Faschings- Nummer.
Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Bfg, in's Haus gebracht 60 Big., burch bie Boft bezogen biertel jährlich m. 1.50.
Grattebellagen: Oberbeffifche Familienzeitung( täglich) Oberbeffifche Beitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Berttagen nachmittags.
Dienstag, den 24. Februar 1908.
Gießener
12. Jahrgana.
Jusertionsprei 81 Die einfpaltige Petitgeile für Gießen wie ganz Oberbeffen, die Kreise Weslar und Marburg 10 Pfg. font 16 Big.: Reklamen die Petitgeile 39 resp. 40 fs.
Bostzeitungslifte No. 8800.
Redaktion und Expedition: Steken Rexenweg 28. Fernsprechaniching Ar. 369.
Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Beitung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
Beraatwort ich: für die Politik der kleine Nat; fi's Lokale: der 2000ste Student; für die Jaferate: der Inserent selbst.
Die amerikanische Gefahr.
In Washington fand die Grundsteinlegung zu der neuen Heeres- Striegsschule state in Gegenwart des Präsi denten Roosevelt, der Minister, der übrigen Behörden und ausländischen Vertreter. Präsident Roosevelt hielt dabei eine Rede, in welcher er ausführte, daß die Errichtung des Gebäudes einen großen Schritt bedeute bei der Sicherstellung der Wehrkraft des Heeres und das Gesey betreffend Schaffung eines Generalstabes ergänze. Der Lauf der Ereignisse habe die Nation in die Stellung einer Weltmacht getrieben. Die Nation have B.rpflich ungen im Westen und Often, könne ihnen aber nicht gerecht werden, wenn ihre Stimme nicht machtvoll eintreten könne für bie Sache des Friedens un der Gerechtigkeit, und diese Stimme fönne den Schutz für jene Verbindlicht i en nicht auf sich nehmen, wenn nicht deutlich verstanden werde, baß die Vereinigten Staaten den Frieden wünschen, nicht in dem Sinne eines schwächlichen Feiglings, sondern mit bem sicheren Selbstvertrauen eines gut gerüsteten Mannes. Das Bolt beginne zu verstehen, daß die Armee ebenso wie die Marine in dem Kriege in dem Maßstabe ihre Schuldigfeit tun werde, wie sie im Frieden dazu vorbereitet sei, aber Amerita habe das Recht zu erwarten, daß sie den höchsten Grab von Tüchtigkeit, den irgend eine Armee ber zivilisierten Welt besize, aufweise.
Das sind stolze Worte, die beweisen, daß der Leiter der amerikanischen Politik mit Stolz durchdrungen ist über die hervorragende Rolle, die der Union in unseren Tagen auf dem Welttheater beschieden ist. Speziell wir Deutsche haben allen Grund, dieser genal igen e pan i.cu Macht gegenüber uns die vorteilhafteste Stellung zu sichern. Ueber diesen Punkt gehen uns von unserem Berliner CB. Mitarbeiter folgende beachtenswerte Ausführungen zu:
Der neue deutsche Gesandte in Washington, Baron Speck von Sternburg, hat dem Berichterstatter eines Berliner Blattes mitgeteilt, daß er nach Amerika gegangen sei, um die freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Staaten zu pflegen. Wenn ihm diese Aufgabe gelingen würde, so hätte er sich den Dank der Nation verdient, denn, wie die Dinge liegen, in nächster Zukunft wird das Verhältnis zwischen Amerika und Europa maßgebend sein für das politische Leben der Völker. Nur darf man nicht glauben, daß derartige rea.e Dinge mit dem Herzen und Sem Gefühl entschieden werden. Wäre das der Fall, dann hätten die Amerikaner allen Grund, sich an Deutschland anzulehnen. Uns verdanken sie viel, wenn nicht alles. Die Engländer waren ursprünglich ihre Lehns, erren. Die Amerikaner sind erst eine Nation, seitdem sie die englische Herrschaft abgeschüttelt haben. Das wäre nie geschehen, wenn