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Aus dem Gerichtsfaal.

§ Richter und Gentleman. Ein eigenartiger Prozeß wird sich nächstens vor dem Gericht der ungarischen Stadt Nagy­barad abspielen. Ein Herr aus der dortigen Gesellschaft war vom Bezirksrichter beleidigt worden und hatte diesen fordern lassen. Der Bezirksrichter acceptierte auch die Forderung, doch wurde die Angelegenheit schließlich auf friedlichem Wege beigelegt. Dem Richter entstanden nun aber nachträglich allerlei Vedenken. Er konstatierte, daß auch in seiner Brust ,, ach, zwei Seelen wohnen": die des Gentlemans" und die des Richters. Und sei der einen ihr Recht geworden, so dars die andere nicht vergebens auf die Erfüllung jener Pflicht pochen, die ihm sein Diensteid auferlegt. Und er wußte den gordischen Knoten all dieser inneren Konflikte nicht anders entzweizuschlagen, als dadurch, daß er gegen seinen Gegner die Klage wegen Herausforderung zum Zweikampfe" an hängig machte. Daß er diese Herausforderung angenommen, beunruhigte sein einmal ermachtes richterliches Gewissen nicht weiter. Das wird jedenfalls eine interessante Verhand lung werden...

Nab und Fern.

Der Abschied des Kriegsministers v. Goßler von den

Hinrichtung eines Lustmörders. In Freiburg i. B. wurde der Taglöhner Pfister, der wegen Lustmordes an der kleinen Tochter des Bahnschaffners Ulrich vom Schwurgericht Ende April zum Tode verurteilt worden war, mittelst Fallbeils hingerichtet. Er hat vor seinem Tode sein Ver­brechen eingestanden.

Offizieren und Beamten des preußischen Kriegsministeriums ging in dem historischen Saal in weihevoller Weise vor sich. Goßlers Nachfolger v. Einem dankte in längerer Rede dem Scheidenden für das ihm stets bewiesene Wohlwollen und überreichte ihm als Erinnerungszeichen eine in der könig, lichen Porzellanmanufaktur hergestellte kostbare Porzellan­base. General v. Goßler dankte tiefbewegt.

Bunte Chronik. In dem Dorse Roncourt wurde eine dom Sächsischen Verein von Meß und Umgegend gestiftete Denktafel an dem Hause, in dem König Georg von Sachsen in der Nacht vom 18. zum 19. August 1870 gewohnt hat, feierlich eingeweiht.

Kriegsschiff Zusammenstoß. Wie aus Helgoland_ge. meldet wird, lief bei einem Nachtangriff das Torpedoboot G 112" gegen das Linienschiff Kaiser Friedrich III.". Der Obermatrose Julius Stohr aus Stuttgart erlitt dabei schwere Quetschungen, denen er trotz sofortiger Hilfe erlag; sonst ist niemand von der Besatzung verlegt. Das Torpedo­boot soll in Wilhelmshaven außer Dienst gestellt werden.

- In Dresden tagen gegenwärtig die Führerinnen der bürgerlichen internationalen Frauenbewegung. Die Ver handlungen sind nicht öffentlich.

Die Tollwut. In dem oberschlesischen Dorse Paru­schowitz wurden mehrere Personen von einem tollen Hunde gebissen. Troß sofortiger ärztlicher Hilfeleistung stellte sic bei dreien der Verletzten Tollwut ein und führte unter großen Schmerzen und Raserei den Tod herbei.

Auf der Zeche Vereinigte Wiesche" bei Heissen wurden bei einer Belegschaft von 741 Mann 305 als wurmfrank fest gestellt.

- Bei dem Dorfe Groß- Lichtenau in Westpreußen er schlug der 18jährige Knecht Bunkowski den Hirten Hage mann mit einem Spaten. Wie der Täter bei seiner Ver haftung aussagte, hat der Hirt den Hund auf ihn gehezt.

