Einzelbild herunterladen

Nr. 19.

Moonnement prets: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Bfg ins Haus gebracht 60 Pfa., burch die Poft bezogen viertel­fährlich Mr. 1.50.

Gratisbeilagen: Oberbeffische Familienzeitung( täglich) Oberheffische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obft- nud Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Freitag, den 23. Januar 1903.

Gießener

12. Jabraang.

Injectionspreis: Die einfbaltige Betitieile für Gießen wie ganz Oberbeffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 fg. fonft 15 Bfg.; Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 Pfa

Postzeitungsliste No. 3269.

Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28. Fernsprechanschluß Nr. 362.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Unabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

Umebung.

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen and Ume bung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und a derer Behörden von Oberhessen.

Kein Philifter...

ber­

Der Reichskanzler hat in einer der legten Reichs­tagssigungen die Aeußerung gebraucht, daß der Kai­ser eines sicherlich nicht sei, kein Philister. Das Wort mag etwas burschikos klingen, aber es wird nicht miß­verstanden werden. Denn unter einem Philister teht man ganz allgemein einen engherzigen Menschen, er nach beschränkten Gesichtspunkten Menschen und Dinge beurteilt und diesen Horizont bei der nächsten Umgebung chon endigt. Solch eine Persönlichkeit ist natürlich nie­nals im stande, das Wesen der Welt und die Ent­vicklung der Vorgänge in ihrem Zusammenhange zu be­greifen, wie es dem Kaiser mit Recht nachgerühmt wird. Unser Berliner CB.- Mitarbeiter schreibt dazu: Wenn der Kanzler von seinem kaiserlichen Herrn jedes Philister­um" ablehnte, so hat er am besten die Persönlichkeit Wilhelms II. gekennzeichnet. Tenn die impulsive und auf­nahmefähige Natur unseres Kaisers übt deshalb auf ille, die in seinen Streis treten, einen so mächtigen Zau­ber aus, weil er stets mit großem Maßstabe mißt und mit der Erkenntnis eines durchdringenden Verstandes urteilt. Er ist ein durchaus moderner Mensch, in sei­nem die verschiedensten Dinge umspannenden Inter­effe und abgeklärten Urteil. Namentlich auch darin zeigt sich die Größe seiner Persönlichkeit, daß er vor allen Dingen Deutschland im Rate der Völker die führende Stellung erhalten will. Deshalb baut er auf der einen Seite die Machtmittel des Staates, Herr und Flotte, aus; auf der anderen Seite fördert er auch die geistigen Waffen der Nation, durch Pflege der Volksbildung. Sein dem Modernen und Praktischen zugefehrter Geist hat er­faunt, daß nicht allein das lassische Altertum Quelle der Wissensschäße und der Erkenntnis für den gebildeten Teil der Nation sein könne, sondern daß man auch den realen Wissenschaften in unserem Zeitalter der Tech­nik und des weltumspannenden Verkehrs einen gleich­berechtigten Platz neben der humanistischen Geistesschu lung anweisen müsse. Seine Schulreform, deren Plan er soeben dem Präsidenten der Vereinigten Staaten über­wiesen hat, steht in einem leicht erkennbaren Zusam­menhange mit seiner ganzen Anschauung. Nicht minder aber hat er auch auf technischem Gebiete durch sein bekanntes Wort: ,, Wir leben im Zeitalter des Verkehrs" sein Verständnis für die Aufgaben der Gegenwart be­wiesen. So steht der Kaiser vor unserem Blid als der be wußte Führer einer zu großen Kulturaufgaben berufe­nen Nation, als ein Vorbild eifriger Tätigkeit und un­gesättigten Bildungs- und Wissensdranges, als ein Füh­rer im Kampfe um die Weltstellung, als der Monarch eines Volfes, in dem die Philister keinen Platz haben.

Deutscher Reichstag.

244. Sizung.

CB. Berlin, 22. Januar.

Nochmals die kaiserlichen Kundgebungen. Heute kam die schärfere Tonart der Cozialdemokratie ju Wort, nachdem vorgestern der versöhnlichere Abg. von 80II mar gesprochen hatte. Es we, te Sturm schon zu Beginn der Rede, die der Abg. Bebel hielt. Er nannte den jezigen Etat einen vollständigen Zusammenbruch; tie Aufwendungen für das Heer seien nicht zu billigen, ins­esondere nicht die Vermehrung der Kavallerie. Die gro­jen Rüstungen müßten notwendigerweise einmal zum Mladderadatsch führen. Der Reichsianzler möge sich doch much einmal darüber äußern, ob wirklich ein Telegramm bgegangen sei ,,, der Beherrscher der östlichen Meere grüßt en Beherrscher des Stillen Ozeans". Bezüglich der faiser­ichen Botschaft von 1881 und der sozialen Fürsorge des Staates sei er der Meinung, daß lediglich die Furcht

