tr. 275.
mementopreis: in Gießen, abgebolt monatlich 50 Pfg., Baus gebracht 60 Bfg., durch die Poft bezogen vierteljährlich Mr. 150.
bellagen: Oberbeffische Familienzeitung( täglich) abeffische Beitschrift für Landwirtschaft, Obft- und nemban, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.
Die.stag, den 25: November 1902.
Gießener
11. Jabrga.g.
Insertionsprei 8: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberheffen, die Kreise Weglar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfs.
Postzeitungsliste Ro. 3032.
Redaktion und Expedition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechanschluß Nr, 362.
Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeitung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großherzog'ichen Bürgermeisterei Gießen.
Heil dem Großherzog!
Sieh' welche hobe, heitere Stunden, Horch, welch ein feiernd Festgeläut; Es ziehet rings durch Hessens Gauen Ein Jubel, Jauchzen weit und breit. Und tausendstimmig trat's im Bunde: Heil unserm Fürsten, unserm Hort!" Und wie des Donners dumpfes Hallen So pflanzt sich's brausend fort und fort.
Auf des Gebetes heil'gen Schwingen Hebt sich der Geist zum Sternenzelt, Zu flch'n der Gaben allerbeste Herab für dich vom Herrn der Welt. Wir danken Gottes Vaterwalten, Und preisen deine große Güte, Geloben für und für dir Treue Die nimmermehr im Sturm ermüde.
2906 190922918
So fling' es fort im Hessenlande, Tag der Freude set gegrüßt!
Daß fefter uns sich knüpft die Bande, Die liebend Fürst und Volk umschließt, Wenn freudig sich die Herzen einen, Wenn froh sich regend Hand in Hand, Dann grünet, b ühet, und gedeihet Der Hessen schönes Vaterland!
Se. Königliche Hoheit Großherzog Ernst Ludwig von Hessen, unser Landesfürst feiert heute am 25. November seinen 34. Geburtstag und alle Hessen auch weit über die Grenzen unseres engeren Vaterlandes hinaus werden diesen Tag als einen solchen der Freude und der Treue festlich begehen. Der Großherzog hat sich durch die ihm eigene innige Verschmelzung von Herrschertugenden und echten menschStets ist er uns ein gerechter und lichen Eigenschaften einen besonderen Ehrenplag bei allen seinen Unterthanen gesichert.
fürsorglicher Herscher gewesen, der die Bedürfnisse von Land und Volk richtig erkannte und für deren Befriedigung seine Willensmeinung zur Richtschnur seßte, die immer das Rechte traf. Und wie der Großherzog im engeren Vaterlande auf die Wahrung erprobter Grundsätze hält, so ist sein Bestreben auch für's ganze deutsche Reich. Darum wird unser aller Wunsche heute sein, möge die göttliche Vorsehung unsern Landesfürsten noch Jahrzehnte in ungeschwächter Kraft und Gesundheit erhalten zur Wohlfahrt Hessens und des deutschen Reiches!
Unfinn, das ist längst nicht affes," erflärte bie junge
zm es bot
Tustwandelte.
,, Sie
as Daiein her befanten Bilien auf bem Felde, bie nicht Brinzessinnenleben zu führen, abgefehen bavon, daß ich zu wählen, da mir meine Mittel nicht gestatteten, ein ftebe, und daß es für mich notwendig war, einen Beruf haben vergeffen hinzuzufügen, daß ich allein Dopf mit ben braunen Haarzöpfen in ben naden. unb Gräfern hing, zu schüßen unb warf ben niedlichen bem Morgentau, ber funkelnb an Halmen Dame, bie mit Hennig von Rottenbed im Waldauer Part Damit nahm sie ihr kleibchen in die Höhe, in der Welt
fammelten, fonnte Hennig
As fich die Familienglieder zur Abendmahlzeit ver
Fontane ich das Buch fand? fragte er.
der Kousine ben vermisten
Wissen
wo i
,, Wie sollte ich," lächelte Olga.
Ich sagte
Ihnen
Hennig blickte fie groß an. schreiben habe ich darüber vergessen." bereits, daß ich wie toll gesucht habe." Selbst das Brief
man fragen darf?"
Geschäftsbriefe," entaca Was hatten Sie denn für Briefe zu schreiben, wenn
Dame leicht
Baune. feine Ernte einzuheimsen. aust mir alles Stimmungsvolle? Es verdirbt mir die Ben Grund und Boden in die Ohren traßen lassen! Was Polnischem Rauberwellch muß ich mir auf meinem eige man fich auf die eigenen Leute nicht verlassen Ihnen, Wie weit ist es mit unsereinem gekommen, man farmatische Arbeiter rufen muß, um polnische Laut, den ich
mein Fräulein, nichts, aber mir. Mit solch
Jaux, wenn
wenn
cht an, es ist eine Sünde in eine Schande, daß ich das mid. Ja, ja, Fräulein Liga, starren Sie mich nicht so entHöre, flingt unter diesen Umbes wie ein Spohn für Hier machte der 1 Brile
ich überh
er auf und schob den Sessel mit
aus
tec.
