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Beilage der Giessener Neueste Nachrichten.

Nr. 126.

23. Verbaidsfest der Gabelsberger

Stenographen

des Main- Rhein- Gaues und von Hessen- Nassau. Am Samstag, den 31. Mai und Sonntag, den 1. Juni, beging der Verband der Gabelsberger Steno­graphen des Main- Rhein- Gaues und von Hessen Nassau ſein 23. Verbandsfest in Wetzlar, begün­stigt von herrlichstem Wetter und überaus zahlreicher Beteiligung seitens der Verbandsmitglieder und der gesamten Bevölkerung Weglars. Schon zum Kommers am Samstag abend hatte sich eine stattliche Zahl aus­wärtiger Stenographen eingefunden, so daß der Vor­figende des Weylarer Stenographenvereins, Lehrer Velten, mit Recht seiner Befriedigung über den zahlreichen Besuch in beredten Worten Ausdruck ver­leihen konnte. Der Hauptteil des Festes am Sonntag, begann mit einem Verbandswettschreiben in 6 Abteilungen von 80 bis 220 Silben im Königl. Gym­nasium, während für diejenigen, die an dem Wett­schreiben nicht teilnahmen, ein Frühschoppen im Garten des Römischen Kaisers" stattfand. Bei der akademischen Feier, die im Schützengarten" abgehalten wurde, begrüßte Bürgermeister v. 3 engen namens der Stadt Wezlar, der Verbandsvorsitzende Lehrer Zieprecht- Gießen namens des Verbandes und Lehrer Velten- Weglar namens des Wetzlarer Stenographenvereins die stattliche Festversammlung. Dr. Gantter Frankfurt sprach in einem ca. ein­stündigen, mit großem Beifall aufgenommenen Fest: bortrag über die Schnellschrift Gabelsberger im Kampfe der Stenographensyste me". Im Anschluß an die akademische Feier nahm der Vor­fißende des Stenographenvereins Gießen, Kreisamts­bureauvorsteher Schiffnie, im Namen des genannten Vereins die Gelegenheit wahr, dem ehemaligen Ver­bandsvorsitzenden, Realschuldirektor Professor Dr. Pizz­Alsfeld, seine Ernennung zum Ehrenmitgliede des Stenographenvereins Gießen, dessen langjähriger Vor­sitzende derselbe war, bekannt zu geben und ihm eine prachtvoll ausgeführte Urkunde hierüber zu überreichen. Nach dem hierauf stattfindenden Festessen wurden unter Führung des Rektor Querssen die Sehenswürdig­feiten der Stadt besichtigt, von denen hauptsächlich das Lottezimmer, der Dom, der Göthebrunnen, das Göthe denkmal und der Kalsmunt lebhaftes Interesse er­weckten. Den Schluß des Festes bildeten ein Konzert, im Schüßengarten, zu dem der Zudrang der Weglarer Bevölkerung äußerst groß war, und ein um Uhr beginnender Festball, der die Teilnehmer noch recht lange zusammenbielt. In einer furzen Besprechung der Vereinsvertreter wurde Erbach i. O. als Ort für den nächsten Verbandstag ausersehen.

Zum südafrikanischen Frieden.

* London, 3. Juni. Sämtliche Blätter cominen­tieren die Friedens- Bedingungen. Daily Mail meint, daß die finanziellen Bedingungen sehr großmütig seien, besonders dadurch, daß die Buren von jeder Spezial­Steuer befreit sind. Es werden also die uitlanders sein, welche neben den Engländern in der Heimat die Kriegssteuer in gewissen Proportionen zu zahlen hätten. Dasselbe Blatt billigt vollständig das Geschenk von 3 Millionen Pfund an die Buren und glaubt, daß die Erlaubnis, die holländische Sprache in den Schulen zu lehren, sehr viel zur Beruhigung der Gemüter beitragen werde." Morning Leader" fann es nicht begreifen, daß die Buren die englischen Bedingungen annehmen fonnten, wenn sie nicht die Gewißheit erhalten hätten, daß die Kaprebellen bald amnestiert würden. Die Krönungs- Feierlichkeiten würden hierüber Aufschluß

geben.