- Aus dem Trierer Untersuchungsgefängnis brachen nachts zwei Gefangene aus. Einem von ihnen gelang es, zu entfommen, der andere, ein zu fünf Jahren Buchthaus

Die Typhusepidemie in Braunschweig. Wie amtlich aus Braunschweig mitgeteilt wird, sind bis jetzt von 496 Kindern, welche die Waldspiele besucht hatten, 201 erkrankt. Ferner famen 28 Typhuserkrankungen von Erwachsenen zur Anmeldung. Gestorben sind bis jetzt 2 Kinder und 1 Er­wachsener. Da in den letzten acht Tagen nur noch sehr wenig neue Fälle angemeldet worden sind, ist anzunehmen, daß die Epidemie im Erlöschen begriffen ist. Nach Maßgabe der Untersuchung ist mit aller Wahrscheinlichkeit der Ur­sprung der Seuche auf eine in der zweiten Juliwoche vor­gekommene Milchinfektion zurückzuführen.

berurteilter Verbrecher, brach beide Beine.

* LEin Himbeerstrauch auf einer Weide.] Ein eigent. artiges Zusammenleben von Pflanzen findet der Wanderer am Südrande des Dorfs Engebbostel im Hannoverschen, an der Stelle, wo die Chaussee von Stöcken einmündet. Dort grünt eine Weide, die in ihrer Krone einen fast meter. hohen Himbeerstrauch trägt, Der Strauch, welcher jeden. falls sein Dasein auf der Weide einer Samenübertragung durch die Luft verdankt, hat sich auch in diesem Jahre lebens. frisch erhalten und ½ Liter prächtige Früchte gezeitigt.

In den Schweizer Bergen herrscht ebenso wie in einem Teil der Bayerischen Alpen Winterwetter. Das Observato rium auf dem Säntis meldete Neuschnee von 24 Erte. Höbe und 3 Grad Kälte.

* Eisenbahnkatastrophe. Zwischen Rothenkirchen und Obercrinitz( Königreich Sachsen) entgleiste der Personenzug Carlsfeld Wilfau aus noch nicht aufgeklärten Ursachen. Da­bei wurden 3 Personen getötet, etwa 20 schwer und weitere 20 leicht verletzt.

Vermischtes.

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* Die 28. und Alice- S am 30. Septem Worm abgehalte Handsmitgliedern Muhl- Bilbel, Friasmänner, b Darmstadt, An

§ Im Humbert- Prozeß wurde der Kassierer der Hente Viagère, Dumort, vernommen. Er nennt die Rente ein Haus ersten Ranges"( Heiterkeit im Publikum) und ver spricht, alles zu bezahlen. Der Liquidator Bacher wider­spricht dieser optimistischen Auffassung lebhaft. Weiter er. zählt Dumort die Vorgänge am Tage der Flucht der Hum berts. Emile Daurignac gesteht zu, daß an jenem Tage für mehr als 40 000 Frank Wertpapiere seitens der Rente Via­gère verkauft wurden, um Reisegeld für Frau Therese zu beschaffen. Nach Emiles Erklärung war dieses Vorgehen bollkommen forrekt. Da die Humberts, wie gemeldet, mehr­fach versuchten, den Namen Lebaudy in ihre Affäre hinein­zuziehen, will die verwitwete Frau Lebaudy das Andenken ihres Gatten gegen etwaige Angriffe energisch verteidigen. La Presse" veröffentlicht eine andere romantische Lesart über die Herkunft der 100 Milliontent. Dattach starb im Jahre 1691 im Haag der französische General Metzger ohne Testament. Wilhelm von Oranien hätte sich dessen bedeu­tendes Vermögen angeeignet. Die Erben Mezgers hätten jedoch später ein Testament aufgefunden und in Holland einen Prozeß angestrengt, der noch fortdauert. Die Erbschaft belaufe sich mit belt seither angehäuften Zinsen gegenwärtig auf hundertdreißig Millionen. Einer der Erben sei die Familie Müller und ein Mitglied dieser Familie sei Kellner in Paris und ein Vertrauensmann Gustav Humberts ge­wesen. Müller habe Humbert in die Erbschaftsangelegen­heit eingeweiht in der Erwartung, daß ihm seine Unter­stützung nützen könne. Die Humberts hätten nun Müller den Vorschlag gemacht, die Angelegenheit auf ihre Kosten in die Hand zu nehmen und sie nach Beendigung des Pro­zesses mit Müller zu regeln. Das Blatt fügt hinzu, Müller habe häufig den Besuch einer geheimnisvollen Dame er­halten, die mit Frau Humbert identisch wäre. Letztere werde an einem der nächsten Verhandlungstage mitteilen, daß 87 Millionen am 7. Mai einem Freunde übergeben wurden, dessen Namen sie vor dem Ende des Prozesses nennen werde, wenn die Millionen nicht herbeigeschafft wären.

