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Beilage der Giessener Neueste Nachrichten.

Nr. 128.

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Die Hebung des Zuckerverbrauchs als Mittel gegen die Zuckerkrisis.

Die für die Landwirtschaft und den Volkswohl­106 ftand so bedeutende deutsche Zuckerindustrie befindet sich wegen zu geringen Absages in einer schweren Krisis, zu deren Beseitigung die Reichsverwaltung im Mai Sachverständige in der Zuckerfrage gehört und deren Wünsche wegen etwaiger Veränderung der Zuckersteuer entgegengenommen hat. Speziell die Frage, welche

Freitag, den 6. Juni 1902.

11. Jahrgang.

stein, der so schwere innere Verlegungen erlitten, ist kommt. Die gehobene Spannkraft des Geistes, die erhöhte ſtein, der so schwere innere Verlegungen erlitten, ist| kommt. gestern Abend in der Gießener Klinik gestorben. Arbeitsfreudigkeit der Handelsangestellten läßt ihn nach seiner Rückkehr mit mehr Eifer und Geschäftsinteresse seinen Pflichten nachkommen.- Der Beruf bedingt für den Kaufmann den ständigen Aufenthalt in geschlossenen Räumen; frische Luft und Sonnenschein dringen nicht immer in wünschenswertem Maße zu ſeinem Arbeitsplaße, wodurch seine Widerstandsfähigkeit gebrochen und er für viele Berufs­frankheiten empfänglich gemacht wird. Da ist nun ein ununterbrochener Aufenthalt von 1 bis 2 Wochen in frischer Waldluft, in den Bergen von außerordentlich hoher Bedeu­

e. Oberndorf, 5. Juni. Hier fand eine Schlägerei statt, bei der wieder einmal zum Messer gegriffen wurde. Ein Bursche wurde so schwer verlegt, daß er nach Marburg in die Klinik geschafft wurde. In einem hiesigen Steinbruch löste sich eine große Stein masse, von der ein Arbeiter tötlich getroffen wurde. Die übrigen Arbeiter brachten sich noch recht­zeitig in Sicherheit. * Wiesbaden, 4. Juni. Zum Selbstmord des

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und allem Zubehör, der Regierungsvorlage vorgesehen ist, erwartet werden

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wurde von der Mehrzahl der Sachverständigen dahin beantwortet, daß eine Consumvermehrung nur von einer weiteren Herabsetzung der Verbrauchsabgabe, als sie in fönnte. Ein Sachverständiger meinte, wenn man heute davon ausginge daß ca. 120 Millionen Mark dem Reiche zugeführt würden, dann würde bei einem Con­fum von 20 Millionen Gentnern und man fönne ind 3 Wohnungen annehmen und auch hoffen, daß der Consum recht bald auf 20 Millionen Centner kommen werde nur noch eine Abgabe von 6 Mt. für den Centner nötig sein, um die 120 Millionen Mark dem Reiche einzubringen. Von einem anderen Sachverständigen wurde darauf aufmerksam gemacht, daß vielleicht von größerer Be­Sämtliche Wohnungen deutung als der Konsum in Kaffee und Thee, die

