, wann er einspannen soll.
Anstatt ihr zu antworten, wandte ich mich an Fräulein Craig. " Ich habe Ihnen noch gar nicht für Ihre große Gast freundschaft gedankt, gnädiges Fräulein," redete ich sie an;
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