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indem man es so hinstellt, als wären die Diplomaten unbe teiligter Mächte der Ansicht, Rußland wolle die Amerikaner nasführen und seinen Versprechungen nicht nachkommen. Das wird auf die Yankees nicht allzugroßen Eindruck machen: Sie wissen selbst, daß die Russen Ausflüchte machen werden, wenn sie die Häfen der Mandschurei öffnen sollen. Aber sie wissen auch, daß Rußland bereit sein wird, ihnen allein die Häfen zu öffnen. Und etwas besseres können sie sich ja nicht wünschen, als die Fernhaltung der Handelskonkurrenz der anderen Mächte. Diejenigen britischen Politiker, die diesen Zusammenhang überschauen, verfallen denn auch auf andere Mittel, als die aussichtslose künstliche Erregung eines Zwistes zwischen der Union und Rußland; sie hezen nach wie vor japan gegen Rußland. Deshalb verbreiten sie die Meldung, die Gefahr eines Krieges zwischen Rußland und Japan sei im Wachsen. Es werde klar, daß Rußland zum Kampfe mit Japan bereit wäre, wenn es die Gewißheit hätte, daß keine andere Macht auf Japans Seite treten würde. Es sei fest überzeugt, daß es Japan leicht besiegen würde. Die Japaner werden sich hüten, auf diesen eng­lischen Leim zu kriechen und sich von Rußland bedroht zu glauben. Die britische Liebesmüh' wird also auch in diesem Falle umsonst sein. Zum Dank für die englische Liebe hat Rußland übrigens den Briten einen ärgerlichen Streich ge­spielt: Bekanntlich hat England beim Kaiser von Korea fategorisch die Oeffnung des koreanischen Hafens Wi- ju ver­langt, und der arme Koreafürst wollte schon nachgeben. Da erschien der russische Gesandte in Söul auf dem Plan und legte in einer Audienz beim Kaiser von Korea gegen die Deffnung des Hafens Wi- ju Widerspruch ein. Die Eng­länder sind also auch hier wieder die Düpierten.

König Peters Debüt.

König Peter von Serbien hat jetzt einen großen Offiziersschub vorgenommen. U. a. ernannte er den Kom­mandanten des an der Ermordung des Königs Alexander beteiligten siebenten Regiments zum Kommandanten der Königsgarde. Wie man in außerserbischen Kreisen über das Verfahren des Königs, über die darin sich aussprechende Billigung des Königsmordes denkt, ergibt sich u. a. aus einem Vorkommnis in Bukarest. Dort ließ der serbische Ge­sandte am Namenstage Peters in einer Kirche ein Tedeum abhalten. Nicht eine rumänische offizielle Persönlichkeit war dazu erschienen, kein Mitglied des diplomatischen Korps, ja nicht einmal Vertreter der serbischen Kolonie: Nur der ser­bische Gesandte und ein paar Neugierige, die zufällig an der Kirche vorbeikamen, waren zugegen. Aus der mit dem Te­deum beabsichtigten Ehrung des Königs war also ein Schinipf für ihn geworden.

je rlagt cenadowitsch, das sta) unter Wartern und ewigen Kreuzungen unzerbrechlich emporarbeitete, wollte ein jun­ger Mann, vielleicht ein Neurasthenifer, vielleicht ein Geisteskranker, wieder zerstören. Und fast wäre es ihm auch gelungen; denn schon hatte er sich ja, der von Gottes Gna­den und dem Willen des Volkes König war, durch eine Reihe von Verbrechen zum unumschränkten Herrn dieses Volkes gemacht. Dieser junge Verbrecher war der fünfte aus dem Geschlecht der Obrenowitsch, war Alexander I. Und wenn die in die Irre geleitete Gegenwart in ihm den tra­gischen Helden sicht, und das serbische Volk des Mordes be­schuldigt, so wird doch die Historie in ihrem Urteil über seine Verbrechen nicht schwanken.

Uebrigens werden auch bereits in Serbien selbst Stimmen laut, die etwas mehr Pietät für den ermordeten König vom Volf verlangen. So tritt ein Belgrader Blatt, die Narodni Listi", energisch dafür ein, daß aus Anlaß des 40. Tages seit der Ermordung Aleranders ein Seelenamt für ihn abgehal­ten werde. Im Pariser Gil Blas" wird jetzt öffentlich und unzweideutig gegen König Peter von Serbien die Be­schuldigung erhoben: er sei der eigentlche Mörder Alexan­ders. Der Siz der Verschwörung war in Genf bei dem jeßigen König. Durch seinen jezigen Sekretär Balugdschitsch gab er den Befehl zur Ermordung Alexandes. Die Reser werden sich erinnern, daß wir hierüber bereits vor vier­jehn Tagen berichtet haben.

