Ausgabe 
27.5.1903 Erstes Blatt
 
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() Fortunas wetterwendische Launen mußte ein Ham­burger Lotterieverein, dem übe wiegend Angestellte der Straßenbahn angehören, an sich erfahren. Der Klub spielte in der Hamburger Lotterie vier verschiedene Vier­tel. Vor Beginn der 7. Klasse stellte es sich heraus, daß mehrere Mitglieder ihren Losbeitrag noch nicht bezahlt hatten, und beschloß man in einer schwach besuchten Versammlung auf Anregung des Wirtes des Klublo­kals, eins der Viertel einem anderen, in derselben Wirt­schaft tagenden Lotterieklub zu verkaufen. Gesagt, getan. Der Wirt verkaufte das Los, und siehe da, es wurde mit der Prämie gezogen! Die zwölf Spieler des glücklichen Klubs heimsten jeder bare 5000 Mt. ein, denn sie hat­ten ja ihr gemeinschaftliches Los rechtlich erworben. Nun entdeckten aber die Straßenbahnschaffner, daß in der für sie verhängnisvollen Eizung die meisten Mitglieder nicht anwesend gewesen waren, und da diese selbstver­ständlich mit dem Verkauf des mit Gold besäten Loses nicht einverstanden gewesen sein konnten, so machten sie nun den Wirt verantwortlich für die unſelige Affäre. Man will ihn wegen unberechtigten Verkaufes des Glücksloses zum Schadenersatz auf die Kleinigkeit von 60 000 Mark verklagen. Das gibt dann einen netten Prozeß!

* Eine schwere Gefährdung der Hamburger Schiff. fahrt durch Dynamit hat sich leichtsinnigerweise ein dor­tiger Schachtmeister zuschulden kommen lassen. 25 Dh= namitpatronen wurden vor einiger Zeit durch Bagger im Hamburger Hafen gefunden. Der unheimliche Fund rief begreiflicherweise in Schiffahrtskreisen große Be­unruhigung hervor und veranlaßte die dortige Polizei zu eifrigen Nachforschungen. Diese haben jetzt zur Ermitte= lung eines Schachtmeisters geführt, der nach seiner An­gabe die Dynamitpatronen, um sich ihrer auf leichte Art zu entledigen, unweit Tiefenstaat einfach in die Elbe geworfen hat. Durch Taucher sind nunmehr sämt­liche 25 Patronen zu Tage gefördert worden, sodaß jebe Gefahr für die Schiffahrt beseitigt und das Fahr­wasser wieder frei ist. Für den Urheber dürfte die An­gelegenheit noch ein unliebſames Nachspiel vor Gericht haben.

() Sternberg in Freiheit gesezt. Der Berliner Bankier August Sternberg, der wegen vielfacher Sittlichkeitsver­brechen an minderjährigen Mädchen zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt war, ist gestern, Freitag, nach Ver­büßung seiner Strafe die Untersuchungshaft war einge­rechnet aus dem Zuchthause in Moabit entlassen worden. Eternberg soll sich in vorzüglicher Gesundheit befinden und sogleich mit Eifer seine Geschäfte wieder aufgenommen haben, deren Gang er übrigens auch vom Buchthaus aus so sorgfältig wie möglich überwacht hat. Hoffentlich nimmt er nun nicht auch seine alten Nei­gungen wieder auf.

()[ Der Roman eines Rennpferdes.] Die wechselvollen Schicksale mancher Rennpferde liefern oft Stoff für die Sportlitteratur und in der Unterhaltung der Sportlieb­haber. Ein neues Beispiel unter dieser Rubrik ist die Ge= schichte des Pferdes, das jüngst bei den irischen Rennen von Punchestown den Sieg im Kampfe um den Na­tional Hunt Cup" über ein Dußend der besten Rasse in Irland davongetragen hat. ,, Safe Conveyance", so heißt der Sieger, war ein Hengstfüllen von guter Herkunft, schien aber so wenig zu versprechen, daß sein erster Käu­fer es einem Kneipwirt schenkte, der auch so wenig von ihm hielt, daß es längere Zeit den demütigen Dienst auf bem Leinpfade versehen mußte, um ein Boot mit Fäs­sern und dergleichen zu ziehen. Ob ,, Safe Conveyance" unter solchen Prüfungen von schlimmen Untugenden ge­läutert wurde, oder ob er das Glück hatte, unter das Adlerauge eines gottbegnadeten Rossekenners zu kom­men, der sofort mit sicherem Blick erkannte, daß der de­mütige Gaul auf dem Leimpfade zu höherem geboren sei, wird nicht berichtet. Jedenfalls wurde er eines Ta­ges seinem nützlichen, aber bescheidenen Wirkungskreis entrückt und auf der Fuchsheze geritten. Hier zeichnete er sich sofort glänzend aus, bewährte sich auch im wei­teren Verlaufe und stieg rasch in der Achtung der Sport­menschen und im Preise der Käufer, bis man ihm der Ehre für würdig befand, regelrecht für die Rennbahn trainiert zu werden.