or der Sozialdemokratie alle diese Früchte gezeitigt habe. Auch die freundliche Haltung der jeßigen Regierung sei ediglich ein Produkt der Sozialdemokratie. Im übrigen vürde diese gegen eine Vorlage der Regierung bestimmt eine Opposition machen, nämlich gegen die Vorlage betr. Sicherung des Wahlgeheimnisses. Es sei übrigens eine Richtachtung des Reichstages ohne gleichen, wenn die Tin­en noch nicht eingeführt seien. In sehr scharfer Ausdrucks­veise besprach er dann die verschiedenen aiserlichen Kund­jebungen an die Arbeiter und über die Sozialdemocratic. Seine Rede streifte stellenweise die Grenze des Zulässi­Jen. Als Bebel einzelne Aeußerungen des Kaisers als ungehörig" bezeichnete, wurde er sogar von einem Zwi­chenruf auf der äußersten Linten überboten. Gemein­jeit" rief jemand vernehmlich. Wer ihn ausgerufen, ist icht festgestellt worden. Im wesentlichen charaltertierte Abg. Bebel den Standpunkt der Sozialdemokratie dahin, Daß diese Gegnerin der Monarchie aber nicht der Person Des Monarchen sei. Ueberdies seien die kaiserlichen Reden Der Sozialdemokratie von Rußen; er schäze jede Rede ruf 100 000 Stimmen Gewinn. Noch schärfer, wenn dies möglich war, als gegen den Kaiser, war er gegen den fronprinzen, von dem er u. a. sagte, was der junge

perr denn für Verdienste habe, daß er Mitglieder einer Partei von der Stärke der Sozialdemokratie als Elende bezeichnete. Das Wort fönne vielleicht einmal ein Ehren­iame werden, wie sich die Geusen den Bettelsack als Symbol gewählt und unter diesem Zeichen eine ehren­polle Stellung in der Weltgeschichte errungen haben. Wenn er sich mehr zurückhielte, lönnte das für die Zukunft des ünftigen Monarchen sehr förderlich sein. Er müsse hier eutlich sprechen, da in der Zeit des Byzantinismus ja och niemand das Wort ergreife. Ueberall Feigheit, alles friecht! So schloß Bebel seine dreistündige Rede.

Reichskanzler Graf v. Bülow nimmt sogleich, das Wort zur Erwiderung. Zu den Sozialdemokraten gewen et, fängt er an: Sie beklagen sich über den Ton, den Der Kaiser anschlägt, aber in welchem Tone sprechen Sie? Das beweist ein Zwischenruf, den ich nicht wiederholen mag und dessen Urheber wenigstens noch soviel Schamgefühl bekundet, daß er sich zu dem Ausdruck nicht bekennen will. Aber dieser Ausdruck kennzeichne die Tendenz der Sozial­Demokratie. Unausgesetzt werde in ihrer Presse, nament­ich im ,, Vorwärts" oder gar in der ,, Leipz. Volksztg." jegen die Monarchie gewühlt. Da sei es begreiflich, wenn Der Träger der krone mit Energie, eventl. sogar mit Schroffheit dagegen Front mache. Er trage kein Beden­en, die Persönlichkeit des Monarchen zu decken; er hoffe iber, daß die Mehrheit des Hauses wieder zu der früheren Bragis zurückkehren werde und den Monarchen möglichst ius dem Spiele lassen. So lange die Sozialdemokratie ich nicht dazu verstehen wolle, die Gegensäge zu mildern, rschwere sie den verbündeten Regierungen die auf die gebung der breiten Massen gerichteten Bestrebungen. Wenn der Abgeordnete Bebel gegen die Wahrung der Deutschen Ehre auftrete, so befinde er sich im Widerspruch nit der Mehrheit der Nation. Der Abg. Dr. Hasse( nat.­ib.) nahm zu den Erklärungen des Reichskanzlers eine ehr freundliche Stellung ein und charakterisierte das Ver­jältnis des Bürgertums zur Monarchie und plaidierte noch kurz für größere Auswendungen in der Na­ionalpolitik. Hierauf vertagt sich das Haus.

Die Politik.

Der Kronprinz am Zarenhof.

