Ausgabe 
29.4.1903 Erstes Blatt
 
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* Der russische Kriegsminister Kuropatkin hat seine Bereifung der sibirischen Bahn jezt angetreten. Die chinesische Gesandtschaft in Petersburg gab ihm vor seiner Abreise noch ein Abschiedsfrühstück. Kuropatkin begibt sich zunächst nach Ostsibirien, wo er die großen Manöver im Amurgebiet leiten wird, und sodann nach Korea und Japan. Der Zug, in dem er reist, ist gegen etwaige Schüsse während der Fahrt durch die Mand­schurei mit Panzerplatten versehen worden.

* Aus Rom wird der Besuch einer französischen Flotte in den italienischen Häfen für Ende Mai angefündigt. Da wird es wohl wieder große Verbrüderungsfeste geben!

* Aus Marokko kommt die Nachricht, daß der Sultan eine neue Anleihe von 400,000 Pfund Sterling in Eng­land aufgenommen hat. In Tetuan ist die Lage so kritisch, daß die konsuln ihre Schußbefohlenen aufgefordert ha­ben, sich bereit zu halten, um beim ersten Alarm die Stadt zu verlassen.

* Wegen der großen Mißstände, die sich bei mehreren amerikanischen Kriegsschiffen gezeigt haben, ist eine gründliche Inspektion der nordatlantischen Seemacht der Union angeordnet worden.

Hof und Gefellschaft.

*** Der Kaiser nahm gestern auf dem Bornstedter Felde bei Potsdam eine Besichtigung der drei Bataillone des 1. Garderegiments zu Fuß und des Lehrinfanterie­bataillons vor. Sodann wurde mit beiden Truppenteilen eine größere Gefechtsübung abgehalten, zu welcher auch der größere Teil der übrigen Regimenter der Garnison hinzugezogen werden soll. Später nahm der Kaiser das Frühstück bei dem Offizierkorps des 1. Garderegiments ein.

*** Die Herzogin Karl Theodor in Baiern ist an Diphteritis erkrankt. Sie hat sich wahrscheinlich bei der Pflege ihrer soeben an derselben Krankheit verstorbenen Enfelin, Prinzessin Irmgard, angesteckt. Die Krankheit nimmt allem Anschein nach einen guten Verlauf.

298. Sigung.

Deutscher Reichstag.

Eigener Bericht.

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- Fleischbeschau und Krankenkassen. Als vor etwa einem Jahre das neue Fleischschaugesetz im Reichstage erledigt wurde, kam es zwischen der Re­gierung und dem Parlamente zu einer Meinungsver­schiedenheit über die Frage, ob der Bundesrat befugt sein solle, Bestimmungen über die Fleischbeschauprüfun­gen zu treffen oder nicht. Die Mehrheit des Hauses wollte es bei dem seitherigen Zustande belassen, wonach zur Ausübung der Fleischbeschau lediglich eine Beschei­nigung des Kreistierarztes notwendig war; die Regie­rung aber beanspruchte für den Bundesrat das Ber­fügungsrecht über diese Frage und ließ sich auch zu teinen Erklärungen über die endgültige Gestaltung des Gesetzes herbei. Inzwischen sind Bestimmungen getrof­troffen worden, wonach zur Ausübung der Fleischbeschau eine vierwöchige Vorbereitungszeit und schließlich noch eine regelrechte Prüfung notwendig ist. Die Parlaments­mehrheit erblickt in dieser Bestimmung einen Widerspruch gegen die Absichten der Gesetzgeber, wie der Zentrums­abgeordnete se ohl in der Begründung einer hierüber eingebrachten Auskunftsforderung betonte. Vor allen Din­gen haben die hohen Kosten der Ausbildungszeit die Land­bevölkerung verstimmt, sodann wird auch befürchtet, daß sich einfache Leute nicht mehr zu diesem Dienste melden und daß sonach die Fleischbeschau sehr erschwert werde, zumal wenn sich die Bezirke erweitern. Im allgemeinen waren die Rechte, die Nationalliberalen und das Zentrum gegen die Bundesratsverordnung, während Sozialdemo kratie und Freisinnige damit einverstanden waren. Von der Regierung wird die verschärfte Bestimmung mit der inzwischen eingetretenen Freizügigkeit des Fleisches, sowie mit der gefeßlichen Vorschrift einer Prüfung des aus dem Auslande eingeführten Fleisches gerechtfertigt. Ein einfacher Fleischbeschauer vom Dorfe, so erklärte Staatssekretär Graf Posadowsky, werde gewiß nicht zur Ueberwachung des Hamburger Freihafengebietes ver­wendet. Man könne aber leicht verschiedene Bestimmungen treffen; also habe der Bundesrat die Regelung dieser Frage in Angriff nehmen müsse. Bei der nunmehr folgenden Beratung der Krankenkassennovelle tam es bei Paragraph 42 zu einer ausgedehnten Erörterung über die von der Regierung gewünschte Verschärfung der staat­lichen Aufsicht. Die Regierung hält diese für notwendig, weil sie bisher kein Recht zum Einschreiten hatte. Die Abg. Rösicke Dessau und Stadthagen( Soz.) sehen sehen darin den ersten Versuch zur politischen Entrech­tung der Krankenkassenmitglieder.

