Das Urteil im Prozefs Kwilecki
ist gestern( Mittwoch) Abend gesprochen worden. Sämtliche Schuldfragen wurden von den Geschworenen verneint. Demgemäß wurden sämtliche Angeklagten freigesprochen. Die Beratung der Geschworenen dauerte mehr als drei Stunden. Die Schlußverhandlung
bringt nochmals so recht zum Bewußtsein, mit welchem fieberhaften Interesse das Publikum den Prozeß verfolgt. Schon zu Beginn der Sigung ist der Saal gedrängt voll von einer aufgeregten Menge, die mit Spannung dem letzten Akt des Schauspiels entgegensieht. Wird es eine Tragödie werden oder wird es versöhnend ausklingen? Der aufmerksame Beobachter kann nicht im Zweifel bleiben, daß die Grundstimmung im Publikum der letzteren Ansicht zuneigt. Und, menn nicht alles täuscht, auch die Mienen der Geschworenen, die die langen Plaidoyers mit skrupulöser Aufmerksamkeit berfolgen, scheinen einen Freispruch erwarten zu lassen. Diese Zuversicht prägte sich auch in dem Tone des
Verteidigers Chodziesner
rufen. Diese Gemittelung führt zu nichts, und der Borkende berbietet nochmals jede Aeußerung des Beifalls.
Nach kurzen Ansprachen der Verteidiger der Kwiatkowska und der Knoska tritt eine Pause ein. Der Andrang des Publikums ist inzwischen immer mächtiger angeschwollen. Auf dem Korridor ist die Passage fast gänzlich erschwert, obwohl an den Treppenaufgängen schon Schußleute postiert sind, die niemand mehr, der nicht legitimiert ist, durchlassen. Im Zuschauerraum selbst und auf den den Zeugen und der Bresse eingeräumten Pläßen sißt und steht alles dichtgedrängt nebeneinander. Die Replik der Staatsanwälte rauscht eindruckslos vorüber. Die Verteidigung verzichtet auf jede Erwiderung. Nach der Rechtsbelehrung an die Geschworenen erklären sich die Angeklagten nichtschuldig, mit Ausnahme der Ossowska, die ihre Schuld eingesteht. Die Geschworenen ziehen sich um 4 Uhr zur Beratung zurück, während im Saal die Erregung sich in Raunen und Flüstern Luft macht. Auch der Angeklagten hat sich eine sichtliche Unruhe bemächtigt, nur der Gräfin scharfe Züge bleiben unbeweglich. Man sieht, sie ist unerschütterlich in dem festen Glauben an ihren endlichen Sieg..
aus, der ebenso wie sein Kollege Wronker seine Rede mit einem Vorstoß gegen die Gesetzgebung beginnt, die das Recht der Verteidigung verfümmere. Er beklagt, daß hier alle die intimsten Vorgänge aus dem Leben der Gräfin öffentlich besprochen worden wären, die andere Frauen in schamvolles Dunkel hüllten. Was diese Fra in ihren Leiden aufrecht erhalten habe, sei ihr unerschütt ches Gottvertrauen. Sie habe den Verteidigern am tag gesagt: Meine Unschuld wird an den Tag korn, mir wird kein Haar gefrümmt werden!" Die Gsei durch die häßlichen Gerüchte und den beleidigen Brief der Agnaten in ihrer Frauen- und Mutterehre gefränft worden. Da erwachte die Herrennatur in ihr, und sie entschloß sich, alles zu tun, was die Agnaten ärgern könne. Das ist ihre ganze Schuld. Man hat hier so viel Gewicht auf die Feststellung gelegt, daß Graf und Gräfin spinnefeind gewesen wären. Wenn dies der Fall war, hätte dann der Graf sich nicht eher der Unterschiebung widersetzen müssen, damit die Gräfin nach seinem Tode einmal erfenne, wie sie an ihm gesündigt habe? Daß einzelne Zeugen, als hinreichend der Begünstigung verdächtig, nicht bereidet worden sind, braucht die Geschworenen nicht zu stören. Sei doch Professor Dührssen s. 3t. hinreichend verdächtig gefunden worden, gegen ihn ein Verfahren zu eröffnen. Gegenüber dem Zuruf des Staatsanwalts an die Geschworenen:„ Wenn Ihnen diese Beweise noch nicht genügen, dann erklären Sie den Bankerott der Schwurgerichte!" erklärt der Verteidiger, daß das Geschworenengericht noch lange den jüngsten Berliner Staatsanwalt überleben wird. Dem Grafen Hektor Kwileckt, der im Bunde mit Hechelski und Hedwig Andruszewska steht, ruft der Verteidiger zu: „ Es tut mir in der Seele weh, daß