( Eine sehr häßliche Szene in einem Spielklub macht in Londoner aristokratischen Kreisen großes Auf­sehen. Zwischen dem russischen Botschaftsattaché Brin­zen Radziwill und dem österreichischen Grafen Eizzo horis tam es über das Spielreglement zu einem Etreit, der schließlich in Tätlichkeiten ausartete. Die Folge wird ein Duell sein, das auf französischem Bo­en stattfinden soll

Bunte Chronik. In Remagen( Rheinprovinz) wurde die gesamte Mannschaft eines dort vor Anker liegenden Schiffes unter dem dringenden Verdachte verhaftet, einen Jungen in den Rhein gestürzt zu haben. Erst als es zu spät war, stellte die Schiffsmannschaft zum Scheine Ret­tungsversuche pn.

Da das diesjährige Pfingstfest auf den 31. Mai und 1. Juni fällt, wird die Auszahlung sämtlicher preußischen Pensionen, Witwen- und Waisengelder, ausschließlich der Unterstübungen außer am 2. und 3. Juni schon am Sonn abend, den 30. Mai, bei sämtlichen preußischen Kassen er­folgen.

Bei Sosnowice wurde der Hütteninspektor Gor­senski mit durchschnittenem Halse ermordet aufgefunden. Die Tat hatte auf Anstiften der Frau deren Liebhaber mit einem Rasiermesser berübt. Beide wurden verhaftet. - Bei der Fortseßung der Ziehung der Marienburger Geldlotterie fiel gleich auf das erste Los der erste Haupt­gewinn von 60 000 Mt; außerdem fielen 40 000 Mt. auf r. 100 445, 2500 Mt. auf Nr. 174 342, 1000 Mt. auf Rr. 117 848, 180 703, 249 080 und 296 785.

Der Ingenieur Paul Mbert, der, wie Binnerlich, aus einer Automobilfahrt in der Nähe von Bieberich sein Leben einbüßte, soll nach seinem verhäng­nisvollen Sturze der Summe von 40'000 mt. beraubt worden sein. Eine Untersuchung ist im Gange.

- Einen Mordversuch auf ein Dienstmädchen machte in Tegel bei Berlin ein gewerbsmäßiger Einbrecher na­mens Adam, der in die Wohnung des Rendanten ber dortiger Ortskrankenkasse Kulina eingebrochen war. Der Täter wurde verhaftet.

Aus dem Gerichtsfaal.

§ Revision im Trakehner Schulprozeß. Das Reichsge richt hob das Urteil gegen den Lehrer Nickel, der wegen Beihilfe zur Beleidigung des Landstallmeisters von Det­tingen- Trakehnen zu 200 Mark Geldstrafe verurteilt war, auf und verwies die Sache an die erste Instanz zurück. Der Verteidiger Rechtsanwalt Sonnenfeld- Berlin rügt ins­besondere die Nichtanwendung des Paragraphen 193 des Strafgesetzbuches, da Nickel dem Sanitätsrat Pailzow die Mitteilung nicht in der Absicht, von Dettingen zu be leidigen, gemacht habe. Der Reichsanwalt hatte die Ver­werfung der Revision beantragt, weil Nickel von dem Ar­tikel vor der Veröffentlichung Kenntnis genommen habe. Der Hauptbeklagte im Trakehner Prozeß, Sanitätsrat Paalzow, ist inzwischen gestorben.

Kunft und Wissenschaft.

