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Lokales.

28. Dezember 1903. Stadtheater Gießen. Als 9. Dienstags­abonnementsvorstellung geht morgen Koppel- Ellfeld beliebtes Luftspiel Renaissance in Szene. Die Aufführung des Stückes in der Besetzung mit unsern ersten Kräften erfreute sich bekanntlich einer sehr beifälligen Aufnahme.- Das Kindermärchen Plappermäulchen" geht Mittwoch, 30. Dez., na dhmittags 3 Uhr zu kleinen Preisen wiederholt in Szene. Das Märchen bietet bet hübscher Ausstattung mit fein en sechs Bildern so viel des Neuen, Lustigen, Ab­wechslungsreichen für die Kleinen sowohl wie für die Großen, daß sicher bei der Wiederholung auf ein ausverkauftes Haus gerrechnet werden darf. Durch das liebenswürdige Ent­gegenkommen des Theatervereins ist für Mittwoch, 30. Dez. abends 8 Uhr eine Wiederholung von Beyerleins sensationellem Gauspiel 3 apfenftreich" ermöglicht worden. Auf diese außer Abonnement stattfindende Aufführung sei schon heute aufmerksam gemacht, da auch von auswärts bereits zahlreiche Anmeldungen vorliegen.

Irene Trisch wird auf Grund eines am 5. Roro mit ihrem Impresario abgeschlossenen Vertrags gleich zu Anfang ihrer Gastspielreise in Gießen auftreten, nämlich am Mittwoch, den 6. Januar 1904 in der 5. Vorstellung des Theatervereins. Als Gastrolle wurde Hedda Gabler" in dem gleichnamigen Ibsenschen Schauspiel gewählt. Um das Verständnis des Stücks zu fördern, wird Herr Professor Dr. Collin am Samstag, den 2. Januar abends 8 Uhr in der großen Aula der Univer­fität einen Vortrag über Ibsen und seine Hedda Gabler ha ten, in welchem auch die Auffassung des Frl Trisch von der Rolle der Hedda auf Grund eines von ihr zur Ver­fügung gestellten Manustrips zur Mitteilung gelangt. Es dürfte sich empfehlen, das Schauspiel vorher zu lesen( Preis 20 Pfg. in der Reklam- Ausgabe). Der Eintritt zu dem Vortrag ist für die Abonnenten des Theater- Vereins, wenn sie ihre Karte vorweisen, sowie für alle, die eine Tageskarte zu der Vorstellung gelöst haben, frei; im anderen Fall wird ein Eintrittsgeld von 50 fg. erhoben.

** Die Weihnachtsfeiertage haben neben den Bscherungen und Freuden innerhalb in den einzelnen Familien auch der Vereinsfestlichkeiten in Hülle und Fülle gebracht. Soweit uns von den einzelnen Festen berichtet wurde, ist über deren Verlauf auch nur das Beste zu be­ridhten. Harmonie und Eintracht hatte die Oberhand. Die vier Wohltätigkeitsvereine: Contentia, Waisenschuß, Gießen- Lahr und Zitherklub waren besonders be­müht, ihrem Zweck und Ziel nach bestem Können nachzukommen; die beiden Turnvereine, die Bürger­gesellschaft und der Maschinenbauer Gesang­

berein.

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Eine schöne Weihnachtsfeier hatte der Verein Jugendfreund" am Sonntag den 20. d. Mts. in der Gießener Turnhalle der höheren Töchterschule veranstaltet. Dieselbe wurde durch einen gemischten Chor der Bürger­gesellschaft eingeleitet. Der Vorsitzende des Jugendfreund, Rendant Döring, hielt eine erhebende Ansprache, gleichzeitig darauf hinweisend, daß dies die 30. Weihnachtsbescherung sell, welche der Verein veranstalte und daß während dieser Beit 500 Kinder bescheert worden seien. Herr Jaskowsty überreichte alsdann dem Vorsitzenden anläßlich der Jubel­feier ein vom Vorftande gestiftetes Anerkennungsdiplom für fine Verdienste um den Verein mit einer schlichten, herz­lichen Ansprache. Nach abermaligem Gesang wurden 32 Kinder vollständig gekleidet, die Sachen waren sämtlich nach Maaß gearbeitet, von nur guten Stoffen und fanden die Anerkennung aller Anwesenden. Wir gratulieren nach­träglich dem Verein zu seiner Jubelfeier und wünschen, daß er noch viele Jahre seine Weihnachtsbescheerungen halten möge.

