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Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) Oberbeffische Beitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Settenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Berttagen nachmittage

Montag, den 27. April 1903.

Gießener

12. Jahrgang.

Insertionsprei& Die einspaltige Petitzeile für Gießen wi gany Oberbeffen, die Kreise Weslar und Marburg 10 Pfø fenf 15 Bfg.: Reklamen die Betitselle 30 resp. 40 f

Postzeitungsliste No. 8809.

Redaktion und Expedition: Stesen Remenweg 4. Fernsprechenidis R, 308.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weylar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Der Weltfrieden in Gefahr!

Das neueste Vorgehen Rußlands in der Mandschurei frage hat zu einer bedrohlichen Zuspißung der Lage in Ostasien geführt. Selbst besonnere Londoner Blätter for dern mehr oder minder verblümt die Kriegserklärung Englands und Japans an Rußland. Ob es dahin kom men wird, ist natürlich noch höchst zweifelhaft; die Folge wäre sicherlich der allgemeine Weltkrieg. Tatsache aber ist, daß Japan und England gemeinsam gegen Rußlands Vorgehen energisch Front machen; wahr­scheinlich wird sich auch die nordamerikanische Uniɔn

ihnen anschließen, die über die von Rußland betriebene Schließung aller mandschurischen Plätze gegen den aus. wärtigen Handel erzürnt ist. Angesichts dieser Lage dürfte nachfolgender Artikel allgemeines Interesse er­wecken, in dem unser Berliner CB.- Mitarbeiter einen Blick auf die gegenwärtige ungünstige Position Eng lands für die Eventualität eines englisch- russischen Krie­ges wirft. Er schreibt:

Je verästelter ein Geschäftsbetrieb ist, je mehr Ge­schäftszweige er umfaßt, um so vielfältiger sind die Eorgen, die dem Geschäftsinhaber immer aufs neue er­wachsen. Das gilt nicht nur für gewerbliche und kauf­minnische Unternehmungen, das gilt auch für die gro­ßen Geschäftsfirmen auf dem Gebiet der Politik. Jede Großmacht, die Weltpolitik treibt, weiß davon ein Lied zu singen, und vor allem die Macht, die überall auf die­fern Erdenball politisch engagiert ist, Großbritannien.

Die Engländer haben ihre Hände überall im Spiel, wo irgend etwas für sie zu holen ist; sie sind poli­fische Geschäftsleute im größten Etil. Und auf sie, de­nen an Länder- und Geldgier keine andere Nation gleich­formmt, gilt eben deshalb mehr als für jede andere Großmacht, daß ihnen jeder neue Tag neue Sorgen bringt. Auch gegenwärtig wieder muß sich das britische Kabinett, dem man außerordentliche Geschicklichkeit nicht absprechen fann, mit einem ganzen Bündel Sorgen herumtragen, von denen einzelne nicht gerade auf die leichte Achsel zu nehmen sind.

Da steht im Vordergrunde zunächst die bei Gumurru erkittene große Niederlage der britischen Truppen. Nicht der an und für sich recht schwere Verlust an Mannschaf­tem ist es, der der britischen Regierung so trübe Stun­den macht: Im Burentriege waren die Verluste tau­sendfach größer, und dort waren es Kinder der britischen Erde, die ihr Leben lassen mußten, während es hier nur afrikanische und indische Eingeborenentruppen wa­ren, die der Grausamkeit des Mullahs zum Opfer fielen. Die schweren Sorgen, die das Gemezzel bei Gumurru den Briten verursacht, haben einen anderen Grund: Man filrchtet und nicht mit Unrecht, daß auch die übrigen britischen Abteilungen unter Oberst Cobbe und General Manning in der dornigen, wasserlosen steinigen Aka­zienwüste des Somalilandes das Schicksal jener zwei­hundert Mann unter Plunkett teilen werden. Denn Manning, der die Hauptmacht führt und mit den an der Küste liegenden britischen Truppen keine gesicherte Berbindung hat, verfügt nur über 2000 Mann. Schon jemer Somalitrupp, der Plunketts Kolonne niedermeßelte, var 10 000 Mann start, und der Mad Mullah hat sicherlich außer diesen Zehntausend noch erheblich grö­Bere Kriegerscharen. Dazu kommt, daß der Erfolg gegen­über der Kolonne Plunketts die ohnehin tapferen, tɔd­berachtenden und gut mit französischen Gewehren mo­derner Konstruktion bewaffneten Somalis noch angriffs­

und mordlustiger gemacht haben wird, während anderer­seits auf die abessinische Hilfe für die Briten kein Ver­laß ist. Wird außer der Kolonne Plunketts noch eine größere britische Truppenmacht vom Mullah aufgerie­ben, so ist zweifellos ein langjähriger und dabei nicht sehr aussichtsvoller Kampf im Somalilande den Bri­ten gewiß.