die Bevölkerung nicht mit germanischen Elementen durchsäuert worden wäre. Als dann die Befreiungskriege geführt wurden, da waren es wiederum die deutschen Freiwilligen, die sich in feuriger Begeisterung an die Seite ber Amerikaner stellten. Und, wie wenn das Schicksal Amerikas mit dem Deutschtum verquickt werden sollte, hat nicht etwa das Verhalten der hessischen Truppen, di: auf englischer Seite fochten, den ganzen Krieg entschieden? Die englischen Soldaten fochten ohne Energie und ohne Geschick, aber die armen Verratenen aus Kurhessen, die ein unmenschlicher Landesfürst an England verkauft hatte, waren die Löwen des Krieges, die einzigen, die den Ameritanern Niederlagen beibrachten und Furcht einflößten. Als bei den Hessen nach einem langen Winterlager das auj das leichte Leben hinneigende Naturell durchbrach und durch eine Niederlage, bei der auf amerikanischer Seite
sehr viele deutsche Truppen und Offiziere fochten, der Bann der Amerikaner gewichen war, da erst trat in jenem anfangs hoffnungslosen Befreiungskriege der Wendepunkt ein. Was hat General v. Steuben als Soldat, was hat Karl Schurz als Staatsmann, was hat der aus der Wies badener Gegend stammend: Rockefeller als Stratege des Handels und Gustav Schwab als Stratege der Produktion für Amerika getan! Aber das alles hat bei dem Spiele der Völkerinteressen kein Bedeutung. Wir werden gut mit Amerika stehen, wenn wir uns in Politik und Handel nicht die Wege freuzen. Eine politische Begegnung ernſterer Art wäre nicht zu erwarten, wenn nicht der gesamte Erdball der Schauplatz der politischen Betätigung und wenn nicht Amerika start im Angriff wäre. Nach Beendigung des chinesischen Konfliktes hat sich gezeigt, daß die neue Welt entschieden darauf ausgeht, sich in der neuesten Welt der heraufdämmernden östlichen Zivilisation einen festen Halt zu schaffen. Allen europäischen Unternehmungen gegenüber, in China festen Fuß zu fassen, hat Amerika im geheimen einen heftigen Widerstand ent gegengesezt. China hatte in jener Zeit für alle seine Ränte und Schliche eine Teckung an Amerita, das durch eine Begünstigung der Dynastie festen Fuß im Lande fassen will. Weiterhin hat Amerita offenkundig die Absicht, jede europäische Vorherrschaft in der Nähe seines Gebietes zu beseitigen. Spanien ist bereits hinausgedrängt, Auf Jamaica und in Australien predigt der amerikanische Dollar bereits die Auflehnung gegen England. In Süd
amerita aber beansprucht... ita bereits ein Schieds richteramt und beobachtet eifersüchtig die von europäischer Seite angeknüpften Handelsverbindungen. Im Handel aber ist es durchaus aggressiv. Fremde Einfuhr schließt es durch hohe Einfuhrzölle aus. Den europäischen Markt bedroht es, inden es dort unter Wert verkauft und indem es alle Verkehrsmittel in feine Hand bringt. Morgan hat die englischen und deutschen Schiffahrtsgesellschaften an seine Unternehmungen angegliedert, die Eisenbahnen beherrscht er bereits, und die Küstenschiffahrt sucht er zu vertrusten. Was heißt das in Wirklichkeit? Er kann die amerikanische Ausfuhr billig an die Häfen bringen, und er kann die europäische Einfuhr erschweren, indem er die Frachten der Küstenschiffe und der Eisenbahnen für deren Süter erhöht. So sehen wir, wo wir Amerika auch beobachten mögen, überall eine feindliche Tendenz der Amecikaner gegen Europa. Baron Speck v. Sternburg hat also unter schwierigen Verhältnissen sein Amt angetreten. Um so erfreulicher wäre es, wenn er seine Aufgabe zur Zufriedenheit von Kaiser und Reich lösen würde.
265. Sigung.
Deutscher Reichstag.
