() Fortunas wetterwendische Launen mußte ein Hamburger Lotterieverein, dem übe wiegend Angestellte der Straßenbahn angehören, an sich erfahren. Der Klub spielte in der Hamburger Lotterie vier verschiedene Viertel. Vor Beginn der 7. Klasse stellte es sich heraus, daß mehrere Mitglieder ihren Losbeitrag noch nicht bezahlt hatten, und beschloß man in einer schwach besuchten Versammlung auf Anregung des Wirtes des Klublokals, eins der Viertel einem anderen, in derselben Wirtschaft tagenden Lotterieklub zu verkaufen. Gesagt, getan. Der Wirt verkaufte das Los, und siehe da, es wurde mit der Prämie gezogen! Die zwölf Spieler des glücklichen Klubs heimsten jeder bare 5000 Mt. ein, denn sie hatten ja ihr gemeinschaftliches Los rechtlich erworben. Nun entdeckten aber die Straßenbahnschaffner, daß in der für sie verhängnisvollen Eizung die meisten Mitglieder nicht anwesend gewesen waren, und da diese selbstverständlich mit dem Verkauf des mit Gold besäten Loses nicht einverstanden gewesen sein konnten, so machten sie nun den Wirt verantwortlich für die unſelige Affäre. Man will ihn wegen unberechtigten Verkaufes des Glücksloses zum Schadenersatz auf die Kleinigkeit von 60 000 Mark verklagen. Das gibt dann einen netten Prozeß!
* Eine schwere Gefährdung der Hamburger Schiff. fahrt durch Dynamit hat sich leichtsinnigerweise ein dortiger Schachtmeister zuschulden kommen lassen. 25 Dh= namitpatronen wurden vor einiger Zeit durch Bagger im Hamburger Hafen gefunden. Der unheimliche Fund rief begreiflicherweise in Schiffahrtskreisen große Beunruhigung hervor und veranlaßte die dortige Polizei zu eifrigen Nachforschungen. Diese haben jetzt zur Ermitte= lung eines Schachtmeisters geführt, der nach seiner Angabe die Dynamitpatronen, um sich ihrer auf leichte Art zu entledigen, unweit Tiefenstaat einfach in die Elbe geworfen hat. Durch Taucher sind nunmehr sämtliche 25 Patronen zu Tage gefördert worden, sodaß jebe Gefahr für die Schiffahrt beseitigt und das Fahrwasser wieder frei ist. Für den Urheber dürfte die Angelegenheit noch ein unliebſames Nachspiel vor Gericht haben.
() Sternberg in Freiheit gesezt. Der Berliner Bankier August Sternberg, der wegen vielfacher Sittlichkeitsverbrechen an minderjährigen Mädchen zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt war, ist gestern, Freitag, nach Verbüßung seiner Strafe die Untersuchungshaft war eingerechnet aus dem Zuchthause in Moabit entlassen worden. Eternberg soll sich in vorzüglicher Gesundheit befinden und sogleich mit Eifer seine Geschäfte wieder aufgenommen haben, deren Gang er übrigens auch vom Buchthaus aus so sorgfältig wie möglich überwacht hat. Hoffentlich nimmt er nun nicht auch seine alten Neigungen wieder auf.
()[ Der Roman eines Rennpferdes.] Die wechselvollen Schicksale mancher Rennpferde liefern oft Stoff für die Sportlitteratur und in der Unterhaltung der Sportliebhaber. Ein neues Beispiel unter dieser Rubrik ist die Ge= schichte des Pferdes, das jüngst bei den irischen Rennen von Punchestown den Sieg im Kampfe um den„ National Hunt Cup" über ein Dußend der besten Rasse in Irland davongetragen hat. ,, Safe Conveyance", so heißt der Sieger, war ein Hengstfüllen von guter Herkunft, schien aber so wenig zu versprechen, daß sein erster Käufer es einem Kneipwirt schenkte, der auch so wenig von ihm hielt, daß es längere Zeit den demütigen Dienst auf bem Leinpfade versehen mußte, um ein Boot mit Fässern und dergleichen zu ziehen. Ob ,, Safe Conveyance" unter solchen Prüfungen von schlimmen Untugenden geläutert wurde, oder ob er das Glück hatte, unter das Adlerauge eines gottbegnadeten Rossekenners zu kommen, der sofort mit sicherem Blick erkannte, daß der demütige Gaul auf dem Leimpfade zu höherem geboren sei, wird nicht berichtet. Jedenfalls wurde er eines Tages seinem nützlichen, aber bescheidenen Wirkungskreis entrückt und auf der Fuchsheze geritten. Hier zeichnete er sich sofort glänzend aus, bewährte sich auch im weiteren Verlaufe und stieg rasch in der Achtung der Sportmenschen und im Preise der Käufer, bis man ihm der Ehre für würdig befand, regelrecht für die Rennbahn trainiert zu werden.