ich dich in der Gesellschaft seh'!" Er bestreitet, daß der kleine Leo Barcza nach Berlin gekommen ist. Man habe andere Spuren, die auf eine Gräfin aus Oswice hindeuteten, nicht verfolgt. Dem Grafen Hektor Kwilecki, der so sehr in die Ehre seiner Familie besorgt sei, ruft er zu, daß es gewiß nicht ehrenhafter ſei, seine Vettern im Zuchthause zu wissen, als an der Echtheit des fünftigen Majoratsherrn zu zweifeln. Die Hedwig Andruszewska sei ein willenloses Werkzeug des Hechelski, der ihr wahrscheinlich erst das angebliche Geheimnis ihrer Mutter anvertraut habe. Er tadelt die Leichtfertigkeit, mit der die Staatsanwaltschaft behauptet habe, die alte Cwell habe ein öffentliches Haus gehabt, ein Vorwurf, der nachher nicht hätte erwiesen werden können. Hechelski spielte bei den Belastungszeugen und beim Sohn der alten Cwell die Rolle des bösen Versuchers. Die Ossowska sei unglaubwürdig. Sie habe selbst gestanden, früher schon eine Kindesunterschiebung begangen zu haben. Das stimme schlecht zu ihren angeblichen Gewissensbissen. Der Droschkenkutscher Wilke mit seiner Hintertreppenerzählung sei ein„ Quatschkopf". Hätte ein Zeuge aus Wroblewo etwas Aehnliches vorgebracht, wie jener, dann würde die Staatskasse für die nächste Zeit jeinen Unterhalt bestritten haben. Bei der Vereidigung der Beugin Wiensfowski, die ins Untersuchungsgefängnis gemandert ist, in der Voruntersuchung hat der betreffende Richter wider die bestehenden Vorschriften gehandelt, da die Frau bereitwillig aussagte. Der Verteidiger bestreitet, daß die Gräfin irgendwie an die Notwendigkeit einer Nabeluntersuchung hätte denken können, und ruft für seine Behauptung, daß man auch ohne eine solche ein 24 Stunden altes Kind von einem vierwöchigen unterscheiden könne, alle Mütter im Saal als Zeugen auf mit den Worten: Mütter vor die Front! Der Verteidiger greift dann den Staatsanwalt Müller heftig wegen dessen Ausspruch an, daß die Zeugen Leute seien, die heute einen Meineid leisten und morgen beichten. Der Dom Staatsanwalt in Aussicht gestellte Zivilprozeß werde nicht stattfinden, da gegen ein Versäummisurteil ein Wiedermufnahmeverfahren fast unmöglich sei. Er schließt mit einem Apell an die Geschworenen, des unschuldvollen Kindes zu gedenken und die Angeklagten freizusprechen.
Nach einer kurzen Debatte zwischen dem Vorsitzenden und bem Verteidiger erhält das Wort
Rechtsanwalt v. Rychlowski,
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Italienischer Bildungspöbel.
Nom, 23. November.
So höflich und gesittet sich gebildete Italiener im pribaten Verkehr zu benehmen pflegen: von dem Moment an, wo sie in die Deffentlichkeit treten, verleugnen sie bei der ersten besten Gelegenheit jede Spur von Erziehung und Anstand. Die Radauszenen in der italienischen Kammer gehen, was Brutalität und parlamentarisches Rowdytum angeht, noch über die wildesten Lärmszenen im französischen oder im österreichischen Parlament. Jezt hat italienische Leidenschaftlichkeit aber gar den Gerichtssaal zum Schauplatz müster, unwürdiger Standalszenen gemacht: an der Stätte, wo die strenge Themis walten soll, raufen sich Advokaten mit einander wie betrunkene Matrosen in der Schifferschänke.
Vor dem römischen Gericht wird gegenwärtig ein Skandalprozeß geführt, der aus einem parlamenta rischen Feldzuge des Führers der italienischen Sozialdemo traten, des bekannten Universitätsprofessors Ferri, gegen den früheren Marineminister Bettolo herrührt. Ferri hatte Bettolo allerhand unsaubere Schiebungen bei der Vergebung der Marinelieferungen zur Last gelegt, Bettolo sollte sich und seine Verwandten dabei in unerhörter Weise auf Kosten des Staates und zum Schaden der Beschaffenheit der Marine um ungeheure Summen bereichert haben, und was dergleichen schöne Dinge mehr waren. Eine ganz weiße Weste hatte Bettolo wohl nicht, trotzdem klagte er gegen Ferri wegen Verleumdung.