Berlin, 3. Juni. Der über die Kap- Aufständischen verhängte Wahlrechts- Verlust wird, wie in gut infor­mierten Kreisen angenommen wird bereits anläßlich der Krönung eine erhebliche zeitliche Reduktion vielleicht bis auf 7 oder 10 Jahre im Gnadenwege erfahren. Man rechnet, daß von dieser Klausel in der Kap- Kolonie 12 bis 15,000 Mann betroffen werden. Präsident Krüger wird, wenn die englische Regierung ihm das gestattet, nach Südafrika bald zurückkehren, um dort seine letzten Tage zu verbringen.

Paris, 3. Juni. Auf Antrag eines Mitgliedes be­schloß der Gemeinderat, den Präsidenten Krüger und Stein eine Sympathie- Adresse zu senden. * Brüssel, 3. Juni. Dr. Leyds ist aus Paris kommend hier eingetroffen. Er lehnte jedes Inter:

view ab.

Brüssel, 3. Juni. Botha telegraphierte an seine hier weilende Frau, daß er im nächsten Monat nach Brüssel kommen werde.

Vermischtes.

* Wiesbaden. Der Direktor Gloé, Leiter einer in der Walhalla" gastierenden Operettentruppe, ist unter Hinterlassung seiner ganzen Truppe von hier verschwunden.

Berlin, 3. Juni. Bei einer überaus anstrengen den Marschübung ist der Gefreite Paul Zenker von der

Mittwoch, den 4. Juni 1902.

4. Komp. des Garde- Jäger- Bataillons infolge der großen Hize von einem Hitzschlag betroffen worden, dem er erlag. Etwa 60 Jäger wurden marode.

* Berlin, 3. Juni. Die beiden Mörder der am 3. April ds. Js. auf der zum Bismarck- Archipel ge­hörigen Insel Neu- Pommern mit ihrem Kinde über fallenen Frau Wolff sind von Eingeborenen erschlagen und verzehrt worden. Die Polizei hat gebratene Teile ihrer Körper aufgefunden. Der Anstifter der Mordthat wurde von den Polizisten erschossen.

* Amsterdam, 3. Juni. Einem Diamantenhändler wurden gestern, während er sich zur Börse begab, 95 000 Frants gestohlen.

* Augsburg. Der Wirtssohn Ludwig Schwarz von Hegelhofen bei Neuulm unterhielt ein Verhältnis mit der Tochter des Gemeindedieners von Beuren. Als seine Eltern dies nicht länger dulden wollten, beschlossen Sonntag Abend in der Wohnung des Mädchens aus­die zwei, zusammen zu sterben und wollten dies am

führen.

Als deren Vater dazu kam, erschoß Schwarz zuerst diesen, verwundete dann das Mädchen tötlich mit drei Revolverschüssen und entleibte darauf sich selbst.

11. Jahrgang.

Schiedsamt, Alterspensionen, Achtstundentag. Außer­dem eine neue Bodengesetzgebung und Frauenstimmrecht. Die Universität Gambridge hat den früheren Fabrik­arbeiter und Goldgräber als Gesetzgeber der Muster­folonie zum Ehrendoktor der Rechte ernannt. Seddon

ist ein fanatischer Imperialist, der die Fortführung des Krieges bis zur bedingungslosen Unterwerfung der Buren verlangt.

Centralstelle für Obstverwertung in Frankfurt a. M.

Die Zeit der Reife verschiedener Obstsorten, wie Erd-, Johannis­und Stachelbeeren, Heidel- und Himbeeren, Kirschen, Aprikosen, Mirabellen, Pfirsiche, Pflaumen 2c. ist da oder steht nahe bebor und wir wollen daher alle Produzenten und Kaufliebhaber wieder auf die Centralstelle für Obstverwertung in Frankfurt a M., Gneisenaustraße 15, aufmerksam machen, die es den Verkäufern und Käufern so sehr leicht macht, die Obsternte an den Mann zu bringen, bezw. den Bedarf an Obst zu decken. Die Interessenten haben nur das zur Verfügung stehende Quantum oder die benötigte Menge der Centralstelle anzugeben, um sofort von dieser, und zwar ohne daß irgend eine Vergütung für die Vermittelung zu zahlen wäre, mit einer größeren Zahl von Produzenten und Kaufliebhabern in Verbindung gesezt zu werden. Bedingung ist nur, daß das abge= setzte oder erworbene Quantum immer sofort der Centralfte lle und Birnen, jetzt schon Anmeldungen angenommen.

