Mr. 272.
nementsprets: in Gießen, abgeholt menatlich 50- Pfs., fe's baus gebracht 80 B3fg., burch ble Poft béjogen ötertels fährlich Mr. 1.50.
Brabellagen: Oberbeffische Familienzeitung( täglich) Cubeffische Beitschrift für Landwirtschaft, Obst- und anten ban, fotote bie Gießener Seifenblasen( wöchentic). Das Blatt erscheint an allen Bertingen nachmitage.
Donnerstag, den 19. November 1903.
Gießener
12. Jahrgang.
Jafertisedyret: Die einspaltige Veritzelle für Gießen wie gang Oberheffen, die Kreise Weglar und Marburg 10 fe. fonit 15 Bfg.; Steklamen die Betttzelle 30 resp. 40 Bfg.
Bostzeltungsliste No. 3269.
Sebaktion und Expedition: Gießen Neuenweg 28. Feruiprechauschia Rr, 868.
Neuelle Nachrichten
( Sichener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
( Sichener Beifung
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung Esthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberheffen.
Geiftige Ansteckung.
CB n legter Zeit ist die Chronik der Blätter dauernd er füllt von Nachrichten, die über Mordtaten von Müttern an ihren Kindern zu berichten wissen. Jene Schriftsetzerfrau Binterstein aus Berlin, die ihre drei Söhne erhängte, hat geradezu Schule gemacht sit venia verbo. Aus allen Cauen unseres Vaterlandes kommt Kunde von ähnlichen Bällen, ohne daß ein begreiflicher Grund irgend ersichtlich rnäre. Es muß eine Art Seuche sein, die da wütet, eine euche von seltener Grausamkeit und von erschrecklicher Ausdehnung. Die Geschichte lehrt, daß es in der Tat EpiSemien des Mordes gibt. Man kann die Spuren solcher Ansteckungen" verfolgen bis in fernste Vorzeit. Es ist, als ab Bluttaten juggestive Wirkungen hätten, als ob sie zur achahmung aufreizten. Ein psychologisches Kapitel voller Schrecken, das für den Forscher in Menschenseelen eines rauen vollen Reizes nicht entbehrt. Der Anarchist, der die Mörderhand erhebi gegen ein gekröntes Haupt, findet verorfene Kreaturen, die seine Tat als ein Martyrium, als ein Heldenstück feiern. Teils trägt Degeneration die Schuld On solcher Gefühlsart, teils Ueberreizung primärer Natur, ie der Einzelne selbst verschuldet, teils aber auch- und Tier scheint das Hauptgewicht zu liegen suggestive Anfiefung als die Folge mißverstandener Theorien. Zu tiefes Fersen fen in den Gedankengung anderer, geistig benachbarter Raturen, zu starkes instinktives Nachfühlen ihrer Erzesse Lihrt oft zu parallelen Taten. Wie der Gelehrte, der Tag fir Tag über seinen Büchern hockt und aus den Philosophien der anderen Steine losbröckelt, um sie für eigenen Bau unusen, nur allzu oft über das Ziel des Menschenmöglichen nausschießt und in der Jagd der Gedanken über die GeniaEtät hinaus zum Wahnsinn kommt Genie und Wahninn sind ja so verwandt, so mag in minderbegabten Menschen die verwegene oder die blutige Tat unbewußt Sdeen hervorbringen, die gleiche Taten zeitigen.
Gin hervorstechendes Moment bildet diesmal die Tatache, daß schwache Frauen, Mütter noch dazu, die Hand rheben gegen ihr eigenes Blut. Wohl trieb auch früher Chon die Lebensnot warmherzige Geschöpfe des schwachen Beschlechtes zu verzweifelten Taten. Bei den Fällen, um die es sich jetzt handelt, aber bleibt uns nur die eine ErLirung übrig: daß durch eine einzige grausame Mutterat suggestiv in degenerierten Geschöpfen desselben Geschleches Wirkungen erzeugt wurden, die nicht möglich gewesen pären, wenn der starre Materialismus unserer Zeit die Geüter nicht so völlig unterjocht hätte. Auf der Anklagebank or dem höheren Richterstuhle sigen neben diesen Müttern, die ihr eigenes Fleisch dahingeschlachtet, die modernen PreDiger der Dekadence.
Der Wildhirt.
