Nr. 195.
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Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) Oberbeffische Beitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmitage.
Freitag, den 21. August 1903.
Gießener
12. Jahrgang.
Jnsertionsprei 8: Die einspaltige Petitzeile für Gießen we ganz Oberhessen, die Kreise Weßlar und Marburg 10 Pfg. forft 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.
Postzeitungsliste No. 3269.
Redaktion und Expedition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechanschluß Nr. 362.
Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeitung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
Bekanntmachung.
Durch Beschluß des Kreisausschusses vom 18. Juli 1. Js. ist der Ehefrau Anna Geisel dahier die Erlaubnis zur Ausübung des Gewerbes als Gesindevermieterin erteilt worden.
Die Gebühren derselben betragen:
1. Für Vermittelung eines Dienstboten an eine Herrschaft in Gießen 5 Mk.;
2. Für Vermittelung eines Dienstboten an eine Herrschaft nach auswärts 5 Mf.; wovon der Dienstbote jeweils 2 Mark zu entrichten hat. Gießen, den 19. August 1903.
Großh. Polizeiamt Gießen.
J. V.: Roth. Bekanntmachung.
Wegen Vornahme von Straßenarbeiten wird der Schiffenberger weg, zwischen Licher und Bergstraße von heute an bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr gesperrt
Gießen, den 20. August 1903.
Großh. Polizeiamt Gießen. J. V.: Roth.
O du mein Oesterreich!
* Wien, 19. August.
Die schwarzgelben Fahnen, die gestern an feinem öffent lichen und an feinem Privatgbäude fehlten, sind eingezogen und auch die Hofburg ist ohne Fahnenschmuck, denn der greis Kaiser Franz Josef ist nach Beendigung der Geburtstags. festlichkeiten nach Budapest abgereist, um die dortige Krisis zu einer Lösung zu bringen. Wie ein schwerer Schatten lag diese Frage auf der Feststimmung, die dadurch ein gewisses wehmütiges Gepräge erhielt. Aber ist es nicht auch für ein Menschenherz fast zu schwer, was dem greisen Kaiser beschieden ist? Häusliches Ungemach hatte er zu erdulden, wie fauni ein Sterblicher, und nun wird ihm die Kaiserfrone auch noch zur Dornenfrone. Wenn die Liebe eines Boltes über so viel menschliches Leid und irdisches Schicksal doch hinwegzutrösten vermöchte! Wie kaum in einem anderen, so wurden in diesem Jahre dem greisen Monarchen die heißesten Glück und Segenswünsche entgegengebracht, aber durch alle Kundgebungen der Liebe und Verchrung Klang die bange Sorge um die Zukunft durch. Besonders die Rede des Generalfeldzeugmeisters Baron Beck war auf diesen Ton gestimmt.
Freilich, die ungarische Frage, wie sie sich augenblicklich entwickelt hat, ist eine der größten inneren Strisen, welche die habsburgische Monarchie je erlebte. Die Magyaren, bei denen der Rasse- und Nationalgedante sich immer lebhafter entwickelt, rütteln immer deutlicher an der dualistischen Organisation. Sie wollen die deutsche Kommandosprache im Heere abschaffen und den Reichsadler von den Fahnen beseitigen, obgleich diesen auch das ungarische Wappen enthält, um ein nationales Heer zu schaffen. Das aber wäre der erste Schritt zur völligen Trennung von der anderen Reichshälfte. Diese Bestrebungen sind aber auch durchaus verfassungswidrig, weil dem Kaiser von Oesterreich das alleinige Bestimmungsrecht über die Armee verbleibt; Desterreich zahlt außerdem zu dem Unterhalt der ungarischen Armee einen jährlichen Zuschuß von 30 Millionen Kronen und hat dafür die Angliederung des ungarischen Heeres zu beanspruchen. Indes die Ungarn fragen nicht viel nach Verfassung und Recht. Gerade den Geburtstag ihres Königs haben sie dazu ausgesucht, um eine Demonstration gegen ihn in Szene zu setzen. Der Kriegsminister hat angeordnet, daß in Zukunft der Stephanstag als nationaler Festtag in der Armee gefeiert werde. Mit anderen Worten, nicht das lebende Oberhaupt der Monarchie, sondern die Tradition, das Andenken an den Stifter des Königtums, den heiligen Stephan, der vom Papste die eiserne Königstrone empfing, soll in der ungarischen Armee heilig sein.
