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Der Kampf um das Majorat. Kindesunterschiebungs- Prozeß Wensierski- Kwilecki.

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Heute begann vor dem Berliner Schwurgericht der große Sensationsprozeß des polnischen Grafenpaares Wensierski­Kwilecki, dessen Vorgeschichte nun schon seit Monaten die dortige Gesellschaft in höchster Spannung hält. Eintritts­karten zu dem Verhandlungssaal waren nur mit größter Mühe zu haben und seit Wochen vergriffen. Ist doch auch die Angelegenheit, um die es sich handelt, so romantischer Natur, daß sie jedem Kolportageroman als fesselndes Sub­strat dienen könnte.

Die Auflage

prinz gegen seine frühere Gemahlin versöhnliche Gefühle. Sie habe ihn in einem Schreiben in den rührendsten Aus­drücken gebeten, ihr zu gestatten, zu Weihnachten zum Be­such ihrer Kinder nach Dresden zu kommen. Der Brief soll auf den Kronprinzen großen Eindruck gemacht haben.

behauptet, daß die Gräfin Isabella Wensierski- Kwilecka vor sechs Jahren sich des Verbrechens der Kindesunterschiebung schuldig gemacht habe. Der Beihilfe dazu sind angeklagt ihr Gatte, der Majoratsherr Graf 3bingniew Wensierski- Kwi­lecki auf Wroblewo, die Hebamme Ossowska aus Warschau, die Kammerfrau der Gräfin, Frau Chwialkowska aus Troppau, und deren Mutter, die Dienstfrau Knoska aus Wroblewo. Diese letzteren alle sind außerdem des wissent­lichen Meineides angeklagt, zu dem sie die Gräfin verleitet haben soll. Die Tat soll begangen worden sein, um das in Besitz des Mitangeklagten Grafen Kwilecki befindliche Majorat Wroblewo im Kreise Samter in Posen der Familie desselben zu erhalten. Diese besteht zur Zeit aus drei Töchtern und dem angeblich unterschobenen Sohne, bei dessen Nichtvorhandensein das Majorat nach dem Tode des Grafen an das Mitglied des preußischen Herrenhauses Grafen Mi­rislam Awilecti, bezw. dessen Sohn, den Reichstagsabgeord­neten Grafen Hektor Kwilecki gefallen sein würde. Das Majorat ist 18 000 Morgen groß und hat einen jährlichen Nugungswert von 60 000 Mart."

Die Unterschiebung

Die kluge Fran". In Rogowo wurde die achtzig­jährige Ortsarme Lamunski, die als kluge Frau" in hohem Ansehen bei der Bevölkerung stand, verhaftet, weil sie durch einen Aderlaß eine rüstige Frau ums Leben brachte. Die Kluge Frau" kurierte schon seit langen Jahren. Meistens wurde sie von armen Leuten in Anspruch genommen. Es fam sogar häufig vor, daß man sie mit Gespann über Land holte.

Zu der Drebkauer Bürgermeisteraffaire erläßt der Stadtsekretär Schimanowski aus Könnern folgende Erklä­rung: Die durch die Zeitungen gebrachten Mitteilungen, daß ich stellenlos sei, meine Zeugnisse gefälscht hätte, und ferner, daß eine strafrechtliche Untersuchung wegen Ur­kundenfälschung gegen mich eingeleitet sei, sind sämtlich er­funden. Ich habe bereits die erforderlichen Schritte getan, um den Urheber dieser Behauptung zu ermitteln und seine Beſtrafung zu erwirken.

soll in folgender Weise vor sich gegangen sein: Während der mitangeklagte Graf, angeblich wegen Kränklichkeit, im Süden weilte, reiste die Gräfin am 25. Januar 1897 nach Berlin, um hier ihre nahe bevorstehende Niederkunft, die mit Rück­sicht auf ihr damaliges Alter von 51 Jahren als eine vor­aussichtlich sehr schwierige bezeichnet worden war, in nächster Nähe der ersten Geburtshelfer zu erwarten. Sie mietete also in dem Hause Kaiserin Augustastraße Nr. 74, dem vornehmsten Teile des Berliner Tiergartenviertels, eine große Wohnung, die auf das prächtigste ausgestattet wurde. Dienerschaft wurde jedoch nicht aufgenommen, da die Gräfin bereits die Mitangeklagten Chwialkowska und Knoska, so­wie die Hebamme Ossowska von Wroblewo mitgebracht hatte. Zwei Tage nach ihrem Einzuge kam die Gräfin dann in Gegenwart dieser drei Personen, die kein Wort Deutsch können und aus diesem Grunde den übrigen Haus­bewohnern von dem freudigen Ereignisse keine Mitteilung gemacht haben wollen, nieder.