Zu dieser schweren Besorgnis tritt nun noch die brohende Gefahr eines Zusammenstoßes mit Rußland in Ostasien, die sich auf die Unverfrorenheit der Russen in der Behandlung der Räumung der Mandschurei gründet. Man ist sich an der Themse der Bedeutung dieser russischen Weigerung, die Mandschurei wieder her­auszugeben, für die Frage der späteren Herrschaft in Ostasien wohl bewußt, und man sagt sich, daß der mit der Festsetzung der Russen in der Mandschurei gegebenen russischen Gefahr für Englands ganze Machtstellung in Asien nur durch triegerische Maßregeln wirksam begeg net werden könne. Die Londoner Blätter, die Rußland gegenüber sonst nicht gern mit dem Säbel rasseln, for­Sern mit dürren Worten eine entschlossene Haftung von der britischen Regierung, indem sie auf das englisch­japanische Bündnis verweisen. Mit anderen Worten: Sie verlangen die Kriegserklärung an Rußland.

Aber wie soll England, das durch den Burenkrieg an Geld und Mannschaften erschöpste, den Russen mit der Waffe in der Hand gegenüber treten? Sumal wo es

nicht nur im Somalilande, sondern noch an so vielen anderen Punkten der Welt militärisch engagiert ist? Dazu die Sorgen wegen eines möglichen russisch­österreichischen Einschreitens auf dem Baltan, die Furcht vor der Ausnüßung einer friegerischen Verwicklung Eng­lands durch Deutschland, Amerika und Frankreich zur Lahmlegung der wirtschaftlichen Konkurrenz Großbri tanniens! Man muß gestehen: Ein sorglases Dasein füh­ren die britischen Minister jetzt wahrlich nicht. Es wird ihnen schwer halten, ohne eine friegerische Auseinander. setzung mit Rußland Englands Prestige zu wehren, und noch schwerer, falls es zu einem Zusammenstoß kommt.

Die englischen Befürchtungen wegen des Schicksals der britischen Kolonnen im Somalilande scheinen sich zer­streuen zu sollen. Nach Meldungen aus Aden hatte Ge neral Manning im Somaliland bei dem Versuch, dem Oberst Cobbe Hilfe zu bringen, mit den Mullahtruppen in der Nähe von Walwal ein heftiges Gefecht. Von den Mullahleuten wurden 2000 Mann getötet. Oberst Cobbe wurde befreit. Die britischen Verluste sind noch nicht bekannt.

Die Politik.

Keine Reserveübungen während der Wahlwochen. (-) Um den Wählern, die dem Beurlaubienstande des Heeres oder der Marine angehören, ihr Wahlrecht nicht zu verkürzen, hat die Reichsregierung ebenso wie bei der letzten Reichstagswahl den Generalkommandos den Wahltermin und den Tag für die Stichwahlen bekannt gegeben, damit keine Kollisionen zwischen dem Wahlakt und etwaigen Einbeorderungen stattfinden. W. Einbe­rufungen für diese Zeit stattgefunden haben, sind sie widerrufen worden.

Der Trierer Schulstreit

ist jetzt endlich endgiltig beigelegt. Bischof Korum erteilte dem aus Kreuznach als Lehrer an die staatliche höhere Töchterschule berufenen Kaplan Reiß die Genehmigung zur Erteilung des Unterrichts in Deutsch, Geschichte und Pädagogik. Außerdem hat die preußische Regierung auch ihrerseits die vom Bischof s. 3t. erhobenen Forderungen erfüllt, indem sie augeordnet hat, daß fortan in den oberen Klassen der staatlichen höheren Mädchenschule Deutsch und Geschichte von einer neu ernannten fathɔ­lischen Lehrerin erteilt werden. Die pädagogischen Lehr­bücher werden abgeschafft, dafür die vom Bischof vor­geschlagenen eingeführt.

Mormonenaustreibung aus Deutschland.