( Eine sehr häßliche Szene in einem Spielklub macht in Londoner aristokratischen Kreisen großes Aufsehen. Zwischen dem russischen Botschaftsattaché Brinzen Radziwill und dem österreichischen Grafen Eizzo horis tam es über das Spielreglement zu einem Etreit, der schließlich in Tätlichkeiten ausartete. Die Folge wird ein Duell sein, das auf französischem Boen stattfinden soll
Bunte Chronik. In Remagen( Rheinprovinz) wurde die gesamte Mannschaft eines dort vor Anker liegenden Schiffes unter dem dringenden Verdachte verhaftet, einen Jungen in den Rhein gestürzt zu haben. Erst als es zu spät war, stellte die Schiffsmannschaft zum Scheine Rettungsversuche pn.
Da das diesjährige Pfingstfest auf den 31. Mai und 1. Juni fällt, wird die Auszahlung sämtlicher preußischen Pensionen, Witwen- und Waisengelder, ausschließlich der Unterstübungen außer am 2. und 3. Juni schon am Sonn abend, den 30. Mai, bei sämtlichen preußischen Kassen erfolgen.
Bei Sosnowice wurde der Hütteninspektor Gorsenski mit durchschnittenem Halse ermordet aufgefunden. Die Tat hatte auf Anstiften der Frau deren Liebhaber mit einem Rasiermesser berübt. Beide wurden verhaftet. - Bei der Fortseßung der Ziehung der Marienburger Geldlotterie fiel gleich auf das erste Los der erste Hauptgewinn von 60 000 Mt; außerdem fielen 40 000 Mt. auf r. 100 445, 2500 Mt. auf Nr. 174 342, 1000 Mt. auf Rr. 117 848, 180 703, 249 080 und 296 785.
Der Ingenieur Paul Mbert, der, wie Binnerlich, aus einer Automobilfahrt in der Nähe von Bieberich sein Leben einbüßte, soll nach seinem verhängnisvollen Sturze der Summe von 40'000 mt. beraubt worden sein. Eine Untersuchung ist im Gange.
- Einen Mordversuch auf ein Dienstmädchen machte in Tegel bei Berlin ein gewerbsmäßiger Einbrecher namens Adam, der in die Wohnung des Rendanten ber dortiger Ortskrankenkasse Kulina eingebrochen war. Der Täter wurde verhaftet.
Aus dem Gerichtsfaal.
§ Revision im Trakehner Schulprozeß. Das Reichsge richt hob das Urteil gegen den Lehrer Nickel, der wegen Beihilfe zur Beleidigung des Landstallmeisters von Dettingen- Trakehnen zu 200 Mark Geldstrafe verurteilt war, auf und verwies die Sache an die erste Instanz zurück. Der Verteidiger Rechtsanwalt Sonnenfeld- Berlin rügt insbesondere die Nichtanwendung des Paragraphen 193 des Strafgesetzbuches, da Nickel dem Sanitätsrat Pailzow die Mitteilung nicht in der Absicht, von Dettingen zu be leidigen, gemacht habe. Der Reichsanwalt hatte die Verwerfung der Revision beantragt, weil Nickel von dem Artikel vor der Veröffentlichung Kenntnis genommen habe. Der Hauptbeklagte im Trakehner Prozeß, Sanitätsrat Paalzow, ist inzwischen gestorben.
Kunft und Wissenschaft.
