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+ Der schlafende Schuhmann. Ein Gegenstück zu dem schlafenden Ulanen", der seinerzeit die Presse beschäftigte, bildet jetzt der Schußmann B. in Blankenburg am Harz, der von einem eigentümlichen Mißgeschick betroffen wurde. Er kehrte am vergangenen Freitag morgens 4 Uhr aus dem Nachtdienst zurück, legte sich zur Ruhe nieder und ist erst am Montag früh auf kurze Zeit erwacht, so daß der Arzt ihn über sein Befinden befragen konnte. Bald darauf schlief er wieder ein und ist seitdem nicht aufgewacht.

Eine verarmte Schwester des neuen Serbenkönigs wird demnächst aus Marienbad, wohin sie sich mit ihrer Familie nach der Belgrader Mordnacht von ihrem bisherigen Wohn­ort Berndorf zur Kur begeben hat, nach Belgrad übersiedeln, wo sich ihre Zukunft glücklich gestalten dürfte. Frau Pre­schern, so heißt sie, war in erster kurzer Ehe mit einem russischen Fürsten vermählt und heiratete später einen öster­reichischen Gutsbesitzer. Auch diese zweite Ehe war von furzer Dauer. Ihr entsprossen zwei Töchter. Die ältere der­selben heiratete, als die Familie nach Wiener- Neustadt über­gesiedelt war, den ehemaligen Oberleutnant Roché vom 5. Dragoner- Regiment, der später bei einem Steinmetz in Wiener- Neustadt Buchhalter war. Die jüngere Tochter, die durch ihre Schönheit allgemein auffiel, ist mit einem Bau­meister aus Berndorf verlobt. Frau Preschern lebte sehr notdürftig und mußte zur Bestreitung ihres Lebensunterhalts häusliche Arbeiten( Spißengarnieren) für die englische Spizenfabrik Blaine u. Komp. verrichten. Vor einem Jahre übersiedelte die Familie nach Berndorf, wo sie sich durch Polieren von Metallwaren für die Kruppsche Fabrik ernährte. Herr Roché als ehemaliger Kavallerieoffizier soll eine Reit­lehrerſtelle im königlichen Hofstaate erhalten. Während so die Schwester Peters aus tiefem Unglück zu Wohlleben gelangt, müssen die Schwestern Dragas sehen, wie sie ihr Leben fristen. Die jüngste hat jetzt von ein. n reichen ser­bischen Grundbesizer zu einer Vortragstournee über das ser­bische Königsdrama einen größeren Betrag erhalten. Die Vortragstournee soll in Berlin beginnen und sodann über Budapest nach Wien und Paris sich erstrecken.

Die verbotene Hige. Ein nettes Stücklein behördlicher Findigkeit wird aus Lissabon gemeldet. Dort herrschte in boriger Woche eine afrikanische Hize. Auf den Spazier­wegen fielen die Vögel tot von den Bäumen, und Leute, die sich gegen Mittag auf die Straße wagten, setzten sich der Ge­fahr aus, von einem Gehirnschlag getroffen zu werden. Der­artige Zustände waren natürlich der hohen Obrigkeit sehr unangenehm, und so verbot denn die Zensur den Zeitungen, Nachrichten über die Hize zu bringen. Nun merkte sie nie­mand mehr.

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Gewissensqualen eines unglücklichen Schüßen. In München mußte ein Reservist des 13. Infanterieregiments wegen Spuren von Geistesstörung vom Dienst entlassen werden. Der Unglückliche hatte bei einer Felddienstübung aus Unvorsichtigkeit seinen Vordermann mit einer Play­patrone erschossen und machte sich nun Gewissensbisse, die schließlich seinen Geist zerrütteten.

Tangen Jahren eine Vertrauensstellung bei der bekannten Ge­treidefirma Kempner u. Komp. bekleidete, wurde nach Verun­treuung von 200 000 Mark flüchtig. Er fälschte seit lange zu gleicher Zeit wurde wegen Ur­Börsenschlußscheine. fundenfälschung und Depotunterschlagung der Rendant Geh­randt der Genossenschaftsbank Berliner Restaurateure" ber­haftet.

