Ausgabe 
21.2.1903 Erstes Blatt
 
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henfolge sich wirklich nicht verlohnt. Von Interesse ist lediglich die Mitteilung des rheinischen Oberberghaupt­manns v. Velsen, daß anscheinend im Saargebiet un­ter den Bergarbeitern eine Gärung herrsche und ein Ausstand in Vorbereitung sei. Minister Möller teilt außerdem mit, daß eine Aenderung des Knappschafts­pensionsgeseges in Vorbereitung sei. Nachdem schließlid der ganze Etat erledigt war, wurde die Єigung ge schlossen.

Nab und fern.

£ Ein großer Wucherprozeß in Sicht! In Berlin ist der mehrfach vorbestrafte Geldagent Henry Schach tel, der im Prozeß des bekannten Grafen Egloffstein eine Rolle spielte, verhaftet worden. Er ist in zwei Fällen des Betruges verdächtig. Mit der Verhaftung Ech's ist der Anfang zur Aufrollung einer vielverzweig ten und hochinteressanten Wucherer- Affaire gemacht, die die Gerichte und die Deffentlichkeit für längere Zeit be­schäftigen wird. Die Mutter des Barons, eine witwete reiche Amerikanerin, die für ihren Sohn wieder. holt Schulden in sehr hohen Beträgen bezahlt hat, unternimmt nun den Versuch, ihren Sohn aus den Händen von Betrügern und Wucherern zu befreien. Es sollen noch weitere Verhaftungen bevorstehen.

ber.

)-( Ein geheimnisvoller Leichenfund. Beim Aus­schachten eines Grabes stieß der Totengräber von Nieder­pleis bei Siegburg in einer Tiefe von ungefähr einem Meter auf ein felett, dessen Beinknochen in hohen Stiefeln steckten, welche jedoch beim Herausnehmen zer­fielen. Von der Kleidung waren nur noch Lappen vor­handen. Neben dem Skelett lag ein großes, aufgeflapp­tes Messer, ein Portemonnaie ohne Inhalt sowie ein: Prille im Etui. Wie lange dieses Stelett sich schon in der Erde befunden haben mag, ist vorläufig noch nicht festgestellt. Aus dem Funde des offenen Messers und leeren Portemonnaies dürfte zu folgern sein, daß es sich hier um das Opfer eines vor Jahren begangenen Raub­mordes handelt, welcher bisher noch nicht seine Sühne gefunden hat.

Der Geistes zustand der Prinzessin Luise if von dem Genfer Professor Forel untersucht und für durch aus normal erklärt worden. Die Prinzessin lebt ir cölliger Freiheit, ohne die geringsten Beschränkungen aud im Berkehr mit ihrem Bruder. Die Trennung von Giror war eine völlig freiwillige und hat mit dem Anstalts- Auf enthalt nichts zu tun. Die Prinzessin erhält täglich ein Unzahl von Zuschriften aus allen Teilen der Welt, zum Tell beleidigenden Inhalts.

§ Der Leipziger Banttrach. In der Donnerstags­Sigung wies der Gerichtshof den von der Verteidigung im Namen des Ang igten früheren Direktors Exner gegen den Vorsitzenden Landgerichtsdirektor Müller er­hobenen Ablehnungsa cag als unbegründet zurück. Das Schwurgericht trat duf in die Verhandlung unter Borsiz des Landgeria, direktors Müller ein, Der An­getlagte Erner erklärte, er werde sich über die ihm zum Borwurf gemachte Verschleierung später eingehend der Wahrheit gemäß äußern. Was den betrügerischen Ban­ferott anlange, so bestreite er ganz entschieden, sich dieses Berbrechens schuldig gemacht zu haben. Er habe selbst sein ganzes Vermögen durch den Zusammenbruch der Leipziger Bank verloren; auch seine Frau habe dabei den größten Teil ihres Vermögens eingebüßt.