einer Haftigen Bewe
gung beiseite. ,, Ich erwarte morgen einige präsidierst. Gerubsame Nacht, Fräulein Olga" hinter ihm fiel die Tür ins Schloß. Die beiden Madagen bem Weinkeller die besseren Jahrgänge Mit schweren Schritten verließ er das Zimmer d auch Ingenieur Seifert. Ich wünsche, daß du bei Tifch Drei aber vier Herren werben erscheinen, wahrscheinlich Regine, sagte er, nach bear gutenachtrounfche, sur Lody Sorge für etwas Drbeutliches zum Effen und gteb Seine Stirn war gefaltet. in die die Weinreben midten, and fchön Noch schaute der Mond durch die geoff
waren neteau Fenster allein.
Die Politik.
Der Reichstag wieder beschlußzunfähig. 03n der leßten Reichstagssigung litt der Reichstag neben an der an Montagen üblichen Leere des HauDie Herren Reichsboten können bei ihren häusgen Besuchen nicht leicht die Umkehr finden; es geit ihnen zu gut bei Muttern, und die Sonntagsreisen ben auch ihre Schattenseiten. Gleichwohl wurde über mals 116 eingebrachten sozialdemokratischen Andaß 100 Millionen Mark aus den Zollerträgnissen hrlich den Bundesstaaten zur Hebung des Volksschulfen& übertragen werden sollen, beraten. In der Beindung dieses Berlangens malte der Abg. Bebel die Ueberrhältnisse in den Volksschulen grau in grau
-
llung der Klassen, schlechte Lehrergehälter, unangenehme ufstände in den Seminarien und ein schlechter Nachuchs. Das war das Wesentliche seiner Ausführungen. Abg. v. Czarlinski brachte wieder die üblichen Klam über die Unterdrückung der polnischen Muttersprache r. Als zur Abstimmung geschritten werden sollte, erab sich die Beschlußunfähigkeit des Hauses, denn es arem nur 179 Mitglieder anwesend. Die Sizung wurde her auf den nächsten Tag verschoben. D Oesterreichisch- ungarische Handelsverträge. Nachdem fürzlich der ungarische Ministerpräsident im krlament über die fünftigen Handelsverträge gesprochen bat nunmehr auch der österreichische das Wort ertiffen. Der Wesenskern seiner Ausführungen war die hindigung einer Erhöhung der Industriczölle. Aber Obstruktion der Parteien dürfte ein positives Ergebnis intertreiben. Davon sprach der Minister jedoch nicht. Zur Verständigungsaktion.
I Jn verschiedenen Berliner Blättern werden bereits here Angaben über die angeblichen Abmachungen, die bischen der Parlamentsmehrheit und dem Reichskanzler züglich des Zolltarifs getroffen seien, mit großer Sireit gemacht. Nach anderen zuverlässigen Nachrichten jedoch die Sache noch völlig in der Schwebe.
Der Würzburger Universitätsstreit
beendet; der Justizminister hat dem Liebling des akaemischen Senats Prof. Förster, aber auch dem Schmerjens finde Prof. Chroust, dem Liebling des Zentrums, ine ordentliche Brofessur übertragen. Ob mit diesem dormonischen Urteile allerdings die inneren Zwistigkeiten Brofessorenkollegium aufhören, ist fraglich; indes ist or genug gewonnen, wenn die Sache für die Parteien md das Barlament ihr Ende gefunden hat.
Kurze politische Nachrichten.
Berlin, 24 November( Hofbericht.) er Kaiser Abente um 12 Uhr 10 Minuten nach Bückebury abgereist.
* Dresden, 24. November( Hofbericht.) Kronprinz Friedrich August von Sachsen ist heute früh hier eingetroffen. Sein Allgemeinbefinden ist gut. Der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten Budde ist hier eingetroffen und für heute Nachmittag zur Höftafel im Residenzschloß geladen.
* Das Mitglied des Abgeordnetenhauses für den Wahlfreis Siegkreis- Mülheim- Wipperfürth, Pfarrer Dauzenberg in Kaiserswerth( Zentrum), hat sein Mandat niedergelegt.
* Die Justizkommission des braunschweigischen Landtags beantragte die Genehmigung des Regentschaftsgesetzes.
* Die von dem Abg. Karl Hermann Wolf an Joses Faber abgetretene Ostdeutsche Rundschau" in Wien soll ihre extreme alldeutsche Tendenz aufgeben und sich der beutschen Bolkspartei anschließen. Von Wolf verlautet, er werde auch sein Abgeordnetenmandat niederlegen und Desterreich verlassen.