GF. Serum- Pastillen gegen Diphtherie. Dr. Martin, der Mitarbeiter des Prof. Rour vom Paſteur- Institut, hat ein Mittel gefunden, das flüssige Serum gegen Diph­therie in feste Pastillen zu verwandeln. Ueber seine Erfindung äußerte sich Dr. Martin einem Mitarbeiter des ,, Petit Parisien" gegenüber folgendermaßen: ,, Ich glaube, daß meine Bonbons" das Resultat haben wer­Sen, die Häufigkeit der Diphtherie- Erkrankung ganz be­deutend zu vermindern. Da ist z. B. ein Kind, dem man während einer Diphtherie- Erkrankung Serum- In­jektionen gemacht hat und das sich nun auf dem Wege der Besserung befindet. Es ist sogar schon vollständig ge­heilt so, daß es jetzt im Zimmer umhergeht, läuft, spielt, kurz, die alten Beschäftigungen wieder aufnimmt. Sehr schön! Wenn man aber die Kehle des geheilten Kin­des bakteriologisch untersucht, findet man in neun von zehn Fällen, daß dort die Diphtherie- Bazillen noch sehr lebendig und sehr giftig sind. Und wissen Sie, wie lange das geheilte kind die Diphtherie- Bazillen in der Kehle herumschleppen kann? Wochen-, ja oft monatelang. Sie können sich nun leicht denken, was passieren muß oder doch passieren kann, wenn das geheilte Kind sein früheres Leben wieder aufnimmt und zur Schule geht. Es steckt seine Schulfreunde an und gibt die Diphtherie weiter. Sehr oft ist das der Ursprung der Diphtheria-­Epidemien, die in der Schule entstehen oder von einem Hause zum anderen geschleppt werden. Meine Serum­Bastillen sollen nun die Bazillen töten, und die Ge­fahr der Ansteckung durch ein geheiltes Kind, das die Diphtherie gehabt und während der Krankheit die Pa­stillen genommen hat, verschwindet fast vollständig. Ein anderer Fall: Wenn in einer Familie die Diphtherie zum Ausbruch kommt, besteht die beste, ja vielleicht die einzige Art, die anderen Kinder und auch die erwach. senen Personen gegen Ansteckung zu ſchüßen, darin daß man sog. prophylaktische Injektionen macht. scheint mir nun, daß auch hier meine Serum- Pastiller die Serum- Injektionen, die man gewöhnlich nicht gerr annimmt, ganz unnötig und entbehrlich machen könnten.'

GF. Droht uns eine neue Eiszeit? Ein norwegischer Gelehrter, Professor Ears, glaubt aus gewissen Anzeichen auf das Bevorstehen einer neuen Eisperiode für Nord­europa schließen zu müssen. Außer der in diesem Jahre bekanntlich sehr großen Eisbildung in den nördlichen Bɔ­largewässern und dem ausnahmsweise harten Winter und übermäßigen Schneefall in Grönland wird Pro­fessor Sars zu seiner Hypothese vor allem durch die Flucht der Wale aus den Polarregionen nach dem Süden beranlaßt. Er glaubt nicht, daß diese Meerungeheuer, mie man gewöhnlich ſagt, von anderen Tieren gejagt werden. Ihnen sei ein außerordentlich feines Gefühl für Commende Naturveränderungen eigen, und es könne daher ihr Erscheinen eine neue Eisperiode bedeuten. All­gemein erforderten solche Klimaveränderungen wohl län­gere Uebergangszeiten, aber die sogenannten interglazia­len Perioden könnten sich mit sehr kurzen Zwischenräu­men ablösen. Hoffentlich behält die Voraussage des Pro­sessors nicht recht.

Vermischtes.

)([ Das Ideal eines Heerführers] formuliert in seinem Abschiedskorpsbefehl an das ihm so lange Zeit unterstellte 16. Armeekorps der neuernannte Feldmarschall Graf Haese­ler dahin, die Ausbildung der Truppen im Frieden zu den höchsten Anforderungen des Krieges zu steigern und seine braven Soldaten dann unter seinen Augen im Ernstfalle so fechten zu sehen, wie auf dem Manövergelände. Dieser höchste Lohn sei dem Prinzen Friedrich Karl durch das von ihm in 10jähriger Arbeit ausgebildete 3. Armeekorps in der Schlacht bei Vionville geworden. Erziehung und Schulung sei der erste Schritt zum Siege. Daß Graf Haeseler stets bemüht gewesen ist, die ihm anvertrauten Regimenter schlagfertig zu erhalten, davon zeugen die bielfachen Anekdoten, wie er die Offizierkorps häufig über­raschenderweiſe von Festlichkeiten, von geselligen Vereini­gungen fortgerufen, aus dem Ballsaal hinaus in die kalte Regennacht. Man erzählt sich, daß Graf Haeseler die Gar­nison Mörchingen einmal in sehr origineller Weise alar­miert habe. Der General fuhr mit dem Schnellzug, der damals von Meß nach Straßburg fahrplanmäßig ohne Aufenthalt in Mörchingen durchging, von Mez ab. Nie­mand war in Mörchingen darauf gefaßt, daß eine Alarmie­rung bevorstand. Kurz vor der Station Mörchingen zog der General die Notleine; der Zug stand; der General zahlte die Strafe und hatte dafür die Genugtuung, die Garnison tatsächlich überrascht zu haben. Graf Haeseler war, gleich seinem Kollegen an der westpreußischen Grenze, dem Kommandeur des 17. Armeekorps, Herrn v. Lenze, in Offizierskreisen als unerbittlich streng bekannt. Davon zeugt ein Sprüchlein, das früher unter den jüngeren Herren umlief:

Gott schüß uns vor der Grenze, Vor Haeseler und Lenze;

Die Herren na, man kennt se! Die unermüdliche Fürsorge für das Wohl ihrer Untergebe­nen hat aber andererseits den beiden Generalen ebenso biel Liebe wie Respekt erworben.

[ Zum Andenken des Erfinders der Nähmaschine,] des Schneidermeisters Josef Madersperger, soll in seinem Geburtsort Kuffstein( Tirol) am 7. Juni ein Denkmal enthüllt werden, das von den Nähmaschinenfabrikanten Wiens gestiftet und vom Bildhauer Theodor Khuen ent­

worfen ist. Madersperger geht es wie vielen Erfindern vor ihm. Jezt, lange nach seinem Tode, wird er gerühmt und geehrt, zu seinen Lebzeiten wollte niemand sich seiner annehmen. Der Mann, der 1814 zuerst eine brauchbare Nähmaschine herstellte und durch dessen grundlegende Er­findung später viele andere Millionen erworben haben, starb einſam und gebrochen im Armenhaus zu Wien. (?)[ Der Pfingstwunsch der Heiratsluftigen.] Wie in Frankreich, so wächst auch in Belgien die Zahl der Hage­stolze von Jahr zu Jahr in beängstigender Weise. An den Mauern des belgischen Städtchens Ecaussines- Salamg ist nun folgender Anschlag zu lesen: Pfingstmontag, den 1. Juni, um 4 Uhr, Riesenvesperbrot, gegeben von den 60 heiratsfähigen jungen Mädchen unserer Gemeinde. Von einer großen Anzahl unserer Mitbürger im Stiche ge­lassen, bitten wir die jungen Männer der Umgegend, un­serer Einladung Folge zu leisten, und hoffentlich haben wir bald das Vergnügen, recht viele Hochzeiten feiern zu können. Die 60 heiratslustigen Mädchen.( Viele von uns sind nahe daran, alte Jungfern zu werden.)

Giessen

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|: Wiedersehen nach fünfzig Jahren. Zwei Brüder, Charles und Henri Liermann, die als Knaben aus Wis­mar nach den Vereinigten Staaten kamen, haben in dem Soldatenheim in Milwaukee nach 50 Jahren ein glück­liches Wiedersehen gefunden. Beide hatten keine Ahnung gehabt, daß sie in dem Soldatenheim, wo sie ihren Lebensabend beschließen, nachdem sie im Bürgerkriege wacker für die Union gefochten hatten, einander so nahe waren. Zufällig machte der Oberkoch in der Anstalt die Bemerkung, daß die beiden Veteranen Liermann einander so ähnlich sähen, als wären sie Brüder. Nun ging es an ein Hin- und Herfragen, und schließlich war das Ge­heimnis gelöst. Henry Liermann war als sechsjähriger Knabe nach Ameriko gekommen und hatte bei einem On­kel Unterkommen gefunden. Mehrere Jahre später folgte ihm sein Bruder Karl, ohne daß Henry davon Nachricht erhielt. Beide machten den Bürgerkrieg mit, Henry in der Armee, Charles in der Marine. Letzterer ließ sich bor kurzem in das Soldatenheim aufnehmen, und so er­olate Saa alückliche Wiedersehen.