Eine neue nationale Gründung.

In Berlin ist eine Centralstelle zur Beschaffung von deutschen Feldarbeitern für die Ostmarken und zur Förde­rung der inneren Kolonisation gegründet worden. Die Cen­tralstelle bezweckt, der Abwanderung nach Amerika Einhalt zu tun, die Institute für innere Kolonisation in ihrer Tätig­feit zu unterſtüßen und für den Zuzug von Landwirten, Feldarbeitern, Handwerkern und Geschäftsleuten nach den preußischen Ostmarken Sorge zu tragen.

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Kurze politische Nachrichten.

nächst Betroffene, König Milan selb t, in Tanger Beratung dagegen ankämpften und flehentlich, mit aufgehobenen Hän­den, vor einem solchen ä ßersten und durch nichts gerecht­fertigten Schreckmittel politischen Hass 3 warnten, rief endlich der König: Unier selchen Umständen bleibe ich nicht eine Minute mehr König von Serbien. Hier meine eigenhändig geschriebene und unterzeichnete Abdan'ung!" Das wirkte. Sollte man das Land einem Dynastiewechsel, vielleicht einem Bürgerkriege preisgeben? Man wagte es nicht und unter­schrieb also schweren Herzens Belagerungszustand und Stand­gericht mit dem Vorsatz, durch eine gewissenhafte eigene Auswahl der Richter die Justiz vor einem Mord zu bewah­ren. Auch diese Hoffnung trog. Auf seinen geheimen Wegen drang dieses Regiment auch bis an den Richtertisch, und wenn oom Standgericht nur ein einziger, der Attentäter, hingerich­tet, alle anderen zu Freiheitsstrafen verurteilt wurden, so hat Serbien für die Verhütung eines Massenmordes nicht dem König zu danken, denn er war fest entschlossen, alle erschießen zu lassen, sondern einzig und allein einem " Quos ego!" des Kaisers Franz Joseph, der durch seinen Militärbevollmächtigten, den Major Hordliczka, dem König in Belgrad seine erhabene Meinung furz und bündig sagen ließ.

Man erinnert sich des ersten Staatsstreiches, den er in der Nacht vom 1. April 1893 durchführte. Noch stand er nicht unter Dragas Führung, aber die Fähigkeit, ihr Schüler zu sein, kündete sich bereits an. Er rief das Heer zu seiner Hilfe, und wenn man es heute einen Prätorianerhausen nennt, so hat er ihm damals den ersten Unterricht im Prä­torianertum gegeben; er bereitete seinen greisen Regenten, die dreimal die serbische Krone dem Hause Obrenowitsch er­hielten, ein Borgiamahl. Er übernahm eigenmächtig und als Minderjähriger die Regierung, was gegen die Verfas­sung verstieß. Ich möchte lieber nicht erwähnen, daß er auch die liberale Regierung Awufumowitsch gesetzwidrig auf die Auflagebank brachte und sie dann, aber gesezwidrig, begna­digte. Es war furchtbar, zu hören, welcher Geist schon da­mals aus ihm sprach; eine wilde Tücke, wie sie vor ihm vielleicht nur noch in den neronischen Gemächern umging. Ein Minister meldete eines Tages, daß der wieder einge­setzte Metropolit Michael Schwierigkeiten mache; der König fragte, ob man den Pfaffen nicht mit einer Tasse Kaffee aus dem Wege räumen könne. Nach dem Staatsstreich kamien die Radikalen beim König in Gunst. Nach neun Monaten und zwei Ministerien sollten sie wieder fortgejagt werden. Wie macht man das kunstgerecht? Nun, wozu lange Wege? Erinnert man sich vielleicht noch der Reise, die der König, umgeben von seinen radikalen Ministern, im Kreis Uzica machte. Alles war ahnungslos. Plötzlich, als man auf die Zlatibor- Höhe_kam und die Wagen schon den Berg_hinan­klommen, hielt die königliche Equipage knapp vor einer Stelle, wo die Straße hart an einem Abgrund vorbeizieht, und allgemeine Aufregung!- der König verließ den Wagen und ging weiter zu Fuß... Warum? Was war geschehen? Man fingierte eine Verschwörung der radikalen Minister gegen das Leben des Königs. Im Auftrage des Königs verständigte ein Vertrauter eine dritte Person, daß hier, an dieser Stelle mit Wissen der Minister die Pferde des königlichen Wagens scheu gemacht werden würden, und nachdem diese dritte, ahnungslose Person in heller Angst die Warnung wiedergegeben: konnte dann der König, den man in den Abgrund stürzen wollte, mit den Attentätern weiter zusammenbleiben? Schnell berief er nach einem neuen Staatsstreich ein fortschrittliches Ministerium, das er ebenso schnell wieder verabschiedete. Der Ministerpräsident dieser fortschrittlichen Partei rief dem König bei der Verabschiedung, indem er das Kreuz schlug, zu: Gott soll mich davor bewah­ren, Euerer Majestät noch einmal dienen zu müssen!" Und doch diente man ihm wieder, wenn die Not rief, denn man liebte ihn als den Vertreter der nationalen Dynastie. Ich wurde sein Ministerpräsidentin drei Jahren der neunte! und ich, Vladan Georgiewitsch, der ich der Lebensgrenze nahe bin, bezeuge hier vor Europa, daß König Alexander einen Mörder dang, um seinen Vater Milan zu ermorden. König Alexander von Serbien und seine damalige Maitresse und spätere Frau Draga haben den Mörder Knezewitsch ge­dungen, um den eigenen Vater des Königs feig und meuch­lings zu erschießen. II. Versuchter Vatermord.