Eine oberhessische Dorfgeschichte von J. Becker. ( Fortsetzung) ( Nachdruck verboten.) in im Dorfe stand das Wirtshaus, nach dem die Bewoner, da es blos eine Schenke im Orte , einfach ,, Wirts" nannte. Das Haus war noch e, mit weiß getürchten Feldern zwischen den blau gestrickenen valkenlagen. Eine große Scheune, eben is noch neu, stand dem Wohnhause gegenüber. Sie urde durch ein schon älteres und niedriges Querbäude, den Vichstall, mit dem Wohnhause verbunden, daß der innere Hofraum dadurch ein nach der Straße fcues Viereck bildete. An der anderen Seite der ziemlich breiten Dorftafe, nicht weit entfernt. lag Bierersch Hof. Er hatte anggestreckte Gebäude und machte einen wu.htigen Sindruck. Hier trennten fich Elschen und Hangcurt und jedes begab sich nach heim. Auch der Tiophel kam endlich angeschlichen. Gc ging langsam das Dorf hinauf bis an das obere Ende. Da stand ziemlich abgelegen und faft einsam eine unscheinbare Hütte mit zwei Fenstern in der Längsseite, zwischen denen sich die niedrige Thür befand. Die Hütte war nur so hoch, daß ein erwachsener Mann mit der Hand den Rand des Daches erreichen konnte. Dies war das elterliche Heim des Burschen, auf das er langsam zuschritt und in deffen Thür er verschwand.
Im Innern der Hütte harrte seiner gerade kein freundlicher Empfang. Seine Mutter, ein noch fräftiges Web mit rohem ältlichen Gefichtsausdruck, saß an dem alten wadeligen Tisch und aß irgend etwas aus einem irdenen Napf, nachdem der Tiophel einen verlangenden Blick warf.
Gelt, effen willst Du, aber nichts arbeiten", sagte
die Alte. Den ganzen Tag' rumherzutreiben und nichts zu thun! Wo warste dann?" Auf der Hute", antwortete der Bursche kurz.
Die Politik.
Zum päpstlichen Nuntius in München ist vom Papst auf Empfehlung der Kardinäle Ferrara und Callegari der Monsignore Locatelli ernannt worden, nachdem die bayerische Regierung diese Kandidatur angenommen hat. Der bisherige Münchener Nuntius Monsignore Macchi hat den Posten kaum ein Jahr bekleidet. Locatelli beherrscht die deutsche Sprache vollkommen.
Einen seltsamen Beschluß hat der oberelsässische Bezirkstag gefaßt: Er hat einen Antrag angenommen, der die Reichsregierung auffordert, in Zukunft alles zu tun, was zur Vermeidung eines Krieges möglich sei. Etwaige Streitfälle mit anderen Nationen solle die deutsche Regierung vor dem Haager Schiedsgericht zum Austrag bringen! Abgesehen davon, daß dieser Beschluß aus dem Rahmen der Zuständigkeit des Bezirksausschusses fällt, ist er auch noch höchst unpassend. Das Vorgehen des elsässer Ausschusses muß den Anschein erwecken, als zweifelten die Elsässer an der Friedensliebe Deutschlands, die sich nun doch schon durch 32 Jahre bewährt hat.
Eine beachtenswerte Neuordnung der Schulferien regt der Verband deutscher Ostseebäder in einer Eingabe an den Kultusminister an. Danach sollen die bisherigen Schulferien, namentlich die großen sommerlichen, nach dem Vorbilde mancher deutscher, sowie der meisten fremden Staaten auf Kosten der Pfingst- und der Herbstferien verlängert und je nach der geographischen Lage der Provinzen auf verschiedene Zeitabstände verteilt werden. Dadurch würde sich der hygienische Wert der Sommerferien steigern.
Papst Pins X. offenbart sich täglich mehr als ein sehr fluger Politiker. Dem französischen Kulturkampf gegenüber will er ein probates Mittel anwenden: Austoben lassen. Er weiß, jeder Widerstand der Kirche gegen die weltliche Obrigkeit in Frankreich stärkt am letzten Ende nur die Position der Regierung. Deshalb hat er den französischen Katholiken, die durch den Mund eines Deputierten von ihm Verhaltungsmaßregeln in der Frage der Trennung von Kirche und Staat verlangten, durch den Staatssekretär Merry del Val antworten lassen: Sie sollten die Kulturfämpfer ruhig gewähren lassen; er, der Papst, wünsche weder die von den französischen Katholiken geplante Kammerdebatte über diesen Gegenstand, noch auch einen Gegenantrag.
