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Nr. 168.

Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel­fährlich Mr. 1.50.

Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) Oberheffische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmitags.

Dienstag, den 21. Juli 1903

Gießener

12. Jahrgang.

Insertionsprei 8: Die einspaltige Betitzeile für Gießen wie ganz Oberheffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pf fonft 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 fg.

Bostzeitungsliste No. 3269.

Redaktion und Expedition: Gießen Neuenweg 28. Ferusprechanschluß Nr, 362.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Bekanntmachung.

Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die Schanzenstraße von heute ab bis auf weiteres für den Fuhrwerks und Fahrradverkehr gesperrt. Gießen, den 20. Juli 1903.

Großh. Polizeiamt Gießen. Hechler.

gläubigen verehrungswürdigen Persönlichkeit wußte Leo alle Widerstände zu überwinden. In Oesterreich- Ungarn, wo die Kurie namentlich infolge des Streites über die Civilehe, die mit dem Siege des Staates endete, viel an Einfluß eingebüßt, wußte er allmählich nicht nur das verlorene Prestige wiederzugewinnen, sondern den Einfluß der Kurie noch zu vertiefen. In Deutschland, wo noch die Kulturkampfwunden auf beiden Seiten nicht verharrscht waren, als Leo den Stuhl Petri bestieg, gewann seine fluge Nachgiebigkeit der Kirche allmählich

Oeffentliche Impfung zu Gießen. einen Einfluß, wie sie ihn seit der Reformation nicht

Mit wob, den 22. Jul' nachmittags von 5-6 Uhr wird der letzte Impftermin abgehalten. Gießen, den 18. Juli 1903.

Der Oberbürgermeister.

J. V. Curschmann.

Papst Leo Xlll.&

Rom, 20. Juli 1903.

Papst Leo XIII, ist heute nach: mittag 5 Minuten nach 4 Uhr fauft eutschlafen. Die Bronzetür ist geschlossen.

Die Trauernachricht, obgleich nicht unverhofft, traf gestern Montag abend gegen 8 Uhr per Telegramm auf unserer Redaktion cin und ein kleiner Teil unserer Leser nahmen durch Anschlag und Ertrablatt bereits wenige Minuten danach Kenntnis von der Botschaft.

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Der silberne Hammer, mit dem vor mehr als einem Vierteljahrhundert der Kardinal- Camerlengo Giacomo Pecci die Schläfe Pio Nonos berührte, hat sich jetzt auf Oreglia, der gegenwärtige seine eigene Stirn gesenft. Kardinalfämmerling des Vatifans, hat nach altem Brauche im Sterbegemach des Papstes dreimal an Leos bleiche Schläfe gepocht, dreimal hat er inmitten des Kardinalfollegiums an den entseelten Träger der Tiara die Frage gerichtet: Giacomo Pecci, schläfst Du? Und der einst so beredte Mund Leos XIII. ist stumm geblieben: der dreizehnte Leo ist nicht mehr. Unten am Eingang des Vatikans hat sich die schwere Bronzepforte, die sonst Tag und Nacht geöffnet ist, zum Zeichen, daß den Gläubigen der Zutritt zu dem Oberhirten der katholischen Kirche jederzeit offensteht, die Pforte hat sich geschlossen: der Stuhl Petri ist vereinsamt, die katholische Christen­heit hat kein Oberhaupt.... So groß die Verchrung war, die der greise Papst genoß, so tief und schmerzlich wird die Trauer sein, die die katholische Welt um Levs Verlust empfinden wird. Kein Papst der neueren Zeit hat soviel erreicht, keiner hat den Einfluß des römischen Stuhles so gestärkt und das Papsttum mit einer so strohlenden Gloriole zu umgeben gewußt wie der Greis, für den sie jetzt im St. Petersdom die Seelenmessen singen. Und dabei hat dieser Papst, dessen Leben so viele und so harte Kämpfe sah, es verstanden, sich den Namen des Friedenspapstes zu erringen.