Eine erschütternde Familientragödie spielte sich in Ber­lin ab. Die 39 jährige Ehefrau des Webers Vließ vergif­tete sich und ihr Töchterchen Erna mit Cyankali. Ein Ver­such, auch ihre Söhne im Alter von 12 und 8 Jahren zum Nehmen des Todestranks zu veranlassen, mißlang ihr. Den Grund zu der furchtbaren Tat bildet die Untreue ihres Gat­ten, der sie um eines zwanzigjährigen Mädchens willen ver­lassen hat.

Bunte Chronik. Der Kaiser ließ Mannschaften und Offi­zieren der in Brieg garnisonierenden Regimenter Nr. 156 und 157 seinen Dank für ihre Bravour bei der Hochwasser­katastrophe in Schlesien aussprechen.

-Die Leichen der drei Opfer des Dampferzusammenstoßes bei Stettin sind aufgefunden und geborgen worden.

- Wegen Soldatenmißhandlungen in 576 Fällen wurde der Unteroffizier Dunkel vom 17. Regiment( Mörchingen) in Anklagezustand versetzt.

Der Kaiſertraum eines Millionärs. Die spanische Ne­zierung hat sich durch die abenteuerliche Fahrt des Pariser jungen Millionärs Lebaudy, der, wie erinnerlich ,,, König Der Sahara" werden wollte, so aufregen lassen, daß sie ein Kriegsschiff entsandt hat, um ihn zu überwachen. Die Herren Spanier haben mit ihrer Vorsicht diesmal das Nachsehen. Nicht, als ob Lebaudy sein Kaiserreich schon gegründet hätte, nein, der Traum seiner Herrschaft über die heißen Sand. hügel der Sahara ist schon zu Schaum geworden. Lebaudy hat nach einer Meldung aus Paris endgiltig darauf ver­zichtet, mit Szepter, Hermelin und Krone unter Palmen einherzuwandeln und ist zu Schiff nach Frankreich abge­reist. Dort erwartet ihn außer der kleinen Kostenrechnung Don etwa 200 000 Franken auch eine gelinde Auseinander­jegung mit den Behörden. Wie es heißt, will Herr Lebaudy seinen Tatendrang, wahrscheinlich, um sich von seiner tro­pischen Expedition abzukühlen, dem Bau eines phänome­nalen Unterseebootes zuwenden.

In Tetschen a. G. wurde der Mädchenhändler Gustav Presse verhaftet, als er mit einer Anzahl junger Böhminnen nach Hamburg abreisen wollte.

In Paterson( New Jersey) zerstörte ein Cyklon 20 Häuser, tötete 4 und verlegte 100 Personen.

Vermischtes.

+[ Onkel Kaiser.] Von der Nordlandsfahrt des Kaisers erzählt die in Bergen erscheinende Annonce Tidende" eine hübsche Anekdote. Der Kaiser besuchte auch diesmal wieder mit dem Grafen Moltke die Villa Eriksen bei Layevaag, deren Besitzer er von früheren Reisen her fennt, doch traf er den Hausherrn, da er unangemeldet kam, nicht anwesend. Der Kaiser blieb trotzdem, ungezwungen plaudernd er ver­steht und spricht ziemlich gut norwegisch in der Villa und nahm als Erfrischung einige Glas Fruchtwein an, von dem er behauptete, er schmecke ihm schöner als der kostbare Wein, den er täglich bei der Tafel an Bord seines Schiffes vor­gesetzt erhalte. Einen kleinen zweijährigen Knaben der Familie, der sich anscheinend bei dem Onkel Kaiser" sehr wohl fühlte, nahm er auf den Schoß und fragte scherzend, was er denn einmal werden wolle. Kaiser!" war die prompte Antwort.-- Und in welchem Lande denn?" " In Deutschland!" Das mag schon möglich sein, wenn