Es ist ein wahrhaft tragisches Verhältnis, daß Kaiser Franz Josef in dem ungarischen Staate am Abende seines Lebens wieder ungefähr dieselben Zustände vorfindet, wie am Anfang seiner Regierung. Auch damals war die nationalmagyarische Richtung übermächtig geworden, und damals, wie heute, war es ein Kossuth, der gegen die habsburgiſche Monarchie auftrat, damals, wie heute, spielte die Regierungspartei mit den Gegnern der Monarchie unter einer Decke, und damals, wie heute ebenfalls, war das Heer vom Geiſte des Magyarentums erfüllt. Drei Daten fennzeichnen den Weg, den diese Politik nahm. Am 15. Dezember 1848 murde die Abdankung des Kaisers Ferdinand und die Thronbesteigung des jetzigen Monarchen für ungültig erklärt, am 14. April 1849 wurde von dem Reichstag zu Dobreczin beschlossen, die habsburgische Monarchie abzusetzen, und am 16. und 17. August unterwarfen sich die Ungarn den damals an der Grenze aufgestellten Russen. Ein selbständiges staatliches Leben zu führen, ist den Ungarn bei ihrer Lage also nicht möglich; wir sehen sie stets in einem Abhängigkeits- oder Schutzverhältnis zu dem Deutschtum, dem
Slaventum, oder, wie es 12 Jahrhunderte lang der Fall war, unter dem Türfentum. Stehen aber die Ungarn unter dem Einfluß eines außerdeutschen Völkertums, dann sind sie stets eine Gefahr für Westeuropa gewesen. Das gibt dem augenblicklichen Konflikte seine eigentliche Bedeutung. Kaiser Franz Josef hält die Fahnenwacht für das Deutschtum und die westeuropäische Kultur. Da er die unglückseligen Folgen einer Erstarfung des Magyare Jums während seiner eigenen Regierungstätigkeit in den Feldzügen und wechselvollen Schicksalen Ungarns fennen gelernt hat, so ist er entschlossen, in der Armeefrage nicht nachzugeben. Deutsch bleibt die Kommandoſprache auch die Embleme bleiben, wie sie heute sind.
Die Frage aber ist, ob er noch ohne Anwendung physischer Machtmittel Herr der Situation bleiben kann. Es liegt flar auf der Hand, daß die ehemalige Regierungspartei in Ungarn mit der Obstruktion Hand in Hand geht, der größte Teil des Volkes und die von der Presse gemachte öffentliche Meinung geht mit ihnen. Niemand vermag noch zu sagen, mie sich die Lage entwirren läßt. Vielleicht gelingt es dem Monarchen noch einmal, die gegen sein Haus heranflutende Gefahr zu beschwören, weil er persönlich verehrt wird. Wie aber wird es werden, wenn der in Ungarn verhaßte Thronfolger Franz Ferdinand ans Ruder kommt? du mein Desterreich!
In unterrichteten Budapester politischen Kreisen wird versichert, daß die Lösung der ungarischen Krise, also die Entscheidung in der Angelegenheit der Armeeforderungen, erst im Oktober erfolgen wird. Man glaubt, daß der Monarch den Ratschlag Kaiser Wilhelms der bevorstehenden Begegnung mit diesem erbitten will. Zu dieser letzterwähnten Vermutung der ungarischen Politik ist, wie unser Berliner CB.- Mitarbeiter uns schreibt, zu bemerken, daß man in deutschen maßgebenden Kreisen eine derartige Inanspruchnahme des Rates unseres Kaisers durch Kaiser Franz Josef für ausgeschlossen hält. In Wiener Regierungskreisen wird aufs bestimmteste versichert, Kaiser Franz Josef werde die ungarischen Forderungen samt und sonders ablehnen. Das Gerücht, der greise Kaiser wolle angesichts dieser Schwierigkeiten abdanken, ist durchaus unbegründet.
Die Politik.
Die Schulnot im Osten.
† Auf die Schulnot im Osten weist eine Mitteilung au dem Dorfe Krempa bei Ostrowo hin. Dort besuchen die Schule 400 Kinder, während nur vier Lehrer tätig sind. In Oloboz ist seit langem die zweite Lehrerstelle vakant, der erste Lehrer ist vor einiger Zeit gestorben, und seit dieser Beit haben 200 Kinder keinen Unterricht mehr. In Nobownifi unterrichtet ein Lehrer 168 Kinder, in Kaliszfewice 175 Schulkinder.
