Ausgabe 
28.2.1903 Erstes Blatt
 
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gebrochen, nicht nachgelassen, neue Experimente zit machen, und seiner Zähigkeit ist denn schließlich der große Wurf gelungen, der ihm eine goldene Ernte var­spricht.

Ein Wiener Radler von der kaiserlichen Equipage überfahren. Als Kaiser Franz Josef nachmittags von der Hofburg nach dem Schönbrunner Schloß fuhr, geriet ber Hofwagen unweit des Schloßes in einen Engpaß zwi­schen der elektrischen Bahn und anderen Fahrzeugen. Ein bon der entgegengesezten Seite kommender Radfahrer ge­riet unter die Räder des kaiserlichen Wagens und stürzte bewußtlos zu Boden. Das Rad wurde zertrümmert. Der Monarch sprang sofort aus dem Wagen und bemühte sich um den Verunglückten, der, ins Leben zurückgerufen, auf die Fragen des Kaisers teine Antwort gab. Erst nachdem der Arzt diesen versichert, daß die Verlegung des Rad­fahrers nicht bedenklich sei, bestieg der Kaiser wieder seinen Wagen. Der Zar von Rußland hatte dieser Tage zin ähnliches Mißgeschick zu beklagen. Er überfuhr mit seinam feurigen Dreigespann drei fleine Mädchen, doch kamen die Kinder glücklicherweise ohne schwere Verlegungen davon.

Bunte Chronit. Unter dem Verdachte der Mitwissen­schaft bei den Verfehlungen, deren sich der einst so ange­sehene Bankier Burghalter in Potsdam schuldig gemacht hat, ist nunmehr dessen langjähriger Prokurist Wilhelm ladow verhaftet und in das Potsdamer Amtsgerichts­gefängnis übergeführt worden.

Bei einem zu Holstebro( Jütland) in einer Tritotagen­fabrik ausgebrochenen Brande erstickten vier Kinder eines Werfführers.

Tas Opernhaus in Cincinnati ist abgebrannt. Der Schaden wird auf über drei Millionen Tollars geschätzt.

Bei Berea( Ohio) stießen ein Personenzug und ein Büterzug zusammen. Ein Teil des Personenzuges geriet in Brand. Vier Postbeamte kamen in den Flammen um und mehrere Bahnbeamte wurden verletzt.

Vermischtes.

[ Det grobe ,, Hofjäger".] Eine neue Anekdote von Friedrich Wilhelm III. von Preußen erzählt die ,, Ger­mania". Fast täglich pflegte der König im Tiergarten spazieren zu gehen und besuchte dann häufig den ,, Hof­jager", um da eine kleine Weiße zu trinken. Der Be­sizer des damals nur aus einem einzigen Zimmer be stehenden Weißbierlokals hieß Winguth. Durch die Frei­gebigkeit des Königs war er in den Besitz des ,, Hof­jägers" gelangt. An einem Nachmittag, als das Zim­mer leer war und Winguth sich gerade beim Weißbier­abziehen im Keller befand, zu dem eine Falltür von der Etube aus führte, trat der Monarch ein. ,, Winguth," rief er ,, eine fleine Weiße!"- ,, Kann warten, werde tommen!" erwiderte jener, der die Stimme nicht er­Lannte, in seiner derben Weise. Der Landesvater ließ sich ruhig auf einen Stuhl nieder. Nach einer Weile stieg ber Wirt brummend die Kellertreppe herauf und wollte seinem Gaste eine grobe Redensart bieten, als er den König erblickte. Entsetzt wollte nun der Wirt einige Worte der Entschuldigung hervorbringen. Der Monarch jedoch unterbrach ihn lächelnd: ,, Schon gut, bring' Er nur eine kleine Weiße, aber sorg' Er dafür, daß sie nicht so herbe ist wie Er!"