Ein Eisenbahnfönig als Gast unseres Kaisers. Der ve­kannte amerikanische Milliardär Cornelius Vanderbilt traf gestern, an Bord seiner Jacht Northstar", von Petersburg kommend, auf der Rhede von Danzig ein und begab sich zunächst nach dem Danziger Hof", wo ihm die sogenann ten Kaiserzimmer reserviert wurden. Hier fand ein De jeuner zu zwölf Gedecken statt. Nach Aufhebung der Tafel fuhr der amerikanische Dollarfürst auf Einladung des Kai­sers zur Besichtigung des Hochschlosses nach Marienburg. Als Begleiter ist ihm der Regierungsrat Korn beigegeben.

dort der Kaiser auf Reisen gegangen ist", versezte der Monarch lachend. Lange blieb der Kaiser vor seinem Bilde stehen, das er in kostbarem Rahmen vor Jahren der Familie geschenkt hatte. Launig bemerkte er, daß an dem Bilde der Rahmen das schönste sei. Frau Eriksen erwiderte ab­wehrend: Wenn man dies auch von vielen Bildern sagen könne, so treffe es doch im vorliegenden Falle nicht zu. Beim Abschied ließ sich der Kaiser das Versprechen geben, daß ihn die ganze Familie Eriksen bei der Rückfahrt der Hohenzollern" an Bord besuchen werde.

A[ Der größte Wald in Preußen] ist, wie gelegentlich der staatlichen Prämiierung eines 16jährigen Jägerburschen, der einen gefährlichen Wilderer eingefangen hat, fonstatieri wird, die Johannisburger Heide. Sie umfaßt eine Fläche von 96 445 Hektar, die von 20 Oberförstereien bewirt­schaftet wird. Die Nominter Heide, in der der Kaiser jagt, ist nur 19 578 Hektar groß und wird von vier Oberförstern bewirtschaftet. Den Wilddieben ist in der umfangreichen Heide sehr schwer beizukommen, und daher ist das Interesse begreiflich, das die Nachricht von der Ergreifung des Wil­derers, und noch dazu durch einen 16jährigen Forstlehrling, allgemein wachrief. Die Regierung schenkte dem Jäger­burschen ein neues Gewehr für 180 mt., 100 Mt. bar und stellte ihm eine vierjährige Vordatierung in Aussicht, wenn er dem staatlichen Forstdienst sich endgültig widmen sollte.

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[ Das verhüllte Bismarckdenkmal.] Aus Heilbronn werden Postkarten versandt, auf denen eine sonderbare Denk­malsansicht prangt. Es ist eine durch Leinwand dicht ver­hüllte Bismarckstatue. Darunter steht gedruckt zu lesen: Das Bismarckdenkmal in Heilbronn das irgend einmal enthüllt werden soll." Seit sieben Monaten nämlich schon harrt Bismarck in Heilbronn des Augenblicks, wo er aus seiner Leinwandhülle ans Tageslicht treten darf. Es fehlt nämlich noch an dem Enthüllungs- und Ausschmückungs­kostenbeitrag der Stadt, über den sich, wie es scheint, die bortigen Stadtväter nicht einigen fönnen.

Leo XIII. und die Malerei.] Unter den vielen ver. bürgten und unverbürgten Anekdoten, die zur Zeit über ben Papst kolportiert werden, ist die folgende köstlich durch thren frischen Humor. Ein französischer Maler hatte die Erlaubnis erhalten, den Papst zu malen, eine Erlaubnis, Die Leo XIII. regelmäßig gewährte. Das Bild fiel sehr unähnlich aus. Als der Maler den Papst um eine Unter­schrift bat, schrieb Leo XIII. die Worte aus der Auf­erstehungserzählung unter das Bild: Entsetzet Euch nicht! Ich bin es."

[ Der älteste Organist in Deutschland] will sein Amt niederlegen, weil er sich nicht mehr kräftig genug fühlt. Es ist der Kantor Grabowski an der Kirche zu Marienburg, der kürzlich sein 90. Lebensjahr vollendet hat.