Die wirkliche Mutter

Bestellungen

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Giessener Neueste Nachrichten

Ein schändliches Sittlichkeitsverbrechen wurde an der jungen Frau des Lehrers H. aus Tiege verübt. Ein Strolch überfiel den Lehrer, während er mit seiner Frau und seiner Mutter abends über Feld nach Hause zurückkehrte, und be­täubte ihn durch einen heftigen Schlag. Dann stürzte er sich auf die junge Frau, knebelte sie, schleppte sie ins Feld und vergewaltigte sie. Als die Hilfe, die die Mutter des Lehrers aus dem Dorfe herbeigeholt hatte, ankam, war der Verbrecher verschwunden. Ein anderer Sittlichkeitsver­brecher kam nicht so leichten Kaufes davon. In einem Wäld­chen bei Heidelberg versuchte ein Maurer eine russische Studentin zu vergewaltigen. Auf deren Hilferuf eilten ihre beiden Freundinnen, die nur ein Stück voraufgegangen waren, herbei und gingen dem Verbrecher mit Dolchen zu Leibe. Der Schandbube wurde verhaftet.

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werden von allen Bostämtern, Zeitungsboten und der Ge. schäftsstelle unseres Blattes entgegengenommen.

Verhafteter Falschmünzer. Der Falschmünzer Gel­haus, der, wie erinnerlich, aus der Irrenstation der Ber­liner Charitee entwichen war, wurde jezt in Neisse fest­genommen. Zwei in seiner Begleitung befindliche Kom­plizen sind leider entwischt. Auch Gelhaus suchte sich den Händen des ihn verhaftenden Polizeibeamten zu entwinden, was ihm jedoch nicht gelang. Der Verhaftete hatte auf dem Neisser Jahrmarkt bei einer großen Zahl von Geschäfts­leuten falsche Zweimarkstücke abgesetzt. Die Falsifikate weisen die Jahreszahl 1903 und das Münzzeichen A auf; sie fühlen sich fettig an, sind klanglos und im Gewicht leichter als die echten.

soll nach den Ermittelungen der Berliner Kriminalpolizei die Bahnwärterstochter Karoline Pareta in Zwierzine sein, welche am 25. Januar 1897, also an demselben Tage, an dem die angeklagte Gräfin von Wroblewo nach Berlin ge­fahren war, einen Knaben geboren und diesen gegen eine einmalige Entschädigung von 100 Gulden an die inzwischen verstorbene Hebamme Barberina Cewell in Warschau abge­treten hatte. Die Pareza, die inzwischen den Bahnwärter Mojer in Lippina geheiratet hat, stellte Nachforschungen nach ihrem Kinde an, da ihr Mann es adoptieren wollte. Die Ermittelungen ergaben, daß der Knabe von der Heb­amme Cewell wieder weitergegeben worden war, und zwar an eine unbekannte Dame, welche schon vor der Entbindung der Pareza bei dieser einmal erschienen war und sich nach dem Datum der voraussichtlichen Niederkunft des Mädchens erfundigt hatte. Als diese Unbekannte entpuppte sich schließ­lich eine früher in Diensten der angeklagten Gräfin gestan­dene Russin.

Die Angelegenheit hat bereits das Posener Landgericht in einem Zivilprozeß beschäftigt. Die nächstberechtigten Grafen Awilecki von der älteren Linie wurden darin ver­urteilt, die Legitimität des Knaben anzuerkennen. Die Gräfin Kwilecka erschien damals mit ihrem angeblichen Sohn auf dem Arm im Gerichtssaal. In jenem Prozeß sollen die Meineide geschworen sein, die zur Anklage stehen. Man rechnet, da 200 Zeugen und eine Menge Sachverstän­dige geladen sind, auf eine Prozeßdauer von mindestens zwei Wochen.