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Sport und Schönheit. Gegen den Zug unserer Zeit, daß junge Leute sich aus angeblicher Sportliebhaberei der Pflege der mannigfachsten schweren Athletik hingeben, ist schon häufig von Aerzten gepredigt worden, leider aber immer nußlos. Vielleicht hilft es bei den Sportferen jedoch, wenn man sie bei der lieben Eitelkeit packt. und da kommt das Ergebnis der männlichen Schönheitskon­kurrenz, die soeben in Wien stattgefunden hat, wie gerufen. Ach, du lieber Himmel, wie sonderbar nahm sich die mo­derne Schar der schönen Männer gegenüber den antiken Vorbildern aus, deren Abbildungen den Richtertisch schmückten. Es waren wohl ausgesuchte Leute, alle stroßend von Kraft und Gesundheit, keiner ohne eine schöne Ein­zelheit, aber im ganzen, mit wenigen Ausnahmen, feines Schönheitspreises würdig. Unstreitig gab es einige herr­liche Figuren unter den Bewerbern, allein diesen man­gelte wieder das Ebenmaß des Hauptes oder die Schönheit des Angesichtes. Zumeist sah man die unschönen plumpen Muskelwülste, die von Uebertrainierung mit schweren Han­teln herrühren, während dabei die Beine zu kurz kommen, so daß ein solcher Athlet zwei verschiedene Körperhälften zu haben scheint: eine obere, die hypertrophisch entwickelt ist, und eine untere, die ebenso gut einem Manne von dem sanften Gewerbe eines Zuckerbäckers angehören könnte. Oder es sind, wie bei den Radfahrern und Reitern, die Beine auffallend muskulös, dagegen Arme und Brust ver­nachlässigt. Am meisten Harmonie zeigen noch die Körper der Schwimmer und Turner, deren Uebungen ja auch dem Gymnasion der Griechen am nächsten kommen. Nicht ohne Grund hat schon Galenus gegen die Auswüchse der Athle­tik als nachteilig für die Gesundheit gewettert. Daß sie auch schädlich auf die Körperschönheit einwirken, zumal in der heutigen Art, das zeigte diese moderne Schönheits­konkurrenz nur allzu deutlich. Man sah viel ungeheure Kraft, aber wenig Schönheit, die, wie es scheint, den goldenen Schnitt in allen körperlichen Uebungen selbst dann verlangt, wenn die nötigen Grundlagen bei einem Menschen vorhanden sind. Die Uebungen des Körpers müssen entschieden in eine andere Richtung gedrängt es den; der wissenschaftliche Sport wird da helfen müssen,

[ Ein guter Koch.] Die Indépendance Belge" var= öffentlicht ein Feuilleton über den Grafen Bülow, das sich eingehend mit der Würdigung seiner Persönlichkeit und seiner Politik beschäftigt. Zum Schluß wird fol­gende scherzhafte Anekdote in dem Artikel erzählt. Als Graf Bülow von der römischen Botschaft als Staats­sekretär des Auswärtigen Amts nach Berlin berufen wurde, wo er ein Dienstgebäude zu beziehen hatte, das etwa viermal kleiner war als der mächtige Palazzo Caffarelli in Rom, sagte die Gemahlin des Botschaf­ters ihrem Koch, der auch nach Berlin übersiedeln sollte, er werde sich dort viel einfacher einrichten und mit biel weniger Raum begnügen müssen als in Rom. Wenn er das nicht übernehmen wolle, so stände ihm frei, sich einen anderen Platz zu suchen; worauf der Herr­scher des Bülowschen Küchendepartements feierlich er­widerte: ,, Gnädige Frau, man soll seine Herrschaft auch im Unglück nicht verlassen."

)-([ Eine neue Modeblume] gibt es seit einiger Zeit in Paris. Ihre Berühmtheit verdankt sie hauptsächlich dem Umstande, daß sie zum ersten Male als Tafeldeko­ration bei den zu Ehren König Eduards von England veranstalteten Festessen und Empfängen auftauchte. Die ,, Bougainvillea" ist eine Kletterpflanze, deren blütende Zweige ein rosenfarbenes, veilchenblaues und manchnial auch gelbes Glöckchen tragen. In Frankreich eingeführt von den Botanikern, die Bougainville auf einer seiner zahlreichen Reisen um die Welt begleitet hatten, brauchte die ultraerotische, sehr zarte Blume mehr als ein Jahr­hundert, um in Europa heimisch zu werden.

( 2)[ Schuhe für Schoßhunde.] Jm Schaufenster und Schaukasten eines Newyorker Sattlers sieht man neben Hundehalsbändern aller Arten Schuhe in verschiedenen Mustern und Größen. Die teuersten sind aus besonderem Schweinsleder. Eine Garnitur von vier Schuhen aus die­sem weichen, biegsamen Leder hat gefurchte Gummisohlen und ist mit Ledersenkeln um die Knöchel zugeschnürt. Diese fosten 20 Mark die Garnitur. Schuhe aus Kalbleder haben helle, schwere Ledersohlen und kosten 18 Mark das Paar; andere aus Saffianleder, die der Hundeelite am besten gefallen sollen, kosten ebensoviel. Die schöne Idee, den Hunden derartigen Komfort zu schaffen, ist aus Frank­reich importiert.

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