64. Sigung.

Preussischer Landtag.

Eigener Bericht.

lautete gegen den Bürgermeister von Niedermirsberg auf eine Gefängnisstrafe von einem Monat, gegen die Ge­meindedienerfrau Bernreuther auf eine Gefängnisstrafe von einem Monat. Es galt nicht als völlig erwiesen, daß der Tod der unglücklichen Armenhäuslerin Ged auf ihre Vernachlässigung durch die Bernreuther zurückzufüh­ren sei.

Daus der Abgeordneten. - Die Militäranwärter. Es geht zu Ende. Petitionen und Interpellationen füllen die Tagesordnung. Von allgemeinem Interesse ist nur die Interpellation des Abg. v. Willisen( kons.): Welche Maßregeln gedenkt die Staatsregierung zu tref= fen, um die Nachteile auszugleichen, die den Militär­anwärtern aus den Besoldungsvorschriften im Staats­und Kommunaldienst erwachsen? Die Militäranwärter seien gegenüber den Zivilanwärtern sehr benachteiligt. Die Benachteiligung wirkt auf die Dauer schädlich auf die Qualifikation des Unteroffizierkorps, das nach der Absicht eines preußischen Königs die Grundlage für die Ausbildung des Eubalterbeamtenstandes werden sollte. Minister v. Hammerstein legt überzeugend dar, daß namentlich bei der Steuer- und allgemeinen Verwaltung die Militäranwärter bedeutend besser wegkommen als die Zivilanwärter. Die Interpellation halte er nicht für glücklich; sie werde Unzufriedenheit erzeugen bei den Militäranwärtern und das zu einer Zeit, wo die 36­vilanwärter lebhaft darüber Klagen, daß sie durch die Militäranwärter ernstlich benachteiligt werden. Bei der Besprechung tritt das Haus im allgemeinen dieser An sicht des Ministers bei.

Hus dem Gerichtssaal.

§ Verworfene Revision. Die Revision der früheren Stiftsoberin Elise von Häusler in München, die am 8. März vom Schwurgericht zu sechs Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt worden war, ist vom Reichsgericht verworfen worden. Bekanntlich gilt die Häus­ler als überführt, der Krankenpflegerin Wagner an dem von ihr verwalteten Maximilianwaisenstift Gift in den Kaffee geschüttet zu haben.

§ Das Urteil im Bamberger Armenhausprozeß

Kleine Gerichts- Chronit. Der wegen wiederholter Sittlichkeitsverbrechen an fleinen Mädchen verhaftete Obermeister der Berliner Schuhmacherinnung Louis Schu­mann wurde von der Straftammer zur Beobachtung jeines Geisteszustandes der Jrrenabteilung der Charitee überwiesen. Echumann ist 68 Jahre alt und fast blind.

Nab und Fern.

(") Eine Abordnung schwedischer Offiziere weilt augenblicklich in Berlin und wurde dort vom Kaiser em­pfangen. Die Herren gehören dem Bohuslänregiment an und wollen an der Feier des Füsilierregiments Graf Roon( Ostpreußischen) Nr. 33 anläßlich des 100jährigen Geburtstages seines verewigten Chefs teilnehmen. Das Füsilierregiment 33 ist schwedischen Ursprungs und wurde 1815, als Schwedisch- Vorpommern an Preußen fiel, mit übernommen, soweit die Angehörigen des Regiments im Lande ansässig waren.