[ Vom Aufenthalt der Kaiserin in Schlesien] werden folgende hübsche Anekdoten berichtet. Die Kaiserin wollte in einer schlesischen Stadt, deren Namen besser verschwiegen sein mag, den Bug besteigen, der sie aus dem Ueberschwem­mungsgebiet entführen sollte. Sie kam aber eine halbe Stunde zu früh an und fuhr unerkannt im Wagen langsam durch die Reihen der spalierbildenden Bürgerschaft zum Bahn­hof. Dort werden gerade noch die Teppiche gelegt, die Vor­standsdamen des Frauenvereins find die einzigen Anwesen­den, und keine der Damen weiß, daß die eintretende Frau die Kaiserin ist. Sie halten sie wohl für eine Vorstands­dame aus der Umgegend und unterhalten sich mit ihr freund­schaftlich; eine Frau Kommerzienrat wird zum Glück noch gehindert zu fragen: Mit wem habe ich die Ehre?" Wäh­rend der Unterhaltung erscheint ein altes Weib und fegt die Teppiche ab, unbekümmert um die nicht erkannte Für­stin. Endlich dämmert es den Anwesenden, daß die fremde Dame nicht Frau Schulze sei, und einige mißglückte Knire und Handtüsse, sowie fräftiges Schütteln der Hand der Landesmutter bezeugen den patriotischen Sinn. Als nun der Bug sich eben in Bewegung setzen will, erscheint end­lich der Bürgermeister, um die hohe Frau zu begrüßen. Ge rade von dieser Stadt soll die Kaiserin höchst befriedigt abgefahren sein und auch in der Erinnerung daran- noch jekt herzlich darüber lachen. Eine zwette recht lehrreiche Anekdote berichtet, daß ein biederer Handwerksmeister in Biegenhals, der die vornehm- einfache Toilette der Kaiserin sah, in die denkwürdigen Worte ausbrach: Jetzt geh' ich nack Hause und reiße meiner Tochter die vielen Blumen vom Sute herunter."- Es könnte so mancher Tochter nicht schaden, wenn sie auch einen solchen Vater hätte!

Zu einem schweren Unglück hätte sich ein Unfall aus­wachsen können, der dem Schnellzug Hof- München in der Nähe von Regensburg zustieß. Bei der Einfahrt auf die Donaubrücke entgleiste der Tender. Infolge Versagens der Lokomotivbremse fuhr der Zug über die Brücke weiter und beschädigte das Geleise und den Holzbelag der Brücke. Der Heizer kletterte von der Lokomotive aus in einen Personen­wagen und zog die Notbremse, worauf der Zug zum Stehen gebracht wurde, als er bereits halb über die Brücke war.