GF. Serum- Pastillen gegen Diphtherie. Dr. Martin, der Mitarbeiter des Prof. Rour vom Paſteur- Institut, hat ein Mittel gefunden, das flüssige Serum gegen Diphtherie in feste Pastillen zu verwandeln. Ueber seine Erfindung äußerte sich Dr. Martin einem Mitarbeiter des ,, Petit Parisien" gegenüber folgendermaßen: ,, Ich glaube, daß meine Bonbons" das Resultat haben werSen, die Häufigkeit der Diphtherie- Erkrankung ganz bedeutend zu vermindern. Da ist z. B. ein Kind, dem man während einer Diphtherie- Erkrankung Serum- Injektionen gemacht hat und das sich nun auf dem Wege der Besserung befindet. Es ist sogar schon vollständig geheilt so, daß es jetzt im Zimmer umhergeht, läuft, spielt, kurz, die alten Beschäftigungen wieder aufnimmt. Sehr schön! Wenn man aber die Kehle des geheilten Kindes bakteriologisch untersucht, findet man in neun von zehn Fällen, daß dort die Diphtherie- Bazillen noch sehr lebendig und sehr giftig sind. Und wissen Sie, wie lange das geheilte kind die Diphtherie- Bazillen in der Kehle herumschleppen kann? Wochen-, ja oft monatelang. Sie können sich nun leicht denken, was passieren muß oder doch passieren kann, wenn das geheilte Kind sein früheres Leben wieder aufnimmt und zur Schule geht. Es steckt seine Schulfreunde an und gibt die Diphtherie weiter. Sehr oft ist das der Ursprung der Diphtheria-Epidemien, die in der Schule entstehen oder von einem Hause zum anderen geschleppt werden. Meine SerumBastillen sollen nun die Bazillen töten, und die Gefahr der Ansteckung durch ein geheiltes Kind, das die Diphtherie gehabt und während der Krankheit die Pastillen genommen hat, verschwindet fast vollständig. Ein anderer Fall: Wenn in einer Familie die Diphtherie zum Ausbruch kommt, besteht die beste, ja vielleicht die einzige Art, die anderen Kinder und auch die erwach. senen Personen gegen Ansteckung zu ſchüßen, darin daß man sog. prophylaktische Injektionen macht. scheint mir nun, daß auch hier meine Serum- Pastiller die Serum- Injektionen, die man gewöhnlich nicht gerr annimmt, ganz unnötig und entbehrlich machen könnten.'
GF. Droht uns eine neue Eiszeit? Ein norwegischer Gelehrter, Professor Ears, glaubt aus gewissen Anzeichen auf das Bevorstehen einer neuen Eisperiode für Nordeuropa schließen zu müssen. Außer der in diesem Jahre bekanntlich sehr großen Eisbildung in den nördlichen Bɔlargewässern und dem ausnahmsweise harten Winter und übermäßigen Schneefall in Grönland wird Professor Sars zu seiner Hypothese vor allem durch die Flucht der Wale aus den Polarregionen nach dem Süden beranlaßt. Er glaubt nicht, daß diese Meerungeheuer, mie man gewöhnlich ſagt, von anderen Tieren gejagt werden. Ihnen sei ein außerordentlich feines Gefühl für Commende Naturveränderungen eigen, und es könne daher ihr Erscheinen eine neue Eisperiode bedeuten. Allgemein erforderten solche Klimaveränderungen wohl längere Uebergangszeiten, aber die sogenannten interglazialen Perioden könnten sich mit sehr kurzen Zwischenräumen ablösen. Hoffentlich behält die Voraussage des Prosessors nicht recht.
Vermischtes.
)([ Das Ideal eines Heerführers] formuliert in seinem Abschiedskorpsbefehl an das ihm so lange Zeit unterstellte 16. Armeekorps der neuernannte Feldmarschall Graf Haeseler dahin, die Ausbildung der Truppen im Frieden zu den höchsten Anforderungen des Krieges zu steigern und seine braven Soldaten dann unter seinen Augen im Ernstfalle so fechten zu sehen, wie auf dem Manövergelände. Dieser höchste Lohn sei dem Prinzen Friedrich Karl durch das von ihm in 10jähriger Arbeit ausgebildete 3. Armeekorps in der Schlacht bei Vionville geworden. Erziehung und Schulung sei der erste Schritt zum Siege. Daß Graf Haeseler stets bemüht gewesen ist, die ihm anvertrauten Regimenter schlagfertig zu erhalten, davon zeugen die bielfachen Anekdoten, wie er die Offizierkorps häufig überraschenderweiſe von Festlichkeiten, von geselligen Vereinigungen fortgerufen, aus dem Ballsaal hinaus in die kalte Regennacht. Man erzählt sich, daß Graf Haeseler die Garnison Mörchingen einmal in sehr origineller Weise alarmiert habe. Der General fuhr mit dem Schnellzug, der damals von Meß nach Straßburg fahrplanmäßig ohne Aufenthalt in Mörchingen durchging, von Mez ab. Niemand war in Mörchingen darauf gefaßt, daß eine Alarmierung bevorstand. Kurz vor der Station Mörchingen zog der General die Notleine; der Zug stand; der General zahlte die Strafe und hatte dafür die Genugtuung, die Garnison tatsächlich überrascht zu haben. Graf Haeseler war, gleich seinem Kollegen an der westpreußischen Grenze, dem Kommandeur des 17. Armeekorps, Herrn v. Lenze, in Offizierskreisen als unerbittlich streng bekannt. Davon zeugt ein Sprüchlein, das früher unter den jüngeren Herren umlief:
Gott schüß uns vor der Grenze, Vor Haeseler und Lenze;
Die Herren na, man kennt se! Die unermüdliche Fürsorge für das Wohl ihrer Untergebenen hat aber andererseits den beiden Generalen ebenso biel Liebe wie Respekt erworben.