* Eine furchtbare Nacht in den Schneeg uben des Riesengebirges verbrachte der eine Bruder des Wirtes der Martinsbaude, Salomon Lauer. Er hatte sei­nem Bruder bei einem Umzug geholfen, auf dem Rückwege aber war die aus fünf Leuten bestehende Gesellschaft in ein Schneetreiben geraten, und Salomon Lauer, der an der Spize ging, war in einen Abgrund gestürzt. Der Schnee milderte die Wucht des Falles und Lauer wurde nur ohnmächtig. Nach einigen Stunden erwachte er und hörte nun in der Finsternis, hinter einem Felsblock zusam­mengekauert, Lawine auf Lawine über sich herniederdon­nern. Beim Morgengrauen gelang es ihm mit unsäglicher Mühe, sich aus seinem Schneegrabe herauszuarbeiten, und der Abgestürzte langte schließlich bei seinem hocherfreuten Bruder an, der sich gerade anschickte, die Leiche des Tot­geglaubten zu holen.

)-( Arbeiteraufruhr in Belgien. In Estaires und La Gorgue bei Lille kam es zwischen ausständischen Webern, welche troß des Verbotes Zusammenrottungen bildeten, und Gendarmen, die sie auseinandertreiben wollten, zu einem Zusammenstoß; die Gendarmen wurden mit Stein­würfen und mit Messern angegriffen; es wurden zahl reiche Personen verwundet. Mehrere Verhaftungen wur­den vorgenommen.

: Das zerrissene Testament. Vor kurzem starb in Wien ein bekannter Cafétier. Nach seinem Tode produzierte die Nichte des Cafétiers ein Testament, in dem ihr der Cafétier eine in die Tausende gehende Summe vermachte, welche ihr gleich nach seinem Ableben ohne jeden Ab­zug aber ausgezahlt werden sollte." Demgegenüber erklärt die Witwe, der Gatte, mit dem sie wiederholt im Scheidungsverfahren gewesen war, habe ihr gelegent­lich der letzten ,, Versöhnung" von einem Testament ge­sprochen, in dem er sie zur Universalerbin einsetzte. Das Testament fand sich auch vor, allein als die Witwe es ihrem Advokaten brachte, war es in zahllose Stück­chen zerfeßt. Die Frau sagte, sie habe während des Euchens nebst vielen Papieren auch dieses zerrissen, dann aber zu spät bemerkt, daß es das Testament des Gatten gewesen. Die Nichte dagegen vertritt die An­nahme, der Verstorbene habe das Testament selbst zer­rissen, um es ungiltig zu machen. Falls nun kein Aus-. gleich zu stande kommt, wird das Gericht die Ent­scheidung darüber zu fällen haben, ob die Witwe oder die Nichte Anspruch auf das Erbe hat.

() Die Kischinewer Unruhen. Wie aus Petersburg nach­träglich gemeldet wird, haben sich bei dem dieser Tage gegen die jüdische Bevölkerung der Stadt Kischinew ge­richteten Aufstande schreckliche Szenen ereignet. In den demolierten und zerstörten Häusern der jüdischen Händler wütete das erregte Volk in der fürchterlichsten Weise. Frauen wurden geschändet, Kinder aus den Fenstern auf das Pflaster geworfen. Der Gouverneur, zu dem die Verfolgten Zuflucht nahmen, begann erst einzuschrei­ten, als er telegraphische Anweisung dazu aus Peters­burg erhielt. Der Schaden soll über 4 Millionen Rubel betragen und tausende von Personen sind ohne Dach

Bunte Chronik. Vom Hofe in Toskana wird den Mel­dungen, der Kronprinz von Sachsen habe seiner geschiede­nen Frau aus eigenen Mitteln eine Jahresrente von 30,000 Mart ausgesetzt, widersprochen. Die 30,000 Mark sind nur die Zinsen der von der Prinzessin Luise eingebrach­ten Mitgift, deren Herausgabe sonst im Prozeßweg er­stritten worden wäre.

-In Montjoie( Rheinprovinz) ist eine Scharlachepi­demie ausgebrochen. Die Schulen wurden geschlossen, die Mannschaften des 40. Jüsilierregiments, welche, auf dem Marsche nach dem Truppenübungsplatz Elsenborn begrif­fen, dort einquartiert werden sollten, sind auf die um­liegenden Ortschaften verteilt.