An dem Diner, das zu Ehren bes kronprinzen am Mittwoch Abend in der deutschen Botschaft zu Peters­burg stattfand, konnte der Kronprinz selbst wegen seiner Erkältung nicht teilnehmen. Die Großfürsten erschienen in der Uniform ihrer preußischen Regimenter. Droke fürst- Thronfolger hatte im letzten Augenblick abgesagt, da er das Diner mit dem Kronprinzen in dessen Zim­mer einnehmen wollte. Auch Graf Lamsdorff hatte sich entschuldigen lassen, weil er infolge von Erkrankung an Influenza nicht erscheinen konnte. Außer dem Groß­fürsten- Thronfolger speiste auch das Zarenpaar beim Kronprinzen in dessen Gemächern.

Die Kaisermanöver 1903.

Auf Ersuchen des Königs von Sachsen sind die Dis­positionen für die Kaisermanöver dahin geändert worden, daß sich das XII. Armeekorps nicht an den Manövern beteiligen wird. An seiner Stelle wird das IV. Armee­forps mit dem XIX. Armeekorps unter dem Oberkommando des Generals v. Hausen gegen das X. und XI. unter dem General v. Wittich manövrieren. Als Terrain ist die Gegend zwischen Merseburg nd Kassel gewählt. Das Haupttreffen findet in der Nähe von Ohrdruf statt, wɔ­mit gleichzeitig der dortige neue Truppenübungsplatz für das XI. Korps erprobt werden soll. Das Kaisermanöver beginnt Ende August.

Kurze politische Nachrichten.

* Die Einführung des zum Berliner Bürgermeister gewählten Regierungsrats Dr. Georg Reidke in sein neues Amt fand am Donnerstag Abend im Berliner Rat­hause statt.

* Bei der Reichstags- Ersazwahl für Meppen- Lin­gen- Bentheim wurde der Zentrumskandidat Enge­len mit großer Mehrheit gewählt.

* Die zur Ausbesserung der Lübeckischen Staats­finanzen vom dortigen Senat vorgeschlagene Geschäfts. steuer ist von der Bürgerschaft zum zweiten Mal abge­lehnt worden.

* 5000 englische Erbarbeiter will Herr Chamberlain in die südamerikanischen Minen schicken, wo bekanntlich großer Arbeitermangel herrscht. Bedingung dabei ist, daß Die Grubengesellschaften sich verpflichten, die gleiche Zahl zu beschaffen. Die Vertreter der Gesellschaften haben er­vidert, sie hielten es für zweifelhaft, daß ihre Ationäm ein solches Experiment machen würden.

San Carlos bombardiert.

CB. Gine Meldung, die nicht verfehlen wird, außer­ordentliches Aufsehen zu erregen, tommt aus Mara­caibo. Drei deutsche Kriegsschiffe, die Gazelle", biz ,, Vineta" und der Panther" haben am Mittwoch früh

bas Bombardement auf das Fort San Carlos eröffnet Das Fort San Carlos erwiderte das Feuer. Die Ka nonen des Forts gaben jede Minute einen Schuß ab; das Fort konnte vor Rauchwollen nicht gesehen werden, aber es war flar, daß die venezolanischen Artilleristen mit großer Geschwindigkeit schossen. Um 1 Uhr nach­mittags erfolgte eine Explosion, augenscheinlich in dem Fort, dichter Rauch stieg auf und verdeckte einen Teil der Wälle. Das Dorf San Carlos war bereits nach den ersten Schüssen der Schiffsgeschütze in Brand geraten und wurde bald vollständig eingeäschert.

Wie lange die Beschießung, die um 10 Uhr begann, gedauert hat, i st noch nicht bekannt; aus der Tatsache, daß nach der am Donnerstag ausgegebenen Schiffsliste die ,, Gazelle" von Maracaib nach Curaçao und von dort nach Puerto Cabello abgegangen ist, läßt sich aber schließen, daß die Beschiehung spätestens Mittwoch Abend beendet war. Von dem Fort wird wohl nicht mehr viel übrig geblieben sein.

So berichtet das Reutersche Bureau, und der Um­stand, daß das deutsche offiziöse Telegraphenbureau die Meldung ohne stommentar abbrudt läßt darauf schlie­sen, daß die Nachricht richtig ist. Selbstverständlich wird diese erneute Beschiehung, die offenbar zur Bestrafung des Forts für sein Feuern auf den ,, Panther" erfolgte, bei unseren guten Freunden in den Londoner und New­yorker Redaktionsstuben eine hochgrabige Entrüstung zu Tage fördern. Die eben erst abgetanen Lügen, Deutsch­land wolle die Friedensverhandlungen stören, werden wieder auftauchen, und das Geschrei wird sobald kein Ende nehmen.