Die schon erwähnte binnen furzem zu erwartende No­belle betreffend Erweiterung des Gesetzes über den unlau. teren Wettbewerb wird vor allem die Schwindel. Ausverkäufe befämpfen.

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Kaiser Franz Josef betraute den Minister des Aeußern, Grafen Goluchowski, vorläufig mit der Leitung des Reichsfinanzministeriums, sowie mit der Centralleitung Bos­niens und der Herzegovina.

* Die griechische Kammer hat das Gesetz über den Heeresoberbefehl und das Budget angenommen. Darnach ist fortan der Kronprinz Oberbefehlshaber.

Hof und Gesellschaft.

*** Die Nordlandsreise des Kaisers ist bisher von besten Wetter begünstigt gewesen. Während die Hohen zollern" bei Molde vor Anker lag, wurde sie von Passagierer der Hamburger Dampfer Auguste Viktoria" und" Prinzessir Viktoria Louise" besichtigt. Zahlreiche Amerikaner befanden sich darunter, unter ihnen der frühere amerikanische Botschaf­ter in Rom, der durch seine Teilnahme am Sezessionsfriege bekannte General Draper, den der Kaiser zur Tafel zog. Während derselben unterhielt sich der Kaiser mit dem Ge­neral, der zu seiner Linken saß, und den geladenen deutschen Herren aufs lebhafteste.

Die Sünden Alexanders und Dragas. Anklageschrift eines serbischen Exministers. In der Berliner Wochenschrift Die Zukunft" veröffent licht der frühere serbische Ministerpräsident Dr. Albert Vladan Nenadowitsch einen Artikel Der letzte Obrenowitsch", in dem er den Belgrader Königsmord aus dessen Vor geschichte zu erklären sucht. Er wendet sich gegen die Auf­fassung, als sei das serbische Volk und die serbische Armee eine Horde verabscheuungswürdiger Barbaren, und wälzt die ganze Schuld an dem furchtbaren Drama im Konak aus die Schultern Alexanders und seiner Mitschuldigen Draga. Diese seien Verbrecher gewesen, nicht nur am Wohle des Vaterlandes, sondern in des Wortes ureigenster Bedeutung. Sie hätten Gift und Dolch in ihrem Dienste gehabt. Wir lassen aus der in marfigem Tone geschriebenen Anklage gegen das ermordete Königspaar die wuchtigsten Stellen in sinngemäßer, wenn auch loser Verknüpfung folgen. 1. Die Zeit vor Dragas Auftreten. Die ungeheure Schaffenstraft des serbischen Volkes.

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Und König Milan, wird man fragen, wußte er von alle­dem? Ja, er erfuhr davon gleich mir, nachdem wir beide ins Eril gegangen und alle Vorgänge von uns aufgedeckt waren. Wir schwiegen, denn wir liebten unser Land; aber heute, da ich das Wort ergriffen habe, um mein Volk gegen ein grausames und ungerechtes Urteil zu verteidigen, heute sage ich und heute schwöre ich: daß König Milan I., der in meinen Armen in Wien starb, knapp vor seinem Tode, also in einer Stunde, wo alle Sterblichen wahr sehen und wahr ſprechen, mir gesagt hat: Das letzte Attentat auf mich war das Werk dessen, den ich in meinem Leben allein geliebt habe, es war das Werk meines einzigen Sohnes, für den ich ver­gessen habe, daß ich König gewesen bin, und dem ich, in Reihe und Glied stehend, zusammen mit dir treu und chr­lich gedient habe. Das Attentat des Knezewitsch war von Alexander und seiner Draga vorbereitet."