** Kaufmannslehrlinge von heute. Der Name Lehrling" verliert im kaufmännischen Beruf immer mehr den Sinn, den er von Haus aus haben soll: daß sein Träger zu seiner gründlichen Ausbildung im kaufmännischen Hause lernt. Auch in der Provinz gewinnt unter dem nivellierenden Ein­sluß des heutigen Riesenverkehrs die in Großstädten seit langem schon eingeführte Marime immer weitere Herrschaft, namentlich in sogenannten besseren" Geschäften, daß der Lehrling in der Hauptsache schon ausgebildet sein soll. Der Kaufmann der Vorzeit unterwies seinen Lehrling in der faufmännischen Korrespondenz und Buchführung, unter­richtete ihn im Rechnen, nach Bedarf auch im Schönschreiben, bis er ein gut ausgebildeter Kaufmann wurde. Der Chef" von heute hat dazu keine Zeit mehr. Der Lehrling muß das alles schon kennen. Er muß die kaufmännische Korrespon­denz und Terminologie schon verstehen, muß in der einfachen und doppelten Buchführung ausreichend bewandert sein, eine schöne Handschrift haben, das kaufmännische Rechnen einschl. der Waren-, Zins-, Wechsel-, Effekten-, und Konto­forrentrechnung mit Sicherheit beherrschen, außerdem steno­graphieren und mit der Schreibmaschine schreiben können. Denn der Kaufmann sagt ihm: In unserem Geschäft haben wir teine Zeit, Ihnen das beizubringen, in der Hauptsache müssen Sie das wenigstens schon alles können; wir sehen nur unsere Aufgabe darin, Sie weiter darin auszubilden." Selbst die sogen. Kontorpraris" muß der Lehrling schon erlernt haben, er muß z. B. Frachtbriefe ausfüllen, mit Bestell- und Lieferscheinen, Quittungen, Anweisungen, Einkaufs- und Verkaufsrechnungen umgehen können, muß wissen, wie das Klage- und Mahnverfahren betrieben wird, wie man Zoll­deklarationen, Bostanweisungen und Postaufträge abfaßt, Paketadressen schreibt u. s. w. Er muß die Wechselkunde er­lernt haben, auch Wechsel und Briefe zu kopieren verstehen, und je nach dem Geschäft, in welches er eintritt, auch die besondere Buchführung für Baugeschäfte, Banken, Fabriken und Versicherungen sich zu eigen gemacht haben. Damit gehi Hand in Hand, daß der Prinzipal viel zu frühzeitig an­fängt, dem Lehrling, der vielfach auch schon ein kleines Ge­halt" erhält, während er früher Lehrgeld bezahlen mußte, berantwortungsvolle Aufträge zu erteilen, ihn mit dem In­tasso zu betrauen u. s. w. Wenn dann des Jungen noch nicht gefestigter Charakter der dadurch hervorgerufenen Eitelkeit und Großmannssucht unterliegt, ist es eben sein Schade, der Lehrherr hat keine Zeit, sich um die Moral des ihm anver. trauten Böglings zu kümmern. Das alte Vertrauensver­hältnis zwischen dem Lehrling und seinem Prinzipal ist ganz geschwunden. Der Lehrling tritt wie der Kommis früh mor. gens zum Dienst an und verläßt abends das Lokal, um nach Hause oder anderswohin zu gehen wohin, ist dem Ches ganz gleichgültig. Mögen die jungen Leute" treiben, was sie wollen, wenn sie nur ihre Arbeit tun.