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technische Verwendung des Zuckers, namentlich zu Konserven u. s. w., werden und daß für diese Artikel von der Verbilligung des Zuckers eine wesentliche Zu­nahme des Verbrauches zu erwarten sein würde. Das wurde von anderer Seite nur bedingt zugegeben. Man werde bei uns zu Lande nicht auf einmal Marmelade essen. Ebensowenig werde mehr Zucker konsumirt werden, so lange bei uns hauptsächlich Bier getrunken werde. Ein Sachverständiger regt die Frage an, ob es nicht möglich wäre, daß man vielleicht noch einen Monat die Konsumsteuer in vollem Maße weiter erhöhe und einen Fonds bildete, um die Saccharinfabriken zu entschädigen, wenn nicht, wie es leider unmöglich er­scheine, das Reichsgesundheitsamt sich zu der Ansicht befehre, wie andere Regierungen es längst gethan hätten, daß das Saccharin gesundheitsschädlich sei. Die Sach­verständigen stimmten zum Teil darin überein, der Rückgang des Konsums von Zucker sei darauf zurück zuführen, daß das Kartell den Zwischenhandel mit Bucker fast vollständig ausgeschaltet habe; der Händler habe in Folge dessen kein so großes Interesse mehr daran, Zucker zu verkaufen, und rede dem Publikum zu, lieber Saccharin zu kaufen. Der Händler verdiene heute am Saccharin viel mehr, als er am Zucker ge­winnen fönne. Bekanntlich sieht die Regierungsvorlage eine Herabsehung der Verbrauchsabgabe von 20 auf 16 Mt. vor. Der Verein der deutschen Zuckerindustriellen hat eine Resolution gefaßt, worin gesagt wird, es sei wünschenswert, daß die Steuer auf 10 Mr. Herunter­gesetzt werde.

Aus Hessen und nachbargebieten.

* Die feierliche Eröffnung des Seminars für Volks­schullehrerinnen in Darmstadt, fand gestern Donners­tag, 5. Juni, vormittags halb 12 Uhr, im dortigen Schulhause, Hermannstr. 47, statt.

m. Biedenkopf, 4. Juni. Ein junger Bursche namens Sch. wollte eine alte Pistole laden, um daraus an­läßlich einer Hochzeit zu knallen. Unglücklicherweise steckte in der Donnerbüchse noch ein alter Schuß, der sich beim Laden entlud und dem Burschen die rechte Hand zerschmetterte. Er fam in die Klinik nach Mar­burg. Der verunglückte Ernst Heeger aus Hermann­

giebt

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Kleines Feuilleton.

Vom alten Schadow. Der Berliner Börsenkourier lgende Reminiscenz zum Besten: König Friedrich Wilhelm IV., der am 31. Mai 1842 die Friedensklasse des Ordens pour le merite geftiftet hatte, überbrachte den Orden persönlich dem Direktor Der Kunstakademie, Gottfried Schadow.

Ach Majestät, sagte der Alte", wat soll ick alter Mann noch mit'n Orden!"

"

Aber lieber Schadow, ich selbst..."

" Jut, jut, ich nehm'n", uuterbrach Schadow den König, aber wenn ick dod bin, muß'n mein Willem

friegen."

Der König versprach es und verzeichnete die Zu­ſage in der Ordens- Matrikel. Wilhelm Schadow war Direktor der Kunst- Akademie in Düsseldorf.

* Das vergnügte München. Unter diesem Schlag­wort schreibt die Allgemeine Zeitung: Eine Rauf chronik läßt sich in der Stadt der Maßkrüge und Stnicker beinahe wäre man versucht zu sagen Greifen wir Stuhlbeine täglich aufstellen. hinein in den Polizeibericht. Eine Blütenlese genügt. Nr. 1. In der Nacht zum 1. Juni wurde in der Landsbergerstraße einem Bäcker von einem Unbekannten angeblich ohne Grund, ein Stich in die linke Schulter beigebracht. Nr. 2. In einer Wirtschaft an der äußeren Schwanthalerstraße famen am Abend des

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Notiz genommen, wonach gegen Prof. Wedewer ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden sei. Wie das Organ der Centrumspartei zu dem Falle mitteilt, hatte der Vater des Bresgen in seiner begreiflichen Aufregung Beschwerde beim Provinzial- Schulkollegium eingelegt, in der Meinung, Professor Wedewer habe seinen Sohn heimlich getauft und in die katholische Kirche auf­genommen. Diese Beschwerde sei Herrn Prof. Wedewer zur Aeußerung" zugesandt worden. Prof. Wedewer habe aber den jungen Mann überhaupt nicht getauft und nicht aufgenommen, sondern ihn ausdrücklich aufgefordert, offen mit seinem Vater zu reden. Als Beweis wird ein eigenhändiger Brief des Verstorbenen angeführt. Da sonach die Beschwerde grundlos erscheint, wird es zu einem förmlichen Disziplinarverfahren nicht kommen.