Man weiß nicht recht, worüber man mehr staunen soll: über die Naivetät britischer Blätter, die ihren Lesern die unglaublichsten politischen Schauermären aufbinden, oder über die Naivetät britischer Zeitungsleser, die diese Mären ernst nehmen. Neuerdings haben Londoner Blätter wieder erzählt, der chinesische Vizekönig Juanschikai und der General Ma wollten am nächsten Sonntag an der Spiẞe von 45 000 Mann chinesischer Truppen die Ruffen mit Gewalt aus der Mandschurei verjagen! Selbst
Na, und was haste denx da gemacht? " Hab' mit zugeguckt, wie sie getanzt haben." " So?- ei hast wohl auch getanzt?" „ Nein."
Damit ging Ttophel an den Kachelofen, um, wie gewohnt, sich sein Essen herauszulangen. Aber er fand nichts vor.
" Nichts zu essen da?"
Ich hab nichts für Dich! Wo soll ich's denn Hernehmen, wenn Du nichts arbeiten willst. Ich hab D'r schon die cars Bert gesagt,' s is Zeit, daß Du Dich bet die Bauern Jermiet'st oder sonst was treibst, denn Du bist nun us der Schule. Scheinst aber zu glauben, ich soll Dich nun auch noch, weiterfüttern. Ich sag' Dir's alleveil zum letzten Mal, wenn Du nichts arbett'st, von nir friegste nichts mehr zu essen. Ja, wennste Dei'm Bater noch naharten thäh'st; der is freilich in den Sisen gestorben."
Bornerfüllt ging Ttophel hinaus. Aber was konnte er machen? Es war nun einmal nichts zu essen da and er hatte doch wütenden Hunger. Er stand am Thürpfosten und brütete augenscheinlich über Gedanken, die gerade nicht die besten waren. Mit dem steigenden Hunger schien auch seine Entschlossenheit zu wachsen.
Er ging in die Küche. Da stand ein Korb und daneben ein Spaten; er nahm beides und schlich aus em Hause hinaus in das Feld, über dem schon tiefe Dunkelheit lag.
Außerhalb der Gärten, die das Dorf umgaben, beand sich auf einem Acker eine Kartoffelgrube, in der in Bauer einen Teil seiner vorjährigen reichen Ernte ntergebracht hatte, da er fie nicht alle im Keller bergen onnte. Das wußte der Tiophel.
Er wußte auch, daß seine Mutter feine Startoffeln nehr hatte, aber er dachte, sie hätte unterdes wieder Delche gebettelt. Da fie aber feine einzige mehr besaß und ihn der Hunger quälte, so mußte er sich entschließer, Nahrung herbeizuschaffen und darum stand sein sehnichster Wunsch nach einem Korbe voll Kartoffeln. Dat
verständlich ist diese Geschichte eine blante Erfindung, und noch dazu eine der dümisten, auf die die Londoner Presse verfallen konnte. Etwas mehr mag an einer anderen Meldung sein, die von einem kleinen Konflikt zwischen Japan und Korea erzählt. Danach haben einige Koreaner mit Japanern in Soul eine solenne Prügelei gehabt, und Japan verlangt jetzt dafür von Korea Genugtuung: Die koreanischen Rausbolde sollen streng bestraft werden, die Polizeibehörden sollen strenge Verweise erhalten und bei Japan um Entschuldigung wegen des Vorfalls bitten. Außerdem soll die koreanische Regierung die Kurkosten für die verprügelten Japaner zahlen. Sonst will Japan in Söul eine Polizeitruppe landen. Nun, die Koreaner werden klein beigeben, und damit wird auch dieser Sturin im Glase Wasser, den die britische Presse zu einem großen politischen Ereignis aufbauscht, über Nacht beigelegt sein.
Der Sultan hat, wie englische Blätter melden, bei Krupp 220 000 Mausergewehre und 96 Geschüße bestellt. Die Sache flingt nicht gerade sehr wahrscheinlich.
Bei der Hundertjahrfeier der Newyorker Presbyterianerkirche hielt Präsident Roosevelt eine Ansprache, in der er alle Amerikaner, die dieses Namens nært sein wollten, aufforderte, sich zu bemühen, mit allen Mitteln die Bestechung im Privatleben, und ganz besonders im öffentlichen Leben zu bekämpfen. Ob diese Mahnung an eine Bevölkerung, die eben noch die korrupten Tammanyten in die Stadtverwaltung gewählt hat, viel fruchten Yrd?