Der Festungsbauer von Europa gestorben. Aus Brüssel kommt die Kunde, daß dort der belgische General Henry Alexis Brialmont verschieden ist. Brialmont war, wiewohl er nie persönlich an einem Kriege teilgenommen, von allen praktischen Heerführern gleich hoch geachtet und in einem gewissen Sinne auch gefürchtet. Er repräsentierte den Sieg neuer technischer Ideen über althergebrachte Regeln der Kriegführung. General Brialmont war näm­lich der Schöpfer des modernen Befestigungswesens, und wie einstens in ganz Europa Festungen nur nach dem System des Franzosen Vauban gebaut wurden, so sind heute die Prinzipien des Belgiers Brialmont für die Anlage jener Befestigungen, bei denen der Mangel der geschlossenen En­ceinte von Mauern und Wallen charakteristisch ist, in der ganzen Welt maßgebend. Für Mauern und Wälle hat er den Ersatz von strategischen Linien eingeführt, die an ge­eigneten Punkten durch detachierte Werke verstärkt werden, Bauten von einem viel kleineren Unfange, als es früher üblich war, und in denen der Panzerturm eine Hauptrolle spielt. Die von der Kriegführung zur See aufs Land ver­pflanzte Idee ist seit den Sechzigerjahren, wo sie zuerst An­wendung fand, auf das mannigfachste ausgestaltet worden. Drehbare, versenkbare und schaufelnde Panzertürme stehen jezt in Verwendung, Panzerbrustwehren, kleinere Panzer­schilde, fahrbare Panzerlafetten, und als dernier cri in dieser Entwicklung der aus dem südafrikanischen Kriege be­kannte Panzerzug, dem sich jetzt auch das gepanzerte Auto­mobil anschließt.

Unterschlagungen und kein Ende. Die Berliner Ge­schäftswelt wurde schon wieder durch eine große Unterschla­aunasaffäre erschreckt. Der Kassierer Morib Levn, der seit

[ Der Toast des Alkoholgegners.] Der Sekretär des Königs Eduard von England hat ein eigenartiges Bittgesuch zu beantworten gehabt. Ein Marineoffizier bat den König um eine Kabinettsordre darüber, daß es nicht nötig sei, beim Trinkspruch auf Se. Majestät in Wein Bescheid zu geben. Der Sefretär antwortete, des Königs Ansicht nach sei es gleich, ob in Wein oder Wasser des Herrschers Gesund­heit getrunken werde, eine Kabinettsordre zu erlassen, sei jedoch keine Veranlassung. Daß ein englischer Marineoffi­zier dem Alkohol gänzlich abhold ist, ist ein blaues Wunder. Gerade in der englischen Marine herrschen sonst recht aus­schweifende Trinksitten.

[ Die Stadt der Selbstmörder und Totschläger] in Deutschland ist nach dem jüngsten Monatsbericht des dor­tigen Statistischen Amtes Mannheim. Auch 1902 wieder famen dort 0,49 Fälle von gewaltsamem Tod, ausschließlich Selbstmord, auf 1000 Einwohner vor, eine Ziffer, die in den nach dem System Bertillon berichtenden deutschen Städ­ten nur von Essen um ein geringes überschritten wurde. Nach der Ziffer der Selbstmorde stand Mannheim mit 0,42 Prozent überhaupt an erster Stelle. Sehr ungünstig ist außerdem die Stellung Mannheims hinsichtlich der Todes­fälle an Tuberkulose und Kindersterblichkeit( namentlich in­folge Brechdurchfälle).

[ Der galante Gendarm.] Eine nette Boltsszene von der legten großen Pariser Truppenrevue erzählt das Petit Journal": Während man in Longchamp auf die Ankunft des Präsidenten der Republik wartete und die Menge schon etwas ungeduldig zu werden anfing, pflückte ein Gendarm mit weißem Schnurrbart am Ufer eines kleinen Teichs eine Gänseblume und zupfte dann, an eine Pappel gelehnt, Blätter aus. Von jenseits des Teiches rief ein Mädchen lachend herüber: Sie liebt mich! Sogleich tönte es von ver­schiedenen Seiten: Klein wenig! Von Herzen! Mit Schmerzen! Fast gar nicht! Der Gendarm wurde rot, wie das Band, an dem sein Kreuz der Ehrenlegion hing, aber er lachte ebenfalls, 30g seinen Zweimaster ab, zeigte dem Mäd­chen die Blume, an der nur noch ein Blättchen blieb, und sprach galant: Ueber alle Maßen! Die Menge brach in lauten Jubel aus und ließ ,, Pandore"( Spitzname für die Gendarmerie) hochleben.