* Fahrpreisermäßigung. Nachdem die preußisch­hessische Staatsbahnverwaltung, sowie die Main- Neckar­Eisenbahn für den preußisch- hessischen Teil ihres Bahn­nezzes die Gewährung der üblichen Fahrpreisermäßigung ( Berechtigung der einfachen Fahrkarten zur freien Rück fahrt nach Abstempelung in der Ausstellung) für den Besuch der vom 5. bis 10. Juni in Mannheim stattfindenden Wanderausstellung der Deutschen Landwirtschafts- Gesellschaft im Gegensatz zu sämtlichen süddeutschen Eisenbahnverwaltungen und zur badischen Strecke der Main- Neckar- Eisenbahn ab­gelehnt haben, sei darauf aufmerksam gemacht, daß sich einzelne Aufstellungsbesucher, sowie insbesondere Vereine, wenn sie mindestens 30 Teilnehmer zählen oder 30 Fahrkarten lösen und Personenzüge benüßen bei rechtzeitiger Anmeldung auf der Abgangsstation 50 p3t. Fahrpreisermäßigung( als sog. Gesellschafts­fahrt) verschaffen können. Wer die Main- Neckar- Eisen­bahn benutzt, kann von der badischen Grenze ab( von Station Laudenbach, bei Schnellzügen von Weinheim ab) durch Lösung einer einfachen Fahrkarte nach Mann­heim, die nach Abstempelung in der Ausstellung als Rückfahrkarte gilt und auch zur Benutzung von Schnell­zügen berechtigt, gleichfalls eine kleine Ermäßigung erzielen.

* Die Bahnsteigkarten sind vom 1. Juni ab nur noch an dem Tage giltig, an dem die Karte benutt und von dem Bahnsteigschaffner mit der Lochzange entwertet wird. Die zwischen 11 und 12 Uhr nachts zum Betreten des Bahnsteigs entwerteten Bahnsteig­farten gelten noch am nächstfolgenden Tage; diese Karten werden durch zweimalige Lochung besonders gekennzeichnet.

Sommerurlaub für kaufmännische Angestellte. Es ist eine sehr berechtigte Forderung von faufmännisch An­gestellten, wenn sie zur Erholung von Körper und Geist einen Sommerurlaub von 8 bis 14 Tagen anstreben. Die " Hess. Landesztg." veröffentlicht dazu eine Zuschrift der Orts­gruppe Marburg des deutschnationalen Handlungsgehilfen­verbands, die wir wegen ihres Allgemeininteresses bringen.

Ein 8 oder 14 tägiger Urlaub nach der ununterbrochenen Thätigkeit während eines Geschäftsjahres gewährt den An­gestellten eine Erholung, die auch den Prinzipalen zu Gute

1. Juni zwei Sänger mit einander ins Geräufe, wobei der eine dem andern den Kopf mehrmals an die Thür­fante stieß. Der Mißhandelte erlitt hierdurch stark blutende Wunden.- Nr. 3. Am Abend des 1. Juni wurde in der Maistraße ein Gasarbeiter von einem Eisengießer und einem Schreiner mittels eines Stockes und einer Eßgabel mißhandelt und erlitt bedeutende Verlegungen am Stopf und am linken Arm. Nr. 4. In der Nacht zum 1. Juni fam es in einer Wirtschaft an der Belfortstraße unter den Gästen zu einem Streite, der bald in eine Rauferei ausartete. Hierbei wurde mit Literkrügen geworfen und zugeschlagen. Ein Schuh­macher, der als Gaſt anwesend, aber am Streite nicht beteiligt war, erhielt durch Schläge mit einem Liter­ins Krankenhaus notwendig machten. Nr. 5. In frug auf den Stopf Verlegungen, die seine Aufnahme einer Wirtschaft an der Georgenstraße fam es gestern zwischen einer größeren Anzahl Soldaten zu einer Rauferei, wobei mehrere der Raufenden erhebliche Ver­legungen erlitten und dem Wirte ein Teil des Wirt­legungen erlitten und dem Wirte ein Teil des Wirt­schaftsinventars zertrümmert wurde.

großer Geschäfte hat den Sommerurlaub daher schon ein­geführt und die besten Erfahrungen damit gemacht.