Eigener Berisht. Die Kranken- und Irrenhäuser.-
Der Reichstagsabg. Antrick hot sich bekanntlich eine genaue Ueberwachung der Kranken und Irrenhäuser als Spezialaufgabe seiner öffentlichen Tätigkeit ausgewählt, und ließ deshalb seiner früheren Rede im Berliner Stadtverordnetenkollegium eine mehrstündige Reichstagsrede folgen, in der er folgende Beschwerden verbrachte: 1. die Krankenhäuser sind überfüllt, 2. das wissenschaftliche und technische Personal ist unzureichend und 3. die Behandlung der Kranken ist durchaus unangemessen. Er machte für alle Mißstände, die ihm gemeldet sind, den Staats ekretär Grafen Posadowsty verantwortlich, der aber mit großer Entschiedenheit betonte, daß die Kranken- und Irrenhäuser in Deutschland aus einer hohen Stufe stehen und daß er unmöglich für alle Einzelheiten verantwortlich sein könne. Schließlich gab er einen Ueberblick über den Stand der Erhebungen über Infektionskrankheiten. Abg. Schrader glaubt bei aller Wertschätzung des Wortes aus dem Munde des Staatssekretärs, daß die Qualifikation des technischen Personals sorgfältiger geprüft werden sollte. Der bekannte Abg. Hoffmann- Hall, der sich inzwischen von seiner Friedensrede erholt hat, besprach die Zustände bei den Krankenkassen. Während dieser Rede war die Rechte völlig abwesend, vom Zentrum waren drei Mann da; im ganzen sind einschließlich des Präsidiums, genau abgezählt, zwei Dutzend Abgeordnete im Saale. Der greise Abg. Dr. Langerhans sprach ebenfalls vor leeren Bänken und zwar behandelte er das Institut der Krankenschwestern, er macht dann auf die Zustände bei der Berliner Rettungsgesellschaft aufmerksam. Der Abg. Singer unterstüßt die Beschwerden des Abg. Antrick, ebenso der Abg. Lenzmann, der namentlich darüber Klage führt, daß der Dezernent für die Krankenund Irrenanstalten der Verhandlung nicht beiwohnt. Abg. Sachse( Soz.) begründet die von ihm beantragte Res Intion betr. Maßnahmen gegen die Wurmkrankheit.
Handelsminister Möller erklärt, daß der beste Schutz gegen die Wurmfrankheit in peinlichster Sauberkeit der Bergarbeiter bestehe und teilt mit, daß eine gemischte Kommission das Ruhrgebiet bereisen werde, um die Úrsachen der Krankheit festzustellen und ihr entgegenzuwirken.
28. Sigung.
Preussischer Landtag.
Haus der Abgeordneten.
Eigener Bericht. - Das Programm des Eisenbahnministers.- Der Eisenbahnminister rechtfertigte in einer einge henden Rede die Beweggründe seiner vorsichtigen Ta rispolitik. Eine temperamentvolle Aenderung, so führte er aus, könne unter Umständen nicht blos den Eisenbahnetat, sondern den ganzen Staatshaushalt in Unordnung bringen. Auch müsse deshalb eine gute Einnahmeziffer erzielt werden, weil sonst die Anregung technischer Fortschritte und der Ausbau des Bahnnetzes in Frage gestellt werde. Schließlich bekannte er sich zu den Verwaltungsgesehen seiner Vorgänger v. Maybach and v.. Thielen. Die Parteien waren im allgemeinen mit dem wirtschaftlichen Teil seiner Ausführungen einverstanden, während eine Fehdeansage an die sozialdemokratischen Agitatoren starten Widerspruch hervorrief. Zum Schluß wurde die Kanalfrage berührt, wobei Minister Budde mitteilte, daß er hierüber gelegentlich der konservativen Interpellation Auskunft geben werde. Er erhielt denn auch von der Linken die Zusicherung, daß er noch Schonzeit genieße. Dann wurde die Sizung bertagt.
Geschichtskalender:
Erster Haus- Anschluß an die Kanalisation. 1905. Gießen wird mit Klein- Linden eingemeindet. Die Bürgermeister von Wieseck, Heuchelheim und Lollar erhalten Siz und Stimme im Städtebundparlament. Erfter Spatenstich für den Bentralbahnhof Gießen. Die Blasfrage für das neue Theater ist gelöst. tabtverordnetenfisungen von Gießen werden zu täglichen Sigungen erhoben.
1906. 1907
1908.
1909.
Die
Die elektrische Straßenbahn Gießens genügt den Anforderungen nicht mehr; es werden Automobil wagen eingestellt.
1910. Die Betriebsübergabe des Nordbahnhofs.
1911. 1912.
Das
Oftroi wird zu Recht bestehend aufgehoben, die Etadt erhält dafür jährlich aus der Staatskasse 3 mal 500 000 Mt. Entschädigung. Die Wieseck wird schiffbar gemacht.
Die Vieh- und Pferdemärkte Gießens werben auf Sonntags verlegt, damit mehr Rindvich aufgetrieben werden kann.
1999. Die Krameburg ift baufällig geworden und soll abgebrochen werden.
Standesamtsnachrichten.
Heute morgen 8 Uhr wurde im Neuenweg ein neuer Sprißling von Johannes Gutenberg aus der Taufe gehoben. Ta am Vorabend der U- berbrettl- Mensch v. Wolzogen hier gastierte, hat derselbe Patenstelle übernommen und dem neuen Weltbürger die Namen " Gießener Ueber Neueste Nachrichten"
gegeben.
*
Giessener Cagesneuigkeiten.