::: Preußen und Medlenburg haben jetzt die Auswei­sung der Mormonen- Missionare beschlossen, nachdem Bayern die gleiche Maßregel schon vor einiger Zeit er­griffen hatte. Schon früher waren einzelne Mormonen­Missionare von verschiedenen Ortspolizeibehörden ausge­wiesen worden; infolge Vermittelung der amerikanischen Botschaft wurde ihnen aber der Aufenthalt doch gestattet. Jetzt ist die Ausweisung endgiltig mit der Begründung er­folgt, daß das Religionsbekenntnis der Mormonen gegen die deutschen Gesetze und die öffentliche Moral verstößt, indem es die Vielweiberei gestattet. Gegenwärtig leben in Deutschland etwa 150 Mormonen- Missionare, davon in Preußen allein gegen 90. Die Mormonenkirche hat in Deutschland rund 1800 Anhänger.

Keine Kabinettskrise in Frankreich?

Der halbamtliche Pariser ,, Matin" tritt dem Gerücht entgegen, daß zwischen dem Präsidenten Loubet und dem Ministerpräsidenten Combes infolge des Rücktritts des Gouverneurs von Algier, Revoil, sowie wegen Durchfüh­rung des Ordensgesetzes ein Zwist ausgebrochen sei. Eben­so unrichtig sei die Behauptung, daß der Ministerpräsident jüngst den Wunsch geäußert habe, zurückzutreten. Combes sei fest entschlossen, die von der Deputiertenfammer be­schlossenen Geseze vollständig durchzuführen. Ob das De­menti den Tatsachen entspricht, muß dahingestellt bleiben. Nicht abzustreiten ist, daß Präsident Loubet sich in Algier deutlich gegen die Behandlung der geistlichen Orden durch das Kabinett ausgesprochen hat.

Meuterei der türkischen Landwehr.

In Janina im südlichen Albanien ist es zu einer schwe­ren Meuterei der türkischen Redifs der Landwehrtrup­pengekommen. Das Redifbataillon exerzierte vor der Kaserne. Der Kommandeur des Bataillons, der mit den Leistungen eines Soldaten unzufrieden war, gab diesem eine Ohrfeige. Der Soldat stürzte sich darauf auf den Offizier und versetzte diesem zwei Bajonettstiche in den Nacken. Der Kommandeur befahl, den Mann zu arre­tieren. Da wandte sich der Soldat hilfeflehend an seine Kameraden: ,, Helft, Brüder! Wie lange sollen wir diese niederträchtige Regierung noch ertragen?" Auf diesen Rus hin stürzten sich auch die anderen Soldaten auf den kom­mandeur, der nur mit Mühe durch das Erscheinen höherer Offiziere gerettet wurde. Die Soldaten waren nur mit Mühe zu beruhigen, und der General mußte ihnen ver­ibrechen. daß der Bataillonskommandeur bestraft werden

solle, und daß ihr kamerad mit einigen Tagen Arrest da vonkommen werde. Diese Rediss sind das einzige Mi­litär, welches in Janina liegt, und die türkischen Behör den müssen sie deshalb, da die Stadt vollständig in ihrer Macht ist, sehr schonend behandeln.

Kurze politische Nachrichten.

* Die Budgetkommission des Reichstags hat die Nach­tragsforderung für den Neubau des Reichsmarine­amts mit 19 gegen 6 Stimmen abgelehnt.

* Für die gesamte hessisch- preußische Eisenbahn­gemeinschaft ist jetzt vom preußischen Eisenbahnmi­nister ein Vertrauensarzt bestellt worden, der die Auf­gabe hat, die sanitären Einrichtungen für das Betriebs­personal dauernd zu kontrollieren, Verbesserungen vorzu­schlagen und dergleichen.

* Die preußische Regierung hat den Schwestern des heiligen Franziskus die Erlaubnis zu einer Ordensnie­berlassung in Sögel, Regierungsbezirk Osnabrück, erteilt.

* Eine nihilistische Geheimdruckerei wurde in Petersburg in einem Speisehause entdeckt, das von Studenten geleitet wurde und sich als Hauptherd der um stürzlerischen Bestrebungen erwiesen hat. Fünf Studenten wurden verhaftet.

* Präsident Loubet wird London Ende Juli, kurz nach dem Zusammentreffen der Könige Eduard und Viktor Emanuel dortselbst, besuchen.

* Der bekannte amerikanische Millionär Carnegie hat der niederländischen Regierung anderthalb Millionen Dollars für das Haager Friedenstribunal zur Verfügung gestellt.

If und Gefellschaft.