|::][ Des Bäuerleins Unstern.] Eine heitere Szene er­eignete sich am Münchener Zentralbahnhofe, gerad zur Zeit des Empfanges der Königin von Spanien, die an das Sterbelager ihrer Mutter, der Erzherzogin Elisa­beth von Desterreich eilte, durch die Mitglieder des bayrischen tgl. Hauses. Die Hoheiten hatten eben den mit Teppichen belegten Gang zum Einfahrtsgeleise des Sonderzuges der Königin durchschritten, als eine Seite des dichten Menschenspaliers zu wanten begann. Ein Bäuerlein mit Steden und Tücht suchte sich unter Auf­bietung aller Kräfte durch die Menschenmauer eine Gasse zu bahnen, um noch zu seinem Zuge nach Dachau zu gelangen. Bald stand er auf dem Teppich, eilte sogleich spornstreichs auf den Sonderzug zu, um eben in dessen leztem Wagen Platz zu nehmen. Doch die Polizei und die Bahnbediensteten hatten den Eindringling rasch am Kragen; unter dem Gelächter der Zuschauermenge wurde er wieder zum Perrongatter hinausgeschafft, wo er dann über sein Mißgeschick und den verpaßten Zug nach Dachau weidlich räſonnierte.

Furchtbare Eisenbahnunfälle in Amerika. Ein Expreßzug der Grand Trunk Railway wurde in der Nähe von Whitby von den Schienen geschleudert und stürzte einen 25 Fuß hohen Damm hinab. Dreißig Passagiere wurden mehr oder weniger schwer verletzt. Fest zur selben Zeit stieß ein Zug der Delaware- Lackawanna- Bahn mit einem Wagen der elektrischen Bahn, in dem sich eine Anzahl Schulkinder befanden, zusammen, wobei neun Bersonen getötet und 30 verlebt wurden, darunter 12 o schwer, daß sie im Laufe des Tages im Hospital hren Wunden erlagen.

Bunte Chronit. Bei der Revision einer schadhaften Packung am Hauptdampfrohr auf dem Panzer ,, Kaiser Friedrich III." wurden in Kiel zwei Heizer durch aus. strömenden Dampf verbrüht; der Heizer Dürr erlag nach kurzer Zeit seinen Verlegungen.

- Die Kölner Volksschullehrerin Sittard, die mit einem dortigen Lehrer ein Liebesverhältnis unterhalten hatte, schoßs ich in der Schule nach kurzemi Wortwechsel mit ihrem einstigen Bräutigam eine Kugel in den Kopf und war sofort tot. Eine Kollegin von ihr wurde beim Anblid der Leiche von einem Schlaganfall betroffen und mußtz in ein Hospital gebracht werden.

- Wegen verschmähter Liebe versuchte in Berlin der Kanzleibote Conzak seine Braut und sich selbst zu erschie ßen. Die gegen die Braut gerichtete Kugel ging fehl Konzak, der sich in die Schläfe geschossen hatte, wurde in bewußtlosem Zustande in ein Krankenhaus geschafft. - Der Volksschullehrer Tirolf in Ehrenhain bei Alten­burg wurde wegen zahlreicher Sittlichkeitsverbrechen, be­gangen an Schulkindern, auf Antrag der Staatsanwalt­schaft verhaftet.

- Das Pulvermagazin im Fort Lafayette außerhalb des Newyorker Hafens ist in die Luft geflogen. Dabei wurden 5 Personen getötet, 11 schwer und 10 leicht berlegt.

Hessischer Landtag.

Darmstadt, 20. Februar. Präsident Haas eröffnet die Sizung um 9 Uhr 20 Minuten.

Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der Spe­zialberatung des Staatsbudgets für 1903/04, zunächst 5. Hauptabteilung( Stapitel 12), direfte Steuern, Regalien, indirekte Auflagen und Einnahmen aus verschiedenen Quellen. Der Ausschuß beantragt Bewilligung der angesezten 15 947 570 Mt. Einnahme und 1 597 507 Mt. Ausgabe. Es werden bei den Einnahmen eine Reihe Beschwerden und Wünsche vorgebracht, namentlich bezüglich der Radfahrsteuer, Hundesteuer, Stempelsteuer und die Tätigkeit der Landes­fommission, und zwar von den Abgg. Dr. David, Graf Oriola, Korell, Weidner, Dr. Schmitt, Leun, Langenbach, Cramer, Saeng und Seelinger, denen Finanzminister Gnauth und die Ministerialräte Best und Dr. Bicker erwidern. Hierauf werden die Einnahmen genehmigt. Bei den Aus­gaben beantragt Abg. Korell Streichung der vorgesehenen Erhöhung der Gehalte der Steuerkommissariatsassistenten und regt Ersparungen bei den Kontrollbeamten an