* Paderborn. Samstag Vormittag wurde Leutnant Sparr von einem Higschlag getroffen. Der Verunglückte mitgeteilt wird. Es werden auch für Spätobſt, insbesondere Aepfel starb abends. Er hatte seinerzeit an der Expedition nach China teilgenommen. Im hiesigen Lazareth liegen noch sechs Mann am Hitschlag darnieder.

* Wien, 3. Juni. Heute Vormittag fand in der hiesigen technischen Hochschule eine lärmende Studenten­Demonstration gegen den Professor Schmid statt. Der Rektor drohte infolgedessen die Sistierung der Vorlesungen an.

Mährisch- Ostrau, 3. Juni. Auf den Koblengruben der Nordbahn Alexanderschacht, Johannesschacht und Barubeckschacht sind die Untertags- Arbeiterinnen in den Ausstand getreten. Sie verlangen neunstündige Arbeitszeit.

* Rom, 3. Juni. Auf dem Dampfer Montenegro, welcher italienische China- Truppen heim befördert, ist die Cholera ausgebrochen. Es sind bereits mehrere Todesfälle zu verzeichnen.

Hochschulnachrichten.

Dozent Karl Pagel an der technischen Hoch­schule zu Berlin ist zum etatsmäßigen Professor an dieser Hochschule ernannt worden. Der Direktor des landwirtschaftlichen Instituts an der Universität Jena und außerordentlicher Professor an der philoso­phischen Fakultät Dr. Wilhelm Edler ist zum ordentlichen Professor und Lehrer des landwirtschaft­lichen Instituts, Privatdozent Dr. v. Nathusius aus Breslau zum außerordentlichen Professor in der philo­sophischen Fakultät ernannt worden. Der Direktor der Sternwarte in Göttingen, Göttingen, Professor Karl Schwarzschild, ist zum ordentlichen Professor er­nannt worden. Als Rektor der technischen Hochschule zu Braunschweig wurde für die nächsten zwei Jahre der derzeitige Rektor, der Professor der Chemie, Medizinalrat Dr. H. Becurts, wiedergewählt.- In der philosophischen Fakultät der Stadt Würzburg habilitierte sich Dr. Christoph Scherer mit einer Probevorlesung über die Stellung des Sokrates in der griechischen Philosophie".

Der als Nachfolger

des verstorbenen Professors W. Schimper zum Ordinarius für Botanik an der Universität Basel ernannte Professor Dr. Alfred Fischer, bisher außerordentlicher Professor an der Universität Leipzig hielt seine Antrittsvorlesung über das Thema: Die Pflanze und der Stickstoff". Der außerordentliche Professor des Hochbaues an der deutschen Tech­nischen Hochschule in Prag, 3denko Ritter Schubert v. Soldern ist zum ordentlichen Professor ernannt worden. Der seitherige Privatdozent in der philosophischen Fakultät der Universität Göttingen, Professor Dr. Leopold Am bronn, ist zum Professor ernannt worden.

Kleines Feuilleton.

Vom Fabrikarbeiter zum Premier= minister von Neuseeland hat es Richard Seddon ge= bracht. Er wurde am 22. Juni 1845 in Eccleston Hill in der englischen Grafschaft Lancashire als der Sohn eines Schullehrers geboren. Nach seiner Entlassung aus der Elementarschule fam er in eine Maschinenfabrik in die Lehre, in der er fünf Jahre verblieb. Das Goldfieber verlockte ihn nach Viktoria, wo er in den Goldfeldern arbeitete. Jedoch nach kurzer Zeit siedelte er nach Neuseeland über, wo er bald lebhaften Anteil zuerst in die Lokalverwaltung gewählt und brachte es an den öffentlichen Angelegenheiten nahm. Er wurde im Jahre 1878 zum Bürgermeister von Kumara. Ein Jahr darauf wurde er auch ins Parlament geschickt, in dem er sich ununterbrochen bis jetzt behauptete. Im Jahre 1891, nach dem endgiltigen Sturz des fonservativen Kabinetts, trat Seddon als Arbeitsminister in die Reformregierung ein. Im Jahre 1892 starb ihr Premierminister Mr. Ballance und an seine Stelle trat Mr. Seddon. Unter seiner Premierschaft wurde im Laufe der legten zehn Jahre die ganze Arbeiter­schutzgesetzgebung geschaffen, die Nenseeland berühmt Jemacht hat: Unfallentschädigung, Versöhnungs- und

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Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Albin Klein, Gießen.