* Wie der Regierungsbote" meldet, ist durch taiferlichen Erlaß eine besondere Hauptverwaltung für Handelsschiffahrt und Häfen in Rußland errichtet und zum Chef derselben Großfürst Alexander ichailowitsch er. nannt worden. Ein neues Zeichen für die Fürsorge der russischen Regierung für die Industrie, das Zarenreich soll abfolut Industrieland werden, ehe noch die Landwirtschaft auf der Höhe steht.
* Der slavische Wohltätigkeitsverein in Petersburg hat den russischen Konsuln in Sofia und Prizren 10 000 Rubel für die macedonischen Flüchtlinge zur Verfügung gestellt.
Der russische Finanzminister Witte ist nach Be endigung seiner ostasiatischen Reise, von Livadia kom mend, in Petersburg wieder eingetroffen.
* Prinz Nikolaus von Griechenland ist mit ſei. ner jungen Gemahlin unter feierlichem Glockengeläute in Athen eingezogen.
* Lord Kitchener ist in London eingetroffen, um dem Marineamte für den Somalifeldzug zur Seite zu ſtehen.
* Die Räumung Shanghais hat begonnen. * In Argentinien ist nunmehr der Generalausstani proflamiert worden. Der Exporthandel ruht infolgedesser vollkommen.
An der Babre Krupps.
RG. Eisen, 24. November. Die aurige und überraschende Nachricht von dem Hinscheiden des Geh. Kommerzienrates Krupp durchflog mit Windeseile die Stadt und die Umgebung. Ge rade waren etwa tausend Beamten versammelt, um dem angegriffenen und, wie im Laufe der Zeit hier belaunt
geworden war, an tiefer Niedergeschlagenheit, verbunden mit förperlichen Beschwerden leidenden Mann mit einer Ergebenheitserklärung einen Beweis von der unerschüt terten Hochachtung vor seiner Persönlichkeit zu geben, da wurde zum ersten Male- weil der Empfang nicht stattfinden konnte- seine schwere Erkrankung befannt. Um brei Uhr kam von Villa Hügel die Nachricht, daß der lezte männliche Erbe des Kruppschen Werkes für immer seine Augen geschlossen habe. Ganz Essen, wo ja jeder in Be
-
Einwohner direkt oder indirekt mit dem Hofe",
ziehung steht, war erschüttert. Auf dem„, Essener dem Kruppschen Privathotel, wie auch auf vielen seiner Häuser wurde die Flagge auf Halbmast gesetzt. Essen gleicht einem großen Trauerhause und namentlich in der Arbeiterkolonie hat sein hinscheiden tiefe Befümmernis hervorgerufen wird alles so bleiben, wie es war, wer wird der neue Herr sein? Diese Frage schwebte auf aller Lippen Indes einstweilen bleibt alles beim alten. Zunächst wird Frau Krupp die Erbin und nach deren Ableben die älteste 16jährige Tochter, innerhalb 25 Jahren darf weder eine Aktiengesellschaft daraus gemacht, noch darf das Werk dem Staate verkauft werden; auch die Wohlfahrtseinrichtungen bleiben unberührt. Aber ob die neuen Besizer soviel persönlichen Anteil an dem Schicksal der 46 000 Arbeiter nehmen, wie der Verblichene, ist eine große Frage. Die Arbeiterhäuser mit ihrem Gärtchen sind wie verödet. Ungezählte Mengen waren heute in Garten der Villa Hügel zu sehen. Namentlich die alten Pensionäre, die dem Namen Krupp gegenüber eine Art Vasallentreue empfinden, gedenken mit Liebe des Mannes, durch dessen persönlichen Einfluß ihnen eine Heimstätte im Alter bereitet ist, denn er hat den Ueberschuß der Wohnungsmieten dazu verwendet, um ihnen eine freie Wohnung zu schaffen. Die Zahl der Beileidstelegramme aus aller Welt ist Legion. Die Telegraphenbeamten haben fieberhaft zu arbeiten. Gestern Abend schon traf das Telegramm des Kaisers ein, andere Fürstlichkeiten, der Reichskanzler, die bundesstaatlichen Minister, lehrte, Künstler, alle Stände und Berufe sind vertreten. Ueber 100 christliche Arbeiterverrine haben im Alfredushause cine Beileidsadresse an die Witwe trupps beschlossen So treten Tausende und Abertausende huldi gend vor einem großen Namen und einem gütigen Denichen an die Entenbahre Krupps.
Be
Tie Beerdigung Krupps findet Mittwoch Vormittag 10 Uhr von der Gußstahlfabrit aus statt. In Essen ermartet man allgemein, daß der Kaiser sich beteiligen wird. Die Leiche wird nach dem kleinen, alten, mit großer Bietät erhaltenen Stammhaise der Familie Krupp übergeführt, in welchem einst Alfred Krupp zur Zeit, als er die Langwierigen Bersuche zur Herstellung von Gußstahlfanonen machte, in bedrängten Verhältnissen lebte. Von dort wird der Leichenzug durch die Kruppsche Fabrik nach dem Brivatkirchhof der Familie Krupp am Kettwiger Tor