Nab und Fern.

Die Expedition.

Lokales.

Gießen, 26. Oftober 1930.

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Der Großherzog empfing am 24. Oktober u. a. den Oberlandesgerichtssekretär Justizrat Mayer, den Ober amtsrichter Kolb und den Steuerkontrolleur Regierungsassessor Krag von Lauterbach.

** Der Großherzog hat am 14. Oktober d. J. den Großh. Geheimen Oberforstrat i. P. Ludwig Frey auf sein Nachsuchen von der Stelle eines Mitgliedes der Prüfungs. kommission für das Finanz- und technische Fach zu entheben und den Großh. Geheimen Oberforstrat Dr. Walther zum Mitglied der Prüfungskommission für das Finanz- und technische Fach zu ernennen.

Eine Stadt in der Gewalt von Räubern. Die amerika­nischen Ritter von der Landstraße sorgen jetzt wieder fast täglich für neue, überraschende und aufregende Notizen in den Zeitungsspalten. Eine Räuberbande machte sich zwei Stunden lang zum völligen Herrn der Stadt Newburg im Staate Oregon. Die Räuber beabsichtigten, die Bank von Newburg aufzusprengen und zu plündern. Sie brachten wiederholt Dynamit im Bankgebäude zum Aufflammen; die Stahlgewölbe hielten jedoch den Angriffen stand. Nach dem dritten Versuch stiegen die Räuber wieder zu Pferde und ritten davon. Das Bankgebäude ist durch die Spreng­bersuche arg mitgenommen worden.

Ein Unfall des Kaisers in Rominten wird nachträglich bekannt. Bei der Pirsch im Forst Blindischen, wo der Kaiser seine Hauptbeute, einen starken Zwanzigender, zur Strecke brachte, erlebte der Monarch das Mißgeschick, bis zu den Hüften in ein brüchiges Moor einzusinken. Sobald der Kaiser von Rominten abgereist war, wurde ein 60 Mann starkes Kommando Pioniere unter Führung eines Offiziers bom Pionierbataillon Nr. 1 in Königsberg dorthin beordert, um das Moor zu entwässern.

Aus dem Gerichtsfaal.

** Das Großh. Regierungsblatt, ausgegeben am 23. Oft. d. Is., enthält u. a. Verordnung, die Enteig nung von Gelände zum Bau einer Nebenbahn von Bußbach nach Lich.

* In den beiden abgelaufenen Quartalen dieses Jahres hat der Großherzog an Schenkungen und Stift ungen eine Summe von 233 423 Mt. genehmigt. Davon tommen allein für kirchliche und religiöse Zwecke 169 411 Mt. Die katholische Kirche und deren Einrichtungen sind mit 74 469 Mt., die evangelische mit 63 890 Mf., und die israelitischen Religionsgemeinden mit 31 053 Mart bedacht. Für wohltätige und gemeinnüßige Zwecke sollen 55 000 Mt. verwendet werden.

§ Der betrügerische Justizrat. Großes Aufsehen erregte in Aachen die Verurteilung des ehemaligen Rechtsanwalts Justizrats Dr. Lambert Schmitz wegen Betruges. Der Ge­richtshof erkannte gegen Sch., der einen armen Tagelöhner unter Vorspiegelung falscher Tatsachen um 3 Mark 65 Pfg. betrogen hatte, auf 30 Mark Geldstrafe. Von einer Ge­fängnisstrafe nahm der Gerichtshof Abstand, um dem An­geklagten Gelegenheit zu geben, sich wieder emporzuarbeiten.

§ Der märkische Hiesel", wie der gefährliche Einbrecher Franz Pfuhl genannt wird, der zur Zeit eine schwere Zucht­hausstrafe wegen Raubes verbüßt, erhielt in Potsdam weitere fünf Jahre Zuchthaus wegen Mordanfalls auf den Geheim­rat Isenbiehl in Wannsee, den er am 23. Juni 1900 gefähr­lich verwundete.