Als Giacomo Pecci am 20. Februar 1878 als Leo XIII. dem kampfgemuten neunten Pius folgte, ging ihm der Ruf eines streitbaren Kämpfers für die Rechtsansprüche des Vatikans voraus. Aber wer da geglaubt hatte, der neue Summepiscopus der katholischen Kirche werde in den Spuren seines Vorgängers wandeln, der sah sich enttäuscht. Leos erste Sorge war, des bösen Genius" Pius IX., des Kardinals Staatssekretärs Antonelli, ledig zu werden, dessen leidenschaftlich- unüberlegte Politit die Kurie in Gegensatz zu fast allen Regierungen Europas gebracht, und den Einfluß des Vatifans nur geschmälert hattc. Leo umgab sich mit besonneneren Beratern, und der Besonnenste, scharfsichtigste und weitblickendste war er selbst. An die Stelle der Politik des Krieges mit allen setzte er eine Politik der Verständigung. Leicht wurde es ihm nicht, die Saat des Grolles, die Anto­nelli heißblütiges Temperament und Bius flammende Zornesrufe wider die Gegner der weltlichen Macht der Aurie in allen nichtkatholischen und auch in manchen katholischen Ländern hatte emporwuchern lassen, wieder auszufäten.

Aber mit der zähen Beharrlichkeit und Energie, die selbst an dem 94 jährigen bis zur Todesstunde be= wunderungswürdig sich offenbarte mit der klugen Vor­sicht der Voraussicht des geborenen Politikers, mit dem sicheren Instinkt des erfahrenen Diplomaten und nicht zuletzt vermöge seiner gewinnenden, auch Anders­

mehr besaßen, und die Welt erlebte das Schauspiel, daß Bismarck, noch vor kurzem der erbitterste Feind der Kurie, den Papst als Schiedsrichter in der Karo­linenfrage anrief. Und in den katholischen Ländern wußte die Staatskunst Leos den durch Pius' Politik geschmälerten Einfluß des Vatikans nicht nur auf die frühere Höhe zu bringen, sondern ebenfalls zu verstärken. Selbst in Ländern, die, wie Rußland und Amerika, der katholischen Propaganda völlig verschlossen schienen, wuchs nnter Leos Szepter die Macht und der Einfluß des Vatikans. Und wenn sich in Frankreich neuerdings etwas wie ein Kulturkampf entſponnen hat, so ist doch kein Zweifel, daß er mit dem Siege der Kirche enden wird, wenn Leos Nachfolger dessen Politik weiter befolgt.

Leo XIII. war eine innerlich vornehme Natur, an seiner Bahre werden auch Andersgläubige dem ehr­würdigen Greise den Zoll der Teilnahme nicht versagen.

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Papst Leo XIII. hat die Quintessenz seines Wollins und Wirkens in einigen lateinischen Versen zusammen­gefaßt, die auf seinen Wunsch seine Grabinschrift bilden sollen. Wir wollen sie an den Schluß dieses Nekrologes setzen:

,, Justitiam colui, certamina longa, labores, Ludibria, insidias, aspera quaeque tuli:

At fidei vindex non flectar: pro grege Christi Dulce pati, ipsoque in carcere dulce mori." Pflug der Gerechtigkeit in steten Kämpfen und Mühen Trug ich Verfolgung und Spott, Böses von jeglicher Art: Aber im Streite des Glaubens werd' ich mich nimmer­[ mehr beugen,

Christi Gemeine zum Heil leiden und sterben ist süß."

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Folgendes wird uns noch über

die letzten Stunden des Papstes geschrieben: Rom, 20. Jult­

Er schläft, der greise Dulder, seit Stunden schon, nad den Qualen der letzten 14 Tage, einen langen traumloser Schlaf. Einen Schlaf, aus dem das Erwachen wohl ers drüben im besseren Jenseits erfolgen wird. Hier auf Erden wird es nach den Aussagen der Aerzte sein letzter sein, der ihn sanft hinüberträgt in das Reich seines Bruders, des Todes. Und uns bleibt nichts übrig, als auf das Ticken der Toten­uhr zu lauschen, die mit langsamem Pendelschlag die Auf lösung des Oberhirten der katholischen Christenheit begleitet

9 Uhr vormittags. Droben im Krankenzimmer weilen die Aerzte und suchen das fliehende Leben durch Einspritzungen von Koffein, Alkohol und Kampher aufzuhalten. Der Kranke merkt nichts von der Geschäftigkeit, die angstvoll um ihn webt. Das wachsbleiche schmale Angesicht, das der schwellende Bfühl halb umgräbt, hat nichts Irdisches mehr an sich. Die Stimmen der Aerzte dringen nicht mehr zu Leos Ohren, in ihnen tönt schon, lauter und immer lauter anschwellend, die Musik der Sphären. Lispelte er doch schon, kurz bevor er die müden Augen zu langer Bewußtlosigkeit schloß, zum Kar­dinal Angeli, der ihn tröstete: Ich bin schon in Gottes Hand."