[ des Henters Nebenverdienst.] Der Londoner Hen­fer, der unlängst zwei Frauen hinrichtete, kann, wenn er Geschäftsgeist hat, ein reicher Mann werden. Ame­rikanische Millionäre und ,, Millionärrinnen" wenden sich nämlich dugendweise an ihn mit der Bitte, ihnen für Geld und gute Worte ein Stück vom Stricke der ge­hentten Frauen als Talisman zu überlassen. Der ,, Gaa­Lois", dem wir diese Nachricht entnehmen, weist darauf hin, daß im Orient der Henker aus seinem Geschäft noch weit größeren Nußen ziehen kann. Sobald dort ein Mensch zum Tode verurteilt ist, wird er dem Hen­fer überliefert, der ihn hinrichten darf, wo es ihm gerade paßt. Am Hinrichtungstage zieht der Henker schon um 5 Uhr morgens mit seinen Gehilfen, die den Galgen tragen, und mit dem Todeskandidaten in die Ferne", um einen Platz für die Hinrichtung zu suchen. An irgend einer Straßenecke macht die angenehme Gesell­schaft Halt und beginnt den Galgen aufzustellen. Plötz­lich erscheint mit großem Geschrei der Besitzer des Hau­ses, dem der Galgen vor die Nase gestellt werden soll. Mit orientalischer Lebhaftigkeit protestiert er gegen diese Entweihung des Plazzes vor seinem Hause. Das läßt sich ja ändern," sagt der Henter gemütlich ,,, du brauchst mir nur für die Mühe, die wir bis jetzt mit unserem Galgen gehabt haben, eine Entschädigung zu zahlen." Er verlangt dann eine ganz anständige Summe, die sofort bewilligt wird, worauf die Galgenprozession wei­ter zieht aber nur 100 Schritte weit! Dann beginnt das anmutige Spiel von neuem. Der Galgen wird wie­der ausgepackt, es erscheint wieder ein Hausbesitzer, es beginnen wieder Unterhandlungen, und der Henker schlägt wieder eine Entschädigung für seine Mühe" her­aus. So geht es mit furzen Unterbrechungen bis zum Dunkelwerden, und wenn der Henter gegen Abend Kasse macht, hat er ein hübsches Sümmchen beisammen. Jetzt muß er sich aber beeilen, denn das Geseß" schreibt vor, daß der Todeskandidat noch vor Tagesschluß ins Jen­seits befördert sein muß. Der Galgen wird daher mit Windeseile auf irgend einem Felde oder an irgend einem Waldvande aufgeschlagen, worauf der Sträfling, den man am Tage spazieren geführt hat, endlich zur Ruhe kommt.

[ Schuh den Vögeln!] Aus Cincinnati( Ohio) wird berichtet: Die verflossene Legislatur des Staates Ohio hat energische Gesetze zum Schutze der heimischen Sing­vögel erlassen, die auch das Verwenden von Vogelbälgen beim Garnieren von Damenhüren strafbar machen. Neu­lich besuchte ein Staatsbeamter mit einem weiblichen Sachverständigen sämtliche Putzgeschäfte von Cincinnati, nachdem dieselben vor einigen Wochen schon auf den Erlaß jener Gesetze aufmerksam gemacht worden waren. Die Razzia hatte mehrere Verhaftungen zur Folge, und jüngst wurde der erste Fall vor einem Friedensrichter verhandelt. Die Geschworenen fanden den Angeklagten schuldig, und dieser wurde zu 50 Dollars Strafe ver­urteilt. Die Freunde der kleinen gefiederten Sänger sind erfreut über den Ausgang des Prozesses. In allen grö ßeren Städten des Staates sind lezzthin solche Razzien bezw. Verhaftungen vorgenommen worden.

)-([ Präsident Roosevelt und die Stellenjäger.] In den Bereiniaten Staaten von Nordamerika aibt es

bielleicht noch mehr Stellenjäger als anderswo; aber Präsident Roosevelt hat jezt ein ausgezeichnetes Mittel gefunden, um sie abzuschrecken. Er läßt alle Besucher, mußer den Senatoren, die er in seinem Kabinett empfängt, sich im Vorzimmer ansammeln und wartet, bis dieses voll ist; dann kommt er heraus und gibt jedem einen Hände­druck und fragt dabei jeden nach dem Zwed seines Besuches. Er spricht dabei so laut, daß jeder in dem Zimmer ihn hören kann. Di aber diese Deffentlichkeit der Verhandlung viele außerordentlich geniert, so ver­schwinden viele von den Besuchern, lange ehe die Reihe an sie gekommen ist.

:::[ Die längste Brücke der Welt.] Eine dritte Hänge­brücke aus Stahl soll zur Verbindung von Newyork und Brooklyn gebaut werden; sie wird alle früheren in den Schatten stellen. Die offiziellen Pläne sind be reits vollendet; darnach wird die Brüde 10 000 Fuß lang werden, also die längste Stadtbrücke der Welt sein. Außer reichlichem Platz für Fußgänger wird sie Wege für Wagen und Geleise für elektrische Straßenbahnen und Züge haben. Sie wird außerdem an einem Ende einen großen Saal für Versammlungen und am anderen einen Konzertsaal erhalten. Vier große Aufzüge wer­den das Publikum von der Straße nach der Brücken­promenade befördern.