( Ein Schlußartikel folgt.)

Nab und fern.

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Eine neue Kinderheilstätte. In Hohenlychen( Ucker. mark) fand das Richtfest der neuen Vittorie- Luise- Kinderheil stätte vom Roten Kreuz, verbunden mit der Grundstein­legung zu dem zugehörigen landwirtschaftlichen Jugend­heim Königin Luise- Andenken" statt. Vom Vorstand des Volksheilstätten- Vereins vom Roten Kreuz waren zahlreiche Vertreter anwesend, u. a. Staatsminister v. Thielen, Kultus­minister Dr. Studt mit Gemahlinnen, Frau Gräfin v. Po­jadowsky, Präsident des Reichsgesundheitsamts Dr. Köhler. Die Kaiserin sandte der Festversammlung aus Cadinen tele­graphisch Glückwünsche. Die Vorsitzende, Frau v. Thielen hielt die Festrede. Die Anstalten sollen am Geburtstage der Kaiserin feierlich eingeweiht werden.

Die erste densche Walfischfängerstation auf Island ist von Der Seefischereigesellschaft Germania" in Billau einge­cichtet worden. Die Fänge dieser Station, die sich im Fas­ruds- Fjord an der Ostküste Islands befindet, sollen rege!- mäßig nach Pillau gebracht werden, wo der Tran raffiniert, Speck und Fleisch) entfettet und die Knochen zermahlen werden ollen. Das erste Fangresultat war hocherfreulich. In einer siebentägigen Expedition sind acht große Wale gefangen worden.

Die politischen Ratgeber des Königs hatten erst nichts arges dabei gedacht, als Alexander sein Verhältnis mit Drago einging. Sie waren feine Sittenrichter. Daß sie seine poli tischen Entschließungen beeinflußte, ahnten sie nicht einmal, als der König plöglich sein achtes Ministerium fortgejagt hatte, unmittelbar nachdem es ihm die Heirat mit der Prin­zessin von Montenegro anriet. Doch diese Erbitterung war eben rätselhaft; daß sie das Werk einer rachsüchtigen Mai tresse war, ahnten wir nicht. Wer konnte an Draga Maschin Denfen? Ihr Leib war Gemeingut, ihre Vergangenheit stadt­bekannt, von beiden Elternseiten her belastet- denn der Vater starb im Belgrader Irrenhaus, die Mutter war eine Trinkerin; jeder wußte: eine hizige Dirne. Auch Alexander vußte es; der verstorbene Kaufmann Kanara, der verstorbene Bublizist Sima Popowitsd; wußte es; viele Belgrader, die noch heute leben, wissen es aus persönlicher Erfahrung. Sie jatte ihren ersten Mann entehrt und ins Grab gebracht. Kö­nigin Natalie nahm Draga in ihren Dienst, um sie zu retten. Doch diese blieb, wer sie war. Die Minister sollten bald ein­sehen, wie unrecht sie getan hatten, gegenüber der stadtbekann ten Liebschaft Alexanders mit der Maschin, die er abends in Verkleidungen besuchte, die Augen zu schließen. Die ehr geizige Maitresse wollte Königin werden. Eines Tages wurde ein Fühler ausgestreckt. König Milan schöpfte Verdacht, wit terte den Heiratsplan seines Sohnes und erklärte, das ganze serbische Volk und er selbst werde gegen einen so unsäglich beschämenden Wahnwitz Maßregeln ergreifen. Darauf wurde alles wieder still und nie vorher hatte der Sohn sich dem Vater so zärtlich ergeben gezeigt. Da feuerte plötzlich der Mörder Knezewitsch seine Schüsse auf Milan ab.... Und weiß man, was weiter geschah? Die Revolverkugeln trafen nicht gut, Milan wurde nur leicht gestreift und sein Adjutant Major Lukitsch schwer verwundet. Was also tun, um den Verdacht von den Urhebern abzulenfen? Nun: der Mörder mußte über sein Schicksal beruhigt und zu einer falschen Aus­sage bewogen, die Leute, die ihn geworben, mußten beseitigt, der Verdacht auf die Radikalen abgelenkt und der höchste Schmerz findlicher Liebe vorgegaufelt werden. Und siehe, es gelang. Der Mörder Knezewitsch, der Alberne, der noch auf der Richtstätte lächelte, weil er die Begnadigung und die darauf folgende Belohnung mit Sicherheit erwartete, wurde von dem Peloton rasch getroffen und der Schabazer Präfeft Andjelitsch, der um die Sache wußte, wurde erdrosselt aufge­funden. Noch am Tage des Attentats wurden die Minister zum König befohlen, der von ihnen die Verhaftung und Ein­terferung sämtlicher radikalen Führer forderte. Der Kom­mandant der zweiten Kavalleriebrigade, Oberst Alexander Konstantinowitsch, wurde vor allen Ministern wörtlich so an geredet: Wenn ich dir jetzt befehle, die Hochverräter, die aus dieser Liste verzeichnet sind, noch heute Nacht erschießen zu lassen: wirst du den Befehl ausführen?" Der Oberst war prachlos, die Minister vor Schrecken außer sich; um ein fürch terliches Blutbad zu verhüten, willigten sie schnell in die For berung, sie dachten: Aus der Gefangenschaft vielleicht, aus dem Grabe nie. Als dann der Miniiterrat und mit ihm der zu­

