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Nr. 215.

Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel­jährlich Mt. 1.50. Gratisbellagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberheffische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Dienstag, den 16. September 1902.

Gießener

11. Jahrgang.

Insertionsprei 8: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberbeffen, die Kreise Weßlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Bostzeitungsliste No. 3032.

Redaktion und Expedition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechanschluß Nr, 362.

Nenelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeifung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Drud und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

Politische Nachrichten.

Berlin, 15. September. Die" Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Der Daily Expreß" hat fürzlich über eine Aeußerung berichtet, die der Kaiser unlängst zur britischen Heeresreform in einer Unterredung mit einem Wir Special- Korrespondenten gemacht haben soll. stellen fest, daß der Kaiser einen derartigen Herren niemals empfangen hat. Die gegenteiligen Angaben des Daily Expreß sind erfunden.

-Auf der Provinzialtierschau zu Düsseldorf hat Frhr. v. Wangenheim über die Zukunft der deutschen Landwirtschaft gesprochen. Er sagte: Der jetzige Kampf sei vielleicht der lezte, den die Land­wirtschaft mit Aussicht auf Erfolg führen könne. Rechne man die von der Landwirtschaft abhängigen In dustrien dazu, so mache noch heute die Landwirt schaft die Hälfte des Volkes aus. Die Landwirtschaft hätte die meisten Selbstständigen. Die Landwirtschaft set noch im Stande, genügend Getreide und Fleisch zu produzieren. Wenn jetzt die Fleischpreise besonders hoch wären, so ginge eben die Konjunktur auf und ab. Die Fleischwucherer seien nicht die Landwirte. Heute sei die Spannung zwischen Vieh und Fleisch viel größer als früher. Für die Brodpreise bezieht er sich darauf, daß Oberamtmann Ring das Pfund Brod für 8 Pfg. geliefert habe, während es in Berlin zur selben Zeit 12 bis 14 Pfg. gekostet habe. Wir könnten in Zukunft noch viel Haide- und Moorflächen urbar machen, wenn unsere Bevölkerung wüchse. Hunderte von Quadrat­meilen lägen noch öde. Wenn man die Landwirtschaft malträtire, so müsse diese selbst die Verwertung ihrer Produkte in die Hand nehmen. Aber die Landwirt­schaft bedürfe, um ihre Pflicht zu erfüllen, der Staats­hilfe. Man verlange keine Bevorzugung vor der In­dustrie, sondern Parität. Aber der Staat hänge von Hamburg und Bremen ab. Wir müssen uns im Reichstag eine starke Majorität verschaffen. Die einzig zuverlässige Partei sei die konservative in ihrer übergroßen Mehrheit. Bei den Nationalliberalen gäbe es leider kaum ein halb Duzend Agrarier. Das Centrum gar habe die Landwirte untereinander ver­hetzt. Die Führer des Bundes würden von der Centrumspresse fortwährend beschimpft. Die katholischen Bauern müssen andere Männer wählen. Die lezte Entscheidung fiele erst im nächsten Reichstag. Das Centrum hinge zu 85 Proz. von ländlichen Wahlkreisen ab. Im Centrum läge die Entscheidung. Der nächste Redner Dr. Dertel referterte über die Welta'n schauung des Bundes der Landwirte.

Berlin, 15. Sept. Eine stark besuchte Versamm lung des Bundes der Landwirte in Düsseldorf beschloß nach Referaten der Abgeordneten von Wangenheim und Dr. Dertel unter Zustimmung von Abgesandten aus Hessen und Naſſau die entschiedene Ablehnung des Zoll­Kompromisses der Zolltaris- Kommission. Es wurde eine Verschmelzung des Bundes und der christlichen Bauern vereine befürwortet. Der Gefretär des rheinischen Bauernvereins sprach sich dagegen aus, wurde aber

niedergeschrien.

dieser Kosten Indemnität zu bewilligen.

der Augenheilkunde in Persien zu errichten und zwar in Teheran, Tauris und Ispahan.