* Die Errichtung einer zweiten Landesuniversität soll nächste Fastnachten für Langs. dorf beschlossen werden. Söhne von Handwerkern, Professoren und Juden werden nicht zugelassen.
Auf allerhöchste Entschließung und Befehl des Brinzen von Hinterbach soll die Marktstraße mit geräuschlosem Asphalt geplastert werden. Die sämmtlichen Anwohner der Nebenstraßen haben das Handwertszeug und die Arbeiter zu stellen. Die Aufsicht führt der fleine Cohn.
Gießen, 24. Febr. 1908. Der Geheime
at.
* Ein sensationelles Brojekt wurde uns heute Morgen unter dem Siegel der Verschwiegenheit mitgeteilt. Da es aber von weitgehendster Bedeutung für unseren ganzen Verbreitungsbezirt ist, lassen wir heute einmal das Redaktionsgeheimnis Geheininis sein. Es hat sich nämlich ein großes Ronsortium gebildet, bestehend aus Gießener und Frankfurter Finanzleuten, welche von hier über Heuchelheim, Azbach und Dollar nach Wetzlar eine elektrische Straßenbahn bauen. Die Besichtigung des Geländes soll unserem Vernehmen nach schon morgen erfolgen. Der Berkehr soll besonders an Markttagen lebhaft sein. Zwed der ganzen Bahn ist die Brod, und Schweinefleischpreise mehr auszugleichen.
** Das Mainzer Polizeiamt hat in einer Bekanntmachung die Schloffer auf den§ 369 Biffer 1 des Strafgesetzbuches aufmerksam gemacht, der fie mit Strafe belegt, sobald fie ohne obrigkeitliche Anordnung oder Genehmigung des Inhabers einer Wohnung Schlüssel zu Zimmern 2c. anfertigen oder Echlöffer an denselben öffnen oder Nachschlüssel oder Dietriche verabfolgen. Darauf berlangt bie SchlosserInnung, daß man diese Bestimmung auch auf die Eisenhändler ausdehne, die vielfach Schlüffel verkaufen. ED lange nicht diese Ausnahmestellung der Eisenhändler beseitigt sei, werde eine Berminderung der Einbrüche mittels Nachschlüffel nicht eintreten.
** Biebungstage der im März stattfindenben Echlußzichung der Hessisch- Thuring. Staatslotterie sind wie folgt festgefest: 4., 5., 6., 9., 10., 12., 18., 14., 16., 17., 19., 20., 21., 23., 24. und 27.März.
Beitungsmarber. Men fann vielfach darüber Alagen hören, baß Beitungsnummern von der Tür weg, wo sie die Boten hingelegt haben, gestohlen werden, und viele Beschwerden von Abonnenten find auf solchen Tiebstahl zurückzuführen. Daß ein solches Bergeh n sehr hart gfiaft wird, geht aus einem in Dresden gefällten Urtet hivor Eine Aufwärterin hatte einem Feuerwehrmann fünft Beitungsnummern gestohlen. Sie erhielt fünf Monate Geängnis und dreif Jahre Ehrverlust.
Blap.
Wenn die Sache gelingt, versteht jeder, was das
zu bedeuten hat."
Buchstaben hin. zeigte ich auf benden über die Echulter. In einen Augenblick der Kopf NikoMüllers Hand zitterte nicht, er schrieb die genannten Schelm erhob sich und fah dem Schreiden Falten des Vorhan
ges
und
dem Bilde Alexanders Augenblicke hatte Nikolaus Popoff ganz leise die Tür geDas Porträt machte eine Wendung und legte ein in der Tür, um sich zu überzeugen, ob sie verschlossen war, Gardinen und Portieren fester zusammen, näherte fich befindliches geheimes Fach bloß. In demselben drückte auf eine Feder: 308
Mauer
öffnet:
Schelm.
,, Wie
zu erheben?"
wird
aber
der Miniffer
mich bevollmäch
ihn Geheimfonds eine so große Summe
tigen, aus jenem
Popoff unterbrach
hören.
Der Rendant
Kanzleichefs die
,, Exzellenz wollen die Güte haben, mich zu Ende zu
Bann
achtungsvoll.
zahlen, auf die Unterschrift wenn der miniſter
des
Hauptsache ist, die Nummer unserer Serie
ift da.
Und
zeigt. die ist doch da, verstehst du es angenehm, daß er nur die Serie genannt hatte und seine Frau an wie ein Kind, dem man ein schönes Spielgwan Dmitritsch lächelte breit und blöde und blickte Seine Frau lächelte ebenfalls; auch ihr war
sich
heilte, die
Nummer des glücklichen Loses zu