An der Debatte hierüber beteiligen sich die Abgg. Molthan, Häus I, Dr. Gutfleisch, Wolf, Möllinger und Finanzminister Gnauth. In namentlicher Abstimmung wird der Antrag Korell mit 20 geyen 17 Stimmen abgelehnt, das Kapitel angenommen. Die noch nicht erledigten Kapitel 16 bis 22 der VII Hauptabteilung, Staatsministerium, werden nach den Ausschußanträgen genehmigt.

Bei der VIII. Hauptabteilung, Ministerium des Innern, bringt Abg. Dr. Schmitt die bevorstehende Revision der Verwaltungsgesetze zur Sprache und äußert eine Reihe von Wünschen hierzu. Staatsminister Rothe erwidert, die Ver. waltungsgesetz- Reform werde so bald als möglich an das Haus gelangen. Ministerialrat Braun geht auf einige der vom Abg. Dr. Schmitt angeregten Fragen näher ein. Abg. Wolf bringt die Zigeunerplage zur Sprache.

Hierauf vertagt sich das Haus auf Donnerstag 10 Uhr mit der Tagesordnung: Fortsetzung der Spezialbudget. beratung, Wahl der 3 Präsidenten nach Artikel 9 Absatz 2 der landständischen Geschäftsordnung.

Giessener Cagesneuigkeiten.

** Das Großh. Regierungsblatt, Bei­lage Nr. 2, ausgegeben am 18. Februar, enthält: I. Bekanntmachung, die Beiträge der waldbefizenden Gemeinden 2c. zu den Besoldungen der Oberförster betreffend. Nach dem Verzeichnis beziffert sich nun­mehr die Summe der Beiträge für Stackenburg auf 101 458,05 Mt., für Rheinhessen auf 11 639,11 Mf., für Oberhessen auf 67 062,08 mf., zusammen 180 159,24 Mf. II. Dienstnachrichten Am 24. Januar wurden 11. a. der Schulamtsaspirantin Ratharina Hotz aus Laubach, Kr. Schotten, eine Lehrerinnenstelle an der Volksschule zu Offenbach übertragen; am 5. Februar wurde der Schulamtsaspirant Georg Ernst Müller aus Alsfeld zum Lehrer an der Taubstummenanstalt zu Friedberg, unter Belassung in der Kategorie der Bolksschullehrer, mit Wirkung vom 1. April an, er­nannt; am 7. Februar wurde dem Schulamtsaspiranten Georg Becker aus Lehrbach, Kr. Alsfeld, eine Lehrer­stelle an der Gemeindeschule zu Freiensteinau, Kr. Lauter­bach, an demselben Tage wurde dem Schullehrer Jo­hann Heinrich Eifert zu Breungeshain, Kr. Schotten, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Walldorf, Kr. Groß- Gerau, an demselben Tage wurde dem Schul­lehrer Paul Appel zn Walldorf, Kr. Groß- Gerau, die Lehreistelle an der Gemeindeschule zu Breungeshain, Kr. Schotten, übertragen.- V. Promotionen an der Großherzlichen Landesuniversität vom 1. Oktober bis 31. Dezember 1902. VI Ruhestandsversetzungen. VII. Konkurrenzeröffnungen. Erledigt find u. a.: an der Voksschule in Gießen vier mit evangelischen Lehrern zu besezende Lehrerstellen, zu deren einer( I. Lehrerſtelle an der Stadtmädchenschule) dem Stadtvorstand zu Gießen das Präsentationsrecht zusteht, und eine mit einer evangelischen Lehrerin zu besetzende Lehrerinnen­stelle, und die mit einem evangelischen Lehrer zu be­setzende Lehrerſtelle an der Gemeindeschule zu Hopf­mannsfeld, im Kreise Lauterbach.