"

Zur Polenbewegung. Die Lemberger Gazetta Norodowa" warnt ausdrücklich vor der beab­sichtigten Protestkundgebung gegen den Führer der Polenpartei im deutschen Reichstage, Fürsten Radziwill, wegen dessen Beteiligung an den Posener Kaisertagen. Das Polenblatt fügt hinzu, der Fürst habe das Bolenbanner stets hoch gehalten und werde sein Verhalten sicherlich vor der Partei rechtfertigen.

Petersburg, 15. Sept. Der Bar ist gestern in Be= gleitung des Großfürsten- Thronfolger in offenem Wagen auf der Station Ryschtowo eingetroffen. Er begab sich nach feierlicher Begrüßung durch die Stadtbehörden in die dortige Adels- Versammlung, wo in seiner Gegenwart eine Bronze­statue Alexander III. enthüllt wurde. Nach der Enthüllung fuhr der Bar nach Ryschtowo zurück.

Eisenstadt( Ungarn), 13. Sept. Der hier zur In­spektion eingetroffene Raaber Bischof, Graf Szögyény wurde auch von einer Deputation der jüdischen Kultusgemeinde be­grüßt. Auf eine Ansprache des Führers der Deputation erwiderte der Bischof, daß es ihn freue, daß auch Israeliten zu seiner Begrüßung erschienen seien. Er werde an seinem Teil darüber wachen, daß in seiner Diözöse der Geist der religiösen Toleranz und friedlichen Busammenwirkens jeder Zeit gewahrt werde. Schließlich erteilte der Bischof der Deputation seinen Segen.

Die Pforte hat, wie verlautet, die Frage der Durchlassung preußischer Torpedoboote durch die Dardanellen mittelst Handschreibens bei den Mächten zur Sprache ge= bracht, um einen Meinungsaustausch über diese Frage herbei­zuführen.

-

Brüssel, 15. Sept. Die belgische Postverwaltung hatte, wie von uns bereits berichtet, am Donnerstag und deren Abonnenten Freitag eine Anzahl deutscher Blätter nicht zugestellt, weil sie deutsche Lotterie- Inserate enthielten. Ein belgisches Gesez sagt nämlich, jede Lotterie, die nicht von den belgischen Behörden genehmigt ist und darauf offenbar stützte die Postverwaltung ihr Vorgehen. darauf offenbar stüßte die Postverwaltung ihr Vorgehen. Doch machten die belgischen Blätter selbst darauf aufmerksam, wie wenig dieses das Lotteriespiel zu verhindern imstande sei und welche Unbequemlichkeiten es den Deutschen, die in Belgien wohnen und deutsche Blätter halten, verursachen müsse. Durch ein Telegramm erfährt die Frff. Btg.", daß der Generaldirektor der belgischen Posten die lästige Maß­regel bereits wieder aufgehoben hat und den Postämtern diese Weisung erteilte, die fremden Zeitungen ungehindert passieren zu lassen.

Paris, 14. Sept. In Brest fanden gestern Abend antifleritale Kundgebungen statt. Birta 2000 Ar­beiter durchzogen die Hauptstraßen der Stadt, revolutionäre Lieder singend. Die Polizei hatte umfassende Maßregeln getroffen, so daß es nicht zu besonderen Zwischenfällen fam. In Marseille fand eine große Kundgebung statt, woran mehrere 100 Personen sich beteiligten. Gie zogen vor die Präfektur und ließen dort eine Glückwunschadresse für die Regierung zurück, worin diese aufgefordert wird, in ihrer Ausweisungspolitik gegen die Ordensschwestern fortzufahren.

Sozialdemokratischer Parteitag.

München, 14. Sept. Der sozialdemokratische Parteitag wurde heute Abend eröffnet. Bu Vor­fizenden wurden Kollmar und Singer gewählt. Singer teilt mit, der Parteivorstand ist der Ansicht, daß eine Konferenz der preußischen Delegirten über die Stellung­nahme zur Landtagswahl notwendig sei.