Vermischtes.

* Berlin. Virchow hat jetzt auch den Vorsitz der anthropologischen Gesellschaft, den er lange Jahre inne­gehabt hat, mit Rücksicht auf seine Gesundheit niedergelegt.

* Berlin, 5. Junt. In der Teplitzerstraße wurde heute Morgen die 45jährige Arbeiter- Wittwe Marie Becker von dem 44 Jahre alten Arbeiter Albert Hannaske in ihrer Wohnung durch Messerstiche so schwer verletzt, daß sie alsbald verstarb. Der Thäter verwundete sich hierauf selbst so schwer, daß er radh dem Krankenhaus verbracht werden mußte. Hannaske hatte die Becker mit Heiratsanträgen verfolgt. Diese brach aber die Beziehungen ab, als sie erfuhr, daß er schon einmal in einer Frrenanstalt war.

* Wilhelm Fürst zu Hanau ist Dienstag Abend in Horzowitz gestorben.( Fürst Wilhelm, der zweite Sohn des letzten Kurfürsten von Hessen aus dessen Ghe mit Gertrude Fürstin von Hauau( geb. am 19. Dezbr. 1836 in Kassel), folgte als Fürst und Herr zu Horzowig 1889 Vermählt war er zweimal, seinem älteren Bruder. zuerst 1866 mit einer Prinzessin von Schaumburg- Lippe; nach Trennung dieser Ehe heiratete er 1890 eine Gräfin zur Lippe- Weißenfeld. Da Fürst Wilhelm ohne direkte Erben ist, geht der Fürstentitel mit der Herrschaft Horzo­wiß auf den dritten Sohn des Kurfürsten, den Prinzen Karl in Kassel( geb. 1840), über.)

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Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

Der grüne Wagen. Eine sonderbare Verwechslung ist einem Münchener Bürger passirt. Dem Kaufmann Philipp Laßmann war ein Strafbefehl über 5 Mark zugegangen, weil er eines schönen Morgens um halb 6 Uhr auf den vom Zentralbahnhof kommenden bekannten grünen Polizeiwagen, in München Zeiserlwagen" ge­nannt, aufgesprungen war. Hiergegen erhob der An­geklagte Einspruch mit der Begründung, er habe an dem kritischen Morgen nach einer durchkneipten Nacht, den Gefangenenschubwagen für den Hotelwagen seines Bruders, des damaligen Besizers des Oberpollinger", gehalten, und sei, um rascher nach Hause zu kommen, halt auf den Wagen aufgesprungen. Der Gerichtshof machte erst ein ungläubiges Gesicht, und der Richter verbeißen. Als aber der Schußmann, der die Anzeige und die Schöffen konnten nur unschwer das Lachen erstattet hatte, auf Befragen des Vorſizenden zugab, daß der Zeiserlwagen" mit jenem Hotelwagen eine große Aehnlichkeit habe, und daß in nicht ganz nüchternem Zustande eine Verwechselung schon möglich sei, da ließ der Gerichtshof diese Aussage als sach­verständiges Zeugnis gelten und erkannte auf Frei­sprechung.

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Genug von der Sorte. Mancher der Leser lächelt. Manche schütteln auch den Kopf. Zu ihnen werden alle jene gehören, die fern von Bier- Athen so vieles von dem gemütlichen München und seinen Bierpalästen und Bierkellern gehört haben. Aber... Doch wozu H. Nordanlage hier. Für Ihre Freundlichkeit besten Dank. sich aufregen? Das Raufen reimt nun einmal auf werden zu der Sache uns in den nächsten Tagen äußern. sich aufregen? Das Naufen reimt nun einmal auf Trinken. Und gegen beides zu eifern, hieße Maß­früge ins Hofbräuhaus tragen.

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