[ Zum Andenken des Erfinders der Nähmaschine,] des Schneidermeisters Josef Madersperger, soll in seinem Geburtsort Kuffstein( Tirol) am 7. Juni ein Denkmal enthüllt werden, das von den Nähmaschinenfabrikanten Wiens gestiftet und vom Bildhauer Theodor Khuen ent
worfen ist. Madersperger geht es wie vielen Erfindern vor ihm. Jezt, lange nach seinem Tode, wird er gerühmt und geehrt, zu seinen Lebzeiten wollte niemand sich seiner annehmen. Der Mann, der 1814 zuerst eine brauchbare Nähmaschine herstellte und durch dessen grundlegende Erfindung später viele andere Millionen erworben haben, starb einſam und gebrochen im Armenhaus zu Wien. (?)[ Der Pfingstwunsch der Heiratsluftigen.] Wie in Frankreich, so wächst auch in Belgien die Zahl der Hagestolze von Jahr zu Jahr in beängstigender Weise. An den Mauern des belgischen Städtchens Ecaussines- Salamg ist nun folgender Anschlag zu lesen: Pfingstmontag, den 1. Juni, um 4 Uhr, Riesenvesperbrot, gegeben von den 60 heiratsfähigen jungen Mädchen unserer Gemeinde. Von einer großen Anzahl unserer Mitbürger im Stiche gelassen, bitten wir die jungen Männer der Umgegend, unserer Einladung Folge zu leisten, und hoffentlich haben wir bald das Vergnügen, recht viele Hochzeiten feiern zu können. Die 60 heiratslustigen Mädchen.( Viele von uns sind nahe daran, alte Jungfern zu werden.)
Giessen
** Sellif Der Landes- Hypothe ift nach einer Beta Gelegenheit geboter Bantgefäften aus berett erklärt, de au erteilen, falls erbungen find a chaft und Eisenb ** Bill Namen„ Berein enthaltsorten fü Verein gegründe 8wed hat, in u bedürftigen billigen u frischen in der im nördlichen rh
|: Wiedersehen nach fünfzig Jahren. Zwei Brüder, Charles und Henri Liermann, die als Knaben aus Wismar nach den Vereinigten Staaten kamen, haben in dem Soldatenheim in Milwaukee nach 50 Jahren ein glückliches Wiedersehen gefunden. Beide hatten keine Ahnung gehabt, daß sie in dem Soldatenheim, wo sie ihren Lebensabend beschließen, nachdem sie im Bürgerkriege wacker für die Union gefochten hatten, einander so nahe waren. Zufällig machte der Oberkoch in der Anstalt die Bemerkung, daß die beiden Veteranen Liermann einander so ähnlich sähen, als wären sie Brüder. Nun ging es an ein Hin- und Herfragen, und schließlich war das Geheimnis gelöst. Henry Liermann war als sechsjähriger Knabe nach Ameriko gekommen und hatte bei einem Onkel Unterkommen gefunden. Mehrere Jahre später folgte ihm sein Bruder Karl, ohne daß Henry davon Nachricht erhielt. Beide machten den Bürgerkrieg mit, Henry in der Armee, Charles in der Marine. Letzterer ließ sich bor kurzem in das Soldatenheim aufnehmen, und so erolate Saa alückliche Wiedersehen.