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Morgen findet die Anlage musik in der Süd­Anlage vormittags 11 Uhr mit folgenden Biegramm statt: 1. Hochzeitsmarsch und Brautgesang aus Romeo und Julie" von Gounod; 2. Ouverture" Die Felsenmühle" von Reiziger; 3. Mein Traum! Walzer von Waldteufel; 4. Fantasie a. d. Op. Der fliegende Holländer!" von Wagner.

In Steins Garten wird morgen Sonntag der Gießener Radfahr- Verein 1885 sein ostümfest abhalten. Bring a neval und Frau Mufita", ein großes historisches Festspiel, wird besonders den Radlern und Sportsgenossen viel Freude machen.

** Kaum ist das Maskenkränzchen der Contentia vorüber, so ist ein zweites Fest schon wieder angekündigt. Morgen haben die Contentianer nun auf der Schönen Aus­sicht Kappen sigung; das Programm ist urfidel.

** Turnerisches. Der geschäftsführende Ausschuß des Mittelrheinkreises hat für das Jahr 1903 folgen den Arbeitsplan aufgestellt. 15. März: Feldbergturn­tag in Höchst a. M. und Kreisvorfechterschule in Wies­baden. 29. März: Kreisturntag in der Turnhalle der Turngemeinde Darmstadt. 19. April: Kreisvorturner schule in Höchst a. M. Mitte Juni: Feldbergturnfest. 28. Juni: llebungsturnen der Turner des Mittelrhein­freises, welche sich am Wettturnen beim diesjährigen deutschen Turnfeste in Nürnberg beteiligenden( Turn halle des Frankfurter Turnvereins). 20. Sept.: Sceis. borturnerschule in Kreuznach. 1. März: Turnen der freien Vereinigung von Vorturnern des Mittelrhein­freises in Hanau.

** Wie aus dem heutigen Inseratenteil ersichtlich, so stellt Herr Hch. Schneider, Oswaldsgarten, ein neues Riesen­pianoorchester auf. Bis zur Stunde der Drucklegung unferer Bitung war dasselbe noch nicht fertig aufgestellt und werden wir in nächster Kr. eingehend darüber berichten. ** Die geplante Irrenanstalt wird nicht auf dem vorgesehenen Gelände erbaut werden. Das Braunsteinberg werk" Fernie", daß das Mutungsrecht befizt, hat nämlich bei den vorgenommenen Bohrungen mächtige Erzlager entdeckt, wofür es angeblich 200 000 bis 300 000 Mt. Entschädigung fordert. Man beabsichtigt deshalb, das bereits früher in Betracht gezogene Gelände in der Gemarkung Klein Linden zu wählen. Die schon öfters erörterte Eingemeindung dieses Ortes würde dann nur noch eine Frage der Zeit sein. So schreibt man auswärtigen Beitungen.

** Man schreibt uns: Die Redaktion der seit kurzem in Darm­stadt erscheinenden Mitteldeutschen Fleisher Beitung" hat jezt der Vorsitzende des Bezirks beide Hessen und Nassan" im Deutschen Fleischer- Verbande" Herr Obermeister Carl Lauz, der schon längst als Fach­schriftsteller sich eines geachteten Namens erfreut, übernommen. energische Wahrung der Interessen des hessischen Fleischer­Das genannte Blatt, dessen Aufgabe laut Profp ft die gewerbes ist, br ngt u. a. in der legten Nummer aus der Feder seines Herausgebers eine eingehende Besprechung der in voriger Woche der Zweiten Kammer der Stände zuges gangenen Regierungsvorlage, betreffend Ausführungsgesez zur Schlachtvieh- und Fleischbeschau.

Aus Hessen und nachbargebieten.

** Laubach. Die Eröffnung der neuen Bahn Mücke -Laubach hofft man im Juni oder Juli vornehmen zu können. Mit der Bahn macht sich aber auch ein Umschwung der Holzpreise in den Waldungen bei Freienseen und Laubach bemerkbar, dieselben sind um ein drittel bis ein halb des seitherigen Preises in die Höhe gegangen.