Gin Sohn des Regiments. Die luxemburgische Garnison hat einen Sindling adoptiert, der am Eingange seiner Ka­serne, in Lumpen gehüllt, gefunden wurde. Der arme ver waiste Seleine hat jest statt eines Vaters deren 150 gefunden, denn das ist die kriegs- und friedensmäßige Stärke der Gar nison von Luxemburg.

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Vom deutschen Turnfest in Nürnberg wird gemeldet, daß der erste Hauptfesttag glänzend verlaufen ist, trotzdem Jupiter Pluvius in den Festzug durch einige kräftige Regen­douchen störend eingriff. Am Zuge nahmen über 32 000 Tur­ner mit 1700 Fahnen teil. Die Ausbietungen, die der Gau Nürnberg an prächtigen Kostümgruppen geleistet hatte, rie­fen allgemeine Bewunderung hervor. Die Stabübungen, die von 8000 Turnern tadellos ausgeführt wurden, das Festspiel und zum Schluß eine effektvolle Illumination werden in allen Zuschauern einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

+ Ein Zusammenstoß zweier Personendampfer hat auf der Oder bei Stettin stattgefunden. Der von Ausflüglern voll besetzte Dampfer Terra" wurde von dem Tourendampfer Hugo" angerannt und schwer beschädigt. Die Passagiere konnten sich nur mit Mühe auf das Deck retten und der Ka­pitän das Schiff nur durch Auflaufen auf die Wiesen vor dem Versinken bewahren. Man befürchtet, bei der furchtbaren Banif, die unter den Passagieren herrschte, Verluste an Men­schenleben.

Nach großen Unterschlagungen flüchtig geworden ist aus Berlin der Buchhalter Hugo Jacobus. Er benutzte seine Ver­trauensstellung in dem Bankhause der Gebrüder Schindler, um sich 140 000 Mark anzueignen. Aus Gram über diesen Verlust gab sich der Inhaber des Bankhauses in Hamburg den Tod.

Ein gefährlicher Reisebegleiter. Wegen dringenden Ver­dachts des Raubmordes an dem 76 Jahre alten Arbeiter Schmidt aus Riga wurde der Gürtler Lawraczek in Berlin verhaftet. Schmidt wollte in Anklam Verwandte besuchen und schloß sich unterwegs an Lawraczek an, mit dem er eine Strecke wanderte. Lawraczek soll den alten Mann, der 1200 Mark bei sich trug, bei dem Orte Jwen erschlagen und be­raubt haben.

Bunte Chronik. Das Hochwasser in Schlesien und Posen bewahrt seinen bedrohlichen Charakter. An vielen Orten stehen weite Ackerflächen unter Wasser und ist die Ernte ver­nichtet.

In Kostow bei Myslowig erstickte der Stellenbesizer Palka, der in einen Brunnen hinabgestiegen war, durch an­gesammelte Gase. Dasselbe Schicksal teilten sein Sohn und sein Schwiegersohn, die ihn retten wollten.

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In dem Pariser Vorort Maisons- Alfort wurden durch Explosion eines Kessels der Direktor und drei Beamte einer Preßhefefabrif getötet. 300 Arbeiter sind brotlos. Materialschaden beträgt über 1 Million Francs.

-In dem amerikanischen Orte Basin( Wyoming) wurde ein Gefängnis gestürmt und zwei weiße Mörder gelyncht. Bei dem Sturm aufs Gefängnis wurde ein Beamter getötet.

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