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Schwere Brandkatastrophen werden von allen Seiten gemeldet: In Kleinenberg( Kreis Büren), brannten bei starkem Südweststurm 44 Häuser ab, darunter das Post­gebäude, die Schule und das Pfarrhaus. Die Postsachen sind zumeist ein Raub der Flammen geworden. Verlust an Menschenleben ist nicht zu beklagen. Bei einem Brande in Waldau( Kreis Bunzlau) wurden 5 Besitzungen einge­äschert. Ein Kind ist in den Flammen umgekommen; eine Person ist vor Schreck gestorben. Noch schlimmer wurde dem Dorfe Hürtgen bei Düren mitgespielt. Daselbst brannten über 90 Häuser nieder, darunter die Postagentur und die Oberförsterei. Kaum ein halbes Dußend Häuser blieben verschont. Auch viel Vieh, besonders Kleinvieh, fiel den Flammen zum Opfer. Bei einem Brande in der Posener Vorstadt Jersiz kam es zu schweren Unruhen und Angriffen gegen die absperrende Polizei. Bei der Brandkatastrophe in Cedar Rapids, wo kürzlich ein Hotel niederbrannte, kamen nach den neuesten Berichten 23 Per­jonen um, 45 Reisende wurden verletzt. In Dolina( Ga lizien) äscherte eine Feuersbrunst mehr als hundert Häu­ser ein. Fast die Hälfte der inneren Stadt ist abgebrannt.

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::: Heiratsprojekte am dänischen Hose. Zu einem Hofball hat sich der Kopenhagener Hof neuerdings zwei deutsche Prinzen ,, berschrieben", den jungen Großherzog Friedrich Franz von Mecklenburg- Schwerin und einen Gardeleutnant, den Prinzen Chlodwig von Hessen- Phi­lippsthal- Barchfeld aus Potsdam. Von beiden heißt es, sie würden sich in Kopenhagen eine Braut holen. Zur Zeit befindet sich in der engeren Familie König Christians nur eine heiratsfähige Prinzessin, nämlich die 3. Tochter des Kronprinzen Friedrich, Prinzessin Thyra.

::: Garibaldis Leiche. In Italien ist jüngst der Ge­danke aufgetaucht, dem Freiheitskämpfer Garibaldi auf der Insel Caprera ein großes Grabmal zu bauen. Ric­ciotti Garibaldi, der Sohn des berühmten Patrioten, teilt mun dem Messaggero" mit, daß er sich der Aus­führung dieses Planes energisch widerseßen würde, da dann die Gebeine des Generals ewig in Caprera bleiben müßten. ,, Wir, seine Kinder," heißt es in dem Briefe, ,, haben die Pflicht, darauf zu bestehen, daß sein letzter Wille ausgeführt werde, und wir müssen immer und immer wieder verlangen, daß, wie er es wünschte, seine Leiche verbrannt und die Asche verstreut werde. Und wenn das nicht geschehen kann, wollen wenigstens seine Kinder von jeder Verantwortlichkeit befreit sein." Ricciotti erklärt schließlich, daß in keinem Falle die Insel Ca­prera der geeignete Ort für ein nationales Garibaldi­Monument wäre.

)-( Im Ballon zum Nordpol. Ein armer Dorfschul­lehrer, Giuseppe Teti, in Ortana( Italien), hat eine neue Art Luftschiff erfunden, das er ,, Aero- Dynamo" nennt und mit welchem er direkt zum Nordpol fliegen will, da er angeblich allen Winden und Stürmen Troß bieten soll. Die Lehrer der ganzen Gegend haben sich zusammengetan, um ihrem Kollegen die Mittel zur Herstellung eines Mo­dells zu liefern. Teti hat bereits mehrere Erfindungen gemacht. Sein ,, Musikograph" hat auf der Ausstellung in Palermo einen Preis bekommen.

Das Beste aus den Wisblättern. Umschreibung. Onkel: Sag' mal, auf welchem Fuß stehst du eigent­lich mit dem Herrn, den du soeben gegrüßt hast?"- Neffe: O, mit dem steh' ich blos auf dem geseßlichen Zinsfuß!" - Raffiniert. Wirt( zum Kellner): ,, Der Herr auf Nr. 17 ist ein Oberlehrer. Schreiben Sie dem die Rech­mung nach der neuesten Orthographie vor Freude merkt er dann die hohen Preise nicht!"