Von Ausländern sind da eine Gruppe Desterreicher, darunter Dr. Adler und Pernesdorfer, Frau Popp und Frau Schlesinger, ein Engländer Atcew, Vandervelde aus Belgien, Lerda aus Italien und Müller aus Zürich.

Die Begrüßung Singer betont der Desterreicher Seeliger in folgender Weise: seine Freunde erhoffen von dem Sieg der deutschen Genossen über den deutschen 3olltarifentwurf das Scheitern des österreichisch­ungarischen, der dem deutschen an Härte gleichkommt. Auch andere ausländische Vertreter sprechen Gruß und Danfreden, unter denen die französische Vander­beldes durch Schwung hervorragte. Er berührte die fürzlich erfolgte Niederlage der belgischen Sozialisten, die aber die Partei nur einiger gemacht habe und fester in dem Entschlusse, den Kampf um das Wahlrecht bis ans Ende zu führen. Meinungsverschiedenheiten gebe es auch unter den belgischen Genossen, wie unter den Lerda spricht über deutschen, aber keine Spaltung. die Differenzen in der italienischen Sozialdemokratie, die von der bürgerlichen Presse sehr aufgebauscht worden feten.

Danach tritt man in die Tagesordnung ein, deren erster Punkt der Geschäftsbericht des Vor­standes ist. Der Berichterstatter Auer betont, daß die Frage ob eine Beteiligung an den preußischen Landtagswahlen stattzufinden habe, durch die Beschlüsse früherer Parteitage endgiltig bejaht worden set, aber über die Frage wie man sich beteiligen soll, gehe die Meinung auseinander und deshalb set, wie schon be­merkt, der Parteivorstand der Meinung, daß ein preußischer Parteitag nötig sein werde. Dies ist jedoch lediglich Sache der preußischen Genossen, weshalb es nicht angezeigt wäre, über die Einberufung des preußischen Parteitags hier einen Beschluß zu fassen. Das Verlangen der einzelnen Parteigenoffen nach Sammlung von Material zur Bekämpfung des Centrums haben ihn in Erstaunen versetzt.

Keine Partei biete so viel Angriffsmaterial wie gerade das Centrum. Es fehle vielleicht nur an Leuten die es richtig verwerten. Der Redner erörtert dann ausführlich die bekannten Differenzen, die zwischen der Partei und den national­polnischen Genossen bestehen und spricht die Hoffnung aus, daß es erneuten Ausgleichsversuchen gelinge, den Zwist zu beseitigen. Wollen die Polen mit uns arbeiten, sind sie willkommen, wollen sie es allein ver­suchen, wünschen wir ihnen besten Erfolg. Aber daß die deutschen Genossen in den polnischen Landesteilen ihnen blindlings zu folgen haben, das können wir nicht zugeben. Ferner über die Konsumvereinsbewegung

giebt es verschiedene Meinungen, aber die bisweilen ausgesprochene Ansicht, man dürfe nicht in den Wirt­

schaftsgenossenschaften arbeiten, um der Partei die

ganze Kraft zu widmen, ist durchaus reaktionär. Schließlich bespricht Auer den Ausschluß einiger Nürn­berger Genossen aus der Sozialdemokratie, der auf dem Landesparteitag vorgenommen wurde. Hier ist ein Fehler gemacht worden. Man hätte beim Parteivor­stand den Ausschluß aus der Gesamtpartei beantragen sollen. Heute liegt die Sache ſo, daß jene Nürnberger nicht aus der Partei ausgeschlossen sind, sondern nur in Bayern sich nicht bethätigen fönnen. Auf diesem Wege fommen wir aber zu einer bayerischen Sozial­demokratie, einer badischen, sächsischen usw. Was ist das für ein Zustand! Für ganz Bayern taucht der ( Große Sterl nichts mehr, aber für die Preußen