der in kurzer, packender Darstellung nochmals alle Phasen hes Prozesses refapituliert. Auch er erklärt das Vorgehen der Gräfin mit dem Troß gegen die Angriffe der Agnaten. Die Erflärung des Grafen Heftor, er verzichte auf das Majorat, erinnere an die Fabel vo sem Fuchs und den Trauben. Daß die Gräfin die Osso a nicht herbeigezogen habe, spreche für die Lauterkeit ihrer sichten. Die Ossowska sei doch gerade die geeignete Pers für eine Kindesunterschiebung. Dr. Rosinski sei nicht v dem Kinde ferngehalten worden. Die Nachgeburt wäre sich. ich von den Zollbeamten schon aus sanitären Rücksichten nicht über die Grenze gelassen worden. Daraus schließe er, daß die Reise der Damen mit dem Kinde der Frau Meher nicht aus dem Gebiet der schwarzgelben Pfähle herausgegangen sei. Die Aehnlichkeit des Anaben mit der Gräfin sei sprechend. Der Staatsanwalt bat von großer Phantasie" gesprochen, die größte Phantaste hat er aber selbst entwickelt, indem er ausführte, daß der Anabe sich den schönen Schwestern angepaßt haben kann. ( Seiterfeit.) Er zweifle nicht, daß die Gräfin als Siegerin, wenn auch mit vernichtetem Lebensglück, diesen Saal verläßt, bag ihr die Ehre und die lang entbehrte Freiheit wieder Begeben werde.
Eine Bewegung im Publikum gibt dem Vorsitzenden Beranlassung, die Aufsichtsbeamten zur Ermittelung desnige aesuftragen, der im Begriffe war", Bravo zu
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pe. Fischereiberechtigte Landwirte feien auf die Bersamm. lung aufmerksam gemacht, die der Organisationsausschu des Bundes deutscher Berufsfischer für den 29. d. Mts. im Berliner Abgeordnetenhause einberufen hat. Der Zwed der Versammlung ist die Gründung eines Bundes deutscher Berufsfischer" In dem betreffenden Aufruf heißt es: Gegensatz zu den meisten übrigen Zweigen des deutschen Wirtschafts- und Erwerbslebens entbehrt das Fischerei gewerbe immer noch einer umfassenden eigenen Organi sation zur wirksamen Vertretung gemeinschaftlicher Interessen. Die Fischer sind getrennt und zersplittert und daher ohne Einfluß geblieben. Wohl gibt es in Deutschland eine ganze Reihe von Fischereivereinen, die sich die Förderung der Fischereiwirtschaft und der Nutzung unserer Gewässer durd Einsatz von Fischen und Fischzucht zur Aufgabe gemacht und hierin Beachtenswertes geleistet haben. Sie bestehen zum größten Teil aus Freunden der Fischerei, die der berufs. mäßigen Ausübung dieses Gewerbes fernstehen; und die wichtigsten Angelegenheiten des eigentlichen berufsmäßigen Fischereigewerbes find in ihnen wenig zur Geltung gelang, Wollen die Fischer diesen die ihnen vom Standpunkt der Volkswirtschaft gebührende Beachtung verschaffen, wollen sie sich einen Anteil an der Verwaltung der Fischerei und einen sachverständigen Einfluß auf die Fischereigesetzgebung und die Handhabung der Geseze sichern, wollen sie ein attions fähiges Werkzeug zur wirksamen Förderung ihres ganzen Gewerbes schaffen, so müssen sie eine eigene Vertretung durch eigene Organisation herbeiführen."
In diesem Prozesse nun kam es zu einem ganz unerhörten Standal im Gerichtssaal. Die Advokaten Ferris protestierten in heftiger Weise gegen einige Behauptungen der Gegenadvokaten. Es flogen Rosenamen wie„ Schwein", Schuft" und dergleichen hin und her, und schließlich warf der junge, schneidige" Advokat Vettori, der zugleich Redakteur des« Giornale d'Italia" ist, einem der Anwälte der Gegenpartei, dem republikanischen Abgeordneten Comandini, das Tintenfaß ins Gesicht. Der Wurf war so wuchtig geführt, daß der schönste Vorderzahn des ehrenwerten Comandini zerschmettert wurde und eine Flut bon Tinte und Blut sich über das Antlitz und die Advofaten- Toga ergoß. Dies war die Losung zu einem a IIgemeinen Bombardement mit Tintenfässern, das die sämtlichen zwanzig Advo taten der beiden Parteien binnen fünf Minuten in die Tintenbuben des Struwelpeters verwandelte. Auch der Advokat Vettori erhielt ein Tintenfaß auf die Nase und ward von oben bis unten mit Tinte begossen! Die ganze KampfSzene vollzog sich unter großem Geheul des Publikums und einem durchbohrenden, rhythmischen Rufen des Angeklagten Ferri:„ Schmeißt die Rowdies hinaus! Schmeißt sie hinaus!" Schließlich stürzten zahlreiche Polizeikommissare in den Saal und trennten die Kämpfenden, während sich der Gerichtshof unter Protest zurückzog. Die Sigung mußte vertagt werden. Als Ferri und seine Verteidiger das Gerichtsgebäude verließen, wurden sie von der Boltsmenge lebhaft beklatscht. Auch ein Zeichen für die Beschaffenheit der italienischen Volksseele!