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[ Berliner Wippchen] werden der Tgl. Rdsch. von einer Leserin mitgeteilt. Berliner in Rom. Alsc Sie waren heut in Tivoli? Dann haben Sie gewiß aud die herrliche Villa Adriano besucht?"" Ne! wissen Se, so mir nichts dir nichts in ander Leuts Villen jehen, w man die Besizer so jar nich kennt, des is nich jedermanns Sache. Da sind mein Mann und ich Ihnen ville zu feine zu." Vom Luftdruck. Lehrerin: Aber, Jettchen, du siehst ja wieder so blaß aus! und viel zu klein für dein 8 Jahre bist du auch..." Jettchen( rasch einfallend): " Des kommt bloß, weil wir nach Berlin gezogen sind, Frü her wohnten wir in Reinickendorf. Da war viel bessere Luft, sagt Mutter, un da war ich auch immer viel jrößer!" - Der kleine Pessimist. Vater( zu seinen acht klei nen Kindern): Nun spielt heute recht leise und artig, liebe Kinder. Mama hat sich eben wieder hinlegen müssen, sie hat ihr Kopfweh; aber Nachmittag geht sie deshalb dock mit euch spazieren."-Karlchen( erleichtert aufatmend): Na, das is man gut! ich dachte schon, es würde wieder mal iner von uns geboren."

Kunft und Wiffenfchaft.

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RD. Dichterehrung. Dem bekannten Schriftsteller und Dichter Detlev v. Liliencron ist neben seiner Offizierspension ein fönigliches Gnadengehalt von 2000 Mark überwiesen wor­den. Dies ist der zweite Fall der letzten Zeit, daß einem Dichter ein Ehrensold zuteil wird. Kürzlich erst verlieh Ham­burg dem Dichter Falke eine solche von 3000 Mark jährlich. FD. Das wahre Eldorado will der Engländer Benjamin Taylor entdeckt haben. Er vermutet es in dem See Gua­tavita, 9000 Fuß über dem Meeresspiegel, im Hochland von Bogotá belegen. Hier wurde, wie er berichtet, der Kazit bon Guatavita mit einer klebrigen Substanz bedeckt, auf die Goldstaub gestreut wurde, und diese goldene Bedeckung bil­dete seine Bekleidung, wenn er die Opfer vollzog. Der Ausdruck El Dorado" bedeutet danach der Goldene" oder der goldene Mann" und nicht die goldene Stadt", wie man gewöhnlich meinte. Der Kazit von Guatavita, der eine Armee von 30 000 Mann hatte, herrschte dort über mehr als eine Million Menschen. Der See, der auf dem Gipfel eines kegelförmigen Berges gelegen ist, wurde von ihnen als der Sitz ihrer Schuhgottheit betrachtet, der sie zweimal jährlich opfern zu müssen glaubten. In der Mitte des Sees angelangt, bestrichen die Häuptlinge den Kaziken und bepuderten ihn verschwenderisch mit Goldstaub. Auf ein gegebenes Zeichen wandte sich nun das Volk mit dem Rücken zum See und im Augenblick, wo der Kazik untertauchte, jauchzten sie und schleuderten so weit wie möglich ihre eigenen Opfergaben über die Schulter in den See. Darauf kam der Kazit an das Land und kehrte in seine Hauptstadt zurück, in derselben Art, wie er gekommen war, und überzeugt, daß die Sünden, die von ihm und seinem Volk während des legten halben Jahres begangen worden, jetzt gefühnt seien. Durch diese halbjährliche Spende müssen natürlich allmählich außerordentlich wertvolle Schäße in dem See aufgehäuft worden sein. Man hat ihren Wert auf Hunderte von Mil. lionen geschätzt. Eine Aktiengesellschaft hat sich gegründet, um den See trocken zu legen.

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