Das Chaos auf dem Balkan.
Die Entsendung des russischen Geschwaders in die türlischen Gewässer hat die Engländer zu einer gleichen Maß nahme veranlaßt: Das britische Mittelmeergeschwader erhielt dringende Ordre, sofort einige Schiffe in die Küstengewässer bei Saloniki zu entsenden. Die übrigen Schiffe des Geschwaders stoßen binnen kurzem cebenfalls zu diesem vorausJesandten Detachement. Wahrscheinlich werden auch Italien und Frankreich Kriegsschiffe nach den türkischen Gewässern entsenden. Das russische Geschwader ist übrigens in der Bucht von Iniada, unweit der bulgarisch- türkischen Grenze, vor Anfer gegangen, um so in der Lage zu sein, sowohl gegen die Türkei wie auch gegen Bulgarien zu demonstrieren. Aus dem Aufstandsgebiete kommen täglich Meldungen von Rämpfen zwischen türkischen Truppen und bulgarischen Banden; neuerdings wird das Programm noch durch Berichte über türkische Grausamkeiten bereichert. So sollen die Türfen bei der Einnahme Krischewvos entsetzlich gehauft haben. 360 Häuser sollen zerstört und unzählige friedliche Personen getötet worden sein. Man wird gut tun, solche Meldungen icht für allzu glaublich zu halten. Die Banden gehen min bestens ebenso grausam vor wie die Türfen.
Selbstverteidigung des Fürsten Ferdinand.
Fürst Ferdinand von Bulgarien verteidigt sich jetzt in einem Wiener offiziösen Organ gegen die Vorwürfe, die man ihm wegen seines unzeitgemäßen Verweilens in slande in Bulgarien und anderswo gemacht hat. Er suat seinen Jagdausflug mit allerband binfälligen Gründen zu be schönigen und nimmt denn Gelegenheit, bei seinen Bulgaren um gut Wetter zu bitten, indem er ihnen vorrechnen läßt, was er alles schon für sein Land gelan, wie weise er regiert habe u. s. w. Besonders wird in der Verteidigung des Fürsten die Tatsache unterstrichen, daß er den Krieg mit der Türkei nicht wolle, weil dieser ein wahnwigines Unicrnehmen: sei. Dann beschuldigt der Fürst seine bulgarissen Augreifer der Lügenhaftigkeit und der Volksverheug und sucht es so darzustellen, als ob die in Bulgarien gegen iba herrschende Mißstimmung eine fünstliche Mache sei. Mit jolchen Behauptungen wird Fürst Ferdinand keinen Hund oom Ofen locken.
Kurze Tagesfchau.
Eine Novelle zum Knappschaftskassengesetz wird dem Zandtag in seiner nächsten Tagung vorgelegt werden, um den neuen Bestimmungen der am 1. Januar 1904 in Kraft tretenden Novelle zum Krankenversicherungsgesetz Rechnung zu tragen.
* Von einer dänischen deutschfreundlichen Kundgebung wird aus Kopenhagen berichtet: Bei einem Festmahl anläßlich des Dänischen Handelstages brachte Etatsrat Adolph ein Hoch mif den Deutschen Kaiser aus. In einer Begrüßungs. insprache an eine Anzahl zu dieser Tagung als Gäste erschie nenen Hamburger sagte ein anderer Redner, Schovelin: Trotz der ritterlichen Huldigung, die der Deutsche Kaiser unferem greisen Könige dargebracht hat, trotz alledem, was hier heute geschehen ist, werden wir zwar nicht vergessen, dah viele bedeutsame Fragen die Völker von einander trennen. und daß der Weg zum Endziele einer brüderlichen Ver einigung sehr weit ist. Aber die Richtung, die wir einschlagen müssen, um diesen Weg zu wandern, hoffen wir doch hier gefunden zu haben."
* Von einem für nächstes Jahr geplanten Besuche Kaiser Franz Josefs in London wissen englische Blätter zu berichten. Der Kaiser soll versprochen haben, 1904, wenn die Verhält nisse es gestatten, den Wiener Besuch des Königs Eduard in London zu erwidern.
Der Zar hat zu Schiedsrichtern in der Entschädigungsfrage zwischen Benezuela und den Mächten folgende Männer rnannt: Prof. Dr. Maßen, Professor der Universität in Kopenhagen, den russischen Justizminister Murawiew and Dr. C. Lardy, schweizerischen Gesandten in Paris. Der Schiedsspruch soll bis März 1904 gefällt werden.