Letzte Hoffnung. Altes Fräulein( einen Liebes­brief unter der Chiffre Ewige Liebe" deponierend, zu einem ledigen Beamten): ,, Sollte der Brief binnen acht Tagen nicht abgeholt werden, Herr Sekretär, dann wollen Sie ihn, bitte, als für Sie bestimmt ansehen!"

Kurzes Allerlei. Die großte Taschenuhr der Welt hat eine englische Firma fertiggestellt. Die Uhr ist unge­fähr dreiviertel Meter hoch und wiegt über einen Zents ner. Ms Taschenuhr selbst hat das Kunstwerk natürlich seinen Zweck verfehlt, aber man kann an ihr den Gang und das Wesen der Taschenuhren viel besser beobachten ils an fleinen Uhren.

Der Vulkan Popocatepetl( Mexiko) ist von einer merikanischen Spekulantengesellschaft zur Ausbeutung Der Schwefellager angekauft worden.

Lokales.

Gedenktafel für den 1. und 2. März.

1. März. 1481. Franz v. Sickingen* 1809. Kom­ponist Chopin*. 1815. Napoleon I. landet bei Cannes. -1869. A. de Lamartine 7. 1871. Einzug der Deutschen in Paris. 1896. Niederlage der Italiener unter Baratieri durch die Abessinier bei Adua.

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2. März. 1689. Melac läßt das Heidelberger Schloß sprengen. 1810. Papst Leo XIII.* 1861. Aufhebung Der Leibeigenschaft in Rußland. 1871. Kaiser Wilhelm catifiziert den Friedensschluß. 1897. Ueberreichung des Ultimatums der Mächte an Griechenland und die Türkei.

** Geplante Ovation. Die Mitglieder des statistischen nationalökonomischen Seminars wollten gestern aus Anlaß der vielfachen Angriffe gegen den gefeierten Lehrer, dem Professor Biermer ein Blumen Arrangement überreichen. Die Ehrung mußte indessen verschoben werden, weil Professor Birmer von Gießen abwesend in Darmstadt sich befand.

** Die Gymnasial Abiturienten machten gestern Nachmittag mit Musik durch die Stadt nach W. slar eine Wagenpartie.

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* Kommerse hielten aus Anlaß des Semester­schlusses gestern Abend die Mediziner unserer Hochschule im Saale des Hotel Einhorn, die Juristen im Saale des Hotels Großherzogs v. Hessen.

[ Bur Reichstagswahlbewegung.] Der bisherige Vertreter des Wahlfreises Höchst Usingen im Reichs­tage, Müller Fulda, hat es endgiltig abgelehnt, wieder zu fandidiren. Die Bentrumspartei stellt nunmehr den Land­richter Peter Itschert aus Frankfurt a. M. als Kandidaten auf. Im Wahlkreis Limburg stellte der Wahlverein der Bentrumnspartei einstimmig Cahenely Limburg, den bik herigen Vertreter des Kreises in Reichs- und Landtag, wieder als Reichstagefandidaten auf.

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Stadtheater. Sonntag Nachmittag findet wieder eine Kindervorstellung statt und zwar gelangt eines der hübschen Märchen Rotfäppchen" zur Aufführung. Abends gaftiert Herr Hubert Di- tsch als Veilchenfresser", am Montag als Pfarrer von Kirchfeld."

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Die Uebersicht der Armenkasse für 1901/02, welche der letzten Stadtverordn ten Versammlung vorgelegen hat, schließt in Einnahme und Ausgabe mit 87 777 Mt. 66 Pfg. ab, während der Voranschlag nur 81 500 Mt. hierfür vorsah. Der Zuschuß aus der Stadt­tasse beträgt 38 464 Mt. 10 Pfg. und sind dies 9 686 Mt. 35 Pfg. weniger als in Aussicht genommen war. als der Boranschlag aufgestellt wurde. In Einnat me stehen weiter 28 967 M 12 Bfa. Erfaz von Verpflegungsgeldern, für welche nur 18 472 Mt. 73 Bfg. voranschlagmäßig vorge­sehen waren. In Ausgabe stehen, wobei wir die Zahlen Geldunterstützung des Voranschlags in Alammern segen, und sonstige Gaben( 34 000 Mt.) 28 578 Mt., Aerztliche Behan lungen und Arzneien( 14 700 mf.) 20 258 Mt, Begräbniskosten( 700 Mt.) 878 Mt., Roften des städt. Hospitals( 10 200) 11 870 Mt., für Verpflegung armer Geistestranten( 400 mt.) 106 Mt. 46 Pfg., des­gleichen von Epileptischen und Idioten( 1700 Mt.) 1640 Mt., Unterbringung von Kindern in Familien( 6000 mt.) 4916 Mt., für verwahrloste, blinde und taubstumme Kinder ( 3500 Mt.) 4330 Mt. Der Voranschlag der städtischen Armentasse für 1903/04 schließt in Einnahme und Aus­gabe mit 74 500 Mt. ab. In diesem Rechnungsjahr wird sich zum ersten Male der Einfluß des Provinzial- Siechen­hauses auf dem Etat unseres Armenwesens zeigen.

