Ausgabe 
21.1.1903 Erstes Blatt
 
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Hammerstein führte diesen Gedanken noch weiter aus und betonte, daß die Regierung nicht ablassen werde, das Deutschtum gegen die Polen zu schüßen. Der nat.- lib. Abg. b. Eynern war damit einverstanden. Er führte weiter aus, der Mittellandkanal sei der Obstruktion der Ronservativen zum Opfer gefallen.

Abg. v. Stauby( fons.) bestritt diese Behauptung. Abg. Dr. Friedberg( nl) drückte sein Bedauern aus, baß auf die mehrfachen Anfragen wegen der Kanalvor­lage vom Regierungstisch teine Antwort erfolgt sei.

Nach dem noch Abg. Kirsch das Zentrum dagegen ver­bahrt hatte, daß es der Regierung neuerdings Gefolgschaft leiste, wurde ein Schlußantrag angenommen und wie üb­Hich Teile des Etats der Budgettommission überwiesen. lächse Sigung Donnerstag 11 Uhr.

Vermischtes.

:[ enn man zerstreut ist.] Einen hübschen Beitrag zu ber sprichwörtlichen großen Berstreutheit der Professoren bringt ein süddeutsches Blatt. Der Herr Professor sizt in der Zwischenpause im Theater sinnend auf seinem Eckplay, am Ausgang einer ziemlich engen Sperrsizreihe. ,, Darf ich bitten, mich hinaus zu lassen?" ertönt plöglich die Frage an sein Dhr. ,, Nein, ich lasse Sie nicht hinaus," entgegnet ber zerstreute Professor, sonst kommt die ganze Klasse und verlangt nachher dasselbe."

T[ Dichterphantasie und Wirklichkeit.] In Paris ist unter dem Titel Tagebuch eines Bürgers von Paris unter dem zweiten Kaiserreih" ein hütsches Memoirenwert erschienen, das einen einst berühmten Arzt, Dr. Prosper Ménière, zum Verfasser hat und von dem Sohne des längst verstorbenen Autors herausgegeben worden ist. Un­ter den vielen Anekdoten, die das Buch enthält, sei eine besonders lustige herausgegriffen, die von der üppigen Phantasie und von der Rednergabe des älteren Dumas einen hübschen Begriff giebt: Dumas unterhielt sich ein­males war im Jahre 1851- mit mehreren grau­bärtigen Generalen, denen er ein lebhaftes Bild von der Schlacht bei Waterloo entwarf, die sie alle mitgemacht hatten. Mit dem Genie eines Feldherrn führte Dumas Truppen ins Gefecht, die sich nie daran beteiligt hatten, zitierte heroische Worte, die nie gesprochen worden waren, und gab überhaupt von der ganzen Schlacht eine so roman­hafte Schilderung, daß die alten Generale verwundert die grauen Köpfe schüttelten und einer von ihnen zu bemerken wagte: Aber erlauben Sie, lieber Herr, so war es ja garnicht. Wir waren doch auch dabei..." ,, Dann haben Sie eben nichts gesehen," unterbrach ihn Dumas trocken und fuhr mit noch größerem Feuer in seinen Schilderungen fort. Die alten Generale wurden schließlich durch seine phantastischen Schilderungen so über­wältigt, daß der älteste von ynen fleinlaut bemerkte: ,, Wer kann es wissen! Vielleicht er doch recht...!" )-([ Eingleisige Bahnen.] Der Kaiser will bekannt­lich den Grunewald den Berlinern als Volkspark erschlie­ßen. Dieser Umstand hat eine englische Eisenbahnbau­gesellschaft zu dem Projekt einer Bahn veranlaßt, die den Grunewald für die Berliner leichter erreichbar machen soll. Die Gesellschaft baut als Spezialität Einschienen­Bahnen. Sie hat in mehreren Grafschaften Frlands der­artige Bahnen ausgeführt, die sich aufs beste bewähren sollen. Die Konstruktion der Einschienen- Bahnen ist eine ganz eigenartige. Der Unterbau ist 1 Meter hoch und aus Eisen. Eine Art eiserner Böcke sind durch eine starke Tragschiene verbunden, auf der die Räder der Wagen laufen. Lettere sind durch einen eingebauten Einschnitt in der Mitte längsseitig in zwei Teile geteilt, so daß sie gewissermaßen auf der Tragschiene reiten. Das Gleich­gewicht wird durch zwei Rollen erhalten, die auf beiden Seiten des Wagens am Unterbau langlaufen. Die Her­stellungskosten der Einschienen- Bahnen sollen, da zum Unterbau feine Planierungen erforderlich sind, und Brücken in der Weise hergestellt werden, daß die Tragschiene ent­sprechend verlängert und verstärkt wird, verhältnismäßig sehr billig sein.