** Während der drei Feiertage war die Gießener Herberge von wandernden Stationsgästen stark besucht. Mm heiligen Abend erhielten 77 Handwerksburschen Ber­pflegung, am ersten Feiertag 52 und am zweiten Feiertag 44 freie Unterkunft.

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* Schlägerei. In vergangener Nacht gegen 2 Uhr fam es in der Nähe des Bahnhofs Gießen zwischen jungen Beuten aus Gießen und Dorf- Gill zu einer Schlägerei. Ein Bursche aus Dorf- Gill erhielt mehrere blutende Wunden am Kopfe, welche er sich in der Klinik verbinden lassen mußte. Auzeige ist erhoben.

** Raudie. Ein fremder angetrunkener Schlosser­geselle schlug am Donnerstag Abend in einer Wirtschaft des Neuen Wegs in Gießen eine Glasscheibe entzwei, weil ühm verweigert wurde in dem Lokal zu musizieren. Der Wirt wurde, da der Täter noch im Besitz von Geld war, antschädigt.

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* Zimmerbrand. Beim anbrennen eines Weih­machtsbaumes entstand in einem Hause des Selterswegs in

Gießen ein Zimmerbrand. Ein Fenstervorhang war jeden­falls zu nahe an ein brennendes Lichtchen gekommen, sodaß dieser Feuer fing. Im Moment waren Vorhänge, Bilder und ein Teil Tapeten verbrannt. Das Feuer wurde von den Bewohnern gelöscht.

Einen bedauernswerten Unfall erlitt am Donnerstag Abend ein 4jähriges Kind in Grünberg. Beim spielen fiel die Kleine vom Sofa und brach sich ein Bein. Ein hinzugezogener Arzt legte sofort einen Verband an. Hoffentlich bleibt der Unfall ohne nachteilige Folgen für die Kleine.

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Konzert. Eines überaus zahlreichen Besuches hatte sich das am zweiten Feiertag vom Grünberger Gesangverein in der Turnhalle veranstaltete Konzert zu erfreuen, die Darbietungen der Vereins waren auf der Höhe und bezeugten fleißiges Studium, die Zuhörer ließen es an Beifall nicht fehlen und folgten den Chören der Sänger mit der größten Aufmerksamkeit. Ein flottes Tänzchen schloß sich dem Konzert an und hielt die Teilnehmer bis zu früher Stunde in gemütlicher Stimmung beisammen. ** Postalisches. Beim Herannahen des Neujahrs­feftes machen wir unsere geehrten Leser darauf aufmerksam, daß handschriftliche Bemerkungen auf Drucksachen oder Post­farten, wl he als Drucksachen versandt werden, nicht zulässig sind. Der Absender darf nu seinen Namen( Namen und Wohnort) auf der Drucksache vermerken. Die Annahme, daß Bemerkungen bis zu fünf Worten auf Drucksachen geschrieben werden dürfen, ist nicht richtig. Drucksachen, welche diesen Anforderungen nicht entsprechen, werden von der Beförderung ausgeschlossen.

Zur Personalreform im Postfach. In sehr wünschenswerter Weise hat der Staatssekretär des Reichspostamts seine älteren Beamten zum Weihnachtsfest bedacht. Sämtliche Post- und Telegraphen- Assistenten führen, soweit sie länger als 5 Jahre angestellt sind, von da ab den Titel Oberassistent" oder, sofern ihr Anstellungsalter mehr als 20 Jahre beträgt, den Titel" Post" bezw. Tele­graphen- Sefretär". Beamte, die die Sekretärprüfung ablegen, erhalten den Titel Sekretär" fünftig sofort nach dem Be­stehen der Prüfung, während bisher mehrere Jahre bis zu ihrer Ernennung vergingen. Die Bureaubeamten des Reichs­poftamtes, bisherigen Bureauassistenten mit dem Range der Obersekretäre, haben den entsprechenden Titel zu führen. Den Kanzlisten, die mit Einschluß der Militärdienstzeit eine 30jährige Gesamtdienstzeit vollendet haben, wird der Titel ,, Kanzleisekretär" verliehen.