Ein deutsches Pasteurinstitut. Eine Begegnung, die zwischen dem Direktor im Kultusministerium, Althoff, und dem Geheimrat v. Behring unmittelbar nach dem Kasseler Aerztetag stattgefunden hat, ist damals dahin gedeutet wor­den, daß eine Verstaatlichung des Behringschen Rinder­Immunisierungsverfahrens in Aussicht stehe. Die Ver­mutung traf nicht das richtige; an eine Verstaatlichung des genannten Verfahrens wird nicht gedacht. Dennoch war jene Konferenz von großer Bedeutung. Wie unser CB.- Mit­arbeiter erfährt, ist die Errichtung eines deutschen Instituts Behring nach dem Muster des Pariser Instituts Pasteur von der Regierung in Aussicht genommen. Das neue Institut wird sich wissenschaftlichen Aufgaben aus dem Gebiet der Serumforschung in großem Umfang zu widmen haben; da­neben aber wird es vor allen Dingen die kunstgerechte Her­stellung von Seris aller Art nach Maßgabe des Bedarfs betreiben. Durch sein Inslebenrufen soll insbesondere auch die wichtige soziale Aufgabe gelöst werden, die Anwendung der in die ärztliche Praris eingeführten Sera, insbesondere des Diphtheritis- Heilserums, erheblich zu verbilligen.

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** Stadttheater Gießen. Morgen Dienstag findet die letzte Aufführung des hochinteressanten Engelschen Dramas Ueber den Wassern" statt. Die Rolle der Stine wird in dieser Vorstellung von Fräulein Margarethe Hohl gegeben. In der zweiten Voltsvorstellung am Mittwoch gelangen die drei Einakter der Eröffnungsvorstellung zur legten Aufführung. Da die Darstellung der klassischen Ein­after Zerbrochener Krug"," Geschwister" und" Wallensteins Lager" wie bekannt bei der Eröffnungsvorstellung außer. ordentlich angesprochen hat, so ist aus weiteren Kreisen Bu spruch zu erwarten. Billets sind im Vorverkauf bereits jezt bei Herrn Challier zu haben.

§ Zwei Todesurteile fällte das Schwurgericht Lands­berg a. W. gegen den Unterschweizer Klix und den Ober­schweizer Schärer aus Lorenzdorf. Klix hatte auf An­stiften von Schärer die Wirtschafterin Burkart mit einem Rasiermesser ermordet. Die Frau des Oberschweizers wurde wegen Begünstigung zu einem Jahre Gefängnis verurteilt.

Prinzessin Luise von Toskana und ihre Kinder. Von Brüssel aus wurde kürzlich das Gerücht verbreitet, daß die frühere Kronprinzessin von Sachsen vom König Georg die Erlaubnis erhalten habe, ihre Kinder zu besuchen. In Dresdener eingeweihten Kreisen heißt es dagegen allgemein, daß der König unerbittlich sei. Dagegen habe der Kron­

§ Eine Gewissensfrage. In große Verlegenheit wurde ein indischer Militärgerichtshof gebracht, der einen Soldaten zu 168 Stunden schwerer Arbeit verurteilt hatte, weil er im Zorn seinen Korporal, einen Brodrick" genannt hatte. Nach der Verurteilung fragte der Soldat den Gerichtshof, ob er bestraft sei, weil er den Staatssekretär Brodrick oder den Korporal beleidigt habe. Antwort: Stummes Schweigen. Brodrick, der gegenwärtige indische Staatssekretär, wurde bekanntlich wegen seiner Verwaltung des Kriegsamtes in der gesamten englischen Presse heftig angegriffen.