[ Ueber türkische Ministergehälter] macht der ,, Cri de Paris", der allerdings nicht sehr vertrauenswert ist, folgende Mitteilungen: Der türkische Marineminister hat ein Einkommen von 414 000 Frcs. Das ist ein hübsches

Venezuela und die deutschen Interessen.

Bon Prof. Dr. W. Sievers( Gießen). Die Anfang Dezember 1902 seitens des Deutschen Reiches und des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland, denen sich später auch noch Italien angeschlossen hat, erfolgte Ueberreichung eines Ultimatums an die Ver­einigten Staaten von Venezuela hat die allgemeine Aufmerk­samkeit auf dieses Land gelenkt und zu manchen richtigen und sehr vielen unrichtigen Zeitungsartikeln geführt. Im Folgenden soll versucht werden, die unrichtigen Angaben von den richtigen zu scheiden und ein Bild der deutschen In­teressen in Venezuela zu geben, so weit solche bei dem Mangel einer genügenden staatlichen Statistit und der Lückenhaftigkeit privater Mitteilungen feststellbar sind.

seld, und der türkische college des berühmten Herrn Belletan kann sich sicher nicht bellagen. Er bekommt jogar mehr als der Großvezier, der nur 331 000 Frcs. Gehalt bezieht. Ebensoviel erhalten zwei oder drei andere Mi­nister. Die Miniſter des Innern, des Aeußern, des Unter­richts und der öffentlichen Arbeiten müssen sich mit je 220 000 Frcs. zufrieden geben. Einer der am schlech­testen besoldeten Minister ist der Finanzminister, der nur 193 000 Frcs. erhält. Weniger als er, nämlich 138 000 Fres. bekommt nur der Minister der Bergwerke und der faiserlichen Forsten. Der glüdliche Marineminister soll sich, seitdem er im Amte ist, bereits ein kleines Vermögen bon mindestens 60 000 000 Frcs. ,, erspart" haben. Das beweist, daß Sparsamkeit und Ordnungssinn zu seinen schönsten Tugenden gehören. Im ganzen beziehen die türkischen Minister- es sind ihrer vierzehn- 3 700 000 Fres. Gehalt.

)-([ der Goldreichtum Alastas] scheint unerschöpflich zu sein. Am Tanana, einem Nebenslusse des Yukon ist soeben ein neues Goldland von angeblich unerreichter Er­giebigkeit entdeckt worden. Seit im Jahre 1896 reiche Goldfelder im Yukonslusse in Alaska im Klondilegebiete gefunden wurden, sind hunderte von Millionen von den unternehmenden Goldsuchern aus der Erde geschaufelt wor den, und noch hat die Ergiebigkeit der Goldregionen sich nicht verringert. Während noch vor wenigen Jahren das Innere Alaštas ein ödes, verlehrsloses Gebiet war, das nur in der günstigsten Jahreszeit und auch dann nur unter beinahe unüberwindlichen Schwierigkeiten bereist werden fonnte, entwickelte sich seit den enormen Goldfunden aus den Hauptverkehrsstraßen, über den Thea- und Whitepaß zum oberen Yukon und auf der kanadischen Seite nach Dawson City zu, ein geregelter und sicherer Verkehr. Viel zur Erschließung des Innern trug die Erbauung von Eisen­bahnen über die schwierigen Paßübergänge bei.

Kurzes Allerlei. Der dichtende Bürgermeister von Berlin, Dr. Reicke, ist übertrumpft! In Finnland haben sie jezt sogar einen dichtenden Gouverneur. Es ist der neuernannte Gouverneur von Kuopio, Herr M. A. Bergh, der unter dem Namen Martti Wuori( Wuori ist das finnische Wort für Berg) eine Anzahl reizender Theater­stücke in finnischer Sprache geschrieben hat.

- Ein seltsamer Nachruf findet sich in der Totenliste eines schweizerischen Blattes für 1902. Es heißt dort: N. N., Altgemeindepräsident und Landrat in Elm. 70 Jahre alt. Beim Elmer Bergsturz leitete er mit Mut und geschickter Hand die Katastrophe."

- Gegen Blutvergiftung will ein Newyorker Arzt, Dr. Barrows, ein neues Mittel entdeckt haben. Das Mittel besteht in einer Einsprißung von Formalin in die Abern. Diese in den Newyorker Spitälern versuchsweise ange­wandte Methode hat angeblich so günstige Resultate er­geben, daß deren allgemeine Einführung beschlossen wor­Ben ist.