Stumpertenrod Große Augen machte unlängst ein hiesiger Landwirt, als er eines schönen Morgens seinen Pferdeftall öffnete und denselben in ein boll ständiges Rauchutensilien- und Tabaklager umgewandelt sah. Schön aufgestapelt lagen hier nämlich Pfeiffen, Gigarienspitzen, Cigarrenetui mit Inhalt und Tabat. In der Meinung, daß niemand sich in seinen Pferde­stall einrichten könne wie er wolle, obne sich darüber mit ihm eist zu verständigen und auch wohl dem vor zubeugen, daß man wohl über Nacht auch noch ein Eckerfenster an seinem Pferdeftall anbringen würde, nahm er die Sachen schmunzelnd einstweilen in Ver wahrung. Doch wer zulegt lacht, lacht am besten, denn, wie man vernimmt, sollen inzwischen von bedienender Seite des Landwirts ohne Wissen desselben, die Sachen dem früheren Eigentümer wieder zugesteckt worden sein. ** Der Turnverein Wetlar ist schon eifrig dabei, die Vorarbeiten für das in diesem Jahr statt findende Gauturnfest in Gang zu bringen. Das Fest findet am 5. Juli statt. Es haben sich die ein­zelnen Kommissionen gebildet; dem Ehrenkomite gehören an: Bürgermeister von Zangen, Landrat Dr. Sartorius, Oberstleutnant Kießlich, Gymnasialdirektor Prof. Dr. Fehr, Reftor Luerssen, Seminaroberlehrer Vorbrodt, Banfier Karl Flörsheim und Fabrikant Ernst Leig..­Der Festplatz liegt an der Manhäuserbach, es find dieselben Wiesen, auf welchen im vorigen Jahre das Sängerfest stattfand.

** Frankfurt a. M., 20. Febr. Auf dem h'esigen Hauptbahnhof, wurde gestern einem Cigarrenreisenden eine Handtasche gestohlen, in der sich ein Beut I init 200 Mt. in Gold und Silber und ein Portefeuille mit 1200 Mt. Papiergeld und 1800 Mt. in Geschäftswechseln befanden. Der Reisende hatte, während er sich mit einem B fannten unterhielt, das Täschchen neben sich gestellt.

*** Frankfurt a. M., 20. br.( Zur Reichstags­wahl.) Wie mitgeteilt wird, beabsichtigen die hiesigen Demokraten und Freisinnigen den Stadtverodneten Dr. Heinrich Rößler bei der bevorstehenden Reichstagswahl als Kandidaten aufzustellen.

*** Kassel, 20. Febr. An dem Hause Brüderstraße 11, in den am 23. Febr. 1749 die nachmalige berühmte deutsche Sängerin Mara geboren wurde, ist eine Gedenktafel ange bracht worden. Friedrich der Große bezahlte der Mara, geb. Schmaling, bekanntlich ein Jahresg halt von 6000 Th., eine für die damalige Zeit unerhörte Summe.

Aus dem Gerichtssaal. Straffammer sitzung.

Gießen, 20. Febr. 1903. Der vielfach vorbestrafte Schlosser Emil J. aus Weltershausen ist geständig mehreren Einwohnern zu Friedberg Wäschestücke entwendet zu haben, auch gesteht er zu, daß er in Gemeinschaft mit Stonrad G., nachts zwei Enten aus einem Stall gestohlen hat, was dieser ebenfalls zugibt. Die Sachen wurden in die Wohnung des J. gebracht, wo dessen Ehefrau dieselben in Em pfang nahm und alsbald eine Ente zubereitete, welche dann gemeinschaftlich verzehrt wurde Bei der Haus­suchung fand man noch eine Ente, sowie mehrere Stüd Wäsche, von welchen bereits die Zeichen entfernt waren. Frau J, welche sich wegen Hehlerei zu verantworten hat, bekommt 3 Monate Gefängnis und G. wegen Diebstahls die gleiche Strafe, während gegen den Ehe­mann 3. auf 3 Jahre Zuchthaus unter Aberfennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre und auf Zu­lässigkeit der Polizeiaufsicht erfannt wird.- Bei ver­schloffenen Thüren wird gegen den Wagnerlehrling Johannes E. von Buzbach verhandelt. Er ist geständig, im dortigen Krankenhaus sich an einem Stinde unter 14 Jahren unfittlich vergangen zu haben; auch hat er versucht seinem Mitgesellen den Koffer zu erbrechen. Wegen Sittlichkeitsverbrechen und Diebstahlsversuch

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