+ Alten- Buseck, 28. Dez. In der Nacht auf den 2. Feiertag hat das Messer hier eine traurige Rolle ge­spielt. Der 53jährige Taglöhner Becker geriet im Wirts­haus mit dem 20jährigen Alban wegen einer Kleinigkeit in Streit und auf der Straße stach Becker seinem Gegner das Taschenmesser in die Brust und schlitte ihm noch den Unter­leib auf. Der Todt trat sofort ein. Die Gendarmerie verhaftete den Täter sofort und lieferte ihn ins Gerichts­gefängnis nach Gießen ab. Dort hat er sich nun in der Nacht darauf durch Erhängen dem irdischen Richter entzogen Der Erstochene war im Orte beliebt und man nimmt regen Anteil an der schwer geprüften Familie.

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Großen- Linden. Der hiesige Turnverein, ein sehr gutes Glied im Turngau Hessen, hatte in seiner neuen Halle am zweiten Weihnachtsfeiertag einen Theater- Abend arrangiert. Die Besucher haben von dem ganzen Programm und dessen Verlauf nur einen guten Eindruck mit nach Hause genommen. Es sei der Bitte noch Ausdruck gegeben, man möge in Großen- Linden öfters solche Abende den Einwohnern bieten.

× Leihgestern. Am ersten Weihnachtsfeiertag hatten die Kirchenbesucher einen besonderen Genuß. Der Gesang­verein Eintracht", unter der Direktion des Herrn Muhl, Großen- Linden, hatte es sich nämlich nicht nehmen lassen den Gottesdienst durch mehrere Gesänge zu verherrlichen. Hierbei sei mit erwähnt, daß der Kirchenbesuch ein selten zahlreicher war; die Gemeinde hatte auch an der Predigt des Herrn Defan Strack außerordentlichen Gefallen. Am zweiten Feiertag war es der Liederkranz", welcher ebenfalls anerkennenswert mit mehreren schönen Gesängen den Kirchen­Beiden besuch etwas weltlich angenehmer geftaltet hatte. Vereinen sei darum an dieser Stelle dafür gedankt.

§ Griedel, 24. Dez. Der wegen des Brandes auf unsrem Hofgut in Untersuchungshaft gekommene Arbeiter Schopta wurde wieder in Freiheit gesezt, da der bestandene Verdacht hinfällig geworden sein soll.

× Marburg, 27. Dez. Nach der neuesten Zählung betrug die Einwohnerzahl unserer Stadt im Jahre 1903 18 744 gegen 18 351 im Borjahr. Im Jahre 1891 waren es 14 668 Einwohner. Die Bevölkerungszunahme betrug demnach in den letzten 12 Jahren 4076.

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Dienstag den 29. Dezember

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( Aus dem Odenwald, 27. Dez. Die leberhandnah der Sperlinge und, damit zusammenhängend, der gro Schaden, der durch die genannten Vögel den Landwirt zugefügt wird, veranlaßt viele Gemeinden des Ovenwald geeignete Personen mit dem Abschuß zu beauftragen. J Ablieferung eines erlegten Sperlings werden 3 bis 5 Pf. aus den Gemeindekassen bezahlt.

Stadttheater Gießen.

Kindervorstellung.

Das von Herrn Direktor Steingötter verfaßte, Plapper mäulchen" ging am zweiten Feiertag in Scene. Kinder fin ja bekanntlich die unbefangenften und maßgebensten Kritike dachten Märchenspiele einen vollen unbestrittenen Erfol und Herr Steingötter errang mit seinem ganz hübsch dure Der Besuch der Vorstellung war zwar ein mäßiger Christkindchens Saben mögen noch allzusehr den Reiz de Neuheit besessen haben, die Zuschauer bemühten sich aber durch stürmischen Applaus diesen Mangel wett zu machen. Sie folgten mit einer wahren Andacht den Vorgängen auf der Bühne, wodurch ein mutiges braves Dirndl, der mi seinen sechs tapferen" Gefährten in grasgrüne Frösche ver­wandelte Prinz Hoppsasa erlöst wurde. Im letzten Afte- den wir uns leider nicht mehr ansehen konnten hat der dankbare Prinz seine liebreizende Ketterin jedenfalls pflicht schuldigst zur Gemahlin genommen.