Wie berlogen die ersten, von der gelben Bresse Ame­rifas mit grinsendem Behagen abgedruckten venezolani­gedauert hat, ist noch nicht bekannt; aus der Tatsache, daß der angeblich von den Kanonen des Forts San Carlos tampfunfähig gemachte Panther" vier Tage nach dem Eintritt dieser ,, Kampsunfähigkeit" sich an der Beschleung des Farts beteiligen tann.

Preufsilcher Landtag.

4. Sigung.

Haus der Abgeordneten.

CB. Berlin, 22. Januar. Vorbildung zum Berwaltungsdienst.

Im preußischen Abgeordnetenhause begann heute die Beratung über den Gefeßentwurf betr. Die Vorbildung der höheren Verwaltungsbeamten. Der Gesezentwurf trifft Bestimmungen über die Zeiten, die die Referendare beim Amtsgericht, bei den Verwaltungsbehörden und bei den Selbstverwaltungsbehörden zubringen müssen. Der Ent­wurf fordert dreijähriges Rechtsstudium, 9 Monate Be­schäftigung beim Amtsgericht und 3 Jahre 3 Monate Beschäftigung im Verwaltungsdienst. Der Minister des Innern Frhr. v. Hammerstein begründete den Ge­sepentwurf, der notwendig sei infolge der Vielgestaltigkeit unseres modernen Lebens und der Ausdehnung der sozia len Gesetzgebung und der Wirtschaftspolitik. Die jun gen Leute, die in die Verwaltung eintreten, müßten sich gründlich in diesen Fächern ausbilden. Der vorjäh­rige Entwurf erscheine jeßt in fast unveränderter Ge­stalt. Der Abg. Dr. Jderhoff( frk.) erklärte, seine, Bar­tei sei mit der Vorlage einverstanden, und beantragte die Verweisung an eine Kommission von 21 Mitgliedern. Abg. Traeger( freis. Vp.) meinte, daß die Ausbildung der Referendare beim Amtsgericht mit 8 Monaten zu lange dauere, 6 Monate würden genügen. Mit der Vor­bildung der Regierungsreferendare sollte schon auf der Universität begonnen werden. Bei der Annahme der e ferendare werde leider nicht immer auf die Befähigung gesehen, sondern au, Nebenumstände, Familie, Reserve offiziers- Qualität usw. Abg. Frhr. v. Richthofen( fons.) erachtete es nicht für riktig, daß das Studium der Juristen und Verwaltungsbeamten auf der Universität. zu trennen sei. Auch der konservative Redner erklärte, die jetzige Vorlage sei seinen Freunden sympathischer als die vorjährige, vorbehaltlich einiger Wenderungen. Etatt die Referendare in den großen Städten zu beschäf­tigen, sollte dies mehr in kleineren Städten geschehen, auch sollte das Jahr auf dem Landratsamt gefeßlich firiert werden. Mit der Verweisung an eine Kommission ist er einverstanden. Abg. Schweckendieck( natl.) sprach im allgemeinen sein Einverständnis mit der Vor­lage aus. Abg. Peltasohn( freis. Bgg.) wünscht die Einrichtung besonderer Seminare für Verwaltungsbeamte. Die Referendare müßten während der Ausbildung nicht nur beim Amtsgericht, sondern auch beim Rechtsan­walt und Staatsantoalt arbeiten. Auch eine Tätigkeit in Banten und großen Rhedereien sei zu empfehlen. Abg. 3. Savigny( Btr.) regt an, Referendare besonders tüch tigen Richtern zur Ausbildung zu überweisen, damit ie sich nicht bequeme Stellen aussuchten, wo sie nichts ernen fönnten.

Es sprechen noch die Abg. Frhr. v. 8edlig( ons.), Abg. Schmidt( Ctr.), Graf Moltte( frt.), dann wurde Die Vorlage an eine Kommission von 21 Mitgliedern ver­viesen. Nächste Sigung Sonnabend 11 Uhr.

Arme

Langfam

Tür eines Zimmers in der ersten Etage.

die Treppe hinauf, Mart mit

einem

James führte seinen Bater, nachdem er ihm den

Auf dem Kaminrost brannte ein fustiges Feuer, und Bink bedeutend, ihnen zu folgen, und öffnete dann die

Nein teil für ihn?" gewesen und

erfüllt d'rein!, Fürchten Sie

ein; aber

wohr

von

meiner Rückkehr Nach

er ist ängstlich und befümmert

Silhouetten von Detta.

Zwei Rokokofiguren.

Bollmondes stand

gartens. Er war ehedem Bart und Luftgarten eines deut

über den Baumgruppen des Schloß­

schen Kurfürster