Der Empfang des Königs von Italien hat der Stadt Berlin 26,000 Mt. getoftet. Der Magistrat er­Paris, 15. Sept. Aus Martinique eingetroffene ſucht, die Stadtverordnetenversammlung, diese Kosten nach Reisende erzählen, daß auf der Insel jeder Verkehr und träglich aus dem Extraordinarum und gleichzeitig wegen, jebe Arbeit stødt, Mian befürchtet, daß, wenn im Herbst der Eintritt des Nordwindes erfolgt und falls zu dieser Zeit ein neuer Vulkanausbruch stattfindet, die glühende Berlin, 15. Sept. Die Ankunft der Buren- ſche sich über die Südseite der Insel verbreiten und Generäle Botha, Dewet und Delarey soll in dort eine Katastrophe herbeiführen werde. der nächsten Woche erfolgen. In dem Hotel dürfte Berangt, in dem die Anfömmlinge absteigen werden, die Summie Räumung der Insel Marquen. Die veranstalten der alldeutsche Verband und der Buren- Kolonisten würden nach Guadeloupe, Guyana und Neu- Heiterkeit.) Jezt ist es an Ihnen, Kritik zu üben, husbund ein Benenhilfs bund beabsichtigt außerdem, den drei Buren- zurückgekehrter beförderer Fapitan, welcher bereits Generälen aus den ihm noch zur Verfügung stehenden 60 mal die Fahrt nach Martinique gemacht hat, be­Mitteln eine Ehrengabe von 200000 Mark zu über­reichen.

-

Der Schah von Persien hat am Freitag kurz bor seiner Abreise den Professor Dr. Galezewski und dessen Schüler Dr. Philip in Audienz empfangen. Beide Aerzte wurden vom Schah beauftragt, drei Lehrstühle

trachtet die dortige Lage für weniger Besorgnis er­regend. Die pessimistischen Nachrichten würden von Amerikanern in Umlauf gesezt, weil diese Interesse daran hätten, den Handel mit Martinique zu mono, polisieren. Fort de France sei nicht bedroht, ebenso auch nicht die südlichen Teile der Insel, wo die Zucker­plantagen fich in guter Verfassung befänden.

gut, aber' s Fleiſch halt manchmal ſchwach.( Bravo!)

Auers Rede war recht wirkungsvoll, obzwar er, wie es ein Geschäftsbericht mit sich bringt, von gar Vielem spricht. So äußerte er sich auch über den Verein Arbeiterpresse, einen Unterstüßungsverein sozialdemokratischer Redakteure und Zeitungs­be amten, der von Parteiunternehmungen finanzielle Beihilfe genießt.

Gerisch erstattete nun den Kassenbericht.

Bruno," fagte er sehr

edler Würde wandte er sich zu seinem

Hageres Gesicht den Ausdrud tiefen Seelenschmerzes. Mit

effen:

Summer bereitet, ich hatte Refferes von Dir erwartet."

Du scheinst

macht zu halten, dañ ich Du hast mir schweren

er, zu Herrn Clifford gewendet, bei, und dieser

Er blieb Bruno

langsam das Zimmer.

verließ

und würdevoll wie mnichts übrig, als so ruhig

abzuwarten. Aber große

das kommende Verhängniß

auf

drücktem

Schluchzen.

dürfe seiner." Er wählte nur noch nach Stunden. Der Doktor nickte und setzte eilig seinen Weg fort. daß er feine Zeit verlieren dürfe, denn Metas

,, Sagen Sie ihm, seine Mutter be­

Sehen

Rorbeigehen ein paar Als er die beiden

Alwine?" murmelte er vor sich hin ,,, Alwine!

nach all dieſen Jahren!

in ihre Augen. Er hob ihr Kinu sanft mit der Hand empor, und blickte 63ft es

,, Du bist

dieser langen Zeit befommen," sagte er bebend.

Du zu mir zurückgekommen,

Nach

meine

chen