Mazzoni

10 Uhr vormittags. Ein Surren und Summen geht durch die dichten Scharen, die den Vatikan umlagern: Professor Mazzoni hat den Palast soeben verlassen. Ist das Ende schon eingetreten? Oder... Doch die Hoffnung haben jezt auch die Hartnäckigſten aufgegeben. Da.. spricht mit einem Bekannten und im nächsten Augenblic läuft es durch die Menge: Das Bewußtsein scheint auf Augenblicke zurückzukehren. Professor Mazzoni glaubt, der Papst habe ihn kurz vorher wieder erkannt. Vielleicht läßt sich die Totenuhr noch wieder zurückstellen, und wenn es nur um Stunden ist. Und in dichten Scharen strömen die Gläubigen nach dem Petersdom, wo in strahlender Pracht das Allerheiligste ausgestellt ist, um in brünstigem Gebet für das Leben des heiligen Vaters zu flehen.

11 Uhr vormittags. Aus dem Sterbegemach nichts neues. Der todesähnliche Schlummer dauert an. Von den Diplomaten und Journalisten werden Versuche ge­Der macht, zu Rampolla vorzudringen. Vergeblich. Kardinalstaatssekretär läßt sich von niemand sprechen. Harren doch seiner beim Tode des Papstes, der jeden Augenblick eintreten kann, ernste, sorgenvolle Pflichten. Wie

verlautet, sind Vorkehrungen getroffen, daß Privatdepeschen Rom erst nach zwei Stunden verlassen dürfen. Seit heut weilt auch der Camerlengo Oreglia in der Nähe des Sterbe­gemachs. Wenn der Tod seinen Erlöserkuß auf des Papstes Stirn gedrückt hat, wird er an ihn herantreten und mit silbernem Hammer an des Entschlafenen Stirn pochen: Joachim Pecci, schläfst Du? Auch der Großpönitentiar Kardinal Serofino Vanutelli ist die Nacht über im Vatikan geblieben und noch dort.

1 Uhr nachmittags. Das Ende naht. Der letzte Kampi mit dem Tode hat begonnen. Wäre nicht bekannt, daß der Großpönitentiar das Zimmer des Papstes bereits betreten hat, um ihm die letzte Absolution in articulo mortis zu er­teilen, man würde das Flügelrauschen des Todesengels doch vernommen haben. Die Totenuhr meldete sein Kommen nui zu deutlich an. Ihr fieberhaft beschleunigter Pendelschlag ließ sich in dem Hin und Herrennen im Vatikan, in dem Wagengerassel auf dem Petersplatz dem Kundigen dumpf­traurig vernehmen. Das ist ein Kommen und Gehen von Boten, die die in Rom residierenden Kardinäle nach dem Vatikan rufen, und in beflügelter Eile treffen die kirch lichen Würdenträger ein.

4 Uhr nachmittags. Um den Vatikan wogt ein Riesen­meer von tausenden von Köpfen, in das sich aus den ein­mündenden Straßen immer wieder neue Ströme ergießen. Wo sich Bekannte treffen, tönt leise die Frage, ob es wahr sei, was man sich in den Cafés der Innenstadt erzählt, daß der Papst schon tot sei. Keiner weiß Antwort zu geben. Nur das steht fest, daß das Gerücht auch im Vatikan selbst verbreitet ist, daß Leo XIII. von seinen Leiden bereits erlöst sei. Unruhe malt sich auf den Gesichtern der Wachen, die sonst so ernst und würdevoll sich auf ihre Hellebarden stützen Können sich doch jeden Augenblick die Flügel des hohen Bronzetores schließen, als Zeichen, daß der greise Stell vertreter Petri nicht mehr unter den Lebenden weilt....