In Stuttgart brannte auf dem Hauptbahnhof die Ma­schinenhalle völlig nieder. Das Fahrmaterial fonnte gerettet werden. Auch in Paris gab es wieder einen kleinen Motor­wagenbrand auf der Straßenbahn. Es entstand eine Panik, doch gelang es, den Brand ohne erheblichen Schaden abzu­löschen.

* Verhängnisvolles Feuerwerk. Auf einer Festlichkeit, welche die dem Halberstädter Bezirkskommando angehörenden Offiziere in Ilsenburg veranstalteten, wurde beim Abbrennen eines Feuerwerks durch Explosion aus der Zuschauermenge ein Mann getötet; ein junges Mädchen erlitt lebensgefähr liche Verwandungen und mehrere andere Personen wurden leichter verletzt.

Die Schulden der Prinzessin von Koburg. Aus der Klageschrift, welche die Rechtsanwälte der Gläubiger der Prinzessin Luise von Koburg nunmehr in ihren Hauptzügen veröffentlichen, geht hervor, daß die Gesamtsumme der von der Prinzessin gemachten Saulden mehr als 12 Millionen Francs beträgt. Hiervon ist wohl mir ein geringer Teil auf die Anschaffung von Kleidern, Hüten, Juwelen u. s. w. verwendet worden. Der größere Teil ging durch Wucher­zinsen und durch die Hazardspiele, denen die Prinzessin leidenschaftlich fröhnte, verloren.

A[ Das Schachspiel als Unterrichtsgegenstand.] In Ruß land hat soeben der Unterrichtsminister ein Rundschreiben an die Direktoren der Lyzeen gerichtet, in welchen sie an gewiesen werden, den Unterricht im Schachspiel als freien Gegenstand im Lehrplan aufzunehmen.

Die Tätigkeit des Vesuvs nimmt weiter gefahrdrohend zu. Die Lava ergießt sich über große Strecken nach Nord­osten und Südwesten in der Richtung auf Ottajano und Pom­peji. Die Weingärten an den Abhängen sind zu einem großen Teil vernichtet.

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Seiden­[ Ein moderner Pfahlbaner. Der Züricher Seid fabrikant Henneberg hat sich bei Lindau im Bodensee, etwa 60 Meter bom Ufer entfernt, eine Pfahlbauhütte herstellen lassen, die eine treue Nachbildung des im Züricher Landes­museum befindlichen Pfahlbauhütten- Modells ist. Die Hütte, aus einem einzigen Raum bestehend, ist von einer bis 2 Meter breiten Galerie umgeben; ihre Wände bestehen aus mit Lehm beworfenem Weidenflechtwerk, der Boden aus ge­stampstem Lehm, über den ein Weidengeflecht gelegt ist, und das Dach aus einer gepreßten Strohdecke. Auch das Mobiliar" ist getreu dem der echten Pfahlbauten nachgebil. det; die Fensterscheiben sind aus Schweinsblase, der Schmuck der Wände ist mit Kohle und Ochsenblut hergestellt. Für den Bau der Hütte wurde hauptsächlich Eibenholz verwendet.

+[ Blinder Eifer schadet nur.] Eine unangenehme Ueber raschung wurde einem übereifrigen Reserveleutnant in Lan. dau zuteil, der selbst einen Wachposten überraschen wollte. Dieser letztere hatte die Aufgabe, darauf zu achten, daß meh. rere in der Nähe der Kaserne im Freien stehenden Pack. wagen nicht gestohlen werden sollten. Unser Leutnant ver. steckte sich nun, um den Bosten auf die Probe zu stellen, in einem der Wagen, ließ aber die Türen sperrangelweit offen. Der Posten, der die offenen Türen bemerkte, kam herbei und schlug sie unter einem fräftigen Fluche zu. Der Herr Leut nant saß nun in der Mausefalle, verhielt sich aber vorerst ganz ruhig. Als es aber anfing, ungemütlich zu werden, machte er sich durch Klopfen bemerkbar. Der Posten trai nun dem Wagen näher und fragte, wer da wäre. Da er scholl aus dem freiwilligen Asyl mit Kommandostimme: Auf machen, ich bin der Offizier vom Kasernen- Tagesdienst!" Das ließ aber unseren Soldaten falt; er tröstete den frei willig Gefangenen mit der lakonischen Antwort: Da könnte jeder kommen und sagen, er sei der Offizier vom Tages. dienst; er solle nur warten, bis die Ablösung sich einfinde, dann könne er heraus und mit auf die Wache kommen. Erst nach zweistündigem Verweilen kam der Leutnant aus dem Wagen.