Bunte Chronit. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd ,, Lahn" ist wieder flottgeworden und in Gibraltar eingetroffen.

Der Hamburger Schooner ,, August" ist unweit Kin­sale untergegangen. Der Kapitän ist ertrunken, die Mann­schaft gerettet.

- Auf Bahnhof Dahlhausen( Ruhr) stieß ein Rangier­zug auf entlaufene Wagen des dortigen Brikettwerks. Der Lokomotivführer wurde tödlich verleßt.

-In Uerdingen machte ein kürzlich aus dem Gefäng­nis entlassener Werkmeister einen Mordversuch auf seine Frau. Die Frau liegt im Sterben. Der Täter ist flüchtig. Der Mann hatte bereits vor ungefähr 2 Jahren seine Frau mit einem Beile sehr schwer verleßt und seine Tat mit 18 Monaten Gefängnis büßen müssen.

-In Tetingen( Elsaß) erschoß der neunjährige Sohn des Pächters Godfrin den bei der Arbeit befindlichen Tagelöhner Schwarz, Vater von sechs Kindern, aus Ún­borsichtigkeit.

- Auf einer nach Isenburg führenden Landstraße wurde der Gast i Meiler tot aufgefunden. Uhr und Barschaft fehlten, daß ein Raubmord vermutet wird.

Giessener Cagesneuigkeiten. ** Die hessische Regierung hat einen Gesezentwurf

lauft 1. Sorte( Tiere Corte( pifchen 40-4 Corte( leichter als 40

fertiggestellt, der verschiedene wichtige Neuerungen im fen wurden für 750-80 heffischen Landtagswahlrecht bringt. Der Entwurf soll art blieb in allen Biel

demnächst veröffentlicht werden.

**

Bon beffichen Behö

Bimmermann und Tagl

ofen aus Metrich weg

** Ernannt wurde am 15. Januar der Pfarrer Franz lischen Pfarrstelle zu Langenhain, Detanat Friedbecq. geben am 19. Januar d. J., enthält: Bekanntmachung, die Besetzung der Subaltern- und Unterbeamtenstellen bei den

Jacobowsti zu Freiensteinau zum Pfarrer der bange Bornheim wegen Diebstahls ** Das Großh. Regierungsblatt Nr. 4, ausge midt pas Wiesbad

nuar 1903.( Umfaßt das Verzeichnis der den Militäran

Großh. Staatsanwalts

ndreas Weirich aus

** Bortrag. Im

Staatsbehörden mit Militäranwärtern betr. Vom 10. Ja Großh. Amtsanwalt zu wärtern vorbehaltenen Dienststellen, das an die Stelle des err Professor Dr. Bi der Bekanntmachung vom 22 Januar 1900, Regierungsblatt hienenen Mitgliedern

Nr. 18, beigefügten Verzeichnisses zu treten hat.)

An dem × Hessische Vereinigung für Volkskunde. dritten der Mitgliederabende dieses Winters( 19. Jan.) sprach Herr Custos Dr. Ebel über Gießener Flur­und Straßennamen. Aus den Akten des hiesigen

reins einen lehrreichen

Bant". Ueber das lef

Aus Helfen u

**

Lollar. Monta

städtischen Archivs, Urkundensammlungen u. dergl. hat ardt'fden Haufe ei

er umfassendes geschichtliches Material gesammelt, auf das gestützt er die Namen in die älteren Zeiten zurück­

atte den Dieb aber wurde verfolat und Benddarmen übergeben,

berfolgte und ihre Entstehung erläuterte. Auf gar ährlichen Bewaffnung

manche dieser jedem Gießener wohlbekannten Namen fiel durch bisher unbekannte ältere Belege, die der Vor­sichtlichem Interesse folgten die sehr zahlreich erschienenen

Beldfaffette und mehrer

tragende beibringen konnte, ein ganz neues Licht. Mit fobl nen Gegenständer Damen und Herren seinen Ausführungen und lohnten Dr. Breidert und

ihn mit lebhaftem Beifall. An der angeregten Dis fussion, die sich an den Vortrag anschloß, beteiligten

wohnten im Gasthaus Drievorfände Ettin

sich die Herren Professoren Horn, Lucius, Geheim- lcher über den von rat Siebeck, Strad; ferner die Herren Oberlehrerereits im Bau befi

Dietrich, Dr. Koch, Dr. Mäuser und der Vor­

ttingshausen v rhande

tragende. Besonders der rätselhafte Name unserer andlungen ist noch ni

**

Lehrbach San

" Schur" wurde von allen Seiten beleuchtet, ohne daß man jedoch zu einem definitiven Ergebnis gekommen Uhr soll die hiesige wäre. Der Vortrag wird seiner Zeit in der Zeitschrift ürgerueifterei öffentlic

der Vereinigung beröffentlicht werden.