Und diese Männer, die sich wie Buben miteinander herumbalgen, repräsentieren die geistige Elite Italiens! Armes Volk, das solche Führer hat! Armes Land, das von solchen Männern regiert wird! Wann wird der Retter fommen diesem Lande?"
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Hus dem Gerichtsfaal.
§ Der Hochstapler Graf Toulouse- Lantrec, alias russischer Zivilingenieur Nicolaus Savine, hatte sich in Bremen wegen Betruges zweier dortiger Firmen zu verantworten und wurde zu einem Jahr drei Monaten Zuchthaus verurteilt. " Graf" Toulouse- Lantrec war in ollen Großstädten eine bekannte und von der Kriminalpolizei viel gesuchte Persönlichkeit. In Lissabon hatte den schlauen Gauner sein Geschich ereilt, und er war später nach Deutschland ausgeliefert worden.
Nab und fern.
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Zur Ostasienfahrt des Prinzen Adalbert v. Preußen wird gemeldet, daß der Lloyddampfer„ König Albert", auf dem der Prinz und seine Kameraden eingeschifft waren, Hongkong glücklich erreicht hat. Doch findet der Prinz das Kriegsschiff, auf dem er Dienst tun soll, die Hertha", nicht an der Sitiang- Mündung vor. Die Hertha" liegt seit dem 28. September im Dock von Nagasaki, wo sie nach monatelangem Kreuzen in den chinesischen, koreanischen, japanischen und sibirischen Gewässern einer gründlichen Instandseßung und baulichen Aenderungen im Innern zur Aufnahme des Prinzen unterzogen wird. Das einzige deutsche Kriegsschiff, das vor Hongkong den Prinzen be grüßen konnte, ist das Kanonenboot Iltis" unter dem Kom mando des früheren militärischen Gouverneurs der jüngeren kaiserlichen Prinzen und Flügeladjutanten des Kaisers, Korbettenkapitans Grafen v. Platen zu Hallermund, der die Führung an den Leiter des Fähnrichstransports, Kapitän leutnant Frhrn. v. Meerscheidt- Hüllessem, abgibt. Prinz Adalbert und seine Kameraden dampfen nach kurzem Aufenthalt nordwärts.
§ Die Kupplerin en gros. Das Dresdener Schwurgericht verurteilte die Zimmervermieterin Witwe Heinze zu sieben Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust. Die Heinze hat einen Meineid geschworen, Wechsel gefälscht und betrügerischen Bankerott gemacht, um mit den durch diese verbrecherischen Handlungen erlangten Geldern in Dresden öffentliche Häuser einzurichten. Sie hat tatsächlich sechs derartige Häuser eröffnet, und sie soll eine Anzahl Mädchen in das Verderben gezogen haben. Schließlich machte sie Bankerott. Es ist bezeichnend, daß sie Geldgeber fand, die ihr zu ihren schmutzigen Zweden immer wieder die Mittel gaben, allerdings nur zu hohen Zinsen und 10 Prozent Damnum.
Der Landwirt.
pe Die deutsche Landwirtschaft auf der Weltausstellung von St. Louis. Die Ausstellung von deutschen Pferden auf der Weltausstellung in St. Louis ist gesichert. Hieran werden sich die Züchter Holsteins, Oldenburgs und Ostfrieslands beteiligen, und zwar werden aus jedem Zuchtbezirk 10 bis 15 Pferde zur Ausstellung kommen. Ferner stellen acht Aussteller deutsches Saatgut aus. Daneben gelangen fartographische Darstellungen über die deutsche Landwirtschaft 1. s. w. zur Ausstellung.