Ein schwerer Automobilunfall wird aus der Nähe von Metz gemeldet. Ein Automobil mit vier Reisenden, die von Saarbrücken aus eine Fahrt nach Paris machen wollten, stieß bei dem Dorfe Planchette auf ein Hindernis und ging in Stücke. Der Chauffeur wurde lebensgefährlich verlegt. Die übrigen Personen kamen mit mehr oder minder schweren, doch unbedenklichen Verletzungen davon.

Ein unerforschter Archipel bei Tunis. Man hat etwa 40 Kilometer vom tunesischen Gestade entfernt eine Insel­gruppe entdeckt, die keinem Menschen gehörte. Dieser Tage hat Herr d'Anthouard im Namen Frankreichs von diesem Inselreiche Besitz ergriffen. Er fand auf Galit, der größten dieser Inseln, einen ehemaligen französischen Unteroffizier namens Clément, der dort seit 14 Jahren in Gesellschaft von etwa hundert mehr oder minder wilden Individuen lebte. Es wurde sofort eine etwas summarische Verwaltung organisiert, und Herr Clément amtlich mit den etwas weit auseinander liegenden Funktionen eines Konsularagenten, eines Fischereiaufsehers, eines Hafenmeisters, eines Standes beamten und eines Lehrers betraut! In einiger Zeit wird die Domänen- Verwaltung die Eigentumsfrage regeln. Abenteuerlustigen Personen eröffnet sich ein weites Feld!

Kunft und Wissenschaft.

RD. Süßwasser im Meere. Bei Haarlem in Holland schöpft man jetzt süßes Wasser mitten im Meere. Ein In­genieur hat an einer Stelle, die ziemlich weit von der Küste entfernt liegt, eine Pumpe einsetzen lassen, um zu beweisen, daß dort unter einer undurchdringlichen Tonschicht süßes Wasser sprudelt. Und tatsächlich zog er bei 33 Meter Tiefe vorzügliches Trinkwasser empor. Bei Ebbe liegt die Pumpe

trocken.

LG. Räuber Storch. Die deutschen Landwirte gebent noch Immer nach der Väter Sitte demt Storch gern Asyl, trotzdem die Wissenschaft schon längst vor dem Bruder Langbein als gefährlichen Räuber gewarnt hat. Ein Fall, der jetzt aus der Provinz Posen berichtet wird, gibt dieser Warnung nur zu sehr recht. In Groß- Lonst bei Janowitz befindet sich auf der Scheune des Besitzers R. ein Nest, das auch diesen Sommer wieder von einer Storchfamilie bewohnt wurde. Das Elternpaar hat diesmal vier Junge großgezogen, welche reichlich junge Hasen, Nebhühner und Fische zur Nahrung befamen. Eines Tages brachte der Storch einen noch leben­den Hecht von Pfund Gewicht, welcher ihm kurz vor dem Biele entfiel und welchen dann der Besitzer selbst mit der Familie verspeiste.