*** Das Schwurgericht tritt nächste Woche an allen 6 Tagen zusammen. Es liegen folgende Fälle zur Verhandiung bor: am Montag 2. März, vormittags 9 Uhr gegen Wilhelm Pfeil aus Nieder- Ofleiden wegen Totschlagsversuch, die Anflage vertritt Ober­staatsanwalt Theobald.( Verteidiger Rechtsanwalt Justiz rat Mezz.) Am Dienstag 3. März, vormittags 9 Uhr gegen Jakob Eiser Ehefrau aus Borsdof wegen Meineid, die Anklage vertritt Staatsanwalt Hoos.( Ver­teidiger Rechtsanwalt Raab).-- Am Mittwoch 4. März, vormittags 9 Uhr gegen Alexander Schmidt aus Wett­saasen wegen Mordversuch, die Anklage vertritt Gerichts­assessor Dr. Hezel.( Verteidiger Rechtsanwalt klarenaar). Am Donnerstag 5. März, vormittags 9 Uhr gegen Heinrich Horn aus Calbach wegen Meineid, die Anklage vertritt Staatsanwalt Hoos,( Berteidiger Rechtsanwalt Selzer, Offenbach a. M. Am Freitag 5. März. vor­mittags 9 Uhr gegen Joh. Konrad Opper III. aus Treis a. Lda. wegen Verbrechen im Amt, die Anklage vertritt Staatsanwalt Reuß.( Verteidiger Rechtsanwalt Mendelsohn) Am Samstag 7. März, vormittags 9 Uhr gegen Gustav Schellmann aus Geiß- Nidda wegen Urkundenfälschung, die Anklage bertritt Staatsanwalt Hoos.( Verteidiger Rechtsanwalt Mez, Nidda.)

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*** Von unseren Sielbauten. Die gesamten Arbeiten werden infolge der günstigen Witterung in stärkerem Maße in Angriff genommen. In der Wegsteingasse ist die Strecke bis zur Wallthorstraße fertig und soll später mit der Kanalisierung der Wallthorstraße begonnen werden. Die Kanalisierung des Schiffenbergerweges ist eben­falls fertig, sedaß die für dieses Los ausgeschriebenen Ar beiten bis auf das Verseßen der Straßeneinläufe, womit man rege thätig ist, erledigt sind. In der Bahnhofstraße sind sämtliche Arbeiten in ihrer früheren Stärke aufge nommen. Da hier die große Breite und Tiefe der Bau­grube einen erheblichen Teil der Stroße in Anspruch nimmt, macht sich hier besonders auf dem westlichen Bürgersteig eine Erschwerung des Fußgängerverkehrs bemerkbar. Um diesem Uebelstande abzuhelfen hat inan Schilder mit der Weisung: Rechts gehen", sowie mit der Aufschrift Das Betreten der Baustelle ist verboten", angebracht. Wir empfehlen im In­ter sse des Fortschrittes der Arbeiten, sowie im eigenen In­teresse der Passanten die Befolgung dieser Anordnungen. Die weiteren Arbeiten an der Wiesed sollen bei günstigerer Witterung ebenfalls baldigst begonnen werden.

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Der Verlag des offiziellen Festbuches zum II. Ge­sangswettstreit deutscher Männergesang­vereine um den von Sr. Majestät dem Kaiser und König gestifteten Wanderpreis ist der bekannten Annoncen- Expedition Haasenstein u. Vogler, A.-G. übertragen worden, die das selbe in geschmackvoller, get iegener, der Bedeutung des Festes entsprechender Weise, erscheinen laffen wird.

*** Besitzwechsel. Bauunternehmer Martin Aber­mann faufte für 58 000 M. vom Bäckermeister Wilh. Gengnagel dessen Haus mit daneben liegendem Bau­plaz Ludwigstraße 37, Ede der Bleichstraße. Abonnementsbestellungen für März nehmen alle unsere Boten entgegen.

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