** Nieder- Gemin Februar, von nach

**[ Stadttheater.] Nächsten Mittwoch, den 28. Januar, wird Herr Direktor Lindemann mit ki Birt Södler ein 8 seinem Ensemble in unserem Stadttheater ein ein­** Ober- Ohmen. maliges Gastspiel veranstalten. Zur Aufführung genes schönen Abend langt Tie tote Stadt", Tragöde von Gabriele burort N. Sein Li D'Annunzio. Bemerkt sei noch, daß D'Annunzio dahein im Holzschup unter den lebenden italienischen Dichtern zweifelsohne Aufforderung Folge a der bedeutendste und La città morta" wiederum sein fit dann auch zuſam vollkommenstes Werk ist.

Der vorgestrige Viehmarkt hatte einen Auftrieb von 11-1200 Stück Milchfühen, Gangochsen und Fettoieh sowie ca. 300 Kälber. Start war diesmal die Kundschaft vom Rhein her gekommen. Der Handel in tragenden und frisch. meltenden Kühen zeigte Flouheit bei weichenden Preisen. Schwarzbunte Ware( Friesenfühe) waren gesucht, aber zum größten Teile bereits am Vormarkt abgeseßt, einige schwere Simmenthaler, die am Markt waren gingen flott zu guten Preisen ab. Das Gangochsen- Geschäft hatte viel zu früh im Jahre noch keine ziehende Kraft, Händler aus Köln suchten und fanden am Markt einige schwere Paare. Mittel­ware verließ unverkauft den Markt. Der Fettvieh- und Kälber- Vorrat erwies sich für die Nachfrage als zu groß, sodaß die Preise erheblich gegen die der letzten Märkte ab­schlugen, selbst als die Gießener Mezzer durch starte Ein­läufe besonders in Rindern in das G schäft eingriff n gingen die Preise nicht wieder hoch. Der Kälbermarkt war so mit Ware belastet, daß die Preise so billig wurden wie wir sie im vergangenen Jahre so niedrig nicht hatten. Es wurde gehandelt Milchfühe 1. Sorte 400-450 Mt., 2. Sorte 330-360 M., 3. Sorte 270-300 Mt. pro Stück. Beste Ware fette Rinder wurden verkauft 59-61 Mt. pro Centner Schlachtgewicht. Kälber wurden der Centner Schlachtgewicht

Carúpauo nur die Erzeugnisse des allernächstliegenden Landes,| aromatischen Tonkabohnen der Dipteryx odorata mit 184000

La Guaira und Puerto Cabello führen diejenigen der Cen­tralstaaten und zumteil auch der Llanos aus, Maracaibo endlich ist der Hafen für den venezolanischen Staat Los Andes sowohl wie für den Norden des columbianischen Staates Santander.

und etwas katao mit 46 800 Marf. Das ergiebt, unter Sinzurechnung von 692 000 Mart Ausfuhrwert für lebende Tiere und einiger fleinerer Posten für 1900 eine Summe von 8,92 Mill. Mark für die Gesamtausfuhr. Diese Aus­fuhr ist nun abec, wie der Handel von Benezolanisch Guayana überhaupt vorwiegend in Händen der Deutschen,

namentlich des Hauses Blohm y Co. und Sprick Luis y Ca. Neben den deutschen sind auch noch einige italienische Frmen, und Franzosen sind spärlicher, im Allgemeinen aber ist der wie Bettistini, Balazzi, Bicentini von Bedeutung, Engländer Großhandel von Ciudad Bolivar deutsch. Falls sich der Kauf der Crespo'schen Besitzungen zw schen dem unteren Caura und Cuchivero verwirklichen sollte, so würde nicht nur ein mächtiger Grundbesig, sondern auch eine sehr be­