- In Mettmann( Rheinprovinz) ermordete ein Arbei­ter seine Frau und sein siebenjähriges Kind und erschoß sich dann.

Vermischtes.

( 22)[ Unser Kaiser als Prophet.] An der Kathedrale von Mez geht ein neues Portal, das Christusportal, seiner Bollendung entgegen. Die Schuhwand ist gefallen, und das Publikum bewundert in großen Scharen den reichen fünstlerischen Schmuck, den die Spizbogen des herrlichen Kircheneinganges tragen. Nicht weniger als 554 Figuren aus der biblischen Geschichte hat die Hand des Bildhauers darauf verewigt. Am dichtesten staut sich die Menge vor dem ersten Pfeiler rechts. Dort trägt nämlich die pla. stische Figur eines alttestamentlichen Propheten under. tennbar die Gesichtszüge unseres Kaisers. Wenn der Kai­ser also, wie er beabsichtigt, dem Papste Photographien des Bortals nach Rom sendet, so wird er sein eigenes Bild mitschiden.

- Auf einem See bei Canow in Mecklenburg- Strelitz ertranfen bei einer Kahnfahrt der Fischer Lemke mit ſei­nen beiden Töchtern im Alter von 13 und 14 Jahren. Die Leichen konnten noch nicht aufgefunden werden.

-Als der Fürst von Bulgarien von Mentone zu einem Besuche in Cannes eintraf, wurde gegen das Fenster des Wagenabteils, in welchem er Platz genommen hatte, ein Stein geworfen, der das Fenster zertrümmerte; man glaubt, daß der Stein von einem spielenden Kinde ge­worfen ist.

Giesse

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[ Graf Haeseler als Kindermädchen.] Anläßlich des Haeseler- Jubiläums wird noch folgendes hübsche Ge schichtchen von den M. N. N. mitgeteilt: Als Graf Hae seler sein Kommando in Mez übernahm, fand er dort in vielen Offiziersfamilien die bequeme Sitte vor, den Burschen als Mädchen für alles, besonders auch als Kindsmagd zu verwenden. Er sprach seine Mißbilligung darüber aus und die Burschen wurden daraufhin soweit sich dies kontrollieren ließ mit unmännlichen Zumutungen verschont. Als aber einmal der Graf früh morgens vor 8 Uhr unterwegs war, begegnete ihm das Töchterchen eines ihm persönlich bekannten jungen Of. fiziers, das vom Burschen in die Schule geführt wurde. Der Graf blieb stehen, nahm das Kind an der Hand und schickte den Burschen heim: ,, Eagen Sie der gna­digen Frau, General Haeseler stehe hier auf dem Markt­plaze und warte auf Ablösung." Es soll nicht sehr lange gedauert haben, bis die Ablösung erschien.

- Ein Viehzug der Missouri Pacific Railway fuhr in der Nähe von Buffalo( Kansas) von hinten in einen Arbetterzug hinein. Es wurden dabei 11 Personen ge­tötet und 25 verletzt.

[ Gespickte Gäuse] soll nach dem ,, Figaro" Bismards Gattin ihrem Manne während des Feldzuges 1870 öfter von Hause nachgeschickt haben. So sei in seinen jetzt von der Gartenlaube veröffentlichten Briefen zu lesen. Die pommerschen Gänse, von denen Bismard bekanntlich ein großer Verehrer war, besigen jest wie damals von selbst ein so startes Fettpolster, daß jede Hausfrau von einer gebratenen Gans noch ein tüchtig Teil Gänseschmalz ab. schöpft. Man braucht sie also nicht erst zu spiden. Aber Bismard hat auch teine ,, gespickten" Gänse, sondern ,, Spid gänse" geschickt bekommen. Ja, die deutsche Sprache ist wunderlich und schwer.