Die Politik.

Vollendung der kirchlichen Union in Preußen?

In den höchsten Aemtern der preußischen Landeskirche stehen wichtige Veränderungen bevor. Der Präsident des preußischen Oberkirchenrates D. Barkhausen ist amtsmüde. Als sein Nachfolger wird der Berliner Kirchenrechtslehrer Professor Dr. Kahl genannt. Eine andere, aufsehenerregende Lesart nennt jedoch als Barkhausens Nachfolger den Präsi­denten des hannoverschen Landeskonsistoriums Dr. Voigts. Dieser sollte dann aber seine hannoversche Stellung neben­amtlich weiter behalten. Geschieht das, so würde, wie man in kirchlichen Kreisen annimmt, die Einrichtung dauernd bestehen bleiben, und damit wäre am Ende die lutherische Kirche der beiden annektierten Provinzen Hannover und Schleswig Holstein ihrer Selbständigkeit entkleidet: Ihre Verschmelzung mit der uniierten preußischen Landeskirche wäre nur eine Frage der Zeit. Es bleibt abzuwarten, ob die Meldung von der Ernennung Voigts sich bestätigen wird. Preußische Staatsgüter.

Der preußische Domänenfiskus besitzt gegenwärtig ins­Die nußbare gesamt 837 Domänen und 1177 Vorwerke. Fläche mit 348 000 Hektar. Die Domänen sollen in diesem Jahre an Pacht 13 196 627 Marf einbringen, etwa ein Drittel Million Mark mehr als im Jahre 1902, in dem ein Pachtausfall von 108 525 Marf zu verzeichnen war. Das Plus soll durch regere Selbstbewirtschaftung eingebracht werden. Bekanntlich strebt der Domänenfiskus danach, durch Neuantäufe die Zahl seiner Besitzungen zu vermehren, und auch die Ostmarkenpolitik verfolgt zu einem Teile diesen Zweck.

Ministerwechsel in Spanien.

Wieder einmal hat in Spanien ein Regierungswechsel stattgefunden: das Kabinett Silvela, das die für Spanien unnüße Flottenvorlage bei den Cortes nicht hat durchsezen fönnen, hat seine Entlassung genommen. Dem bisherigen Kammerpräsidenten Villaverde ist es im Handumdrehen ge­lungen, ein neues Kabinett zu bilden, nachdem Silvela einen Auftrag des Königs, an die Neubildung zu gehen, abge­lehnt hatte. Die neuen Minister haben den Könige den Amtseid schon abgelegt. Das Parlament werden sie erſt zum Herbst einberufen. In Finanzfreisen sezt man auf das neue Kabinett um so größere Hoffnungen, je mehr man von den Flottenplänen des früheren Ministeriums eine Störung der Staatsfinanzen befürchtet hatte. Von dem Kabinett Villaverde erwartet man auch, daß es alsbald mit Frank­reich in der marokkanischen Frage gemeinsame Sache machen

werde.

Ostasiatische Intriguen.

Troß der bisherigen Mißerfolge ihrer diplomatischen Minierarbeit in Ostasien wird die englische Politif nicht müde, weiter gegen Rußland zu heben. Die Einigung zwi­schen Russen und Amerikanern über die Mandschurei hat in London sehr verschnupft, und man sucht nachträglich das Einvernehmen zwischen den beiden Mächten zu stören, in­dem man die Yankees mit Argwohn gegen die Russen zu erfüllen trachtet. Selbstverständlich geschiebt das indirekt.

Echienbein zu reiben, Mirzten die haufen wieder üb. taia ruhig im Grase fißen blieb, um fein arg zerschundenes Gepfeife folgten diesem Intermezzo, und während Koch­

Brüllender Jubel, Gelächter und ohrenzerreißendes

so daß er wie ein Wild in diesem Bogen gefangen war; äußerste Enden mit ihm in gleicher Linie waren,

geffen außerste batten sich in einen Galbkreis, geformt

wo eine große Wunde floss finungslosen gebettet, und hielt das Licht an dessen Schläfe, Der Marchese stand am Lager, auf das man den Be­

feinem Teile der Welt also schlt die Trunkenheit.

Sie

schlürfen nämlich solche Getränke ungemischt, phur fic, mate