Man kann für die deutschen Interessen vier Hauptge- und heute führt Ciudad Bolivar( 1900) nur noch für 1,36 trächtliche Erhöhung des Einfluſſes für die Deutschen er­

biete unterscheiden, von denen ein jedes durch besondere Eigenart von dem anderen abweicht und die den hauptsäch lichsten physischen Abteilungen des Landes entsprechen, nämlich das Orinocogebiet, den Osten( El Oriente), Mittelvenezuela ( die Centralstaaten) und das Wirtschaftsgebiet um die La­gune von Maracaibo. Am Orinoco herrscht der Handel allein, und zwar auf charakteristische Erzeugnisse, Gummi und Gold, auch Häute; in Ostvenezuela hat die Ausbeut. ung des Schwefels von Bilar für Deutschland eine größere Bedeutung als der dort betriebene Anbau von Kafao, in Mittel- und Westvenezuela liegt der Schwerpunkt der Kaffee und Katao- Ausfuhr und des Kaffe handels, aber zugleich ist Mittelvenezuela infolge der Erbauung der großen deutschen Eisenbahn zwischen Carácas und Va­lencia ein Siz wichtiger industrieller deutscher Interessen geworden. Diesen vier Hauptgebieten entsprechen die Hauptsächlichen Häfen des Landes, für das Orinocogebiet Ciudad Bolivar, für den Oriente Carúpano, für Mittel­Venezuela La Guaira und Puerto Cabello und für Weſtvenezuela Maracaibo. Die dem Handel dienstbaren Hinterländer sind aber sehr verschieden groß. Ciudad Bolivar empfängt die Produkte aus dem gesamten Orinocogebiet,

Das Orinocogebiet weicht von den übrigen Venezuela in jeder Beziehung und somit auch in seinen Er­zeugnissen ab; es führt die Produkte von Guayana aus, somit fast teinen Kaffee noch auch Katao, sondern rohe Waldprodukte, aber auch solche der Viehzucht und des Bergbaues. In den 70er und 80er Jahren spielte das Gold Guayanas die erste Rolle, insofern die Goldminen von Callao und Andere an 20 Millionen Mark jährlich ergaben; feit etwa 1890 hat aber die Goldproduktion nachgelassen Millionen Mark Gold aus. Dagegen hat sich die Ausfuhr von Balatá, dem Gummi der Mimusops balata und wahr. scheinlich zahlreicher anderer Waldbäume, in den letzten Jahren mächtig gehoben. Sie stieg in den Jahren 1897 bis 1900 von fast 300 000 gr. auf 1194 000 gr., hatte 1900 einen Wert von 3,824 Millionen Mark und stand damit unter allen Produften des Orinocogebiets an erster Stelle. Dieses Balatá Gummi fommt teils aus dem Delta des Orinoco, teils von den Nebenflüssen des Orinoco und Guayana und auch schon vom Oberlauf, mit dem freilich die Verbindung schlecht ist; die wichtigste Bezugsquelle ist zur Beit wohl der Yuruari. Dazu kommt ferner für 240 000 Mark Kautschuck, wohl von Hevea guyanensis. Ein dritter bedeutender Ausfuhrgegenstand sind Häute, 1900 mit 1,6 Millionen Mart, der zweitwichtigste überhaupt; sie tommen von den trockenen Landschaften zu beiden Seiten des Orinoco und aus dem Tauragebiet, wo General Crespo's große Be­sizungen ein deutsches Syndikat zum Kauf angereizt baben. Den Häuten fann man noch hinzurechnen für etwa 80 000 Mart Reh- und Ziegenfelle und in den Rest der Ausfuhr Federn des weißen Reihers mit 740 000, Sarápia, die Ciudad Bolivars teilten sich 1900 Vogelfedern, wohl meist

zielt werden.

lebte.

Das zweite Wirtschaftsgebiet mit großen deutschen Interessen ist der Osten, jedoch erst seit kurzer Zeit. Bor dem Jahre 1900 war die Bahl und die Bedeutung der Deutschen im Oriente nur sehr gering; sie b schränkte sich auf einige Landsleute in Caúpino und Urgegend und in Barcelona, während in Cumaná überhaupt fin Teutscher Durch die Gründung der deutschen Gesellschaft zur Explotierung der Schwefelgruben von Bilar bei Carúpano ist jedoch seit 1900 auch im Osten der deutsche Einfluß, zunächst in Form eines bergbauliche Unternehmens plöglich bedeutend geworden. Auch ist zu erwarten, daß mit der Beit einige der wertvollen Rafaopflanzungen des Ostens und bielleicht auch ein Teil des izt völlig französischen, besser corsischen Handels von Carúpano und in deutsche Hände über­gehen wird. Die Schwefelgrubergesellschaft scheint in den ersten beiden Jahren 1900 und 1901 von Erfolg beoünstigt gewesen zu sein, doch dürfte die Revolution von 1902 thr Richteile gebracht haben; ob auch sie bereits unter den Reflamanten für Schädigungen während des Sommers 1902 sich befindet, ist mir nicht bekannt.

( Fortseßung folgt.)

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