Die Zukunft der früheren sächsischen Kronprinzessin bildet weiterhin das Thema eifriger Diskussion in Dresden und Wien. Wie ein Wiener Blatt mitteilt, wird jetzt der sächsische Kronprinz mit seinem Schwiegervater, dem Erzherzog Ferdinand von Toscana, eine Begegnung haben, die in dieser Frage entscheidend sein soll. Kronprinz Friedrich August weilt 3. 3t. im strengsten Inkognito zur Gemsjagd in Raibl( Kärnten). Wir erwähnten bereits mit aller gebotenen Reserve die Gerüchte von einer bevorstehenden Annäherung zwischen dem kronprinzlichen Paare, die trotz neuer licher offiziöser Dementis nicht schweigen wollen.
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Bombenattentat. Aus Ardning( Obersteiermark) kommt die Nachricht von einem furchtbaren Racheakt, den entlassene Arbeiter gegen den Fabrikanten Zanardelli ins Werk setzten. Sie brachten vor dessen Wohnhause eine Kiste Dynamit zur Explosion, durch die 12 Personen getötet und 8 berletzt worden. Eine andere Meldung leugnet das Vorliegen eines Attentats und spricht nur davon, daß das Kanzleigebäude der Tunnelbauunternehmung Zatanda durch Explosion von Dynamit, die infolge von Unvorsichtigkeit erfolgte, zerstört wurde; bei der Explosion wurde ein Mann leicht verlegt.
Ein ungeheurer Brand hat den größten Teil der im Aufschwunge befindlichen Kleinasiatischen Stadt Estischehir, eines etwa 200 Kilometer von Konstantinopel entfernten Knotenpunktes der Anatolischen Bahnen zerstört. Drei Bazare mit 1313 Buden, 11 große Karawansereien und zwei Moscheen wurden durch das Feuer, das vierzig Stunden wütete, vernichtet. Elf europäische Assekuranz- Gesellschaften sind beteiligt. Die Anatolischen Bahnen sandten mehrere Extrazüge mit Pumpen und Feuerwehren und dank dieser Maßregel wurde ein Teil von Eskischehir gerettet.
[ Ein Zug von Raupen aufgehalten.] Der Postzug aus den südlichen Staaten von Australien tam dieser Tage, wie aus Sidney gemeldet wird, infolge eines außergewöhn lichen Ereignisses mit einer Stunde Verspätung an. Ein Teil der Strecke, über die der Postzug ging, war vollständig mit Raupen bedeckt. Die Räder der Lokomotive versagten in der Menge der zermalmten Raupenkörper gänzlich, und der Zug kam zum Stillstand. Obgleich der Schienenräumer der Lokomotive in Ordnung war, erwies er sich als unzulänglich, das seltsame Hindernis aufzuheben. Erst nach bielen Bemühungen gelang es, den Zug in Bewegung zu [ egen.
Im Schlafwagen erdolcht. In der Nähe des Bahnhof Tula wurde nachts nach der Vorüberfahrt des Moskau Kurster Schnellzuges auf dem Eisenbahngeleise die aus meh reren Stichwunden blutende Leiche einer jungen, ungewöhn lich schönen Dame gefunden, die bloß mit einem Hemde be kleidet war. Man nimmt an, daß die Dame im Schlaf waggon von einem Mitreisenden erdolcht und hierauf aus dem Waggon auf das Geleise geworfen wurde.
Im Jähzorn. Bei einem Streite mit seinem Vater ließ sich der 17jährige Eisfebener Realschüler Schneider im Jahzorn hinreißen, zunt Revolver zu greifen und den eigenen Vater durch mehrere Schüsse schwer am Unterleib zu verleten. Der Täter flüchtete, wurde aber bald ergriffen und dem Gefängnis zugeführt.
Der Karl Hechler reifes Laute
ernannt.
Die Urheber eines Eisenbahnfrevels sind nachträglich er mittelt und verhaftet worden. An einem Morgen d. Mts. bemerkte der Zugführer eines Personenzuges der Kleinbahn Klöße- Winzelberg auf dem Bahnkörper ein Hindernis; es gelang, den Zug noch rechtzeitig zum Stehen zu bringen. Quer über den Schienen lag ein Baumftam, der mit großen Feldsteinen verrammelt war. Beim Befahren dieser Stelle wäre der Zug ohne Zweifel verunglückt. Erst jetzt sind die Täter festgestellt worden: es waren drei Knechte aus Käthen, die, von einem Tanzvergnügen fommend, die verbrecherische Tat aus frevelhaftem Uebermut begangen haben. Sie wur den nach Stendal in Untersuchungshaft abgeführt.
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