* Der„ Kaiser der Sahara", Jacques Lebandy I., hat sein Kaiserreich schon satt. Er hat sich ein anderes Reich ausgesucht, über das er herrschen will: Er nennt sich„ Kaiser der Dronellen", eines kleinen Landstriches in Merito. Damit ist aber die spanische Regierung nicht einverstanden; sie lich dem Kaiser der Sahara a. D. und Kaiser der Dronellen in spe bedeuten, daß er sich letzteren Namen nicht beilegen dürfe. Tue cr's doch, so werde seine in einem canarischen Hafen liegende Jacht beschlagnahmt werden.
Aus dem spanischen Streikgebiet kommen neue beinruhigende Rachrichten. In Barcelona wurde in einer Straße nahe bei einem Hause eine Bombe mit Zündschmur gefunden. Der Ausstand der Bäder in Reus hat einen sehr beunruhigenden Charakter angenommen. Es kann zu Zusammenstößer, bei denen mehrfach Schüsse abgegeben wurden. Viele Aus ständige wurden verhaftet.
Hof und Gesellschaft.
Der Kaiser hat sich von Wilhelmshöhe nach dem Truppenübungsplay Altengrabow begeben. In seiner Begleitung befinden sich Generaladjutant v. Plessen, der Chef des Militärkabinetts Graf Hülsen- Häfeler, die Flügeladju tanten Graf v. Schmettow und v. Friedeburg, Hofmarschall Graf Zedlig und Trützschler, Oberstallmeister Graf Wedel und Leibarzt Dr. Niedner. In Altengrabow wird sich auch Generaladjutant v. Scholl bei dem Hauptquartier einfinden. Vor seiner Abreise unternahm der Kaiser mit der Kaiserin, dem Kronprinzen und dem Prinzen Eitel Friedrich einen Spazierritt in die Umgebung des Schlosses.
Der Großherzog von Hessen hat den Seniorchef des gräflich Erbach- Schönbergschen Hauses Grafen Gustav in den erblichen Fürsten stand erhoben.
Heer und flotte.
Personalveränderungen. Generalmajor Sigt von Arnim, Chef des Generalstabes des Gardekorps, ist zum Direktor des Allgemeinen Kriegsdepartements im Kriegsministerium ernannt worden.( Wir hatten diese Ernennung bereits vor einiger Zeit als bevorstehend gemeldet. D. R.) Ferner ist der Generalmajor v. Schick fusu. Neudorff, Kommandeur der 5. Infanteriebrigade, zum Chef des Generalstabes des Gardekorps, der Oberst v. Sa lisch, Kommandeur des Leib- Grenadierregiments Nr. 8( Frankfuri a. O.) unter Beförderung zum Generalmajor, zum Komman deur der 5. Garde- Infantericbrigade ernannt worden.
Militärhilfsvereine. Angesichts der Notlage, in der sich biele Hinterbliebene verstorbener Offiziere befinden, wird geplant, die bereits bestehenden Militärhilfsvereine weiter auszubauen und eine Centralstelle für die ganze Armee zu schaffen. Der Kaiser interessiert sich lebhaft für diesen Plan. Die Centralstelle sell bereits am 1. Oftober ins Leben treten. Sie soll die Schaffung von Damenheimen, die Vermittelung von Freistellen in Damenstiften und überhaupt die Sorge für die gesicherte Unterkunft und Lebenshaltung unbemittelter Hinterbliebenen von Offizieren übernehmen.
Analphabeten im italienischen Heere. Nicht weniger als 62 998 Analphabeten befanden sich in Italien unter den 193 183 Ausgebobenen des Jahrgangs 1881, 3320 konnten
anbererseits die so hoch ausgezeichneten Eigenschaften
des
Nach ihrem mebrew mart zu würdigen mußte"
Prinzen nach ihrem wahren Wert zu würdigen mußte Set
Humoreske bon Siegmund Cronbach.
Kobn und Cohen.
gleitung.
Sie reichte
ihm die Hand.
" Besten Dank für Ihre Be
Sind Sie mir böse, Fräulein?-
Mann, Clotildchen hat sogar dieser Tage öfter gesprochen
„ Ach so, das is a Möglichkeit," wandte sie sich an ihren