† Das„ Humbert- Dossier", die von der„ großen Therese" aufgestellte Liste der politischen und sonst namhaften Per sonen, die angeblich im Hause Humbert verkehrten, wird jezt vom Pariser Figaro" veröffentlicht. Es handelt sich um etwa hundert Personen, von denen die meisten nach der Liste Einladungen zur Jagd von den Humberts erhalten haben sollen. Indessen scheint auch diese Liste ein Humbertscher Schwindel zu sein, den Frau Therese anscheinend inszeniert hat, um ihren Gläubigern mit ihren politischen und gesellschaftlichen Verbindungen zu imponieren. Eine ganze Anzahl der in der Liste aufgeführten Personen- u. a. befindet sich darunter auch die berühmte Königin Isabella von Spanien- protestieren dagegen, daß sie zu den Humberts Beziehungen hatten. So erklärt der sozialistische Deputierte Jaurès, der von den Humberts Einladungen zur Jagd erhalten haben soll, daß er in seinem ganzen Leben überhaupt noch kein Gewehr angerührt und die Hum. berts gar nicht gefannt habe. Der ehemalige Ministerpräsi dent Méline erklärt, daß er bei den Humberts niemals diniert oder gejagt habe! Die ganze parlamentarische Hauptund Staatsaktion, die die Nationalisten aus dieser Affaire zu machen gedachten, wird danach wohl völlig versanden. Aus Panama liegen zur Zeit feine sonderlich bemerkenswerten Meldungen vor. Man müßte denn ein paar Lügen. depeschen der Newvorker gelben Bresse, die inzwischen schon
nicht sein Eigentum waren, machte tym die wenigsten Sorgen.
Er arbeitete hastig darauflos, wie einer der sonst Den ganzen Tag auf der faulen Haut liegt. Denn olche, die das thun, fönnen in der Regel. wenn He nmal ans Arbeiten lommen, für Sechse schaffen.
Bald hatte er die Kartoffeln erreidt und schnell inen Korb gefüllt. Soweit an hatte die Arbeitslust orgehalten, allein die Grube wieder auszufüllen und Die Erde über derselben aufzuschichten, das behagte dem urschen nicht. Hätte er dies sorgfältig gethan, dann vürde man am Ende gar nicht gemerkt haben, daß in der Nacht Jemand an den Kartoffeln gewesen war.
Dit stiller Befriedigung nahm er den gefüllten Korb auf die Achsel und eilte nach der Hütte damit. Als er in die Stube trat, war es mittlerweile spät geworden und seine Mutter lag daher auch schon im Bette, das heißt auf ihrem Strohlager.
Was bringste da? fragte fie neugierig, indem sie sich im Bette erhob.
1-
„ Kartoffel' n Korb voll Kartoffeln. Die hab ich Mertes gestohlen."
„ Sich, siehste da!" rief die Alte vergnügt.„ Mertes önnens entbehr'n. Ei sag, wie haste denn das ang'fange?"
„ Na, ich wußt, daß die doch hinter ihrem Hofgarten' ne Kartoffelgrube hatten; da hab' ich sie' rausgegraben."
„ Das haste gut gemacht," flüsterte die Alte mit leifer Stimme, indem sie aus dem Bette stieg und mit den Füßen in ihre alten ausgetretenen Schlappschuhe schlüpfte, wonach sie mit großer Gilfertigkeit einen zerciffenen Rock über das Hemd warf. So, einem Geipenste gleich, trat fie an den Korb mit Kartoffeln heran, um sich über das gestohlene Gut zu freuen.
Sun' n tüchtiges Stück Speck noch," meinte sie mit dem Kopfe nickend.„ Wie manchmal hab' ich das Dei'm sel'gen Vater machen müssen mitten in der Stadt Fortsetzung folgt. noch, wenn er tam."
bes menfaatete der Wind den Gruß der guten
und teise rauschte ber
burd) bie ipfel der alten Eichentronen.
Geister
auf einem
zuholen. wiiſtet fah sich und feine Tochter verloren, seinen Refognoszierungsritt begriffen. wenn jener zurückkehrte, um die
ex auf der Straße" Dahergejagt, einem
Die Dämme Seinen heranDer West Ahnensitz ver. Der Marquis
wahrscheinlich
Die Sonne war inzwischen untergegangen.
himmer erglühte mic
melthrande
nichten.
bin ich
noch begraven
hereinbrechen!
ch beuge mich. Beinen Bruber
Sie feste fich neben
Der Marquis hatte eien auf. und ließ ihren Tränen den offenen Sarg auf einen Stuhl
wonen, aber immer, wenn feinender beftig unterbrechen
Dann mag das Unglüd über uns
auf das bleiche, stille
und, ihm die unbewegliche Gestalt. und warf mehrmals einen forschenden Blick auf Josephinens und schwieg. Er schien von einer inneren ned) rechtzeitig geleitet, trat das Edelfräulein raich an sein Bager beron Unbedachtes Als der Arzt gegangen war, von dem alten Diener hinausneren Unruhe verzehrt
fagen wollte. Aber er befann und etwas
Sand binity