** Musiker- Organisation. Eine für die Musikerfreise wichtige Bekanntmachung hat soeben der Vorstand des All­gemeinen deutschen Musikervereins erlassen. Die dem Ver bande angehörigen Musikdirektoren, Kapellmeister u. s. w. sind verpflichtet worden, von jetzt ab nur Verbandsmitglieder zu engagieren. Sind solche nicht zu erlangen, so sind die Direktoren u. s. w. verpflichtet, die engagierten Musiker binnen vier Wochen dem Verband als Mitglieder zuzuführen. Bis zum 1. Oktober müssen alle bei Verbandsdirektoren be schäftigten Musiker dem Verbande angeschlossen sein. Diese einschneidende Maßregel wird jedenfalls dazu führen, eine Beseitigung manch trauriger Verhältnisse anzubahnen, über die seitens der Musiker seit längerer Zeit schon geklagt wird.

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LB. Ein Autor gesucht. In London ist ein Buch er­schienen, dessen Autor dem Verleger gänzlich unbekannt ist. Das Werk trägt den Titel Die Handschrift in der roten Schachtel" und folgende Widmung: Dieses Werk wird dem unbekannten Autor von dem Verleger gewidmet." Frühjahr dieses Jahres langte bei dem bekannten englischen Verleger John Lane ein Paket an, das ein Manuskript in roter Schachtel enthielt. Da weder ein Brief beilag, noch eine Adresse des Verfassers oder Einsenders angegeben war, so wurde das Paket nicht regelrecht eingetragen, wie es sonst mit Handschriften geschieht, sondern in einen Seitenfasten getan; man zweifelte nicht daran, daß der Verfasser nach­träglich einen Brief schreiben oder sich sonst melden werde. Als aber ein Monat verstrich, ohne daß er von sich hören ließ, nahm man die Sendung vor, trug sie als die Hand­chrift in der roten Schachtel" ein und übergab sie dem bei der Verlagsfirma angestellten Reser", wie es immer geschieht. Dieser literarische Berater, der offenbar durch die Namen­losigkeit und die anderen begleitenden Umstände gereizt war, las die Handschrift sofort und schrieb dem Verleger ein enthusiastisches Gutachten darüber. John Lane, der selbst ein Mann von großer Bildung und feinem Geschmack ist, wurde neugierig, las die seltsame Handschrift ebenfalls und war nicht minder entzückt. Es ist ein Bild aus der Zeit des ersten Karl: ein holländischer Kapitalist erhält vom König, der in Geldnöten ist, das Privilegium, die Insel Ar­holme zu drainieren, und die unwissende Bevölkerung sträubt, sich natürlich gegen die fremden Eindringlinge" mit Händen und Füßen. Auf Lanes mehrfache Annoncen meldete sich niemand. Lane schwankte zuerst, ob er das Werk veröffent lichen dürfe, hat sich dann aber auf Zureden juristischer Autoritäten dazu entschlossen. Der unbekannte Autor wird, im Falle er sich meldet, seine Ansprüche einem Schiedsgericht unterbreiten müssen. Das Buch ist ein unbestrittener, enormer Erfolg und bedeutet bei den englischen Verhält nissen für den unbekannten Verfasser ein großes, sehr großes. Vermögen.

** Gin statistisches Kuriosum. Wo erfährt man die Ein mohnerzahl der kleinen Gemeinden? Antwort: Die Ergeb nisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1900 fann mar für die Gemeinden unter 2000 Einwohnern nirgends ander finden, als in dem vor kurzem begonnenen Werke des kgl preußischen statistischen Bureaus, betitelt: Vieh stands und Obstbaumlerikon vom Jahre 1900" Die Zahlen sind von größtem Interesse, insbesondere weger der vielen kleinen, aber reingewerblichen Vororte der Groß städte, die auch heute noch selbständige Landgemeinden sind und daher in der amtlichen Statistik als gleichwertig mi den kleinsten Dörfern behandelt werden, tatsächlich aber ir Summa eine sehr beträchtliche rein großstädtische in dustrielle Volksmenge bergen. Bisher sind von diesem Werk die Bände für Berlin und Brandenburg, Schleswig- Hol stein, Westfalen, Rheinland publiziert.

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