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Nr. 125.
Zweites Blatt.
Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 30 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertels fährlich Mr. 1.50.
Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberbeffifche Beitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenban, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmitags.
Samstag, den 30. Mai 1903.
Gießener
12. Jahrgang
Insertionsprei 8: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberbeffen, die Kreise Weßlar und Marburg 10 Pfg. Sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.
Postzeitungsliste No. 3269.
Redaktion und Eyrebition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechanschluß Nr, 362.
Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeitung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
Lokales
Gedenktafel für den 31. Mai bis 2. Juni.
31. mai: 1689. Worms und Speyer von den Franzosen eingeäschert. 1740. Thronbesteigung Friedrichs des Großen. 1773. L. Tieck*.- 1809. Josef Haydn †. Schill fällt in Stralsund. 1817. Der Dichter Georg Herwegh in Stuttgart*. 1872. Der Reiseschriftsteller Friedrich Gerstäcker f. 1902. Friede zu Prätoria.
1. Juni: 1526. Montezuma, der letzte eingeborene Herrscher in Meriko †. 1694. Stiftung der Universität Halle. 1808. Aufhebung der Leibeigenschaft auf den preußischen Domänen. 1823. Der französische Marschall Davout t. 1879. Prinz Louis Napoleon, Sohn Napoleons III. fällt im Zulukrieg in Südafrika. 1899. Der niederdeutsche Dichter Klaus Groth †.
2. Juni: 1740. Abschaffung der Tortur in Preußen. 1822. Der Maler Kaulbach*.- 1878. Attentat Nobilings auf Kaiser Wilhelm I.- 1882. Garibaldi †.- 1898. Der Maler Friedrich Geselschap in Rom f.
** Pfingstmaien schmücken mit ihrem duftigen Laub Türen und Fenster unserer Häuser und bilden die Ehrenpforte, durch die der Geist der Pfingsten, der Geist der Liebe und Freude, in uns einzieht. Fröhliche Kinderstimmen jubeln in seliger Lust, wenn sich das kräftige Reis der jungen Birke im Frühlingswinde wiegt, und den Alten wird in seinem Schatten die Erinnerung an die ferne Maienzeit des Lebens wieder jugendfrisch lebendig. In den Pfingstmaien verkörpert sich gleichsam das ganze Wesen des schönen Festes, das wir in diesen Tagen begehen. Das fühlt von altersher das deutsche Gemüt, und gar manches Volkslied preist das Laub der Birke. Nirgends wohl aber ist seine Bedeutung für die Pfingstfeier tiefer ergriffen und poetischer besungen worden, als in dem nachfolgenden Gedicht des plattdeutschen Dichters Aug. Schröder- Plön, das er uns zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt hat, einer Perle der neueren volkstümlichen Dialekt dichtung:
O Pingsenloov, o Pingsenblöt,
Du gröne Barkenris'
Wie rükst du frisch un treckst du söt Dörcht Holt un dörch de Hüs'.— Mit dinen zorten grönen Schin Kannst uns tom Swigen bring'n.
Pingsenloov, wie büst du fin, För Freid will't Hard uns spring'n. De Pingsengeist, de alles schafft, De uns verjüngt de Erd, De uns durch sine Wunnerkraft Leev Gott sin Allmacht lehrt; De mit sin frische Fröhjohrsgaf Uns Hard matt week un zort:- Ja, de bedröste Minschen last In egen Wis un Ort.
wunnerbor is Pingsenpracht, Se gifft de Möden Mot, Und junge Leew, de gisst se Kraft Dat's brennt in helle Glot. Se weiht in Boß un Hard herin, Makt Ole werrer jung
Un weckt in männich Kopp un Sinn Sanch söt Erinnerung.
)([ Moderner Romanftit.] Das letzte est des ma gazins für Litteratur" enthält u. a. eine kurze Geschicht von Hegener, betitelt ,, Nachricht über ein Liebesverhält nis des Erwin Wendt", in der sich folgende luftig zu lesende Stelle findet: Hingegen liebten sie einande an diesem Tage gar sehr. Und sie waren sehr glücklich Und das ist mun einmal so. Und ist nun einmal nich anders. Doch wurde es ein wenig anders. Da sagti Wendt: Ach du, du," und preßte sie an sich. Und seir Herz pochte, wie wenn es ein Tier gewesen wäre in sei ner Brust, und ein Leben für sich gehabt hätte. Und war doch kein Tier in seiner Brust und hatte auch kein Leben für sich. In seinem Hirne die Ganglienzellen varen wie quabbeliger Froschlaich, den irgend eine Be veauna trifft. Und ihr war alles, wie etwas, das nock
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te gewesen ist." So etwas ist allerdings- tro Ben Afiba- wohl noch nicht dagewesen, kommt abei hoffentlich auch nicht wieder vor.