(?)[ Eine transportable zerlegbare Wahlzelle] wird von einer Hamburger Fabrik in Hinsicht auf den neulichen Beschluß des Reichstags empfohlen, zur Sicherung des Wahlgeheimnisses einen Isolierraum im Wahllokal herzu­stellen. Die Wahlzelle, die nur 35 Mart tostet, nimmt nur zwei Quadratmeter Grundfläche in Anspruch, kann in jedem Wahllokal direkt am Wahlvorstandstisch leicht auf­gestellt und nach Gebrauch in wenigen Minuten zerlegt werden, unr bei den nächsten Wahlen dem gleichen Zwede zu dienen. Bei Benutzung der Wahlzelle wird bei star­fer Beteiligung der Wähler keine Zeit verloren und findet im Wahlgang feine Unterbrechung statt. Der Wähler nennt dem Wahlvorstande seinen Namen und erhält, nachdem derselbe in der Wahlliste aufgefunden und angemerkt ist, das amtliche Wahlcouvert. Nun betritt der Wähler die Wahlzelle am Eingang, steckt seinen Wahlzettel, ohne dabei beobachtet zu werden, in das Wahlcouvert und verläßt die Wahlzelle am Ausgang, woselbst ihm vom zweiten Wahlvorstande das Wahlcouvert abgenommen und in die Wahlurne gelegt wird. Beim Verlassen der Wahlzelle durch die Ausgangstür öffnet sich selbsttätig die Eingangs tür und zeigt dem folgenden Wähler an, daß die Wahl­zelle zu seiner Verfügung steht. Die Wahlhandlung wird demnach automatisch reguliert.

(:)[ Königliche Gäste des Pariser Jockey lubs.] Gelegentlich der bevorstehenden Anfunst des Königs Edu ard von England in Paris macht der Figaro" darauf aufmerksam, daß der König auch diesmal den Jockeyklub aufsuchen wird, wie er es als Prinz stets zu tun pflegte. Er war ständiger Gast bei den großen Sportsdiners, die dort die ,, Könige der Rennbahn" nach Siegen in Long­champs ihren Freunden geben. Ein treuer Bepicher des Jockeyklubs ist auch der König der Belgier. Leopold III. steht im begründeten Ruf eines großen Gourmands und ist begeistert von der vorzüglichen Küche dieses vornehmsten Pariser Klubs. Eines Abends war er von den Leistungen eines Kochs so hingerissen, daß er diesen schlankweg für seine Hoffüche in Laeken mit einem fürstlichen Gehalt engagierte. Einige Mitglieder des Klubs sollen ihm ob dieser Entführung noch immer im geheimen grollen.

[ Bittere Klagen eines englischen Offiziers] veröffentlicht ein Londoner Blatt. Mein einziger Sohn so schreibt darin ein Oberstleutnant ist der stolze Sproß einer Offiziersfamilie, die seit fünf Generationen im Dienste ihrer Könige ihr Gut und Blut eingesetzt hat. Das Resultat dieser langjährigen Aufopferung ist, daß ich nicht imstande bin, meinem Sohn die nötige Ausbildung und die nötigen Mittel zu geben, den Beruf seiner Ahnen zu ergreifen. Ich bin gezwungen, ihn in eine Militär­effektenfirma als Lehrling eintreten zu lassen. Hoffent lich gelingt es ihm, den Grundstod zu einem neuen Fa milienvermögen zu legen, das nach zwei, drei Genera tionen seine Nachkommen wieder im Dienste des Vater landes aufwenden können. Daß die englischen Offiziere schlecht bezahlt sind und großen Aufwand machen müssen, ist ja hinlänglich bekannt. Ist das letztere denn aber abso lut nötig?

)[ Bandalendiners] sind die neueste Errungenschaft des Newyorker Milliardärspleens. Reiche junge Männer, die im Begriff stehen, das Joch der Ehe auf sich zu neh men, müssen jeßt, wenn sie wirklich chif sein wollen, am Vorabend ihrer Hochzeit ein Junggesellendiner geben, an dessen Schluß Möbel und andere Gegenstände im Werte von Tausenden vernichtet werden, um die Verachtung für das Geld zu zeigen. Teppiche werden zerschnitten, Spiegel zerschlagen, und zerbrochenes Porzellan wird knöcheltie auf dem Boden des Eßzimmers zerstreut. Wer am meisten Möbel zerstört, ist der feinste Kerl. Diese stolze Berachtung des Geldes wurde fürzlich in einem Falle so weit getrie ben, daß vom Hause des Wirtes nur die Wände und das Dach übrig blieben. Die Gäste verbrannten sogar die Kleider des Haushofmeisters und badeten dann in Cham pagner.

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