Frl. Großmüller hatte sich als Plappermädchen di Herzen der kleinen Zuschauer im Sturme erobert. Sie spielte das mutige Dorfmädchen so reizend und anmutig, das fertigt war. Herr Achterberg gab den Prinzen Hoppsasa die Sympathie des Publikums in jeder Beziehung gerecht­mit befanntem Schwunge. Frau Jenny als Here Spindel dünn(?) war eine gar pugige Person, Herr Linzen hatte den Riesen mit der nötigen Häßlichkeit ausstaffiert, und die Kleinen haben sich an seinen vielen Untugenden, z. B. hielt er sich beim Gähnen nicht einmal die Hand vor den Mund, gewiß kein Vorbild genommen. Den König Blasius von Immerfern spielte Herr Conradi zwar ziemlich nnfürstlich aber doch wirkungsvoll, während sich Herr Tamte mi einem wahrhaft halsurecherischen Pferdeliedchen als fuß- und zungenfertiger Coupletsänger bewährte.

Im übrigen haben alle Darsteller, außer Frl. Groß­müller, mit der Soufleuse allzu oft geliebäugelt.

Eine Besprechung des gestern Abend in Scene gegangenen " Hochtouristen" lassen wir, da uns ein Besuch unmöglich war, bei der Wiederholung folgen. H. H. Standesamt- Nachrichten der Stadt Gießen.

Aufgebotene.

Am 19. Dez. Taglöhner Karl Meisel und Emilie Blieder beide dahier. 22. Dez. Schußmann Ludw. Henkel in Worms und Marie Hahn dahier.- Sprachlehrer Henry Maria Joseph Honeix de la Brousse dahier mit Margarete Bröder in Gambach.

Eheschließungen.

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Am 19. Dez. Taglöhner Heinr. Karl Johs. Schweitzer mit Elisabethe Auguste Wilhelmine Gehrke beide dahier. Rangierer Ferdinand Franz Karl Anton Heßler in Bad­Nauheim mit Maria Holsbuh dahier. 22. Dez. Heizer Ph. Rocker dahier mit Katharine Schäfer in Annerod. 23. Dez. Eisendreher Pet. Aug. Wagner mit Anna Kathar Wagner beide dahier. Kutscher Hrch. Joh. Genné mit Dienstknecht Karl Beppel Elisabethe Zirkel beide dahier. mit Anna Elisabethe Bornemann beide dahier. Erdarb. Philipp Luch 3. dahier mit Anna Schmalz in Hungen. Kaufmann Karl Ernst Born in Eckelshaus n mit Charlotte Lina Johannette Christine Konradine Faß dahier. 24. Dez. Bahnarbeiter Hrch. Borig in Garbenteich mit Maria Janz dahier.

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Seborene.

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Am 12. Dez. Ein Sohn dem Uhrmacher Aug. Schwab. 14. Dez. Eine Tochter dem Schneider Wilhelm Hoffmann. 15. Dez. Hans Wilhelm S. d. Handschuhmachers Heinrich Henn. 18. Dez. Karl, S. d. Landbriefträgers Hrch. Arend.

Starie, T. d. Lokomotivheizers i. P. Friedr. Peil.- Friedrich Ludwig Karl, S. d. Schlossers Hugo Nitsche. 19. Dez. Ein S. d. Kesselheizer Hrch. Nispel. Lillr Erna, T. d. Färbereibefizers Reinhold Thomas. 20. Dez. Ein S. d. Dienstknecht Hrch. Becker. Gestorbene.

Am 16. Dez. Wilhelm, S. d. Hilfswagenmeister Wilh. Bender, 6 T. alt. 20. Dez. Ehefrau Charlotte Brühl geb. Friebel, 59 J. alt. 22. Dez. Privatmann Emil Sauer, 61 J. alt. 24. Dez. Ww. Katharine Mook geb. Dßwald, 49 J. alt. 24. Dez. Karl Vollbrecht Friedrich, S. d. Taglöhners Joh. Friedr. Wenzel, 10 M. alt.

Berantwortlich: für den politischen und Inseratenteil: Albin жlein für das Lotale, den Gerichts-" und" Deffentlichen Sprechiaa": Fr. Oppermann

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