Das Beste aus den Wisblättern. Individuelle Anschauung.„ Sie, Frau Hausmeisterin, das Ehepaar im 1. Etock prügelt sich aber jeden Tag.!"-„ Geschieht ihnen schon Recht! Warum haben sie aus Liebe geheiratet!"
- Gemütlich. Kunde:„ Mit meiner Frau bin ich aber gar nicht zufrieden; all die guten Eigenschaften, die Sie an ihr gerühmt haben, besißt sie nicht!" Heirats, vermittler: ,, Unmöglich! Werde nachsehen- da müssen Sie die unrichtige erwischt haben!"
– Der kranke Trinker.„ Klagt Ihr Mann über viel Durst?"- ,, Ach nee, Herr Doktor- darüber freut er sich."
- Schadenfreude. Sie: ,, Du, Karl, den Referenbar, diesen widerwärtigen Junggesellen, lade ich aber nicht mehr ein!"- Er: Warum denn nicht?"- Eie: ,, Der lächelt immer so schadenfroh beim Essen."( Fl. Bl.) – Die verkannte Mandoline. Herr:„ Als ich nehme das Zimmer für die Sommermonate. Meine treue Mandoline bringe ich auch mit; sie wird doch nicht genieren?" Bäuerin: ,, Gar net, gnä' Herr; aber- ja dann müßten halt doch zwei Betten haben."
- Rücksichtsvoll. Gendarm( zu seiner Frau): ,, Drüben an der verbotenen Stelle baden zwei Damen; geh, zieh dir einmal meine Uniform an und schreib sie auf."
Enttäuscht. Freundin( zur jung verheirateten Professorsgattin): Ist es wahr, Else, daß Professoren so zerstreut sind?" Frau Professor( bitter): Jawohl, und als ich zerstreut! Das habe ich auch geglaubt, meinen Mann um den zweiten Hut bat, da wußte er noch das Datum, an dem er mir den ersten getauft hat!" - weh! Junger Ged: Raten Sie einmal, Herr Professor, welche Blume mir die liebste ist."- Pro( Megg. H. Bl.) fessor: Die Distel."
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Arbeitsnachweis der Stadt Gießen
Es können eingestellt werden:
18 Dienstmädchen für sofort und später gegen hohen Lohn, 1 Hausmädchen, 1 Kindermädchen, 1 Köchin, 1 Küchenmädchen, 5 Lauf- bezw. Pußfrauen, 2 Flickerinen, 1 Waschmädchen bezw. Waschfrau bei gutem Lohn nach ausw. 1 Bäcker, 2 Steinhauer( ausw.), 1 Sattler ( ausw.), 1 Tapezierer, 1 Wagner 1 Küfer, 2 Schreiner, 1 Glaser, 1 Bauschlosser, 2 Metallformer( ausw.), 1 Metallschmelzer( ausw.), 1 Dachdecker, 2 Weißbinder und Lackierer, 3 Schneider( 1 hier, 2 ausw.), 1 landw. Pferdeknecht, 2 landw. Arbeiter( 1 hier 1 ausw.) 2 Hausburschen.
Lehrlinge: 1 Landwirt, 5 Schlosser, 1 Mater und Lackierer, 3 Schmiede( 1 hier, 2 auswärts), 1 Wagner, 1 Spengler, 1 Schreiner, ausw.,) 1 Schneider, 2 Bäcker,
1 Friseur, 1 Schreiber, 1 Lehrmädchen( Verkäuferin). Es suchen Arbeit:
4 Bauschlosser, 1 Maschinenschlosser, 1 Heizer, 2 Spengler, 1 Topezierer, 6 Schreiner, 1 wagner, 1 Bilderrahmenmacher, 1 Glaser, 1 Zimmermann, 1 Bäcker, 1 Dachdecker, 1 Anstreicher, 1 Kellner, 1 Schuhmacher, 1 Bureaugehilfe, 1 Bureaudiener, 1 Diener, 1 Auslaufer, 1 Krantenwärter,
1 Erdarbeiter, 7 Hausburschen, 5 landw. Knechte, 3 Fuhrtnechte, 2 Kutscher, 2 Taglöhner, 3 Dienstmädchen, 1 Zimmermädchen, 7 Lauf- bezw. Puzfrauen, 2 Waschfrauen, 2 Weißzeugnäherinnen, 1 Flickerin.
Lehrlinge: 1 Schloffer, 1 Schreiber.
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