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*** In Anwesenheit der Prinzessin Ludwig von Battenberg und zahlreicher Freunde und Gönner der Frauenbildung und Frauenerwerb wurde gestern Vor mittag 11 Uhr die nunmehr 25jährige Gründung des Gießener Altce Vereins durch feierlichen Akt fest­lich begangen. Gingeleitet wurde die" Feier durch den 3stimmigen Frauenhor, Laudate puri", gesungen vom Akadem. Gesangverein. Frau Amtsgerichtsrat Gebhard begrüßte die Anwesenden und Herr Prof. Dr. Fromme berichtete über die nunmehr der Vergangenheit angehörenden ersten 25 Vereinsjahre. Aus der Geschichte des Alice- Vereins und der Alice- Schule zu Gießen seit der Gründung im Jahre 1878 sei folgen­des wiedergegeben: Auf Anregung der leider zu früh ber­storbenen Großherzogin Alice, der Mutter unseres regierenden Großherzogs und der jetzigen hohen Protektorin der Schule, Prinzessin Ludwig von Battenberg trat am 2. Oftober 1875 in Darmstadt eine kleine Gewerbeschule für Mädchen, verbunden mit einem Kursus zur Ausbildung von Handarbeitslehrerinnen ins Leben. Durch methodischen Ünter­richt sollten die Arbeiterinnen in den weiblichen Handarbeiten unterrichtet und dadurch ihr Los verbessert und auf diese Weise reicher Segen in die Familien getragen werden. Nachdem nun schon in den ersten drei Jahren ihres Bestehens die Darmstädter Aliceschule unter der teilnehmenden Proteftion der Großherzogin einen großen Aufschwung genommen hatte, war es der Wunsch der hohen Frau, solchen Segen auch in den anderen Städten des Landes zu verbreiten, dadurch daß auch in ihnen fleine Gewerbeschulen im Anschluß an die Darmstädter und nach deren Muster errichtet würden. Da bei wurde zunächst an Gießen gedacht. Mit Hilfe der schon längere Zeit auf dem Gebiete der Frauenhandarbeit tätigen Frau Landrichter Erdmann in Gießen und nachdem am 13. Mai 1878 die Großherzogin zugesagt hatte auch die Protektion über den zu gründenden Gießener Verein zu übernehmen, wurde am 9. Juli eine Sißung des Komitees abgehalten, in der endgültige Beschlüsse gefaßt wurden. Am 1. Oktober sandte die Großherzogin an Frau Erdmann ein Glückwunschtelegramm zur Eröffnung der Schule, in welcher der Unterricht am 2. Oktober begann. Den da maligen Vorstand bildeten die Damen Landrichter Erd­mann( Präsidentin), Bürgermeister Bramm, Professor Bratuscheck, Fabrikant Hanstein, Dr. Weiffen­bach, Kauf und die Herren Kreisschulinspektor Büchne ( Vizepräsident), Bürgermeister B ram m, Professor Bra tu scheck, Fabrikant Hanstein, Rechtsanwalt Baist, Professor Oncken. Die ersten Lehrerinnen waren di Fräuleins Müller und Gerbode. Beide hatten sich vorher in der Darmstädter Schule mit dem Unterrichtsbe­trieb vertraut gemacht Außerd. m wirfte als Lehrer Herr Hug. Nach Frau Landrichter Erdmann wurde Frau Fabrikant Hanstein Präsidentin, das sie 12 Jahre blieb bis 1892.

§ Von Stufe zu Stufe. Das Wiener Schwurgericht ver­urteilte den Reichsfreiherrn Franz Josef v. Lerchenfeld wegen Betruges zu 15 Monaten schweren Kerkers und Adelsver­lust. Der Verurteilte stand unter Anklage, durch mystische Vorspiegelungen, mit seinen Schwestern einen Millionen­erbschaftsprozeß zu führen, sowie mittels seiner Beziehungen Stellen verschaffen zu können, eine Reihe von Personen um Beträge in Höhe von insgesamt 4000 kronen geschädigt zu haben. Kaiser Franz Josef war Taufpate des Ange­klagten, der 1878 in Wien im Palais des Erzherzogs Lud­wig Viktor Aufnahme fand, um die Offiziersprüfung zu machen. Er brachte es aber in der österreichischen Armee nur bis zum Husarenkorporal und trat im Jahre 1880 aus der Armee aus. Nach dem Tode des Vaters erbte er als Rest seines Erbteiles 40 000 Mark und die Herrschaft Frauenstein in Ober- Desterreich, bei deren Verkauf er aber nur 10 000 Gulden erzielte. Nach rascher Vergeudung seines Erbteiles machte er Schulden unter Berufung auf die Patenschaft des Kaisers und die Protektion des Erzherzogs Ludwig Viktor, von denen er anfänglich Unterstützungen erhielt. Als dann diese verweigert wurden, begann Lerchen­feld mit Betrügereien bei Juwelieren und später bei Kellnern, Lohndienern und selbst bei armen Frauen, die er um kleine Ersparnisse brachte. Auch belästigte er die Erz­herzoginnen Maria Therese und Maria Valerie mit Bettel­briefen.

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