*** Der Kaiser hat seinen geplanten Besuch in Kum mersdorf aufgegeben, da die dort für Montag in Aus sicht genommenen Schießübungen ausfallen. Er kehrt des halb direkt nach Berlin zurück.

*** Die Festlichkeiten am Großh. Weimarischen Hofe, welche im Anschluß an die Vermählung des Groß­herzogs Wilhelm Ernst mit der Prinzessin Karoline von Reuß ä. L. in Aussicht genommen sind, werden sich nach einer Mitteilung des dortigen Hofmarschallamtes nach folgendem Programm abspielen. Der feierliche Einzug des neuvermählten Paares in die Residenz Weimar fin det, wie bereits gemeldet, am 2. Juni cr. statt. Am 3. Juni wird großer Hofball abgehalten werden, am 4. Juni wird das große vom Künstlerverein veranstaltet? Maifest im Schloßpark stattfinden, welchem der Groß, herzog und Gemahlin beiwohnen werden, am 5. Juni wird als Abschluß der Hoffestlichkeiten Galatafel und Gala­vorstellung im Hoftheater veranstaltet.

*** In Dresden verstarb am Herzschlag der General adjutant des Königs von Sachsen, General der Kavallerie b. Carlowitz.

296. Sigung.

Deutscher Reichstag.

Krankenversicherungsnovelle.

Eigener Bericht.

Die sozialdemokratischen Anträge, die neuerdings zu diesem Gesetze eingebracht worden sind, haben im wesent­lichen folgenden Zweck: Erhöhung der Unterstüßungs­und Ermäßigung der Betragsquoten, sowie die Verlei­hung des Selbstverwaltungsrechts an die Versicherten, so daß diese nach Mehrheitsbestimmungen etwa wie die Mitglieder einer Aktiengesellschaft über die internen Fra­gen entscheiden können. Diese Anträge wurden samt und sonders abgelehnt. Die Beratung ging auch heute noch nicht zu Ende. Sie wurde nur bis§ 20 durchgeführt, und es wurde bis dahin die Kommissionsfassung ange­

nommen.

-

Preussischer Landtag.

Haus der Abgeordneten.

62. Signing Eigener Bericht - Die Verwaltungsdienst- Novelle angenommen. Aus der endlos langen Tagesordnung erregten heute nur zwei Punkte allgemeines Interesse und lebhafte De­batten: Die Interpellation des Zentrumsabg. Letocha u. Gen. über das Unglück auf der oberschlesischen Kohlen­grube Königin Luise" am 2. April, bei dem durch schla­gende Wetter 30 Bergleute ihr Leben einbüßten, und die britte Beratung des Gesezentwurfs über die Vorbildung zum höheren Verwaltungsdienst. Zur Interpellation Le tocha gab Handelsminister Möller allgemein befriedi­gende Erklärungen. An dem Unglück hätten die davon Be­troffenen selbst schuld, da sie die bestehenden strengen Vor­schriften über das Verfahren mit Sprengstoffen außer Acht gelassen hätten. Um Kohlenstaubexplosionen in Zukunft möglichst zu verhüten, sei regierungsseitig eine Berieselung oder, wo diese nicht angängig sei, speziell in Gegenden, wo die Wurmfrankheit herriche, doch wenigstens eine Be­

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ben ihrer Finger fühlte er, wie sie erregt war. ich fände jemand, der

Ich wünschte,

hören, nur für mich ganz alleine

oder Mädchen. Nur ganz allein müßte Schredlich, schredlich lieb hätte. Ganz egal, ob

wunderbar da sein!"

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schluß. Er bewältigte faum

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Sie lachte.

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auch noch die Strümpfe selbst.

das unmoderne Getue damals! Da stricte ich ia

ungebildet!"

Gott, was war man doch

Er fühlte seine Ruhe schwinden. Das ist ein falsches Wort, Annie.

damals."

Glücklich waren wir

Sie hoh in fomiſcher mehr beide Söns

Wie schön das war, den meiten

Annie saß im Wagen neben der Baronin

und lächelto.

abgeholt haben. fo lebensfrohen n Sie nicht auch an ihrer Wohnung anhalten lassen?" Die Dame nickte. Ein ungewohnter Ernst lag über dem Ich bin Ihnen so dankbar, beste Baronin, daß Sie mich Und Frau Geheimrat Wächter? Wollten

auf jedenen Bolstern zurüdzuleeg bis zum Vereinshaus