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weifen. Der Jo Gemeinden, Raf Geschäftsführung der staatlichen B übernommen. frgensreich wirt allerfeits. Es alle auf das 1 Beitrittserkläru tommen zu laff man nod) zu e nur eines bor für Familien, geeignit find, welchen Preis oder auch gett nachfragen Gegenb( Obent merfrische gewil fragende eine f ** Um
Sport und Schönheit. Gegen den Zug unserer Zeit, daß junge Leute sich aus angeblicher Sportliebhaberei der Pflege der mannigfachsten schweren Athletik hingeben, ist schon häufig von Aerzten gepredigt worden, leider aber immer nußlos. Vielleicht hilft es bei den Sportferen jedoch, wenn man sie bei der lieben Eitelkeit packt. und da kommt das Ergebnis der männlichen Schönheitskonkurrenz, die soeben in Wien stattgefunden hat, wie gerufen. Ach, du lieber Himmel, wie sonderbar nahm sich die moderne Schar der schönen Männer gegenüber den antiken Vorbildern aus, deren Abbildungen den Richtertisch schmückten. Es waren wohl ausgesuchte Leute, alle stroßend von Kraft und Gesundheit, keiner ohne eine schöne Einzelheit, aber im ganzen, mit wenigen Ausnahmen, feines Schönheitspreises würdig. Unstreitig gab es einige herrliche Figuren unter den Bewerbern, allein diesen mangelte wieder das Ebenmaß des Hauptes oder die Schönheit des Angesichtes. Zumeist sah man die unschönen plumpen Muskelwülste, die von Uebertrainierung mit schweren Hanteln herrühren, während dabei die Beine zu kurz kommen, so daß ein solcher Athlet zwei verschiedene Körperhälften zu haben scheint: eine obere, die hypertrophisch entwickelt ist, und eine untere, die ebenso gut einem Manne von dem sanften Gewerbe eines Zuckerbäckers angehören könnte. Oder es sind, wie bei den Radfahrern und Reitern, die Beine auffallend muskulös, dagegen Arme und Brust vernachlässigt. Am meisten Harmonie zeigen noch die Körper der Schwimmer und Turner, deren Uebungen ja auch dem Gymnasion der Griechen am nächsten kommen. Nicht ohne Grund hat schon Galenus gegen die Auswüchse der Athletik als nachteilig für die Gesundheit gewettert. Daß sie auch schädlich auf die Körperschönheit einwirken, zumal in der heutigen Art, das zeigte diese moderne Schönheitskonkurrenz nur allzu deutlich. Man sah viel ungeheure Kraft, aber wenig Schönheit, die, wie es scheint, den goldenen Schnitt in allen körperlichen Uebungen selbst dann verlangt, wenn die nötigen Grundlagen bei einem Menschen vorhanden sind. Die Uebungen des Körpers müssen entschieden in eine andere Richtung gedrängt es den; der wissenschaftliche Sport wird da helfen müssen,
[ Ein guter Koch.] Die Indépendance Belge" var= öffentlicht ein Feuilleton über den Grafen Bülow, das sich eingehend mit der Würdigung seiner Persönlichkeit und seiner Politik beschäftigt. Zum Schluß wird folgende scherzhafte Anekdote in dem Artikel erzählt. Als Graf Bülow von der römischen Botschaft als Staatssekretär des Auswärtigen Amts nach Berlin berufen wurde, wo er ein Dienstgebäude zu beziehen hatte, das etwa viermal kleiner war als der mächtige Palazzo Caffarelli in Rom, sagte die Gemahlin des Botschafters ihrem Koch, der auch nach Berlin übersiedeln sollte, er werde sich dort viel einfacher einrichten und mit biel weniger Raum begnügen müssen als in Rom. Wenn er das nicht übernehmen wolle, so stände ihm frei, sich einen anderen Platz zu suchen; worauf der Herrscher des Bülowschen Küchendepartements feierlich erwiderte: ,, Gnädige Frau, man soll seine Herrschaft auch im Unglück nicht verlassen."
)-([ Eine neue Modeblume] gibt es seit einiger Zeit in Paris. Ihre Berühmtheit verdankt sie hauptsächlich dem Umstande, daß sie zum ersten Male als Tafeldekoration bei den zu Ehren König Eduards von England veranstalteten Festessen und Empfängen auftauchte. Die ,, Bougainvillea" ist eine Kletterpflanze, deren blütende Zweige ein rosenfarbenes, veilchenblaues und manchnial auch gelbes Glöckchen tragen. In Frankreich eingeführt von den Botanikern, die Bougainville auf einer seiner zahlreichen Reisen um die Welt begleitet hatten, brauchte die ultraerotische, sehr zarte Blume mehr als ein Jahrhundert, um in Europa heimisch zu werden.
( 2)[ Schuhe für Schoßhunde.] Jm Schaufenster und Schaukasten eines Newyorker Sattlers sieht man neben Hundehalsbändern aller Arten Schuhe in verschiedenen Mustern und Größen. Die teuersten sind aus besonderem Schweinsleder. Eine Garnitur von vier Schuhen aus diesem weichen, biegsamen Leder hat gefurchte Gummisohlen und ist mit Ledersenkeln um die Knöchel zugeschnürt. Diese fosten 20 Mark die Garnitur. Schuhe aus Kalbleder haben helle, schwere Ledersohlen und kosten 18 Mark das Paar; andere aus Saffianleder, die der Hundeelite am besten gefallen sollen, kosten ebensoviel. Die schöne Idee, den Hunden derartigen Komfort zu schaffen, ist aus Frankreich importiert.
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